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Full text of "Sitzungsberichte der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften. Mathematisch-Naturwissenschaftliche Classe"

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SITZUNGSBERICHTE 


DER KAISERLICHEN 


AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN. 


MATHEMATISCH-NATURWISSENSCHAFTLICHE CLASSE. 


SIEBZEHNTER BAND. 


WIEN. 


AUS DER K. K. HOF- UND STAATSDRUCKEREI. 


IN COMMISSION BEI W. BRAUMÜLLER, BUCHHÄNDLER DES K. K. HOFES UND DER 
K. AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN. 


1859. 


SITZUNGSBERICHTE 


DER 


MATHEMATISCH-NATURWISSENSCHAFTLICHEN 
CGLASSE 


DER KAISERLICHEN 


AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN. 


SIEBZEHNTER BAND. 
Jauncang 1800. Hart Leis 1. 


(At I Karte Ne Cateln.) 
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WIEN. 
AUS DER K. K. HOF- UND STAATSDRUCKEREI. 


IN COMMISSION BEI W. BRAUMÜLLER, BUCHHÄNDLER DES K. K. HOFES UND DER 
K. AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN. 


1855. 


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INHALT. 


Sitzung vom 3. Juni 1855. 

v. Littrow, Nachträgliche Mittheilung bezüglich der in den Sitzungen 
vom 18. Jänner und 22. März d.J. vorgelegten Arbeiten des Herrn 
Dr. €. Hornstein über die Bahn der Calliope SURKENES 

Grunert, Über eine geometrische Aufgabe, mit besonderer Rücksicht 
auf die Bestimmung der Stillstandspunkte oder Stationen der 
um die Sonne sich bewegenden Weltkörper . 

— Über eine astronomische Aufgabe N : 

Auszug aus einem Briefe des Professors, Hofrath Wöhler in Göttin- 
gen, correspondirenden Mitgliedes der kais. Akademie der 
Wissenschaften, an den Vorstand des kais. Hof-Mineralien- 
CGabinets,. P. Partsch . ..2... B 

Schafarik, Über die Cyanverbindungen des Platins ; 

Kner, lIchthyologische Beiträge. (Mit 6 Tafeln.) . 

Sitzung vom 14. Juni 1855. 

Hr. A. v. Pelzeln, Assistent am k. k. zool. Cabinete, übergibt im Namen 
des w.M., Dr. K. M.Diesing die Beschreibungen und Abbil- 
dungen von 19 Arten Trematoden für die Denkschriften der 
kais. Akademie der Wissenschaften ER BANN = 

Hyril, Über die accessorischen Kiemenorgane und den Darmcanal der 
Elupeaceen sn ERITREA ARE OS S CASNSEERR - 

Heckel, Neue Beiträge zur Kenntniss der fossilen Fische Österreichs 

Sitzung vom 21. Juni 1855. 

Rochleder, Chemische Notizen RICO SO RESEE N. LEERRES ER WORT: 

Zantedeschi, Nuovo Elettroscopio per le due elettrieitä d’ influenza. 
(Con 1 tavola.) I EANINS 

Wedl, Über das Herz von Menopon Halli) mit 1 Tafel.) 

Verzeichniss der eingegangenen Druckschriften RN 

Tabellarische Übersicht der Witterung in Österreich im Monate Mai. 
(Mit 2 Tafeln.) 

Sitzung vom 5. Juli 1855. 

Nachricht von dem Ableben des correspond. Mitgliedes, Herrn Prof. 
Dr. Franz Adam Petrina L8 CNC GORERNEEDE SEEN RR Ace: 

Haidinger,, Vereinfachte Methode der graphischen Winkelmessungen 
kleiner Krystalle: ..r' or..." Ss MB BAREAE ROBRRREIFTR 

— Die Formen des Kalichloreadmiates . 


Seite 


537 - 
92. 


163 


163 
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171 


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187 


187 
189 


VI 


Schiefferdecker, Bericht über die vom Verein für wissenschaftliche 
Heilkunde in Königsberg in Preussen angestellten Beobachtungen 
über den Ozongehalt der atmosphärischen Luft und sein Ver- 
hältniss zu den herrschenden Krankheiten. (Mit 15 Tafeln.) 

v. Waltenhofen, Entwurf einer Construction der Luftpumpe . 

Fitzinger, Bericht an die kaiserl. Akademie der Wissenschaften über 
die von dem Herrn Consulatsverweser Dr. Theodor v. Heuglin 
für die kaiserl. in zu Schönbrunn mitgebrachten lebenden 
Thiere . ; 

Sitzung vom 12. Juli 1855. 

Fenzl, Bericht über Dr. Joseph Lorenz’s Abhandlung, betitelt: Die 
Stratonomie von Aegagropila Sauteri . 

Zantedeschi, Ricerche sulla contemporaneitä del passaggio delle opposte 
eorrenti elettrichein un filo metallico. Memoria Il. (Con 2 tavole.) 

Boue, Über die Quellen- und Brunnenwässer zu Vöslau und Gainfahrn. 
(Mit 1 Tafel.) Me 

Marcus, Der Antigraph (Gegen- oder Verkehrfzbiehden)ir 

Sitzung vom 19. Juli 1855. 

Der Secretär zeigt an, dass der österreichische Reisende , Herr Dr. Karl 
Scherzer, welcher vor Kurzem aus Central-Amerika zurück- 
gekehrt ist, von dort eine Sammlung von Naturalien mitgebracht 
und der Akademie zum Geschenke gemacht hat. 5 

Gintl übergibt der Classe ein versiegeltes Packet zur Wahrung seiner 
Prioritäts- und Eigenthumsrechte ot RL, 

Wöhler, Analyse der Meteorsteine von Mezö-Madaras in Siebenbinuen 

Zeusehner, Über die Verbreitung des Löss in den Karpathen zwischen 
Krakau und Rima-Szombat . 

Fitzinger, Vortrag über eine neue Katzen-Art ( Felis Rolioperdemn (Mit 
1 chromolithographirten Abbildung.) cube le SALE 

Wedl, Über das Nervensystem der Nematoden. (Mit 1 Tafel.) 

Kner, Über ein neues Genus aus der Familie der Welse, Siluroidei. 
(Mit 2 Tafeln.) 8 bee 
Türck, Beobachtungen über Verminderung der Pulstr equenz bei neural- 

gischen Anfällen und über den Rhythmus solcher Anfälle . . 

Hauer, Karl Ritter v., Über neue Verbindungen des Chlorcadmiums 
mit basischen Chlormetallen. II. EN Je. 0, 100 

Verzeichniss der eingegangenen Druckschriften . - - . . 

Tabellarische Übersicht der Witterung in Österreich im Bf: 1855. 
(Mit 2 Tafeln.) 

Sitzung vom 4. October 1855. 

Zenger, Über die Messung der Strom - Intensität mit der Tangenten- 
Boussole .. alliilealermel kaktnn ana ab = ee ee 

Hlasiwetz, Über Rutinsäure und Quereitrin.. . . 

— Über das Phloretin ee er yaae ee 
Glocker, Neue Beobachtungen über das Vorkommen des Stilpnomelans 
v. Littrow, Über den Zusammenhang von Flecken und Protuberanzen 

der Sonne... ce... engen Del eh keskeh euere ne > ae 

Diesing, Zwanzig Arten von Cephaloecotyleen . 

Filipuzzi, Della Paraflına . 2 eos 

— Analisi del carbone fossile di Cludinico in Carnia 


BARN 


254 
257 


27% 
282 


284 


284 
284 


288 


295 
298 


313 
317 


331” 
355 


361 
375 
382 
401 


411 
A2k 
A25 
A40 


Sitzung vom 11. October 1855. 


Osnaghi, Analyse des Mineralwassers zu Galdhof bei Selowitz in Mähren 

Scherfel, Analyse des Schmökser Mineralwassers . a efelter hie 

Haidinger, Vergleichung von Augit und Amphibol nach den Hauptzügen 
ihrer krystallographischen und optischen Eigenschaften 


Sitzung vom 18. October 1855. 


Zwei Schreiben des Herrn Prof. Zejszner in Krakau an das w.M., 
Herrn Dr. Boue in Wien . 

Russegger , Bericht über das am 30. Schlember 1855 Abel gegen 
9 Uhr stattgefundene Erdbeben ae ICE LAN Seun su Reihe 

v. Schauroth, Übersicht der geognostischen Verhältnisse der Gegend 
von Recoaro im Vicentinischen. (Mit 1 Karte und 3 Tafeln.) 

Czerınak, Physiologische Studien. III. Abtheilung. (Mit 1 Tafel.) 

Hornstein, Opposition der Calliope im Jahre 1856 

Hörnes, Über einige neue Gastropoden aus den östlichen Alpen 

Beigel, Über Auftreibung und Bersten der Haare, eine eigenthümliche 
Erkrankung des Haarschaftes. (Mit 1 Tafel.) 

Wahlen . ß ET N RN 

Verzeichniss der eingegangenen Du kecften - Mr Beh 

Tabellarische Übersicht der Witterung in Österreich in den Monaten 
Juli und August. (Mit 4 Tafeln.) 


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SITZUNGSBERICHTE 


KAISERLICHEN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN. 
MATHEMATISCH-NATURWISSENSCHAFTLICHE CLASSE. 


XVIL. BAND. 1. HEFT. 


JAHRGANG 1855. — JUN. 


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SITZUNG VOM 8. JUNI 1855. 


Das w. M., K. von Littrow theilt mit Bezugnahme auf die 
in den Sitzungen vom 18. Jänner und 22. März d. J. vorgelegten 
Arbeiten des Herrn Dr. C. Hornstein über die Bahn der Cal- 
liope die Unterschiede mit, welche bei der eben eingetretenen 
neuen Sichtbarkeit dieses Asteroiden zwischen der Hornstein’- 
schen Ephemeride und der Beobachtung an hiesiger Sternwarte 
gefunden wurden. 


Beobachtung — Rechnung. 


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Solche Übereinstimmung der Vorausberechnung mit der Wirk- 
lichkeit lässt bei einem noch so wenig beobachteten Himmels- 
körper nichts zu wünschen übrig; die Abweichungen sind so klein, 
dass es zum Behufe der Aufsuchung des Planeten nicht einmal 
nöthig ist, die von Herrn Hornstein in dem ersten der oben 
angeführten Aufsätze gegebene Methode zur Verbesserung der 
Ephemeride zu benützen. 


1 


A Grunert. 


Eingesendete Abhandlungen. 


Über eine geometrische Aufgabe, mit besonderer Rücksicht 
auf die Bestimmung der Stillstandspunkte oder Stationen der 


um die Sonne sich bewegenden. Weltkörper. 
wi 
Von dem ce. M. J. A. Grunert. 


Die Aufgabe, mit deren Auflösung ich mich in diesem Aufsatze 
beschäftigen werde, ist folgende: 

Wenn zwei Curven im Raume gegeben sind, in 
denselben zweiPunktevon soleher Beschaffenheit zu 
finden, dass, wenn ınan durch diese PunkteBerührende 
an die beiden Curven legt, diese Berührenden sich 
schneiden, und die Entfernungen ihres Durehschnitts- 
punktes von den beiden Berührungspunkten in einem 
gegebenen Verhältnisse zu einander stehen. 

Die Astronomen wissen, dass auf dieser Aufgabe lediglich die 
Bestimmung der sogenannten Stillstandspunkte oder Stationen der 
die Sonne umkreisenden Weltkörper beruhet, wenn man für das in 
Rede stehende Verhältniss das Verhältniss der Geschwindigkeiten 
der Erde und des betreffenden Planeten oder Cometen setzt, worüber 
man unter anderen astronomischen Lehrbüchern besondersB ohnen- 
berger’s Astronomie, Tübingen 1811, $. 90 und $. 99 
nachsehen kann. Nach Keill(Introduetio ad veram Astro- 
nomiam, Oxoniae 1718, pag. 239) hat zuerst Johann 
Bernoulli die Bestimmung der Stillstandspunkte der Planeten auf 
das obige geometrische Problem zurückgeführt, ohne dasselbe jedoch 
zur Bestimmung der Stationen selbst anzuwenden, was zuerst Halley 
gethan zu haben scheint. In den meisten astronomischen Lehr- 
büchern findet sich nach elementaren Methoden der Fall behandelt, 


Eine geometrische Aufgabe. 5 


wenn die Bahnen der Erde und des Planeten als zwei in der Ebene 
der Erdbahn liegende eonecentrische Kreise und die Geschwindigkeiten 
beider Weltkörper als constant oder die Bewegungen in ihren Bah- 
nen als gleichförmig angenommen werden. Die allgemeinen Glei- 
chungen, welche zu der Auflösung des obigen geometrischen 
Problems führen, sind aber noch nieht angegeben worden. Die Ent- 
wiekelung und Aufstellung dieser allgemeinen Gleichungen ist daher 
der nächste Zweck dieser Abhandlung. Dann werde ich mittelst 
dieser allgemeinen Gleichungen den vorher erwähnten Fall der 
Stationen behandeln und seine Auflösung auf Formeln zurückführen, 
die theilweise noch nicht bekannt sind und, wie ich glaube, auf beson- 
dere Eleganz Anspruch machen dürfen. Was mir aber für die Wis- 
senschaft von besonderem Interesse zu sein scheint, ist die Bemer- 
kung, dass sich auch der allgemeinere Fall, wenn man zwar wie 
vorher die Erdbahn und die Planetenbahn als kreisförmig und die 
Geschwindigkeiten als constant oder die Bewegungen als gleich- 
förmig, aber die Bahnen nicht beide in die Ebene der Erdbahn fallend 
annimmt, also die Neigung der Ebene der Planetenbahn gegen die 
Ebene der Erdbahn gehörig berücksiehtigt, mit fast gleicher Leich- 
tigkeit wie der vorher erwähnte speeiellere Fall nach meiner Methode 
behandeln und auf ganz eben so elegante Formeln zurückführen lässt. 
Um diesen Aufsatz nicht zu sehr auszudehnen, habe ich mich für 
jetzt mit der Behandlung der beiden vorher erwähnten Fälle begnügt, 
werde aber späterhin vielleicht auf diesen, wie es mir scheint, mehr- 
fach interessanten Gegenstand zurückzukommen mir erlauben. 


l. 


Die Gleichungen der beiden gegebenen Curven im Raume 
wollen wir im Allgemeinen durch 


y=f(2),z2=F (=) udy=/f (x), 2=F, (2) 


bezeichnen. Werden nun die gesuchten Punkte dieser beiden 
Curven durch (uvw) und (w, v,w,) bezeichnet, so dass der erste 
dieser beiden Punkte der ersten, der zweite der zweiten Curve 
angehört, so haben wir die Gleichungen: 


v=f(u,w=F(u)udv = fi (u), w = F, (u). 


1) 


2) 


3) 


4) 


5) 


£} 
Ö Grunert, 


Die Gleichungen der in den Punkten (uv w) und (u, v, w,) an 
die beiden Curven gelegten Berührenden sind nach den Lehren der 
analytischen Geometrie: 


dv dw 


Yan en v— u), z—w— 7 (2 — u) und 
dv, dw, 
y—-—u => I (2 — u), 2? — w = am u). 


Sollen diese Berührenden, wie die Aufgabe verlangt, sich 
schneiden, so muss bekanntlich die Bedingungsgleichung 


dv ad d d 
Fe a. 


d d d d 
a (er 5.) ((e ua a m) 


stattfinden, welche man leicht auf die folgende Form bringt: 


dv dw, dw dv, dw dm 
— au), ann Es —ı er) 


dv dv, n 
— (w—wı,) — u nn) 


Bezeichnen wir nun die Coordinaten des Durchschnittspunktes 
der beiden Berührenden durch x, y, 2, so müssen, natürlich unter 
der Voraussetzung, dass die vorstehende Bedingungsgleichung erfüllt 
st, diese drei Coordinaten aus den vier Gleichungen 3) bestimmt 
werden. Zur Bestimmung von x erhält man aus diesen Gleichungen 
durch Subtraction: 


dv dev, dv dv, 
vo -(- — —)2—(u u ) 
du du, du du,’ 
(dw dw,ı dw dw, 
u — » = (— — —)e— (u — — u —); 
du du, du du,}’ 
- also: 
A An 0) dv 
x du an 
I = 
dv dv; 2 
du du; 
w dw 
vw - wt-fu — — u — 
du, 
L,— > 
dw dwı 


Eine geometrische Aufgabe. 


folglich: 
 — vw — (u — u — 
i du 
On Nun d d ; 
® v 6 
du du ) 
d w 


GC —- U 
dw dw, 
du du 
und: 
(u u) & 
vo —ve — (u — u) — 
1 1 2 
pen d d : 
A bnane 7) 
du du 
w 
du 
X — U = 
dw d wı 
du du 
yz) von den 


Die Quadrate der Entfernungen des Punktes (x 
beiden Berührungspunkten (u » w) und (w, v, w,) sind 
(e — u” + (y— ev) +(2 — w)? und 
@—- u? + Wu)” +@— m)» 
2)‘ und 


also nach 3): Eh 
(u) f ee 
R dvy2 dw?) 
(eu) 14 ee |; 
und da nun nach den Bedingungen der Aufgabe diese beiden Entfer- 
nungen zu einander in einem gegebenen Verhältnisse, welches wir 


durch :pı bezeichnen wollen, stehen sollen, so muss 
la 
ar 2? Pa = 


@—W1+ 
HN 
oder: 
e(e— u) 1 +) +) ze 
| = 1 (@— | 142) + N 
also: 
u (2 — ol +( —i +) - 
hl: 


8) 


9) 


Ss Grunert, 


oder: 


ul — u. +( au nn el =) 


u) du, a, 
AR ee dw 
N I We (u) eh 


sein. Führen wir jetzt in diese Gleichung für & — u und x — u, 
ihre Werthe aus 6) und 7) ein, so erhalten wir die beiden folgenden 
Gleichungen: 


ja +09 Ver 
+ MM | UN an) Ulm, (u ua u) A z I - En 

f je Be, a + a 0; 
en {m in - WEN Her . 


oder, wie man nach leichter len ander: 1 


ni Ve RAT ee Si 
oe Ver 
" V+)+H + "Vır@y Co) 


Diese beiden Gleichungen und die vier Gleichungen 2) reichen 
zur Bestimmung der sechs Coordinaten v4, v, w und ,, v,, w, der 
beiden gesuchten Punkte hin, und lösen also unser Problem im All- 
gemeinen auf; dass man aber auch eine der in Rede stehenden sechs 
Gleichungen durch die Gleichung 4) ersetzen könnte, versteht sich 
von selbst und braucht wohl kaum noch besonders erinnert zu 
werden. 


Wenn die beiden gegebenen Curven in einer Ebene, die wir 
als Ebene der xy annehmen wollen, liegen, so reichen die beiden 
Gleichungen 

y=f@),y=-h(@) 
zu ihrer Charakterisirung hin, und es ist nun allgemein 2 = 0 für 
beide Curven, also auch » = 0 und w, = 0. Daher sind die 


Eine geometrische Aufgabe. 9 


Gleichung 4) und die zweite der Gleichungen 8) identisch erfüllt, so 
dass man jetzt also zur Bestimmung der vier Coordinaten «, v und 
4, , v, nach dem Obigen nur die drei folgenden Gleichungen hat: 


u A a — ha): y| 
1+(&) =Vı+ (2) 
en PZ \ 1 (2) au 
ze 


Daher ist die Aufgabe im vorliegenden Falle been und 
man wird also in diesem Falle immer den einen der beiden Punkte 
(u v) oder (w, vı) in der ersten oder zweiten Curve willkürlich 
annehmen können, wodurch die erste oder zweite der drei Gleichun- 
gen 9) erfüllt wird, und die beiden Coordinaten des andern Punktes 
dann mittelst der beiden anderen der drei Gleichungen 9) bestimmt 
werden müssen. 


1. 


In den astronomischen Lehrbüchern hat, wie schon in der Ein- 
leitung erwähnt worden ist, der Fall mehrfache Behandlung gefun- 
den, wenn die beiden gegebenen Curven zwei in der Ebene der x y 
liegende concentrische Kreise sind. Nehmen wir den gemeinschaft- 
lichen Mittelpunkt dieser beiden Kreise als Anfang der & y an, und 
bezeichnen die Halbmesser der beiden Kreise durch r und r,, so 
haben wir die beiden Gleichungen: | 

u? —- ve — r2, u? -. vn: 
aus denen sich: 


® 
"40 = 0m Fuzi - 2 
also: 
dv u dv, u 
Tr 
folglich: 


a rl 


1+(2) ie -5 14) - 5-5 


2 2 
®, ® 


ergibt. Haben nun v» und v, gleiche Vorzeichen, so ist: 


Vı+@)- 2. Vi) +2: 


Ü % 


9%) 


10 Grunert. 


haben dagegen v und v, ungleiche Vorzeichen, so ist: 


4-2 Minkalmag; 


en 
indem man die Vorzeichen immer so nimmt, dass die Quadratwurzeln 
positiv werden. Im ersten Falle führt die dritte der Gleichungen 9) 
zu der folgenden Gleichung: 


ur .__ ur 
== 7 2— 
OH vv, vv 
Fur: 9 
u— u, T u Tr 
ee 
1 


im zweiten Falle dagegen führt die dritte der Gleichungen 9) zu der 
folgenden Gleichung: 


ur ur 
VO anch vv ®vı 
=== 
uU —Uu 1 
Mi m 


so dass man also im Grunde doch nur die Gleichung 


ur, __ ur 

} as KT: 
® — dv, vv 93 
u — uU ET N Tr 
za Ei a 


hat, auf welche wir daher im Folgenden auch nur unser Augenmerk 
richten wollen. Leicht bringt man diese Gleichung auf die Form: 


v—v,  ulu—u,) 


9 


v.— u, (u —u,) 
3 Str 


| ze 


also auf die Form: 
en (Wr un -vu)= Fahr (uw tun? — um vu) 
folglich auf die Form: 
un (rum — vu) tar (n?— um -vu)—=(0, 
eine Gleichung von sehr eleganter Gestalt. 
Aus dieser Gleichung ergibt sich sogleich: 


% vv, vv, 


LTE LıT, 
A T- 
Prıt Pur 


und da es nun in dem vorliegenden Falle zweier concentrischer Kreise 


vu TvVu =[trtrı 


offenbar ganz gleichgiltig ist, wo man in dem einen der beiden 
gegebenen Kreise den willkürlich anzunehmenden Punkt hin verlegt, 
so wollen wir u, =(), v, = r, setzen, wodurch wir mittelst der obigen 
Gleichung sogleich 
e er t4 7 

er, tbır 


Eine geometrische Aufgabe. 


erhalten. Weil aber 
u? — r? — v? 
st, so ist, wie man leicht findet: 


2 


U 


(ur, +24 r)* 
also: 


u” = 5 
(ur, tur) 


11 


(r —ve)(r+v) 


„e ale er nr) 


9 


N en) 


Daher haben wir für w, v die beiden folgenden Systeme zusam- 


menstimmender Werthe: 


v(e— 1?) (1? — 1? er +4 r 
u +r ( N) 1 I A, a a | 
MI TRITT er tpır 

und 
Ve? — u?) (nn? — r? er —wr 
a Cr ) Bu Re 
BT NN a Kal, 


Die Möglichkeit des Problems erfordert, 


dass das Produet 


(ke? — u?) (ri? — r?) eine positive Grösse sei. 


Aus 1. ergibt sich leicht im Allgemeinen: 


( ) bmsır 
D— ie DU oma 
1 1 a 
Ü — — & 
dv, 
du du, 
doN dv; dvı,\ dv 
OU Ed u ) 
du) du du, du, 
Yy —= 5 
dv dv 
du dus 


folglich für «, 


Mittelst leichter Rechnung findet man aber: 


Ir —r? 
a er) 
er, tur 


und hat daher nach dem Obigen für x, y die be 
obigen entsprechenden Systeme von Werthen: 


iden folgenden, den 


v2 Grunert. 


M Pr 
und 
x m Unze In 
Ba 


also im Grunde nur das eine Rn 
v= + ne in 
u A 

natürlich jetzt ohne weitere Beziehung der Zeichen zu den Zeichen 
in den obigen Werthen von ı, v. 

Bezeichnen wir die Entfernung des Punktes (x y) von dem 
gemeinschaftlichen Mittelpunkte der beiden gegebenen Kreise durch 
R, so ist R?= x° + y°, also, wie man leicht findet: 


2y,2 2 y2 
R zZ N  RTLE 
=== 5 Sun 


ee 
Das Quadrat der Entfernung der beiden Punkte (wv) und (w, ©, ) 


von einander ist 


(v— um)? + (v — u®?= w#®+ ( — rn)? 


nun ist, wie man leicht findet: 


eG? = nr) 


Ü) — Yı — 
Paar AT 


also nach dem Öbigen: 
w + w— nn)? = 
woraus sogleich 


u + (e— r,)?= 


a — 14°) r? (r,° — r?) + 2? (nr? — r?)? 
(er; #Bı r)? i 
Mr) er erre 
(er, pr)” 
oder 
er, +bır 
u? + (v — r,)? = (rn? — r?) —— 
( ) ee, 
oder, wenn wir die Punkte (« v) und (u, v,) respective durch Pund 
P, bezeichnen: 
pe. a ae 


er, ELır 
folst. 
Bezeichnen wir den gemeinschaftlichen Mittelpunkt der beiden 
gegebenen Kreise durch S, so ist natürlich 
Spy USB in. 


Eine geometrische Aufgabe. i3 


Bezeichnen wir nun ferner die an den beiden Punkten P und P, 
liegenden Winkel des Dreieckes PSP, durch E und E,, so ist 
bekanntlich 


SD — — — B 
2.PP,.8 2r.PP, 

PP? +SP?:—-SPp?® PP?+r?— 1 

cos Eı = =; 
2.PP,.SP, 2r,.PP, 


aber nach dem Obigen: 
PP: + r?— r’= + 


PP?+ nr? — r— 


also, wie man sogleich übersieht: 


fa (1° — r? er, Zpır 
un el 7 
GE 


er, Mr N) ne 
u any ren 
ur E Hirt Gr 2) 

Diese Formeln noch weiter zu redueiren, ist nicht zulässig, 
weil man sich dabei nicht würde versichert halten dürfen, dass die 
Vorzeichen der beiden Cosinus richtig bestimmt bleiben; allerdings 
aber übersieht man auf der Stelle, dass 
BC m) 
er? — er : 

N ee 0) 

BE mi 

ist. Bemerkenswerth ist auch die aus den vorhergehenden Formeln 
sich unmittelbar ergebende Proportion: 


cos E? —= 


cos Ei? = 


cos E:cos EL = F Mm :P. 
Sehr leicht erhält man ferner: 


2 2 rn ® 
a 2 ( en )? 
snB2 1 Teoshp2 — = 


par ner? 3 

GE E 

er?— mtr: 

also, weil die Sinus der 180° nicht übersteigenden Winkel E und E, 
immer positiv sind: 


2 2 
e ee 
RR N) = —, 


Br? — mir? 


2 2 

: p Pa 
smE, =TrT V. =; 

297 6) DJ 


’ 
2 pr 


sinE?=1— cos E?= 


1A Grunert. 


woraus die sich auch ganz von selbst verstehende Proportion 
sin BE :\sin Er = sy :r 

folst. 

Endlich erhält man aus dem Vorhergehenden auch unmittelbar 
die beiden folgenden sehr einfachen Formeln: 
Wo) rn? Wu) r® 
u) el) 

Bezeichnen wir den an dem Punkte S liegenden Winkel des 
Dreiecks PS P, durch S, so ist bekanntlich 


SPP ISP?- PP? "tr? PP? 


tang E? = ‚ tang Ei? = 


cos SS = — — R 
2.8P.SPp, Arr, 
es ist aber, wie man leicht findet: 
Ar LEE de 
72 + 14° — De — arr ae 
er, Pr Tr 
also: 
MEER UN 
Cost ein 
er, Er 


woraus sich leicht 
er ei) 


Ale 
m 
also 
ang nn 
(er + m rı) 
ergibt. 


In der Theorie der Stillstände der Planeten setzt man das Ver- 
hältniss f:fı dem Verhältnisse der Geschwindigkeiten zweier in 
concentrischen Kreisen in einer Ebene sich gleichförmig bewegen- 
den Planeten, von denen der eine gewöhnlich die Erde ist, gleich. 
Sind nun T und 7, die Umlaufszeiten dieser Planeten, so ist 

irn 2rıır nr 
Nm m. 
das Verhältniss der Geschwindigkeiten, also 


p: pa -:prhen 1% 
folglich 
Be ne I Te. 
Nach dem dritten Kepler’schen Gesetze ist aber 
112.273 — 14°: 1%, 


ot 


Eine geometrische Aufgabe. 1 


also nach dem Vorhergehenden: 


2 % 
B Pa 
. — pl. m? 
72? 0) ns T : 11 9 
woraus 
ra? mr nern !r 
oder 


pa =Vr:Vr 
folgt. Also ist nach dem Obigen: 


(2 — 7?) Vr V r,Yr, £rVr 


r,Yr, 4rVr [2 —- 7) 0, Yrı FrVr)’ 


u [12 — 1?) Vr, V r,VYr, #rVr s 
ee aa er @r 2) Nav) 


folglich 


eos h- = 


cossBr2cos MH — EV :Vn. 
Setzt man der Kürze wegen 


r,Vr, +rVr 


2 
r? — r 


Be Yr V K 5 Vr, V K 
c0S = = n/a COS — m NEN. En EN EN. 
= r,VYr, FrVr ; K r,Vr, * rVr 


Diese Formeln sind zwar etwas weitläufig; wollte man dieselben 
aber weiter vereinfachen, so würde man Gefahr laufen, dass die 
Vorzeichen der Cosinuse nicht richtig bestimmt blieben. In der That 
sind diese Formeln, welche bis jetzt unter der vorhergehenden Ge- 
stalt noch nicht bekannt waren, die einzigen, welche eine ganz 
unzweideutige Berechnung der Winkel E und E,, die in der Astro- 
nomie bekanntlich die Elongationen der betreffenden Planeten von 
der Sonne genannt werden, gestatten; keine andere der bis jetzt in 
den astronomischen Lehrbüchern vorkommenden Formeln ist dies zu 
leisten im Stande. 

Leicht ergibt sich mittelst des Obigen auch: 


(r, — r) rı? (r, — r) r? 
. 1 N . 1 
sın E? NM er E,? FUN og ae TIERE 
T,? — rd 14° ud 
oder: 
; eig . r? 
sın E? — = sın EB? = 


een rtrn, tr? 


16 Gizun/eunit: 


also: 
14 | 1: 
-„ sın DL — 


sin E= —ı- Fe > 
Ve +trr +r2? Vr? + Ehe Ba 


welche Formeln es aber unbestimmt lassen, ob die Winkel X und Z, 
spitz oder stumpf sind. 
Leicht erhält man nun auch: 
en) N) 


‚cos H’-= 


cos BE? — — 5 ER; 
BE III 


folglich: 


r r? 
tang EE =— — — , tang Ei? = — — 
3 al I (er +n) 
oder: 
.) (2). 
al DH Aal, r\ R 
tang E* — „., tang E?’= ns 
al a 
r 71 
woraus sich ohne Beziehung der oberen und unteren Zeichen auf 
einander 
rı r 
tang E= + en tang EL = + a 


ergibt, und die oberen oder unteren Zeichen zu nehmen sind, je 
nachdem die betreffenden Winkel spitz oder stumpf sind; ob aber 
das Erste oder das Zweite der Fall sei, darüber liefern natürlich 
diese Formeln gar keine Entscheidung, so einfach dieselben auch an 
sich sind; eine solche Entscheidung liefern nur die oben von mir 
gegebenen, bis jetzt noch nicht bekannten Ausdrücke von cos E und 
cos E,, welche freilich weitläufiger sind. Die vorhergehenden Aus- 
drücke von fang E und tang E, sind die, welche bis jetzt allein in 
den astronomischen Lehrbüchern vorkommen; ihre erste Erfindung 
scheint Keill (a. a. 0. S. 236) zu gebühren, wie auch Delambre 
in seiner Astronomie theorique et pratique, Tom. II, 
pag. 8 bemerkt. 

Endlich erhalten wir aus dem Obigen noch zur Bestimmung des 
Winkels S die folgende ganz allgemein giltige Formel: 


T Vr, ERTA Vr 
Se ee 
zT Vr 


Tj Vr, 


Eine geometrische Aufgabe. 17 
Aus dieser Formel ergibt sich: 


(49) Hr; FVn 

r,VYr, £rVr j 
N 2) VDE 
2 cosi S ri abe EOE She vr, ya 


2 smı®—=1—cosS—= 


also: 
A N RE Yr, FVr 
mo rue 7 Vr, +Vr’ 
oder: 
(Vr, SE Vr)? 
mer nr 
tang > lad 


‚und folglich, weil tang 4, $ immer positiv ist: 


ve T Vr)® 
tang:S = re > 


tr 


wo es nicht verstattet ist, die Quadratwurzel aus dem Zähler wirk- 
lich auszuziehen, eben desshalb, weil, wie schon erinnert, tang iS 
immer positiv sein muss. 

Auch ist, wie man leicht findet: 


Gr REN 


LEN 
Wa (HYr, & r Vr)® 


Will man praktisch ohne alle Zweideutigkeit rechnen, so scheint 


mir dabei das folgende Verfahren das einfachste zu sein. Man 
berechne ‚S mittelst der Formel 


oder: 


tang!S = Re 

wobei nie eine Zweideutigkeit bleiben kann. Dann kennt man 
E+ E = 180° — S$. 

Weil nun in dem Dreieck PSP, die Winkel E und E, den 

bekannten Seiten r, und r gegenüber stehen, so weiss man, welcher 

von denselben der kleinere ist, und dieser Winkel ist jederzeit spitz, 

kann also immer mittelst einer der beiden Formeln: 


[9 


Sitzb. d. mathem.-naturw. Cl. XVII. Bd. I. Hft, 


18 Grunert. 


ri r 
tangE==+ JAN IET EAN ‚tngnEb== 

1+ ai 
in denen für spitze Winkel die oberen Zeichen zu nehmen sind, 
gefunden werden, worauf man dann auch den andern der beiden in 
Rede stehenden Winkel leicht ohne Zweideutigkeit findet, weil man 


nach dem Obigen die Summe E+ E, dieser beiden Winkel kennt. 


r 


I. 


Wir wollen nun zwei aus demselben Mittelpunkte mit den 
Halbmessern r und r, beschriebene Kreise betrachten, deren Ebenen 
unter einem gewissen Winkel gegen einander geneigt sind. Den 
semeinschaftlichen Mittelpunkt der beiden Kreise nehmen wir als 
Anfang der xyz an, ihre gemeinschaftliche Durchschnittslinie soll die 
Axe der &, und die Ebene des mit dem Halbmesser r; beschriebenen 
Kreises soll die Ebene der &y sein. Bezeichnen wir dann den 180° 
nicht ünpersteigenden Winkel, welchen die Ebene des auf der 
positiven Seite der Ebene der xy liegenden Theils des andern mit 
dem Halbmesser r beschriebenen Kreises nach der Seite der 
positiven y hin mit der Ebene der xy einschliesst, durch :; so 
sind die Gleichungen der beiden Kreise offenbar für den einen: 

2 IL y2 I 22 72 2 ytangı 
oder: 
®?+y+2?2=r%, ysni—zcosi—=(: 
und für den andern: 
a 2 

Daher haben wir zwischen den gesuchten Coordinaten u, v, w 
und %,, %,, w, Jetzt die folgenden Gleichungen: 

u —+ v0 + w® — r?, v sini — wcosi—0 


und 
U? + ®° —— a wı = 0. 
Aus diesen Gleichungen erhält man durch Differentiation: 
dv dw dv dw 
u — — —=I(, — sin i— — cosi=0 
u a 
und 
dv, dw, 
——l, — =. 
Ki du, du, 


Also ist, wie man leicht findet: 


Eine geometrische Aufgabe. 19 


5 : SER 
ucosi-+ (v cost? + w sin i) a 
u 


2 5 dw 
u sind (v cosi + w sin) — — 0 
u 


und folglich: 
dv u cosiV dw u sin i 


BSENN SL ERRRTEN — NE DER ERTTNRR TEE 


woraus sich 
vn 2/4 a u + (v u - 2 un 
u du (v cosi + wsini) 
ergibt. Nun ist aber 
u? + (vcosi + w sin i) 
— u? + 02 -+ w? — v2 (1 — cos 1?) — we (1 — sin i?) + 2vw sin i cos 
— u? +0? + w? — (v2 sin ? — 2vw sin i cos i+ w* cos i?) 
— u? + v2 + w? — (v sin i— w cos i)®, 


. . .) . . .> 
vcosit-wsini du vcosi+ wsinti 


also, weil nach dem Obigen „| 
+ v” + w=r?, vsni — wcosi—=0 


ist: 
u + (vcosi ft wsin ii) = r}, 
folglich: 
dv\2 dw 2 = 
1 — —|[ ——, 
au br) Ü ( (v cosi + wsini)® 
Ferner ist nach dem Öbigen: 
dv, u dw 0 
du, an v du, en 
also: 
dv? dwı2 uw? -v,° N 
1 ae DD.) BEL re Re N 
“ © | a" G | ON: v” 


Hiernach erhalten wir nun zuvörderst nach I. 4) die folgende 
Gleichung: | 


usini u usini 

la u = er U) an en 
veost-wsini mv vcosi + wsimi 

u cosi u 
ee 

vcos?T + wsın? v 

oder: 
= (u— u) un sni+ —v) uv, sini 


— w |uv, cosdi — u (vcosi + wsin it, 
welche man leicht auf die Form : 
0 = u (u + w?) sin «i—u (wu + 9%?) sin i+ uvo, sin i 
— w (um — vu) cos i, 
9% 


20 Grunert. 


oder auf die Form: 

= u (W + v2 +w) sn i—u (wmw?+ u?) sin i 

+ v (uv, — vu) sini —w (uv, — vu) cos ti, 
also auf die Form: 

0 = {u (u? + v2 + w?) — ulm? + v2)! sini 
(uw, — vu) (v sin i — w cos i), 
folglich wegen der Gleichungen : 
+” + w=r, uw? + u? =ır? vsni—wcosi—), 
auf die äusserst einfache Form: 
ur? — ur —0 

bringt. 

Wenn man jetzt die beiden Gleichungen I. 8), mit Rücksicht 
auf den vorliegenden besonderen Fall durch einander dividirt, 
erhält man die cn 

dvı 
ae an an VEN 
N dvı 
= Vı+(2) ) ) 

Weil man nun nach dem Ka mit Beziehung der oberen und 

unteren Zeichen auf einander entweder 


2, dw 2 dv r 
Vır — | Wi. \=-+- 
Im el) Tveoositwsini + De 


oder: 


Bm Vırzı = Tr, 
VH@)Ha)- Here) 


an du vcositwsini 

setzen muss, so erhält man im ersten Falle: 
v— vo, er,ucosiFt ru, 

N er, usini 


und im zweiten Falle: 


v — vo, pr, uweositpru, 
wo er, usini 
hat also im Grunde doch nur die eine Gleichung: 
v—v, pr,ucosiFp,ru 
DR pr, u sini f 


folglich die Gleichung: 
pr uw—v,) sini— pr, uwcosi= + urwu, 
oder die Gleichung: 


priu(v sin i— w cos i) — ur, uv, sini= F urwu, 


Eine geometrische Aufgabe. 21 


was, weil 
v sin i—w cosi— 
ist, auf die höchst einfache Gleichung 


rw 
sını= 4 —— 
Pı%ı i a 


priuv, sni= + furwu, oder 


führt. 
Weil bekanntlich w= v tang i ist, so wird vorstehende 
Gleichung: 


pu R rv 
cosı= + B 
a er 
und wir haben daher jetzt die folgenden Gleichungen: 
u LER er, u : Bir‘ } 
== y-—H csı= + cos ı, 
en dv CH kırı 


welche wegen ihrer Einfachheit jedenfalls sehr bemerkenswerth sind. 
Aus der Gleichung 
“+” - w=r? 
erhält man, weil w = v tang i ist, folglich: 
wW+ vu” sece®—=r}, 
also, weil nach dem Obigen 


r® | Y 
u— u. 0— 5 — v, cos? 
Y, KıTYı 
ist: 
4 2 2 
r ur A 5 
ul - zu? sece®coso®—r:, 
1 kıTr 
folglich: 


| wru? + er?v?=m?r 4, 
Verbindet man hiermit die Gleichung 
uU? Sr vw —r®% 
indem man sie unter einer der beiden folgenden Formen schreibt: 
102 rı?ı? ru? 11? u? — u? Yı 
En are u? a? 12 42 — pı? y2 11°5 
so erhält man durch Subtraction dieser Gleichungen auf der Stelle; 
(u? 14? — m? r?) u? = (u? — 1?) 2 
(u? 14? — m? r?) ur — mn? (n?—1r?); 
also: 
(a? — mu®)r;® Br ea): 


>= 0% (Ale —— 
e 2,2 2 
rer 


u? Gas Sch Le y® 
und verbindet man nun hiermit die folgenden, aus dem Obigen sich 
unmittelbar ergebenden Gleichungen: 


2» Grunert. 


3 


ya kr 2 
u-—Ut=ı vı cos ?ı; 
r4” PırYı 
. er Re \ 
w=vtangı = + © sun as wu: 
al 


so sieht man, dass alle sechs Coordinaten bestimmt sind. 

Auf ähnliche Art. wie in II., auch alle dort eingeführten Bezeich- 
nungen hier beibehaltend, betrachten wir nun wieder das Dreieck 
PSP,, indem wir unser Augenmerk hauptsächlich auf die Bestim- 
mung der an den Punkten P, P,, S liegenden Winkel E, E,, 8 
dieses Dreiecks richten. 

Zuerst ist 
PP? = (u— u) + —u)?+ (w—wı) 
uw + v2 + w? + u? + u? — um — vv 


r? 4 17? — ?2uu — ?vv, 


| 


r? ln Ä 
— na on 2 vi? cost 
r fa T } 
2 (e? — 1°) r?r,® %upı rr, (17° —r? { 
A ( 1") a rrrr (Cr , 
IS ane SEN. 
EN a ni KA 
woraus sich nach leichter Rechnung: 
PP: Be wer? + mr? F 2upırrı cosi 
a le 
also: | 
293 222 n 
ap Ve a r, + Bir? F Pupırrı cosi 
! Be 
ergibt. 
Hieraus erhält man ferner leicht: 
———_ url — r) (ur Fer, cos i) 
Dat 0, 22 222 2 
a 
Tyi 2er, (rn? —r?) (er, # nur cos i) 
2 A \ 
PP? + rn T N ae : 
und weil nun bekanntlich | 
PP? r? —r? PP?+r?— nr 
cos 2 Los 1 
2r.PP, 2 
ist, so ist: 
BE Mor —r)(pır Forjeos i) BE N 
Ba Rs Er? )er ?+e127? F Aupırrjcosi) 
ED Bl ?’—r?)(er Fpıreos a a 
su = REFEE I 
per — kr? (r ?—r?)(edr?+p®r? F 2a rrjcosi) 


Eine geometrische Aufgabe. 25 


welche Formeln eine weitere Abkürzung nicht gestatten, weil, wenn 
man sich dieselbe erlauben wollte, die Zeichen von cos E und cos E, 
nicht richtig bestimmt bleiben würden. 

Aus den vorstehenden Formeln ergibt sich aber: 


rl? — rt) (Hr Fer, cos i)” 


cos E? = > 2 NEN 
(er? 24 rn) (een der m 2upırr cos i)' 


Bau 2) Wr + Bin cos 0)” { 
(er? — 2) Wer? + mer? # 2upırr, cost) 


also, wie man hieraus ferner leicht findet: 


c0S E}:? = 


ro: (ur, F pr eos? — m? (wur F ur, cos i)2} 


sin E? = 
er? wur) (er? 4er? 2epırr, cos i)’ 
. v2 {u® (u r, Frıreosi)’— m’ (mir Fer, cos ö)* 
sin E? = — — 


er? mr) er? + mr? F 2upırr cost) 
Es ist daher auch jetzt, wie es sein muss: 
sin E: sin EL = 1, :!rT; 

dagegen ist jetzt: 

cos E?: cos E?= m? (mr Fprı cosi)?:p? (urı Fur cosi)®, 
welches für © = 0 in: 

cos E? : cos Ei? = m? : u? 
übergeht; auch ist nach dem Obigen: 
cos E: cos E, = m (ur F pri cosi) :u(prı F Mr cost), 
folglich für <= 0: 
cos E: cos E, = u (ur Ferı):p(erı Flur) 
— Fa len Far)inten Fr). 
also: 
cos E:cosE,kL = Fu:f: 
ganz eben so wie wir schon in Il. in diesem Falle gefunden haben. 
Durch Division erhält man aus den vorhergehenden Formeln 
sogleich: 
| tang E? = nr? je? (er, 5 en r Do a (vr a BD ‘2 
Br? n° — r) (ur Fer; cos)” 
tang Ei? = zu (u ea par eos i)" — u wrF U c0s Du; 
er Gr? — r?) (er, Fey r cos i)” 
Weil | 


9 


und, wie man leicht findet: 


% y \ 
2A Gruuert. 


ü R —, priler +, r, cosi) -yuı r (ur, + ur cosi 

2 tr2—PB:—=2rr, ı( ana - 2 Pı (A = #r ) 
Ber — 4° Tr” 

ist, so ist: 

er, (ert pr, cost) — ur (vr, + ur cost) 


ae 2 
Ken 


cosS = 


E) 


oder auch: 
(Be ed)rrı = u (ar ri), cos 


2m. 2 _ 2 »% 
In 


csoS = 


9 


woraus: 
(1?—r?) for (er, F fr cos? — m? (er Fer, cos i)%} 


(vr)? — 1? r?)? 


sin S? — D 


also ferner: 

Lang St Ge je? vr, Fureosi)’ — e’(mur Fer, cos Di 
jur; (ur ur, eosi) —mır(£ır,; er cos i)} 2 

folst. 

Weil 
2sinıS?—=1— c0sS, 2cos!S®?—=1-+ cos S 

ist, so ist auch: 

Gm) (2 (er, Fr eosi) + m (er Fer eosi)f 
BER lt ii 

(r,+r) Suter; Fpuresi)— mı(pır Fer, cos id 


& 1 Sen . 
2 Se u 
Ku Da 


9 


2 sın! S? — 


also: 


r, —r eler, Frıreosi) + pr, (pır Fer; cost 
sy „er, Ban rl 
,+r een Fmreosi)—m(ur ter; cost) 

oder: 


tang iS ER V% mL ; p? r tur + Rn (r + rı) cosi 
I, n+4r ern mr Fem(r—r,)cosi 
Setzt man: 

du Kurt ur, cost 

kB Br Fpırcosi’ 


tang 0 — 


so ıst: 


r, _r 1-+Ttang oO 
ige Ve ‚A ee 
rı +r 1-— tang 9 
also: 


tang 45 = v: zr - tang (45° + 9); 


1 
und weil nach dem Obigen: 


Eine geometrische Aufgabe. 25 


on furl Fpırcosi)® 
taug ER — ur; en N 
r,° — 1° (eu (Bir Fer, cosi) 
ee nn r er (pır F er, cosi)® 
I Pan er (ler; Fir cosi)® 
ist, so ist: 
m 24: cos 9? — sin 0°? 
tang E® = cot 9% — 1) = Sn Re 
J r?—r? ( ) r?—r? sin: ° 
r? Te cos 0° — sin 0? 
tang E? = 1 — tang 9%) = — . ——; 
2: r?— 1? ( 90) r?—r? cos O* ; 
also: 
2 2 5) 
rj c0520 Y c0s?20 
tang EE = —— . — fano, Ba en an. 
g r?—r? sin 0?’ 7 r?—r? cos 0%’ 
oder: 
mE c0s20 r? c0320 
tang E* = tang Ei? = 


(Hr) (+7) sin®9’ (Hr) tr) eos 8% 
- Wenn man S$ mittelst des obigen, eine Zweideutigkeit nicht 
zulassenden Ausdrucks von fang 1/, Sberechnet hat, so kennt man auch 
E-+ E, = 180° — $, 
und da man nun auf dieselbe Art wie in Il. immer leicht beurtheilen 
kann, welcher von den beiden Winkeln E und Z, der kleinere, also 
spitz ist, so lassen sich mittelst der obigen Formeln für tang E®? und 
tang E,* offenbar auch E und E, ohne Zweideutigkeit bestimmen. 
Wie in II. könnte man nun auch jetzt wieder in allen obigen 
Formeln für die Verhältnisse 1? : zu? und a: u respective die Ver- 
hältnisse r, :r und Yr, : V r einführen; der Kürze wegen will ich 
mich aber damit begnügen, dies nur in einigen dieser Formeln zu thun. 
Unmittelbar erhält man nämlich: 


VYr rVr Fr, Vr,.cosi 


ng H = u. , 
ng VYr, nYrıFrtr.cosi 
tang 1), 8 N — gan (45° + a 

I 72 IE: I > 
TA cos 20 
er BEN : 
ang t (r, —r)(rı +r) sin 0? 
2 20 
fang E4? r cos 


Rz, —r)(r} + r) cos 62 ’ 
a Ser 


26 Grunert. 


Diese Formeln, bei denen man nur noch zu beachten hat, dass 
EZ E, ist, je nachdem r, 2 r ist, woraus sich also immer sogleich 
ergibt, welcher der beiden Winkel E und E, spitz ist, dürften die 
bequemste numerische Rechnung gestatten, wenn man zugleich, was 
natürlich von besonderer Wichtigkeit ist. die Rechnung ohne alle 
Zweideutigkeit führen will. 

Leicht ergeben sich aus dem Obigen auch die folgenden Formeln: 


M le) rıısin aa 
Go Te Irung 3 an .\? 
1 1 r8? Ir? F®rr,Vrr,.cosi 
r, (r + r,) r3 sin i* 
u NE DU BONES EONNRLAA SSR". 
2 r? + rr, +r,° ! 3 3 I 
1 1 v3 tLy3F%rr,Vrr .cosi 
und: 
i 14° rr, (r + r,) sin i° 
U — Van N a 
a vr +rr 1 3 dl = .\ 
1 1 r? Hr? F2rr,Vrr,.cosi 
u . Q 
[en rr, (r + rı) sin 
5 AN 1 1 
sin Et = {1 TE a 
a rn? F2rr,Vrr,.cosi 


Diese Formeln zeigen, dass man, wenn man näherungsweise 
ti —= 0 setzt, also die Neigung der Ebenen der beiden Bahnen gegen 
einander vernachlässigt oder als verschwindend betrachtet, nur um 
Grössen der zweiten Ordnung fehlt. 

Um den Gebrauch meiner Formeln an einem Beispiele zu zeigen, 
wähle ich den Mercur. Nach Bohnenberger, a. a. 0. S. 300 und 
301 ist für diesen unteren Planeten: 

r; = 1,0000000 
r = 0,3870981 
i= 70'974 
1 — r = 0,6129019 
1+r = 1,3870981 


log r — 0,5818211 — 1 

logyvr = 0,1939106 — 1 | 

log. ıvr = 0,58173817 — 1 rvyr= 0,2408417 

log cosi = 9,9961483 — 10 cost = (0,9925407 

ryr — cost = —(0,7516990 

rYyr-+ cosi= 1,2333824 

log (rV r.cos ’ — 0,3784800 — 1 rvr.cosi = 0,2390452 

1—ryYr.cosi= 0,1609548 


1+4rYr.cosi= 1,2390452 


Eine geometrische Aufgabe. 2a 


0,7516990 
0,7609548 
1,2333824 
1,2390452 


— vr Ä 
tang 0 = 
Vr. 


wo der erste Werth für die oberen, der zweite für die unteren 
Zeichen gilt. 


Obere Zeichen. 


log 0,71516990 0,8760430 — 1 


| 


ogoyr = 0.193106 —1 
0,6699536 — 1 
log 0,7609548 = 0,8813589 — 1 
log tang 6 = 9,1885947 — 10 
9 = — 31° 34' 30" 0 
4° +0 = 13° 25: 30” 0 
log(1—r) = 0,1873909 — 1 
log tang (45° + 0) = 9,3775911 — 10 
0,1649820 — 1 
log (1+r) = 0,1421072 


0,0228748 — 1 
2) 0.511437 —1 


logtang4S = 9,51143%74 — 10 
18 — 17° 59: 1%" % 
Ss’. W3b188) ab“ 
E+E=180 -S—= 144° 1!34'6 
zer, HB spitz. 
log. ı® = 0,1756422 — 1 
log cose20 =  9,6548081 — 10 
0,8304503 — 2 
log (i—r) = 0,18713909 — 1 
log (i+r) = 0,1421072 
log. cos ®& = 0,8609036 — 1 
0,7904017 — 1 


0,8304503 — 2 

0,7904017 — 1 

0,0400486 — 1 
2) 0,5200843 —1 


28 Grunert. 


log tang EL = 9,5200245 — 10 
E = 18° 19! 20” 2 

EB = 14 126 
EK—= 15 ra 7 


Untere Zeichen. 


log 1,2333824 = 0,0910977 
log vr = 0,1939106 — 1 
0,8850083 — 1 
log 1,2390452 = 0,0930871 
log tang 0 = 9,1919212 — 10 
0 =. u3d4616 0 
41-0 — 76° 46: 16” 0 
log (1—r) = 0,1813909 — 1 
log tang (45°-++ 0) = 10,6287846 — 10 
NARIaTT 
log(1+r) = 0,1421072 
0,2740683 


2) 0,1370342 
logtang:S = 10,1370342 — 10 


Id — 53° 53: 30" 8 

S—=- 10747: 9"6 

E+E = 180 —S — 72° 12: 50" 4 

u >r,H, spila. 
log. r: = 0.1756422 — 1 
log cs?20 = 9,6488849 — 10 

0,8245271 — 2 

log (1 —r) = 0,1813909 — 1 
log(1-+r) = 0,1421072 

log . cos ® = 0,3589996 — 1 

0,1884977 — 1 

0,5245271 — 2 

0,7884977 — 1 

0.0360294 — 1 


2) 0,5180147 — 1 


Eine geometrische Aufgabe. 29 


logtang EE = 9,5180147 — 10 
E = 18° 14: 35" 9 
Ba or Yorls0ar 
Boll EN! 


Noch will ich endlich bemerken, dass die aus dem Öbigen 


bekannten Formeln: 
w—m?) rı® a le) 


eng Wi e0r 
err?— p4?r 


[} er U} “ 
= vcosı,w= + - v, sın ı 
r kı'Yı Kırı 


zur Bestimmung der Coordinaten «, v, w; u, v,, wı, wenn man für 

die Verhältnisse #? :,° und g:zu respective die Verhältnisse r, :r 

und Yr;, :Yr setzt, die folgende Gestalt annehmen: 
Dı 5 er) 


I ra R+rn+r? 


r= i r ERURN. r 
el 0 E02008, 0% —, vV=-+tpv sın ı —., 
AR 


r, 1 r, 


[AR = 0; 


Herr v. Littrow, dem ich den vorhergehenden Theil dieser 
Abhandlung mitzutheilen mir die Freiheit genommen hatte, war so 
gütig, mich auf einen Aufsatz von Herrn Raabe in Zürich über die 
Planeten-Stillstände im XII. Bande der Annalen der Wiener 
Sternwarte ') aufmerksam zu machen und mir abschriftlich 
mitzutheilen,, der mir bis jetzt ganz unbekannt geblieben war. In 
diesem schönen, sehr lesenswerthen Aufsatze, durch dessen Mitthei- 
lung Herr v. Littrow mich sehr erfreut und zu besonderem Danke 
_ verpflichtet hat, hat Herr Raabe das Problem der Planeten - Still- 
stände ganz aus dem astronomischen Gesichtspunkte in sehr allge- 
meiner Weise behandelt, indem ich in der vorliegenden Abhandlung 
den Gegenstand mehr als eine bemerkenswerthe geometrische Auf- 
gabe, die zu vielfachen weiteren Untersuchungen Veranlassung geben, 
und namentlich jüngeren Mathematikern zu zweckmässigen Übungen 
empfohlen werden kann, aufzufassen mich bemühte, was von mir 


1) Dem wesentlichen Inhalte nach auch abgedruckt im Crelle’schen Journale. Bd. Il. 


30 Grunert. 


auch schon durch die diesem Aufsatze gegebene Überschrift ange- 
deutet worden ist. 

In der Abhandlung des Herrn Raabe interessirte mich vor- 
züglich der Umstand, dass das Endresultat, nämlich in den von Hrn. 
Raabe gebrauchten Zeichen, die Formel: 


tang (v—w-+k) = (1—vf) Virf 
= 


so wie eigentlich auch alle übrigen in dieser Abhandlung entwickel- 
ten Gleichungen und Formeln , von der Neigung der Ebenen der 
beiden Bahnen gegen einander ganz unabhängig sind, ein Umstand, 
auf den Herr Raabe nicht besonders hingewiesen hat. Herr Clau- 
sen in Dorpat, der das in Rede stehende Problem auch vor- 
zugsweise aus dem astronomischen Gesichtspunkte in Crelle's 
Journal der reinen und angewandten Mathematik, 
Band VI, S. 408, behandelt hat, ist auf dieselbe Unabhängigkeit 
seiner Formeln von der gegenseitigen Neigung der beiden Bahnen 
geleitet worden, und hat diesen Umstand auch besonders hervorge- 
hoben. Die von mir im Vorhergehenden entwickelten Formeln 
hängen dagegen sämmtlich von der Neigung der Ebenen der beiden 
Bahnen gegen einander ab. Ich gestehe, dass mir dieser Umstand 
zuerst auffallend war, dass mich aber der, namentlich durch seine 
Einfachheit ausgezeichnete Aufsatz des Herrn Raabe auch sogleich 
übersehen liess, welches der Grund dieser Erscheinung ist. Ich 
habe nämlich, in Übereinstimmung mit allen mir zu Gebote stehenden 
astronomischen Werken, namentlich in Übereinstimmung mit den in 
der Einleitung zu diesem Aufsatze genannten Astronomen, mein 
Augenmerk vorzugsweise auf die Bestimmung der sogenannten Elon- 
gation gerichtet, da diese für eine von der Erde aus zu beobachtende 
und durch Beobachtung zu constatirende Erscheinung wohl auch 
das eigentlich massgebende Element, und desshalb von allen früheren 
Astronomen gleichfalls lediglich ins Auge gefasst worden ist. 

Die Elongation, ebenso wie die sogenannte Commutation (S)), 
hängt in der That von der Neigung der Ebene der beiden Bahnen 
gegen einander wesentlich ab, wie meine im Obigen entwickelten 


1) Herr Raabe hatzwar die Commutation auch ins Auge gefasst, aber nur für wirk- 
lich verschwindende Neigungen, was natürlich nicht hierher gehört. 


Eine geometrische Aufgabe. 31 


Formeln aufs Deutlichste zeigen. Dagegen hängt die von Herrn 
Raabe entwickelte Grösse tang (u—w-+-k), wo u und « die soge- 
nannten Argumente der Breite für den Planeten und die Erde und %k 
die Länge des aufsteigenden Knotens der Planetenbahn bezeichnen, 
von der Neigung der Ebenen der beiden Bahnen gegen einander gar 
nicht ab, was jedenfalls ein sehr bemerkenswerther Umstand ist. 

Natürlich musste es für mich sehr interessant sein, zu unter- 
suchen, ob dieses Resultat, in welchem jedenfalls zugleich auch ein 
sehr bemerkenswerther geometrischer Satz ausgesprochen ist, sich 
auch aus meinen Formeln, ohne Rücksicht auf die Beziehung der- 
selben zur Astronomie, ableiten lasse, was, wie ich jetzt zeigen 
werde, allerdings ohne besondere Schwierigkeit möglich ist, so dass 
also die von mir angestellte Untersuchung mit Herrn Raabe’s Ent- 
wickelungen sich in der schönsten Übereinstimmung befindet, und wir 
daher hier wieder ein sehr lehrreiches Beispiel vor uns haben, wel- 
ches zeigt, dass in vielen Fällen aus verschiedenen Gesichtspunkten 
angestellte mathematische Untersuchungen, — jede für sich, — 
zu eigenthümlichen an sich bemerkenswerthen Resultaten führen 
können, die aber dann zuletzt doch wieder sämmtlich im schönsten 
Einklange mit einander stehen und zu einem Ganzen sich vereinigen 
lassen. 

Ich habe oben, in Bezug auf das dort näher charakterisirte Coor- 
dinatensystem der © yz, die Coordinaten der beiden Punkte (uvw) 
und (2, v, wı) oder, weil w, = 0 wı —P ist (w, v, ), auf die hier alles 
ankommt, bestimmt. Ich will nun den Winkel, welchen die von dem 
Anfange der Coordinaten (der Sonne) nach dem Punkte (wv w) (dem 
Planeten) gezogene Gerade mit dem positiven Theile der Axe der & 
(der Knotenlinie der Planetenbahn) einschliesst, durch ® bezeichnen, 
‘indem ich diesen Winkel von dem positiven Theile der Axe der x an 
nach der Seite der positiven 3 hin von 0 bis 360° zählen werde. 
Eben so will ich den Winkel, welehen die von dem Anfangspunkte der 
Coordinaten (der Sonne) nach dem Punkte (x, v,) (der Erde) gezo- 
gene Gerade mit dem positiven Theile der Axe der & (der Knoten- 
linie der Planetenbahn) einschliesst, durch ®@, bezeichnen, indem ich 
diesen Winkel von dem positiven Theile der Axe der x an nach dem 
positiven Theile der Axe der y hin von 0 bis 360° zählen werde. 
Dann hat man, wie leicht erhellen wird, die folgenden ganz allgemein 
giltigen Formeln: 


32 GAmURnBeNTED: 


U=r00s8sd, v=ersn®@cosi, w=rsn d sini 


und 
u4=1r 0088. uU =n sn Dı: 
Also ist 
(2) \ Y 
— = lang ® cosı, — —=tang Oı 
U U, 
und daher: 
lang @ — lang ®, vu, —uv, cost 


tang (@ — ®ı) = 


1 + lang @ lang @, TR vv, +uu, cost 


Nun haben wir aber im Obigen gefunden: 


. Tr 
v=H 


vı Cosi, 


Kırı 
so dass also: 


er 


\ pr 
U dı COST, v0 — 
aan AA 


vum =+H vı vı Cost; 


folglich nach gehöriger Substitution, wie man leicht findet: 


eruvı Fit ud 
tang (® — ®ı) = 
Erv, vı 3 Pı Tı vu, 
ist. Ferner haben wir oben gefunden : 
y? 
u— — uU, 
1° 
also: 2 r? 
uv, —= — MU; uu = U U» 
en ru 
1 1 


woraus sich, in Verbindung mit dem Vorhergehenden, nach leichter 
Rechnung: 
Bi (er, Faur)umv, 
tang (® — ©ı) = ee 
ergibt. Endlich haben wir oben gefunden: 


a) 


2 2 2 2 


el) \ 


Ur? 3 


9 vd, n 
2% ® 2 md 
pr Pı r 


also ist, wie man nach einigen leichten Verwandlungen findet: 


a ae u"), 
a Ba i 


. “ L 
Eine geometrische Aufgabe. 38 


und folglich: 
tang (® — ®ı) = —— —— . ——, 
Kr, zer Yı Tr“ 


wo nach den vorhergehenden Ausdrücken von 4? und v,? offenbar 


9 


er)? 

also auch fang (@—%,), von der Neigung © der Ebenen der beiden 
Bahnen gegen einander ganz unabhängig ist, welches Resultat jeden- 
falls ein besonderes Interesse darbietet. Weil, ohne Beziehung der 
Zeichen zu den früheren Formeln 


I IENDR a Ma 


3 = NE) 2,72 
kıTı. N 


u ©, EN (- Bi \\ ve. Een) 


BEN £ 
Ka 2a frz? 


ist, so hat man nach dem Vorhergehenden für tang (@—@ı) die 
folgenden Ausdrücke: 


V(w? TpagE 4?) Gi r?) 

Be Am RUE 
Kur zur 

Sa V(v? — N) 
Kr, zer 


tang (© Tem: ı) = 


Setzt man hier wieder für u, &, wie früher respective Yr,, Yr, 
so erhält man: 


ar Nee DIOR ne, 
en ENT 
SITE DIGLEZDN 
eh 11 Vr Er Vr, : 
was man, ohne bestimmte Beziehung der Zeichen zu den Zeichen in 
den vorhergehenden Formeln, auch so zu schreiben berechtigt ist: 
(Ne 
# Y, Vr + Vr, ; 
(nn —r)Vr £r 


r,V/r + rVr, 


tang (© FEN ©) So 


tang (® — ©) = 


Für r,=1 werden diese Formeln: 
(—r) VYi+r 
| a7: (1+Yr) ’ 
Ad-r)vYi+r 
Yr.(i +Vr) 


tang (® — ©) = 


Sitzb. d. mathem.-naturw. Cl. XVII. Bd. I. H£t, 3 


34 Grunert. Eine geometrische Aufgabe. 


oder: 


+aFm VIEL, 


f I+r 
_ Ar) V zur 


was der Form nach vollständig mit dem von Herrn Raabe gefun- 
denen Endresultate übereinstimmt. 

Es ist also, wie schon erinnert, allerdings fang (DB —®ı) von 
der Neigung unabhängig, wogegen die sogenannte Commutation und 
Blongation, auf welche letztere es in astronomischer Beziehung bei 
diesem, eine von der Erde aus zu beobachtende und durch Beobach- 
tung zu eonstatirende Erscheinung betreffen den Probleme hauptsäch- 
lich und vorzugsweise ankommt, von der Neigung der Ebenen der 
beiden Bahnen gegen einander abhängen, wie’ die von mir oben für 
diese Elemente entwickelten Formeln auf das Deutlichste zeigen, und 
auch wohl, als der Natur der Sache vollständig entsprechend, von 
vorn herein erwartet werden konnte. 


tang (® — B®ı) = 


Grunert. Über eine astronomische Aufgabe. 35 


Über eine astronomische Aufgabe. 


N. 
Von dem e.M. J. A. (runert. 


Unter den verschiedenen Problemen, zu deren Auflösung die 
Theorie der Bewegung der Planeten um die Sonne Gelegenheit gibt, 
ist jedenfalls die Aufgabe: 


Aus zwei Vectoren, derDifferenz der entsprechen- 
den wahren Anomalien und der Zeit, welche 
auf die Beschreibung dieser Differenz der 
beiden wahren Anomalien verwandt worden 
ist, die Elemente der Bahn zu bestimmen, 
welche sich nicht auf die Lage der Bahn im 
Raume beziehen 


eine der wichtigsten. Desshalb haben auch mehrere der berühmte- 
sten Mathematiker und Astronomen, z. B. Euler in der Theoria 
motuum planetarum et cometarum, Berolini 1744, sich mit der 
Auflösung dieser Aufgabe beschäftigt; insbesondere aber hat Gauss 
derselben einen nicht unbeträchtlichen Theil seines berühmten 
Werkes gewidmet, die Auflösung durch besonders dazu berechnete 
. Tafeln zu erleichtern gesucht und eine grosse Anzahl sehr merk- 
würdiger Relationen zwischen den bei dieser Aufgabe zur Betrachtung 
kommenden Grössen entwickelt. So schwer es auch allerdings zu 
sein scheint, einem solchen Werke noch etwas Wesentliches 
von einiger Bedeutung hinzuzufügen, so glaube ich doch, dass einige 
bis jetzt übersehene merkwürdige Relationen, auf welche ich bei 
Gelegenheit einer grösseren Arbeit über die Bewegung der Planeten 
und Kometen um die Sonne zufällig gekommen bin, und eine auf 
dieselben gegründete Auflösung der in Rede stehenden so ungemein 
wichtigen Aufgabe, die ich im Folgenden entwickeln werde, der Auf- 
merksamkeit der Astronomen und Mathematiker nicht ganz unwerth 
9% 


(1) 


(2) 


36 Grunert, 


sein dürften. Was die von mir gefundene Auflösung der Aufgabe an 
sich betrifft, so erlaube ich mir im Allgemeinen zu bemerken, dass 
ich dieselbe, nach den Ansichten, die ich mir nun einmal über die 
Auflösung soleher, der Natur der Sache nach nicht anders als durch 
Näherung zu lösenden Aufgaben gebildet und bereits an verschiedenen 
Orten ausgesprochen habe, so geben werde, dass dabei von einer 
Grösse ausgegangen wird, von welcher man aus bestimmten 
theoretischen Gründen weiss, dass sie zwischen zwei bekann- 
ten, möglichst nahe bei einander liegenden Grenzen eingeschlossen 
ist, worauf dann ferner die Auflösung ganz nach der Methode der 
successiven Näherungen ausgeführt wird, wie dieselbe aus der 
Algebra bei der Auflösung der numerischen Gleichungen durch 
Näherung bekannt genug ist, und hier um so weniger näher erläu- 
tert zu werden braucht, weil ich nachher das anzuwendende Ver- 
fahren durch ein ganz ausgerechnetes Beispiel in vollständiges Licht 
zu setzen hoffe. Was die im Folgenden gebrauchte Bezeichnung 
betrifft, so würde es, schon der leichten Vergleichung wegen, jeden- 
falls zweckmässig gewesen sein, dievon Gauss gebrauchten Zeichen 
auch hier in Anwendung zu bringen; wegen der Verbindung jedoch, 
in welcher diese Abhandlung mit der oben erwähnten grösseren 
Arbeit über die Berechnung der Bahnen der Planeten und Kometen 
steht, die ich späterhin zu publieiren hoffe, habe ich es vorziehen zu 
müssen geglaubt, die von mir in dieser grösseren Arbeit gebrauchten 
Zeichen hier beizubehalten, weil sonst eine spätere Beziehung auf 
die vorliegende Abhandlung nicht, oder wenigstens nur mit Unbequem- 
lichkeit möglich sein würde. | 

Dem zufolge wollen wir die grosse und kleine Halbaxe und den 
Parameter der Bahn respeetive durch a, 5 und p; die beiden gege- 
benen Vectoren durch r,r, ; die beiden entsprechenden wahren 
Anomalien durch v, v,, und die beiden entsprechenden excentrischen 
Anomalien durch «, u, bezeichnen; ausserdem soll wie gewöhnlich 
Var Bd 

[4 

gesetzt werden. Dies vorausgesetzt, haben wir nach der allgemeinen 
Theorie der Bewegung der Weltkörper um die Sonne zuvörderst die 
beiden folgenden ganz allgemein gültigen Gleichungen: 


CH 


r=al(l-—ecosu), 
n=a(l-—ecos w); 


Über eine astronomische Aufgabe. a7 


aus denen durch Subtraction und Addition sogleich 


7, — r = —dae (cos u — cos u) 
— 2ae sin! (uw — u) sn! (w-+ u), 
2a — ae (cos wu + cos u) 
2a — ?2ae cos! (wm — u) cos! (u + u); 


nn +r 


| 


also, wenn wir der Kürze wegen 


2—=1(m—n),y=i(lu tu) @) 
setzen, 
r, —r = 2ae sin © sin y, (4) 
r, tr =?2a(1—e cos & cos y) 


erhalten wird. 
Ferner ist nach einer aus der Theorie der Planeten - Bewegung 
bekannten Formel: 


cosu—e 
CO U = ————, 
1—e cos u 
also: 
1 e)(1 — cos u 
re Lina 
1—ecosu 
1-.e) (1 cos u 
ee len 2 
1-—eecos u 


oder nach bekannten goniometrischen Formeln: 


u — EL 
1— es u 
1-e 
le 1 712° 
eos 202 — cos 4 u2; 


1—ecosu 


folglich, weil nach 2) 


r 
1—ecosu=- 
a 
ist: 
Ä (1+e)a , (1 -—e)a 
sın „02 — sn !ur, .cos.v2— _ cos! ur 


Y Tr 
Offenbar ist immer gleichzeitig 
0 = 2 1800, 0 Zr 31808 
und 


180° < u < 360°, 1800 < » < 360°; 


(3) 


(5°) 


(6) 


(7) 


38 Grunert. 


also gleichzeitig 
I 


Im 


u < 0,0 an, 


um 


und 


mb 


909< 


wir 


u < 180%, 90°< 1» < 180°; 


so dass also sowohl sin 3 u und sin z v, als auch cos zu und cos 3v 
stets gleiche Vorzeichen haben, und daher nach dem Obigen in 
völliger Allgemeinheit 


° . 1 e [49 1 FIBRT e a 
sin yo — sinyu VAFI«, cos} v — cosju VAZ9®, 
Tr r 
und natürlich ganz auf dieselbe Weise 
. . a a 1—e)a 
sın3 u = sın lu N De » cosivy = 0083 WU yaıe 
1, 2A 
ist. Aus diesen Gleichungen ergibt sich: 


sin! (vu —v) = sin! vı cosiv — cost vı siniv 


| 


: avi—e avi—e? 
— sın z U) 0083U— ——— - — 008,41 C0OS,U 
rrı rr 
avi—e , 
= ——— sin: (u — u), 
cos! (un —v) = cos!v, cos4v + sin! vo, sini v 
(1—e)a ü j (1-+e)a 
— cosılı Cosiu  — 1 suis SU SU 
Vrr, Vrr, 
74 ea 
— ——— cos! (m — u) — — cos! (u + U); 
Vrr, Vrr, 
also, wenn wir 
o=} (m —v) 


setzen, wo, weil bei der aufzulösenden Aufgabe die Differenz der 
wahren Anomalien als bekannt angenommen wird, © eine bekannte 


Grösse ist: 
sinoVrr, aVi-—e:2. sin x, 


cosOVrr, — a (cos x — e cos y). 


Weil die absoluten Werthe von O= +{v, —v) und «= 3(u —u) 
offenbar nie grösser als 180° sind, so folgt aus der ersten dieser 
beiden Gleichungen, dass O und &, also auch „ —v und u — u, 
immer gleiche Vorzeichen haben. 


Über eine astronomische Aufgabe. 39 


Nach der ersten Gleichung in 7) und der ersten Gleichung in 
A) ist: 
sine Vrr, 
avi— e& 
also nach gehöriger Substitution des Werthes von sın x in die zweite 
Gleichung: 


ea 11 7 r R 
» sm y= -—— 


sn = z 9 
2aesınz 


(—r) NM N. (8) 
2esnOVrr, 


Ferner ist nach der zweiten Gleichung in 7) und der zweiten 
Gleichung in 4): 


sıny = 


cs 09V rr = a(cos ©—e cos y), 
nn tr=?2all—ecoszcosy); 


also durch Division: 


eos O Vrr, cos x — e cos y 


r, +r  2(ll—ecoszcosy) (9) 


Bestimmt man nun aus dieser Gleichung cos x, so erhält man nach 
leichter Rechnung: 

2cosO VYrr, te(r, +r) cosy 

WEI nu} 

r, tr+?2ecos 9 cosyVrr, 


also, wie sich hieraus ferner leicht ergibt: 


([ +r—2%cosOVYrr,)(1-—ecosy) 


1— cos = = > 
r, +r+?%ecosO cosyVrr, 
00 ne N LT en een). 
r +r+%ecos0cosyVrr, { 
folglich: 
EN (rr +r—2%cos O Yrr,) A —ecos y) 
j r, tr+%ecosdcosyVrr, i 
ee (r, +r+2cos O0 Vrr,) (l +ecos y) (10) 
ET NEE N To NE EB 


r, tr+?2eceos O0 osyVrr, 
und hieraus ferner: 
tr —2cosO Yrr, 1-ecosy 


tangi 2? = DEN AL 
tr +%cos0 VYrr, 1teecosy 


(11) 


(13) 


(14) 


(15) 


(16) 


AV Grunert. 

oder, wenn wir der Kürze wegen 

r tr—?ReosOVrr, 
® C ec GET ERRRGR TRTORE TIEREN FOR TE TNIOG TOR WERTET) 
r, tr+®2eos@QYVrr, 


wo, was wohl zu beachten ist, C blos von den gegebenen Grössen 
r, 73; O abhängt, und insofern also als eine constante Grösse zu 
betrachten ist, setzen: 

1—ecosy 


tang ti &?® = Ü ———. 
I: 1-+ecosy 


Weil, wie man leicht findet, 
r, +r— 2 cos 0 Vrr, = (vr —Vr)? cos40° + (Yrı + Vr)® sini 0%, 
„tr+2co9V rr, = (Yrı +Vr)?cosi 9?+ (Yr, —YVr)? sin 4 0: 


ist, so ist C offenbar eine positive Grösse; und weil e kleiner als die 
Einheit, der absolute Werth von e cos y also offenbar um so mehr 
kleiner als die Einheit ist, so ist auch der Bruch 


1—ecos y 
1-+ecos y 


stäts positiv. Die excentrischen Anomalien « und «, übersteigen 360° 
nicht, also ist der absolute Werth von # = (uw — u) nicht grösser 
als 180°, folglich der absolute Werth von +2 —=+(u, — u) nicht 
grösser als 90°, und fangz = x hat daher immer gleiches Vorzeichen 
mit 20, also mit «, — u, folglich nach dem Obigen mit v, —v oder ©. 
Daher ist nach 13) i 


1—eeosy 
b) 


ig — „Vu 
a zu. 1-+ecosy 


indem man in dieser Formel das obere oder untere Zeichen nimmt, 
je nachdem das gegebene v, — v oder © positiv oder negativ ist. 
Wenn man 
% cos Vr r] 
Cost San m ae 
een 


setzt, so ist 
C=tangzw?, VC=tang zw. 


Weil 
rn +r—2V rn = (vn — Yr) 


Über eine astronomische Aufgabe. A1 


ist, soist 2 V rr, Zr-+r,, und daher gewiss der absolute Werth 
des Bruches auf der rechten Seite der Gleichung 15) nicht grösser als 
die Einheit, so dass sich also der Winkel » in der That mittelst die- 
ser Gleichung immer bestimmen lässt; man muss w stäts positiv 
und nicht grösser als 180° nehmen, damit fang =w jedenfalls positiv 
werde, was wegen der Gleichung 


vC=tangiw 
erforderlich ist. 

Wir wollen jetzt die Zeiten, welchen die beiden Vectoren v,r;, 
die wahren und excentrischen Anomalien », v, und a,«, entsprechen, 
durch 7, T, bezeichnen, und wollen von jetzt an voraussetzen, dass 
T, grösser als 7’ sei, so dass also die Grössen r,, v,, ı, einer 
späteren Zeit als die Grössen r, v, w entsprechen, wobei die 
Zeiten T und 7, von einem beliebigen Zeitmomente an gerechnet sein 
mögen. Dann wird jedenfalls die Zeit, welche der Planet gebrauchte, 
um von der wahren Anomalie v zu der wahren Anomalie v, überzu- 
gehen, durch die Differenz 7, — T dargestellt, und da diese Zeit bei 
unserer Aufgabe als bekannt angenommen wird, so wollen wir die- 
selbe durch das einfache Symbol x bezeichnen, also = NT, —T 
setzen. Ferner wollen wir durch £ und {, die Zeiten bezeichnen, 
welche von dem Zeitpunkte an, wo der Planet zunächst vor dem 
Zeitpunkte, wo er die wahre Anomalie ©, hatte, durch das Perihelium 
ging, bis zu den Zeitpunkten, wo er die wahren Anomalien v» und v, 
hatte, verflossen sind. Ist dann zuerst O=:(v, —v) positiv, also 
v, >v, so kann der Planet offenbar nicht während des Zeitinter- 
valles r durch das Perihelium gegangen sein, und es ist daher in 
diesem Falle, wie man sogleich übersehen wird, t, > f und 


a nn Tu. 


Wenn dagegen O=: (v, —v) negativ, also , <v ist, so ist 
der Planet offenbar während des Zeitintervalls x durch das Perihe- 
lium gegangen, und daher in diesem Falle f, <t und, wenn wir die 
Zeit eines ganzen Umlaufes in der Ellipse durch % bezeichnen, 


Ra peu 


Nach einer bekannten allgemeinen Formel der Theorie der 
Planeten-Bewegung ist nun, wenn k die Constante des Sonnen- 
systems bezeichnet. 


A2 Grunert. 


= (Ww-e ON (u —e sin w); 
also: 
u —t= “ u u—e@inu—sinn)| 
oder: 
Ya? 
h —t= = |: m —u) — e sin: (m—u)eos}(u + u) \ 
folglich nach 3): | 
2a? 
1 —t-- (2 — e sin © cos y). 
Aus der Formel 
3 
=. (u—esin u) 


erhält man offenbar T, wenn man u — 2x setzt, was 


3 
2a?:T 


Au TgE 


gibt. Daher ist nach dem Obigen, je nachdem O = :(v, —v) 
positiv oder negativ ist: 


3 
2a? j 
Tara (2 — e sin x cos y) 
(17) oder: 
2 az h 
ng (T+x— esin x cos y), 
woraus sich, immer je nachdem 0 — ! (v, — v) positiv oder 


negativ ist, 


I: kr 3 
=} 2 (© — esinxcosy ) 
(18) oder: 


K kr Y 
Fr ) (T+x— esinx cosy) 
ergibt. 
So wie die Formeln hier dargestellt sind, erfordern sie, dass x 
in Theilen des der Einheit gleichen Halbmessers ausgedrückt sei; 


Über eine astronomische Aufgabe. 43 


nehmen wir dagegen x in Seeunden ausgedrückt an, so muss in den 
vorstehenden Formeln x Arc1” für x gesetzt werden, woraus sich 
ergibt: 


kr 3 
VE Te  jyj, 
2 (x Arei" —esin x cos n 
oder: 


kr \ 
ne 2 (7 + xAre!" — esinxcosy)) 
oder auch: 


kr B 
Ur ——— 
2 (x Are1”’ — esinx cos y) 
oder: 


kr 3 
ze E [| (648000 + ©) Are1'" — e sin x cos N: j 


a | 
oder, weil 1 st, 
ı 206264,67 


206264,67.. kr ® 
TE —— 
oder: 
2062646T.Kkr 5 
n | a nn: 


oder endlich, weil 
206264,67.k = 3548,18761 
ist: 
1774,09381.. 7 5 
ie nn 
oder : 
1774.093831 . 7 5 
E Ban 


wo man des Folgenden wegen bemerken kann, dass 


log 1774,09581 — 3,2489766 
ist. 
Die bis jetzt entwickelten Gleichungen reichen schon hin, um 
unser Problem aufzulösen, wobei wir 


w=ecosy, w=esiny;, 


(19) 


(20) 


21) 


(22) 


(23) 


(24) 


AA Grunert. 


also 
w+tw?=e, wW+w?—e—0 
setzen wollen. 
Wenn nämlich © positiv ist, so ergeben sich aus den Gleichun- 


gen 15, 16, 14, 22, A, 7, 24 die folgenden Formeln: 
2 cos 9 Vrr, 


cos a = Le mE NO HNO N: 
nr 3 (3 .) 


tung —=YV eve ; 


1774,09381 . \ 
x — 206264,67. w sinz\ ’ 


z 


wı == 


. 2 
2a sın x 
ze rr, sin 0? 


(a sin x)? 


ww + w?—e—=(; 


1—e=} 


asın x 


welcher man sich auf folgende Art zu bedienen hat. Zuerst berechne 
man mittelst der zwei ersten der vorstehenden Formeln ein für alle 
Mal die Grösse YC, welche bekanntlich insofern eonstant ist, als sie 
nur von bekannten Grössen abhängt. Von der Grösse w=e cos y 
weiss man nun mit theoretischer Bestimmtheit, dass dieselbe 
stäts zwischen den Grenzen —1 und -+1 liegt, wobei praktisch 
noch hinzugefügt werden mag, dass dieselbe meistens der Null sehr 
nahe kommen wird, wenn auch hierauf in theoretischer Beziehung ein 
Werth nicht gelegt werden kann. Desshalb nehme man, von Null 
anfangend nach beiden Seiten hin, für in dem Intervalle —1 und 
+1 eine Reihe gleich weit von einander abstehender Werthe an; 
berechne für jeden dieser Werthe mittelst der dritten Formel «, was 
ohne alle Zweideutigkeit geschehen kann, da #2 in diesem Falle 
immer zwischen 0 und 490° liegt; dann mittelst der vierten For- 
mel a, mittelst der fünften Formel w,, mittelst der sechsten Formel 
e:; für alle einander entsprechenden Werthe von w, w,, e berechne 
man den Werth der zum Verschwinden zu bringenden Grösse 
w? + w,2— e?, und ermittle in bekannter Weise aus den Zeichen- 
wechseln dieser Werthe die engeren Grenzen, zwischen denen die 


*) Für cos @ — w wäre fang z = —= lang Ve. 


Über eine astronomische Aufgabe. AB 


Grösse w liegen muss. Theilt man dann diese engeren Intervalle 
weiter, so wird man in ganz bekannter, einer weiteren Erläuterung 
hier nicht bedürfender Weise sich den genauen Werthen von w 
immer mehr und mehr nähern und dieselben, sowie natürlich zugleich 
auch die Werthe von x, a, w,, e, endlich mit völliger Sicherheit bis 
zu jedem Grade der Genauigkeit bestimmen können. Mittelst der aus 
23) fliessenden Formeln 


c08 y = —, sin y= z (25) 
oder auch mittelst der Formel 
tang y = — (26) 


kann man dann die Grösse y ohne alle Zweideutigkeit bestimmen, 
wenn man sich dabei nur an die folgenden Regeln hält: 


Wenn w positiv, w, positiv ist, soit 0 < y < 90% 
„ wnegativ, w, positiv '„ ', „90% < y << 1809; 
»„  wnegativ, w, negativ „ „ „1800< y < 270°; 
»  w positiv, w; negativ „ „ „2700 < y < 360°. 


Wenn © negativ ist, so erhält man zur Auflösung unserer Auf- 
gabe aus den Gleichungen 15, 16, 14, 22, 4, 7, 24 die folgenden 
Formeln: 

2 009 VYrr, 


Ba an De 
PD ar 
1— w 


long = — VC. N 
w 


“ 1774,09381 . r 5 
1648000 + = — 206264,67.. w sin x 


7, 73 s D 
2asın x 


. GE Eee" 0) n . 
1% ei ren Ru rr, sin 9° 


asinx (a sin 2)?” 


w+w?— ee —=(; 
deren man sich in ganz ähnlicher Weise wie der unsere Aufgabe 
im vorhergehenden Falle auflösenden Formeln bedient, indem man 


nur bemerkt, dass jetzt #.x zwischen 0 und — 90° genommen wer- 
den muss, 


(27) 


(28) 


(29) 


(30) 


(31) 


(32) 


(33) 


A6 hGrunert. 
Da man 
2-1), y=!lum+n) 
kennt, so kann man auch die excentrischen Anomalien «, «, mittelst 
der Formeln 
u=y—- %, W=YTE 


berechnen, und die wahren Anomalien v, v, erhält man dann mittelst 
der aus der Theorie der Planeten-Bewegung bekannten Formeln: 


1-+e 
tang,v = V a . tang $ u, 


1 
1+e 
tangivu = a tang 3 u; 


oder auch mittelst anderer zu diesem Zwecke dienender Formeln, von 
denen weiter unten noch einige vorkommen werden. 

Dass durch die wahren Anomalien v, ©, die Lage des Perihe- 
liums bestimmt ist, versteht sich von selbst, und weil man /, /, mit- 
telst der Formeln 

a? s b 
t= — (u—esinu), hı = — (mw —esin u) 
berechnen kann, so lässt sich offenbar auch die Zeit des Durchganges 
durch das Perihelium leicht bestimmen. 


7 
j a? — b° ba: ! 
Weil e? = —1 — = ist, so ist 
a 


a? 
De aVi-e:, 


oder nach 7): 


sind „— 
On sin © Ver ; 
Endlich wird der Parameter p mittelst der bekannten Formel: 
2 6? 
= 


oder auch mittelst der aus 7) und 51) fliessenden Formel: 


sin 0 


p=2 Va — e?) rr, 


sinx 
berechnet. 


Über eine astronomische Aufgabe. AY 


Die grösste und kleinste Entfernung des Planeten von der Sonne 

findet man mittelst der Formel: 
a ii. a? — b2 
ee er Tr ale), 
wo das obere Zeichen der grössten, das untere der kleinsten Entfer- 
nung entspricht. 

Bevor ich zur Entwiekelung noch anderer Relationen übergehe, 
will ich die Anwendung der vorhergehenden Formeln durch ein Bei- 
spiel erläutern, und wähle dazu den von Gauss in der Theoria 
motus, p. 93 und p. 106 behandelten Fall, bringe dabei jedoch den 
Werth von © nur bis auf die zweite Decimalstelle abgekürzt in An- 
wendung, indem Gauss auch noch die dritte Deeimale beibehalten 
hat. In diesem Falle ist in meinen Zeichen: 


z —= 21,93391 Tage log = 1,3411160 
9 —= 30.47 . 26,86" 

r = 2,1417264 logr = 0,3307640 
rı, = 2,1000224 log rı = 0,3222239. 


Weil @ positiv ist, so kommt in diesem Falle das erste der bei- 
den obigen Systeme von Formeln in Anwendung. Zuerst habe ich 
nun die folgenden Grössen berechnet, welche bei der folgenden Rech- 
nung als constant zu betrachten sind, da sie blos von den gegebenen 
Grössen abhängen: 


nn t+r= 42417488 log (rı + r) = 0,6275449 
r, —r—= — 0,0417040 log (rı — r) = 0,620177%7 — 2, 
log vC = 0,5244138 — 2 

log (1774,09381 .7) = 4,5900926 

log 206264,67 = 5,3144248 
log . rrı sin 09% = 0,2935693 — 2 


Ich setzte nun 
w=—(0,1 w=(0,0 v=+0,J1, 


fand in allen drei Fällen mittelst der obigen Formeln 1—e? >1, was 
ungereimt ist, und konnte nun aus einer sorgfältigen, an sich übrigens 
ganz einfachen Betrachtung der obigen Formeln, die ich der Kürze 
wegen hier nicht weiter erläutern will, leicht schliessen, dass 
überhaupt nicht zwischen —1 und + 0,1 liegen könne, wesshalb 


(34) 


AS Grunert. 


ich für ww neun blos positive Werthe zu setzen mich für berechtigt 
hielt. 
Ich setzte daher » = + 0,2 und = 0,3 und fand: 


w — 0,2 w + wu? — e? = — 0,0008121 
w = (0,3 w: + wı? — e: — — 0,04815592. 


Wenn nun auch die Werthe von »°®—+ w,?— e? einen Zeichen- 
wechsel noch nicht darboten, so zeigte sich doch hier schon, dass der 
genaue Werth von w nahe bei 0,2 liegen müsse. Desshalb hielt ich 
mich für berechtigt, indem ich 

02 A= — 0,0008121 
b = 0,3 B = — 0,0481535 
setzte, einen neuen Näherungswerth von w nach der bekannter 


Formel: 
a—h a—b 


w=4— 


zu berechnen, wodurch ich 
w = 0,1982846 
erhielt. Hieraus ergab sich ferner: 
w?® + w? — e® = + 0,0001061, 
so dass ich jetzt hatte: | 
w = 0,1982846 w? + wi? — e®? = + 0,0001061 


w = 0,2000000 w2 + w,? — e® = — 0,0008121 
und daher nun ein Zeichenwechsel gefunden war. Für 
a = 0,2000000 A = — 0,0008121 


b = 0,19828%46  B— - 0,0001061 


berechnete ich einen neuen Näherungswerth von ww nach der schon 
vorher angewandten Formel: 
a—b a—b 
A=b — 


A—B A-—-B “ 


w= 4 — 
und fand: 
w = 0,1984828 w2 + 1? — e?® = + 0,0000001, 


also schon hier fast ganz genau eine Übereinstimmung bis zur siebenten 
Decimalstelle, woraus man sieht, wie genau und sicher die obige 
Rechnung zum Zwecke führt. 


Über eine astronomische Aufgabe, 49 


Zugleich findet man bei dieser Rechnung 


Dur 0 10.,34..1,98 x —= 80,8',. 3,96 
und: 
e?: = 0,0601812 
log a = 0,4224429 — 1 
log w = 0,2977229 — 1 
log wı = 0,1588851 — 1, 


so dass also ww positiv, ww, negativ ist. Weil nun nach dem Obigen 


w ; w,; 
OR NR, 
also cos y positiv, sin y negativ ist, so endigt sich y im vierten Qua- 
dranten, oder liegt zwischen 270° und 360°. Dies vorausgesetzt, 
findet man y am leichtesten aus der Formel 


tang y = EN 
w 
nämlich . 
an 782400222098: 
Also ist 


we 200 2200.52. 18,97 
ae a) 


wovon die Resultate bei Gauss nur um wenige Secunden verschieden 
sind, wobei ich, wie schon oben bemerkt, nochmals erinnere, dass 
der von mir angenommene Werth von © nicht ganz genau mit dem 
Werthe dieser Grösse bei Gauss übereinstimmt. 

Ieh will nun noch eine Reihe bemerkenswerther, dem grösseren 
Theile nach noch nicht bekannter Relationen entwickeln, die bei den 
vorhergehenden Rechnungen auch von Nutzen sein können. 

Aus der ersten der beiden Gleichungen 7) ergibt sich unmittelbar 


sin Oo Vrr, | 
a7 snaeyl_e (35) 
In der Gleichung 8), nämlich in der Gleichung 
sy ar he 


2esneVrr, 
ist ganz von selbst die Forderung enthalten, dass 
r—n)vIZze” (merntd-e) — N 
2esinOyyr, ke&rr, sin 0 


Sitzb. d. mathem.-naturw. Cl. XVII. Bd. I. Hft. [ 


(36) 


(37) 


50 Grunert. 


oder 
(nn —r?(1-e) <4e:rr, sin 0: 
sei. Es muss also sein: 
(r — r)? <e {(r — r)? + Arrı sin 0%, 
woraus sich 
A a 


a ——— 
(r, — r)’ +Arr, sin 0? 


ergibt. Nun erhält man aber aus der Gleichung 8) sehr leicht: 


Ha ee 
r, Ir+%eosOVYrr, 
1 2(r, +r) 
r, +r+2cs0Vrr, 


also dureh Division: 


1-C r,+r 


cos 0 = nn) 
1:4 CB Wirr, 


folglich 

Arr, 1+09° - (r +r)?(d — 0° 
Arr, (1 +0) 

oder, wie man hieraus mittelst einiger leichten Transformationen 

findet: 


sin 9? — 


9 


4(r, +r)”?C —- (r, - r)”’ (+ 0) 


sin 9? — ; 
4rr, (di + 0)? 
also: 
; . a 

(rn — r)? + Arr, sin O0 = drop 

und daher: 
( — r)’ IN NCLEACHE 
(„rn +Arnsn® b + ) dien Mi 


Folglich ist nach dem Obigen: 


—_ mn: (1.0) 
02% 
? le AC 
oder: 

ar rel 
ERRE RE er pre 

und man hat also für e die beiden Grenzen 

r, r 1+6 
a N ne ae 


welche enger sind als die Grenzen 0 und 1, die sich ursprünglich für 
e würden angeben lassen. 


Über eine astronomische Aufgabe. 51 


Zur Berechnung von x hat man nach 10) und 9) auch die 
Formeln: 


A VI, + r)?—#rr, cos 02] (1 — e? cos y?) 


sin = 


vr, tr -+2%ecos0cosyVrr, 
2cosOVYrr, te(r, #r)cosy 
COS, — ; 
r, tr+%ecos®ecosyVrr, 


in der ersten dieser beiden Formeln das obere oder untere Zeichen 
genommen, je nachdem x, dessen absoluter Werth bekanntlich nicht 
grösser als 180° ist, positiv oder negativ ist; d. i. nach dem Obigen, 
je nachdem v, — v positiv oder negativ ist. Führt man in diese For- 
meln für 2 cos OV rr, den aus 36) sich Werth 


2005 0Vrr, Bl EN ne 


ein, so erhält man nach leichter Rechnung: 


nn 


; 2VCO(1-ecosy) (1 + ecosy) | 
sın2 a) — = 
1+0C+e(1—(0)ceosy 
1—C+e(l+Üeosy 


cos X —= ® 
1+C+e(li —C)eosy’ | 


oder: 
; 2YC(l—ecosy) (1 + ecosy) 
snt= + Ä 
1+ecosy+ÜO(1- ecosy) 
4 — ei 
a +ecosy ( e cos y) 
1+ecosy+C(l-—ecosy)’ 
also: 
3VYCA-— ecos 1-ecos 
EA A +eeny) 
1+ecosy—C(1-—ecosy) 
und: 


ae 1tecoy Do 
etz el -—ecosy) 1-+ecosy 


_ Für « hat man nach 7) und A) auch die folgenden Ausdrücke: 
eos 9VYrn 


COS —ecosy’ 


2 esinzsiny’ 


Nr AR 
2(1—e cos x cosy) 


d = 


En 
* 


(38) 


(39) 


(40) 


41) 


(42) 


(43) 


Grunert. 


ot 
[0 


Aus der zweiten und dritten dieser Gleichungen erhält man: 


2aecszcosy=?2a— (n-r) 
2aesmesuny=n —1rT; 


also dureh Division: 


20a -(n+r) 


ct zcty= 
r, —r 
woraus für 2 a der Ausdruck: 
44) 2a=nHtr+(n —r)cotcoty 


folgt. 
Aus 9) folgt sogleich: 


2 cosO Yrr, (i — e? cos y?) 


c08 © — ec08y = —, 
rı +r-+?2ecosOcosyVrr, 


also nach der ersten der Formeln 43): 
un 9 +r+?2ecosdcosyVrr, 
(45) RER 2 (1 — e? cos y*) | 


Bestimmt man cos y aus der Gleichung 9), so erhält man: 


1 (rr +r)eos®e — %cosQOVrr, 
(46) Re 
e nn +r—2cosdcoszVrr, 


folglich, wie man leicht findet: 
| 2 c0sO sin&®Vrr, 
008 8 — e COS Y= — ————— 
r, +r— 2cos0cos&Vrr, 


also nach der ersten der Gleichungen 43): 
r, 4r—2%eos0coseVrr, 


(47) Fe 2 sin x? 


Wenn man in dem Ausdrucke 45) von a die Grösse 


ann 1—C 
2 cs 9VYrrn = (rn A Een 
setzt, so erhält man nach leichter Rechnung für « den folgenden 
bemerkenswerthen Ausdruck: | 


r, +r 1+0C+e(i-—Ü)eosy 


(48) ln ran 1 — e? cos y? 
oder: | 
mat 1 C 
(49) En, 1—ecosy 1-+ecosy 


Über eine astronomische Anfgabe. 53 


Nimmt man in dem Ausdrucke 47) von a dieselbe Substitution 
vor, so erhält man: 
u weh ud TO) eos 
2(1+0) sin x? 
rn, +r 1—cos2+CÜ(1 + cos?) 
2(1+0) (1 — ecosx) (1 + cos) 


I 


2(1+0C) (1+cosx 1— cos x (30) 
le 1 C 
ei a 

nn tr 


Ze Sasse) |scei ar -F 0 oosee} w*| 


Nach 5) und 5*) ist: 


sin!(v, + v)= sin} v, cos4v + cos! v, sin! v 


Ka ‚.av1 —e? ., ayi-e 
— sın z UL 008 3U ——— —- 008 3 u, sin zU ——— 
Tr, rt, 
\ avi — e 
— sinz (m +4 u). —— 
Vrr, 
0c083:(1 +9) = cos # vı cos + v — sin 3 vı sin v 
} “Rta(l —e) RU all eo) 
— (08 ZU, 608 3 U ———— — sin zu, sin 3 U——— 
Vrr, A ion 
a ae. 
— cos: (u +4 u). — cos: (u — u). ; 
rr rr, 
also, wenn der Kürze wegen 
2=:(vu +40) (51) 
gesetzt wird: 
‘ u 
sin d = ——— siny, 
rr 
a(cosy—ecosx) (52) 
cosd—= —; 
Vrr, 


oder auch, weil nach dem Obigen 
(r, - vie 


SL — —— 
2esnOVrr, 
ist: 
SB. EN 
sin = a (53) 


2err,sind 


(54) 


(35) 


(55%) 


54 Grunert. 


Auch ist: 
sinyv1-— e: 


cos y— € 08 X 


tang 2 = 


Es würden sich aus dem Obigen noch verschiedene andere 
bemerkenswerthe Relationen ableiten lassen, die ich aber, um nicht 
zu weitläufig zu werden, übergehen will. 


Weil nach 4) 
2aecosxcosy=?a— (nr), 
2aesinxsny = 1n—T 


ist, so Ist: 


—r 20 - {F 
» COLY — 0 000 DO ae 


“. [ r 
esm my 7, 
a In — 

1 


also durch Multiplieation: 
2a—(r, + r) 


esn £coosy—=— = -tang &; 
und folglich nach 17): 
2a? | Zu en | 
— N NN Ze 
k 2a \ 
oder: 
Ya? ?a—(r, + r) 
jet e— 3, tung =). 


je nachdem = (v,—v) positiv oder negativ ist. Nimmt man nun 
hierzu noch die Gleichung 47), so ist eigentlich die vollständige 
Auflösung unseres obigen Problems, jenachdem O=z (v,—v) positiv 
oder negativ ist, in den beiden Gleichungen 


act cos&2VYrr, 


2 sın &* 


oder in den beiden Gleichungen: 


r, tr —2cosOcos2Vrr, 


. 3 
2 sin x” 


Ya — 
= je + P rang 
| 2a 


{ 


Über eine astronomische Aufgabe. ß 55 


mit den beiden unbekannten Grössen £ und «a, enthalten. Dieser 
Gleichungen bedient man sich mit Vortheil, um, wenn man auf irgend 
eine Weise schon einen Näherungswerth von .r gefunden hat, sich 
der Wahrheit dann noch mehr zu nähern, wozu man bekanntlich 
Methoden genug hat, deren weitere Erläuterung nicht hierher gehört; 
‚natürlich geben die obigen Gleichungen dann zugleich auch a. Hat 
man aber & und « gefunden, so erhält man y mittelst der Formel: 
2a—(r, +r) 
m 


Na 


ct y= tang X 


und e mittelst der Formel: 


rn, —r 

dia 2asinzsiny’ 

wobei aber noch Folgendes zu bemerken ist. Da man von y= 
(u, tu) nur weiss, dass diese Grösse zwischen 0 und 360° liegen 
muss, so liefert der obige Ausdruck von cof y für y jederzeit zwei 
um 180° von einander verschiedene Werthe; welchen dieser beiden 
Werthe man aber zu nehmen hat, ist immer leicht zu entscheiden, 
weil dieselben offenbar für 


rn, —r 


2asinz siny 


immer Werthe mit entgegengesetzten Vorzeichen liefern, und da 
nun e seiner Natur nach positiv ist, so muss man für y immer den 
der beiden in Rede stehenden Werthe setzen, welcher e positiv 
liefert. Wie man nun auch noch alle übrigen unbekannten Grössen 
findet, ist aus dem Obigen von selbst ersichtlich. 


56 Aüszug aus einem Briefe des Prof. Hofrath Wöhler an Herrn Dir. P. Partsch. 


Auszug aus einem briefe des Professors, Hofrath Wöhler in 

Götlingen, correspondirendem Mitgliede der kais. Akademie der 

Wissenschaften, an den Vorstand des kais. Hof-Mineralien- 
Cabinets, P. Partsch. 


„Ich habe das Vergnügen Ihnen zu berichten, dass am 13. Mai 
in unserm Königreich bei Bremervörde (Landdrostei Stade) ein merk- 
würdiger Meteorstein-Fall stattgefunden hat. Durch die Güte des 
Amtmanns von Reiche zu Bremervörde bin ich so glücklich gewesen, 
in den Besitz des grössten der gefallenen Steine zu gelangen. Er wiegt 
6 Pfund und ist fast ganz unversehrt, da er 4 Fuss tief in ein Torf- 
moor gefallen war. Nur zwei kleine Ecken wurden von den Findern 
(Arbeitern im Torfmoor) abgeschlagen, weil sie sehen wollten, ob 
die Masse nicht Eisen sei. Der Stein ist mit der gewöhnlichen schwar- 
zen Rinde und den wie mit Fingern gemachten Eindrücken versehen. 
Im. Innern hat er grosse Ähnlichkeit mit den Steinen von Mezö- 
Madaras; man erkennt darin metallisches Eisen und Schwefelkies. 
Der Amtmann von Reiche hat die glückliche Idee gehabt, die Finder, 
in deren Nähe der Stein gefallen war, amtlich zu vernehmen und über 
das ganze Phänomen ein Protokoll aufnehmen zu lassen, von dem er 
mir eine Abschrift geschickt hat. Das Phänomen fand Nachmittags 
gegen 5 Uhr Statt. Zuerst wäre es gewesen, als ob Kanonen gelöst 
würden, dann sei ein Geknatter und ein heftiges Sausen mit donner- 
ähnlichem Getöse entstanden. Es sei ein gewaltiger Lärm gewesen, 
so dass Allen bange geworden sei. Der Himmel war bewölkt, was wohl 
die Ursache ist, dass man keine Feuerkugel gesehen hat. Die Leute 
sagten ferner aus, dass in derselben Gegend noch mehrere solcher 
Steine gefallen sein sollen. Ich habe dem Amtmann von Reiche so- 
gleich geschrieben und ihn ersucht, dass er auf diese Jagd machen 
lassen möge, indem ich für jedes Pfund Stein, wenn er sich als echter 
erweise, einen Preis aussetzte, so wie ich auch hoffe, dass die beiden 
abgeschlagenen Fragmente wieder aufgefunden werden.“ 

Weiter theilt Hofrath W öhler mit, dass er gehört habe, dass 
noch zwei andere Steine von diesem Fall nach Zellerfeld am Harz 
gekommen seien. Einen davo. 3 Pfund schwer, habe Dr. Römer in 


Schafarik. Über die Cyanverbindungen des Platins. 57 


Clausthal angekauft, der andere befinde sich noch in Zellerfeld. Hof- 
rath Wöhler wird, wenn er alle Nachrichten über das Phänomen 
beisammen hat, eine Mittheilung darüber an die königliche Societät 
der Wissenschaften in Göttingen machen und unterdessen die 
chemische Analyse vornehmen. Zuletzt gibt er die Vollmacht, diese 
vorläufigen Notizen der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften 
mitzutheilen. 


Über die Cyanverbindungen des Platins. 
Von Adalbert Schafarik. 


(Vorgelegt in der Sitzung vom 8. Juni 1855.) 


ERSTE ABHANDLUNG. 


Der in obiger Aufschrift genannte Gegenstand hatte das eigene 
Schicksal, der Reihe nach von einer Mehrzahl tüchtiger Chemiker 
behandelt zu werden, ohne dass einer derselben es unternommen 
hätte, die Aufgabe in ihrem vollen Umfange anzugreifen und zu 
lösen. Die erste Platineyanverbindung, das Kaliumplatineyanür, ent- 
deckte bekanntlich Leopold Gmelin?), dem wir ja auch die Kenntniss 
der Ferrieyanverbindungen verdanken; derselbe stellte zugleich auch 
ihre Formel fest. Rammelsberg?:) wiederholte Gmelin’s Analyse 
und fand sie bestätigt. Später stellteDöbereiner:) aus dem Gmelin’- 
schen Salze die analoge Quecksilberverbindung und mit Hilfe derselben 
die Platinblausäure sowie das Platineyanür dar. Knop und Schne- 
dermann *) untersuchten die Einwirkung des Chlors auf das 
Kaliumplatineyanür, welches zu thun L. Gmelin merkwürdigerweise 
unterliess (wiewohl er selbst beim Blutlaugensalze diesen Process 
zuerst angewandt hatte); dadurch wurden sie zu Entdeckern des 
Kaliumplatin-sesquieyanides. Zugleich fanden dieselben eine bequemere 
Methode zur Darstellung der Platineyanverbindungen als jene von 
Gmelin und untersuchten neben den beiden Kaliumplatineyan- 


1) Handbuch, 1. Aufl. I. 1456; 2. Aufl. II. 1692. 

2) Poggendorff’s Ann. 2. Reihe, XII, 136. 

3) Poggendorfi’s Ann. XXXVII, 546 und Liebig’s Ann. XVII, 250. 
#) Liebig’s Ann. XLIII, 113 und Erdm. Journ. XXXVII, 461, 


58 Schafarik. 


verbindungen auch noch die entspreehenden Ammoniumverbindungen, 
ohne jedoch auf die übrigen Salze der leichten Metalle Rücksicht zu 
nehmen; von den schweren Metallen untersuchten sie einige krystal- 
lisirtte Doppelverbindungen mit Ammoniak, wiewohl nur beiläufig. Sie 
gaben zwar jene Resultate, die sie publieirten, nur als vorläufige, doch 
ist eine Fortsetzung ihrer Arbeiten nicht bekannt geworden. Die 
erste erschöpfende Untersuchung, wenigstens einer Reihe der Platin- 
cyanverbindungen, verdanken wir Bernhard Quadrat, welcher 
seine im Jahre 1846 — 1847 in Redtenbacher’s Laboratorium 
ausgeführte Arbeit in Liebig’s Annalen (LXIM, 164 — 192) 
publieirte und ausser dem Kaliumplatineyanür auch noch die ent- 
sprechenden Verbindungen des Natriums, Ammoniums, Baryums, 
Strontiums, Caleiums, Alumiums, Kupfers und Quecksilbers genauer 
untersuchte und beschrieb 1). Auf die Platineyanidverbindungen nahm 
Quadrat keine Rücksicht. Seine Arbeit erregte hohes Interesse bei 
Chemikern und Physikern, einerseits durch die merkwürdigen und 
wirklich ausgezeichneten optischen Eigenschaften der von ihm ent- 
deckten Salze, anderseits aber durch die ungewöhnliche Zusammen- 
setzung die er seinen Salzen ertheilte. Quadrat fand nämlich alle 
von ihm dargestellten Verbindungen nach der empirischen Formel 
Pt, Cy,ı M;, zusammengesetzt, welche er durch 5 PtCy, M-+CyM 
interpretirte. Zugleich fand erjedoch durch seine eigenen Analysen für 
das nach Gmelin dargestellte Kaliumsalz die Gm elin’sche Formel 
PtCy, K bestätigt, während dagegen das nach Knop’s Methode aus 
Platinchlorür und Cyankalium bereitete Salz, sowie sämmtliche 
(durch Vermittelung eines Kupfersalzes) daraus abgeleiteten Salze 
obige Formel zugetheilt erhielten. Diese Reihe nannte Quadrat 
zum Unterschiede von dem einfacheren Gmelin’schen Kaliumsalze 
und den ihm entsprechenden Salzen die der zusammengesetzten 
Platineyanverbindungen; er stellte, um die wesentliche Differenz 
beider Reihen als’ wirklich existirend nachzuweisen, einige Salze 
durch Sättigung von Platineyanwasserstoff mit der entsprechenden 
Basis dar, und fand wirklich die so gebildeten Substanzen nicht nur 
analog dem Gmelin’schen Salze, daher abweichend von seinen 
Salzen zusammengesetzt, sondern auch mit anderen physicalischen 


1) Böhmisch und mit einigen Zusätzen bereichert, erschien seine Arbeit in der 
böhmischen Museums-Zeitschrift XXIII, 3, 47—72. 


Über die Cyanverbindungen des Platins. 59 


Eigenschaften begabt (a. a. O. p. 190). Wiewohl nun die Arbeit von 
Quadrat das Gepräge einer tüchtigen Anlage und fleissigen Aus- 
führung an der Stirne trug, auch keinerlei in ihr selbst liegende 
Gründe die kleinste Veranlassung gaben an ihren Resultaten zu zwei- 
feln, so wurden doch nichtsdestoweniger bald nach ihrer Publication 
Stimmen laut, welche die Quadrat’schen Formeln höchst unwahr- 
scheinlich fanden; so Laurent !), Liebig ?2), Svanberg:) 
u.a.m.). In Folge dessen erschien im 65. Bande von Liebig's 
Annalen (p. 249) eine Note von Quadrat, worin er zwar zugibt, 
dass seine Salze nicht ganz rein gewesen seien, namentlich mit 
Rhodanmetall verunreinigt, im Ganzen jedoch (soweit man jene Note 
deuten kann) bei seiner Ansicht verharrt. Zwei Jahre später publieirte 
er (Sitzungsberichte der kais. Akademie der Wissenschaften, mathem.- 
naturw. Classe, Juni 1849, p. 10 — 16) einen Aufsatz „über die 
einfachen Platineyanverbindungen,“ worin er eine Reihe von Verbin- 
dungen beschreibt, deren allgemeine Formel PtCy,M ist, die somit dem 
Gmelin’schen Kaliumsalze entsprechen; er gewann sie ganz ebenso 
wie die im Jahre 184% beschriebenen zusammengesetzten Verbin- 
dungen, durch Überführung des Kaliumsalzes in ein Kupfersalz und 
Behandlung dieses Salzes mit Basen, nur dass er das Salz PtCy,;K, 
nicht das Salz Pt, Cy,. K,, als Ausgangspunkt nahm; das Salz PtCy, K 
stellte er jedoch nicht — wie Gmelin — durch Glühen von Platin- 
schwamm mit Blutlaugensalz dar, sondern durch wiederholtes 
Umkrystallisiren seines Salzes Pt, Cy,ı K,, wodurch er den Platin- 
gehalt von 49:05 Procent auf 51°65 steigen und somit Pt; Cy,ı K; 
in PtCy,K übergehen sah. Dass jedoch Quadrat auch dazumal 
noch an der wirklichen Existenz jener zusammengesetzten Reihe 
Pt, Cy.ı K, fest hielt, beweist der Passus (p. 10 ibid.): „Ich bin der 
Ansicht, dass nicht zwei (wie ich durch analytische Resultate bereits 
zum Theile früher bewiesen habe), ja dass noch mehrere Reihen 
von Platineyanverbindungen existiren “ 5). 


1) Laurent hältQuadrat’s Salze für PtCy,M, Liebig, Jahresber. f. 1847-48, p. 484. 

2) Liebig, Jahresbericht f. 1847—A8, p. A82—A8A. 

®) Svanberg, Jahresbericht, XXVII. Jahrg., p. 147—134. 

#) Dass L.Gmelin die Arbeit von Qua drat ignorirt hätte, wie Prof. Otto in seinem 
Lehrbuche (2. Auflage II,2; p. 1331) meint, ist ein kleiner Irrthum; der 4. Band des 
Handbuches erschien zu Anfang des Jahres 1848, das Capitel über Cyan war daher 
gewiss schon gedruckt als Quadrat’s Abhandlung erschien. 

>) Vgl. darüber Liebig’s Jahresbericht f. 1849, p. 301—303. 


60 Schafarık 


Seit jener Zeit sind über die Platineyanverbindungen keine 
ausführlicheren Untersuchungen bekannt geworden, welche geeignet 
gewesen wären, die eben exponirten Differenzen vollständig auf- 
zuklären. Wertheim veröffentlichte 1850 eine kurze Notiz über 
einige Alkaloide, worin er auch Analysen von Platineyanverbindungen 
solcher anführt (namentlich von platinblausaurem und chlorplatin- 
blausaurem Chinin), jedoch ohne die Eigenschaften und Darstellungs- 
weise seiner Producte zu beschreiben !). Gerhardt bereitete sich 
das Kaliumplatineyanür nach der von Quadrat empfohlenen Methode, 
und fand für dasselbe bei der Analyse die Zusammensetzung PtCy, 
K-+3H0, also ganz dieselbe wie bei dem Salze von Gmelin 2). Zu 
demselben Resultate (Identität von Quadrat's und Gmelin’s 
Kaliumsalze) gelangte auch Professor Scehrötter; er fand im 
ersteren 5143 pCt. Platin + 2043 pCt. Kalium, im letzteren 
51:64 pCt. Platin + 20:00 Kalium. Die Mittheilung darüber findet 
sich in einer interessanten Note, worin Schrötter nachweist, dass 
die Zusammensetzung der Quadrat’schen Salze im Grunde um 
nichts sonderbarer sei als die der metallischen Doppeleyanüre über- 
haupt, und dass alle bekannten Doppeleyanmetalle auf die zwei Typen 
nMCy und M, Cy, reeurriren 3). Ausser dem schon Angeführten möchte 
nur noch die Arbeit von Buckton chemisches Interesse haben, indem 
derselbe darin eine merkwürdige Isomerie zwischen Platosammonium- 
platineyanür und Diplatosammoniumeyanür nachweist®). 

Auf physicalischem Felde gaben diese strittigen Verbindun- 
gen unserem trefflichen Mineralogen und Physiographen Herrn 
Haidinger Gelegenheit, ein ganz neues Capitel der Optik, die Lehre 
von den Körperfarben, scharfsinnig zu begründen, während uns Herr 
Schabus über die Krystallformen dieser wundervollen Körper nicht 
minder exacte und werthvolle Informationen verschaffte. 

Ich war zu derselben Zeit, wo Quadrat seine Arbeit vollendete 
(Herbst 1847), in Redtenbacher’s Laboratorium als Anfänger 
beschäftigt, ich sah die schönen Salze vor meinen Augen entstehen 
und theilte die Freude des Entdeckers — den ich mit wahrem und 


1) Liebig, Ann. LXXII, 211. 

2) Laurent und Gerh., Comptes-rend. 1850, p. 146. 

3) Sitzungsb. d. Wiener Akad. mathem.-naturw. Cl. II, p. 320— 321. (1849.) 
4) Liebig, Ann. LXXVII, 328—338. 


Über die Cyanverbindungen des Platins. 61 


lebhaftem Vergnügen meinen Freund nennen darf — wenn ein neues 
Salz zum ersten Male anschoss. Ich wusste, dass Knop und Schne- 
dermann den Anfang einer zweiten Reihe von Cyanplatinverbin- 
dungen entdeckt hatten, von der sie jedoch nur zwei Glieder, das 
kupferrothe Kalium- und das ganz ähnliche Ammoniumsalz, unter- 
suchten. War es wohl Wunder, wenn ich, sobald ich überhaupt an 
selbstständige Arbeiten denken durfte, darauf losging, die von Knop 
und Schnedermann begonnene Reihe ebenso auszufüllen wie es 
Quadrat mit der Gmelin’schen gethan, und vielleicht ebenso 
schöne, ebenso merkwürdige Verbindungen zu entdecken? Schon im 
Jahre 1849 machte ich Versuche in dieser Richtung, die jedoch durch 
äussere Verhältnisse unterbrochen wurden; im Jahre 1850 — 1851 
arbeitete ich bei meinem Freunde Professor Quadrat zu Brünn; 
meine Berufung an die böhmische Realschule zu Prag und die vielen 
damit verbundenen neuen Geschäfte unterbrachen mich wieder auf 
lange Zeit, so dass ich erst jetzt im Stande bin einen Theilmeiner Arbeit 
vorzulegen. Was nun den Plan dieser letzteren betrifft, nur so viel: 
Es war wohl ursprünglich meine Absicht, nur die Knop’schen Unter- 
suchungen weiter zu führen, da es mir bei Beginn meiner Unter- 
suchungen gar nicht einfiel, die Resultate der Quadrat’schen Arbeit 
im geringsten in. Zweifel zu ziehen; als ich jedoch später mit der 
Literatur des Gegenstandes näher bekannt wurde, entschloss ich 
mich den ganzen Gegenstand vorzunehmen und einer Revision zu 
unterziehen. Überflüssig däuchte mir dies nicht, denn im Gebiete der 
induetiven Wissenschaften entscheiden Wahrscheinlichkeiten, und 
wären sie noch so gross, nichts gegen Thatsachen; fanden sich 
Quadrat’s Formeln bei einer neuen Untersuchung — natürlich 
vorgenommen mit der nöthigen Umsicht — bestätigt, so waren sie 
richtig, mochten sie auch noch so wunderlich aussehen. Diese Revision 
der Quadrat’schen Zahlen macht nun den Gegenstand vorliegender 
Abhandlung aus. Ich bemerke ausdrücklich, dass derselbe bei mir 
nur eursorischer, nur Nebenzweck war; die Hauptsache blieb mir 
immer die genaue Untersuchung der so interessanten, durch Knop’s 
und Schnedermann’s Arbeit angedeuteten, Reihe von Sesqui- 
eyaniden und Bicyaniden. Es mag mich dies entschuldigen, wenn ich 
etwa im vorliegenden Aufsatze nicht genug auf Einzelheiten eingehe; 
immerhin hoffe und wünsche ich, meine Arbeit möge genügend 
befunden werden, den Gegenstand zu erledigen. Die zweite Abtheilung 


62 Schafarik. 


meiner Arbeit, die ich in kurzer Zeit folgen lasse, wird die merk- 
würdigen Verhältnisse der Sesquieyan- und Dieyanverbindungen des 
Platins erörtern, wie ich sie, zum Theil Knop’s und Schneder- 
mann's Andeutungen folgend, gefunden habe. 

Doch muss ich, noch bevor ich zu den einzelnen Verbindungen 
übergehe, einen Gegenstand erwähnen, der sie alle gleichmässig 
betrifft: die analytischen Methoden, deren ich mich bediente. Leider 
fand ich keine Methode, die auf alle nachfolgenden Verbindungen mit 
gleich gutem Erfolge anwendbar gewesen wäre. Bolleyt) hat vor 
nicht langer Zeit eine Methode beschrieben, Doppeleyanverbindungen 
durch Erhitzen mit einem Gemische aus schwefelsaurem und salpeter- 
saurem Ammoniumoxyde zu analysiren, die er bei Ferroceyanverbin- 
dungen ganz gut befand. Ich habe sie vielmals, leider immer vergebens, 
angewendet: die merkwürdige Beständigkeit der Platineyanverbin- 
dungen zeigt sich darin, dass aus ihnen durch Bolley’s Methode nur 
Platineyanür ausgeschieden wird, das dann äusserst schwer zu ver- 
brennen ist; bei Baryum-, Strontium- und Caleiumverbindungen ist 
sie ohnedies unanwendbar; reines salpetersaures Ammoniumoxyd 
scheidet, schmelzend, nur Platineyanür aus; bei stärkerem Erhitzen 
verbrennt zwar auch dieses, aber stossweise und mit solcher Heftig- 
keit, dass Verlust nieht zu vermeiden steht. Ich habe mir nach 
Umständen geholfen, und die Chemiker mögen urtheilen, in wie weit 
meine Methoden Vertrauen verdienen. 


Kaliumplatineyanür. 


L. Gmelin stellte dieses Salz dar, indem er ein Gemenge von 
Platinschwamm und entwässertem Blutlaugensalz längere Zeit in 
selinder Schmelzhitze erhielt, die Masse auslaugte und das gebildete 
Platineyansalz vom unzerlegten Blutlaugensalz durchs Krystallisiren 
trennte. 

Hierauf zeigte Knop, dass es sich viel bequemer auf die Weise 
darstellen lasse, dass man Platinchlorür mit Cyankalium zusammen- 
bringe, wobei Chlorkalium entsteht (PtC| + 2KCy = KPtCy, + KÜ)). 
Ebenso fand Knop, dass man diese Verbindung sehr rein erhält, 
wenn man frisches (hydratisches) Platineyanür — bereitet aus 


1) Bolley, über die Analyse der schwer zerlegbaren Cyanverbindungen. Liebig, 
Ann. LXXX, pag. 234. 


nn 2 rn 


Über die Cyanverbindungen des Platins. 63 


unreinem Kaliumplatineyanür durch heisses Vitriolöl und Auswaschen 
mit heissem Wasser — in Cyankaliumlösung einträgt. Namentlich 
letztere Methode gibt ein treffliches Präparat. 

Endlich bereitete Meillet ?) dasselbe Salz aus Platinchlorid und 
Cyankalium, wobei jedoch doppelt so viel Cyankalium verbraucht 
wird als bei Knop’s Methode und überdies viel mehr Chlorkalium 
nebst anderen Salzen die Mutterlauge verunreinigen hilft. 

Ich habe das fragliche Salz sehr oft Male nach allen drei 
Methoden bereitet, ich habe Hunderte von Grammen auf einmal unter 
den Händen gehabt, glaube daher aus Erfahrung Folgendes sagen zu 
dürfen. Die Methode von Meillet verdient gar keine Empfehlung. 
Die Methode von Knop ist jedenfalls die bequemste, denn sie gestat- 
tet in einem Tage bedeutende Mengen Salz (bis zu mehreren hundert 
Grammen) chemisch rein zu erhalten, nur muss man Folgendes be- 
achten: Vor Allem muss das Platinchlorür frei von Chlorid sein, sonst 
bekommt man dunkelbraune Salzlaugen, die ein sehr gefärbtes, schwer 
zu reinigendes Product geben ?). Ferner ist jede Spur anderer Metalle 
aus den Platinspänen sorgfältig auszuziehen, ehe man sie auflöst, 
denn einmal zu Cyaniden geworden, hängen solche Begleiter dem 
Kaliumplatineyanür hartnäckig an. Endlich ist ein bedeutender Über- 
schuss von Cyankalium zum guten Krystallisiren unentbehrlich; man 
übergiesse also nicht [wie Knop und Schnedermann 3) rathen] 
Platinehlorür mit Wasser um Stücke von Cyankalium hinein zu werfen, 
bis alles gelöst ist— ichbekam einmal aufdiese Art aus 140 Grammen 
Platinchlorür, das noch Chlorid enthielt, fast nur Kaliumplatinchlorid, 
sondern man bereite sich eine concentrirte kalte Lösung von Cyanka- 
lium, giesse davon in ein Becherglas ab und setze nun unter stätem 
Schwenken messerspitzenweise Platinchlorür hinzu; dasselbe löst sich 
rasch und vollkommen, die Flüssigkeit wird sehr heiss; zu rasches 
Einbringen von Platinchlorür ist zu meiden. Will sich das Platinehlorür 
nieht rasch lösen, so setzt man Cyankaliumlösung hinzu. Auf diese 
Weise bekam ich fast immer klare oder nur wenig trübe Lösungen, die 
beim Abkühlen ganz erstarrten. Der Brei wird auf ein Filter gebracht 
und möglichst entwässert, die Lauge wird durch Kochen mit Vitriolöl 


1) Meillet, Nouveau Journ. de Pharm. III, p. 444. 
?) Lieber möge das Platinchlorür überhitzt sein, also etwas Platin eingemengt halten, 
3) Erdmann, Journ. XXXVII, 461. 


64 Schafarik. 


zersetzt, wobei sich gelbes gallertartiges Platineyanür ausscheidet. 
Das abgetropfte Salz ist nach 2- bis Smaligem Umkrystallisiren zur 
Analyse bereit. Ich habe, wie auch Quadrat, immer Liebig’sches 
Cyankalium verwendet, wobei nur zu achten, dass es nicht Rhodan- 
kalium halte, was sehr dunkle Salzlaugen gibt. Um das aus der 
Mutterlauge erhaltene Platineyanür in Kaliumsalz zu verwandeln, kocht 
man es mit Wasser aus, filtrirt es ab (leider geht es sehr stark durchs 
Filter durch), übergiesst es mit wenig heissem Wasser und gibt vor- 
sichtig reines Cyankalium hinzu, bis alles gelöst ist; die Lösung ist 
klar und nahezu farblos, sie gibt gleich bei der ersten Krystallisation 
treffliches, fast chemisch reines Product. Die Methode von Gmelin 
ist leider umständlich und im Grossen unanwendbar ; zu optischen Ver- 
suchen sollte man (glaube ich) das Salz immer nach derselben bereiten, 
denn der Auszug der Schmelze ist vollkommen farblos; mischt man 
denselben mit gleichviel Alkohol von 80%, und filtrirt nach 24 Stun- 
den (um Blutlaugensalz zu scheiden) ab, so gibt die Lösung freiwillig 
verdampfend Krystalle, deren Trichroismus so rein und auffallend ist 
(namentlich das milchige Blau), dass sie neben den Krystallen der 
Knop'schen Salze fast grünliehblau, die letztern mehr gelb aussehen, 

Die krystallographischen und optischen Eigenschaften des Salzes 
sind so bekannt, dass ich nichts hinzuzufügen habe; nur habe ich 
bemerkt, dass die Axenfarbe des Salzes eigentlich ein blasses bräun- 
liches Kirsehroth ist (wie schwefelsaures Manganoxyd). Ich sah 
dies besonders deutlich an Krystallen, die sich aus einer Lösung von 
200 Grammen Salz beim Abkühlen gebildet hatten und gegen 
2 Millimeter dick waren; die gewöhnlichen Krystalle sind zu dünn, 
um diese Beobachtung zu gestatten. 

Das Gmelin’sche Salz ist bereits von L. Gmelin, Rammels- 
berg, Quadrat und Schrötter mit übereinstimmenden Resultaten 
analysirt worden, ich habe daher nur die Salze analysirt, welche 
nach den beiden Methoden von Knop erhalten werden und von 
denen das erste nach Quadrat Pt, Cy,ı K,+ 22 aq ist. 

I. 1:615 Grm. Salz nach der ersten Knop’schen Methode bereitet 
(nur zweimal umkrystallisirt) verloren in 24 Stunden über 
Schwefelsäure 0152 Grm. —=9'41 pCt. !), ferner bei-+-100°C. 


1) Das einfach gewässerte Sal, welches durch Wasserentziehung aus dem dreifach 
gewässerten entsteht, ist kreidig, undurchsichtig und blass lillafarben , dabei 


Über die Cyanverbindungen des Platins. 65 


getrocknet 0:051 Grm. — 3:16 pCt. (zusammen 12:57 pCt.), 
und endlich bei + 180°: C. noch 0:001 Grm. = 0:06 pCt. ; 
zusammen 0'204 Grm. — 12:63 pCt. 

Dieselbe Menge Salz, mit Schwefelsäure durchgeglüht, gab 
1:379 Grm. Pt+ KO.SO, —= 85:39 pCt. Die Masse wurde 
zerrieben und mit verdünnter Salpetersäure ausgekocht; es 
blieben 0'720 Grm. Platin = 44:58 pCt. Somit verbleiben 
0:659 Grm. KO.SO,;, entsprechend 18:29 pCt. Kalium. 

II. 2:052 Grm. Salz nach Knop’s zweiter Methode (Pt Cy gelöst 
inKCy), nur einmal umkrystallisirt, verloren über Schwefelsäure 
0:186 Grm. = 9:06 pCt.,bei+100°C. 0:074 Grm. —=3:61 pCt., 
zusammen 0°260 Grm.—=12:67 pCt., bei 200° noch 0:004 Grm, 
— 0:20 pCt.; im Ganzen 0'264 Grm. = 12:87 pCt. 

Dieselbe Menge Salz gab 1'752 Grm. Pt + KO.S0O, 
(= 85:38 ®/,) und 0:7705 Pt = 44:59 pCt. Daher verbleibt 
KO.SO, = 0'837 Grm. entsprechend 18:28 pCt. Kalium. 

Man sieht, dass beide Salze fast genau dieselben Resultate 
gaben, wiewohl das erstere nach Quadrat K,Pt, Cy,ı +22H0, 
das zweite nach Gmelin, Knop, Rammelsberg PtCy, 
K--3H0 ist. Auch ist bei beiden die Menge Pt-+KO.SO, der 
theoretischen (85-71 pCt. nach KPtCy,+3aq gerechnet) so 
nahe als möglich. 

Il. 2:360 Grm. Salz nach Knops erster Methode (noch einmal 
aus verdünntem Alkohol krystallisirt) verloren im Ganzen 
0:311 Grm. = 13:18 pCt. Wasser. 

1705 Grm. desselben Salzes (wasserfrei) gaben 1'665 Grm. 
Pt-+K0.SO, = 97:65 pÜt. (nach K Pt Cy, 97-90 pCt.), davon 
waren 0'875 Grm. —= 51:32 pCt. Platin, wesshalb 0:790 Grm. 
KO.SO; entsprechend 20:77 pCt. Kalium. 

Die Resultate sind nun 


wasserfrei: 


Berechnet: Gefunden: Berechnet: 
> ee nn 
KPiCy, K,Pt,Cy;1 
Pt 99 = 52-11 51.32 A95 = 48:77 
= — _ 2866 = — 
K 39 = 20-53 20:77 234 — 23:05 
190 1015 


behält es die Form der ursprünglichen Krystalle. Bei und über +100°% C. werden 
die Krystalle orangefarb. 


Sitzb. d. mathem.-naturw. Cl. XVII Bd. I. Hft. 5 


66 Schafarik. 


Gewässert: 
Berechnet: Gefunden : Berechnet: 
> el ‘ 
KPtCy, + Aq + ?aq K,Pt,Cy,, + 2?aq 

Pt 99 = 456% 4458 — 44:59 495 — 41-11 
( 2B—=- — 236 — — 
K 39 = 1797 18:29 — 18:28 234 —= 1944 
Ag so ae) 1300, SAL AEnBHhN. “lern IN Br 
ee gg, 9.211123 9:06,12 87 13-18 189 — 15:70 

ST 1209 


Aus den angeführten Analysen geht nun, glaube ich, unleugbar 
hervor, dass das fragliche Salz unter allen Umständen der Formel 
KPtCy, 4 HO+ 2HO entspricht; ich habe zwar in Nr. IT und II um 
1 pCt. zu wenig Platin gefunden (offenbar, da das Salz noch nicht 
genug gereinigt war), aber immer noch ist die Abweichung von 
Quadrat’s Formel zu gross, um diese als zulässig erscheinen zu 
lassen. Ich zog das Durchglühen mit Schwefelsäure dem Glühen mit 
Salmiak vor, da man bei ersterem wenigstens jederzeit erkennen 
kann, ob und was für einen Verlust man erlitten hat, namentlich wenn 
man (wie ich) den Tiegel während des Verjagens der Säure nicht 
mit seinem Deckel sondern mit einem Uhrgläschen zugedeckt hält. 
Beim Glühen mit Salmiak erfährt man erst nach Beendigung der 
Analyse, ob mit den Massen Salmiakrauch, die aufsteigen, nicht auch 
Chlorkalium und Platin entwichen sind. Die Methode von Bolley 
fand ich leider auch hier nicht praktikabel. 


Natriumplatineyanür. 


Dieses Salz habe ich nur einmal dargestellt. Krystallisirtes 
reines Baryumplatineyanür (nach Quadrat's Methode bereitet) 
wurde in wenig heissem Wasser gelöst, mit einem Überschusse von 
Glaubersalzlösung vermischt, nun das 10fache Volumen einer Mischung 
von gleichviel Äther und Weingeist zugesetzt und nach mehrstündigem 
Absitzen filtrirt. Die klare Lösung zuerst an der Luft, dann im Vacuum 
über Schwefelsäure verdampft, verwandelte sich bis auf den letzten 
Tropfen in schöne farblose lebhaft glasglänzende Prismen von etwa 
S Millimeter Länge und 1 Millimeter Dicke. Sie wurden ganz wie die 
vorige Verbindung analysirt. 

IV. 1:6533 Grm. Krystalle verloren bei + 100° C. 0:225 Grm. — 
13:61 pCt. Wasser, bei + 210° C. noch fernere 0-004 Grm. — 
0-24 pCt.; zusammen also 0'229 Grm. = 13:85 pCt. Wasser. 


Über die Cyanverbindungen des Platins. 67 


Dieselben gaben mit Schwefelsäure geglüht 1'395 Grm. 
Pt-+Na0.SO, = 84:37 pCt. (die Formel PtNaCy,-+3aq 
erfordert davon 84:58 pCt.). 

Darin waren 0:804 Pt=48:62 pCt., folglich 0591 NaO. SO; 
— 11:58 pCt. Natrium. 


Berechnet: Gefunden: Berechnung nach Quadrat: 
PtCy,Na + 3Ag. Pt,Cy;,Na, + 25HO 
Bw — 9 49:25 48-62 495 — 4227 
gel- — 1m 2 — 
Na = 23 — 1144 11:58 135 — 11:78 
Ag= 27 — 13:43 13-85 252 — 21-50 
201 DEZE 


Ammoniumplatineyanür. 


Dieses Salz bereitet Quadrat durch Vermischen von Kalium- 
platineyanür mit überschüssigem schwefelsaurem Ammoniumoxyde, 
Eindampfen der gemischten Lösung und Ausziehen der trockenen 
Masse mit einem Gemische von Äther und Alkohol. Es lässt sich auch 
auf die Art erhalten, dass man Baryumplatineyanür löst und mit einem 
Gemisch von kaustischem und kohlensaurem Ammoniak fällt; das Filtrat 
liefert langsam verdampfend bis zum letzten Tropfen schöne Krystalle. 
Letztere Methode empfiehlt sich dadurch, dass das Baryumsalz wegen 
seiner grossen Krystallisirbarkeitleicht vollkommenrein zu erhalten ist; 
bei der Methode von Quadrat können immer Spuren von Kalium- 
salzen mitgenommen werden. Indess erhält man nach beiden Methoden 
ein Präparat von gleicher Schönheit, bestehend aus tief eitronengelben 
bis zu 50—80 Millimeter langen, aber immer nur dünnen Prismen, die 
meistens strahlig divergiren und jenen prächtigen blauen Flächen- 
schiller, der allen gelben Salzen dieser Gruppe eigen ist, in hohem 
Grade zeigen. Die Axenfarbe dieses Körpers habe ich noch nicht 
beobachten können. Das Salz braucht etwa eine seinem Gewichte 
gleiche Menge kalten Wassers zur Lösung, von absolutem Alkohol 
noch weniger, es krystallisirt daher nur durch Verdampfen. Lässt 
man sehr concentrirte Lösungen dieses Salzes, die mit Ätzammoniak 
versetzt wurden, im Wasserbade verdampfen, so bilden sich darin 
farblose durchsichtige Nadeln mit demselben prächtig lasurblauen 
Schiller, der dem gelben Salze eigen ist; wie man sie jedoch aus 
der Flüssigkeit nimmt, werden sie alsbald gelb. Knop, der diese 

y% 


68 Schafarik. 


Erscheinung zuerst sah, erklärt sie durch Wasserverlust !), ist also der 
Ansicht, dass die weissen Krystalle mehr Wasser enthalten als die 
selben; Quadrat?) dagegen ist der Meinung, die gelbe Färbung 
sei durch Verlust an Ammoniak bedingt, wofür allerdings seheinbar 
der von Quadrat beobachtete Umstand spricht, dass die an der 
Luft gelb gewordenen weissen Krystalle in einer Atmosphäre von 
Ammoniakgas wieder weiss werden, was auch mit solchen Krystallen 
geschieht, die schon ursprünglich gelb waren >). Ich habe aber noch 
einen Umstand entdeckt, der mich auf die Spur einer andern Erklärung 
brachte. Bringt man eine abgewogene Portion frischer, glänzend 
gelber, durchsichtiger Krystalle unter eine Glocke mit Ätzkalk, auf 
den man Ätzammoniak getropft, so werden die Krystalle bald rein 
weiss, aber trübe, und wiewohl vollkommen trocken, erleiden sie 
doch einen merklichen Gewichtsverlust (von 4—5 pCt.). Diese 
Erscheinung widerspricht offenbar der Erklärung von Knop. Bringt 
man nun diese weiss gewordenen Krystalle an die Luft, so werden 
sie (wiewohl nur langsam) wieder gelb, stellt man sie aber über 
Schwefelsäure, so bleiben sie weiss. Letzterer Umstand schliesst 
offenbar die Erklärung von Quadrat aus, denn über Schwefelsäure 
müsste doch offenbar Ammoniak leichter verloren gehen als an blosser 
Luft. Ich glaube folgende Erklärung geben zu dürfen: das gelbe 
durchsichtige Salz ist PtCy, (NH,) + 2Aq, das weisse Salz, welches 
aus ammoniakalischen gesättligten Lösungen anschiesst und in welches 
die gelben Krystalle in einer Ammoniak-Atmosphäre übergehen, ist 
PtCy, (NH,) + Ag. Dass das gelbe Salz in einer Ammoniak- 
Atmosphäre, obwohl weiss werdend, nieht Wasser aufnimmt sondern 
abgibt, zeigt der Gewichtsverlust und das Trübwerden; die Wasser- 
entziehung erfolgt offenbar dureh die mächtige Affinität des trockenen 
Ammoniaks zum Wasser. An der Luft zieht natürlich das durch 
Ammoniak halb entwässerte Salz sein zweites Wasseratom wieder an 
und wird gelb, was über Schwefelsäure nicht geschehen kann, daher 
es da weiss bleibt. Bei 100° verlieren beide Salze, das gelbe und 
das weisse, ihr Wasser, jedoch nicht vollständig, was erst bei etwa 


!) Knop, Erdm. Journ. XXXVI, p. 469. 

?) Quadrat, Wien. Sitzb. d. math.-naturw. Cl. II, p. 15. 

?) Dass die weissen Krystalle auf blaues Lakmuspapier gelegt, dieses beim Gelb- 
werden röthen, habe ich nicht beobachtet. 


Über die Cyanverbindungen des Platins. 69 


150° geschieht, und sind nun beide schön milchweiss oder perlfarbig. 
Wenn das Salz beim Trocknen eine braune Farbe annimmt, wie 
Quadrat angibt und ich auch öfters beobachtet habe, so sind daran 
nur die Verunreinigungen des käuflichen Äthers und absoluten Alko- 
hols Schuld. Das reine Salz wird, wie gesagt, schön milchfarbig ; 
löst man es in diesem Zustande in absolutem Alkohol und lässt die 
Lösung im Vacuum über Vitriolöl verdampfen, so schiessen am 
Rande des Gefässes Krusten von strahlig gruppirten farblosen Nadeln 
an, die am Ende das ganze Gefäss mit einem Netze überziehen, und 
einen trefflichen violettlich-milchigen Schein zeigen, aber an der Luft 
sehr rasch gelb werden. Ob diese Krystalle etwa wasserfreies Ammo- 
niumplatineyanür sind oder aber das weisse Salz PtCy, (NH,) + Ag, 
welches durch Ammoniakdampf aus dem gelben entsteht, habe ich 
aus dem genannten Grunde nicht entscheiden können, will jedoch 
trachten diesen Umstand zu eruiren. 

Meine analytischen Resultate sind folgende: 

V. 1:105 Grm. lufttrockene gelbe Krystalle verloren bei + 100°C. 
0:099 Grm. Wasser = 8:96 pCt., bei + 200° €. noch 
0:012 Grm.; im Ganzen also 0:111 Grm. = 10:05 pCt. 

Dieselbe Quantität Salz hinterliess geglüht 0577 Grm. 
Platin = 52:22 pCt. Berechnet man diese 0:577 Grm. Platin 
auf das wasserfreie (bei 200° getrocknete) Salz, so entsprechen 
sie 58:05 pCt. (Das Salz wurde beim Trocknen bräunlich, es 
waren grosse dicke Krystallkrusten vom Rande.) | 

VI. 0:961 Grm. Krystalle, die in einer trockenen Ammoniak-Atmo- 
sphäre weiss und trüb geworden waren, verloren binnen 24 Stun- 
den über Schwefelsäure 0:028 Grm. —= 2:91 pCt., bei + 100° 
C. fernere 0:010 Grm., bei + 210° C. noch 0011 Grm.; im 
Ganzen also 0:049 Grm. = 5:10 pCt. 

Dieselbe Quantität Salz gab geglüht 0537 Grm. = 55:88 
pCt. Platin. Auf das wasserfreie Salz bezogen, entsprechen 
diese 0:537 Grm. Platin = 58-88 pCt. 

Es dürfte wohl dem mit den Eigenschaften unserer Verbindun- 
gen weniger Bekannten gewagt erscheinen, eine Verbindung, die als 
Platineyanür mit Ammoniumeyanür betrachtet werden mag, bei 
+ 210°C. zu trocknen; doch ich habe mich überzeugt, dass das Salz 
selbst bei + 250° C, getrocknet unverändert bleibt, indem es in 
Wasser gelöst wieder die glänzenden gelben Prismen anschiessen 


v Sehafarik, 


lässt. Erst über + 300° C. zerfällt es in Platineyanür und entwei- 
chendes Ammoniumeyanür. 
Die Vergleichung mit den Formeln steht also: 


‚Berechnet: Gefunden: Berechnet: 
NH,PtOy, (NH, )sPtzCy4 
PL 995858 58:05 — 58:88 495 — 5568 
(y =52 = 3077 —_ 286 —= 32:17 
NH, = 18 — 10:65 = 108 — 12-15 
169° 889 
Berechnet: Gefunden : Gefunden: 
u u 
NH,PtCy, + aq NH,PiCy, +?%aq 
Bin — 199 — 155,02 55'88 99 — 52:34 52:22 
y = — Bu B— — = 
NH —18— — = 3— — = 
ag 97 05:04 510 18 —= 963 10:05 
178 18% 


Bariumplatineyanür. 


Die Darstellung dieser schönen Verbindung habe ich sehr oft 
unternommen, und zwar nach verschiedenen Methoden, jedoch immer 
mit gleichem Erfolge, d. h. mit Erlangung von Producten, die alle 
von Quadrat angegebenen Eigenschaften besassen. Schon im Jahre 
1849 konnte ich Herrn Sectionsrath Haidinger Krystalle dieser 
Verbindung mittheilen, nach Quadrat’s Methode bereitet, an denen 
Messungen gelangen, zu denen die früheren Krystalle nicht hingereicht 
hatten. Quadrat stellte das Salz durch Kochen von Kupferplatin- 
eyanür mit Ätzbaryt und Abscheidung des überschüssigen Baryts mit 
Kohlensäure dar. Ich habe auch bedeutende Quantitäten des Salzes 
durch Sättigung von Platineyanwasserstoff mit kohlensaurem Baryt 
bei Siedehitze dargestellt, und zwar zu wiederholten Malen, ohne an 
dem erhaltenen Präparate einen Unterschied von dem Quadrat'schen 
finden zu können, etwa mit Ausnahme einer lichter gelben Farbe; 
doch auch dieser Umstand ist sicher nur zufällig, da einestheils auch 
bei Quadrat’s Methode (wie mich vielfache Erfahrung lehrte) nicht 
immer ganz gleich aussehende Producte resultiren, anderntheils ein- 
mal durch Sättigung von Platinblausäure, die noch etwas Schwefel- 
kupfer suspendirt enthielt, mit kohlensaurem Baryt Krystalle erhalten 
wurden, die sich durch eine tiefe glänzende bräunlichgelbe Farbe 
auszeichneten, bei welcher der zeisiggrüne Axenschimmer fast ganz 


Über die Cyanverbindungen des Platins. 11 


zurücktrat, dagegen der blaue Flächenschiller, complementär gehoben, 
besonders hervortrat. Den sonstigen Eigenschaften des Salzes, wie 
sie Quadrat gefunden, habe ich nichts besonderes hinzuzufügen. 
Beim Erwärmen auf + 100° C. wird das Salz schön bräunlich-oran- 
senfarben und undurchsichtig, wobei es genau die Hälfte seines 
Wassers verliert, der blaue Schiller aber bleibt. Schon über Schwefel- 
säure verliert es langsam diese erste Hälfte seines Wassers. Bei 
+ 140° bis + 150° C. verliert es alles Wasser und wird rein weiss 
mit einem Stich ins Grünliche, oder mit schwachen indigoblauen Strei- 
fen durchzogen. In diesem Zustande ist es äusserst empfindlich gegen 
Feuchtigkeit, und muss bedeckt rasch gewogen werden; angehaucht 
läuft es sofort mit der tiefsten Feuerfarbe an. Die Analysen machte 
ieh zum Theil nach der Methode von Quadrat, nämlich durch mehr- 
maliges Ausglühen mit Salpetersäure, Zerreiben des Rückstandes von 
Baryt und Platin, Auskochen mit verdünnter Salpetersäure, Abfiltriren 
des Platins und Fällen des Baryts mit Schwefelsäure. Diese Methode 
gibt nur bei grosser Vorsicht annähernde Resultate, denn erstens 
deerepitirt das vorläufig für sich verglühte Salz beim Befeuchten mit 
Salpetersäure und Glühen immer mehr oder weniger heftig, indem 
der Kohlenstoff durch das Barytnitrat verbrennt; nur bei sehr geräu- 
migen Tiegeln ist Verlust zu vermeiden 1); zweitens ist der Glührück- 
stand auch nach heftigem Glühen nie Platin und Baryt (wie man sich 
durch Wägen überzeugen kann, wo man immer mehr findet, als dem 
entspräche), sondern zum Theil Platinoxydbaryt. Desshalb darf man 
nicht mit Salzsäure auskochen, weil sich Platinoxyd lösen könnte, 
andererseits muss man befürchten, durch Säuren nicht allen Baryt 
auszuziehen. Dennoch weichen meine auf diese Art angestellten 
Versuche von der Quadrat’schen Formel Pt, Cy,, Bas + 22HO 
weit genug ab, und nähern sich der Formel Pt Cy, Ba + 2HO + 
2HO hinlänglich, um letztere weitaus wahrscheinlicher zu machen. 
Das aus Platinblausäure bereitete Salz analysirte ich durch Fällen 
mit kaustischem und kohlensaurem Ammoniak, Abfiltriren, Waschen 
und Glühen des kohlensauren Baryts und Eindampfen des Filtrats im 
Wasserbade zur Trockne, worauf der Rückstand (Ammoniumplatin- 
eyanür) möglichst ohne Verlust in den Platintiegel gebracht und 
geglüht das Platin ergab. 


1) Auch ist der Verlust desto grösser, je grössere Quantitäten man zur Analyse nimınt. 


12 


vll. 


vl. 


IX. 


X. 


XI. 


Vir 
Scehafarik. 


Die analytischen Resultate sind nun folgende: 


0.8515 Grm. ausgezeichnete Krystalle nach Quadrat berei- 
tet (in dessen eigenem Laboratorium zu Brünn) verloren bei 
+ 200° C. 0-1245 Grm. — 14:62 pCt. Wasser. 

Dieselben gaben mit Salpetersäure geglüht und ferner 
nach obiger Angabe behandelt 03225 Grm. = 37:87 pt. 
Platin und 0:379 Grm. BaO. SO,, entsprechend 26-24 plt. 
Baryum. 

2-952 Grm. Salz nach Quadrat (andere Bereitung) in 
kleinen aber reinen Krystallen verloren bei+100°C. 0'216 Grm. 
— 7'32 pCt., bei + 165° C. 0'208 Grm. = 7:04 plt.; 
im Ganzen daher 0:424 Grm. — 14:36 pCt. Wasser. Die 
Analyse durch Glühen mit Salpetersäure ging trotz aller Vor- 
sicht verloren. 

2735 Grm. von der vorigen Substanz gaben bei + 170°C. 
0394 Grm. — 14-41 pCt. Wasser und 1'035 Platin = 
3784 pCt. Die Baryumbestimmung ward durch einen Unfall 
vereitelt. 


. 2:5825 Grm. (schöne lichtgelbe Krystalle aus Platineyanwasser- 


stoff und kohlensaurem Baryt bereitet) gaben bei + 100°C. 
0:190 Grm. = 736 pCt., bei-+ 190° C. 0:180 Grm. = 6:97 pCt. 
Wasser; im Ganzen 0:370 Grm. — 14:33 pCt. 

25785 Grm. desselben Materials gaben bei + 100° C. 
0.185 Grm. = 7:17 pCt., bei + 190° C. 0:182 Grm. = 
7:06 pCt. Wasser; im Ganzen also 0:367 Grm. — 14:23 plt. 
2:854 Grm. desselben Produetes wie X und XI gaben durch 
Fällung mit Ammoniumoxyd und Carbonat, Filtriren, Eindampfen 
und Glühen 1:104 Grm. Platin = 38°68 pCt. Der kohlensaure 
Baryt wog 1'0965 Grm., entsprechend 26:78 pCt. Baryum. 


Die Vergleichung mit der Theorie steht nun also: 


Berechnet nach Quadrat: Berechnet: 
un ——_ Tr 7 A ——t 
Ba,Pt,Cyy, + 22HO BaPtCy,+2H0 + 2Aq 
Di — AUS 55:55 99 — 38:67 
Ba = 414 — 29:72 69 — 26:95 
HO = 198 = 14.21 n — Mn 
1393 | us a 


256 


Über die Cyanverbindungen des Platins. 76a} 


Gefunden : Gefunden; 
—— a 
a) Salz nach Quadrat. b) Salz aus HPtCy,. 
37-37 — 37-84 | . 38:68 
2624 2674 
7-04 sen | nn 
14 m u 36 — 1441 7:36 14:33 — 14:23 


717 


Ich glaube diese Zahlen, wenn auch gewiss in geschickteren 
Händen grösserer Genauigkeit fähig, reichen wohl hin zu zeigen, 
dass unser Salz unter allen Umständen der Formel Pt Cy, Ba- 2HO 
+ 2Agq. entspricht. 

Da das Baryumplatineyanür von allen hierher gehörigen Verbin- 
dungen am leichtesten krystallisirt (es braucht bei + 16° C. nach 
Quadrat 33 Theile Wasser zur Lösung), so dient.es wohl am zweck- 
mässigsten, um sich die übrigen Salze schnell und rein zu bereiten, 
indem man eine abgewogene (uantität desselben durch eine genaue 
äquivalente Menge des betreffenden Sulfates oder Carbonates fällt, und 
das Filtrat ohne weiters zum Krystallisiren hinstellt. Ich habe auf diese 
Art immer Lösungen erhalten, die, bis zum letzten Tropfen ver- 
‚dunstend, reines Salz hinterliessen. Nur ein lästiger Theil ist bei der 
Bereitung des Baryumsalzes, nämlich das vollständige Auswaschen 
des Kupferplatineyanürs, welches bei nur einigermassen grösseren 
Quantitäten (über 100 Grammen) wegen der schleimigen Beschaffen- 
heit dieses Productes wochenlang dauert. Decantiren geht nicht an, weil 
sich der betreffende Körper nur aus Salzlösungen klar setzt, in reinem 
Wasser aber immer zum grossen Theile suspendirt bleibt. Ich habe 
direet aus Kaliumplatineyanür die Baryumverbindung auf folgende 
Weise in kürzester Zeit ganz rein erhalten. Man löst das Kaliumsalz 
in möglichst wenig kaltem (oder mässig warmem) Wasser und fügt 
zuerst (unter Vermeidung übermässigen Erwärmens, was Platineyanür 
ausscheiden würde) eine äquivalente Menge reiner Schwefelsäure 
(auf 100 Salz 23 Säurehydrat) und dann das’ 10fache Volumen 
starken (80procentigen) Alkohol hinzu; Zusatz von etwas Äther 
befördert die vollständige Fällung des Kalisulfates. Man stellt die 
Mischung auf einige Stunden in kaltes Wasser; das schwefelsaure 
Kali setzt sich fast gänzlich ab, die abfiltrirte Flüssigkeit wird auf 
1/, abdestillirt, mit Wasser vermischt und kochend mit kohlensaurem 
Baryt gesättigt. Das Product ist vollkommen rein, denn die Spuren 


TA Schafarik. 


von Kalisalz, die der Alkohol aufnimmt, bleiben vollkommen in der 
Mutterlauge. Schon Quadrat fand, dass aus Kaliumplatineyanür ver- 
mittelst Weingeist und Schwefelsäure ziegelrothe zerfliessliche Nadeln 
erhalten werden, ohne jedoch zu erkennen, dass diese Platineyan- 
wasserstoff sind. 


Strontiumplatineyanür. 


Quadrat erhielt dieses Salz durch Kochen der Kupferverbin- 
dung mit Strontianwasser in gelben Blättehen, die beim Erhitzen 
blaugrün, hernach gelbroth wurden; eine Analyse stellte er nicht an. 
Wir werden gleich sehen, dass die von Quadrat gesehene Form 
dieses Salzes nicht seine gewöhnliche ist. Als ich mich schon vor 
längerer Zeit vergeblich bemühte, durch Vermittlung des Kupfersalzes 
das schöne kupferrothe Salz, welches Knop für Kaliumplatinsesqui- 
eyanid bestimmte, L. Gmelin aber für Dieyanid hält, in die entspre- 
chenden Baryum-, Strontium-, Caleium- u. s. w. Verbindungen zu 
überführen, ganz so wie Quadrat beiden Cyanürverbindungen that, 
erhielt ich durch Kochen des schön grünen Niederschlages, den das 
kupferrothe Sesquieyanid in Kupfersalzen gibt, mit unzureichendem 
Strontianwasser ein Salz in grossen milchweissen, perlglänzenden 
Krystallblättern, das ich ohne weiteres für Strontiamplatinsesqui- 
eyanid nahm, da das Monoeyanid nach Quadrat gelb sein sollte; 
als ich jedoch reinen, aus Kupferplatineyanür bereiteten Platineyan- 
wasserstoff mit kohlensaurem Strontian kochend sättigte und die 
Lösung im Vacuum über Schwefelsäure verdampfen liess, sah ich zu 
meinem nicht geringen Erstaunen grosse dicke Tafeln anschiessen> 
ganz von der schönen Milch- oder Perlfarbe des vermeinten Cyanids, 
welches nun freilich als Cyanür sich erwies. Jene grossen Krystalle 
waren im Vacuum vollkommen milchfarben, an der Luft nahmen sie 
bald durch und durch einen zarten violettlichen Ton an. Bei einer 
zweiten Bereitung in viel grösserer Quantität, jedoch mit nicht ganz 
reinem Platineyanwasserstoff, erhielt ich eine Masse Krystalle von 
mehr prismatischem Habitus und gelblicher Farbe, jedoch mit violet- 
tem, milchigem Schimmer in axialer Richtung; aus der Mutterlauge 
dieser letzteren Krystalle (welche offenbar eine wiewohl geringe 
Menge Strontiumrhodanür enthielt, da sie mit eisenhaltigem Bittersalz 
gefällt, nach einiger Zeit lichtblutroth gefärbt wurde) schossen im 
Exsiceator noch zahlreiche, vollkommen farblose, durchsichtige 


Über die Cyanverbindungen des Platins. 7) 


Krystalle an, die in axialer Riehtung schönen rothvioletten Milchschein 
zeigen, und in ihrer Gestalt ganz der gewöhnliehsten Arragoniteom- 
bination (Prisma, Doma und verticales Pinakoid) gleichen, daher 
wohl orthorhombisch sind. Es ist daher das Strontiumplatineyanür 
ohne Zweifel in reinem Zustande wasserhell; dass es sich mir 
meistens in trüben Krystallen zeigte, ist um nichts sonderbarer als 
das Eintreffen derselben Erscheinung (bald wasserhelle, bald trübe 
Krystalle) bei so vielen anderen Salzen. Endlich bereitete ich das 
Salz auch durch Kochen von Kupferplatineyanür (aus Kaliumplatin- 
eyanür und Kupfervitriol) mit Strontianwasser, und erhielt wieder 
(wie aus dem Cyanidsalze) weisse perlglänzende Blätter. Nur bildete 
sich mir im letzten Falle ringsherum eine Kruste undeutlicher gelber 
Krystalle, die jedoch, auf Papier gelegt, über Nacht weiss wurden, so 
dass ich nicht einmal bestimmen konnte, ob das gelbe Salz mehr oder 
weniger Wasser enthält als das weisse. Wahrscheinlich begünstigt der 
kleine Überschuss von Strontian, der im letzten Falle selbst bei Anwen- 
dung vonKohlensäure zurückbleibt, die Bildung eines andern Hydrates. 

Die schönen milchfarbigen oder auch durchsichtigen Krystalle 
aller angeführter Bereitungen werden über Schwefelsäure im Exsic- 
eator binnen 24 Stunden prachtvoll purpurviolett, wie eine Lösung 
von übermangansaurem Kali, und nehmen zugleich einen goldgrünen 
metallischen Öberflächenschiller an; diese Veränderung ist jedoch 
nur oberflächlich, denn an freier Luft nehmen die Krystalle in wenigen 
Tagen wieder vollkommen ihr früheres Ansehen an. Auch eine Lösung 
des Salzes in heissen Gefässen umgeschwenkt, überzieht diese mit 
violettpurpurner, goldgrünglänzender Kruste. Ohne Zweifel entspricht 
dieser Farbe eine eigene Hydratationsstufe, und bei genügendem 
Material nebst etwas Geduld dürfte es gelingen, sie in Krystallen zu 
erhalten; ich will dies später nachholen, wenigstens den Wasser- 
gehalt des purpurnen Salzes bestimmen. Bei + 100°C. wird das Salz 
durch und durch trüb und nimmt eine tiefe Orangenfarbe an, tiefer 
als das trockene Baryumsalz, zugleich übergeht der goldgrüne Flächen- 
schiller in einen lasurblauen. Bei 4 150° wird das Salz weiss und 
wasserfrei, ist jedoch wie das Baryumsalz unter denselben Umständen 
so empfindlich gegen Feuchtigkeit, dass es, angehaucht, im Momente 
schwärzlich purpurfarben anläuft. 

Die Analyse geschah, wie (zum Theil) beim Baryumsalz, dureh 
Fällen mit Ammoniumoxyd und Carbonat, Wägen des Niederschlages 


76 Schafarik. 


und Glühen des eingedampften Filtrates. Die analytischen Data sind 

folgende: 

XII. 2208 Grm. lufttrockenes Salz, aus Platineyanwasserstoff berei- 
tet, in grossen milchweissen Tafeln, verloren bei + 100° C. 
0:258 Grm. = 11:68 pCt., bei + 215° C. 0:180 Grm. — 
8:16 pCt.; im Ganzen 0'438 Grm. —= 19-84 pCt. Wasser. 

XIV. 2:103 Grm. von derselben Bereitung blieben über Nacht bei 
bedecktem Tiegel im Exsiccator, und waren Morgens mit einer 
zarten, prachtvoll purpurvioletten Haut von goldgrünem Metall- 
glanze überlaufen. Eine Partie dieser veränderten Krystalle in ein 
Röhrchen mit gut schliessendem Korke gefüllt, war Tags darauf 
wieder violettlich-milchfarben und vom früheren Glanze. Obige 
2'103 Grm. verloren bei + 240° C. 0:393 Grm. — 18:69 pCt. 
Wasser. Die Analyse wie gesagt; Platin ging verloren. SrO CO, 
wog 0:652 Grm. — 18:43 pCt. Strontium. 

XV. 1:596 Grm. Salz von anderer Bereitung, etwas gelblich und 
feucht, gab bei + 100° €. 0206 Grm. — 12:91 pCt., bei 
—+ 200° ©. 0:113 Grm. = 7:08 pCt.; im Ganzen 0:319 Grm. 
— 19:99 pCt. Wasser; ausserdem 0:650 Grm. Platin = 
40:73 pCt. 

XVI. 19585 Grm. Salz nach Quadrat bereitet, entliessen bei 
+ 100°€. 0:231 Grm. = 11:79 pCt. , bei+220°C. 0:1545 Gm. 
— 7:89 pCt.; im Ganzen 0:3855 Grm. — 19:68 pCt. Wasser. 
Das Platin wog 0:800 Grm. — 40'85 pCt.; der kohlensaure 
Strontian wog 0°6015 Grm. = 18:26 pCt. Strontium. 


Berechnet > Gefunden : 
m Km u 


SrPtCy, +2H0+3Ag. 


Pt —= 9 — 4:25 40-85 — 40:73 

Ve) ae, 

Ss = M4— 18:33 18:26 — 18:43 | 

210 —18 — AN Muh | N Ks 

3Ag = 7 — 1125 I a ae 


— 18:69 
240 


Da Quadrat das vorstehend beschriebene Salz nicht analysirt 
hat, so kann auch kein Vergleich zwischen seiner Formel und meinen 
Resultaten stattfinden, ausser wenn man meine Zahlen auf wasserfreies 
Salz reducirt. 


Über die Cyanverbindungen des Platins. var 


In Nro, XIV entsprechen die 2:103 Grm. Krystalle 1'710 Grm. 
wasserfreien Salzes; daraus wurden erhalten 0652 Grm. SrO. CO, 
entsprechend 22:62 pCt. Strontium in wasserfreiem Producte. 

In Nro. XV gaben 1'596 Grm. Krystalle 1277 wasserfreies 
Salz, darinnen 0°650 Grm. Platin, entsprechend 5090 pCt. desselben. 

In Nro. XVI gaben 19585 Grm. Krystalle 1375 wasserfreies 
Salz, davon resultirten 0:800 Grm. Platin — 50:86 pCt. des wasser- 
freien Salzes und 0:6015 Grm. SrO. CO, = 22:75 pCt. desselben. 

Der Vergleich steht nun also: 


Studer 
Nach SrPtCy, Nach Sr,Pt,Cy, | 
Ba 99 — 50207 50:86 — 50:90 495 — 41:37 
Gere — — 286... 
Sr — 44 —= 22:56 22:62 — 2275 264 — 25°26 
195 1045 


Gewiss merkwürdig ist der Reichthum dieses Salzes an verschie- 
denen Hydratationsstufen; mit Bestimmtheit kann man wenigstens 
vier derselben annehmen: eine gelbe, blauschillernde, die Quadrat 
erhielt, und ich wenigstens zu Gesichte bekam; die farblose mit 
violettem axialem Scheine, hier analysirt und beschrieben; die pur- 
purne mit Goldglanze; die orangenbraune mit blauem Schiller (bei 
100°). Sicherlich müsste es bei hinlänglichem Material gelingen, 
alle in Krystallen zu erhalten. 


Caleiumplatineyanür. 


Auch dieses bereits von Quadrat beschriebene und analysirte 

Salz habe ich sowohl nach der Quadrat'schen Methode (aus Kupfer- 
platineyanür und Ätzkalk) als auch durch Sättigung von Platineyan- 
wasserstoff mit kohlensaurem Kalk dargestellt. Ich muss gestehen, 
dass ich letzterer Methode, was Schnelligkeit und Reinheit betrifft, 
den Vorzug gebe, namentlich da man sich — wie oben beim Baryum- 
ı salze gezeigt worden —.den Platineyanwasserstoff direct aus Kalium- 
platineyanür durch Schwefelsäure und Weingeist so rein darstellen 
kann, als er überhaupt nur zu dieser Operation nöthig ist. Als ich 
eine beträchtliche Quantität, nach der zweiten Methode bereitet, in 
einer tiefen Schale verdunsten liess, erhielt ich, ausser gelben Kry- 
stallkrusten, die ringsum den Rand bedeckten, am Boden eine Anzahl 
prächtiger Krystalldrusen, bestehend aus concentrisch gruppirten 


"Ss Schafarik. 


Prismen von nahe 25 Millimeter Länge, an Schönheit des Trichroismus 
dem Baryumsalz wenig nachgebend, nur mit mehr grünlichem Grund- 
ton als letzteres. Die farbigen Säume an Gegenständen gesehen, 
durch die Prismenkanten dieses und noch mehr des Baryumsalzes, 
schienen mir sehr breit und lebhaft, doch mag ieh — da hier nur 
Messungen Werth haben — nichts bestimmteres darüber aussagen. 

Das nach Quadrat dargestellte Salz bildete Krusten, locker 
zusammengewebt aus schwefelgelben oder bräunlichgelben Nadeln; 
doch erhielt ich aus Platinblausäure ähnliche Produete, wesshalb der 
Unterschied als zufällig zu betrachten sein wird. 

Bei +100°C. wird das Salz blassrosenroth, bei +150°C. weiss 
und wasserfrei. Eine concentrirte Lösung des Salzes, auf heissen 
Flächen rasch verdampfend, gibt ihnen einen tiefrosenrothen Überzug; 
durch Abdampfen der gesättigten Lösung etwas unter 4 100° C. 
dürfte wohl die rosenrothe Verbindung (Ca Pt Cy, + 2HO) in Kry- 
stallen zu erhalten sein. Die gelbe Verbindung ist 


Ca Pt Cy, +2HO + 3Ag. 


Man sieht, dass die Formeln des Strontium- und Caleiumsalzes genau 

eorrespondiren. Darauf bezügliche krystallographische Untersuchun- 

gen dürften von Interesse sein. Die Analyse wurde ganz so durch- 

geführt wie beim Strontium- und zum Theile beim Baryumsalz. 

XVII. 2:005 Grm. lufttrockene Krystalle (aus Platineyanwasserstoff 
bereitet) gaben bei+100° C. 0:2635 Grm. = 13:14 pCt., bei 
220° €. 0:158 Grm. = 7'88 pCt. Wasser; im Ganzen also 
04215 Grm. — 21:02 pCt. 

Dieselbe Quantität Salz gab 0:905 Grm. Platin — 45:14 pCt. 

und 0°4575 Grm. CaO. CO, — 9:13 pCt. Calcium. 

XVII. 2:100 Grm. Salz derselben Bereitung gaben bei + 100° C. 
0:274 Grm. = 13:05 pCt., bei + 200° C. noch 0:163 Grm. 
— 7716 pCt. Wasser ab; im Ganzen daher 0'437 Grm. — 
20:81 pt. 

Ca0.CO, wog 0485 Grm. — 9:24 pCt. Caleium. 

XIX. 17285 Grm. Salz nach Quadrat bereitet gaben bei +100°C, 
02315 Grm. — 13:39 pCt., bei + 215° C. 0.181 Grm. — 
1:58 pCt.; im Ganzen also 0:3625 Grm. = 20:97 pCt. anWasser. 
Der kohlensaure Kalk wog 0'403 Grm., entsprechend 9:32 pCt. 
Caleium, das Platin wog 0:786 Grm. = 4547 pÜt. 


Über die Cyanverbindungen des Platins. 19 


Die Zusammenstellung der Resultate mit der Theorie lautet 


nun also: 


Berechnet: Gefunden: Berechnet nach Quadrat: 
nt N Tl 

CaPtCy,+2HO +3Agq Ca,Pt,Cy,, + 27HO 
Pt = 99 — 45-83 4547 — A514 495 — 43°27 
a2 — — 256 — 
035 220 —13,9:26 9.13 — 9:32 — 9:24 120 — 10:49 
HO—=183—= 8:33 71:58 1:58 7-76 ! 
Na ei) a An BB u a “En aka | BA 

216 1144 


Magnesiumplatineyanür. 


Bei den ausgezeichneten Eigenschaften dieser Verbindung 
schien es mir von Interesse, ihre Zusammensetzung so scharf als 
möglich zu bestimmen, um keinen Zweifel übrig zu lassen. Leider 
ist mir dies nieht gelungen, wie man unten sehen wird, ohne dass 
ich jedoch den Grund anzugeben wüsste. Dies ist um so unange- 
nehmer als gerade hier in Quadrat's Zahlen Versehen vorgefallen 
sein müssen, die aus den gedruckten Daten nicht zu erklären sind. 

Ich habe das Salz oft und auf alle mögliche Arten bereitet, zur 
Analyse auf folgende Art: Reines krystallisirtes Baryumplatineyanür 
(Substanz Nr. VIII und IX) wurde in Wasser gelöst, mit einem kleinen 
Überschuss von Bittersalz gefällt, die abgeklärte Flüssigkeit verdampft 
und der Rückstand mit absolutem Alkohol, dem etwas Äther beigemischt 
war, extrahirt. Der Auszug wurde verdampft, der Rest in Wasser 
gelöst, die Lösung filtrirt und im Vacuum über Vitriolöl verdampft. 
Ich erhielt die bekannten prachtvollen Krystallrinden (tetragonale 
Prismen mit Endflächen und seltenen Flächen der Nebenpyramiden) 
mit etwa 2 bis 4 Millimeter dieken Krystallen. Die Sättigung von Platin- 
cyanwasserstoff mit kohlensaurer (nicht kaustischer) Magnesia bei 
Siedehitze gibt ganz genau dasselbe Product wie das Fällen von 
Baryumplatineyanür mit Bittersalz oder das Eindampfen von Kaliumpla- 
tineyanür mit Bittersalz und Extrahiren mit Alkohol; analysirt habe 
ich zwar die Verbindung nicht, aber Aussehen, Verhalten und theore- 
tische Gründe erlauben keinenZweifel; Quadrat fand das so gebil- 
dete Salz blässer roth als das nach ihm bereitete, fast nur rosenroth; 
ich fand es im Gegentheil in allen Farbentönen tiefer, namentlich das 
heitere Goldgrün des Quadrat'schen Salzes war bei dem Platineyan- 
wasserstoff-Product dunkel metallisch-grünblau. 


s0 Schafarik. 


Löst man das scharf entwässerte Salz in heissem absolutem Al- 
kohol(wozu ziemlich viel erfordert wird ), so krystallisirt beim Abkühlen 
ein die ganze Flüssigkeit erfüllendes Gewebe zarter, weisser atlas- 
slänzender Fasern; bei Luftzutritt werden sie bald gelb und ziehen 
sich endlich zu karminrothen goldglänzenden Krystallkrusten zusam- 
men. Löst man das trockene Salz in so viel Alkohol, dass beim Ab- 
kühlen nichts krystallisirt und lässt es auf einer flachen Schale in war- 
mer trockener Luft verdampfen, so erhält man dünne eitronengelbe 
Tafeln oder vielmehr Blätter mit schön blauem Flächenschiller;; sie sind 
rectangulär und charakteristisch fächerförmig gruppirt. Ich erhielt 
diese Verbindung oft, ohne jedoch für die Analyse zu sorgen; in letz- 
ter Zeit, da ich zur Analyse derselben schreiten wollte, war es mir 
unmöglich sie zu erhalten, offenbar in Folge feuchterer Luft (ich hatte 
die Krystalle immer im Winter in stark geheiztem trockenem Zimmer 
bekommen). Offenbar entsprechen die eitronengelben Blätterbünde 
jener gelben Masse, in welche sich das rothe Salz bei etwa +50— 40°C. 
verwandelt, während jene asbestartigen Nadeln Mg PtCy, + 2HO sind 
— dasselbe Salz, in welches sich die rothen Krystalle bei +100° C. 
verwandeln. | 

Quadrat fand in seinem Salze 18:69 pCt. Krystallwasser (bei 
+100°C. entweichend) und 14:57 pCt. Hydratwasser (erst in hoher 
Temperatur schwindend), zusammen daher die bedeutende Menge von 
393'26 pCt. Wasser. Zugleich aber gibt er die Formel 


Mg, Pt; Cyıı + SHO-+ 11Aq. 


welche, wie sich Jedermann durch Nachrechnen überzeugen mag, 
nur 16°70 pCt. Wasser entspricht, aber 48°34 pCt. Platin verlangt, 
5 pCt. mehr als der: Wirklichkeit entspricht. Um 33 pCt. Wasser zu 
finden, müsste man die Formel Pt,Cy,, Mg,+47HO nehmen, welche 
83'15 pCt. Wasser aber nur 38:80 pCt. Platin gibt, von letzterem also 
5pÜt. zu wenig. Ich vermag diesen Widerspruch nicht zu lösen und 
gebe nun meine Resultate. 

XX. 1'419 Grm. schöne lufttrockene Krystalle verlorenbei+ 100°C. 
0.259 Grm. —= 18:25 pCt. Wasser, bei + 235°noch 0100 Grm. 
—1:05 pCt.; im Ganzen also 0:359 Grm. —=25'30 pCt. (Das 
Salz wird bei +30— 40°C. schwefelgelb, bei +100°C. blass- 
rosenroth, fasst weiss, bei200° orangefarbig.) Das entwässerte 
Salz wurde für sich im bedeckten Tiegel geglüht, wobei ich 


XXI. 


IX. 


Über die Cyanverbindungen des Platins. s1 


durch das Uhrglas, welches ich absichtlich zum Deckel nahm, 
sah, wie das Salz mehrere Minuten lang im lichtrothglühenden 
Tiegel sich kaum veränderte, spndern erst beim Ablegen des 
Deckels wie Zunder verglomm. Der Rückstand wiederholt mit 
Salpetersäure befeuchtet und geglüht, wog 0°%615 Grm. — 
53:66 pCt. ; nach der Theorie folgt für Pt Cy, Mg+2HO0-+5 Agan 
Pt + MgO — 52:66 pCt. Die Masse wurde gerieben, mit ver- 
dünnter Salpetersäure ausgekocht und aus der Flüssigkeit die 
Magnesia als Phosphat bestimmt. Pt wog 0:617 Grm. — 
43-48 pCt.; PO,.2MgO wog 0'380 Grm., entsprechend 5°79pCt. 
Magnesium. 

1:797 Grm. minder deutliche lufttrockene Krystalle gaben bei 
+ 100° C. 06-332 Grm. = 18-48 pCt., bei + 235° C. noch 
0-116 Grm. = 6°45 pÜt.; im Ganzen also 0'448 Grm. — 
24.93 pCt. Wasser. Sie wurden gelöst, das Magnesium mit 
phosphorsaurem Natron, Salmiak und Ammoniak gefällt, das 
Filtrat mit viel Salmiak eingedampft, geglüht und der Rück- 
stand mit Schwefelsäure ausgekocht, um dem Platinschwamm 
alle Phosphate zu entziehen. 

Pt wog 0:790 Grm.=43-96pCt., PO,.2MgO wog 0'460 Grm. 
— 5:53 pÜt. Magnesium. 

1:6185 Grm. reine Krystalle verloren bei+ 240° C. 0-4265 Grm. 
— 26:35 pCt. Wasser; daich immerfort die angezeigten 33 pCt. 
Wasser suchte, so trocknete ich noch einmal 3 Stunden lang bei 


| +300°C. — Das Salz blieb unverändert, verlor aber auch nicht 


ein Milligramm mehr. 
Die obige Portion zuerst für sich verglommen, dann wieder- 


holt und sehr vorsichtig mit Schwefelsäure geglüht, wog 1'158 Grm. 
— 11:55 pCt. Die Formel MgPtCy, + 2H0 + 5Aq verlangt 


Pt-1 Mg0.SO, = 70:35 pCt. 


Das Platin durch Kochen mit angesäuertem Wasser abge- 


sondert wog 0'702 Grm. —= 43'537 pCt. Die pyrophosphorsaure 
Magnesia wog 0'401 Grm. = 5°36 pCt. Magnesium. 
XXI. 1'122 Grm. ausgesuchte Krystalle (lufttrocken) entliessen bei 


+ 100°C. 0:207 Grm. = 1845 pCt. bei + 240° C. weitere 
0:093 Grm. — 8:29 pCt. Wasser; im Ganzen 0'300 Grm. — 
2674 pCt. 


Sitzb. d. mathem,-naturw. Cl. XVII. Bd. I. Hit. 6 


82 Schafarik. 


XXIV. 0'4835 Grm. der grössten und reinsten Krystalle verloren bei 
+-100°C.0:0885 Grm. —=18:30 pCt., bei +240°C. 0:0465 Grm. 
— 9:62pCt.,im Ganzen daher 0:135 Grm. — 27:92 pCt. Wasser. 

Die Zusammenstellung der Zahlen ist nun folgende: 


Berechnet: Gefunden: 
Me&PtCy,;, +2HO +5Agq 
Bi 997 — 73:01 4348 — 4396 — 43:37 
52 — 23:01 579 — 5933 — 5:36 
Me12 0 sol 7:05 645 8:29 — 26:35 
110, — 118 — lar87 as an u 
A—=s5— 199 18°25 18:48 1845 — 2179 


236 — 100.00 


Berechnet: 


m Ten 


MgPtCy, + 6HO 


99 — A562 

12 — 25:53 

18— 830 | 
e — 16:59 a 
217 = 100.00 


Man sieht: die Platin- und Magnesium-Bestimmungen harmoniren 
mit der ersten Formel, nur die Wassergehalte sind zu klein; redueirt 
man aber die Platin- und Magnesiummenge auf die jeweilige Menge 
wasserfreien Salzes, so findet man 


Berechnet: Gefunden : 

MePtCy, (in der Ordnung wie oben) Mg,Pt,Cy,, 
9— 60%4 58:21 — 58:56 — 58-89 495 — 58:03 
52— 3190 286— 33:53 
12, 10.36 175 — TA6 — 728 TR—= 844 

163 — 100:00 853 —= 100.00 


Der Magnesiumgehalt stimmt gut mit der ersten Formel, der 
Platingehalt weicht aber constant ab, nähert sich sogar der eompli- 
cirteren Formel. Ich kann den Fehler weder in meinen Methoden 
noch in meinen Operationen finden und werde wiederholte Unter- 
suchungen anstellen, um diese Differenz verschwinden zu machen. 
Übrigens zeigt der Ursprung aus einem Salze, das evident die Zusam- 
mensetzung BaPtCy, 4+4AHO hat, hinlänglich, dass die Formel des 
Magnesiumsalzes keine andere sein kann, als die vorangestellte; 


Über die Cyanverbindungen des Platins. 83 


auch hat Baumert aufLiebig’s Veranlassung zwei Analysen des 
wasserfreien nach Quadrat bereiteten Salzes gemacht, welche 
60-51— 59-81 Pt und 7:38— 7:28 Mg ergaben !). 

Herr Sectionsrath Hai dinger hat in den Sitzungsberichten der 
kais. Akademie der Wissenschaften (math.-naturw. Cl. II, 20—24) eine 
Notiz über Magnesiumplatineyanür gegeben, wonach unter besonderen 
ungekannten Umständen neben den karminrothen goldgrünglänzenden 
quadratischen Prismen noch andere hexagonale Nadeln von morgen- 
rother Körperfarbe und blauem Flächenschiller erhalten werden. Er 
gab später diesem Körper den Namen Aurorit. Ich habe diesen Kör- 
per nie so deutlich erhalten wie er dort beschrieben ist, sondern nur 
spurenweise, und auch das nur dann, wenn ich das Magnesiumsalz 
durch Eindampfen von Kaliumplatineyanür mit Bittersalz zur Trockne 
und Extrahiren mit Ätheralkohol darstellte; bei Darstellung des 
Magnesiumsalzes durch Fällung von Baryumplatineyanür mit Bittersalz 
erhielt ich den fraglichen Körper nicht. Ich habe allen Grund zu ver- 
muthen, dass derselbe ein Doppelsalz von Kalium- mit Magnesium- 
platineyanür ist; aus einer gütigen Mittheilung von Herrn Professor 
Schrötter weiss ich, dass die hier abgehandelten Salze zahlreiche 
Doppel- ja Tripelverbindungen unter einander eingehen, über die wir 
wohl interessanten Mittheilungen von ihm entgegensehen dürfen. 


Kupferplatineyanür. 


Diese Verbindung entsteht jedesmal, so oft zu einer aufgelösten 
Platineyanür-Verbindung eine Kupfersalzlösung hinzugesetzt wird, in 
Gestalt eines voluminösen, bald blaugrünen, bald gelbgrünen Nieder- 
schlages, der sich aus einer, überschüssiges Kupfersalz enthaltenden 
Flüssigkeit binnen 24 Stunden ganz klar absetzt, aber nach mehr- 
maligem Decantiren und Aufgiessen von reinem Wasser in letzterem 
sich fein vertheilt, ohne selbstnach längstem Stehen vollkommen abzu- 
sitzen, so dass man zum Filtriren seine Zuflucht nehmen muss, welches 
aber bei nur einigermassen grösseren Quantitäten wochenlang dauert 
(wenn man nämlich bei überschüssig zugesetztem Kupfersalz so lange 
auswäscht, bis Reagentien das Filtrat nicht mehr verändern), da der 
Niederschlag fast noch mehr als Thonerdehydrat eine feste gelatinöse 


1) Liebig’s Ann. LXV. 250. 
6 * 


SA Sehatfarik. 


Schicht am Papiere bildet. Beim Trocknen schrumpft er ausseror- 
dentlich zusammen, zerspringt und verwandeltsich in glänzende, seharf- 
kantige Fragmente von sattem Gras- bis Lauchgrün, welche aber zer- 
rieben ein matt berggrünes Pulver geben. Das Salz hält hartnäckig 
hygroskopische Feuchtigkeit zurück, wie alle metallischen Doppel- 

eyanüre (Berlinerblau z.B.) undmuss zur Analysebei +150bis 180° C. 

getrocknet werden. In verschlossenen Gefässen bis zum Glühen 

erhitzt wirdestiefer grün, dann braun und verliert Cyan, welches ent- 
weichend mit schöner gelbgesäumter Purpurflamme verbrennt. Das 
entweichende Gas hat einen äusserst stechenden und angreifenden 

Geruch. Der Rückstand verglimmt bei Luftzutritt zu einem schwarzen 

Pulver (wohl Platin und Kupferoxyd). Dieses Pulver mit Salpeter- 

säure gekocht, gibt an selbeKupfer ab und Platinschwamm bleibt zu- 

rück, doch haben mich mehrfache Versuche überzeugt, dass es auf 
diese Weise fast unmöglich ist, alles Kupfer auszuziehen. Wieder- 
holtes Abrauchen von Salpetersäure über dem verglommenen Pulver 
und Glühen des Restes, wie es Quadrat that, zerstört zwar wohl alle 
und jede Spur von Cyanür (oder Paracyanür), aber macht den geglüh- 
ten Schwamm so compact, dass er weder vom Tiegel zu trennen ist 
noch an kochende Säuren alles Kupfer abgibt. Ich fand am besten die 
fein geriebene und gewogene Substanz in möglichst dünner Schicht 
auf einer flachen Platinschale zuerst bei gelinder Hitze verglimmen zu 
lassen, sie dann in der Muffel (bei sehr vorsichtigem Zuge) stärker 
und anhaltend zu glühen und endlich mit saurem schwefelsauren Kali zu 
chmelzen. In Wasser suspendirt und mit Chlorgas behandelt wird 
die Verbindung sehr langsam angegriffen, wobei glänzende grüne 

Krystalle entstehen, die ich in meiner zweiten Abhandlung als Kupfer- 

platinchloroeyanid beschreiben werde. Mit Schwefelsäurehydrat eine 

halbe Stunde gekocht bleibt das Salz ganz unverändert, mit Schwefel- 
und Salpetersäure ebenso. Ich bemerke übrigens besonders, dass ich 
zu meinem Kupfersalze Kaliumplatineyanür nahm, das nach Quadrat’s 

(vielmehr Knop’s erster) Methode bereitet und nur einmal umkry- 

stallisirt war, daher der Formel Pt; Cy,. K, entsprechen sollte. 

XXV. Ein Versuch, das Salz nach Quadrat’s Methode zu analy- 
siren, gab von 0°607 Grm. Substanz 0:3398 Grm. Platin = 
55:98 pCt. 

XXVI. 1'002 Grm. Substanz verbrannt und mit Bisulphat geschmol- 
zen, gaben 0:542 Grm. Platin = 54:09 pCt. 


Über die Cyanverbindungen des Platins. 35 


Berechnet: Gefunden : BESCREERIREHNLIEAN: 
CuPtCy, Cu,Pt,Cy;ı 
Pt = 99 — 5410 (55:98) — 54:09 495 — 50:87 
0 52 — 28:1 —_ 286 — 2940 
Cu=3—= 17%) = 192 — 1973 
183 — 10000 973 —= 100:00 


Die vollkommene Übereinstimmung der zweiten Analyse mit 
meiner Formel ist natürlich Zufall. 

Die schöne lasurblaue Verbindung, die aus dem Kupfersalze 
durch wässeriges Ammoniak entsteht — gewässertes Ammoniocupram- 
mon-Platineyanür — zu analysiren, hieltich nach Knop und Quadrat 
für überflüssig, um so mehr, da auch Quadrat in ihr CuPtCy, und 
nicht Cu; Pt, Cy,, annimmt. 

Ich fand übrigens das Kupfersalz in neutralen und nicht allzu 
sauren Flüssigkeiten so unlöslich, dass ich es immer benütze, um den 
zahlreichen Mutterlaugen verschiedener Krystallisationen die Spuren 
von Platineyanüren bequem und einfach zu entziehen. Bei Gegenwart 
von Barytsalzen u. dgl. nimmt man natürlich Kupferchlorid oder Nitrat 
zur Fällung. Die gesammelten Vorräthe von Kupfersalz verarbeitet 
man am besten zu Baryumsalz, da dieses so leicht krystallisirt. 


Quecksilberplatineyanür, 


Die Auflösung des Kaliumplatineyanürs gibt mit Sublimatlösung- 
einen weissen, mit salpetersaurem Quecksilberoxydul einen anfangs 
weissen, jedoch bei steigendem Zusatz von Reagens erst gelb, dann 
grün, zuletzt schön blau werdenden Niederschlag, der in der Flüssig- - 
keit tief gefärbt ist, beim Abfiltriren und Trocknen smaltenblau wird, 
aber durch heisses Wasser immer blasser blau werdend, endlich eine 
graue Farbe annimmt. Schon Döbereiner lehrte uns diese Erschei- 
nungen kennen und erklärte sie richtig dadurch, dass er die weisse 
Verbindung für Quecksilberplatineyanür, die blaue für dasselbe + sal- 
petersaurem Quecksilberoxydul nahm, welches letztere jedoch durch 
heisses Wasser ausgezogen werden kann. Rammelsberg's Analyse 
hat später die Ansicht Döbereiner's über das blaue Salz vollkommen 
bestätigt, denn er fand für das blaue Salz die Formel 5 Pt Cy, Hg 
—+-Hg, 0.NO, + 10H0 ?). Das weisse Salz, welehesDöbereiner zur 
Darstellung des Platineyanürs benützte, ist, wenn ich nicht irre, noch 


1) Rammelsberg, Pogg. Ann. LXXIN, 117 und Erdm. Journ. XLI, 184. 


Ss6 Schafarik. 


nicht analysirt worden, denn Quadrat fand, dass beideSalze, das weisse 
sowohl als das blaue, beim Trocknen zersetzt werden, indem Queck- 
silberkügelehen an den Wänden des Trockenapparates ansublimiren. 
Ich für meinen Theil fand, dass das blaue Salz, erhalten mit Queck- 
silberoxydulnitrat, durch Waschen mit heissem Wasser, wenn auch 
Schwefelwasserstoff die Waschwässer nicht mehr bräunt, nicht ganz 
vom Nitrate befreit werden kann. Das Salz bleibt immer blaugrau, 
was namentlich beim Trocknen zum Vorschein kommt. Setzt man das 
möglichst ausgewaschene Salz zerrieben auf einer flachen, mit einer 
Glasscheibe zugedeckten Schale in dünner Schichte einer Temperatur 
von + 200° bis 250° C. aus (im Sand- oder Luftbade), so wird das 
Salz allmählich schneeweiss, und die Glasplatte beschlägt mit feinen 
Quecksilberkügelchen. Streift man diese ab, wenn das Salz ganz weiss 
geworden, und erhitzt nun beliebig lange bei gleicher Temperatur 
fort, so erscheint kein Beschlag mehr. Über + 300° C. bräunt sich 
das Salz schwach, doch ohne seine Zusammensetzung zu ändern, wie 
mich Analysen lehrten. Gibt man das so bereitete, vollkommen trockene 
Salz in einen mit einem Uhrgläschen bedeckten Platintiegel und erhitzt 
langsam bis zum Rothglühen, so sieht man Quecksilberdampf das 
Glas beschlagen, aber bald verschwinden, während Cyan entflieht, 
durch Geruch und Flamme erkennbar; dabei wird das weisse Salz zu 
gelbem Platineyanür, das mitten im mässig rothglühenden Tiegel 
minutenlang unverändert bleibt und erst bei lichter Rothgluth unter 
Cyanverlust zu einer schwarzen Masse wird, die an der Luft rasch 
zu Platinschwamm verglimmt. 

Quadrat hat das Salz nicht analysirt, schliesst aber folgender- 
massen: Da das Kaliumsalz K, Pt, Cy,, = 5KPtCy, + KCy ist, 
so müsste jedenfalls in der Flüssigkeit nach Ausfällung mit über- 
schüssigem Quecksilberoxydulnitrat Cyanquecksilber vorhanden sein, 
wenn der Niederschlag nicht Hg, Pt, Cy,,, sondern Hg Pt Cy, wäre; 
er konnte aber kein Cyanquecksilber finden. Man sieht, wodurch die 
Argumentation bedingt ist. Ich habe mein Salz aus der Kaliumver- 
bindung Nr. I bereitet und wie oben behandelt. Das Salz war weiss, 
eine zweite Bereitung blassbräunlichgrau. 

XXVI. 0'464 Grm. weisse Substanz gaben 0:178 Grm. Platin 
— 38:56 plt. 

XXVII. 0715 Grm. graue Substanz gaben 0'284 Grm. Platin 
— 39.72 pÜt. 


Über die Cyanverbindungen des Platins. 87 


XXIX. 0:7359 Grm. graues Salz gaben 0:2925 Grm. Platin — 


39-55 pCt. 
Berechnet: Gefunden; Berechnet: 
Hg PtCy, Hg,Pt,Cy;4 
Pi7 99) = 3944 38:36 — 3972 — 39:55 495 —= 35:68 
== 207 236 — 2071 
Hg —100 —= 39:84 600 —= A345 
251— 100.00 1381 — 100:00 


Über die Zusammensetzung beider vorangehenden Salze, des 
Kupfer- und des Quecksilbersalzes, ist noch Folgendes zu bemerken. 
Quadrat führt ausser seinen Analysen, welche ihm die Formel 
Cu, Pt, Cy,, und Hg, Pt, Cy,, stützen helfen, auch noch den Umstand 
als Beweis für erstere Formel an, dass, bei der Zerlegung des ersten 
der beiden Salze durch Schwefelwasserstoff, Schwefelkupfer und 
Platinblausäure gebildet werde, zugleich aber Blausäure, am Geruche 
erkennbar, entweiche. Ich habe zwar diesen Umstand nicht beobachtet, 
doch dürfte wohl neben Schwefelwasserstoff der Geruch ein unsicheres 
Reagens auf Blausäure sein ; stringenter scheint mir folgende Conelu- 
sion. Nach der Formel müsste die Menge der entwickelten Blausäure 
doch nicht ganz unbeträchtlich sein (28 pCt. trockene Säure); nun 
weiss man aber, dass Blausäure in einer mit Schwefelwasserstoff 
gesättigten Flüssigkeit nicht die Luft berühren kann, ohne Rhodan- 
wasserstoff zu geben, wie die Vauquelin’sche Blausäure (aus Hg Cy 
und SH) beweist; es müsste also ein aus dem Salze Cu, Pt; Cy,ı oder 
Hg; Pt, Cy,, dargestellter Platineyanwasserstoff nebst den daraus 
bereiteten Salzen wohl immer Rhodanmetall enthalten. Ich aber habe 
äusserst oft Platineyanwasserstoff bereitet und nie bei reinen Mate- 
rialien Rhodanreaction gefunden; so oft sie stattfand, zeigte sie auch 
das Kaliumplatineyanür, aus dem das Kupfersalz bereitet war. Ich 
glaube dieses Argument ist, obwohl seeundär, doch nicht werthlos. 


Platineyanür. 


Dieser Körper wurde zuerst von Döbereiner durch sehr gelin- 
des Glühen von Quecksilberplatineyanür in verschlossenen Gefässen 
als gelbgrünes, gegen Reagentien äusserst indifferentes Pulver dar- 
gestellt. Knop und Schnedermann zeigten, dass man ihn auch 
durch Erhitzen von wasserfreiem Kaliumplatineyanür mit Quecksilber- 
chlorid erhalten kann, was am Ende auf die Methode von Döbereiner 


s8 Schafarik. 


hinausläuft; wichtiger ist eine zweite von denselben aufgefundene 
Darstellungsweise dieses Körpers. Das auf trockenem Wege bereitete 
Platineyanür ist in Reagentien, namentlich in Cyanürlösungen voll- 
kommen unlöslich, kann also nicht dazu dienen, Doppeleyanüre zu 
bereiten. Kocht man dagegen Kalium- oder Ammoniumplatineyanür 
längere Zeit mit Vitriolöl, so scheidet sich ein feurig orangengelber, 
schwerer, gelatinöser Körper aus, der in der Flüssigkeit, in der er 
gebildet wurde, ganz unlöslich ist, und gut aus derselben absitzt, in 
reinem Wasser jedoch sich so fein vertheilt, dass man eine Lösung zu 
haben glaubt, auch äusserst schlecht sich filtrirt. Dieser ist in Cyan- 
kalium, Ammonium u. s. w., leicht löslich und gibt so ein Mittel, sehr 
reine Salze darzustellen. Von kochendem Vitriolöl wird er erst nach 
längerer Zeit unter Entwickelung schwefeliger Säure verändert (oliven- 
grün gefärbt). Doch hält er immer etwas Kalisalze hartnäckig zurück, 
die auf keine Weise zu entziehen sind. Trocken (er schrumpft ganz 
unglaublich zusammen) bildet er glänzende, rothbraune, zersprungene 
Massen, wie Aloöharz oder Schellack, von orangebraunem Pulver. 

Döbereiner fand in seinem Präparat 78— 79 pCt. Platin, Knop 
in dem seinigen etwas über 76 pCt. Quadrat analysirte beide Producte 
und fand in beiden nur resp. 71:7 und 72-8 pCt. Platin, was zunächst 
der Formel Pt, Cy; entspräche, woraus dann folgen würde, dass dieser 
Körper ein Sesquicyanid, das Cyanür aber noch nicht dargestellt wor- 
den sei, wiewohl dem der Umstand widerspricht, dass er in Cyan- 
kalium gelöst wieder Kaliumplatineyanür gibt. 

Ich habe das Knop’sche Produet mehrfach dargestellt, und zu- 
gleichnoch eine andere Methode benützt, nämlich anhaltendes Erhitzen 
von reinem Ammoniumplatineyanür auf etwa + 300° C. im Sand- 
bade. Die gelben Krystalle werden anfangs rein weiss (wasserfrei), 
dann erst fangen sie an gelb zu werden, wobei ein leichter betäubend- 
stechender Dampf (Cyanammonium) entweicht. Zuletzt bleiben schöne 
schwefelgelbe Pseudomorphosen von Platineyanür zurück, die noch 
stärker erhitzt bei Luftzutritt verglimmen und deutliche Pseudomor- 
phosen von Platinschwamm nach Ammoniumplatineyanür zurücklassen. 

Auch beim Kochen von Platinblausäure mit Salpetersäure ent- 
steht sehr reines Platineyanür, nebst anderen Produeten, wovon jedoch 
erst in der nächsten Abhandlung gesprochen werden soll. 

XXX. 0298 Grm. aus Kaliumsalz durch Schwefelsäure, zuletzt 
mit Weingeist gewaschen, daher beim Trocknen porös und 


Über die Cyanverbindungen des Platins. 89 


locker gelb geblieben, liessen 0'230 Grm. Platin = 77-18 
pCt. 

XXX. 1-434 Grm. von anderer Bereitung (rothbraune glänzende 
Masse, Pulver orangenbraun) gaben 1'084 Grm. Platin = 
15:59 pCt. 

XXXIL 1'232 Grm. aus Knop’schem kupferrothem Ammoniumpla- 
tinsesquieyanide durch mehrstündiges Einkochen mit verdünn- 
ter Schwefelsäure bereitet, nass feurig eitrongelb, trocken 
hornartig, matt rothbraun, liessen 0'927 Grm. Platin = 
15:24 pÜt. 

XXX. 0763 Grm. aus Knop’schem kupferrothem Kaliumplatin- 
sesquieyanide durch Kochen mit Vitriolöl ausgeschieden, 
anfangs schön orangen-, dann unter Entwickelung von wenig 
schwefeliger Säure olivenfarben geworden, gaben 0:575 Grm. 
Platin = 16'36 pÜt. 

Dieser Körper wusch sich leicht aus, setzte sich aus 
reinem Wasser gut ab und lief nicht durch das Filter; in 
Cyankalium gelöst, gab er ganz reines Kaliumplatincyanür. 

XXXIV. 04425 Grm. aus Ammoniumsalz durch Rösten bei 4 300°C. 
bereitet, gaben 03365 Grm. Platin = 76:00 pCt. Das Salz 
hielt nach späterer Untersuchung etwas Chlorcaleium. Bei 
reinem Ammoniumsalz muss das erhaltene Cyanür wohl den 
normalen Platingehalt geben. 


Berechnet: Gefunden: 
mm mt N 
Pt,Cy; Pt,Cyu 


18 = 7194 891 7570 7524 — 7559 — 76:05 — 76:36 — 77-18 
18= 2826 2836 — 2430 — 
276 — 100:00 1177 — 100:00 


Berechnet: 

Pt,oCyaı PtCy 
99 — 77:59 II—E7I2V 
286 — 2241 26 —= 20:80 

1276 — 100.00 125 = 100.00 


Man sieht, dass meine Resultate das Knop'sche (76—77 pt. 
Pt.) bestätigen. Wollte man zu jeder Analyse eine Formel aufstellen, 
man müsste wohl ein Dutzend Platineyanüre annehmen; alle obigen 
Producte sind offenbar Cyanür mit 79-20 pCt. Platin, verunreinigt 
durch variable Mengen unauswaschbarer Beimengungen. 


90 Schafarik. 


Schluss. 


Da ich zu den Angaben Quadrat's über den Platineyanwasser- 
stoff in analytischer Beziehung nichts nachzutragen wüsste, und die 
Beschreibung seiner verschiedenen merkwürdigen Derivate, die ich 
aufgefunden habe, so wie die des Aluminiumplatineyanürs und des 
prachtvoll krystallisirten Bleiplatineyanürs der nächsten Abhandlung 
vorbehalten will, so schliesse ich hiermit meine Mittheilung, deren 
Zweck und Richtung ich hoffentlich gleich zu Anfang genug deutlich 
angegeben habe, um kein Missverstehen befürchten zu müssen. Nur 
will ich noch kurz meine Ansicht über die vorliegenden Verbindun- 
gen resumiren, und einige einschlägige Bemerkungen in Betracht 
ziehen. Quadrat hält in seinen Abhandlungen fest, dass zwei ver- 
schiedene Reihen von Platin-Doppeleyanüren bestehen, davon die 
eine M, Pt, Cy,ı die andere M Pt Cy, zur Zusammensetzung habe, 
und gründet seine Überzeugung theils auf seine Analysen, theils auf 
die Thatsache, dass er die aus Platineyanwasserstoff erzeugten „ein- 
fachen“ Platineyanüre nicht nur chemisch, sondern auch physicalisch 
different von den „zusammengesetzten“ denen der ersten Reihe fand. 
Ich habe, wie der Leser aus dem Vorhergegangenen genugsam erkannt 
haben wird, beide Argumente geprüft; ich habe die Quadrat'’schen 
Verbindungen theils nach seinen Methoden, theils aus Platinceyan- 
wasserstoff dargestellt und keine grösseren physicalischen Differenzen 
gefunden, als sie bei Salzen verschiedener Darstellungen nach der- 
selben Methode vorkommen; ich habe die Analysen von beiden Arten 
Salzen nach verschiedenen Methoden wiederholt, und dabei Resultate 
erhalten, die zwar zum Theile weniger mit meinen Formeln stimmen, 
als Quadrat’s Analysen zu seinen Formeln (wovon die Schuld in 
der doch nicht ganz leichten Reindarstellung dieser Verbindungen, 
liegen mag), aber doch jedenfalls genügen zu zeigen, dass für die von 
mir untersuchten Salze die Formeln, die ich gebe, die richtigen sind, 
während sie sich mit den Quadrat’schen durchaus nicht vertragen. 
Nur noch einen Umstand will ich berühren. In der angeführten Notiz 
von Quadrat (Liebig’s Annalen LXV, 151) berichtet er, in seinen 
Salzen Schwefeleyanverbindungen gefunden zu haben, und erzählt 
zugleich, aus den Mutterlaugen der Baryum- und Magnesiumverbin- 
dungen krystallisirten zuletzt andere farblose Salze, die in Alkohol viel 
leichter löslich sind. Diese Verbindungen sind mir nie vorgekommen, 


Über die Cyanverbindungen des Platins. 91 


und ich glaube, dass sie nichts als Baryum- und Magnesiumrhodanür 
waren, bedingt durch einen Schwefeleyangehalt des gleich ursprüng- 
lich angewendeten Cyankaliums, wie er bei Pottasche, die Kalisulphat 
hält, unvermeidlich ist. Fällt man Kaliumsalz, das mit solchem Cyan- 
kalium bereitet, daher mitRhodankalium verunreinigt ist, durch Kupfer- 
vitriol, so ist dem Kupferplatineyanür natürlich Kupferrhodanür bei- 
gemengt, und beim Kochen mit Baryt oder Magnesia wird dieRhodan- 
verunreinigung auf beide letztere übertragen. Beim Arbeiten mit reinen 
Materialien erhielt ich nie eine Rhodanreaction. 

Mögen nun eompetente Richter entscheiden, ob wirklich die von 
mir dargestellten Verbindungen identisch mit den Quadrat'schen 
seien, oder ob doch nicht unter Umständen Salze von der Formel 
M, Pt, Cy,, entstehen, wiewohl ich letztere nach den Methoden, die 
ihr Entdecker angegeben, nicht erhielt. Auch wenn das erstere der 
Fall sein sollte, was wohl meine Überzeugung ist, so wird doch das 
Verdienst ihres Entdeckers als solcher nicht geschmälert, und 
namentlich der Physiker wird die schönen Krystalle des Magnesium- 
salzes nie ansehen, sei es zum Vergnügen, sei es in wissenschaftlicher 
Absicht, ohne sich dankbar an Jenen zu erinnern, der uns ihre Dar- 
stellung zuerst gelehrt. 


92 KiinTenr:- 


Tehthyologısenhne. Deriraaıe 
Von dem ce. M. Dr. R. Kner. 


I. Über die Gattungen Aspredo und Chaca C. V. aus der Familie der 
Welse (Siluroidei). 


(Mit VI Tafeln.) 


Obwohl ich meine im vorigen Jahre begonnenen Untersuchungen 
über die Gattungen Callichthys und Doras früher zum Abschluss 
brachte als jene über die oben genannten, glaube ich doch die Ergeb- 
nisse der letztern vorausschicken zu müssen, da sich diese Gattungen 
noch näher den Panzerwelsen (Loricaten s. Goniodonten) anreihen. 
Namentlich gilt dies von der Gattung Aspredo, jedoch nur zum Theile, 
denn Valenciennes lässt auch eine Art mit ihr vereinigt, die zu 
wesentliche Verschiedenheiten zeigt, um diese Verschmelzung ferner 
als gerechtfertigt erscheinen zu lassen. Es ist dies Aspr. verrucosus 
Val. oder Bloch’s Platystacus verrucosus. Das kais. Museum besitzt 
aber nicht nur diese in mehren wohlerhaltenen Weingeistexemplaren, 
sondern auch eine zweite ihr nahe verwandte Art; aus der nachfol- 
genden Beschreibung beider Arten wird sich die Nothwendigkeit 
ihrer Trennung von der Gattung Aspredo ohne Mühe herausstellen. 
Früher scheint jedoch nöthig, die Eigenthümlichkeiten der letztern 
näher ins Auge zu fassen. 

Als Ähnlichkeiten, durch welche sie an die Gattung Loricaria 
mahnt, sind zunächst hervorzuheben: die Totalform des Kopfes, der 
platt gedrückte Leib, der in einen langen dünnen Schwanz endet, 
der halb unterständige Mund, welcher von papillösen Lippen und 
ähnlichen Bartfäden umgeben wird, die wenig strahlige weit vorne 
stehende Rücken- und die in einen Faden auslaufende Schwanzflosse; 
die Gegenwart eines Porus .lateralis und in skeletlicher Hinsicht 
namentlich die oberen in eine continuirliche Platte vereinigten Dorn- 
fortsätze. — Dagegen unterscheidet sich Aspredo wesentlich 
von Loricaria (abgesehen von der völlig nackten Haut) : durch Packete 
von Sammtzähnen in beiden Kiefern; äusserst kleine überhäutete 


Ichthyologische Beiträge. 93 


Augen ohne Augenspalte, sehr enge Kiemenöffnung, einen nach aussen 
und innen gezähnten Brustflossenstachel, eine sehr lange, vielstrahlige 
Afterflosse, und Vorhandensein einer Schwimmblase. 

Das kais. Museum besitzt drei Arten der Gattung Aspredo, deren 
Beschreibung ich jedoch, obwohl sie schon seit Bloch bekannt ist, 
von einer Art ausführlicher geben zu dürfen glaube, da sie einerseits 
mehre bisher unbeachtet gebliebenen Punkte umfasst und anderseits 
geeignet scheint, das Bild der nachfolgenden Gattung in um so 
schärferen Umrissen hervortreten zu lassen. 

Die zu beschreibende Art ist Aspredo sexcirrhis C. Val. wahr- 
scheinlich synonym mit Platystacus cotylephorus, welchen Bloch auf 
Taf. 372 abbildet. — Die Totalgestalt ist sehr gestreckt und nieder- 
gedrückt, besonders der Schwanz länger und dünner als selbst bei 
Loricaria. Die Entfernung vom Schnauzenrande bis zur Dorsale 
beträgt nur %, der Totallänge, jene aber bis zur Kiemenöffnung 
hievon beiläufig nur die Hälfte oder etwas weniger als 1/, der 
Gesammtlänge, die grösste Breite vor den Brustflossen 1/, dieser 
Länge, die grösste Höhe am Vorderrücken nicht die Hälfte der 
Breite. — Die äusserst kleinen blos unter der Haut durchschimmernden 
Augen stehen gleich weit von einander, wie vom Schnauzenrande ab, 
nämlich nahezu 3 Diameter. Die Breite der Mundspalte beträgt 
weniger als !/, der grössten Breite; der Mund ist halbunterständig, 
Ober- und Zwischenkiefer ragen bedeutend über den unteren vor, der 
an sich wenig entwickelt, nur eine sehr schmale Binde äusserst feiner 
Sammtzähne trägt, während auf den Zwischenkiefern grössere Gruppen 
von solehen stehen, und hinter denen ein kurzes Gaumensegel quer 
ausgespannt ist. — Die Narinen sind klein, die hintere eben. so weit 
vom Auge wie vom Schnauzenrande entfernte stellt eine einfache 
Spalte dar, und ist von der vorderen ein kurzes Röhrchen bildenden 
und nahe am Schnauzenrande gelegenen durch ein gewölbtes, über- 
häutetes Nasenschildchen getrennt. Die Eckbarteln reichen bis gegen 
die Kiemenspalte zurück, die zwei dem Unterkiefer nahe stehenden 
sind die kürzesten, die beiden weiter zurück vor der Kiemenstrahlen- 
haut befindlichen von mittlerer Länge. Der Oberkopf ist wie der 
ganze Fisch nackt- und glatthäutig; hinter jedem Auge erhebt sich 
aber eine Knochenleiste, zwischen denen die sehr grosse Stirnfon- 
tanelle liegt, und die nach hinten in einen medianen Kiel sich ver- 
einigen, der scharf abgestutzt vor dem Stützknochen der Dorsale 


94 Kner 


endet. — Die Kiemenspalte ist sehr enge und nur an der Kehlseite 
vor der Brustflossenbasis geöffnet. Die Platten (elaviculae) des 
Pectoralgürtels sind in der Mittellinie am breitesten, die beiderseits 
nach rückwärts laufenden Hörner desselben reichen aber nur bis zur 
halben Länge des Pectoralstachels und ebenso weit auch der über 
der Brustflosse liegende, gleichfalls spitz endende Humeralfortsatz 
dieses Gürtels. 
D.1/4,P.1/6 (9), V.1/5,A.56 — 580.9. 

Der breite und flach gedrückte Pectoralstachel reicht bis zu den 
V. zurück und ist derart völlig überhäutet, dass seine stumpfe 
Spitze noch von einem breiten Hautlappen überragt wird; durch 
die Haut werden auch seine Zähne überdeckt, die am äusseren Rande 
nach hinten, am inneren nach vorne gekehrt sind. Die Dorsale ent- 
springt im Beginne des 2. Viertels der Totallänge, ihr erster und 
längster Strahl ist ungetheilt aber biegsam, der letzte der kürzeste; 
ihr gegenüber stehen die V., deren längste Strahlen (der 2. und 3. 
getheilte) nur wenig kürzer als die der Dorsale sind. Nahe hinter 
ihnen liegt die Analöffnung und die Genitalpapille. Die nahe hinter 
letzterer beginnende Anale reicht bis zur Basis der Caudale und 
besitzt fast gleichlange Strahlen, unter denen nur die letzten bedeu- 
tend kürzer werden. Der Schwanz läuft sehr zugespitzt aus und der 
obere Lappen der Caudale endet wie bei Loricaria in einen längeren 
Faden, sie ist aber im Ganzen wenig entwickelt, denn mit Einschluss 
des Fadens beträgt ihre Länge nur ?/, der grössten Kopfbreite. 
Längs der Dorsalseite des Schwanzes erhebt sich vom Ende der 
Dorsale bis zur Caudale eine Hautkante, welche durch die oberen 
Dornfortsätze gestützt wird, die hier wie bei Loricaria in eine conti- 
nuirliche dünne Platte verwachsen sind. — Der Porus lateralis ist 
sehr deutlich, aber weit zurück genau unter der Spitze des Humerus- 
fortsatzes befindlich. — Die Seitenlinie verläuft in 1/, Höhe und stellt 
kleine dieht gedrängte Papillen dar; über und unter ihr verlaufen 
aber am Schwanze ähnliche Reihen, als wäre die Seitenlinie mehr- 
fach. Am Vorderrücken und den Seiten des Rumpfes stehen ebenfalls 
zahlreiche Wärzchen, jedoch mehr regellos, der Oberkopf zeigt 
deren nur zerstreute und zwar längs des Verlaufes der Kopfcanäle als 
Mündungen derselben. — Bloch’s eitirte Abbildung zeigt die ganze 
Bauchseite bis hinter die Analgrube mit fadigen Anhängseln besetzt, 
welche in triehterförmige Näpfe enden (Filamenta cum cupulis) ; 


Ichthyologische Beiträge. 95 


Valeneiennes vermuthet, sie seien blos den Weibchen zu einer 
bestimmten (Fortpflanzungs-?) Zeit eigen; sie fehlen unsern Exem- 
plaren gänzlich, die sich offenbar ausserhalb der Parungszeit befanden, 
und deren Erhaltungszustand übrigens nähere Angaben über den innern 
Bau und namentlich die Sexualverhältnisse nicht gestattet. Nur 
folgende Punkte liessen sich ermitteln. Der Magen bildet einen 
grossen Sack, der Darm mehre nach rechts gelegene Windungen und 
geht in einen weiten Afterdarm über; die Leber ist gross, mehrlappig, 
die Schwimmblase symmetrisch in eine rechte und linke Hälfte einge- 
schnürt, in der Mittellinie fest an die Wirbelsäule gewachsen, das 
breite Querstück der Nieren legt sich am hinteren Ende derselben 
zwischen ihre Schenkel hinein. 

Die Färbung der Spiritusexemplare erscheint gleichmässig 
bräunlieh, die Seiten des Rumpfes und Schwanzes sind mit dunklen 
Wolken und Fiecken besetzt alle Flossen braun, nur die Basis der 
Anale an der vorderen Hälfte weisslich mit breitem braunem Saume, 
die hintere Hälfte aber ganz braun. 

Totallänge des grösseren Exemplars 93%, W. Z. — Fundort: 
Surinam. 

Die beiden anderen Arten sind: Asp.tibicen Temm., durch ihre 
aufstehenden Nasaldornen leicht kenntlich, und Asp. laevis, von der 
ich nur folgende Merkmale anführe: der Mund ist völlig unterständig, 
indem die breite Schnauze 1," lang übergreift, und von 8 Barteln 
und sehr grossen seitlichen Lippensegeln umgeben; der Kopf ist 
gänzlich nackt, aufstehende Nasendornen fehlen, der Bauch erscheint 
durch kurze Cotyli stellenweise zottig. Ein Porus lateralis fehlt, da 
der grosse gewölbte Humeralfortsatz ein breites, bis an den Bauch 
herabreichendes und in die Clavicula übergehendes Schild darstellt. 


Gattung: Bunocephalus m. (Hügelkopf. ) 


Die von Valeneiennes nochder Gattung Aspredo beigezählte 
Art: Platystacus verrucosus Bloch, Tab. 373, Fig. 2 unterscheidet 
sich als eigene Gattung, zu der vorstehende Bezeichnung gewählt 
wurde, durch folgende Merkmale: Vorderrücken höher, 
Schwanz kürzer und höher als bei Aspredo, Haut durchaus 
warzig, Oberkopfund Rückenmitrundlichen Höckern, 
Afterflosse wenig strahlig. 


96 Kner. 


Diese Gattung steht zu Aspredo in einem ähnlichen Verhältnisse 
wie die Hypostomen zu den Loricarien, die Totalgestalt ist weniger 
niedergedrückt und gedrungener, namentlich aber der Schwanz 
kürzer, und ein Caudalfaden fehlt. — Sie wird im kais. Museum 
durch folgende zwei wesentlich verschiedene Arten vertreten. 

1. Art. B. verrucosus m. 

Syn. Platystaeus verrucosus Bl. — Aspredo verrucosus C. Val. 

Die Entfernung von der Schnauze bis zum Stützgelenke der 
Dorsale beträgt 1/, der Totallänge, jene bis zur Kiemenspalte ist 
aber 71/,mal in derselben Länge enthalten; die grösste Breite vor 
den Brustflossen ist — !/, der Totallänge, die grösste Höhe am 
Buckel vor der Dorsale nahezu — !/, dieser Länge oder der halben 
Entfernung der Dorsale vom Schnauzenrande. — Die Mundspalte ist 
endständig, nicht weit, ihre Breite beträgt nur '/, der grössten 
Breite; beide Kiefer sind mit länglichen Gruppen äusserst feiner 
Sammtzähne besetzt, der Unterkiefer wird nur wenig von dem etwas 
längeren Zwischenkiefer überragt. Eine wahre freie Zunge fehlt, 
Unter- und Obergaumen sind nackt und glatt behäutet. Die Eckbarteln 
reichen bis an die Basis der Brustflosse zurück, die zwei hinter der 
papillosen Unterlippe stehenden sind sehr kurz und dünn, die beiden 
weiter zurück an der Kehle befindlichen doppelt so lang. — Augen 
äusserst klein, 5 Diameter von einander entfernt, 3 vom Schnauzen- 
rande, 1 von der hinteren Narine; die vordere nahe am Mundrande 
stehende Nasenöffnung ist in ein kurzes Röhrchen verlängert. Die 
Kiemenspalte stellt wie bei Aspredo nur ein enges Loch 
unterhalb der Brustflossenbasis vor. 

Der Oberkopf erscheint, so wie die Seiten des Vorderrumpfes 
durch aufstehende Knochenhöcker und Leisten hügelig. Die beiden 
vordersten Höcker begrenzen jederseits das Auge vorne und hinten; 
drei grössere Hügel stehen längs der Mitte des Hinterhauptes hinter 
einander und beiderseits derselben erhebt sieh eine Längsleiste, 
weiter zurück ein medianer ziemlich scharfer Kiel, der gegen die 
Dorsale steil abfällt, warauf dann das Stützgelenk dieser Flosse sich 
wieder rasch erhebt. Auch der Schultergürtel bildet über den Brust- 
flossen knorrige Erhabenheiten und dehnt sich nach hinten über der 
Peet. in einen spitzen (Humerus-) Fortsatz aus, hinter welchem 
etwas höher jederseits noch ein runder Knorren (Fortsätze des 
grossen Wirbels?) sich erhebt. Nach unten bildet der Schulter- 


Ichthyologische Beiträge. 97 


gürtel zwei breite in der Mitte durch Nath verbundene Brustplatten 
(elavieulae), die nach rückwärts in spitz endende Fortsätze auslaufen, 
welche bis unter den Anfang der Dorsale reichen. Alle diese Uneben- 
heiten sind aber von der theils fein, theils grosswarzigen Körperhaut 
überdeckt, welche auch die Stützen der Dorsale und selbst den 
ganzen Stachel der Pect. sammt dessen Zähnen überkleidet. 
D.5,.P.1/5,V:A'. 6.6.10. 

Die Dorsale entspringt etwas vor halber Körperlänge, ihr erster 
und biegsamer Strahl ist nur wenig kürzer als der zweite und längste, 
der mit jenen der gegenüber stehenden V. gleichlang ist. Der 
Pectoralstachel ist flach gedrückt, am äusseren und inneren Rande 
mit nach vorne gekrümmten derben Zähnen besetzt, die unter der 
am Ende des Stachels sich in einen stumpfen Lappen verlängernden 
Haut durchschimmern; ihr erster getheilter ist mit dem Stachelstrahle 
gleichlang und reicht bis an die V. zurück. Die Anale steht weit 
von der Aftergrube entfernt und besitzt viel längere Strahlen als die 
D. und V., der zweite und dritte sind unter ihnen die längsten, der 
erste nur wenig kürzer. Die Caudale ist 51/;mal in der Gesammtlänge 
enthalten, somit fast so lang als der Peetoralstachel und fächerförmig 
abgerundet, d.h. ihre mittleren Strahlen am längsten. — Die Haut 
ist besonders an den Seiten des Rumpfes mit zahlreichen grösseren, 
konischen Papillen besetzt, die längs des Seitencanals eine dicht 
gedrängte Reihe derart bilden, dass die Seiten des Schwanzes 
dadurch wie gekielt erscheinen. Am Ende des Schwanzes sind 
Höhe und Breite desselben einander gleich und sein 
Querschnitt fast kreisrund. Der Porus lateralis bildet eine halbmond- 
förmige Spalte zunächst hinter der Brustflossenbasis. 

Die Grundfarbe ist hell bräunlich mit dunklen Wolken und 
Flecken, besonders längs des Seitencanals; Dorsale, Anale und 
Caudale sind gleichmässig dunkelbraun oder nur an den Strahlen 
gefleckt, P. und V. heller durch dunkle Flecken wie gebändert. 

Über den. inneren Bau vermag ich nur folgende vereinzelte 
Notizen anzugeben. Die an der Wirbelsäule festgewachsene Schwimm- 
blase nimmt den grössten Theil der Bauchhöhle ein; Druckfeder- 
apparate konnte ich nicht wahrnehmen. Auffallend ist die Weite des 
Diekdarms; der Dünndarm macht drei nicht spirale Windungen, eine 
grosse Harnblase ist vorhanden und zwar nach links geneigt, da der 
Afterdarm rechts verläuft. 


Sitzb. d. mathem.-naturw. Cl. XVII. Bd. I. Hft. ri 


98 Kner. 


Das kais. Museum besitzt drei Exemplare, von denen das grösste 
A, das kleinste weniger als 2 W. Z. lang ist. 
Fundort: Barra do Rio negro. 


2. Art. B. hypsiurus, m. — Taf. I, Fig. 1. 

Schwanzseitlichcompress, höheralsbreit,oben und 
unten eine stumpfe wellenförmig unebene Schneide 
bildend; Dorsale mit nur zwei Strahlen. 

Die Entfernung von der Schnauze bis zum Stützknochen der 
Dorsale ist 31/, — /, mal, jene bis zur Kiemenspalte 61/,mal in der 
Totallänge enthalten, die grösste Breite vor den Brustflossen 31/,mal ; 
die grösste Höhe am Höcker der Hinterhauptleiste vor der Dorsale 
beträgt die Hälfte der grössten Breite. Die Totalform ist daher mehr 
depress (namentlich bei dem jüngeren Exemplare) als bei der vorigen 
Art; und die Höhe des Schwanzes sogar bedeutender, als jene am 
Hinterhaupte, denn selbst an der Basis der Caudale ist sie noch 
61/,mal in der Totallänge enthalten. 

In der Breite der Mundspalte, den Augen, Narinen, der Zahl und 
Beschaffenheit der Barteln und in Bezahnung stimmt diese Art nahezu 
mit verrucosus überein ; nur enthält der Unterkiefer eine sehr schmale 
Binde kurzer Sammtzähne, der Zwischenkiefer aber jederseits 
eine längliche und mindestens dreimal breitere. — Die Kiemen- 
spalte stellt auch hier einesehr enge Öffnung an der Unter- 
seite dar; die Kopfhöcker zeigen aber eine etwas abweichende 
Anordnung. Das vorderste Paar hält die Mitte des Schnauzenrandes 
besetzt, der bei B. verrucosus zwischen dem Auge und der hinteren 
Narine vorkommende Höcker fehlt, dagegen erhebt sich über dem 
Auge ein stärkerer Buckel und hinter diesem jederseits in gleichen 
Abständen und in divergirender Richtung noch drei ähnliche. Die 
medianen Leisten und Höcker des Hinterhauptes bis zur Dorsale sind 
weniger erhaben, da überhaupt die Gestalt mehr flach gedrückt 
erscheint. Auch der Schultergürtel ist schwächer entwickelt und 
namentlich reichen die Hörner der Brustplatten (clavieulae) nicht so 
weit zurück wie bei der vorigen Art. 

D „2, B...1/5,V.1/5,A. 3.0.3. 

Die Dorsale steht vor den V., im Beginne des zweiten Drittels 
der Gesammtlänge, ihre beiden Strahlen sind sehr kurz aber gleich- 
lang. Der Pectoralstachel reicht zurückgelegt nur oder nicht einmal 


Ichthyologische Beiträge. 99 


bis unter die Dorsale, sein Aussenrand ist glatt, der innere der 
Länge nach mit ziemlich starken geraden Zähnen besetzt, aber 
wie bei verrucosus überhäutet; seine Länge wird vom angrenzen- 
den getheilten Strahle etwas übertroffen. — Die V. entspringen in 
halber Körperlänge, ihr erster und kürzester Strahl ist ungetheilt. 
Die Analgrube iiegt nahe hinter ihnen, fast genau in halber Total- 
länge; die beiden ersten Strahlen der Anale sind einfach, der erste 
am kürzesten, die folgenden drei nur wenig kürzer als jene der V.Die 
Caudale ist viel kürzer als bei verrucosus, 61/,mal in der Totallänge 
enthalten, übrigens gleichfalls fächerförmig abgerundet. Die Wellen- 
linie, welche die obere und untere Schwanzkante bilden, rührt, so 
wie die Höhe des Schwanzes selbst von den stark entwickelten oberen 
und unteren Dornfortsätzen her, deren jeder rundlich endet, und die 
zwar nicht wie bei Loricaria und Aspredo in eine continuirliche 
Platte verschmolzen, aber gleichfalls an einander stossend und durch 
Bänder vereinigt sind; die oberen sind gleich hinter der Dorsale 
stark entwickelt, die unteren erst hinter der Anale. 

Die Hautbedeckung ist wie bei verrucosus, dessgleichen die 
Seitenlinie und der Porus lateralis. Letzterer scheint mir hier ganz 
deutlich in einen Luftsack zu führen, der unter dem Humerusfortsatz 
liegt; mindestens gelang es mir bei dem grösseren Exemplare mittelst 
eines Tubus durch den ziemlich grossen halbmondförmigen Porus 
Luft einzutreiben, durch welche ein abgegrenzter Raum unter dem 
Humerusfortsatz blasig ausgedehnt wurde, und die bei angebrachtem 
Drucke wieder durch den Porus entleert werden konnte, aus dem sie 
in Bläschenform austrat. Ich fürchte um so weniger, das Eindringen 
der Luft auf künstlichem Wege befördert zu haben, als ich dasselbe 
- Resultat auch bei kleineren Exemplaren dieser und der vorigen Art 
erhielt (wenn auch zufolge der Kleinheit der Spalte nicht jedesmal), 
und als mir überdies das Vorkommen eines eigenen Muskels auffiel, 
der, ausser Zusammenhang mit dem System der seitlichen Rumpf- 
muskeln und jenem Luftsacke aufliegend, schräg nach ein- und rück- 
wärts verläuft '). 


1) Vielleicht gelingt es mir in der Folge bei Untersuchung der grösseren Siluroiden- 
Gattungen, die sich gleichfalls durch weite Port laterales auszeichnen , die 
Bedeutung derselben und ihre Verhältnisse näher auszumitteln. Ob hier in der 
That hydrostatische Apparate, wahre zur Verringerung des specifischen Gewichtes 


url 


100 Kner. 


Die Färbung erscheint wie bei verrucosus, nur bedecken hell- 
gelbe Flecken ziemlich regulär die Seiten des Rumpfes und Schwanzes 
längs der Seitenlinie, die Anale ist schmal weiss gesäumt, die Grund- 
farbe der Caudale weisslich und nur in der Mitte braun gefleckt oder 
grösstentheils braun mit weisslichem Saume; die Kopfbuckeln sind 
meist ebenfalls heller gefärbt. 

Totallänge des grösseren Exemplares 6”, des kleineren 21/,". 

Fundort: Rio branco. 


Gattung. Chaca. Cuv. Val. 
(Brachystacus v. d. Hoev.) 


Charakter: Kopf sehr plattgedrückt, fast gleich- 
breit, Mund- und Kiemenspalte weit, die 2. Dorsale 
und 2. Anale mit der spitz auslaufenden Caudale in 
eine peripherische Flosse verschmolzen. 

Diese merkwürdige Gattung mahnt zugleich an mehrere 
Familien, an Pediculati, Cottoiden und Siluroiden, und steht doch so 
eigenthümlich da, dass sie wohl in jeder Familie eine Ausnahm- 
stellung einnimmt. Die meiste Verwandtschaft zeigt sie allerdings 
noch mit Siluroiden, entfernt sich aber jedenfalls zu weit von der 
Gattung Sisor, um sie etwa, wie von Valenciennes geschieht, mit 
dieser zunächst in Verbindung bringen. 

Das Vorkommen eines starken Brust- und schwächeren Rücken- 
llossenstachels, die beide durch ein Gelenk sperrbar sind, der depresse 
Kopf, die weite Mundspalte mit Sammtzähnen in den grossen 
Zwischenkiefern, die Eckbarteln, die kleinen Augen und bezüglich 
des inneren Baues: der weite Magensack, der Mangel von Blinddärmen 
und die an der Wirbelsäule befestigte grosse Schwimmblase sind 
als vorzügliche Übereinstimmungen mit andern Siluroiden hervor- 
zuheben. 

Bisher ist diese Gattung nur in einer einzigen Art bekannt, die 
von Ham. Buchanan zuerst aufgefunden, und in seinem Werke über 
die Ganges-Fische beschrieben wurde. Die nachfolgende Beschrei- 
bung enthält allerdings manchen Beitrag zur genauern Kenntniss der- 


dienende Luftsäcke vorliegen, in denen die Luftregulirung etwa durch die Bewe- 
gung der Brustflossen und die Contractionen des erwähnten inneren Muskels erfolgen 
würde, kann vorläufig nur als eine Möglichkeit bezeichnet werden. 


Ichthyologische Beiträge. 101 


selben, mag aber mehr noch als Anregung zu ferneren Untersuchungen 
und Beobachtungen dieses interessanten Fisches dienen. 


Art: Chaca lophioides C. Val. pl. 451. 


Syn. Platystacus chaca, Ham. Buch., Brachystaeus chaca, van der 
Hoev. 

Die Entfernung von der Schnauze bis zur 1. Dors. beträgt mehr 
als 1/; der Totallänge; jene bis zum Brustflossenstachel ist in letz- 
terer 31/,mal enthalten und gleicht nahezu der grössten Breite vor 
den Brustflossen; die grösste Höhe vor der 1. Dors. und die Breite 
(Dicke) des Rumpfes zwischen den V. kommen nur einer halben Kopf- 
breite nahe. 

Der Mund ist endständig und nimmt die ganze Breite der 
Schnauze ein, die schon zwischen den Eckbarteln fast eben so gross 
wie am Brustflossengürtel ist, so dass die Seitenränder des Kopfes 
nahezu parallel verlaufen. Der Unterkiefer ragt bedeutend 
über den obern Mundrand vor; den grössten Theil des letz- 
tern nehmen die grossen Zwischenkiefer ein, doch tragen auch die 
Oberkiefer zeitlich zur Bildung desselben bei; aber nur Unter- und 
Zwischenkieferäste, die beide in der Mitte getrennt sind, tragen Bin- 
den von feinen Sammtzähnen. Am äusseren Rande der Zwischenkiefer 
sind diese am breitesten, jene des Unterkiefers reichen dagegen wei- 
ter nach rückwärts. Die Eckbartel entspringen aus einer breiten 
Hautfalte, die Oberkiefer sind nieht zu Bartelknochen umgebildet. 
Hinter der Zahnbinde ist oben ein kurzes Gaumensegel quer ausge- 
spannt; Gaumen- und Zungenbein sind zahnlos, an letzteres setzt sich 
eine die ganze Breite der Mundhöhle einnehmende kurze, aber völlig 
freie Zunge an, deren Rand in der Mitte leicht eingebuchtet ist. — 
Die Augen sind kaum stecknadelkopfgross, dünn überhäutet, seitlich 
gestellt, 8 Diameter von einander, 41/, vom Oberkieferrande entfernt. 
Die hintere, ein kleines längliches Loch bildende Narine, steht der 
Medianlinie und dem Schnauzenrande näher als dem Auge und ist an 
ihrem vorderen Rande von aufstehenden, äusserst kurzen und einfachen 
Tentakeln umgeben, die vordere Narine ragt am Schnauzenrande als 
kurzes Röhrchen empor. — Die Kiemenspalte ist weit, aber nur 
vor und über der Brustflossenbasis fast bis zur Höhe des 
Seitencanals offen, die Kehlseite geschlossen. — Von den 
wie bei Aspredo und Bunocephalus gestellten vier Barteln an der 


102 Knern. 


Kehle sind sehon die vorderen länger als die Eekbarteln, werden aber 
von den weiter zurück hinter den Mundwinkeln stehendennoch an Länge 
übertroffen. Überdies verlängern sich die meist flachen zahlreichen 
Wärzchen der nackten Haut namentlich an der Schnauze und den Seiten 
des Kopfes zu kurzen Zotten und Fäden, durch welche besonders 
das Weibchen sich auszeichnet. 


1.D. 1/4. (8), B1/A.V.6 1 A0 ı 


Die 2.Dors. beginnt etwas hinter halber Totallänge, hat blos unge- 
theilte, aber weiche Strahlen, die nach rückwärts an Länge zunehmen 
und unmerklich in die Caudale übergehen, deren mittlere Strahlen 
die längsten sind. Die 2. Anale, deren Basis um die Hälfte kürzer als 
die der 2. Dors. ist und die auch ungetheilte aber niederere Strahlen 
besitzt, geht ebenfalls in die Caud. über. Vor ihr durch einen kleinen 
Zwischenraum getrennt steht die 1. A., deren gleichfalls ungetheilte 
Strahlen an Länge jene der 2. A. übertreffen; sie entspringt etwas 
weiter zurück als die 2. D. Der dreikantige Stachel der 1. D. ist viel 
kürzer als die folgenden weichen und gegenseitiggleichhohen Strahlen. 
Die eigenthümliche, sicher nicht zwecklose Form des breiten löffel- 
förmig ausgehöhlten Peetoralstachels, der an Länge von den angren- 
zenden weichen Strahlen übertroffen wird, ist aus Fig. 6 am besten 
ersichtlich. — Die V. entspringen unter dem Ende der 1. D. und rei- 
chen bis zu Anfang der 2. zurück; ihre Strahlen sind die längsten 
von allen Flossen. Die Analgrube und Sexualpapille liegt zwischen 
ihnen, weit vor der A., erstere genau in 1/, Totallänge. 

Die Haut ist am Rumpfe besonders zwischen den beiden Dors. bis 
gegen die Bauchseite herab mit grössern und kleinern Wärzchen dicht 
besetzt, von denen letztere in regulären Querlinien angeordnet sind. 
Der in halber Höhe verlaufende Seiteneanal wird bis zum Beginn der 
2. D. durch eine aus gedrängt stehenden Knötchen zusammengesetzte 
Linie angedeutet, die aber am Schwanze unterbrochen ist und zuletzt 
ganz aufhört; ein Porus lateralis ist nicht aufzufinden. — Männchen 
und Weibchen zeigen äusserlich keine auffallenden Unterschiede. — 
Die Grundfarbe erscheint dunkelbraun, mit schwärzlichen Punkten 
und Flecken besäet, die auch zum Theile an den Flossen und selbst 
den Barteln sichtbar sind. 

Totallänge des Männchens 41/,, des Weibehens 4’. — Fund- 
orte: Borneo und Neu-Guinea. 


Ichthyologische Beiträge. 103 


Bezüglich des innern Baues muss ich mich blos auf Mittheilung 
einzelner Angaben beschränken. Was zunächst das Skelet betrifft, so 
verweise ich auf die beigegebenen Abbildungen (Fig. 2—5) mehrerer 
Theile desselben und glaube nur in Betreff der übrigen noch folgende 
Punkte hervorheben zu dürfen. Die Zahlder Kiemenbögen beträgt 4, die 
der Kiemenstrahlen 7 ; rippenlose Wirbel sind 25, rippentragende 4 vor- 
handen und nur letztere mit queren oder vielmehr dachförmig nach ab- 
wärts geneigten Fortsätzen zur Anheftung der Rippen versehen. Die 
obern Dornfortsätze sind durchwegs breiter als die untern, alle aber frei, 
die an den Bauchwirbeln am höchsten und breitesten, jene, über 
welchen die 1. Dor. steht, spalten sich oben gabelig und dienen als 
Stützen für diese Flosse, indem sie dadurch eine Einfalzung für selbe 
bilden. Die beiden ersten vor und unter dem Beginne des Dors. lie- 
genden Rückenwirbel breiten sich seitlich und aufwärts in gewölbte 
Knochenplatten aus, die ein Dach über die Höhlung bilden, welche 
zur Aufnahme des Vordertheiles der Schwimmblase dient. Diese knö- 
cherne Decke der Schwimmblase grenzt beiderseits bis an den Schul- 
tergürtel; nach oben wird sie durch den langen spiessförmigen Stütz- 
knochen der D. überdeckt, welcher mit seiner stumpfen Spitze an den 
Medianfortsatz des Hinterhauptes sich anlegt. Auch der Schulter- 
gürtel ist mächtig entwickelt und eigenthümlich gebildet, namentlich 
bezüglich desGelenkendes derClavieula und der langen gebogenen an 
das Hinterhaupt sich anlegenden Omolita (os suprascapulare). In 
Betreff der Zähne ist noch zu erwähnen, dass sie nicht auf den Kie- 
ferrändern festgewachsen sind, sondern nur auf Knötchen aufsitzen, 
leicht abfallen und mehr einen kurzborstigen Überzug (dentes villosi) 
als knochenharte Zähne darstellen. 

Den ganzen vorderen Raum der durch ein Pericardium und 
Diaphragma abgeschlossenen Bauchhöhle nimmt beiderseits die mehr- 
lappige Leber ein, deren nach links gelegene Gallenblase mit ihrem 
Ausführungsgange in die Pförtnergegend des Magens mündet. Der 
Magen ist gross museulös, liegt genau in der Mittellinie und reicht 
bis zum Querstück der Niere zurück; der stark eingeschnürte Pylorus 
liegt links, von da läuft das ziemlich weite Duodenum nach vorne bis 
zur Leber, bildet in der Medianlinie abermals eine Einsehnürung, nach 
welcher der Dünndarm beginnt, der nach rechts umbiegt, dann in ge- 
rader Linie zurückläuft und als Afterdarm sieh abermals verdickt. — 
Das Quer- oder Mittelstück der Niere liegt auf dem hinteren Ende der 


104 Kner. 


grossen bis zur Leber reichenden Schwimmblase, aus der mir deut- 
lich ein dünner, ziemlich langer Ausführungsgang in die Cardiagegend 
des Magens zu münden scheint. Die ansehnlich grosse Harnblase liegt 
links. — Die schmalen Samendrüsen der Männchen verlaufen unter den 
Seitentheilen der Nieren und vereinigen sich erst unmittelbar vor der 
Genitalpapille. Die beiden Ovarien der Weibchen stellen kurze, aber 
ziemlich dicke geschlossene Säcke vor mit sehr ungleich grossen 
Eiern und münden in einen weiten gemeinsamen Eigang. 

Besondere Erwähnung verdient endlich die völlige Verschliess- 
barkeit des Schlundes durch einen wahren Sphincter oesophagi, der 
so kräftig wirkt, dass kaum eine punktgrosse Vertiefung den Eingang 
in die Speiseröhre bezeichnet und rings um diese die Falten der 
Schleimhaut radienartig auslaufen. Dieser Schliessmuskel stellt wohl 
nur eine höhere Potenz der den Schlundkopf der Speiseröhre über- 
haupt ringförmig umgürtenden Schichte quergestreifter Muskeln vor, 
ist mir aber in dieser Ausbildung sonst nirgends bekannt. Es wird 
durch ihn ein Verschluss ermöglicht, der vielleicht jenen bei Krokodi- 
len noch übertrifft und doch von dem Segei dieser völlig sich unterschei- 
det. Dass eine so auffallende Einrichtung in einer teleologischen Be- 
ziehung mit der Lebensweise dieser Fische stehen muss, ist klar; dass 
hiemit auch die enorme Weite der Mund- und Kiemenhöhle und wohl 
auch die eigenthümliche Form des schaufelartigen Brustflossenstachels 
in Einklang stehen werden, ist wahrscheinlich, das „wie“ muss jedoch 
unbeantwortet bleiben, so lange über die Lebensweise dieses Fisches 
nicht mehr bekannt ist, als Buchanan und Valenciennes dar- 
über angeben. Ersterer sagt, er ähnle hierin dem Uranoscopus und 
Platycephalus, seiaber auch Teich- und Sumpfbewohner und letzterer 
fügt bei: „Dies wolle wohl ausdrücken, er halte sich im Schlamme 
auf, um auf Beute zu lauern.“ — Trocknen diese Sümpfe vielleicht 
öfters aus und zwingen etwa den Fisch, sich tiefer einzugraben und 
längere Zeit ohne Nahrung auszuhalten ? Möglich, ob aber wirklich, 
muss vor der Hand dahin gestellt bleiben. 


Erklärung der Abbildungen. (Taf. I.) 


Fig. 1. Bunocephalus hypsiurus, m. (Fig. 1, a) «a Kopf von oben. 

Fig. 2. Schädeldecke von Chaca lophioides. a. divergirende, bis zum oberen 
Schnauzenrande reichende Fortsätze der Stirnbeine, zwischen und unter 
welche sich die eonvergirenden Stielfortsätze der Zwischenkiefer, Fig. 
3, einschieben; 5 Stirnfontanelle; e Hinterhauptspitze, an deren Basis 


Ichthyologische Beiträge. 105 


jederseits die Omolita (os suprascapulare) dsich anlegt; d’ unteres 
Gelenkende der Omolita, das der durch die Ausbreitung und Verschmel- 
zung der ersten Winkel gebildeten knöchernen Decke der Schwimmblase 
aufliegt, und mit den andern Knochen des Brustflossengürtels sich ver- 
bindet; e Stützknochen vor dem ersten sehr kurzen Dorsalstachel. 

Fig. 3. Die beiden Zwischenkiefer in natürlicher Lage von oben gesehen, « con- 
vergirende Stielfortsätze derselben. 

Fig. 4. Ansicht der linken Olavieula von unten, «a stielartiger Fortsatz derselben, 
der schief nach aufwärts steigend an die Innenfläche der scapula sich 
anlegt. 

Fig. 5. Seitenansicht der Clavieula, die sich nach hinten in einen oberen « 
und unteren 5 Ast theilt, letzterer lenkt sich an den Peetoralstachel ein, 
von a geht ein Verbindungsast e nach abwärts ab. 

Fig. 6. Äussere Seitenansicht des rechten Peetoralstachels; der obere zahn- 
tragende Rand stellt eine schmale schiefe Fläche vor, darunter die nach 
aussen stark gewölbte löffel- oder schaufelförmige Aushöhlung des 
Stachels sich befindet. 


Il. Zur Systematik der Gattung Callichthys Linn. 


Die Gattung Callichthys, durch ihren knöchernen Hautpanzer 
für den ersten Anbliek den Zoricaten zunächst stehend, erweist sich 
in jeder anderen Beziehung derart von ihnen verschieden, dass sie zu- 
sammen wohl nicht in eine natürliche Familie vereinigt werden können. 
Ungleich näher ist sie den Siluroiden verwandt, obwohl auch 
ihre Vereinigung mit diesen manche Bedenken erregt. — Der Mund 
ist endständig und parallel dem Unterkiefer bereits die grosse Kehl- 
falte vorhanden, welche die echten Welse, namentlich unseren Szlu- 
rus glanis auszeichnet, und die den Loricaten fehlt. Dessgleichen 
stimmen sie auch bezüglich der verkümmerten, jedoch nicht zu Bartel- 
knochen umgebildeten Oberkiefer mit jenen überein. Ein vorderes 
Mundsegel mangelt, ein hinteres ist aber vorhanden, jedoch klein 
und in der Mitte meist tief eingebuchtet; der Zwischenkiefer ist 
zahnlos, der Unterkiefer trägt jederseits eine längliche Gruppe 
äusserst feiner, spitzer und festsitzender Zähne. Die Pupille ist rund; 
nackte Stellen zwischen den Scheitel- oder Stirnschildern, Fonta- 
nellen und zwar bald einfache, bald zwei hinter einander liegende 
sind auch hier, wie für alle Silurorden, bezeichnend ; die Nasenlöcher 
sind in einfache Grübchen eingesenkt; ein Porus lateralis fehlt allen 
Arten, ebenso eine Schwimmblase. Der Magen ist rundlich, der Darm 


106 Kner 


mehrfach gewunden, ohne aber so zahlreiche Umgänge wie bei 
Loricaten zu bilden. Hoden und Eierstöcke sind paarig, letztere 
stellen geschlossene Säcke dar. Bezüglich der übrigen Geschlechts- 
unterschiede erlaube ich mir, auf meine früheren Mittheilungen in 
den Sitzungsberichten der k. Akademie der Wissenschaften im Juni- 
hefte 1853 (XI. Band) hinzuweisen. — Auch in skeletlicher Hinsicht 
schliesst sich diese Gattung den Siluroiden an. An der Wirbelsäule 
eines Skeletes von C. asper zähle ich bis zum fächerförmigen Caudal- 
wirbel und mit Einschluss des ersten mit dem Hinterhaupte verwach- 
senen 26 Wirbeln, von denen 9 Rippen tragen. Obere und untere Dorn- 
platten an der Wirbelsäule fehlen. Der Brustflossengürtel ist ziemlich 
schmal, aber derbknochig, seine beiden Hälften in der Mittellinie 
durch grobe Nath verbunden; der nach abwärts gewölbte Bauch- 
flossengürtel bildet längs der Mitte einen Kiel, ist nach oben ausge- 
höhlt, sein Hinterrand jederseits in ein dreieckiges Stück auf- und 
vorwärts gebogen. Der starke, beiderseits in einen nach vorne 
gekrümmten Querfortsatz auslaufende Stützknochen (interepineux) 
der ersten Rückenflosse, zeichnet wie auch Valenciennes bemerkt, 
diese Gattung insbesondere in skeletlicher Beziehung aus. — Die 
Schlundknochen sind mit spitzen Hechelzähnen in einfacher Reihe 
besetzt. Valenciennes gibt nur drei Kiemenstrahlen an, jedoch 
steht bei meinem Skelete mit dem vordersten noch ein dünner und 
kürzerer appendiculärer Strahl in Verbindung. In Betreff aller übrigen, 
hier nicht eigens berührten Verhältnisse verweise ich auf die beson- 
ders gelungene allgemeine Beschreibung dieser Gattung in der 
Histoire des poissons. 

Die verschiedenen Arten lassen sich, wie schon Valeneiennes 
andeutet, in zwei Gruppen vereinigen; in solche mit nackter und 
mit beschilderter Brust. Die Zahl der letzteren scheint über- 
wiegend zu sein, wenigstens gehören von den vier Arten des kais. 
Museums, die hier beschrieben werden sollen, drei dieser Gruppe 
an. Dass Valenciennes’ zehn Arten wohl auf eine kleinere Zahl zu 
redueiren sein werden, dürfte aus dem zur Genüge hervorgehen, 
was ich (l. ec.) bezüglich des Umstandes hervorhob, dass die Sexual- 
unterschiede von selbem nicht als solche beachtet und zum Theile 
als Artunterschiede aufgefasst wurden. 

Aus der Gruppe von Callichthys-Arten mit nackter Brust 
besitzt das kais. Museum verlässlich nur die 


Ichthyologische Beiträge. 107 


1. Art: C. asper C. Val. 

Auch habe ich zu Valenciennes’ Beschreibung (Tom. XV, 
p. 302 et seq.) nur weniges hinzufügen. — Der Durchmesser des 
Auges beträgt 1/, der Kopflänge, der gegenseitige Abstand der Augen 
fast 6 Diameter; das Auge erscheint daher etwas grösser, dessgleichen 
die Körperbreite, die Höhe aber geringer als Valeneiennes angibt. 
Das obere Bartel ist meist kürzer als das untere, reicht aber gleich- 
wohl bis hinter die Kiemenspalte zurück, doch scheint die Länge der 
Barteln überhaupt variabel, indem bei einigen (Männchen) das obere 
länger als das untere ist. Die einfache Fontanelle ist klein und kreis- 
rund, der Brustflossenstachel länger und stärker, indem er fast bis 
zu den Bauchflossen zurückreicht; die Anale zeigt um einen Strahl 
mehr, mithin 1/6, wenn der erste sehr kurze und mit dem zweiten 
gleichfalls ungetheilten verwachsene dazu gezählt wird, und eben 
so hat die Dorsale 1/7 Strahlen, wenn der erste gleichfalls sehr kurze 
ungetheilte als Stachelstrahl gerechnet wird; ihr erster Glieder- 
strahl ist einfach, der letzte bis zur Basis getheilt und daher doppelt 
scheinend. Seitenschilder zählt man in oberer Reihe 26. Der Verlauf 
der Kopfeanäle ist über dem Deckel bis zu den Augen durch runde 
Poren sehr deutlich, als Seitenlinie sind aber nur über dem Schulter- 
gürtel ein Paar einfache Mündungen sichtbar, welche ober- und 
unterhalb von einem hellen Punkte an jeder Seitenschiene eingesäumt 
werden. — Die Färbung erscheint gleichmässig braun, nur der 
Schwanz hie und da dunkler gefleckt, von den Flossen sind blos die 
erste Dorsale und Caudale ziemlich dicht mit kleinen schwärzlichen 
Punkten besetzt. 

Die 8 — 6” langen Exemplare des kais. Museums stammen von 
Para Rio, Surinam und Bahia und erweisen sich durch die schon 
früher (l. e.) von mir angegebenen Merkmale theils als Männchen, 
theils als Weibchen. Die eben daselbst ausgesprochene Vermuthung, 
dass Cal. luevigatus V al. nur ein Männchen von Asper sein dürfte, 
und dass Linn&'s Citate zu seinem Callichthys (in der 13. Ausgabe 
des Syst. naturae), nämlich nebst Gronov auch Maregravi 
Brasil. 151 und Seba II, Tab. 29, Fig. 13 sich auf diese Art 
beziehen, glaube ich auch jetzt noch festhalten zu müssen 1). 


1) Dagegen bezieht sich Catesby’s Cataphraetus (mit 6 Bartfäden und einfacher seit- 
licher Schilderreihe) offenbar auf einen Doras, wie dies bereits auch Valen- 
ceiennes anerkannt. 


108 Kner 


Die folgenden drei Arten gehören der Gruppe mit beschil- 
derter Brust an; unter ihnen finden sich die beiden Arten 
©. thoracatus und laevigatus V al. vor, worüber sowohl die Beschrei- 
bung, wie auch die Vergleichung mit den Abbildungen, trotz ihrer 
geringen Genauigkeit keinen Zweifel überlassen. Ich beschränke 
mich daher bezüglich derselben gleichfalls nur auf Angabe einiger 
abweichender Messungsverhältnisse und auf den näheren Nachweis 
der Geschlechtsunterschiede. 


2. Art: Cal. thoracatus €. V. pl. 443. 


Von dieser Art bewahrt das kais. Museum vier Spiritus-Exemplare 
aus Surinam, von denen zwei darunter, das grösste über 5’ lang, 
Männchen, die beiden anderen Weibchen sind. Aus Valenciennes' 
Text und Abbildung geht hervor, dass sein ihm zur Verfügung 
gestandenes Individuum ein Männchen war. — Die grossen Augen, 
die Zahl der Seitenschilder, die der Flossenstrahlen, die Färbung, 
namentlich die dunkle Verticalbinde in halber Länge der abgestutzten 
Schwanzflosse, stimmen völlig auf unsere Exemplare. Der Augen- 
diameter ist etwas über 7mal in der Kopflänge enthalten, der Abstand 
beider Augen von einander beträgt aber nur 5 Durchmesser; die 
Fontanelle ist gross und länglich (über einen Augendiameter lang). 
In allen diesen Punkten unterscheiden sich die Geschlechter durchaus 
nicht von einander. Dagegen sind bei Männchen die Brustplatten 
viel grösser und stossen fast ihrer halben Länge nach an einander, 
der starke, dieke Brustflossenstachel reicht mit seiner einwärts 
gekrümmten weichen Spitze mindestensbis zur halben Länge der Bauch- 
flossen, somit auch fast bis unter das Ende der ersten Dorsale und 
ist an seinem Innenrande nicht gezähnelt; die Genitalpapille 
ragt penisartig weit vor. — Bei den Weibchen stossen die viel 
kürzeren und schmäleren Brustplatten nicht einmal vorne an einander, 
vielmehr bleibt eine ziemlich breite Stelle inmitten nackt, nach hinten 
divergiren sie aber noch mehr und lassen den grössten Theil des 
Vorderbauches frei, um die Ausdehnung desselben durch die reifen 
Eier zur Fortpflanzungszeit möglich zu machen. Der Pectoralstachel 
ist kürzer als die folgenden getheilten Strahlen, reicht nur 
bis zum dritten Schilde der unteren Reihe und selbst die längsten 
weichen Strahlen erreichen nicht die Basis der Bauchflossen; der 
Innenrand des Pectoralstachels ist gezähnelt, wie bei €. laevigatus 


Ichthyologische Studien. 109 


und Zongifilis V al., die Genitalpapille kurz; der hintere und längere 
Bartfaden reicht über die Basis der Ventrale hinaus, wie dies Valen- 
ciennes von seinem ©. longifilis angibt. — Während dieser Forscher 
die hier angeführten Sexualunterschiede als solche nicht erkannte, 
legte er dagegen der Rauhigkeit der Schilder, der Zahl der unpaarigen, 
dachziegelartig an der Rückenfirste liegenden Schildchen zwischen 
der ersten und zweiten Dorsale und zwischen letzterer und der Cau- 
dale, ferner der Länge der Barteln u. s. w. einen systematischen 
Werth bei, den sie nicht besitzen, da alle diese Verhältnisse variabel 
und nicht geeignet sind, verlässliche Artunterschiede abzugeben. 


3. Art: Cal. laevigatus C. V. — d’Orbigny, Voy. dans 
’Amer. merid. pl. V, Fig. 2. 


Das in d’Orbigny’s Reisewerk abgebildete Individuum ist 
ein weibliches und auf ein solches passt auch Valenciennes’ 
Beschreibung, welche auf zwei im kais, Museum aufbewahrte Spiritus- 
Exemplare von 7’ Totallänge völlig stimmt. Sie sind als Weibchen 
schon äusserlich durch den kurzen, nach innen gezähnten Brustflos- 
senstachel, nicht zusammenstossende Brustplatten und sehr kleine 
Genitalpapille kenntlich. Übrigens zeichnet sich diese Art allerdings 
durch Glätte der Seitenschilder aus, die nur am Rande äusserst fein 
sezähnelt sind, und von denen die obere Reihe blos gegen den 
Rücken, die untere gegen den Bauch durch Grübehen uneben er- 
scheinen. Die Stirnfontanelle ist schön elliptisch und noch grösser als 
bei der vorigen Art. Der Durchmesser der ziemlich grossen Augen 
beträgt 1/, der Kopflänge, ihr gegenseitiger Abstand fast 5 Diameter. 
Die Poren der Kopfeanäle sind deutlicher und weiter zu verfolgen, 
als bei den übrigen Arten. Der eine Ast verläuft über dem Auge 
gegen die Stirnfontanelle, mündet daselbst mit einem Porus, setzt 
dann über die Nasengrube fort, so dass noch neben der vorderen 
Narine eine Mündung sichtbar ist; der Canal selbst schimmert in 
seinem ganzen Verlaufe unter den glatten, lichten Kopfschildern 
durch und seine Poren liegen meist in Grübchen derselben eingesenkt. 
Der zweite Hauptast steigt hinter dem Auge und vor dem Deckel zur 
Kehle herab, und mündet daselbst in der nackten Haut mit drei 
grossen Poren. Als Seitenlinie setzt sich der Canal eine längere 
Strecke als bei den anderen Arten fort, indem er bis unter das fünfte 
Schild der oberen Reihe durchschimmert und an den daselbst einge- 


110 Kner. 


buchteten Rändern derselben mit einfachen -Röhrehen mündet. In 
oberer Reihe zählt man 24, in unterer 23 Schilder. Die Zahl der 
unpaarigen Schildehen längs der Rückenfirste ist variabel, die Caudale 
seicht gablig eingeschnitten, gleichlappig. Die Strahlenzahl der 
Flossen und deren Dimensionsverhältnisse stimmen mit den Angaben 
von Valenciennes überein. Der längere Bartfaden reicht bis zur 
halben Länge des Pectoralstachels, dessen Zähnelung am Innenrande 
zwar fein, aber deutlich ist. — Alle Exemplare (auch mehrere aus- 
gestopfte) sind hellbräunlieh grün und ungefleckt; Natterer gibt 
ihnen den Provinzialnamen Tamboata. 

Dass Cal. subulatus V al. wahrscheinlich nur das Männchen 
dieser Species sein dürfte, darauf machte ich schon in meiner früheren 
Mittheilung (I. ce.) aufmerksam. 


4. Art: Cal. sulcatus, m. 


Diehier zu beschreibende Art ist vielleicht mit C. longifilis V al. 
synonym, doch lässt die unzureichende Beschreibung, die sich grössten- 
theils auf unverlässliche oder allen Arten zukommende Eigenschaften 
bezieht, eben so wenig ein entscheidendes Urtheilzu, als die ungenaue 
Abbildung Guerin’s von Cal. longifilis auf pl. 53. Valeneiennes 
beschreibt als ©. longifilis offenbar nur ein Weibchen und gibt auch 
eine von unserem sulcatus zum Theile abweichende Strahlenzahl der 
Flossen an; sollten aber beide vielleicht dennoch als gleichartig sich 
herausstellen, so schiene selbst dann räthlich, die Artbenennung 
longifilis fallen zu lassen, da die überhaupt variablen Barteln durchaus 
nicht länger als bei anderen Arten sind. Dagegen zeichnen sich 
unsere Exemplare vor allen durch ein Merkmal aus, das dem Scharf- 
blicke eines Valenciennes sicher nicht entgangen wäre, wenn es 
sich auch bei seinem €. longifilis vorfinden würde, und namentlich 
desshalb glaube ich selbe vorläufig als unbeschriebene Species 
ansehen zu dürfen. Die grossen Schulterschilder (humerauz) 
zeigen nämlich hinter den Brustflossen eine ziemlich tiefe Längs- 
furche, die zur theilweisen Aufnahme der Pectoralstrahlen beim 
Zurücklegen der Flosse dient und bei allen anderen Arten vermisst 
wird, auf sie bezieht sich die vorgeschlagene Artbezeichnung. — Die 
Kopflänge beträgt '/, derKörperlänge und kommt fast der Kopfbreite 
und der grössten Höhe vor der Rückenflosse gleich. Die Augen sind 
gross, im Durchmesser von 1/, der Kopflänge, ihr gegenseitiger 


Ichthyologische Beiträge. 111 


Abstand ist = A Diametern. Form und Grösse der Stirnfontanelle 
erweisen sich besonders hier als veränderlich, indem sie bei einigen 
Exemplaren klein und fast kreisrund, bei anderen grösser und elliptisch 
erscheint. Das hintere Mundsegel ist ziemlich entwickelt und in 
zwei Lappen getheilt; das längere, untere Bartel reicht bis gegen 
oder über die Basis der V. zurück, variirt aber bei Männchen und 
Weibchen an Länge. 
1.D. 1/7, A. 1/5, P. 1/8, V. 1/5, €. 14. 

Der erste Strahl der Dorsale ist an der Basis breit und nahezu 
nur 1/, so lang als der folgende und längste, der letzte bis zur Basis 
gablig getheilt, daher scheinbar doppelt; die Höhe der Flosse kommt 
ihrer Länge fast gleich; sie entspringt im Beginne des zweiten Drit- 
tels der Totallänge und zwischen ihr und der zweiten Dorsale kommen 
neun Seitenschilder der oberen Reihe zu liegen ; die Zahl der unpaarigen 


Schilder an der Rückenfirste schwankt wie überall. Der letzte und 


kürzeste Strahl der Anale ist ebenfalls bis zur Basis in zwei gespalten, 
der erste nächst ihm der kürzeste, der zweite bis vierte am längsten ; 
die mittleren Strahlen der abgerundeten Caudale sind etwas länger 
als die Endstrahlen. In Hinsicht der Bezahnung, Zahl und Rauhigkeit 
der Rumpfschilder u. s. w. steht diese Art dem C. thoracatus 
zunächst. 

Die Färbung scheint charakteristisch. Alle nackten Hautstellen 
sind weisslich hell, aber mehr weniger dicht und regelmässig mit 
schwarzbraunen Punkten und Flecken besetzt, dessgleichen die 
Brustplatten, Rumpfschilder und alle Flossen, der Oberkopf zeigt nur 
dunkle Wolken; die Schwanzflosse ist an der Basis hell, hierauf folgt 
eine verticale, breite, schwarze Binde, sodann ein helles Band und 
zuletzt ein schmaler schwarzer Saum. Die Färbung variirt übrigens 
an Intensität, Grösse und Zahl der Flecken und Punkte, nur an der 
Caudale und der nackten Unterseite ist sie constant. 

Männchen und Weibchen zeigen auch hier die früher erwähnten 
Unterschiede; erstere einen langen, nicht gezähnten Pectoralstachel, 
grössere, einander genäherte Brustplatten und eine bis 1/,” lange 
Genitalpapille, letztere einen kurzen nach innen gezähnten Pectoral- 
stachel, kleinere von einander abstehende Brustplatten und eine 
kurze Sexualpapille. 

Das kais. Museum bewahrt acht Exemplare in Weingeist von 
4 — 6” Totallänge aus Riobranco und Marabitanas; einige tragen 


112 Kner. 


noch von Natterer ihnen angehängte Zettel mit der Angabe des 
Geschlechtes, die in der That mit meinen Ergebnissen stäts über- 
einstimmt. 

Was die von Valenciennes angeführten übrigen Arten mit 
Brustplatten betrifft, so fehlen die beiden Arten: Cal. punctatus 
und barbatus jedenfalls dem kais. Museum; für die erstere ergibt sich 
dies aus der Vergleichung mit den Abbildungen von Bloch, Taf. 377 
und d’Orbigny, Amer. merid. V, Fig. 1, und letztere wäre durch 
die spitze Schnauze mit steifem Barte ohne Zweifel auf den ersten 
Blick zu erkennen. Ihr Vorkommen verdient desshalb besondere 
Erwähnung, da durch sie die Gruppe der Schnurbartträger hier 
ebenso vertreten wird, wie dies durch mehrere Arten bei den Lori- 
carinen und Hypostomiden der Fall ist. 


Il. Zur Systematik und Charakteristik der Gattung Doras. 


Die von Lace&pede aufgestellte Gattung Doras steht, wie 
ich bereits in meiner Mittheilung über die verschiedenen Formen 
ihrer Schwimmblase hervorhob (in den Sitzb. der kais. Akademie, 
Juniheft 1853), den echten Siluroiden noch näher, als die Gattung 
Callichthys und gehört zu den artenreicheren Gattungen jener grossen 
Familie. Dieser Reichthum an, zum Theile sehr auffallend verschie- 
denen Arten verleitete mich auch anfänglich zur Ansicht, selbe könn- 
ten nicht füglich in ein Genus vereinigt belassen werden. Als ich sie 
aber seither einer genaueren Prüfung und Vergleichung unterzog, 
erkannte ich, dass eine Trennung derselben in zwei oder mehrere 
Gattungen mit Consequenz eben so schwierig durchzuführen sei, als 
sie bei flüchtigerer Betrachtung leicht und sogar nothwendig zu sein 
schien. — Zwar sagt schon Valeneiennes: Diese Fische theilen 
sich nach derForm des Mundes in zweiGruppen ; bei der einen ist er 
endständig und trägt in beiden Kiefern breite Binden von Sammtzäh- 
nen; bei der andern ist die Schnauze konisch verlängert, der Mund 
unterständig und nur im Unterkiefer mit kleinen Zahngruppen besetzt. 
Gleichwohl vermiedaber ValeneiennesdieTrennungbeiderGruppen 
in verschiedene Genera und dies wie ich glaube mitRecht. Denn alle 
Eigenschaften, die sich zu unterscheidenden Gattungsmerkmalen zu 
eignen scheinen, erweisen sich zuletzt als unverlässlich. Nur in 


Ichthyologische Beiträge. 113 


folgenden stimmen alle Arten überein undiich glaube sie daher als Merk- 
male in den Begriff oder Charakter der Gattung Doras aufnehmen 
zu dürfen. Diese Merkmale sind: Zwei Eek- und vier Unter- 
lippenbarteln, längs des Seitencanales eine Reihe 
von Schildern mit einem nach rückwärts gerichteten 
Haken, Hinterkopf und Vorderrücken von einem 
knöchernen Helme bedeckt; der Stachelstrahl der 
Brustflosse am äusseren und inneren Rande gesägt, 
weit hinter der Dorsale eine stachellose Fettflosse, Anale mehrstrahlig 
als die Dorsale. 

Nachdem ich die erwähnten Merkmale hiemit als die einzig ver- 
lässlichen hervorhob, erübrigt zunächst der Nachweis für obige 
Behauptung, dass alle übrigen Eigenschaften variabel und daher als 
solehe unbrauchbar seien. Vergleicht man zwei so entfernt stehende 
Arten wie z. B. D. armatulus und carinatus NVal., dann möchte man 
sich allerdings zu einer Trennung derselben in zwei Gattungen versucht 
fühlen und noch grösser erscheint die Kluft, wenn man z. B. die hier 
beschriebenen beiden Arten D. lithogaster und lipophthalmus neben 
einander hält. Dass jedoch selbst so grosse Differenzen durch Zwi- 
schenglieder vermittelt werden und höchstens geeignet sind, Art-, 
nicht aber Gattungsunterschiede abzugeben, mag aus nachstehenden 
Betrachtungen erhellen. 

Was zuerst die Lage des Mundes betrifft, so wird dieser 
Schon bei kurzschnauzigen Arten, wie D. fimbriatus, punctatus, hume- 
ralis u.a. halb unterständig und nicht minder geht die konisch zu- 
gespitzte Form der Schnauze, wiesie bei D. carinatus und lipoph- 
thalmus ihren Höhenpunkt erreicht, durch Zwischenformen, wie 
D. humeralis und d’Orbignyi in die breite, stumpfe Form von 
D. armatulus, lithogaster u. a. über. — Der theilweise Mangel von 
Zähnen kann gleichfalls nicht als durehgreifendes Merkmal zur 
Unterscheidung von Gattungen benützt werden; so ist z. B. bei dem 
stumpfschnauzigen D. brevis der Zwischenkiefer völlig zahnlos, beim 
spitzschnauzigen D. carinatus dagegen bezahnt; ferner fehlen bei 
unserem Exemplare von D. niger in beiden Kiefern Zähne, während hin- 
wieder D. d’Orbignyi deren oben und unten trägt. — DieE ckbarteln 
sind zwar bei den meisten Arten mit kurzer Schnauze und endstän- 
digem Munde einfach, bei jenen mit konisch zugespitzter Schnauze 
und unterständigem Munde aber halb gefiedert und bei ersteren die 

Sitzb. d, mathem.-naturw. Cl. XVII. Bd. I. Hft. 8 


114 Kner. 


Barteln des Unterkiefers bis zur Basis frei, bei letzteren dagegen in ein 
hinteres Mundsegel verwachsen, jedoch besitzt z.B. der stumpfschnau- 
zige D. fimbriatus gefiederte Eckbartel und ein Segel, während bei 
D. d’Orbignyi letzteres fehlt und die Lippenbarteln bis zur Basis frei 
sind. Nicht minder erweisen sich die Narinen und die Ausbildung 
der Suborbitalknochen als Unterscheidungsmerkmale unbraueh- 
bar und dessgleichen die Augen; denn die nackte Haut um diese 
und die bei D. lipophthalmus so ausgezeichneten, meniscusförmigen 
Fetthautpolster finden sich im minderen Grade schon bei anderen 
Arten vor und ihre Entwickelung erscheint um so stärker, je schwä- 
cher Kopfschilder und Helm ausgebildet sind. — Dass die Beschil- 
derung überhaupt ebenfalls bei Individuen einer Art bedeutend 
varliren kann, davon liefern z. B. jene von D. brevis Beweise. Ein 
offenbar mit den ‚übrigen gleichartiges Exemplar zeigt einen anders 
geformten Humerusfortsatz, schwächern Helm, kleinere Seitenschilder 
und keine Spur frei aus der Haut vorragender Brustplatten, die übri- 
gen bilden aber in allen diesen Punkten zu jenem Individuum vermit- 
telnde Übergänge !). 

Auch die Zahl der Seitenschilder, noch mehr aber jene der 
unpaarigen vor der Caudale schwankt innerhalb gewisser Grenzen, die 
jedoch nach den bisherigen Erfahrungen noch allerdings nicht festzu- 
stellen sind. Das Gleiche gilt von der Form dieser Schilder. Zwi- 
schen den ausgezeichneten Kammschildern, d.h. jenen hohen und 
schmalen mit geradlinigem, gezähnelten Hinterrande, wie deren z. B. 
D. cataphractus, stenopeltis u.a. besitzen und den echten Schmet- 
terlingsschildern wie bei D. murica und dorsalis, kommen 
nicht blos bei anderen Arten Übergangsformen vor, sondern selbst 
bei einem Individuum zeigen die Schilder verschiedene Form. — End- 
lich gestatten auch der Knochenstrahl der Dorsale, die Fettflosse, die 
Lage der Analgrube, das Vorhandensein oder der Mangel eines Porus 
lateralis und wie schon früher (l. e.) erwähnt, auch die Form der 
Schwimmblase nicht, darnach eine Trennung in zwei oder mehrere 
Gattungen vorzunehmen. 


1) Öfters fehlen stellenweise die Seitenschilder gänzlich, ohne dass sie etwa zufällig 
abhanden gekommen wären. Wie überhaupt Mangel oder Vorhandensein solcher 
Hautgebilde, wenn sie für sich allein als Artunterschiede benützt werden, trügerisch 
sein können, davon gibt namentlich auch die Art Gasterosteus aeuleatus (Stich- 
ling) ein Beispiel, indem sie hiernach fälschlich in die beiden Arten: @. trachurus 
und leiurus zersplittert wurde. _ 


Ichthyologische Beiträge. 115 


Nach allem Gesagten scheint es demnach gerathen , sämmtliche 
nachfolgende Arten in einer Gattung beisammen zu lassen und selbe 
nur in eine möglichst natürliche Reihenfolge zu bringen. Indem ich 
hiemit dies versuche, reihe ich die stumpfschnauzigen Arten mit Zäh- 
nen in beiden Kiefern, ohne hinterm Mundsegel und mit freien unge- 
fiederten Barteln, zunächst an einander, lasse hierauf die vermittelnden 
Formen mit stumpfer Schnauze, halb unterständigem Munde und gefie- 
derten Eckbarteln folgen und zwar unter diesen zuerst solche, die 
Zähne in beiden Kiefern besitzen, sodann jene, die deren im Zwischen- 
kiefer ermangeln und schliesse mit den langschnauzigen, für welche 
vielleicht der Gattungsname Oxydoras gewähltwerden könnte, wenn 
anders die Aufstellung einer Gattung zu rechtfertigen ist, welche blos 
auf ein einziges Merkmal basirt und selbst dann nicht scharf zu be- 
grenzen ist. — Lässt man aber die Gattung Doras auch unzersplittert, 
so fällt doch die Parallele auf, welche zwischen ihr und den Loricaten 
besteht, indem die spitzschnauzigen Arten mit Unterlippensegel den 
Loricarinen, die stumpfschnauzigen ohne Segel sich den Hypostomiden 
parallel gegenüberstellen und namentlich durch die Art D. lithogaster 
die Gruppe der ganz gepanzerten Hypostomen vertreten wird. Letzt- 
genannte Art dürfte auch vielleicht am besten an die Spitze der stumpf- 
sehnauzigen Doraden zu stellen sein, doch beginne ich vorläufig die 
Reihe derselben mit D. armatulus, als einer derjenigen Arten, die 
Valeneiennes gleichsam als typische voranstellt und ausführlicher 
beschreibt. Eine völlig natürliche Gruppirung scheint überhaupt aus 
mehreren Gründen derzeit noch nicht möglich. Eine solche verhin- 
dert schon der Umstand, dass viele Arten in zu wenigen Exemplaren 
vorliegen, um den Umfang der Species daraus beurtheilen zu können, 
ferners sind die Geschlechtsunterschiede noch unklar. Auffallender 
Weise sind von manchen Arten blos Weibchen, von anderen blos 
Männchen vorhanden und da bei verwandten Gattungen wie z. B. Cal- 
lichthys so auffallende Geschlechtsunterschiede vorkommen, so läge 
die Vermuthung nahe, ob nicht auch hier Ähnliches stattfinde. Jedoch 
ist dies wenigstens nicht wahrscheinlich, da das kais. Museum von 
mehreren Arten sowohl Männchen als Weibchen besitzt und diese 
keine haltbaren äusseren Sexualunterschiede zeigen. Eher steht zu 
vermuthen, dass Altersunterschiede von Bedeutung sein dürften, 
doch erlaubt auch hier der Mangel genügend zahlreicher Exemplare 
sehr differenter Altersstufen vor der Hand keinen bestimmten Nach- 


116 Kner. 


weis. — Aus allen diesen Gründen lässt sich demnach bisher nicht 
bestimmen, ob und welche Arten in der Folge etwa aus dem Systeme 
wieder zu streichen wären, und es muss sogar dahin gestellt bleiben, 
ob nicht eine oder die andere bereits bekannte Art hier als neu 
beschrieben wird; denn der völlige Mangel an naturgetreuen Abbildun- 
gen und die Flüchtigkeit, mit der manche Arten beschrieben sind, 
machen diese Entscheidung wenigstens so lange unmöglich, als nicht 
die Original-Exemplare selbst oder diese mit guten Abbildungen ver- 
glichen werden können. 

Den meisten nun folgenden Beschreibungen der 18 Arten des kais. 
Museums, welche ich als solche einstweilen anerkenne, füge ich daher 
zu diesem Behufe naturgetreue Abbildungen bei, mit Ausnahme jener, 
über deren Gleichartigkeit mit Valenciennes’'schen Species kein 
Zweifel sein kann. Von den zehn in der Hist. des poissons aufgeführten 
Arten finden sich aber zweifellos in unserem Museum nur die fünf nach- 
stehenden vor: D. armatulus, cataphractus, dorsalis, carinatus und 
niger, die übrigen fehlen entweder wirklich oder sind mindestens 
nach so ungenügenden Beschreibungen, wiesiez. B. von D. Hancocktund 
crocodili vorliegen, nicht herauszufinden; jedenfalls fehlt auch eine 
Art, die, wie D. Blochii einen Stachelstrahl an der Fettflosse besitzen 
würde, eine Angabe, die wohl überhaupt nur auf einemIrrthume beru- 
hen dürfte. 


Beschreibung der einzelnen Doras-Arten des kais. Museums. 


1. Art: D. armatulus C. V. 

Diese in der grossen Ichthyologie nebst D. costatus gleichsam 
als typisch vorangestellte Art zeichnet sich durch feine, kurze, nach 
rückwärts gelegte und ihrer Länge nach festgewachsene, gerade Sta- 
cheln aus, welche die ganze Oberfläche aller Seitenschilder bedecken 
und durch die der hintere Rand fein gezähnelt erscheint. 

Die grössteHöhe vor der Rückenflosse gleicht der Breite daselbst 
und ist so wie die Kopflänge 43/,mal in der Totallänge enthalten. Die 
grösste Breite überhaupt fällt aber zwischen die Basis der Brustflos- 
sen und diese ist nur 3°/,mal in der Gesammtlänge enthalten; die 
Entfernung der Schnauzenspitze bis zur Dorsale beträgt mehr als 1/; 
der Totallänge. Die Schnauze ist scharf abgerundet, die endständige 
Mundspalte weit; Zwischen- und Unterkieferäste tragen ihrer ganzen 


Ichthyologische Beiträge. 117 


Breite nach Binden sehr kurzer, spitzer Zähne. Die Eckbarteln reichen 
über die Basis der P. hinaus, die äusseren des Unterkiefers sind nur 
wenig kürzer, die zwei mittleren aber bedeutend; eine Spur eines Se- 
gels findet sich nur unter den Eekbarteln inForm einer umgeschlagenen 
Lippe vor. — Der Durchmesser des Auges beträgt 1/, der Kopflänge, 
der Abstand der Augen von einander 2Diameter und kommt dem vom 
Schnauzenrande gleich; die Augenhöhle ist völlig abgegränzt, kreis- 
rund, die Fontanelle ziemlich klein, länglich oval, das vorderste Suborbi- 
talschild,das ich hier fortan als Subnasalschild bezeichne, ist aufstehend 
und am Rande fein gezähnelt. Hinter der Fontanelle erhebt sich das 
Hinterhaupt in eine über den Helm bis zur Dorsale reichende stumpfe 
Firste, der Helm setzt sich am Rücken bis unter den zweiten Dorsal- 
strahl fort; der Humerus endet in eine Spitze unter dem Stachelstrahl 
der Dorsale, ist doppelt so lang als hoch und nahe seinem 
unteren Rande mit einemabgerundeten, fein bezähneltenKiele versehen. 
Die tiefe Bucht zwischen Helmfortsatz und Humerus ist nur theilweise 
nackt, theilweise aber inselförmigvonden ersten rudimentären Seiten- 
schildern ausgefüllt. — Der Knochenstrahl der P. reicht bis gegen dieV. 
zurück, ist der längste und stärkste aller Flossenstrahlen und wie bei 
allen Arten am äusseren Rande mit nach hinten, am inneren mit nach 
vorne gerichteten derben Zähnen besetzt; die zwischen diesen aus- 
gespannte dünne Haut setzt sich über die Spitze des Stachels in einen 
Lappen fort. Die Dorsale entspringt im zweitenDrittel der Totallänge, 
ihre Basis kommt einer 1/,, ihre grösste Höhe fast einer ganzen Kopf- 
länge gleich; ihr schwach nach rückwärts gebogener Stachelstrahl 
ist von vorne bis zur Spitze gezähnt, nach hinten aber blos an der 
oberen Hälfte und mit wenigeren, schwächeren Zähnen besetzt. ' 

Die etwas hinter halber Körperlänge entspringenden V. reichen 
zurückgelegt bis zur Analgrube; die Anale steht der Fettflosse gegen- 
über, die ziemlich kurze (*/, der Kopllanee betragende) C. ist tief 
gablig eingeschnitten. 

Die Anzahl der Seitenschilder beträgt 29, alle sind ungleich 
höher als breit, das vorderste reicht vom Helme bis zum Humerus; 
von der Gegend über der Analgrube nehmen sie bis zur C. bedeu- 
tend an Grösse ab. Alle sind längs des Seitencanales mit fast gleich 
starken, rückwärts gebogenen und compressen Haken besetzt, die an 
den vorderen Schildern unter, an den hinteren aber in oder über 
der halben Höhe derselben liegen, und an den Caudalschildern relativ 


118 Kner. 


grösser erscheinen. Brust und Bauch sind nackt, dessgleichen die 
Rückenfirste zwichen der ersten und zweiten Dorsale, hinter letzterer 
liegen aber, wie hinter der Anale einige (3—5) unpaarige, rauhe 
Schildehen, die allmählich in die Stützstrahlen der Caudale übergehen. 
Hinter der Basis der Peect. ist ein einfacher Porus lateralis deutlich 
sichtbar ; der Seitencanal mündet mit einfachen Röhrchen unter und 
hinter jedem Haken in einer Einbuchtung jedes Schildes. 

Die Färbung ist nach Natterer sowohl bei lebenden, wie bei 
Spiritus-Exemplaren dunkelbraun, ein hellgelbes Band beginnt über 
dem Auge und zieht längs der Hakenreihe der Seitenschilder bis an 
das Ende der Caudale; ein minder deutlicher heller Streif läuft längs 
der Rückenfirsie bis zur Fettflosse, die untere Hälfte der Dorsale ist 
gleichfalls hell, die obere schwärzlich gefärbt. Die Unterseite des 
Kopfes, die Basis des Humerus und der Knochenstrahl ‚der Pect. sind 
ebenfalls lichtgelblich oder weisslich, die nackte Brust- und Bauch- 
haut dunkelbraun, die Iris ebenso gefärbt mit hellgrauen Punkten. 

Männchen und Weibchen unterscheiden sich äusserlich nicht; 
die paarigen, geschlossenen Eiersäcke letzterer reichen nach vorne 
bis zur Leber und vereinigen sich hinter dem Ende der Schwimmblase 
in einen weiten gemeinsamen Ausführungsgang. Die Schwimmblase 
nimmt den grössten Theil der Länge der Bauchhöhle ein und ist wie 
bei Cyprinoiden in eine vordere grössere und hintere spitz auslau- 
fende kleinere Abtheilung eingeschnürt, übrigens ohne Appendices 
(l. e.Fig.6). DieNieren stehen durch eine quere über der Einschnü- 
rung oder dem Halse der Schwimmblase wegsetzende Brücke in Ver- 
bindung (Hufeisenniere), die beiden Harnleiter münden in eine 
kleine, links gelegene birnförmige Harnblase. 

Sämmtliche Exemplare wurden von J. Natterer in der Pro- 
vinz Matogrosso zwischen 15 und 17° südl. Breite aus den Flüssen 
Guapor& und Paraguay gesammelt, differiren in Grösse zwischen 21/, 
bis 8" und führen den Provinzialnamen Botoado und in der Sprache 
der Guanas „Corome“. 


2. Art: D. dentatust m. — Taf. III, Fig. 3. 


Die Art D. costatus konnte ich unter allen Exemplaren des kais. 
Museums mit Sicherheit nicht auffinden, vielleicht fällt sie wirklich 
mit D. armatulus zusammen, da Valenciennes selbst beide „so 
ähnlich findet, dass man sich versucht fühlen könnte, sie blos für ver- 


Ichthyologische Beiträge. 119 


schiedene Alterszustände zu halten, “ vielleicht aber entspricht derselben 
das hier abgebildete und zu beschreibende Exemplar. D. costatus soll 
sich durch rauh gekörnte hobe Seitenschilder (Kammschilder) 
und tief eingeschnittene Schwanzflosse auszeichnen. Die weiteren 
Angaben lauten: Kopflänge bis zur Kiemenspalte — 1/, der Total- 
länge; die vordere, ein kurzes Röhrchen bildende Narine liegt. am 
Rande der Oberlippe, die Stirnfontanelle ist klein, oval, die Suborbi- 
talknochen sind wie der Helm und die Seitenschilder rauh. Der Hu- 
merus endet in eine Spitze, ist viermal so lang als hoch, 
rauhkörnig, mit einer Leiste versehen und erstreckt sich bis unter den 
Dorsalstachel. Die Länge des Pectoralstachels beträgt Y%, der Total- 
länge; die Fettflosse bildet eine lange, nach hinten in eine Spitze 
erhöhte Falte. Die zwei in der Bucht zwischen Helm und Humerus 
liegenden ersten Seitenschilder sind klein, die folgenden 32 drei bis 
viermal höher als breit. Hinter der Fettflosse und Anale liegt bis zur 
Caudale eine Reihe von 7—8 unpaarigen Schildchen, Die Strahlen- 
zahl der Flossen 
D.11/7,:A. 41, P.,1/775, 8.19 .C:1% 

und die Färbung ist wie bei D. armatulus. — Unser fragliches Exem- 
plar steht nun allerdings in Totalhabitus und Färbung dem D. armatulus 
sehr nahe, unterscheidet sieh aber durch mehrere Merkmale, nament- 
lich durch breite Binden, relativ grössere Zähne in beiden Kie- 
fern (besonders im Zwischenkiefer), durch geringere Höhe der Seiten- 
schilder und die Bewaffnung dieser mit gebogenen Häkchen (nicht wie 
bei D. armatulus mit geraden Nadeln), die aber gleichfalls der Länge 
nach auf der Fläche der Schilder angewachsen sind, so dass nur ihre 
rückwärts gekrümmten Spitzen frei vorstehen; auch ist die Zahl 
dieser Häkchen auf den einzelnen Schildern kleiner, als die geraden 
Nadeln bei D. armatulus. 

In vieler Hinsicht, wie namentlich in Form des Humerus, in Zahl 
der Seitenschilder, der Flossenstrahlen, der meisten Messungsver- 
hältnisse, der Färbung u. s. w. stimmt aber dieses Exemplar so nahe 
mit D. costatus überein, dass es vielleicht wirklich dieser Art ange- 
hört. Doch kann diese Vermuthung nur unter Zweifeln ausge- 
sprochen werden. 

Die grösste Höhe vor der Dorsale ist gleich der Kopflänge und 
51/;mal, die grösste Breite zwischen der Pectorale aber nur 41/,mal in, 
der Totallänge enthalten. Die abgerundete Schnauze ist schmäler als 


120 Kinse'r. 


bei D. armatulus, die Eckbarteln reichen bis an das letzte Drittel der 
Länge des Brustflossenstachels, die äusseren Lippenbarteln bis zur 
Basis desselben, die inneren sind noch um die Hälfte kürzer, alle frei 
und fadenförmig. Der Abstand der grossen Augen von einander beträgt 
11/,, jener von der Schnauzenspitze nicht ganz 2 Diameter; die Sub- 
orbitalknochen bilden nur einen sehr schmalen unteren Augenrand, 
das vorderste oder Subnasalschild ist aber gross, aufstehend, radial 
gefurcht und am oberen Rande scharf gezähnelt; die Fontanelle bedeu- 
tend grösser als bei D. armatulus und über i Augendiameter lang. 
Der beiderseits stark abgedachte Helm bildet vor der Dorsale eine 
fast schneidende Kante und endet zu beiden Seiten mit einem nach 
abwärts gerichteten hakenförmigen Fortsatze. Der Humerus ist, wie 
dies Valeneiennes von D. costatus angibt, viermal solang als 
hoch, endetin eine Spitze, diebis unter das zweite Seitenschild reicht 
und ist der Länge nach gefurcht, sein oberer und unterer Rand bildet 
eine vorspringende gezähnelte Kante. Kopfschilder, Deckel, Helm und 
Scapula erscheinen durch Furchen rauh gekörnt. — Die Zahl der 
Seitenschilder beträgt 31, sie sind durchwegs bedeutend niedriger als 
bei D. armatulus und nehmen besonders gegen den Schwanz an Höhe 
ab; die beiden ersten stossen nach oben an den Helm, reichen aber 
nach unten nicht bis zum Humerus; das dritte gleichfalls noch bis zum 
Helm sich erhebende ist das höchste von allen (es übertrifft die halbe 
Kopflänge), von ihm an nehmen die folgenden an Höhe derart ab, 
dass die letzten Schwanzschilder kaum mehr 1/, so hoch als jenes 
sind. Die Haken sämmtlicher Seitenschilder sind aber fast gleich 
gross, stark compress und fast unter einem rechten Winkel nach 
rückwärts umgebogen. Von ihrer Basis laufen radienartig nach auf- 
und abwärts die erwähnten Leisten aus, die am Rande dann mit 
freier gekrümmter Spitze als Nebenhäkchen enden und vorzüglich 
am dritten Seitenschilde und den folgenden 6—8 deutlich sind, deren 
Zahl aber an den Schwanzschildern derart abnimmt, dass zuletzt nur 
ein solches Häkehen über und unter dem Haupthaken am Rande 
vorragt. — Hinter der Fett- und Afterflosse liegen einige flache 
unpaarige Schildehen, welche in die dornähnlichen Stützstrahlen der 
Caudale unmerklich übergehen; der nackte Rücken zwischen der 
Dorsale und Fettflosse ist nicht abgerundet, sondern gekantet, 


D. 16. A. 10, pP 7 m 7017 


Ichthyologische Beiträge. 127 


Der Stachel der vor dem zweiten Drittel der Totallänge ent- 
springenden Dorsale reicht lange nicht bis zur Fettflosse zurück und 
ist auch kürzer als der folgende weiche Strahl; die Basis der Flosse 
erreicht nur ?/,, ihre grösste Höhe aber 1:/, der Kopflänge. Der 
Knochenstrahl der Pectorale reicht bis unter das Ende der Dorsale 
und an die Basis der Venale, diese nicht ganz bis zur Anale, letztere 
aber bis zur Caudale, welche tiefgablig eingeschnitten und im Ver- 
gleiche zu D. armatulus stärker entwickelt ist, indem die Endstrahlen 
des oberen etwas längeren Lappens eine Kopflänge übertreffen. Die 
Knochenstrahlen der Dorsale und Pectorale sind wie bei der vorigen 
Art vor- und rückwärts sägeförmig gezähnt; ein ziemlich grosser 
einfacher Porus lateralis ist vorhanden. 

Hauptfarbe an der Oberseite braun, am Bauche heller; die 
breite lichte Binde längs der Hakenreihe der Seitenschilder fehlt, 
und die Haken sind mit den Seiten gleichfärbig braun, hinter jedem 
in der Einbuchtung des Schildes ist ein schwarzbrauner Fleck bemerk- 
bar, wie deren auch die nackte Bucht zwischen Helm und Humerus 
zeigt; über jeden Caudallappen läuft eine schwärzliche Längsbinde, 
so dass die Ränder und Mitte dieser Flosse licht bleiben. 

Das einzige 51/,” lange Spiritus-Exemplar stammt aus Surinam 
und erweist sich durch Ovarien mit unreifen Eiern als Weibchen. 
So viel sich über die theilweise ausgeschnittene Schwimmblase noch 
urtheilen lässt, scheint sie einfach und ohne Appendices zu sein und 
würde somit auch einen Art-Unterschied von D. armatulus darbieten. 


8. Art: D. affinis, m. — Taf. II, Fig. 1. 


Die nun folgende Art steht gleichfalls den vorigen noch nahe, 
zeichnet sich aber durch sehr breite Brustplatten aus und einen 
längs gefurchten, weder vor-, noch rückwärts gezähnten 
Dorsalstachel. — Stirn und Helm sind abgerundet, nicht gekielt, 
alle Kopfschilder rauh, die Fontanelle ziemlich klein, länglich, die 
Suborbitalknochen bilden nur eine schmale Leiste. Die Augen sind 
ziemlich gross, ihr Umfang kreisrund, ihr gegenseitiger Abstand 
beträgt etwas über einen, jener vom Schnauzenrande keinen ganzen 
Diameter. Der obere Augenrand ist nicht aufstehend, das Sub- 
nasalschild äusserst fein gezähnelt. Die Eekbarteln reichen bis 
‚an die Spitze des Humerus, das äussere Paar am Unterkiefer ist nur 
wenig kürzer, das innere aber kaum halb so lang. Die 25—26 Seiten- 


122 Kner. 


schilder sind grösstentheils überhäutet, so dass nur die Haken 
derselben frei bleiben, über und unter welchen noch mehrere Reihen 
von Nebenhäkchen wie bei der vorigen Art den Rand jedes Schildes 
besetzt halten. Das erste Seitenschild nimmt fast die ganze Höhe 
zwischen Helm und Humerus ein und besitzt keinen Haken. Ein Porus 
lateralıs fehlt. 

D. 1/6, A. 12, P. 1/5, V. 7. 

Der blos längs gefurchte Dorsalstachel ist kürzer als jener 
der Pectorale, welcher hinter die Spitze des Humerus und bis über 
die Basis der Ventrale zurückweicht und wie gewöhnlich am äusseren 
und inneren Rande gesägt ist. Die Caudale ist schief abgestutzt, der 
obere Lappen etwas länger als der untere, vor ihr liegen, weder 
hinter der Anale, noch Fettflosse, unpaarige Schildchen. 

In Färbung steht dieseArt dem D. armatulus nahe, die Rücken- 
seite ist braun, der Bauch hell, beide aber dunkelbraun gefleckt, längs 
der Hakenreihe der Seitenschilder eine helle Binde, alle Flossen 
dunkel gefleckt. Die Caudale zeigt an der Basis eine dunkle Vertical- 
binde, hierauf eine breitere lichte, dann wieder eine dunklere. Der 
Saum der Flosse ist gefleckt. 

Alle noch mit Eingeweiden versehenen Individuen erweisen sich 
als Weibchen, deren geschlossene Eiersäcke theils reife und 
grosse, theils noch unentwickelte sehr kleine Eier enthielten. Beide 
Eileiter münden in einen kurzen gemeinsamen Ausführungsgang 
hinter dem After und von der Urethra, von letzterer durch eine 
dünne Hautbrücke getrennt. Die Schwimmblase ist einfach, ohne 
Appendices. 

Noch sehr junge Exemplare von nur 11/, Zoll stimmen bereits 
in allen wesentlichen Punkten mit älteren überein. Die Brustplatten, 
die Sägezähne des Pectoralstachels, die Haupthaken der Seiten- 
schilder sind verhältnissmässig nieht schwächer wie bei Alten ent- 
wickelt, nur die Flächenausdehnung der Lateralschilder ist geringer 
und die Nebenreihen von Häkchen fehlen noch, dagegen sind die 
Zähnchen an der Längsleiste des Humerus schon ausgebildet und das 
aufstehende Subnasalschild grösser, gröber gezähnt; Ventrale und 
Anale noch schwach, die Caudale aber bereits gut entwickelt, ihr 
oberer Lappen deutlich länger, die Fettflosse relativ nicht grösser 
als bei Erwachsenen; ein Porus lateralis fehlt gleichfalls, die Bauch- 
seite ist noch ungefleckt. 


Ichthyologische Beiträge. 123 


Die grössten unter den 11 Spiritus-Exemplaren des kaiserl. 
Museums zeigen nur 41/, Zoll Totallänge. Fundort: Rio branco und 
Guapore. 

4. Art: D, asterifrons Heck. Mserpt. — Taf.Il, Fig. 2. 

Steht der vorigen Art jedenfalls zunächst und stimmt mit ihr 
in vielen Punkten überein, unterscheidet sich aber namentlich durch 
stark aufstehenden oberen Augenrand, schmälere 
und kürzere Brustplatten vorne fein gezähnten Dor- 
salstachel und anders geformte Schwimmblase. 

Die Länge von der Schnauzenspitze bis zur Dorsale ist gleich 
1/; der Totallänge, die grösste Breite vor den Brustflossen kaum 
geringer. Der ganze Helm äusserst rauhkörnig und grubig, längs 
der Mitte eine Kante bildend, die sich hinter der hier grossen Fon- 
tanelle gablig theilt. Die Wangen nackt, die Suborbitalknochen kaum 
als rauhe Linie angedeutet, der Augenring nach vorne nicht geschlos- 
sen, indem das Subnasalschild ziemlich weit vorne liegt; letzteres ist 
breiter und stärker als bei D. affinis, aufstehend und längs seines fast 
horizontal liegenden Randes grob gezähnt. Die Stirn zwischen 
den Augen ist zufolge des aufstehenden oberen Augenrandes concav. 
Die grossen Augen stehen kaum einen Diameter vom Scehnauzen- 
rande, etwas über einen von einander und nicht ganz zwei vom Rande 
des Schultergürtels (hinter welchem die nackte Seitenbucht liegt) ab. 
Der endständige Mund ist im Zwischen- und Unterkiefer bis gegen 
die Mundwinkeln mit schmalen Binden feiner Sammtzähne besetzt. 
Die Eckbarteln reichen bis an das zweite Drittel des Brustflossen- 
stachels, die äusseren halb so weit, die inneren sind noch um die 
Hälfte kürzer. Zahl der Seitenschilder 24—25; ihre Form wie bei 
D. affinis, über jedem Haupthaken liegen an den vorderen Schildern 
fünf, weiter zurück drei und am Schwanzende nur ein Nebenhaken, 
unterhalb auch an den vorderen Schildern blos zwei Nebenreihen, 
von denen die obere zugleich mit derHauptreihe beginnt und bis zum 
vierten letzten Schilde zurückreicht, die untere aber erst über der 
Analgrube anfängt und vor den Stützen der Caudale aufhört. Die 
Brustplatten sind zum Theile überhäutet, ihre nach hinten auslau- 
fende Spitze um die Hälfte kürzer als jene des Humerus, der bis 
über die halbe Länge des Pectoralstachels und bis unter die weichen 
Strahlen der Dorsale zurückreicht. 

D. 1/6, A. 11—12, P. 1/6, V. 7. 


124 Kner. 


Der Stachelstrahl der Dorsale ist fünf- (fast sieben-) kantig, 
nur vorne kurz und fein gezähnt, mit jenem der Pectorale fast gleich 
lang, völlig gerade, und reicht zurückgelegt bis zur kurzen Fett- 
flosse. Der längs gefurchte Pectoralstachel ist säbelförmig gekrümmt, 
nach aussen und innen wie überall mit derben Sägezähnen besetzt, 
seine Spitze reicht bis zur Genitalpapille zurück. Die Anale entspringt 
etwas vor der Fettflosse, die Caudale ist schief abgestutzt und wie 
bei D. affinis der obere Lappen etwas länger; der Rücken hinter der 
Dorsale bis zur Caudale nackt, breit und abgerundet, längs der Mittel- 
linie gefurcht; hinter der Fetiflosse, deren Basislänge grösser als 
ihre Höhe ist, liegt nur ein breites, gefurchtes Schildehen, worauf 
sogleich die zahlreichen Stützdornen der Caudale folgen, ein gleiches 
findet an der Basis des unteren Caudallappens Statt. Ein Porus late- 
ralis fehlt auch hier. 

Die Rückenseite ist dunkel, schwärzlich gefleckt, Kehle weiss- 
lich, Brust und Bauch hell mit braunen Flecken, alle Flossen licht 
mit dunklen Flecken, die zum Theile Querbinden bilden, insbesondere 
erstrecken sich deren 5—6 über den Stachelstrahl der Pectorale. 

Unter 12 Exemplaren, die das kais. Museum in Spiritus aufbe- 
wahrt, sind auffallender Weise 11 davon Männchen. Ihre paarigen 
Hoden reichen bis unter die Spitze der Brustplatten und vereinigen 
sich in einen kurzen, hinter dem Mastdarme verlaufenden gemein- 
samen Ductus, welcher an der hier deutlich durchbohrten kurzen 
Genitalpapille mündet; sie sind von derselben Form wie bei allen 
übrigen Arten, und wie sie Fig. a von D. lipophthalmus zeigt. 
Die Schwimmblase (l. e. Fig. 4) bildet eine Übergangsform zu den 
abgetheilten und endet in ein einfaches Blinddärmehen ohne Appen- 
dices. 

Bei dem Umstande, dass zwischen dieser und der vorigen Art 
in vielen Punkten Übereinstimmung herrscht und alle untersuchten 
Exemplare von D. affinis als Weibchen, hier aber fast alle als 
Männchen sich erweisen, drängt sich die Vermuthung insbesondere 
auf, ob die allerdings bedeutenden Differenzen nicht etwa blos Sexual- 
unterschiede sein könnten, doch darf ihr füglich nicht Raum gegeben 
werden, da das weibliche Unieum von D. asterifrons sich mit Aus- 
nahme der Ovarien durchaus nicht von den Männchen unterscheidet, 
und ich überhaupt, wie früher erwähnt, bei keiner Art von Doras 
äussere Geschlechtsunterschiede auffinden konnte. 


Ichthyologische Beiträge. 125 


Totallänge der grössten Exemplare kaum über 4 Zoll. Fundort: 
Barra do Rio negro und R. Guapore. 

5. Art: D. Heckelii, m. 1) — Taf. II, Fig. 4. 

In Form des Helmes, der Augen, Subnasalschilder, Mundstellung, 
Zahnbildung, wie auch bezüglich der Seitenschilder und einiger anderen 
Punkte steht dieses Unieum dem affinis gleichfalls nahe, ist aber 
auch ein Weibchen, daher nachfolgende Unterschiede nicht als 
sexuale und wohl eben so wenig als Altersverschiedenheiten ange- 
sehen werden können. 

Die Länge von der Schnauzenspitze bis zur Dorsale beträgt 
nahezu 1/; der Totallänge, ist nur wenig grösser als der Abstand des 
Dorsalstachels von der Fettflosse; die grösste Breite zwischen den 
Pectoralen ist gleich i/, der Totallänge, die grösste Höhe bedeutend 
geringer. Die Augenspalte erscheint länglich, indem die Suborbital- 
schilder beiderseits, namentlich aber nach vorne, einen ziemlich 
grossen Ausschnitt bilden; jedoch auch ohne diesen ist der Diameter 
des Bulbus selbst so gross, dass er dem gegenseitigen Abstande 
beider Augen gleicht. Die Entfernung des Auges vom Schnauzen- 
rande beträgt 1?/,, von jenem der nackten Bucht hinter dem Schulter- 
gürtel 21/, solche Durchmesser. Der obere Rand steht nicht auf, die 
ansehnlich grosse Fontanelle reicht fast bis an das Subnasalschild, 
welches $ -förmig, lang gezogen, nach vorne an Breite 
zunimmt und am frei aufstehenden Rande fein gezähnelt ist, die 
übrigen Suborbitalknochen sind rudimentär. — Der Helm ist mehr 
abgerundet als stumpf gekielt zu nennen, der Mund nimmt die ganze 
Breite der allerdings ziemlich schmalen Schnauze ein; Zwischen- 
und Unterkiefer sind mit breiten, sehr feinen Zahnbinden besetzt. 
Die Eckbarteln reichen bis über das erste Drittel des Pectoralstachels, 
die äusseren des Unterkiefers bis an das Ende der Brustplatten, die 
innerennicht völlig bis an das Mittelstück des Brustgürtels, der schmal 
und grösstentheils überhäutet ist. Deekelstücke, Wangen und Seiten 
der Schnauze sind nackt bis zu den Eckbarteln. Die stumpfe Spitze 
des Humerus, dessen grösste Höhe nur 1, seiner Länge 
beträgt, reicht bis hinter das zweite Seitenschild, er ist längs 


1) In Heckel’s Manuscripten ist diese Art als D. Hancocki bestimmt, von der sie sich 
aber schon allein durch A. 12 unterscheidet; meine Angabe über die Forın der 
Schwimmblase 1, e. Fig. 7 bezieht sich daher auf diese Species. 


126 Kner. 


gefurcht und rauh, zeigt aber einen kaum bemerkbaren, nur durch 
etwas stärkere Rauhigkeiten angedeuteten Längskiel. Zahl der Seiten- 
schilder: 29; alle sind derart überhäutet, dass nur die Haupt- und 
Nebenreihen von Haken, welche sich wie bei der vorigen Art vor- 
finden, frei vorragen. Jedes Schild springt aber über und unter dem 
Haupthaken dornartig vor, ist daselbst am breitesten und bildet 
somit den Übergang zu den echten Schmetterlingsschildern, wie 
diese bei anderen Arten vorkommen. Blos die beiden vordersten 
Schilder sind ihrer ganzen Höhe nach gleich schmal, und zwar 
beträgt ihre Breite kaum 1/; der Höhe; das erste vom Helme bis 
zum Humerus reichende ‚Schild zeichnet sich allein durch Mangel 
eines Hakens und blose Rauhigkeit aus. 


D. 1/6, A. 12, P. 1/6, V. €. 20. 


Der Pectoralstachel reicht bis zur Ventrale, der starke und 
völlig gerade Dorsalstachel ist nur am Vorderrande bis nahe 
zur Spitze fein gezähnt, kommt an Länge dem ersten weichen 
Strahle gleich und reicht bis nahe zur ziemlich grossen Fetiflosse 
zurück. Unter den Strahlen der Anale sind der fünfte bis siebente 
die längsten, der erste der kürzeste. Der obere Lappen der schwach 
eingebuchteten Caudale ist länger als der untere. Rücken breit, 
abgerundet, ohne Furche, bis zur Caudale nackt, so auch die ganze 
Unterseite und der Raum zwischen Anale und Caudale. Statt eines 
Porus lateralis sind tiefe Gruben bemerkbar. 

Rücken bräunlich, Unterseite hell gefärbt, die Brust zum Theile, 
der Bauch aber dicht braun gefleckt und fein punktirt, dessgleichen 
die Peetorale, Ventrale, Anale und Caudale, die nackte Haut am Deckel 
und in der Bucht; weniger deutlich Rücken, Seiten, Dorsale und 
Fettflosse, Oberkopf und Helm aber völlig ungefleckt. 

Das einzige in Weingeist aufbewahrte Exemplar stammt aus 
dem R. negro, besitzt 6” 8" Totallänge und erweist sich als Weib- 
chen. Die Schwimmblase ist abgetheilt, ohne Appendices. 


6. Art: D. cataphraetus C. V. 


Die in Heekel’s Manuscript vorläufig als D. polyramma 
bezeichneten Exemplare glaube ich mit Recht als die genannte Art 
anzuerkennen , mindestens stimmen sie in Strahlenzahl, Färbung 
u. s. w. mit dem von Valenciennes aus dem Leydener Museum 


Ichthyologische Beiträge. 1 27. 


beschriebenen völlig überein; und ebenso scheint D. drunescens, 
Sehomb. davon nicht wesentlich verschieden. 

Der Mund ist endständig, die schmalen Zahnbinden des Zwischen- 
und Unterkiefers nehmen fast die ganze Breite der Mundspalte ein; 
alle Barteln sind frei und lang, die Eckbarteln reichen bis zur Spitze 
des Humerus und selbst die inneren und kürzesten noch bis zum 
Brustgürtel. Die Augen sind klein, ihr Abstand von einander beträgt 
21/,—3, vom Schnauzenrande 4, von jenem der Kiemenspalte 6 Dia- 
meter. Stirnfontanelle klein, länglich eirund, das aufstehende Sub- 
nasalschild fein gezähnelt, Stirn und Helm gewölbt, ohne Andeutung 
eines Kieles. Der Humerus trägt eine einfache Längsreihe dünn 
stehender, gerader und grober Dornen, die Brust ist bei beiden 
Geschleehtern nackt, indem die Brustplatten völlig überhäutet sind. 
Die Zahl der Seitenschilder schwankt zwischen 25—28, sie sind 
hohe, aber derart von Haut überdeckte Kammschilder, dass nur die 
fast geraden Haupthaken und Nebendornen am Rande vorragen; 
von letzteren zählt man über der Hakenreihe 6— 3, unter ihr 
4—2. Alle Exemplare zeigen einen grossen Porus lateralis. 


D. 1/4, A. 9, P. 1/4 u. s. w. 


Der Pectoralstachel ist wie immer nach aussen und innen gesägt, 
der Dorsalstachel dreikantig, vorne undan den Seitenkanten 
gezähnt, nach rückwärts aber nicht; die Caudale ist abge- 
rundet, die Fettflosse lässt durchaus keinen Strahl wahrnehmen. 

Grundfarbe bräunlich, längs der Reihe der Haupthaken zieht 
jederseits eine helle Linie und eine gleiche längs der Mitte des 
Rückens bis zur Schwanzflosse. Alle Flossen zeigen auf lichtem 
Grunde bräunliche (nach Valenciennes röthliche) Flecken; die 
Fetiflosse ist weiss gesäumt. | 

Das kais. Museum besitzt Männchen, Weibehen und Junge, die 
aber keine wesentlichen Unterschiede darbieten, nur scheint bei 
Weibchen die Bewaffnung etwas stärker, die Stacheln der Pectorale 
und Dorsale länger, der Deckel rauh, während er bei Männchen 
überhäutet ist; bei ganz jungen sind die Nebenreihen der Dornen 
noch nieht deutlich vortretend. — Die Schwimmblase ist bei Allen 
einfach, fast so breit als lang, und ohne Appendices (siehe |. e. 
Fig. 1. unter dem Namen D. polygramma). 

Fundorte: Rio Guapore und Barra do Rio negro. 


128 Komet, 


7. Art: D. dorsalis C. V. — Guerin, Tab. 52, Fig. 2. 

Es unterliegt wohl kaum einem Zweifel, dass die hier zu beschrei- 
benden Exemplare mit D. dorsalis Val. gleichartig sind, doch schei- 
nen einige nähere Angaben nöthig. — In Hinsicht der breiten Zahn- 
binden im Zwischen- und Unterkiefer, der völlig freien, ungefransten 
Barteln, wie auch des aufstehenden, am Rande gezähnelten Subnasal- 
schildes und der zu einer sehr schmalen Leiste verkümmerten Subor- 
bitalknochen schliesst sich diese Art den vorhergehenden an, nähert 
sich aber bezüglich der Bildung der Augen und des Umstandes, dass 
ein grosser Theil der Seiten-, der Kopfschilder und des Helmes 
überhäutet sind, vielen der folgenden Arten. 

Die Totalgestalt ist gestreckt, die Entfernung vom Schnauzen- 
rande bis zur Dorsale gleich der vom Beginne dieser Flosse bis zur 
Fettflosse und gleich 1/; der Totallänge. Der Kopf ist breit, die 
Schnauze stumpf, die grösste Breite hinter der Kiemenspalte gleich 
der Länge des Kopfes. Die Augen stehen 11/, Diameter vom Schnau- 
zenrande, 21/,—?/, von der nackten Bucht hinter dem Schultergürtel 
und 11/,—?/, von einander entfernt. Mit Ausnahme des oberen, nach 
vorne scharf vortretenden knöchernen Augenrandes und der äusserst 
schmalen Suborbitalleiste ist die Umgebung des Auges nackthäutig, 
die Augenspalte nicht kreisrund, sondern vor- und rückwärts winklig 
ausgezogen. Die Wangen und grossentheils auch die Deckelstücke 
und der Helm sind überhäutet, letzterer namentlich an seinem hinteren 
gegen die Seiten absteigenden Fortsatze. Hinter der sehr grossen 
und langen Fontanelle ist der Helm bis zur Dorsale derart gekielt, 
dass zwei sehr nahe parallele Leisten zwischen sich eine Furche 
lassen. Die nackte Bucht zwischen Schultergürtel, Helm und Seiten- 
schildern ist gross, der Humerusfortsatz aber kurz und schmal, er 
reicht kaum bis unter die Dorsale und über die Hälfte des Brust- 
flossenstachels zurück und endet, allmählich sich verschmälernd, in 
eine einfache scharfe Spitze; seine Oberfläche ist rauh, aber weder 
gefurcht, noch gezähnelt. Die Eckbarteln reichen fast bis zur halben 
Länge des Peetoralstachels zurück, die äusseren Lippenbarteln sind 
kaum halb so lang, die inneren noch mindestens um die Hälfte kürzer. 
Die Zahl der Seitenschilder beträgt 17, wenn das erste verkümmerte 
mitgerechnet wird; das zweite ist von allen das grösste. Die vorderen 
sind echte Schmetterlingsschilder, alle aber nur mit den stark eom- 
pressen und rückwärts gekrümmten Haupthaken besetzt, deren 


Ichthyologische Beiträge. 129 


Grösse an den Schwanzschildern zunimmt. Die in der Medianlinie 
des Rückens liegenden unpaarigen Schildehen, auf welche die Art- 
benennung sich bezieht, sind unverlässlich; während eines unseres 
Exemplare deren allerdings zwischen der Dorsale und Fettflosse und 
beiderseits vor der Basis der Caudale zeigt, erscheint am andern 
Exemplare die ganze Rückenfirste nackt mit kaum punktgrossen 
Andeutungen von Schildchen. 


D. 1/6, A. 14 u. s. w. !) 


Die Stacheln der Pectorale und Dorsale enden in einen Haut- 
lappen, und sind, wie auch Valenciennes bemerkt, mit weniger 
zahlreichen, aber gröberen Zähnen vor- und rückwärts 
besetzt, als andere Arten. Der Pectoralstachel reicht nur bis an 
das Ende der Dorsalbasis zurück. Die Ventrale stehen fast unter der 
Mitte des Raumes zwischen der Dorsale und Fettflosse und reichen 
zurückgelegt bis zur Analgrube, die hier sehr nahe der Anale 
liegt (viel näher als bei anderen Arten, woselbst sie meist der Ven- 
trale genähert ist). Die Fettflosse steht dem hinteren Ende der Anale 
gegenüber; die Caudale ist tief gablig eingeschnitten, gleichlappig ; 
ihre längsten Strahlen kommen dem Stachel der Pectorale und Dor- 
sale fast gleich. — Die ganze Unterseite ist nackt, der Porus late- 
ralis sehr deutlich, dessgleichen der Seitencanal, dessen Mündungen 
mit abwärts laufenden Nebenästen in der nackten Seitenbucht und am 
Kopfe besonders gut sichtbar sind. Die Genitalpapille ist lang, das 
Geschlecht aber unbestimmbar; die Schwimmblase (l. e. Fig. 9) 
abgetheilt, mit zum Theile fingerförmig verästelten Appendices 
behängt. 

Färbung: Rückenseite einfärbig bräunlich, Bauchseite hell 
und so wie alle Flossen ungefleckt. 

Die beiden Exemplare von 7 Totallänge stammen von Parä 
Rio. 


8. Art: D, murica Natt. Mserpt. 


Diese schon von Natterer und Heckel (in deren Manu- 
seripten) als neu betrachtete Art scheint in der That mit keiner 
andern mir bekannten übereinzustimmen, 


1) Guerin’s Abbildung zeigt in der D. 1/5 und in der A. blos 11 Strahlen, doch ist 
sie überhaupt ungenau und wenig brauchbar. 


Sitzb. d. mathem.-naturw. Cl. XVIL Bd. I. Hft. 9 


130 Kner. 


Durch den endständigen Mund, der im Zwischen- und Unter- 
kiefer breite Zahnbinden trägt, freie, ungefranste Barteln, das auf- 
stehende, am Rande gekerbte Subnasalschild und durch die Zähnelung 
des Rücken- und Brustflossenstachels schliesst sie sich den bisher 
betrachteten Arten an; durch die Schmetterlingsform der Seiten- 
schilder mit einfacher Hakenreihe aber zunächst der vorhergehenden 
Species. 

Die Mundbildung erinnert ganz an Silurus glanis; die weite 
Mundspalte nimmt die ganze Breite der abgerundeten Schnauze ein 
und ist in beiden Kinnladen bis zu den Mundwinkeln mit breiten, 
ununterbrochenen Binden von Sammtzähnen fast gleicher Länge 
und Stärke besetzt. Die langen, fadenförmigen Eckbarteln reichen 
bis zur Spitze des Humerusfortsatzes, die vier Unterlippenbarteln 
sind ebenfalls frei, fadenförmig, die äusseren halb so lang als die Eck- 
barteln, die inneren noch um die Hälfte kürzer. DasAugeistkleiner 
als bei allen übrigen Arten, sein Diameter beträgt kaum 1/,; 
der Kopflänge (ohne Helm); es steht 41/, Diameter vom Schnauzen- 
rande, fast 10 von der Kiemenspalte und nahezu 7 vom anderen 
Auge entfernt. Die Suborbitalknochen sind breit, rauh, dessgleichen 
das Subnasalschild, welches langgestreckt, hoch und am aufstehenden 
Rande gekerbt ist. Der Schnauzenrand und die Gegend um die hinteren 
Narinen, die Augen und Wangen sind nackt, die Deckelstücke aber 
rauh beschildert, dessgleichen der ganze Hinterkopf und Helm. Die 
lange und schmale Fontanelle läuft nach vorne in eine Furche aus; 
die mässige Wölbung des Hinterhauptes geht am Helme in einen 
schwachen, stumpfen Kiel über. Die Länge von der Schnauze bis 
zur Dorsale ist 31/,mal in der Totallänge enthalten; der schmale, 
dornähnliche Humerusfortsatz reicht bis hinter das erste Seitenschild 
und endet spitz; der nach den Seiten absteigende Ast des hinteren 
Helmendes ist kurz; Helm, Humerusfortsatz und Seitenschilder 
schliessen sich nicht an einander an, in die nackte Bucht hinter 
dem Schultergürtel bleibt vielmehr ein weiter Eingang über. Die 
Zahl der Seitenschilder beträgt links 28, rechts 27; sie zeigen vom 
vierten angefangen Schmetterlingsform und nehmen so wie die stark 
compressen, rückwärts gekrümmten Haken gegen den Schwanz an 
Grösse derart zu, dass unter der Fettflosse die grössten zu liegen 
kommen; das dritte Seitenschild ist zwar das höchste (indem der über 
dem Haken liegende Theil nach aufwärts stark verlängert ist), aber 


Ichthyologische Beiträge. 131 


schmal und noch nicht von Schmetterlingsform, das erste Schild 
allein ist ohne Haken, aber wie auch alle folgenden rauh und mit 
niederliegenden kurzen Dornen besetzt. 


D. 1/6, A. 12, P. 1/10, V. 1/6, C, 18 (ganze und jederseits 
13 Stützstrahlen). 


| Der Knochenstrahl der Dorsale ist der längste von allen Flos- 
senstrahlen und am vorderen Rande der ganzen Länge nach dicht 
und fein gezähnt, nach hinten nur an seiner oberen Hälfte; der 
flache, aber sehr breite und starke Stachel der Pectorale (deren 
grosse Zahl getheilter Strahlen auffällt) 1) ist dagegen am äusseren 
und inneren Rande stark sägeförmig gezähnt, er wird vom ersten 
getheilten Strahle an Länge übertroffen. Die Ventralen entspringen 
hinter dem Ende der Dorsalbasis unter dem neunten und zehnten 
Seitenschilde und sind die kleinsten aller Flossen. Die Anale ist 
stark entwickelt, ihr erster Strahl äusserst kurz, der fünfte bis neunte 
sind die längsten und fast gleichlang mit jenen der Ventrale. Caudale 
halbmondförmig eingeschnitten, gleichlappig, ihre längsten Strahlen 
erreichen aber nicht Kopflänge. Die Fettflosse ist mässig gross, 
rautenförmig, der breite, abgerundete Rücken völlig nackt, eben so 
die ganze Unterseite; die Analgrube liegt auch hier näher der After- 
als Bauchflossen. — Bemerkenswerth ist die eigenthümliche Ver- 
diekung und Verknöcherung der gegliederten Strahlen, die besonders 
bei der Caudale, zum Theile auch bei der Anale, weniger aber bei 
den Ventr. und der Dors., dagegen gar nicht bei den Pect. stattfindet. 
Sie werden nämlich mitunter zu dieken soliden Knochen, die nur 
gegen die Spitze noch Theilung und Gliederung wahrnehmen lassen. 
Dieselbe Verknöcherung findet sich auch bei mehreren anderen 
Arten, jedoch nirgends sonst ist mir eine ähnliche Ossifications- 
tendenz weicher Gliederstrahlen bekannt. — Übrigens zeigt auch 
die nacktscheinende Haut hier Neigung zur Ablagerung von Knochen- 
kernen; in die Haut des ganzen Rückens und der Seiten sind nämlich 
ziemlich dicht und regulär längliche kleine und dünne Knochenkerne 


1) Während die Strahlenzahl der Brustflossen gewöhnlich innerhalb einer Gattung wenig 
differirt, zeigt sie bei Doras im Gegentheile je nach den Arten bedeutende Unter- 
schiede, namentlich grössere als die Dorsale, welche doch sonst durehschnittlich für 
die Charakteristik brauchbarer sich erweist. 


9* 


132 Kner. 


eingesenkt, als ob kurze Stacheln unter der Haut lägen, und durch 
welche sie mit länglichen Unebenheiten warzig besetzt erscheint !). 

Über die Färbung im frischen Zustande fehlen in Natterer’s 
Notizen alle Angaben, an dem getrockneten Exemplare ist nur zu 
erkennen, dass Rücken und Seiten mit äusserst feinen schwarzen 
Punkten sparsam besäet sind, deren aber an allen Flossen fehlen; 
sämmtliche Knochenschilder und Flossenstrahlen erscheinen weiss- 
lich. 

Das von Natterer gesammelte Exemplar misst 20” Totallänge, 
stammt von Cujaba, wird von ihm mit dem Provinzialnamen Botoado 
und überdies als Männchen bezeichnet. 


9. Art: D. lithogaster Heck. Mserpt. 


Diese ausgezeichnete Art vertritt unter den Doraden die Gruppe 
der völlig gepanzerten, welche bei den Hypostomiden so zahlreich 
repräsentirt wird, ganz allein. Sie dürfte zwar, wie Heckel sich zu 
erinnern glaubt, bereits bekannt und beschrieben sein, da wir sie 
jedoch nirgends auflinden können, so behalte ich vorläufig obige 
jedenfalls gut gewählte Artbenennung bei. Während sie durch ihre 
dichte Bedeckung mit dicken Knochenschildern einzig 
dasteht, schliesst sie sich durch endständigen Mund mit breiten 
Zahnbinden oben und unten, und freie, ungefranste Barteln den echten 
Dorasarten und zwar zunächst der vorhergehenden an. Inwieferne 
diese complete Beschilderung als Artunterschied mit Verlässlichkeit 
anzusehen ist, lässt sich beim Mangel genügender Erfahrungen über 
diese Fische und nach dem in einer früheren Note Gesagten im 
Voraus wohl nicht angeben. 

Der Mund nimmt die ganze Breite der halbkreisrunden Schnauze 
ein, der Zwischenkiefer trägt eine breitere, der Unterkiefer eine 
schmälere Binde grober Sammtzähne; die Eckbarteln reichen kaum 
bis zum Deckel zurück, die äusseren Kinnbarteln sind noch um die 
Hälfte kürzer, jedoch länger als die inneren. Das Auge ist mässig 
klein, 3 Diameter vom Schnauzenrande, 41/, vom andern Auge und 
etwas über 5 von der Kiemenspalte entfernt und beiläufig 8‘/,mal in 
der Kopflänge enthalten. Die Suborbitalschilder bilden einen breiten 


1) Ähnliches findet auch bei der Gattung Cottus Statt, an welche namentlich die 
kleinen Doras-Arten überhaupt mehrfach erinnern, als wären sie die Stellvertreter 
Jener Gattung in Südamerika. 


Ichthyologische Beiträge. 133 


Knochenring, und das vorderste oder Subnasalschild, welches durch 
eine Hautbrücke von den hinteren getrennt ist, ist besonders gross 
und stark gewölbt, am Rande aber nicht gezähnelt. Die lange und 
ziemlich breite Stirnfontanelle wird rings von sehr rauhen Schildern 
umgrenzt. Stirn und Hinterhaupt sind flach, erst der Helm erhebt 
sich bis zur Dorsale und bildet einen stumpfen Kiel. Die Länge von 
der Schnauze bis zur Dorsale beträgt nahezu 1/, der Totallänge, jene 
des Kopfes bis zur Kiemenspalte ist aber 41/, bis 5mal in der Kör- 
perlänge enthalten. — Mit Ausnahme des rauhen Deckels sind übri- 
gens die Seiten des Kopfes, so wie Kehle und Brust nackt, doeh ent- 
hält auch hier die Haut mehr weniger zahlreiche Knochenkerne von 
länglicher Form eingesenkt, die oberflächlich als rauhe Längslinien 
vortreten. Kiemenstrahlen zähle ich jederseits 7, von denen der 
innerste sehr kurz ist. Der kurze und schmale Humerusfortsatz 
reicht nur bis zur halben Länge des Pectoralstachels, ist rauh, aber 
weder gefurcht, noch gekielt und endet in eine rundliche Spitze. 
Längs des Seitencanals zählt man nur eine Reihe von 16—17 Schil- 
dern, die erst am Schwanze deutliche Schmetterlingsform annehmen; 
das zweite derselben ist das höchste und schliesst sich oben unmit- 
telbar an ein grosses Schild an, welches beiderseits längs der Dorsal- 
basis liegt. Die 3—4 ersten Schilder sind nur gekielt, erst vom 
. vierten oder fünften angefangen erheben sich die Kiele zu Dornen, die 
gegen das Schwanzende am grössten werden und sich durch Dicke 
und eigenthümlich faserige Structur vor allen Dornen und Haken 
anderer Dorasarten auszeichnen, indem sie dadurch wie gefranst 
oder gefiedert erscheinen. Den Rücken hält eine mediane Reihe 
starker, erhabener und stumpf gekielter Schilder vom Ende der 
Dorsale bis zur Caudale besetzt, deren Zahl jedoch zwischen 8 und 
11 schwankt. Eines derselben, das gegenüber der Anale liegt, 
erhebt sich über die anderen und lässt in der Furche seines nach 
hinten steil abfallenden Kieles die Fettflosse erkennen, deren Haut 
sich (bei einem Exemplare) auch noch in einer tiefen Furche des 
folgenden Schildes fortsetzt. Hinter der Fettflosse liegen noch drei 
mediane Schilder, die sich unmittelbar an die Stützen der Caudale 
anreihen. Den Raum zwischen den unpaaren Rücken- und Seiten- 
schildern nehmen kleinere, irreguläre, schuppenförmige Knochen- 
platten ein, ähnliche schieben sich zwischen die unteren Flügeln 
der Seitenschilder und bis an den Fortsatz des Humerus ein, 


134 Kner. 


und ebenso halten deren die ganze Unterseite von der Gegend 
zwischen der Brustflossenbasis angefangen bedeckt. Sie sind meist 
länglich, aber irregulär und ungleich gross, gegen die Mitte des 
Bauches oft verdickt erhoben und der Länge nach fast gekielt. Die 
Mitte des Bauches nehmen grössere, zum Theile unpaare Schilder 
ein, und namentlich liegt ein solches, nach hinten spitz endendes vor 
der Analgrube, deren nächste Umgebung allein nackt ist und die sehr 
nahe vor der Anale sich befindet. Zwischen letzterer und der 
Schwanzflosse liegt wieder eine mittlere Reihe von drei grossen 
stumpf gekielten Schildern. Endlich sind in der nackten Bucht 
zwischen Helm und Humerus mehrere kleine Schildehen inselförmig 
zerstreut. — Ein Porus lateralis fehlt; kleinere Knochenschilder 
reichen unmittelbar und ganz in den Winkel zwischen Humerus und 
Pectoralbasis derart hinein, dass keine nackte Stelle frei bleibt. 
D,.1/6, A. 13, P. 1/8, V.-1/6, C. 17. 

Der Knochenstrahl der Pectorale und Dorsale ist vor- und rück- 
wärts grob und stumpf gezähnt, ersterer, der längste aller Flossen- 
strahlen, aber mit dem ersten getheilten gleichlang. Die Dorsale 
beginnt über dem Ende des Humerusfortsatzes; die Anale enthält 
neun getheilte weiche Strahlen und vier ungetheilte, von denen der letzte 
der längste und stärkste ist; die Ventralen sind die kürzesten von 
allen Flossen, reichen lange nicht bis zur Analgrube zurück und 
stehen der Mitte des Raumes zwischen Dorsale und Fettflosse gegen- 
über; die Caudale ist kurzstrahlig, kaum eingeschnitten und gleich- 
lappig. Die Verknöcherung der getheilten Strahlen der Caudale und | 
Anale ist beinahe so stark wie bei der vorigen Art. 

Über die Färbung lässt sich nach unseren trockenen Exemplaren 
nur angeben, dass an der dunkleren Rückenseite hie und da mehr 
minder grosse schwärzliche Flecken bemerkbar sind, die Bauchseite 
aber weisslich und wie auch alle Flossen ungefleckt erscheint. 

Natterer gibt als Provinzialnamen Vacu an und bezeichnet 
beide Exemplare als Weibehen. — Fundort: Forte do Rio branco. 
Totallänge 34 und 35 1%, Zoll. 


10. Art: D. fimbriatus, m. — Taf. III, Fig. 5. 
Corydoras loricatus, Heek im Mserpt. 


Diese Art vermittelt die echten Doras-Arten mit den nachfol- 
genden; sie hat mit jenen den Totalhabitus, die Zahnbinden in 


* 


Ichthyologische Beiträge, 135 


Zwisehen- und Unterkiefer und die kreisrunden Augen, mit letzteren 
die in ein kurzes Segel verwachsenen Kinnbarteln, welche so wie 
die freien Eckbarteln gefiedert sind, und die halb unterständige 
kleine Mundspalte gemein. Da aber die Verwandtschaft mit den vor- 
hergehenden Doraden noch stärker vortritt als mit den folgenden, so 
dürfte sie ihnen anzureihen sein. 

Die Schnauze ist stumpfspitzig, der Umkreis fast parabolisch 
und bis zu den Deckelstücken nackt, die längliche Stirnfontanelle geht 
in die nackte Schnauze über, die Suborbitalknochen sind völlig ver- 
kümmert und auch ein aufstehendes, gezähneltes Subnasalschild 
fehlt. Die Augen sind gross, ihr Durchmesser ist A41/,mal in der 
Kopflänge enthalten, ihr gegenseitiger Abstand beträgt 1/,, jener 
vom Schnauzenrande 11/, Diameter. Der obere Augenrand steht nicht 
auf. Bei der Enge der Mundspalte bleibt im Zwischen- und Unter- 
kiefer nur wenig Raum für die überdies nicht gedrängt stehenden 
äusserst feinen Zähnchen. Das Hinterhaupt erhebt sich gegen den 
Helm zu bedeutend, letzterer erscheint beiderseits stark abgedacht 
und dadurch in der Mitte fast gekielt. Die gefransten oder vielmehr 
halb gefiederten Eckbarteln reichen bis hinter die Peetoralbasis 
zurück, die vier des Unterkiefers sind kurz, aber fast gleichlang und 
an ihrer Basis in ein kurzes Lippensegel verwachsen. Der Fortsatz 
des Humerus läuft nicht in eine Spitze aus, sondern wird nach hinten 
fast noch breiter (höher), endet abgerundet, und zwar wegen der 
grossen Ausdehnung des ersten Lateralschildes vor diesem. Die 
Zahl der Seitenschilder beträgt 29—30, sie sind sämmtlich hohe, 
am Rande dünn gezähnelte Kammschilder mit einfacher Hauptreihe 
von Dornen längs des Seitencanals, der sich hier vom Schulter- 
gürtel bis zur Schwanzflosse deutlich verfolgen lässt. Das erste 
Seitenschild ist das grösste von allen, sowohl was Höhe als Breite 
betrifft, namentlich verbreitert sich seine unterhalb der Seitenlinie 
liegende Hälfte derart, dass es bis an das Ende des Humerus und an 
die Brustplatten angrenzt, die hier von der Brust unter einem Winkel 
(eine scharfe Kante bildend) sich nach aufwärts an die Seiten fort- 
setzen; nach oben stösst das erste Seitenschild ebenfalls bis an den 
Helm. Nächst dem ersten ist die untere Hälfte des zweiten Lateral- 
schildes am längsten und breitesten, vom dritten angefangen nimmt 
die Breite und Höhe der Seitenschilder gleichmässig bis zur Schwanz- 
flosse ab; beikeiner anderen Art reichenaberdiebeiden 


136 Kner. 


ersten Seitenschilder so weit an die Bauchfläche 
hinab und sind so breit wie hier. Der abgerundete Rücken 
zwischen der Dorsale und Fettflosse ist nackt; vor den Stützstrahlen 
der Caudale liegt oben und unten nur ein grosses, breites Schild- 
chen; die ganze Bauchseite ist mit Ausnahme der breiten, halbmond- 
förmig nach rückwärts gebogenen Brustplatten nackt; ein Paar Exem- 
plare zeigen einen wirklichen Porus lateralis, die anderen nur eine 
tiefe Grube daselbst; die Analgrube liegt nahe den Bauchflossen. 
D.1/6,. BD 1/8 NER AIR 

Der Knochenstrahl der Dorsale und Peectorale ist beiderseits 
gezähnt, ersterer wird noch von einem spitzen Hautlappen überragt 
und reicht zurückgelegt nicht bis zur Fettflosse; der bei allen 
Exemplaren gleichlange und starke Brustflossenstachel reicht bis über 
die Basis der Ventrale hinaus, letztere reichen nicht bis zur Anale 
zurück, diese aber bis an die Basis der Caudale, welche tief gablig 
eingeschnitten und gleichlappig ist. 

Färbung, Rücken, Seiten, Hinterbauch und Unterseite des 
Schwanzes nebst allen Flossen braun mit schwärzlichen Flecken und 
Punkten, dessgleichen die Eckbarteln schwärzlich, die Lippenbarteln 
heller, Kehle, Brust und Vorderbauch weisslich. 

Zwei auf ihr Geschlecht untersuchte Individuen erwiesen sich 
als Weibchen mit unreifen Eiersäcken, die Schwimmblase ist einfach, 
kurz und breit, rings mit zahlreichen seitlichen Appendices behängt, 
die von fettähnlicher Masse umhüllt sind; siehe l. c. Fig. 2. 

Das kaiserliche Museum bewahrt vier Exemplare in Spiritus von 
4%, bis gegen 5 Zoll Totallänge, sie stammen aus dem Rio Guapore. 


11. Art: D. punctatus, m. — Taf. VI, Fig. 10. 

Corydoras brevis Heck. Msept. 

Gleichfalls ein Übergangsglied mit halb unterständigem Mund, 
Zähnen in beiden Kiefern, halb gefiederten Eck- und in ein kurzes 
Segel verwachsenen Lippenbarteln. 

Die grösste Höhe vor der Dorsale übertrifft kaum die grösste 
Breite zwischen der Pectoral-Basis, und letztere kommt der Länge 
des Kopfes (bis zur Kiemenspalte) fast gleich; der Umkreis der 
Schnauze ist stumpf parabolisch, das Auge gross, fast kreisrund, 
Jedoch nur in seiner oberen Hälfte halbkreisförmig von rauhen Kopf- 
schildern begrenzt, indem die verkümmerten Suborbitalschilder über- 


Ichthyologische Beiträge. 1 31 


häutet und wie die ganze Schnauze bis zu den hinteren Narinen und 
seitlich bis zu den Deckelstücken nackt erscheinen. Der Diameter 
der Augen ist kaum über vier Mal in der Kopflänge enthalten, ihr Ab- 
stand vom Schnauzenrande beträgt nicht ganze 2, von der vorderen 
Narine 1, von der Kiemenspalte 1:/, , ihr gegenseitiger 1%, Dia- 
meter. Die Stirne zwischen den Augen ist daher breit und zugleich 
flach, erst vom Hinterhaupt erhebt sich der Helm bis zur Dorsale 
ansteigend und einen sehr stumpfen Kiel bildend. Die lange Fonta- 
nelle geht nach vorne in die nackte Schnauzenhaut über, welche auch 
das Subnasalschild überkleidet. — Die Mundspalte nimmt fast die 
ganze Breite der allerdings schmalen Schnauze ein und wird rings 
von fleischigen Lippen umgeben , der Unterkiefer wird von dem 
oberen ziemlich weit überragt und daher der Mund halb unterständig; 
die Eckbarteln reichen niemals bis zur Kiemenspalte, sind meist viel 
kürzer und seitwärts mit 3—4 Nebenästen behängt (halb gefranst); 
die Unterlippe bildet ein kurzes papillöses Segel, von welchem die 
kurzen aber fast gleich langen Lippenbarteln sich loslösen , deren 
Länge und Zahl übrigens variabel ist (allermeist zwar A, öfters 
jedoch 5—6). Der fast rudimentäre Zwischenkiefer trägt wenige, 
äusserst kleine kaum spür- und sichtbare Zähnchen, die leicht völlig 
übersehen werden könen, die des Unterkiefers bilden jedoch stäts 
eine deutliche schmale Binde. | 

Der Humerusfortsatz endet vor dem ersten Seitenschilde unter 
dem Beginn der Dorsale breit und schief abgestutzt, und bildet an 
seinem unteren Rande eine nicht gezähnelte Längsleiste. — Die Zahl 
der Seitenschilder beträgt 28—29, sie sind schwach, niedrig und 
mit Ausnahme der beiden ersten fast alle gleich hoch und breit, 
jedoch nehmen die sehr compressen Hauptdornen gegen den Schwanz 
an Grösse zu, die Ränder aller sind mit geraden Zähnchen dünn 
besetzt. Das erste Seitenschild ist zwar das höchste, aber so schmal 
und zufolge des unter ihm breit endenden Humerusfortsatzes über 
der folgenden Reihe gestellt, so dass auch sein kleiner Hauptdorn 
bedeutend höher liegt. Wegen der Kleinheit der Seitenschilder bleibt 
übrigens der grösste Theil der Seiten über und unter ihnen nackt. — 
Die Brustplatten sind an ihrer Nathverbindung überhäutet, ihre 
breiten, nach hinten gerichteten Hörner liegen aber frei und reichen 
mit stumpfer Spitze genau bis unter das Ende des Humerusfortsatzes. 

D.1/6, P. 1/7, V.1/6, A. 13. 


138 Kner. 


Die Dorsale entspringt vor halber Körperlänge, ihr Stachel- 
strahl ist stets kürzer als jener der Peetorale, der etwas über die 
Basis der Ventrale zurückreicht ; beide Stacheln sind übrigens vor 
und rückwärts gesägt. Die Ventrale entspringen unter dem Ende der 
Dorsale, die Analgrube liegt unmittelbar zwischen und hinter ihrer 
Basis, somit weit von der Anale entfernt, jedoch bereits hinter halber 
Totallänge; die Anale reicht bis an die ersten Stützstrahlen der Cau- 
dale zurück, ihren ersten Strahlen gegenüber steht die kleine Fett- 
flosse; die Caudale ist kurzstrahlig , schwach eingebuchtet , die 
beiden gleichlangen Lappen abgerundet; der ziemlich breite Rücken 
zwischen Dorsale und Fettflosse nackt, unpaare Schildehen an der 
Basis der Caudale fehlen , oder vielmehr sie nehmen sogleich die 
Form von Stützstrahlen an. — Ein Porus lateralis fehlt. 

Färbung. Rückenseite bräunlich, die ganze Unterseite weiss- 
lich und ungefleckt, jene aber und namentlich die Seiten bis unter 
die Lateralschilder mit schwärzlichen Flecken oder Punkten geziert, 
dessgleichen alle Flossen mit Ausnahme der Ventrale und Anale. 

Das kaiserliche Museum besitzt 17 Exemplare, darunter die 
meisten in Spiritus aufbewahrt, von 3—5 Zoll Totallänge, aus Mato- 
grosso und Rio Guapore. Alle, die ich noch auf ihr Geschlecht unter- 
suchen konnte, erwiesen sich als Weibehen. — Die Schwimm- 
blase lauft rückwärts in zwei nach vorne umgebogene Hörnchen aus 
und ist ohne Appendices; siehe 1. ce. Fig. 5. 


12. Art: D. brevis, m. — Taf. VI, Fig. 11. 


Corydoras brevis, Heck im Msrept. 


Diese auffallend kurze und hohe Art schliesst sich der folgenden 
Gruppe durch völligen Mangel an Zähnen im Zwischenkiefer noch 
näher an und wäre unbedenklich ihr beizuzählen, wenn sie nicht die 
kurze und stumpfe Schnauze noch den vorhergehenden Arten nahe 
brächte. 

Die Totalgestalt ist sehr gedrungen, indem das Ende des Helmes 
fast bis zur halben Körperlänge zurückreicht, die grösste Höhe 
daselbst übertrifft auch etwas eine Kopflänge, bis zur Kiemenspalte 
gerechnet, die Breite an dieser ist hingegen fast um ein Drittel 
geringer. Das sehr grosse Auge ist fast kreisrund, der Höhendurch- 
messer, kaum kürzer als der quere, und beträgt nahezu ein Drittel 
der Kopflänge; das Auge steht vom Schnauzenrande weniger als 


Ichthyologische Beiträge. 139 


anderthalb, vom hinteren Scapularrande einen Diameter und eben so 
weit vom anderen Auge entfernt, die Suborbitalknochen sind ver- 
kümmertundüberhäutet, dessgleichen die schmale, rundliche Schnauze 
bis hinter die Narinen und die Wangen bis zum Deckel nackt, das 
kleine Subnasalschild ist nicht aufstehend, die Stirne zwischen den 
Augen flach, die lange und schmale Fontanelle nach vorne geschlossen, 
hinter ihr erhebt sich der Helm in einen ziemlich scharfen Kiel. Der 
vom hinteren Ende des Helmes abwärts steigende Ast reicht mit 
seiner Spitze an die Seiten herab und legt sich an das hinter ihm 
hinaufreichende erste Lateralschild an. Die ziemlich kleine Mund- 
spalte ist halb unterständig, im rudimentären Zwischenkiefer fehlt 
jede Spur von Zähnen und selbst im Unterkiefer bilden sie nur eine 
schmale Linie und sind öfters kaum sichtbar. Die Unterlippe verlän- 
gert sich in ein ziemlich grosses Segel, das mit vier kurzen durch 
Papillen zottigen Barteln besetzt ist, auch die Eckbarteln sind relativ 
kurz und halbgefiedert oder gefranst. 

Der Humerusfortsatz ist ziemlich breit, nach unten gekielt und 
schief von vorne nach rückwärts abgestutzt, so dass er unter dem 
ersten Lateralschilde mit schwach gezähnter Spitze endet. Die Zahl 
der Seitenschilder beträgt 29— 30, ihre Höhe nimmt gleichmässig 
gegen die Schwanzflosse ab, ist jedoch auch vorne nicht bedeutend, 
mit Ausnahme des ersten, dessen oberer Flügel bis an den Helmfort- 
satz stösst und zugleich der breiteste von allen ist; ausser der Haupt- 
reihe von Dornen, die alle fast gleich gross, stark, eompress und 
nach rückwärts gekrümmt sind, zeigt noch jedes Seitenschild am 
Rande vorragende Nebenreihen kurzer Dornen und zwar je nach der 
abnehmenden Höhe der Schilder beiderseits des Haupthakens vier, 
drei, zuletzt zwei und am Ende des Schwanzes fehlen die Neben- 
reihen gänzlich. In der grossen nackten Bucht zwischen Helm und 
Schultergürtel liegen inselförmig zwei rudimentäre Schildchen, jedoch 
bedeutend höher als die Reihe der Seitenschilder. Bei der unbedeu- 
tenden Höhe der letzteren bleibt der grösste Theil der Seiten des 
Rumpfes und Schwanzes nackt und ebenso fehlen auch unpaare 
Schildehen am Rücken und zwischen After- und Schwanzflosse, dess- 
gleichen erscheint die Mitte der Brust (wie der ganze Bauch) nackt, 
da die schmalen Brustplatten blos an ihrem hinteren, kaum über die 
Basis der Peetorale zurückreichenden Ende nicht von Haut überdeckt 
sind; ein Porus lateralis ist nicht wahrzunehmen. 


D. 1/6, P. 1/7, V.7, A. 13—1A. 


140 Kner. 


Die Dorsale entspringt fast in halber. Körperlänge, ihr Stachel- 
strahl ist wie jener der Peetorale vor- und rückwärts gesägt und von 
auffallender Länge, indem er bis über den Beginn der Fettflosse 
zurückreicht und mit dem Peetoralstachel gleiche Länge besitzt. 
letzterer reicht zurückgelegt über die Basis der Ventrale hinaus bis zur 
Analgrube, die am Ende des zweiten Drittels der Körperlänge und 
weit vor der Anale liegt. Die Fettflosse ist hier bedeutend 
gross, indem sie der Anale gegenüber entspringt, mit dieser eine 
fast gleich lange Basis hat und auch nur wenig niederer ist; auch 
die Caudale scheint stäts stark entwickelt, tief gablig eingeschnitten 
und gleichlappig zu sein, doch sind die Spitzen der Strahlen bei 
allen Exemplaren abgebrochen. 

Färbung. Rückenseite gleichmässig röthliehbraun ungefleckt, 
Bauchseite hell weisslich, alle Flossen ungefleckt, nur die weichen 
Strahlen der Pectorale, Ventrale und Anale dunkler gefärbt, Dorsale, 
Caudale und Fettflosse meist ganz hell. 

Das kaiserliche Museum besitzt 8 Exemplare in Spiritus, zwi- 
schen 4—5 Zoll Totallänge, von Natterer in Barra do Rio negro 
gesammelt; alle, bei denen sich noch das Geschlecht ermitteln lässt, 
erweisen sich als Weibchen. — Die Schwimmblase läuft wie bei 
der vorigen Art in zwei Hörnchen aus, ist aber mit Appendices 
behängt,, welche von fettähnlicher Masse umhüllt sind; siehe l. ce. 
Fig. 8 (im Texte fälschlich Fig. 6). 


13. Art: D. humeralis, m. — Taf. IV, Fig. 6. 


Corydoras humeralis Heck. Mserpt. 


Diese Art zeichnet sich schon durch ihr eigenthümliches Profil 
aus, der Umriss des Kopfes bildet nämlich sowohl in horizontaler, 
wie verticaler Ansicht einen fast gleichen, ziemlich schmalen Spitz- 
bogen, indem die grösste Höhe vor der Dorsale der grössten Breite 
gleich kömmt und das Profil der stumpfspitzigen Schnauze nur bis 
hinter die Augen bogenförmig ansteigt, dann aber bis zur Dorsale fast 
geradlinig verläuft. Die Seiten der Schnauze gehen mit abgerundeter 
Kante in die Kehlfläche über. — Die grösste Höhe (und Breite) 
beträgt '/, der Totallänge, die Entfernung des Dorsalstachels von der 
Schnauzenspitze nahezu 1/, derselben. Das Auge ist gross, fast 
kreisrund, sein Durchmesser beträgt %/, der Kopflänge (bis zur Kie- 
menspalte gerechnet), der gegenseitige Abstand kaum 1'/,, jener 


Ichthyologische Beiträge. 141 


vom Schnauzenrande 2Diameter. Die überhäuteten Suborbitalknochen 
bilden nur eine sehr schmale Leiste; Wangen und Schnauze bis hin- 
ter die Narinen sind nackt, ein freies Subnasalschild fehlt, die vor- 
dere Narine ist eben so weit von der hinteren, wie diese vom Auge 
entfernt, jeneliegt aber dem Schnauzenrande ziemlich nahe, dieoberen 
Augenschilder stehen nicht auf, die Stirnfontanelle verlängert sich nach 
hinten in eine bis ans Ende des Hinterhauptes reichende Furche; 
von ihrem Ende setzt sich der Helm mit stumpfem Kiele fort. Bei- 
derseits dieses Kieles bemerkt man hier noch eine kleinere ovale 
Fontanelle, die bei keiner früheren Art vorkömmt. — Die halb unter- 
ständige Mundspalte ist enge, der Zwischenkiefer zahnlos, der schmale 
Unterkiefer trägt feine, aber sehr wenige Zähnchen. Die halbgefie- 
derten oder gefransten Eckbarteln reichen bis unter das Auge, die 
vier gleichlangen und durch Wärzchen zottig aussehenden Barteln der 
Unterlippe sind an ihrer Basis in ein kurzes Segel verwachsen. Der 
Humerusfortsatz verbreitert sich derart, dass seine grösste Höhe der 
halben Länge desselben gleichkommt; fast pflugscharförmig endet er 
mitstumpfer Spitze unter dem ersten Seitenschilde, dieKörperhaut unter 
ihm und hinter der Basis der Pectorale zeigt zwar keinen einfachen 
Porus lateralis, ist aber siebartig von zahlreichen, nur äusserst dünn 
überhäuteten Löchern durchbohrt (eribrum pectorale). — Die Zahl 
der Seitenschilder beträgt 32; das erste, obenan den absteigenden Ast 
desHelmes, unten an den Humerusfortsatz anstossende ist das höchste, 
aber in seinem Mittelstücke zugleich das schmalste und ohne Haken, 
alle folgenden sind schief gestellte mässig hohe und schmale Kamm- 
schilder mit schwachem Hauptdorne und mehreren Nebenreihen am 
Rande vorstehender Spitzen; ihreHöhe (die kaum 1/, der Körperhöhe 
hinter der Dorsale beträgt) bleibt sich bis unter die Fettflosse ziem- 
lich gleich, nimmt aber dann bis zum letzten am Schwanzende rasch 
ab, dagegen werden daselbt die Hauptdornen absolut länger und 
stärker. — Die nackte Bucht zwischen Humerus und Helm ist schief 
herzförmig, in ihr liegen 2—3 rudimentäre Schildehen oder viel- 
mehr blosse Knochenkerne. Der ziemlich schmale Rücken und die 
ganze Untenseite sind nackt, da die Brustplatten ganz von Haut über- 
deckt sind. 
91/6, Pe1/SeNa "Ar ac. 

Der Knochenstrahl der Dorsale und Pectorale ist vor- und rückwärts 

gezähnelt, beide fast gerade und gleichlang, erstere reicht lange nicht 


142 :Kner. 


bis zur Fettflosse zurück, lezterer aber bis an die Basis der Ventrale und 
ist beinahe nochmals so lang als der Humerusfortsatz, die Fettflosse 
steht der mässig entwickelten Anale gegenüber und ist gleich hoch 
als lang; am wenigsten ausgebildet sind die Ventr., die kaum über die 
nahe hinter ihnen (im Beginne des letzten Drittels der Körperlänge) 
liegende Analgrube zurückreichen; die Caudale ist gleichlappig, tief 
eingeschnitten. 

"ärbung: Rücken und Seiten röthlich braun, einfärbig, Bauch- 
seite weisslich, der ganze Fisch sammt Flossen ohne Flecken und 
Punkte. 

Die beiden Spiritus-Exemplare des kaiserlichen Museums von 
5” Totallänge stammen aus Barra do Rio negro und sind Weibchen; 
bei einem derselben füllen die grossen Eisäcke den grössten Theil 
der Bauchhöhle aus. — Die Schwimmblase ähnelt jener von D. (lori- 
catus) fimbriatus, ist nicht abgetheilt, aber länglieher und rings mit 
zahlreicheren und längeren Appendices behängt, als bei irgend einer 
Art; sie münden theils einzeln in die Blase, theils mittelst diekerer 
Stämme, die sich dann dendritisch verzweigen. 


14. Art: D. (Oxydoras) stenopeltis, m. — Taf. IV, Fig. 7. 
Corydoras stenopeltis, Heck. Mserpt. 
Mit dieser Art beginnt eigentlich die Reihe jener Doraden, die 
auch Valenciennes als eigene Gruppe hervorhebt, welche sich 
durch konisch verlängerte und nicht niedergedrückte Schnauze 
(nebstbei durch Mangel von Zähnen im Zwischenkiefer) auszeichnet, 
aber bei ihm nur die beiden Arten D. carinatus und niger umfasst. 
Die Totalgestalt erscheint gestreckt, da die grösste Höhe am 
Hinterhaupt nur der Breite vor den Brustflossen gleichkommt und die 
konisch zugespitzte Schnauze nur bis zwischen die Augen rasch auf- 
steigt, von da an aber der Helm bis zur Dorsale nur wenig mehr sich 
erhebt. Die Kopflänge (bis zur Kiemenspalte) beträgt etwas über 1/, 
der Körperlänge, der Abstand der Schnauzenspitze von der Dorsale 
aber 1/; der Totallänge ; der Durchmesser der grossen fast kreis- 
runden Augen ist = '/, der Kopflänge (bis zur Kiemenspalte), ihr 
Abstand von einander etwas mehr als !/,, von der Schnauzenspitze 
11/, Diameter. Die Seiten des Kopfes sind bis zum Deckel und die 
Schnauze bis zwischen den Augen nackt, die Suborbitalknochen bil- 
den nur eine sehr schmale rauhe Leiste, ein aufstehendes Subnasal- 


Ichthyologische Beiträge. 143 


schild fehlt ; die hintere grössere Narine liegt nahe dem Auge, die 
vordere gleich weit von diesem wie von der Schnauzenspitze ent- 
fernt. Die längliehe Stirnfontanelle wird seitlich von parallelen Lei- 
‚sten begrenzt, die gegen das Hinterhaupt convergiren und zwischen 
sich eine bis zur Dorsale sich hinziehende schmale Furche lassen. 
Jederseits des durch diese Furche getheilten stumpfen Kieles ist an 
der abgedachten Seitenfläche des Helmes noch wie bei der vorigen 
Art eine längliche Seitenfontanelle siehtbar. Der halb unterständige. 
Mund ist klein; bei zwei Exemplaren sind Zwischen- und Unter- 
kiefer völlig zahnlos, bei einem dritten aber wenige spitzige Zähnchen 
nur in ersterem sichtbar. 

Die an der Aussenseite gefiederten Eckbarteln reichen bis 
hinter die Brusiflossenbasis, die vier gleiehlangen Unterlippenbarteln 
sind kurz, durch Papillen zottig und an der Basis verwachsen. Der 
absteigende Ast des Helmes ist kurz, da das erste Seitenschild weit 
hinaufreicht, der ebenfalls nicht bedeutend entwickelte Humerus- 
fortsatz endet unter dem 1. Seitenschild mit stumpfer Spitze und ist 
ungekielt; in der nackten Bucht über ihm liegen flache, rauhe, ziemlich 
grosse Schildehen.— Die Zahl der Seitenschilder beträgt 35 — 86, 
‚alle stehen mit Ausnahme des ersten schief nach vorn geneigt, sind 
schmale Kammschilder, mit kleinen aber an Grösse sich gleich blei- 
benden Haupthaken und mehreren Nebenreihen kleiner Dornspitzen 
über und unter jenen, durch die der Rand gezähnelt erscheint und 
durchwegs so hoch, dass sie den grössten Theil der Seiten, des 
Rumpfes und Schwanzes bedecken. Ausgezeichnet ist diese Art durch 
9»—6 breite und flache unpaare Schilder, welche die Mitte des 
Rückens zwischen der Dorsale und Fettilosse besetzt halten und denen 
gegenüber ähnliche (aber schmälere und winkelig gebrochene) 
zwischen der Analgrube und Afterflosse liegen; dagegen fehlen solche 
Schildehen vor den Stützstrahlen der Caudale. Übrigens ist die ganze 
Unterseite nackt, und auch an den Brustplatten überhäutet. — Ein 
einfacher Por. lateralis ist hier sehr deutlich sichtbar. 

D. 1/6, A. 13 — 1A u. s. w. 

Der Stachelstrahl der Dorsale und Pectorale sind fast gerade 
und gleichlang und zwar = 1 Kopflänge bis zu Ende der Kiemen- 
spalte; beide vor- und rückwärts gesägt, die weichen Strahlen der 
Dorsale nehmen an Länge derart rasch ab, dass während der erste 
noch fast mit dem Stachelstrahl gleiehlang ist, die Höhe des letzten 


144 Kner. 


nur 1/, hiervon beträgt. Der Pectoralstachel reicht nur bis zur Basis 
der Ventrale zurück, letzterer bis zum drittletzten Analschilde, da auch 
hier die Analgrube zwischen den Bauchflossen (zu Anfang des letzten 
Drittels der Körperlänge) liegt. Die Strahlen der Anale reichen bis 
zu den Stützen der Caudale, die ihr gegenüber stehende Fettflosse 
ist länger als hoch; die im Ganzen kleine Caudale ist tief gabelig 
eingeschnitten, der untere etwas längere Lappen endet spitz, der 
obere abgerundet. 

Färbung: Rückenseite hellbraun, Seiten- und Bauchfläche 
weisslich ohne Flecken und Punkte, auch alle Flossen einfärbig mit 
Ausnahme eines schwarzen Saumes an der Dorsale, der vom Ende 
des ersten Strahles bis zur Spitze des dritten sichtbar ist. — Die beiden 
Exemplare von 4” Totallänge, erhielt das kais. Museum durch 
Natterer aus dem Rio negro. Die Form der Schwimmblase ähnelt 
jener von D. humeralis, nur endet sie zugespitzter und trägt 
weniger zahlreiche Appendices. 


15. D. (Oxydoras) carinatus C. V. 

Syn. Silurus carinatus Lin. — Doras oxyrrhynhus, Humb. 

Als diese Art glaube ich ein 8” langes Weingeist-Exemplar des 
kais. Museums anerkennen zu dürfen, es bietet so viele Überein- 
stimmungen, dass an der Gleichartigkeit beider wohl nicht zu zweifeln 
ist, obwohl es in einigen anderen Punkten wesentlich verschieden 
scheint. Zu diesen gehört vor Allen das Vorhandensein von Zähnen 
im Zwischen- und Unterkiefer, von denen dieser kleine 
Packete, jener allerdings nur wenige und sehr kleine, aber durch ihre 
bräunlichen oder weingelben Spitzen schon mit freiem Auge sicht- 
bare Zähnchen trägt. Valenciennes gibt dagegen von seinemS. ca- 
rinatus an, er besitze im Zwischenkiefer gar keine Zähne. Ich glaube 
jedoch trotz dieser Angabe an der Gleichartigkeit mit unserem Exem- 
plare nicht zweifeln zu dürfen, da die Zähnchen des Zwischenkiefers 
bei ihrer Kleinheit entweder übersehen werden oder vielleicht seinem 
trockenen Exemplare wirklich fehlen konnten und alle übrigen Ver- 
hältnisse, die Valenciennes angibt, völlig übereinstimmen. Ich 
beschränke mich daher hier theils darauf, diese hervorzuheben, theils 
die Beschreibung durch Angabe solcher Eigenthümlichkeiten zu 
ergänzen, die von jenem Forscher unbeachtet blieben. 

Die Dimensionsverhältnisse der Kopflänge und Breite zur Länge 
und Höhe des Körpers sind fast genau dieselben wie sie Valen- 


Ichthyologische Beiträge. 14 5 


ciennes angibt. Die stark zugespitzte Schnauze mahnt ganz an 
manche Mormyrus-Arten, der unterständige Mund und die zottigen in 
ein Segel verwachsenen Barteln des Unterkiefers, so wie die queren 
Gaumensegel in der Mundhöhle erinnern dagegen an Loricarinen. Die 
Eckbarteln reichen bis zu den Kiemenspalten und tragen nach aussen 
und oben 10 —12 Seitenäste, von denen die näher der Spitze ge- 
legenen einfache Fäden darstellen, jene der Basis des Bartels nahe 
entspringenden aber selbst wieder durch längliche Papillen wie halb 
gefiedert erscheinen. Das Auge ist auffallend gross und sein oberer 
Rand von einem dieken, fetthautähnlichen Augenlide bedeckt; sein 
Durchmesser ist 3 /,mal in der Kopflänge enthalten, der Abstand 
von der Schnauze beträgt 21/,, vom andern Auge aber nicht einen 
ganzen Diameter; die Stirn ist daher schmal, die dazwischen liegende 
Fontanelle reicht bis hinter die Augen. Der Kopf ist grössten- 
theils nackt, der Helm klein, sein Kiel längs der Mittellinie durch 
eine Furche getheilt, sein gegen die Seiten absteigender Ast und die 
Scapula sind schmal, der Humerusfortsatz aber breit und lang (er 
reicht bis unter den 3.— 4. Strahl der Dorsale), nach hinten convex 
abgestutzt und längs gefurcht. — Die Zahl der Seitenschilder beträgt 
89, sie sind zwar durchgängig schmal und niedrig, aber fast von 
Schmetterlingsform, indem ihr ausgeschnittener und gezähnelter 
freier Rand über- und unterhalb des Haupthakens noch einen grössern 
Nebendorn trägt; die Grösse der Schilder und Haken nimmt gegen 
den Schwanz allmählich ab. 
D. 1/6, A. 11, P. 10. 

Der Knochenstrahl, sowohl der Dorsale als Peetorale, ist vor und 
rückwärts gesägt, ersterer an sich länger als letzterer, trägt über- 
dies an der Spitze noch einen Hautlappen; der Peetoral-Stachel 
reicht kaum bis zu den Ventr. zurück, die Fettflosse ist länger als 
hoch, die Caudale ziemlich kurz (1/, der Totallänge), tief gablig 
eingeschnitten und gleichlappig. Die schiefen Linien über und un- 
ter der Reihe der Haupthaken, welche Valenciennes angibt, 
sind an der nackten weichen Haut daselbst sehr deutlich; der 
Rücken zwischen Dorsale und Fettflosse ist in der Mittellinie 
gefurcht und wie die ganze Unterseite völlig nackt. Die Analgrube 
liegt weit vor der Anale zwischen den Ventr, und zeigt eine durch- 
bohrte Genitalpapille. Die Bucht zwischen Helm und Humerus ist 
gleichfalls völlig nackt; die Haut unterhalb des letzteren zeigt nicht 

Sitzb. d. mathem.-naturw. Cl. XVII. Bd. T. Hft. 10 


146 Kner. 


nur einen grossen Porus peetoralis, sondern überdies ein langes drei- 
eckiges Sieb (eribrum) mit zahlreichen grossen Löchern, 

Die Färbung ist, wie Valeneiennes angibt, ander Rückenseite 
gleichmässig braungelb, am Bauche silberig, ohne alle Flecken und 
Punkte. 

Unser Exemplar stammt aus Surinam und ist ein Weibchen mit 
unreifen Eiern, die Schwimmblase gross, einfach, ohne Appendices. 


16. Art: D. (Oxydoras) niger ©. \V. 


Ein getrocknetes Exemplar von 15” Totallänge repräsentirt 
ohne Zweifel den Corydoras edentulus Spix, Tab. V, oder D. Hum- 
boldtii Ag., somit den echten D. niger V al. Abbildung und Beschrei- 
bung stimmen derart mit unserm Exemplare überein, dass eine aber- 
malige vollständige Beschreibung hier unnöthig wäre. Er ähnelt dem 
D. carinatus sehr, der Helm ist aber grösser, stumpf gekielt und so 
wie die Deckelstücke rauhkörnig ; die Fontanelle sehr lang und schmal, 
die rauhen Stirnschilder reichen bis weit vor die Augen; vor den 
hinteren Narinen steht ein rauhes am Rande gekerbtes Subnasalschild 
auf, wovon bei carinatus keine Andeutung sich findet; das Auge ist 
viel kleiner, die Mundbarteln, obwohl stark eingetrocknet, konnten 
jedoch nie so zottig wie bei der vorigen Art gewesen sein; beide 
Kiefern erscheinen in diesem Zustande zahnlos. Die Zahl der Seiten- 
schilder beträgt 34, und nur hierin findet sich eine bedeutende Ab- 
weichung von D. niger, für welchen Valenciennes die Zahl von 20 
angibt; übrigens sind sie von Schmetterlingsform, werden am 
Schwanze höher, und die Haken daselbst stärker; in der nackten 
Bucht zwischen Helm und Humerus liegen drei rudimentäre rauhe 
Schildehen; der Humerusfortsatz ist an seiner Basis hoch, dacht sich 
allmählich nach hinten spitzendend ab und trägt einen schwachen 
Längskiel. Rücken und Unterseite sind völlig nackt; Strahlenzahl 
der Flossen, Bau derselben und alle übrigen Verhältnisse stimmen 
völlig mit den Angaben über D. niger, namentlich auch die sehr 
lange aber niedere Hautfalte, die sich am Rücken statt der Fettflosse 
zeigt. Die Gliederstrahlen der‘ Caudale sind hier fast so stark ver- 
knöchert wie bei D. murica und lithogaster. 

Das von Natterer gesammelte Exemplar stammt aus Cujaba, 
trägt den Provinzialnamen Focinho de porco und ist als Männchen 
bezeichnet. 


Ichthyologische Beiträge. 147 


17. Art: D. (Oxydoras) lipophthalmus, m. — Taf. V, Fig. 8. 

Corydoras ophthalmus Heck. Mserpt. 

Diese Art zeichnet sich eben so sehr durch die sonderbare 
Bildung des Auges wie durch die schwache Beschilderung aus, 
steht aber übrigens den vorhergehenden Arten nahe. 

Die Schnauze ist stark zugespitzt und eompress; das Profil 
steigt von der Schnauzenspitze bis zur Stirn zwischen den Augen 
rasch an, erreicht aber daselbst seine grösste Höhe und läuft dann fast 
geradlinig bis zur Dorsale. Die grösste Breite vor der Pectorale kommt 
dieser Kopfhöhe fast gleieh, die Entfernung von der Schnauzenspitze 
bis zur Dorsale beträgt 1/; der Totallänge (bis zu Ende der Stirn- 
fontanelle 1/,). Hinter der Dorsale fällt der Rücken gleichmässig bis 
zur Caudale ab und die Totalgestalt ist daher sehr gestreckt. Die 
grösste Höhe vor der Dorsale beträgt kaum 1/, der Körper- oder 1/, 
der Totallänge. — Das Auge erscheint durch einen vorderen und 
hinteren meniscusförmigen Fetthautpolster derart eigenthümlich und 
vergrössert, dass sein verticaler Durchmesser kaum die Hälfte des 
horizontalen ausmacht. Letzterer ist 21/,mal in der Kopflänge (bis zur 
Kiemenspalte gerechnet) enthalten, ersterer über 5'/,mal; das Auge 
steht von der Schnauzenspitze etwas mehr als zwei, vom anderen und 
vom Scapularrande aber nur einen kleineren Durchmesser ab. Nach 
hinten bildet den Fettpolster eine Duplicatur, welehe den hinteren Rand 
der Augenhöhle überdeckt und gleich diesem halbkreisförmig ist, der 
vordere Meniscus verlängert sich aber, endet in einen spitzen Augen- 
winkel und geht ohne eine Duplieatur oder Einfalzung zu bilden, 
unmittelbar in die nackte Kopfhaut über; die Augenspalte hat daher 
eine längliche Birnform , deren Spitze nach vorne gerichtet ist. 
Schnauze, Stirn und Wangen sind völlig nackt, auch die verkümmer- 
ten Suborbital- und Nasalschilder, blos ein Theil des Deckels ragt 
frei aus der Haut vor. Die Fontanelle nimmt fast die ganze Stirn- 
breite zwischen den Augen ein und wird beiderseits nur von einem 
schmalen Saume rauher Kopfschilder begrenzt; sie endet zugespitzt 
ziemlich weit hinter den Augen. Die hintere Narine liegt dem Auge 
sehr nahe, die vordere zwar einen kleinen Augendiameter davon ent- 
fernt, aber gleichfalls noch näher jenem als dem Schnauzenrande. Der 
ganze Helm ist sehr schwach entwickelt und grossentheils selbst 
überhäutet; der Mund halbunterständig, der Zwischenkiefer rudi- 
mentär, völlig zahnlos, die schmalen rechtwinklig abgestutzten Unter- 

10* 


148 Kner. 


kieferäste tragen kleine Gruppen fast mikroskopisch feiner Zähnchen 
mit braunen Spitzen, die fleischige Oberlippe geht in die nach aussen 
gefiederten Eckbarteln über, die mitunter bis zur Kiemenspalte rei- 
chen. Die vier Kinnbarteln sind kurz, gleichlang, durch dicht stehende 
längliche Papillen zottig und an der Basis in ein Segel verwachsen, 
welches seitlich mit einer breiten Falte an die Eckbarteln sich 
fortsetzt. 

Die Seapula ist blos am Winkel der Kiemenspalte nieht über- 
häutet, der Humerusfortsatz nur doppelt so lang als hoch, nach hin- 
ten breit und schief abgestutzt. Die Zahl der Seitenschilder beträgt 
87—388, sie sind durchaus schwach entwickelt, niedrig, namentlich 
die vorderen, bei welchen fast nur die Haupthaken und ein Theil der 
Ränder mit ihren flachen Nebendornen aus der Haut vorragen, am 
Schwanze werden sie deutlicher, höher, die Haken stärker und ihre 
Form mehr schmetterlingähnlich. 

Eine abgeschlossene Bucht zwischen Helm und Humerus fehlt 
hier, indem sowohl der absteigende Ast des Helmes wie das erste 
Seitenschild überhäutet ist und auch der Humerus nicht bis an letzteres 
reicht. Der grösste Theil der Seiten, so wie der abgerundete Rücken 
und die ganze Unterseite sind demnach nackt, auch fehlen unpaarige 
Schildchen vor beiden Caudallappen. 

D. 1/6, P. 1/9, V. 1/6, A. 12, C. 17. 

Der Knochenstrahl der D. und P. ist vor- und rückwärts 
gesägt, beide aber nach vorne ungleich schwächer, der Dorsalstachel 
ist von allen Flossenstrahlen der längste, seine Länge gleich dem 
Abstande des hinteren Augenrandes von der Schnauzenspitze, er ist 
völlig gerade und nahe seiner Spitze noch durch einen zugespitzten 
Hautlappen verlängert; nach hinten ist die Rückenflosse sehr schief 
abgestutzt, so dass die letzten Strahlen drei- bis viermal niederer als 
die ersten sind. | 

Nächst dem Stachelstrahle der D. ist jener der P. der längste 
und reicht bis an die Basis der Ventrale zurück. Die Analgrube 
liegt letztern sehr nahe und weit vor der Anale, welche der Fettflosse 
gegenüber steht und die kürzesten Strahlen unter allen Flossen besitzt. 
Die Caudale ist tief, über die Hälfte eingeschnitten, gleichlappig, an 
beiden Lappen abgerundet; die nahe vor ihr stehende Fettflosse ist 
klein aber höher als lang. — Alle Exemplare zeigen unter dem 
Humerusfortsatze eine dreieckig siebartig durchlöcherte Stelle, dienur 


Ichthyologische Beiträge. 149 


mit durchsichtig dünner Haut überdeckt ist und überdies einen 
wahren Porus pectoralıs. { 

Färbung. Gleichmässig braunröthlich, nur Kehle, Brut und 
Bauch bis zur Analgrube weisslich, der ganze Körper und alle san 
ungefleckt und ohne Ränder. 

Das kais. Museum besitzt vier in Spiritus aufbewahrte Exemplare 
bis zu 71, Totallänge, alle aus dem Rio negro und sämmtlich als 
Männchen durch ihre halb gefiederten Testes erkennbar, deren Aus- 
führungsgang vor der Harnblase verläuft (Fig. 10 «& in natürlicher 
Grösse). — Die Schwimmblase (l. e. Fig. 3) ist länglich, herzförmig, 
einfach, mit zahlreichen Appendices behängt, besonders zu beiden 
Seiten des Vorderendes, wo die knorpeligen Knöpfehen der da- 
selbst knieförmig eingebogenen Arme des Druckfederapparates sich 
anlegen. 

18. Art: D. (Oxydoras) d’Orbigny Kröyer!) — Taf. V, Fig. 9 

Diese Art steht vor allen anderen dieser Gruppe durch die Klein- 
heit der Augen ausgezeichnet da, ist aber sehr schwer in eine natür- 
licheReihenfolge mit ihnen zu bringen, da sie übrigens Merkmale ver- 
schiedener Arten in sich vereinigt. —DasProfil steigt bis zur Dorsale 
gleichmässig an, so dass daselbst die grösste Körperhöhe sich befin- 
det. Die Kopflänge bis zur Dorsale beträgt nicht ein volles Drittel der 
Totallänge. Schnauze, Wangen- und Deckelstücke sind überhäutet, 
der Helm erscheint nicht körnig rauh, sondern durch erhabene Linien 
uneben. Die grosse und längliche Stirnfontanelle wird bis zu ihrem 
vorderen Ende von schmalen Stirnschildern eingesäumt und setzt sich 
wie bei D. stenopeltis als sehr schmale Furche bis zur Dorsale fort. 
Die sehr kleinen Augen sind glatt überhäutet (ohne Einfalzung), die 
Augenspalte länglich, der Abstand der Augen von einander beträgt 
fast 3 Diameter, vom Schnauzenrande 4 und eben so viel von der 
Kiemenspalte; die Suborbitalknochen sind verkümmert der Ramus 
supra- und infraorbitatis des Kopfeanals aber sehr deutlich; die 
beiden Narinen weit von einander entfernt, ein vorstehendes Subna- 
salschild fehlt. Die Mundspalte ist ziemlich breit, halb unterständig, 
Lappen- und Kinnbarteln sind durch Papillen zottig, letztere aber bis 


1) Heckel eitirt in seinem Manuseript diesen Autor, glaubt aber selbst, es beruhe 
dieses Citat nur auf einer mündlichen Mittheilung Kroyer’s, eine Abbildung 
oder Beschreibung dieser Art ist mindestens nicht aufzufinden. 


150 Knen. 


zur Basis frei, nieht in ein Segel verwachsen, gleichlang, die 
äusserst fein gefransten Eekbarteln reichen nicht bis zur Kiemenspalte, 
sehr feine Zähne stehen im Zwischen- und Unterkiefer. — 
Der mässig grosse Humerusfortsatz bildet ein ungleichseitiges Dreieck, 
dessen längere Kathete sich mit der Basis unter einen spitzigen Win- 
kel schneidet. Die Zahl der Seitenschilder beträgt 29; sie sind von 
Schmetterlingsform, mit einfacher Hakenreihe und wenig gezähnelten 
Hinterrändern versehen und durchaus ziemlich niedrig aber fast gleich 
hoch, erst am Ende des Schwanzes werden sie niederer, während 
jedoch die Haken auch hier noch gleich stark bleiben. 
D. 1/6, A. 12. 

Der Dorsalstachel ist kurz , stark , säbelförmig gekrümmt, vor- 
und rückwärts grob gezähnt; jener der P. übertrifft den vorigen an 
Länge, reicht aber auch nur bis unter das vierte oder fünfte Seitenschild 
und folglich bei weitem nicht bis an die V. zurück, er ist schwächer 
gebogen, aber gröber gezähnt als der Dorsalstachel. Die Basis der V. ist 
fast fettflossenähnlich, ihre ersten Strahlen namentlich sind völlig über- 
hüllt. Die Caudale ist gleichlappig, tiefgablig eingeschnitten, ihre End- 
strahlen mit dem Pectoral-Stachel fast gleichlang. Der hinter der Dor- 
Sale rundliche Rücken erhebt sich vor der Fettflosse keilartig und geht 
unmerklich in diese über, deren Basis dadurch sehr lang erscheint; 
hinter ihr fällt der Rücken gegen dieCaudale stark ab und ist daselbst 
mit einer Reihe flacher, unpaarer Schilder besetzt, die immer 
kleiner werdend, in die Stützen des oberen Caudallappens übergehen; 
das gleiche findet an der Unterseite zwischen Anale und Caudale 
Statt. -— Die Aftergrube liegt der Anale etwas näher als den V., die nur 
mit ihren längsten Strahlen bis zu ihr reichen. Rücken und Bauch- 
seite sind übrigens nackt; ein einfacher kleiner Porus lateralis ist 
vorhanden. 

Färbung. Rücken hellbräunlich, Seiten’und Bauch weisslich, 
Dorsale und Caudale sind deutlich dunkel gefleckt. 

Das einzige Spiritus-Exemplar deskais. Museums stammt aus dem 
Rio de la Plata und ist ein Männchen; die Schwimmblase abgetheilt 
und ohne Appendices. Merkwürdig ist die enorme Ausdehnung des - 
Magens und die massenhafte Fettablagerung in der Bauchhöhle, wel- 
che dieses Exemplar als wahren Dickbauch erscheinen lässt und die, 
da mir Ähnliches noch bei keinem Fische vorkam, wohl nur als krank- 
hafter Zustand sich deuten lässt. Das Erfülltsein des Darmeanals mit 


Ichthyologische Beiträge. 151 


Schlamm und Sand, das sich hier wie bei anderen Spiritus-Exemplaren 
vorfindet, zeigt, dass sich diese Fische ihre Nahrung vorzüglich aus 
schlammigem Grunde holen; ihr mehrfach gewundener Darm und die 
schwache, zum Theile mangelhafte Bezahnung sprechen in gleicher 
Weise dafür, dass sie sich nicht vom Raube grösserer Thiere nähren. 


II. Über die Siluroiden-Gattungen Plotosus, Saccobranchus, Trichomy- 
cterus 0. V. und Pareiodon nov. gen. 

Das Interesse, welches das Studium der grossen Siluroiden- 
Familie gewährt, wird insbesondere dadurch erhöht, dass vielleicht bei 
keiner andern Familie dieser formenspottenden Ülasse eine grössere 
Mannigfaltigkeit überrascht, und gleichwohl jede Gattung durch ganz 
besondere Eigenthümlichkeiten als eine wahrhaft natürliche systema- 
tische Einheit, von den übrigen streng geschieden und doch wieder 
durch vielfache Fäden mit ihnen verbunden erscheint. Nur sind 
freilich die Fäden oft schwer herauszufinden, die zum nächsten Ver- 
bindungsgliede führen. So ist dies namentlich auch mit den drei oben 
zuerst genannten Gattungen der Fall, über deren Familien-Verwandt- 
schaft zwar kein Zweifel bestehen kann, deren Anreihung aber an 
ihre wahrhaft nächst verwandten Glieder allerdings schwierig ist. 

Was zunächst die ostindische Gattung Plotosus betrifft, so über- 
gehe ich die ausführliche Beschreibung derselben, da die in der 
Histoire des poissons enthaltene ohnehin zu den gelungensten dieses 
grossartigen Werkes gehört, und will mich hier nur auf die Bespre- 
chung solcher Verhältnisse beschränken, welche auf die systematische 
Stellung derselben Bezug haben, und nächstdem auf die Erörterung 
einiger Eigenthümlichkeiten des Baues, die zwar theils schon bekannt, 
allein in ihrer Deutung noch räthselhaft sind, theils aber auch solcher, 
die ich noch nirgends erwähnt finde. 

Die Gattung Plotosus steht scharf abgegrenzt von den übrigen 
Stiluroiden da: durch die grosse Ausdehnung ihrer unpaarigen 
peripherischen Flossen, die eigenthümliche Bezahnung 
des Vomer und das räthselhafte dendritische Organ hinter 
der Genitalpapille. Die völlig nackte Haut, der Mangel eines Helmes, 
der lange, stark compresse Schwanz, die dem Unterkiefer parallele 
tiefe Kehlfalte, die verkümmerten Oberkiefer, die schwachen Stacheln 
der Rücken- und Brustflosse bringen sie den echt typischen Welsen 


152 K ın\eir. 


nahe; die acht Bartfäden um den Mund, die weite Kiemenspalte u. s. w. 
theilt sie mit vielen anderen Siluroiden. Hier sollen zunächst nur die 
angeführten charakteristischen Merkmale und einige andere Verhält- 
nisse näher betrachtet werden, und zwar beziehen sich die folgenden 
Angaben insbesondere auf die, wie es scheint, am häufigsten vorkom- 
mende Art: Plotosus lineatus. 

Die bald hinter der ersten wenig strahligen Dorsale im zweiten 
Drittel der Totallänge beginnende zweite Rückenflosse bildet mit der 
abgerundeten Caudale und der Anale eine continuirliche, den grössten 
Theil des Leibes umspannende Flosse, die an der Bauchseite unmit- 
telbar hinter dem dendritischen Organe endet, ohne aber damit in 
Zusammenhang zu stehen. Unter den übrigen Flossen sind die 
weichen Strahlen der Dorsale und Pectorale gleichlang, ihre Stacheln 
aber um vieles kürzer; jener der Dorsale ist vorne und hinten mit 
nach abwärts gerichteten Zähnen besetzt, jener der Peetorale mit 
nach vorwärts sehenden, beide Stacheln sind aber überhäutet und an 
der Oberfläche durch schiefe Linien gefurcht. Die halb unterständige 
Stellung des Mundes wird durch das Überragen der fleischigen Ober- 
lippe bedingt, welche so wie die untere zahlreiche Radialfalten und 
Papillen um den Mund bildet. Die von diesen überdeckten Zähne 
des Zwischen- und Unterkiefers sind konisch, stehen in 2—3 nicht 
gedrängten Reihen und sind ungleich gross, die der vorderen Reihe 
am grössten. Sowohl im Zwischen- als Unterkiefer erhebt sich hinter 
der letzten Zahnreihe eine ihr parallele Schleimhautfalte, deren Rand 
mit rundlichen Wärzchen besetzt ist und das Ansehen gewährt, als 
stände hier noch eine Zahnreihe. Der breite Vomer trägt ebenfalls 
eine dreifache Reihe ähnlicher Zähne, die nur stumpfer, zum Theil 
selbst abgerundet (Pflasterzähnen ähnlich) erscheinen und unter 
denen ein unpaariger, mittlerer in der hintersten Reihe 
sich durch Grösse vor den übrigen auszeichnet. Rings um 
die Zahnbinde des Vomer stehen ebenfalls Reihen von Schleimhaut- 
papillen, die bei flüchtiger Betrachtung auch für Zahnreihen ange- 
sehen werden können und von denen namentlich die hinter dem 
Vomer befindlichen die Form länglicher Pflasterzähne annehmen. 
Alle diese Wärzchenreihen dürften wohl mit einer Geschmacksfune- 
tion betraut sein. Die das Zungenbein überkleidende Haut ist dagegen 
völlig glatt und eine frei vorragende Zunge fehlt. Die Narinen sind 
äusserst klein, die hintere an der Basis der oberen oder Nasenbarteln, 


Ichthyologische Beiträge. 153 


die vordere amRande der Schnauze befindlich. Die acht Bartfäden sind 
nahezu gleichlang, ihre Länge übrigens variabel. Die Kiemenspalte 
reicht an der Kehlseite bis zum Isthmus, nach oben und hinten weit 
über die Brustflossenbasis bis zur Höhe des Auges. Letzteres ist im 
Vergleich zu vielen anderen Siluroiden gross; der gegenseitige 
Abstand der Augen beträgt 21/,, jener vom Schnauzenrande etwas 
über 2, von der Kiemenspalte 3 Diameter. 

In Betreff des mehrfach erwähnten dendritischen Organs hinter 
der Genitalpapille habe ich der in der Histoire des poissons enthal- 
tenen Beschreibung desselben nur wenig beizufügen. Es kommt bei- 
den Geschlechtern zu und tritt mittelst eines sehnigen Stieles aus 
einer eigenen., frei in die Bauchhöhle führenden Öffnung hinter der 
Urogenitalpapille hervor. Alsbald theilt sich der sehnige Stiel in 
zwei Hauptstämme, die sich weiter verzweigend zu einer Quaste von 
Hautläppchen ausbreiten. Dieses Organ erhält hiedurch eine formelle . 
Ähnlichkeit mit den äusseren Kiemenbüscheln der perennibranchiaten 
Amphibien, mahnt aber in jeder Hinsicht zunächst an ähnliche Quas- 
ten, die bei Blennien vorkommen, daselbst aber zum Theile als 
Geschlechtsunterschied auftreten 1) und dann nur den Männchen 
eigen sind, auch nicht auf einem eigenen aus der durchbohrten Bauch- 
wand vortretenden Stiele aufsitzen, sondern vielmehr mit den ersten 
Stacheln der Anale in Verbindung stehen. Innerhalb der Bauch- 
wandungen verläuft, wie auch Valenciennes beschreibt, der seh- 
nige Stiel eine kurze Strecke ungetheilt und schief nach vorwärts 
und spaltet sich dann in zwei Wurzeln, die sich an die Enden des 
letzten, keine Rippen mehr tragenden Bauchwirbels anheften. Dieser 
Wirbel ist dadurch ausgezeichnet, dass die Enden seiner nach abwärts 
gerichteten Fortsätze durch ein queres Knochenplättchen, wie durch 
eine Brücke verbunden sind, so dass zwischen dieser und dem Wirbel- 
körper ein kurzer Canal, gebildet wird, in welchem die grossen 
Gefässe verlaufen. An allen vorhergehenden Bauchwirbeln fehlt 
diese Querverbindung der unteren Bogenschenkel und somit auch der 
hiedureh gebildete Canal zum Durehgange der Gefässe; die Quer- 


1) Prof. Hyrtl gibt in seinen Beiträgen zur Morphologie der Urogenitalorgane der 
Fische (Denkschr. d. kais. Akad. d. W. 1850, 1. Bd.) an, dass bei Blennius gattoru- 
gine beide Geschlechter dieses Fransenorgan besitzen , dagegen finde ich es bei 
der Süsswasser-Species Bl. eagnota nur als Attribut der Männchen. 


154 Kner 


brücke jenes Wirbels scheint demnach einzig den Zweck zu haben, 
dem Stiele des dendritischen Organs als Stützpunkt zu dienen. Über 
die physiologische Bedeutung dieses Organs enthalte ich mich jeder 
Meinungsäusserung und glaube, dass nur Beobachtungen an lebenden 
Thieren hierüber Aufschluss geben können. 

Zu den bereits von Valenciennes angeführten Daten über 
die Splanchnologie dieser Gattung ist ebenfalls nur weniges beizu- 
fügen. Von besonderem Interesse erscheint namentlich der schon 
jenem grossen Forscher bekannte Umstand, dass die zwar geräumige 
Bauchhöhle doch nicht allein die Eingeweide aufnimmt, sondern vorne 
beiderseits Seitenbuchten bildet, welche von grossen Lappen der 
Leber ausgefüllt werden. An das hintere Ende dieser Lappen und 
von ihnen durch Peritoneum als Scheidewand getrennt, stossen andere 
drüsige Gebilde (Renes succentur), die aber bereits ausserhalb der 
Bauchhöhle liegen. Bei der folgenden Gattung Saccobranchus wie- 
derholt sich diese Eigenthümlichkeit, wie Prof. Hyrtl zuerst an ihr 
beobachtete (s. Sitzungsberichte der kais. Akad. der Wiss. 1853, 
XI. Bd., 2. Hft.), in ähnlicher Weise, und dieser Umstand scheint 
mir in der That sehr für die nahe Verwandtschaft beider Gattungen 
zu sprechen !). Die Hoden der Männchen stellen schmale bandartige 
Streifen vor, die am inneren Rande feinlappig eingeschnitten sind und 
vor der Genitalpapille sich in einen gemeinsamen Ductus vereinigen; 
sie ähneln jenen der Gattung Doras und liegen zu beiden Seiten der 
langen Harnblase, deren Urethra sich auch bis zur Urogenitalpapille 
verfolgen lässt. Die Ovarien der Weibchen, deren Valenciennes 
keine untersucht zu haben. scheint, stellen schmale geschlossene 
Säcke vor, die weiter nach vorne als die Harnblase reichen und sich 
ebenfalls in einen gemeinsamen Ausführungsgang vereinigen, der in 
die Geschlechtspapille eintritt. Die Mündungen an letzterer konnte 
ich bei dieser Art ebenso wenig wie Valenciennes mit Sicherheit 
erkennen, und namentlich nicht, ob ein einfaches oder doppeltes 


1) Als etwas Auffallendes glaube ich erwähnen zu dürfen, dass unter den Exem- 
plaren des kais. Museums mehrere und zwar meist Weibchen, von verschiedenen 
Fundorten stammend, sich mit einem Prolapsus intestini recti vorfinden, der bei 
einem Individuum sogar in eine mehr als zoll-lange Darmumstülpung überging. Mög- 
lich, dass dieser Zustand erst im Momente des Todes sich einstellt, dass er aber hier 
nicht selten und leichter als bei anderen Fischen eintreten mag, scheint in der Weite 
des Anus und der geringen Fixirung des Darms mittelst einer nur sehr zarten 
Mesenterialfalte begründet zu sein. ) 


Ichthyologische Beiträge. 1 55 


Ostium (für Harn- und Sexualstoffe) vorhanden sei. Bei einer andern 
Art (Pl. canius) sah ich aber ganz deutlich, dass die Spitze durch- 
bohrt ist, und durch Compression der Bauchwände liess sich Fluidum 
in die Basis der Papille eintreiben, welches sodann unter Ereetion 
der letzteren an der Spitze hervortrat. Männchen und Weibchen 
zeigen übrigens keinerlei äussere Geschlechtsunterschiede. Der bei 
allen Exemplaren sichtbare Porus lateralis stellt zwar nur ein sehr 
kleines rundes Loch über der Pectoralbasis dar, doch gelingt es, Luft 
in denselben einzublasen und wieder durch ihn zu entleeren. 

Das Skelet, welches ich leider nur von einem kleinen Exemplare 
untersuchen konnte, zeigt gleichfalls einige erwähnenswerthe Eigen- 
heiten. Die Schädelknochen bilden eine zusammenhängende Kapsel, 
eine wahre Fontanelle fehlt, indem zwischen den vorderen Stirnbeinen 
zwar eine grosse längliche Vertiefung vorhanden ist, die aber einen 
dünnen, knöchernen Boden besitzt; Suborbitalknochen fehlen. Die 
Oberkiefer sind zu Bartelknochen umgebildet; vor ihrem Gelenkende 
erhebt sich ein dreieckiges Nasenbeinchen; die Unterkieferäste hän- 
sen in der Mitte nur durch Bänder zusammen, Deckelstücke sind blos 
zwei entwickelt, Kiemenbögen vier ; der erste derselben ist mit längeren 
dornförmigen Hechelzähnen besetzt, die folgenden mit kurzen geraden 
in einander greifenden Zähnchen. Die unteren Schlundknochen tragen 
nebst einer Reihe von längeren spitzen noch eine zweite von fast 
mikroskopisch kleinen Zähnen, an den oberen Schlundknochen stehen 
etwas stärkere Hechelzähne in 11/, Reihen. — Die Zahl der Kiemen- 
strahlen beträgt jederseits 12, die der Brust- und Bauchwirbel mit 
Einschluss des „grossen“ Wirbels ebenfalls 12, doch scheint letzterer, 
wie sich aus seinen drei quer abstehenden Fortsätzen (Apophysen) 
schliessen lässt, wohlaus der Verwachsung von drei Wirbeln hervorzu- 
gehen. Der zweite und dritte auf diesen folgende Wirbel bildet bei- 
derseits der Dorsalstützen einen aufstehenden Dornfortsatz (Mahnung 
an Loricarien), die Dornfortsätze der hierauf folgenden sechs Wirbel 
sind bereits einfach; vom siebenten angefangen beginnt die zweite 
Dorsale. Rippentragende Wirbel zähle ich sieben, Schwanzwirbel 45, 
alle mit langen, dünnen, oberen und unteren Dornfortsätzen versehen, 
der letzte nicht fächerförmig verbreitert. Unter der vorderen; Apophyse 
des grossen Wirbels fand ich linkerseits zwei kleine Knöchelchen 
hinter einander gelagert, die an das Hinterhaupt angrenzen und wohl 
als Gehörknöchelchen zu deuten sein dürften, rechterseits gingen sie 


156 Kner. 


beim Skeletiren dieses kleinen Exemplars verloren. Der Brustflossen- 
gürtel ist kräftig, die durch Nath verbundenen breiten Brustplatten 
(clavieulae) liegen aber tief von Haut und Muskeln überdeckt. Die 
Bauchflossen sind ausser Zusammenhang mit dem übrigen Skelete 
und nur an dünne flache Beckenknochen eingelenkt, deren jeder 
vorne in zwei Spitzen ausläuft. 

Von einer zweiten Art, von der das kaiserliche Museum zwei Männ- 
chen aus Borneo in Spiritus aufbewahrt, und ein trockenes nahe an 
2' langes Exemplar besitzt und die ich für P. caniusBucha n.halte t), 
will ich hier nur solche Differenzen anführen, die ich in der Hist. des 
poissons nicht angegeben finde. Kiefern- und Vorderzähne sind 
stumpfer, namentlich letztere fast kugelige Pflasterzähne, die eine aus 
drei Reihen bestehende halbmondförmige Gruppe bilden, und unter 
denen die der letzten Reihe die grössten von allen 
Zähnen sind. Die längliche hintere Narine liegt weiter als bei 
lineatus vom Nasenbartel entfernt, die vordere steht als kurzes 
Röhrehen am Schnauzenrande auf. Das dendritische Organ ist bedeu- 
tend kleiner, die Genitalpapille dagegen grösser, und ihre Spitze hier 
ganz deutlich durchbohrt. Die Hoden sind nicht lappig eingeschnitten, 
sondern von schmaler ganzrandiger Bandform. Der Darm macht vier 
rechts gelegene Biegungen , bevor er in den weiten geraden After- 
darm übergeht; die Leberlappen der Bauchhöhle sind kürzer, die 
Seitenbuchten der letzteren beginnen weiter nach vorn als bei löneatus. 
Der Porus lateralis ist auffallend gross, man sieht durch ihn in 
den Hohlraum hinein und gewahrt in dessen Wandung am Grunde ein 
drüsiges Gebilde eingesenkt (dasselbe fand ich nachträglich auch bei 
Plot. lineatus und Bunocephalus). 

Bemerkenswerth ist endlich noch die starke Entwickelung des 
Seitencanals oberhalb der Brustflossen, von welchem dünne gebogene 
Seitenröhrchen sich nach abwärts fortsetzen, und die noch stärkere 
Ausbildung der Kopfeanäle, welche über die Deckelstücke und bis 
über den hinteren Augenrand lange, zum Theile sich verästelnde 
Seitenzweige senden; am Oberkopf sind diese Canäle undeutlich und 
nur die Porenreihen sichtbar. 


1) Ein drittes ganz gleichmässig auch an der Bauchseite und den V. schwärzlich 
gefärbtes Exemplar in Weingeist lässt unsicher, ob es etwa nur Farbenvarietät 
sei, oder vielleicht Plot. unieolor K. & v. H. vorstelle. 


Ichthyologische Beiträge. 1 57 


Was die systematische Stellung der gleichfalls indischen Gattung 
Saccobranchus oder Heteropneustes anbelangt, so reiht sie Valen- 
ciennes zwischen Heterobranchus und Plotosus ein, und es scheint 
dieser in der That ihr geeignetester Platz zu sein, da namentlich, 
wie schon erwähnt wurde, die Eigenthümlichkeit der Seitenbuchten 
der Bauchhöhle sie der Gattung Plotosus zunächst bringt. Um jedoch 
zu zeigen, wie sie sich gleichwohl auch von letzterer wieder wesent- 
lich unterscheidet, erlaube ich mir statteiner weitläufigen Beschreibung 
nur folgende Punkte hervorzuheben. — Der stark depresse kleine Kopf 
ist mit flachen, rauhkörnigen Schildern bedeckt, die nur eine grosse 
vordere Stirnfontanelle frei lassen und am Hinterhaupte in drei Spitzen 
(die interparietale und jederseits eine seitliche) auslaufen. Zwischen 
diesen drei Spitzen bildet der Rand des Helmes beiderseits eine halb- 
mondförmige Einbuchtung, in welche man durch einen Einschnitt in 
den darunter liegenden Luftsack gelangt, der bis zur Dorsale zurück- 
reicht. Die gleichlangen Kiefer sind mit Sammtzähnen besetzt, die 
Oberkiefer rudimentär, die Augen ziemlich gross, fast senkrecht 
stehend. Die Narinen verhalten sich wie bei Plotosus: Ausser 
den Nasenbarteln kommen noch zwei unter einander stehende an 
jedem Mundwinkel und eins jederseits am Unterkiefer vor, alle acht 
fast von gleicher, übrigens variabler Länge; die Kiemenspalte reicht 
bis zum Isthmus. Die Brustflossen besitzen einen mässig starken 
Stachel, der wie bei Plotosus gefurcht ist, dessen Zähnchen jedoch 
am äusseren Rande kaum sichtbar vorstehen; der nur sechsstrahligen 
Dorsale fehlt ein Stachel. Eine mächtige Entwickelung zeigt dagegen 
die Afterflosse, bezüglich derer diese Gattung an Aspredo mahnt, 
indem sie unter dem Ende der D. beginnt, fast ®/, der Totallänge 
einnimmt und bis zur Caudale reicht, ohne aber in sie unmittelbar 
überzugehen. Die von Haut nicht überdeckten Brustplatten sind breit, 
in der Mittellinie durch Nath verbunden, der ganze übrige Leib 
nackthäutig. Von einem Porus lateralis ist keine Spur; die 
Seitenlinie wenig markirt, mit Ausnahme ihrer vordersten Partie, 
woselbst der Seitencanal an Weite zunimmt und mit einfachen Poren 
oder sehr kurzen nach rückwärts geneigten Nebenröhrchen mündet, 
die aber nur gegen die Bauchseite zu abgehen. Unter den seitlichen 
Spitzen des Helmes geht er in den Kopfeanal über und zeigt daselbst 
die grösste Weite; am Kopfe lässt sich der Verlauf der Canäle mit 
Ausnahme einzelner Poren an den nackten Deckelstücken und Wangen 


158 Kner. 


nicht weiter verfolgen. —- Die Sexualöffnung bildet bei Weibchen 
eine längliche Spalte, bei Männchen liegt sie an der Spitze der 
ziemlich langen konischen Papille. Die Seitenbuchten der Bauchhöhle 
liegen weiter vorne und sind viel kleiner als bei Plotosus; fernere 
Unterschiede von diesem bieten der vielfach gewundene dünne Darm 
und die grosse Harnblase. Dagegen besitzt Saccobranchus ebenfalls 
am Rande lappig eingeschnittene paarige Hoden, welche fast die 
ganze Länge der Bauchhöhle einnehmen und den hinter (über) ihnen 
befindlichen gleichfalls langen Nieren anliegen. 


Ungleich sehwieriger noch als die beiden vorhergehenden ist 
die südamerikanische Gattung Trichomyceterus im Systeme einzu- 
reihen. Diese Schwierigkeit anerkennt auch Valenciennes, indem 
er sie gleichsam nur als Anhang zu den Siluroiden stellt und früher 
sogar geneigt war, sie mit Cobitis in eine Gruppe zu vereinigen. 
Allerdings ist eine oberflächliche Ähnlichkeit zwischen beiden bezüg- 
lich der Totalform und namentlich der Barteln und Flossenbildung 
nicht zu bestreiten; auch wird jeder Ichthyolog fühlen, dass die 
Gattung Cobitis und ihre nächsten Verwandten eine exceptionelle 
Stellung in der Familie der Cyprinoiden einnehmen; dennoch ist die 
Verwandtschaft zwischen Trichomyeterus und Cobitis zu gering, um 
sie etwa in eine Gruppe zusammenstellen zu dürfen, daher auch 
Valeneiennes mit Recht von seiner früheren Ansicht abkam. 
Trichomycterus erweist sich als echter Siluroid: durch depressen 
Kopf, indem die grösste Höhe des Fisches über den Bauchflossen 
seiner grössten Breite vor den Brustflossen gleichkommt; durch end- 
ständigen Mund mit nur wenig überragendem Oberkiefer, durch 
schmale Binden von Sammtzähnen im Zwischen- und Unterkiefer, 
verkümmerte Oberkiefer, die an die Mundwinkel zurückgedrängt jeder- 
seits zur Anheftung der Eckbarteln dienen (sie sind somit auch hier 
Bartelstützen und nicht blos Fortsätze der Lippen wie bei Cobitis). 
Von den Eekbarteln zieht sich gegen den Unterkiefer eine breite 
Hautfalte herab, die sich zum Theile (bei unserem Männchen) in ein 
kurzes Bartel verlängert. Die Unterkiefer selbst sind bartellos, 
dagegen erheben sich am Aussenrande der vorderen Narine jenen 
des Mundes ähnliche Barteln von variabler Länge und sogar unsym- 
metrisch (bei unserem Männchen ist mindestens das rechte viel 


Ichthyologische Beiträge. 159 


länger und stärker als das linke und gibt hierin den Eckbarteln 
nichts nach). Die den meisten Siluroiden zukommende Kehlfalte 
ist hier relativ schwach und seicht, die Kiemenspalte weit, nach 
vorne bis zum Isthmus geöffnet, nach hinten und oben bis zur Höhe 
des oberen Augenrandes. Nicht minder bezeichnen ihn als Siluroiden 
die kleinen überhäuteten Augen, die Nacktheit der Haut und der 
Mangel eines Suboperculum. Die spitzen Dornen und Zähnchen, mit 
denen die Oberfläche der übrigen Deckelstücke besetzt ist, und die 
aus der dicken Kopfhaut wie ein wieder nachwachsender Bart vor- 
ragen, erinnern dagegen insbesondere an viele Loricaten, mit denen 
diese Gattung auch den Mangel einer Schwimmblase theilt. Dass ihr 
Zähne am Vomer, den Gaumenbeinen und der Zunge fehlen, dess- 
gleichen ein Porus lateralis hat sie mit mehreren Siluroiden gemein. 
Dagegen unterscheidet sie sich durch den Mangel einer Fettflosse 
von sehr vielen, durch den eines Stachelstrahles in der Rücken- und 
Brustflosse von den meisten und durch das Fehlen einer Seiten- 
linie von allen mir bisher genauer bekannten Siluroiden; eben so 
sind die zahlreichen obern und untern Stützstrahlen der 
Schwanzflosse, die man als mit ihr verschmolzene zweite D. und 
A. deuten könnte, und die von sieh durchkreuzenden Run- 
zeln durehzogene Haut dieser Gattung eigenthümlich !). 
Männchen und Weibchen unterscheiden sich schon äusserlich 
leicht von einander, indem erstere eine Penis ähnliche , durchbohrte 
Genitalpapille besitzen, letztere eine von wulstigen Rändern umgebene 
Grube (vulva), in deren Centro die vertiefte Sexualmündung liegt 2). 
Eierstöcke und Hoden scheinen unpaarig, bestehen aber 
beide aus unsymmetrisch entwickelten und mitsammen 
versehmolzenen Hälften. Die Eierstöcke sind geschlossene 
Säcke, von denen der linke, viel längere und grössere, die ganze Länge 
derBauchhöhle einnimmt, und bis an den Leberlappen anstösst, wäh- 
rend der rechte ungleich kürzer, und wohl auch desshalb weniger 


1) Dass die Runzeln durch ein maschiges Gewebe bewirkt werden, welches unter dem 
Mikroskope aus mit öliger Flüssigkeit gefüllten Zellen besteht, wie Valenciennes 
angibt, konnte ich an unseren Exemplaren nicht untersuchen. 

2) Ob auch noch andere äussere Sexualunterschiede constant sind, wie z.B. die stärkere 
Bedornung der Deckelstücke und die längeren Nasenbarteln , durch welche unser 
Männchen sich auszeichnet, ist bei dem Umstande, dass von jedem Sexus nur ein 
Exemplar vorliegt, wohl nicht mit Sicherheit zu behaupten, 


160 K.n:er. 


entwickelt ist, da an dieser Seite der Darmeanal verläuft und zwar zwei 
Windungen bildet, bevor er in den geraden Afterdarm übergeht. Beide 
Övarien unseres Weibchens strotzten von Tausenden kleiner Eier, die 
aber nach der turgescirenden Vulva und der starken Ausdehnung des 
Leibes zu schliessen, zum Absetzen reif waren. — Auch von den beiden 
verschmolzenen Hoden nimmt der linke längere Lappen die Länge der 
Bauchhöhle bis zur kurzen Leber ein, der rechte kürzere reicht nur 
bis zur ersten Curvatur des Darms zurück und überdeckt diese Partie 
desselben. Die beigegebene Fig. 1 zeigt die Form der Testes in 
Fig. 1. natürlicher Grösse und bei Eröffnung der Bauchhöhle 

in normaler Lage. Eine ähnliche Asymmetrie der 

&----- Sexualorgane findet auch bei der Gattung Mormyrus 
Statt; Prof. Hyrtl gibt in seinen Beiträgen zur Mor- 

phologie der Urogenitalorgane der Fische (I. e.) die 

a Beschreibung und Abbildung der Ovarien von Morm. 
oxyrhynchus, von denen gleichfalls das linke stark 
ausgebildet ist, das rechte aber völlig rudimentär bleibt 
und nur wie eine Knospe des andern sich ausnimmt. 
Völlig verschieden verhält sich dagegen in dieser 
Hinsicht die Gättung Cobitis, bei welcher eine der- 
Testes Trichomy- artige Asymmetrie der Sexualorgane nicht vorkömmt, 


eteri punctulati : h R 5 
a) linker, b)rechter Und wodurch die trennende Kluft zwischen ihr und 


nn Trichomycterus nur noch grösser erscheint. 
gemeinsamer Aus 
führungsgang. Die Arten, welche das kais. Museum von dieser 
Gattung besitzt, sind: Tr. punctulatus C. V. Fem. und graciks; 
ein drittes als Pygidium dispar. Tsehudi oder Trich. areolatus? 
Val. bezeichnetes Exemplar halte ich nur für das Männchen von 
Tr. punctulatus. ur 
Dagegen unterscheiden sich zwei in Spiritus aufbewahrte Exem- 
plare, die von J. Natterer schon im Jahre 1830 gesammelt und ein- 
gesendet wurden, trotz ihrer Übereinstimmung mit Trichomyeterus 
in Totalform, Flossenbildung, Bezahnung des Deckels und Zwischen- 
deckels u. dgl., so bedeutend im äusseren und inneren Bau, dass 
ihre Trennung und Aufstellung als eigene Gattung wohl gerechtfertigt 
erscheinen dürfte. Indem ich als Gattungsnamen Pareiodon (Wangen- 
zahn) und als Artbenennung microps vorschlage, glaube ich dadurch 
die verwandtschaftlichen Verhältnisse ziemlich gut zu bezeichnen. 
Ersterer soll die nahe Verwandtschaft mit Trichomycterus aus- 


Ichthyologische Beiträge. 161 


drücken, letztere dagegen andeuten, dass diese Gattung ein Über- 
gangsglied zu Cetopsis darstelle. 

Die Totalgestalt (Fig. 2) ist lang gestreckt, und 
mahnt allerdings an Cobitis-Arten ; der Rumpf ist 
fast walzenförmig, und nur wenig höher als breit. 
Die Kopflänge, bis zum Rande des Deckels gerech- 
net, beträgt 1/; der Totallänge, die grösste Körper- 
höhe 1/, derselben; die Rückenflosse steht 41/,, die 
Analgrube 5 Kopflängen von der Schnauze entfernt. 
Den endständigen Mund umgeben jederseits nur 
zwei kurze Eckbarteln, die nahezu gleichlang, 
nicht bis zum Zwischendeckel zurückreichen; die 
dicken, wulstigen Lippen sind dicht mit kurzen 
Papillen bedeckt. Die breiten Zwischen- und Unter- 
kiefer tragen eine einfache Reihe flacher 
Schneidezähne mit convexem Rande, die 


nur mit letzterem aus den Zahnileischfalten hervor- 
ragen ; Gaumen und Zunge sind zahnlos. Die kleinen, 


N 


von der Kopfhaut überdeckten Augen liegen drei 


IN 


ihrige Durchmesser von einander, zwei vom Sehnau- 
zenrande und fast sechs vom Opereularrande ent- 
fernt. Die hinteren Narinen stehen ein Diameter 
entfernt genau zwischen ihnen, die vorderen im glei- 
chen Abstande von diesen und dem Schnauzenrande. 
Der Zwischendeckel ist mit 5 — 6 geraden anliegen- 
den relativ starkenDornen besetzt, welche wie 
jene des weiter zurück und höher liegenden halb- 
kreisrunden Opereulum allein aus der dieken Kopf- 
haut vorragen. Die Kiemenspalte ist eng. beginnt 
erst unterhalb des Deckels und reicht auch nur wenig 
tiefer hinab, als der vor ihr befindliche Zwischen- 
deckel, sie ist somit an der Kehle selbst völlig 

geschlossen und über diese läuft quer nur eine as 
schwache Hautfalte. eiese 


D. 9, A.%, P.6 (1/5), V.5, €. 17 (ohne Stützstrahlen). 


Die Stellung und übrigen relativen Verhältnisse der Flossen sind 
aus der beigegebenen Abbildung am besten ersichtlich. — Der Verlauf 
Sitzb. d. mathem.-naturw. Cl. XVIT. Bd. TI. Hft, 11 


162 K ner. Ichthyologische Beiträge. 


des Seitencanals ist vom Schwanzende bis zum Vorderrumpfe nur 
als Furche bemerkbar und mündet nicht durch Poren, blos eine kurze 
Strecke hinter dem Deckel lässt er sich als ziemlich weiter Canal 
erkennen, und die Haut über und unterhalb desselben ist mit Tuberkeln 
und Röhrchen irregulär besetzt, die hie und da Spalten und Poren 
bilden; gerade über dem Ende der zurückgelegteu Brustflosse steht 
ein konisch zugespitzter häutiger Zapfen jederseits wie ein kurzer 
Sporn ab. Der Porus lateralis ist zwar etwas kleiner als bei Cetopsis, 
aber ganz deutlich, er bildet nach innen einen wulstigen Rand und die 
auskleidende Haut der Höhlung, in welche er führt, zeigt in seiner 
Umgebung drüsige Structur. In der Analgrube sind drei gesonderte 
Mündungen leicht wahrnehmbar, und zwar die vordere als Anus, die 
mittlere als Sexual- und die hintere an der Spitze einer kurzen Papille 
befindliche als Urethralmündung. — Von inneren Organen sind nur die 
Ovarien und Harnblase noch vorhanden; erstere stellen ziemlich kurze 
paarige, aber unsymmetrische Säcke vor, von denen der linke durch 
Grösse und Länge sich auszeichnet, zwischen beiden liegt die weite 
Harnblase. Darmeanal und Leber fehlen, doch scheint, nach Haut- 
resten zu schliessen, eine kurze Schwimmblase vorhanden gewesen 
zu sein. 

Die Färbung erscheint an der Rückenseite grau, an Seiten und 
Bauch heller, weisslich mit einem Stich ins Röthliche, eben so alle 
Flossen; Flecken, Streifen oder Punktzeichnungen u. dgl. fehlen 
gänzlich. Die dieke, schuppenlose Haut erinnert übrigens durch 
rauhes, körniges Ansehen und Anfühlen an Squaloiden. 

Beide aus Borba (?) stammenden Exemplare sind Weibchen von 
5’ Totallänge. Die beifolgende Abbildung (Fig. 2) gibt somit die 
natürliche Grösse. 


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Diesing. Über 19 Arten Trematoden. 163 


SITZUNG VOM 1A. JUNI 1855. 


Herr August von Pelzeln, Assistent am k. k. zoologischen 
Cabinete, übergibt im Namen des wirklichen Mitgliedes Dr. Karl 
Moritz Diesing die Beschreibungen und Abbildungen von 19 Arten 
Trematoden für die Denkschriften der kaiserlichen Akademie der 
Wissenschaften. Die dargestellten Arten sind: Diplostomum grande, 
Hemistomum clathratum, H. cordatum, H. pedatum, Monostomum 
liguloideum, M. Cymbium, M. constrietum, M. Hippocrepis, M. 
spirale, M. echinostomum, Distomum Lancea, D. orbiculare, D. 
dimorphum. D. Clava, D. rude, D. obesum, D. serratum, D. annu- 
latum, D. incrassatum. 


Vorträge, 


Über die accessorischen Kiemenorgane und den Darmcanal 
der Clupeaceen. 


Von dem w. M. Prof. Hyrtl. 


(Auszug aus einer für die Denkschriften bestimmten Abhandlung.) 


Die vergleichend anatomische Untersuchung der Clupeaceen 
lehrte, dass bei einigen Gattungen derselben ein accessorisches 
Kiemenorgan vorkommt, welches mit der bei Heterotis von mir neu- 
lich beschriebenen Kiemenschneecke einige Ähnlichkeit besitzt. 

Es findet sich dasselbe in seiner einfachsten Form bei Clupa- 
nodon aureus, als eine einfache sackförmige Ausstülpung der oberen 
Rachenwand, welche durch einschmalesKnochenplättehen des oberen 
Gelenkstückes des vierten Kiemenbogens gestützt wird. 


11* 


E £} 7 . D . 
164 Hyrtl. Über die accessorischen Kiemenorgane 


Bei Kowala albella wird diese Ausstülpung länger, und krümmt 
sich in horizontaler Ebene etwas nach einwärts. 

Bei Chatoössus chacunda und Meletta thryssa ist die Einrol- 
lung des verlängerten Rachendivertieulum noch bedeutender, macht 
aber nicht mehr als anderthalb Windungen. Eine museulöse Kapsel 
umgibt das Ganze, und verleiht ihm eine ovale, von oben nach unten 
etwas comprimirte Gestalt. Zugleich bekommt das Organ eine breite 
Knochenplatte zur Stütze, welche dem vierten Kiemenbogen (oberes 
Stück) angehört, und durch einen breiten, muldenförmigen, nach ein- 
wärts gebogenen Knorpel vergrössert wird. 

Bei einem 10 Zoll langen Exemplar von Meletta thryssa betrug 
der Querdurehmesser des gesammten Organs einen halben Zoll, der 
Längendurchmesser 9 Linien. Die an der concaven Seite des dritten 
und vierten Kiemenbogens aufsitzenden Kämme setzen sich an der 
inneren Oberfläche der äusseren Wand des Organs als zwei durch 
eine Vertiefung von einander getrennte Reihen paralleler Leistchen 
fort. Nerven besitzt das Organ bei weitem nicht in jenem Grade, wie 
es bei Heterotis bemerkt wurde ; — sie sind im Gegentheil spärlich 
zu nennen. Dagegen lässt das Verhältniss der zu- und abführenden 
Gefässe auf eine respiratorische Verwendung des Organs, und somit 
auf seine Bedeutung als Kiemenlabyrinth schliessen. 

Bei Sardinella anchovia ist der Schneckengang 1 Linie weit, 
aber mit sehr dicken (musculösen) Wänden versehen. 

Bei Gonostoma javanicum, von welchem nur ein Skelet vorlag, 
ist die knöcherne Platte des vierten Kiemenbogens absolut am grössten, 
an ihrer concaven Fläche mit einer Leiste versehen, welche wieder 
Querleistehen absendet, so dass der innere Bau des fraglichen Organs 
ein zelliger sein wird. 

Das accessorische Organ fehlt bei folgenden Geschlechtern 
und Arten: 

Il. Osteoglossum formosum C©. \. 

Albula Bonanus La e. 

. Notopterus Bontianus ©. \. 

Rogenia alba C. \. 

Megalops atlantieus C. \. 

Koilia Dussumieri C. \V. 

Elops saurus L. 

Clupea harengus und Clupea latulus 1. 


SEES 


und den Darmceanal der Clupeaceen. 165 


9. Harengula sprattus C. \. 
10. Engraulis atherinoides C.\. 

Zweifelhaft bleibt es, da nur trockene Skelete zur Untersuchung 
vorlagen, bei Pellona Lechenaultü, Alausa tyrannus und Hyodon 
claudalus. Ich sage darum zweifelhaft, weil diese Arten, am oberen 
Gelenkstück des viertenKiemenbogens eine mehr weniger entwickelte 
Knochenplatte besitzen, welehe allerdings eine Tragstütze des frag- 
lichen Organs abgeben könnte, aber auch bei anderen Clupeen, 
welche constatirt kein accessorisches Organ besitzen (wie Alaus«a 
Pilchardus und Engraulis brevifilis), wahrscheinlich blos als Muskel- 
fortsatz vorkommt. 

Ferner enthält die Abhandlung nähere Angaben über die Ver- 
dauungsorgane, insbesondere die Zahl und Gruppirung der Appen- 
dices pyloricae, bei den eben genannten Gattungen der Clupeen. 
Meletta und Chatoessus haben einen dicken, fleischigen Muskelmagen, 
wie Heterotis. 

Clupanodon hat einen mit 12 Längenreihen konischer, harter 
Höcker besetzten Schlund. Bei Alausa, Sardinella und Harengula 
mündet der spiral gedrehte Ductus pneumaticus wie bei Clupea (nach 
Cuvier) in das hinterste zugespitzte Magenende, welches nahe am 
After liegt. Unmittelbarer Zusammenhang von Schwimmblase und 
Magen, per anastomosim, ohne Ductus pneumaticus, kommt bei Elops 
und Kowala vor. — Die Zahl der Appendices pyloricae variirt von O 
bis mehrere Hunderte. Sie fehlen gänzlich bei Megalops atlanticus. 
Hyodon und Kowala besitzt nur Eine dieke kurze Appendix pylo- 
rica, Notopterus (wie Heterotis) zwei ansehnlichlange, Koilia acht. 
Merkwürdig ist, dass Alausa vulgaris 77, Alausa Pilchardus nur 
1 Appendices hat, wovon vier im Kreise um den Pylorus, drei der 
Länge nach am rechten Darmrande stehen. 

Clupea harengus besitzt 24 lange, ungetheilte Appendices, 
Elops 9 Büschel von 15 — 24. Meletta und Chatoesus besitzen sehr 
zahlreiche Appendices, welche am Pylorus in einen dichten Haufen 
zusammengedrängt stehen, im Verlaufe des Dünndarms aber auf 
kleinen, Haustra ähnlichen Buchten des Darmrohrs büschelförmig auf- 
sitzen. Einen vollkommen kugelrunden Magen, mit sehr nahe zusam- 
mengerückten Pylorus und Cardia, hat Koilia. 


1 66 Heckel. Neue Beiträge zur Kenntniss 


Neue Beiträge zur Kenntniss der fossilen Fische Österreichs. 
Von dem w.M., Custos-Adjuneten J. Heck el. 


(Auszug aus einer für die Denkschriften bestimmten Abhandlung.) 


Der Inhalt dieser Beiträge betrifft zuerst die Ganoiden-Familie 
der Pyenodonten, worüber der Verfasser bereits in dem Märzhefte 
der Sitzungsberichte 1854 Bericht erstattet hatte. Darauf folgt 
eine, in die grosse Familie der Clupeoiden gehörende Gruppe, die 
Chirocentri Nalenc., wobei nachgewiesen wird, dass die ersten 
Fische dieser Gruppe, aus welcher heute nur noch die einzige 
Species Chirocentrus Dorab lebend vorkommt, bereits in den oberen 
Schichten der Jura aufgetaucht haben und von Agassiz, der sie 
für Ganoiden hielt, in seine Gattung Tihryssops gestellt wurden. 
Diese Chirocentri erhalten einen Zuwachs von zwei fossilen Arten, 
deren eine zugleich die neue Gattung Thryssopterus bildet, während 
die andere der schon früher aufgestellten Gattung Chirocentrites 
angehört. Die Species Chirocentrites vewillifer, aus den bituminösen 
Kreide-Schichten desKarstes, zeichnet sich vorzüglich durch ihre hohe 
Rückenflosse und Thryssopterus Catullii vom Monte Bolca, nebst den 
runden Rippen und den einfach schief nicht stufenförmig geschnittenen 
Gliederstrahlen, durch nur sieben Kiemenstrahlen und sehr lange nur 
fünfstrahlige Brustflossen aus. Die Elopi, welche ebenfalls eine kleine 
Gruppe derselben grossen Clupeoiden-Familie bilden, werden ferner mit 
einer, drei neue Arten enthaltenden Gattung Zlopopsis n ob. vermehrt, 
die sämmtlich mit dem Chirocentrites vexillifer , denselben Karst- 
Schichten entnommen sind. Elopopsis Fenzlit hat einen 23 Wirbel lan- 
gen Kopf; grosse spitzkonische an der Basis eomprimirte Zähne ; Wirbel 
mit einer Seitenleiste und langen Neurapophysen; 21 Strahlen in der 
Rückenflosse. Elopopsis dentex hat einen 17 Wirbel langen Kopf; 
durchaus konisch spitze, grosse Zähne; Wirbel mit einer Seitenleiste 
und kurzen Neurapophysen; 15 Strahlen in der Rückenflosse. Elopopsis 
microdon hat einen 24 Wirbel langen Kopf mit gebogener Stirne; 
viele kleine spitzkonische Zähne; Wirbel mit zwei Seitenleisten; 
lange Neurapophysen; 15 Strahlen in dem Rückenflosse. 


der fossilen Fische Österreichs. 167 


In dem Originale des, in der Ittiologia veronese Tab. 65, Fig, 3, 
unter dem falschen Namen Chaetodon rostratus abgebildeten Fisches 
wird ein, unter die Theutyes gehöriger neuer Acanthurus erkannt, 
der den Namen seines Besitzers, Acanthurus Canossae erhält; 
sich von den beiden bereits bekannten fossilen Arten, Acanthurus 
tenuis und ovalis Agass. durch seine grosse Ähnlichkeit mit dem 
jetzt lebenden Acanthurus scopas Cuv. Val. unterscheidet und 
wahrscheinlich wegen des vorgeschobenen Mundes den italienischen 
Namen Pappa-Mosche erhalten hatte. 

Hierauf folgt eine neue Scomberoiden -Gattung mit einer 
Species, Carangodes cephalus genannt, aus den eocenen Schichten 
des Monte Bolca. Sie steht der Gattung Carangopsis Agass. am 
nächsten, hat wie diese keinen liegenden Dorn vor der Rückenflosse, 
noch freie Dornen vor der Afterflosse, unterscheidet sich aber von 
derselben ausser einem gestreekteren Körper, mit einer grösseren 
Anzahl abdominaler Wirbel (15 anstatt 10) durch eine kurze mitten- 
stehende Rückenfiosse, deren niederer stachelstrahliger Theil mit 
den nachfolgenden hohen Gliederstrahlen an der Basis zusammen- 
hängt; ferner durch die Stellung der Bauchflossen die vor den Brust- 
flossen unter der Kehle sitzen, was unter Scomberoiden mit getheilter 
Rückenflosse ohne Flösschen nur bei den übrigens weit verschie- 
denen Gattungen Kurtus und Apolectes vorkömmt. 

Die untergegangene Percoiden-Gattung Smerdis Agass. hinter- 
liess in den eocenen Schichten des Ofner Bloksberges eine noch 
unbekannt gebliebene Species Smerdis budensis. Sie sieht dem 
Smerdis pygmaeus Agass. am ähnlichsten, unterscheidet sich aber 
von allen bisherigen Smerdis-Arten durch eine grössere Anzahl 
weicher Strahlen in der zweiten Rückenflosse wie durch weit mehr 
Stützenstrahlen in der Schwanzflosse. 

Die Percoiden- Gattung Lates Cuv., von welcher zwei noch 
lebende und vier urweltliche Arten gekannt sind, erhält den Zuwachs 
einer fünften Art, die als Zeichen der Hochachtung den Namen 
des verehrten Mitgliedes Herrn Custos Partsch trägt und aus 
dem Grobkalke der Wiener Gegend herrührt. Sie ist dem Lates 
macrurus Agass., der ebenfalls aus dem Grobkalke, aber aus 
der Gegend von Paris herstammt, am meisten ähnlich, hat aber 
einen kürzeren Schwanzstiel und eine nur ganz flach gerundete 
Schwanzflosse. 


168 Heckel. Neue Beiträge zur Kenntniss der fossilen Fische Österreichs. 


Ein von Graf Münster beschriebener und abgebildeter Fisch 
Notaeus Agassizü, aus derselben Localität des Wiener Grobkalkes, 
machte eine neue Beschreibung und Abbildung nothwendig, wobei 
die unriehtige Stellung dieses Fisches unter die Gattung Notaeus 
nachgewiesen wird. Notaeus selbst, oder vielmehr dessen einzige 
bisher gekannte Species Notaeus laticaudus Agass., gehört nicht 
den Teleostiern, sondern den Ganoiden an, unter welchen sie nebst 
dem vermeintlichen Cyprinoiden, Cyelurus Agass. mit der jetzt 
lebenden Gattung Amia Linn. zusammenfällt. Münster’s Notaeus 
Agassizü ist aber ein wahrer Labroide und gehört in die Gattung 
Labrus. 

Eine zweite Species dieser Gattung aus denselben Schichten, 
Labrus parvulus nob. ist dem Labrus Agassizii ähnlich, hat aber 
einen kürzeren Körper als dieser, nur 22, nicht 34 Wirbel und blos 4, 
nicht 15 Stachelstrahlen. Die Stellung dieses >/, Zoll langen Fisches, 
die nur in einem ziemlich unvollständigen Exemplare vorliegt, ist 
übrigens, da sie mit Sieherheit nicht nachgewiesen werden kann, hier 
nur als eine provisorische zu betrachten. 

Den Schluss macht eine neue interessante Cataphracten-Gattung, 
die sich zwischen den oft so sonderbaren Formen der Scorpaenen 
und Cottoiden einreiht. Sie stammt ebenfalls aus dem Grobkalke 
des Leitha-Gebirges und erhielt den Namen Ofenopoma. Als Haupt- 
Charaktere derselben werden angegeben: Ein spindelförmiger Rumpf 
mit einem etwas breiten Kropfe; schmale Leisten oder Dornen auf den 
Stirnbeinen; ein kammförmig gezähnter Vordeckel; fünf Kiemen- 
strahlen; nur halb so viele abdominale als eaudale Wirbel, deren 
letzter in zwei Fächerplatten endiget; eine lange Rückenflosse, die 
weniger Stachel- als Gliederstrahlen enthält; eine kurze mittenstehende 
Afterflosse mit drei Stachelstrahlen und vor den Brustflossen unter der 
Kehle ansitzende Bauchflossen. Rumpf, Deckelstücke, Wangen sind 
'beschuppt und die Schuppen fein gezähnt. Die einzige Species heisst 
Ctenopoma Jemelka, nach ihrem gegenwärtigen um die Wissenschaft 
verdienten Besitzer, Med. Dr. Jemelka in Ödenburg. 


Rochleder. Chemische Notizen. 1 69 


SITZUNG VOM 21. JUNI 1855. 


Eingesendete Abhandlungen. 


Chemische Notizen. 
Von dem w. M., Med. Dr. Friedrich Rochleder. 


Vor zwölf Jahren habe ich mit Herrn Heldt eine Methode 
beschrieben, die Chrysophansäure aus der Parmelia parietina dar- 
zustellen. Diese Substanz hat dadurch an Interesse gewonnen, dass 
Schlossberger und Döpping sie in der Rhabarberwurzel 
auffanden. Da ieh unlängst vom Herrn Professor Schroff in Wien 
25 Pfund Parmelia parietina erhielt, um daraus Chrysophansäure 
darstellen zu lassen, glaubte ich keine unnütze Arbeit zu machen, 
wenn ich eine bequemere Darstellungsmethode für diesen Körper 
ausmitteln würde. Schlossberger und Döpping haben die 
Chrysophansäure ebenfalls mit vieler Schwierigkeit aus dem Rheum 
dargestellt, die Ausbeute war keine grosse. 

Die in den folgenden Zeilen beschriebene Methode, welche ich 
durch Herrn Brem in meinem Laboratorium ausführen liess, liefert 
schneller und bequemer die ganze Menge Chrysophansäure, welche 
in Flechten oder den Wurzeln von Rheum enthalten ist. 

Man zieht mit sehr schwachem Weingeist, dem etwas Ätzkali- 
lösung zugesetzt ist, die Parmelia parietina oder die gepulverte 
Rhabarber aus, seiht die Flüssigkeit durch Leinen, presst den Rück- 
stand aus, filtrirt die Flüssigkeit und leitet einen Strom gewaschener 
Kohlensäure hinein. Den entstandenen Niederschlag filtrirt man von 
der Flüssigkeit ab, löst ihn in 50 pCt. Weingeist, der mit etwasKali- 
hydrat versetzt ist, filtrirt von dem ungelöst gebliebenen Antheile 
ab und fällt das Filtrat durch etwas Essigsäure. Der Niederschlag 


170 Rochleder. Chemische Notizen. 


wird auf einem Filter gesammelt, in siedendem Weingeist gelöst und 
die Lösung heiss filtrirt. Das Filtrat mit Wasser gemischt, gibt 
Chrysophansäure in Form von rein gelben Flocken, die durch 
Umkrystallisiren aus Alkohol vollkommen rein erhalten werden. 

Es gelingt auf diese Art, eine grosse Quantität Chrysophansäure 
aus Rheum darzustellen, und die übrigen Bestandtheile des Aheum 
auf diese Weise frei von Chrysophansäure zu erhalten. 

Diese Methode wird es möglieh machen, sich leicht zu über- 
zengen, ob das sogenannte Lapathin, das Rumiein und vielleicht auch 
das Plumbagin mit der Chrysophansäure identisch sind oder nicht. 

Ich habe ferner unterstützt, von den Herren Dr. Schwarz und 
Kawalier, eine Untersuchung der Blätter, Rinde und Früchte von 
Aesculus Hippocastamnum ausgeführt, deren Resultate ich der k. 
Akademie nächstens vorzulegen die Ehre haben werde. Ich war dabei 
genöthigt, die Caincasäure so wie das Saponin und die Chinovasäure 
mit in die Untersuehung einzubeziehen. Ich habe den von Fr&my für 
Saponin erklärten Stoff der Rosskastanien als einen eigenthümlichen 
Stoff erkannt, der aber zum Saponin und zur Caincasäure in einem 
bestimmten Verhältnisse steht. Ich habe die Beziehungen zwisehen dem 
Stoff der Früchte und den Bestandtheilen der Rinde und Blätter aus- 
gemittelt. Ich habe zwei Gerbsäuren, die eine in der Rinde, die 
andere in den Blättern, krystallisirt erhalten, ebenso das Äseulin 
einer nochmaligen Untersuchung unterworfen, die richtige Formel 
desselben festgestellt, und die Farbstoffe untersucht, die aus dem 
Äseuletin hervorgehen, so wie die Produete, welehe durch Einwir- 
kung von Alkalien aus Äseulin und durch Einwirkung von Säuren. 
auf die Gerbstoffe entstehen, ausgemittelt und eine Anzahl homologer 
Substanzen erhalten, die sich als echte Farbstoffe anwenden lassen. 

In einer folgenden Abhandlung werde ich die Resultate mit- 
theilen, welehe eine begonnene Untersuchung der Gährung des Ross- 
kastanienmehles und der Blätter in verschiedenen Perioden der 
Vegetation, so wie der Wurzelrinde der Kastanien geben. 


Zantedeschi. Nuovo Elettroscopio per le due elettrieitä d’influenza. 171 


Nuovo Blettroscopio per le due elettrieita d' influenza. 


Del Prof. Francesco Zantedeschi. 
(Con I tavola.) 
(Vorgelegt in der Sitzung vom 18. Maäi 1855.) 


Macedonio Melloni tento di eomprovare, che nei fenomeni d’in- 
duzione, 1’ elettrieitä omologa & la sola libera e dotata di tensione, e@ 
che la elettrieitä eontraria € sempre dissimulata. 

Nella mia Memoria sull’ origine della elettrieita at- 
mosferiea e sulla induzione elettrostatica dei con- 
duttori solidi isolati, che fu pubblieata nel fascicolo 
11° Anno 1° dell’ Ateneo Italiano (15. settembre 1854), 
manifestai la mia contraria dottrina a quella dell’ illustre Fisico Ita- 
liano, e mi riservava ad altro tempo di pubblicare i miei risultamenti. 
Ora che veggo discussa tra Fisiei Ja nuova dottrina, ceredo tornar 
utile alla seienza pubblicare il mio elettroscopio, col quale rendo evi- 
dente l’esistenza delle tensioni libere delle due opposte elettrieitä 
indotte od attuate; e la ragione, per la quale negli esperimenti di 
Melloni apparve la sola elettrieita omologa. 

Sopra labase KK’ sono collocate verticalmente e parallele fra di 
loro due pile di Zamboni coi poli isolati e disposti inversamente in 
modo, che al positivo dell’ una risponde il negativo dell’ altra, e vice- 
versa, come & indicato dalle leitere P, N; P', N. Fraipoli di queste 
pile insiste verticalmente un’ asta d’ottone terminata da ambe le parti 
da una sfera dello stesso metallo DD’, che & perfettamente isolata. 
In b, 5’ sono sospese, come si pratica negli elettroscopii, due pagliette, 
le quali non toccano l’asta metallica, che in c, €‘. Esse vengono a 
 rispondere alle due placche polari UT, UT. Altre due pagli- 
uzze sono sospese in a, a, che non toccano l’asta che in vv‘. Le 
due pile, mediante i sostegni LM, EE' possono essere allontanate 
o avvicinate all’ asta intermedia , senza che perdano il loro paral- 
lelismo. 

Ora disposto il tutto convenientemente, se alla sfera D si avvi- 
eini un corpo elettrizzato positivamente la pagliuzza b’e' s’innalza 
e si porta al polo positivo P, mentre la pagliuzza be rimane verticale, 


172 Zantedeschi. Nuovo Elettroscopio per le due elettricitä d’ influenza. 


o in stato naturale apparente o di equilibrio, per ritrovarsi fra due 
forze opposte ed uguali. Nel caso che le due forze dello stesso nome 
fossero disuguali potrebbe accadere un qualche moto, senza pero por- 
tare eonfusione nei risultati sperimentali. Il movimento dell’ una della 
due pagliuzze e l’equilibrio dell’ altra dipende dalla distanza, alla 
quale sono collocate le pile e dalla loro energia polare. Nell’ atto 
stesso che la pagliuzza d’ c’ si solleva, s’innalza ancora la pagliuzza 
av’ portandosi al polo negativo della pila NV, mentre la pagliuzza av, 
rimane in stato apparentemente naturale, come la ch superiore. I 
movimenti impertanto delle due pagliette d’c' ed «a’v’ dimostrano, 
che le due specie di elettrieitä negativa 0 resinosa, positiva o vitrea 
sono libere e sensibili ai due poli opposti della pila. 

Ugualmente sono evidenti i fenomeni delle due elettrieitä indotte 
od attuate, avvieinando alla sfera D un corpo elettrizzato nega- 
tivamente. 

Ma in questo caso si sollevano le pagliuzze dc, ed av; e rimangono 
vertieali d’c' ed av’. E questo movimento dimostra, che & positiva be, 
e negaliva av. 

In futti e due i easi, le opposte elettrieita sono libere, ne vi ha 
mai la,supposta dissimulazione della elettrieita di nome contraria. 

Sostituita all’ asta DD’, V’asta HGFCD, impiäntata sopra l’iso- 
lante BA, e portante le due pagliuzze sospese in D, G, i fenomeni, 
che si manifestano sotto la forza attuante sono in ambe le pagliuzze 
dello stesso nome. Col corpo inducente positivo, tutte e due le pagliette 
appariscono positive; e col corpo inducente negativo, tutte e due le 
pagliuzze appalesano un’ elettricitä negativa. 

In questa disposizione dell’ apparato elettroscopico, & impedito lo 
spostamento della elettrieitä, onde apparisca quella di nome con- 
trario. E il easo analogo a quello di Melloni, che gli fece eredere, 
che l’elettrieita di nome contrario si dissimuli intieramente. Con questo 
mio elettroscopio si rendono evidenti tutte le leggi dell’ elettrieita 
d’influenza. | 

Col sistema delle due sole pagliuzze, abbiamo indotta !’elettri- 
cita positiva, tutte e due le pagliuzze si portano al polo negativo; 
quindi si searicano, e tolta  atmosfera attuante, si slaneiano al polo 
positivo, acceusando cosi il loro stato elettrico negativo. Anzi pud, ac- 
cadere che le pagliuzze perdano parte della loro elettricitä attuata, 
sotto l’influenza dell’ atmosfera premente, senza, che avvenga fra le 


Zantedeschi. Nuovo HKlettroscopio per le due elettrieita d’influenza. 


Aus d.k.k. Hof-u. Staatsdricckerei. 
Sitzungsb. d.k. Akad. d.W. math. naturw. CI.XVI.Bd. 1.Heft. 1850. 


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Wedl. Über das Herz von Menopon pallidum. 173 


pagliette ed i poli aleun eontatto, il che, & dimostrato dalle eletri- 
eita opposte, che accusano, al togliersi l’atmosfera del corpo 
attuantie. 

Col sistema delle quattro pagliuzze, messa in comunicazione la 
sfera D’ colla terra e sottoposta all’ influenza dell’ atmosfera positiva la 
sfera D e successivamente interrotta la comunicazione di D’ col 
suolo, e sottrato D all’ influenza dell’ atmosfera elettrica, la paglietta 
b' c‘, siporta al polo positivo, e cosi pure la paglietta «'v’, mentre le 
altre due dc, av rimangono immobili o quasi immobili. Il che di 
mostra che tutta l’asta DD‘ & negativa. Il fenomeno si appalesa in- 
versamente con un’ atmosfera attuante negativa. 

Le dimensioni dell’apparato dipendono della grandezza delle pile 
Zamboniane. Quelle usate de me erano della lunghezza di dodiei 
centimetri e del diametro di due crescenti. 


Vortrag 


Über das Herz von Menopon pallidum. 
‚Von dem ce. M., Prof. Dr. 6. Wedl. 
(Mit I Tafel.) 

Seitdem Malpighi das längs dem Rücken der Insecten ziehende 
Gefäss entdeckte und als grosse Pulsader beschrieb, haben sowohl 
ältere Entomotomen wie Svammerdam, Bonnet, Lyonet u. A. 
als auch neuere, wie Joh. Müller, Herold, Carus, Straus- 
Durkheim, Burmeister (Allgemeine Entomologie S. 164) die 
Ansicht festgehalten, dass der vom Kopf bis zum After den ganzen 
Leib durchdringende Canal das einzige Gebilde sei, was von blutfüh- 
renden Organen bei den Kerfen sich vorfinde und für dessen arterielle 
Beschaffenheit seine regelmässigen Contraetionen und Expansionen 
sprechen. Straus-Durkheim (Considerations generales sur 
l’anatomie comparde des animaux articules, p. 345 u. f.) nennt 
jenes arterielle Gefäss das Herz der Inseeten. Ganz im Einklange 
mit dieser Ansicht steht jene von C. Th. v. Siebold. Er sagt (Lehr- 
buch der vergleichenden Anatomie der wirbellosen Thiere, S. 607): 
Das sehr wenig entwickelte Blutgefäss-System der Inseeten besteht 
aus einem gegliederten contractilen Rückengefässe (vas dorsale) 


174 Wedi. 


und aus einer nach dem Kopfe hingerichteten Aorta. Ersteres voll- 
zieht die Funetion des Herzens, während letztere das Blut von dem 
Herzen in den Körper hinausleitet. Ebenso sieht er wie Straus- 
Durkheim die durch die Klappen des Rückengefässes hervorge- 
brachten Gliederungen als Herzkammern an, deren Zahl sehr unbe- 
ständig sei, doch scheinen achtHerzkammern ziemlich verbreitet vor- 
zukommen. Verschieden von dieser ausgesprochenen Anschauung 
und unklar ist jene von Milne-Edwards (Verfahren der Natur 
bei Gestaltung des Thierreichs, deutsche Übersetzung seiner im 
J. 1851 unter dem Titel: Introduction a la zoologie generale, pre- 
miere partie zu Paris erschienenen Schrift, p. 50). Es heisst daselbst: 
Die Luft-Kerbthiere besitzen weder Schlagadern, noch eigentliche 
Venencanäle, und das Blut vorantreibende Organ, statt die Form 
eines weiten zusammenziehbaren Behälters zu haben, ist nur dureh 
ein dünnes Gefäss vertreten, dessen Schläge nur schwache Wellen 
des in den weiten Räumen der Umgebung befindlichen Dal ungs- 
stoffes in Bewegung zu setzen vermögen. 

C. Bergmann und R. Leuekart (Vergl. Anatomie u. Physio- 
logie, $S. 172) sehen wohl das Rückengefäss der Insecten als Herz 
an, vergleichen jedoch die Gliederungen des Gefässes nicht mit den 
Herzkammern der Wirbelthiere, da die hineinragenden Klappen 
niemals eigentliche Scheidewände bilden, sondern blos zum Ver- 
schliessen der Seitenöffnungen dienen. J. van der Hoeven (Hand- 
buch der Zoologie, nach der zweiten holländischen Ausgabe, S. 248) 
meint, das weitere Stück des Rückengefässes erinnere an das Herz 
der übrigen Thiere. Wesentlich in demselben Sinne, d. h. das Rücken- 
sefäss der Inseeten als Centralorgan des Gefäss-Systems ansehend, 
fasst sich J. Vietor Carus (System der thierischen Morphologie, 
p. 135). H. Trosehel und Ruthe (Handbuch der Zoologie, vierte 
Auflage, vv. Wiegmann's Handbuch, S. 271) sagen, dass bei den 
Insecten ein Herz, das diesen Namen verdiene, kaum vorhanden sei. 

Gegen die Allgemeinheit des Ausspruches, dass nämlich das 
Rückengefäss der Inseeten als Herz zu betrachten sei, sprechen die 
Beobachtungen, welche ich an mehreren Repräsentanten aus der 
Familie Mallophagae, der Ordnung der Aptera angehörig zu machen 
Gelegenheit hatte. Ich muss gleich eingangs erwähnen, dass ich das 
bezügliche Material der Güte des Herrn Heinrich W. Schott, 
Direetor der k. k. Menagerie zu Schönbrunn, verdanke. 


Über das Herz von Menopon pallidum. 175 


Ich wendete meine Aufmerksamkeit auf den hintersten Abschnitt 
des Rückengefässes, und bin zu der Überzeugung gelangt, dass hinter 
letzterem ein selbstständiges Herz liege, das sowohl hinsichtlich 
seiner Structur als auch seiner energischen Thätigkeitsäusserung 
Verschiedenheiten von dem Vas dorsale zeigt. Ich will mich bier 
hauptsächlich auf das Herz von Menopon pallidum beschränken, 
einem sehr lebhaften Ektoparasiten, der in dem Gefieder des Haus- 
huhns sehr häufig seinen Wohnsitz aufgeschlagen hat. 

Menopon pallidum, dessen mittlere Grösse 2 Millimeter in der 
Länge, ®/, Millim. in der grössten Breite beträgt, eignet sich, wie 
schon sein Name andeutet, wegen seiner Blässe (die Chitinhülle 
hat eine blassgelbliche Färbung) zu Untersuchungen für das durch- 
gehende Licht. Auch kömmt noch der Umstand gut zu Statten, dass 
jüngere kaum 1 Millim. im Längendurchmesser haltende Individuen 
eine sehr zarte, farblose Chitinhülle haben und die hintersten Glieder 
des Bauchtheils von Menopon pallidum sich namentlich durch ihre 
geringe Ausdehnung in die Tiefe auszeichnen. 

Das Herz liegt in der Mitte des achien oder vorletzten Gliedes 
gegen die Rückenfläche hin. Seine Gestalt nähert sich der kugeligen 
(s. die beiliegende Abbildung C) und schliesst einen Hohlraum ein, 
der nach vorne und rückwärts mit einer Öffnung versehen ist. Es 
besitzt einen parenchymatösen Theil, der beiderseits in Form 
eines Kugelsegmentes erscheint (e, e) und aus einer feinen Molekül- 
masse besteht; dieselbe lässt wenigstens keine weitere formelle Ele- 
mentar-Analyse zu. Von der inneren Oberfläche des parenchymatösen 
Theiles entspringen zackige Verlängerungen (f; f), die an die Papil- 
larmuskeln des Wirbeltbierherzens erinnern, und in ungemein zarte, 
dem Auge entschwindende fadenartige Sehnen auslaufen; dieselben 
inseriren sich allem Anscheine nach au dem mittleren membranö- 
sen Theile des Herzens, der zwischen den beiden parenchymatösen 
Kugelsegmenten liegt. Höchst wahrscheinlich bestehen einige Reihen 
von Papillarmuskeln. Es zeigt sich nämlich ein Gitterwerk von Fäden 
bei der Systole des Herzens gegen dessen innere Oberfläche. 

An der Aussenseite des parenchymatösen Herztheiles inserirt 
sich beiderseits ein auf einer breiteren Basis aufsitzendes Bündel von 
straffen Fasern (d, d), das sich gegen die äussere Haut hin verliert 
und als rechts- und linksseitiges Aufhängeband des Herzens bezeichnet 
werden kann. 


176 Wedı. 


Nach vorne zu steht das Herz nicht in unmittelbarem Zusam- 
menhange mit dem sogenannten Rückengefässe (A), das an seiner 
Insertionsstelle in das Herz eine ampullenartige Anschwellung zeigt 
(B). Diese, offenbar analog dem Bulbus Aortae, hat eine diekere 
Wandung (db, 5) als das Vas dorsale, das wie gewöhnlich an seiner 
inneren Oberfläche mit Klappen (a, a!) versehen ist; hingegeu ist 
die Wandung beträchtlich dünner als jene des eigentlichen Herzens. 
An beiden Seiten des Bulbus befindet sich ein schief aufsteigendes, 
straffes Faserbündel, das ich als rechts- und linksseitiges Aufhänge- 
band (c, c) des Bulbus aortieus bezeichnen will. 

Ein gleichartiger, flaschenartiger Ansatz, wie nach vorne, befin- 
det sich an dem Hintertheile des Herzens (D). Auch hier sind die 
Wandungen beträchtlich dünner geworden (g, g) als im Herzen. Zu 
beiden Seiten dieser hinteren Ampulle bemerkt man Verlängerungen 
(h, h), über deren Beschaffenheit ich nieht ganz ins Klare kommen 
konnte. Ein klappenartiges Spiel schien mir in einigen Fällen an den 
Insertionsstellen dieser Verlängerungen (h, h) vor sich zu gehen, 
jedoch war es mir unmöglich, dieselben weiter zu verfolgen, und ich 
möchte sie daher einstweilen nur problematisch als die beiden Haupt- 
venen anführen, wonach eonsequenter Weise die hintere Ampulle (D) 
als Bulbus venosus gelten würde. An dem hintersten Abschnitte des 
letzteren erscheint eine Reihe von kurzen, straffen Fasern (ti), die 
wohl nur als ligamentös angesehen werden können und schon an dem 
nach rückwärts abgerundeten Aftergliede befestigt sind (F, F), 
während das Herz, wie gesagt, in dem achten Bauchringe (E, E) 
liegt. 

Der Längendurehmesser von der Einmündungsstelle der Aorta 
(wie ich das Vas dorsale jetzt nennen will) in den Bulbus arteriosus 
bis zum hinteren Ligament (?) des Bulbus venosus beträgt an Thieren 
mittlerer Grösse nahezu 0-1 Millim., also ein 1/,, der ganzen Länge 
des Thieres, die Dieke des parenchymatösen Theiles des Herzens 
jederseits 0:014—.0:016 Millim. ohne Einschluss der Papillarmuskeln. 

Die Pulsationen des Herzens, die schon mittelst einer starken 
Loupe deutlich wahrgenommen werden können, erfolgen mit einer 
grossen Energie und Regelmässigkeit. Bei lebhaften Individuen, 
welche von dem lebenden Wohnthiere aus dem Gefieder weggenom- 
men wurden, zählte ich 112—120 Herzschläge in der Minute, wäh- 
rend dieselben auf 56—-52 herabsinken, wenn das Wohnthier einen 


Über das Herz von Menopon pallidum. 1 


oder einige Tage abgestorben ist, wobei diese Federnfresser auch an 
Asilität ihrer Bewegungen in Folge des Verlustes von animalischer 
Wärme einbüssen. 

Die Contractionen und Expansionen des Herzens geschehen in 
transversaler Richtung, so zwar, dass die beiden parenchymatösen 
Kugelsegmente einander genähert und von einander entfernt werden. 
Beträgt der Querdurchmesser des Herzens bei dessen Systole 0:054 
Millim., so steigt er bei der Diastole auf 0:072 Millim. Die zacken- 
förmigen Papillarmuskeln und deren Sehnen erhalten bei der Systole 
eine schräge Richtung nach vorn und rückwärts, während letztere 
bei der Diastole eine quere wird; insbesondere wird dies an den 
fadenartigen Sehnen ersichtlich. Die seitlichen Aufhängebänder des 
Herzens (d, d) werden bei dessen Systole gespannt. Eine Verän- 
derung in der Substanz des Herzens konnte ich bei dessen Bewe- 
gungen nicht ermitteln. 

Synchronisch mit der Systole des Herzens erfolgen auch die 
Contractionen des Bulbus arteriosus und venosus. Ermattet jedoch 
der Herzschlag, so lassen sich kleine Zeitunterschiede zwischen 
letzteren und ersterer noch beobachten. Nebenliegende Organe, wie 
feine Tracheenzweige oder ein zufällig angelagertes Harngefäss, 
erleiden von den Herzstössen eine passive Bewegung. 

Die Abschnürungen der Aorta (Vas dorsale) geschehen, wie 
dies sattsam bekannt ist, in auf einander folgenden Zeiträumen von 
rück- nach vorwärts, so dass die erste Abschnürung zunächst dem 
Bulbus arter. in a die nächste in «' erfolgt. Dabei ist hervorzu- 
heben, dass diese absatzweisen Verengerungen des Gefässes nicht 
mit jener Energie und Präeision vor sich gehen, wie die Contrac- 
tionen des Herzens. Die Lage der Aorta ist nicht so fixirt, dass sie 
nicht ebenso wie das eine oder andere Harngefäss dann und wann 
einige pendelartige Bewegungen in der Leibeshöhle erfahren würde, 
welche wohl durch die Contractionen der Leibesringe hervorgebracht 
werden, alse passiver Natur sind. Die Lage des Herzens kann wohl 
insoferne eine Veränderung erleiden, als die hinteren Leibesringe 
gestreckt oder gegen die Bauchfläche angezogen werden können, 
wodurch im letzteren Falle die Curve des Rückens eine stärkere 
wird, allein eine seitliche, passive, pendelartige Schwingung ist 
nicht zulässig, da das Herz theils durch das hintere, am Bulbus 
ven. befindliche unpaarige Band (i), theils durch die seitlichen 

Sitzb. d. mathem.-naturw. Cl. XVII. Bd. I. Hft. 12 


178 Wedi. 


Aufhängebänder am Herzparenchym (d,d) und am Bulbus art. (e,c) 
fixirt ist. | 

Die Blutflüssigkeit ist farblos und enthält keine suspendirten 
Elementartheile. In der hinteren Leibeshöhle habe ich wohl spindel- 
förmige, zeitweilig in pendelartige Schwingungen versetzte Körper 
gesehen, deren Bedeutung mir jedoch unklar geblieben ist; für 
etwaige Köpfe von Samenfäden sind sie zu gross. | 

Bei der zu wählenden Untersuchungs-Methode ist vor 
Allem festzuhalten, dass das Thier sehr empfindlich gegen den 


Abgang von frischer Luft ist; es stirbt, mit einem Uhrglase selbst nur 


wenige Minuten bedeckt, ab. Legt man das Thier auf die Rücken- 
fläche in irgend eine Flüssigkeit, so hat dies alsogleich den 
Erstickungstod zur Folge, da die Stigmata bekanntlich gegen den Rand 
des Rückens am Abdomen sich befinden. Ist die Flüssigkeitssehichte 
im Verhältnisse zur Dieke des Thieres zu hoch, so bäumt sich letz- 
teres bei der Bauchlage aus Luftmangel auf und geht gleich zu Grunde, 
sobald die Flüssigkeit über den Rücken des Bauchtheiles überschlägt: 
Ist das Thier abgestorben, so lassen sich selbst nicht mehr die Um- 
risse des Herzens und der Aorta erkennen. 

Die zur Untersuchung nöthige Fixirung des Thieres bewirkt 


man dadurch, dass man blos die hintersten Glieder des Abdomen, 


von einer Flüssigkeit umspült, mit einem Deckglase bedeckt, während 
die übrigen Bauchringe, der Brusttheil und Kopf über den Rand des 
Deckglases frei hervorragen. Freilich muss hiebei die Dieke des 
letzteren der Resistenz der Chitinhülle adaptirt werden, denn ein 
etwas zu starker Druck bringt alsbald eine Intermission und gänz- 
lichen Stillstand der Pulsationen des Herzens hervor. Als umspülende 
Flüssigkeit wählte ich Glycerin oder Terpentinöl, da hiedurch eine 
grössere Transparenz erzweckt und die bei längerer Beobachtung 
störende Verdunstung vermieden wird, wie dieselbe z. B. beim 
Gebrauche des Wassers erfolgt. Junge, kaum 1 Millimeter lange Indi- 
viduen von Menopon pallidum vertragen den Druck selbst eines sehr 
feinen Deckglases auf ihren hinteren Leibesabschnitt nicht mehr, 
ohne dass die Herzbewegungen sistirt werden. Es ist daher am räth- 
lichsten, solche wegen der Transparenz zur Beobachtung sehr deut- 
liche Exemplare aufeiner sehr dünnen Schichte von Glycerin oder Ter- 
pentinöl frei herumkriechen zu lassen und die Perioden, wo das Thier 
zur Ruhe kömmt, für die Beobachtung abzuwarten. Die vom todten 


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ee ee Ge re" nam 


Über das Herz von Menopon pallidum. 179 


Huhne abgenommenen Individuen haben viel von ihrer Agilität ein- 
gebüsst und ermatien um so eher. Es lässt sich wohl zur Fixirung 
des Thieres Copallack, eine weingeistige Lösung von Schellak, 
Gummilösung u. dgl., jedoch, wie mir schien, mit weniger Vortheil 
anwenden. Es versteht sich wohl von selbst, dass nieht selten Hin- 
dernisse der Beobachtung entgegentreten, wohin die nicht seltenen 
Fäcalmassen im Mastdarme, zuweilen der Fettkörper oder eine unvor- 
theilhafte Lage des Thieres, bei den Männchen die rothbräunlich 
tingirte hornige Scheide des Penis zu rechnen sind. 

Durch die Beobachtungen an Menopon pallidum auf die Exi- 
stenz eines Herzens aufmerksam gemacht, habe ich mich auch von 
dem Vorhandensein des letzteren bei anderen den Philopteriden ange- 
hörigen Repräsentanten überzeugt, so bei Lipeurus variabilis aus 
dem Gefieder des Haushuhns, bei Goniodes Colchici vom Silber- 
fasan, bei Docophorus atratus vom Steinraben. Die Pulsationen des 
Herzens lassen sich aber hier nicht mehr bei durchgehendem, son- 
dern nur bei auffallendem Lichte wegen der Pigmentirung der Chitin- 
hülle wahrnehmen. Der präeiser ausgesprochene Rhythmus in den 
intensiveren Contractionen eines unterhalb des achten Gliedes pulsiren- 
den Körpers lassen keinen Zweifel übrig, dass dasselbe das Herz sei, 
wenn es auch nicht gestattet ist, dessen Grenzen nach rückwärts 
genau zu umgehen. 

Die angegebenen Beobachtungen haben es nun festgestellt, dass 
bei mehreren dem Genus Philopterus (Nitzsch) angehörigen Reprä- 
sentanten hinter dem von den Entomotomen als Rückengefäss bezeich- 
neten und von vielen als Herz angesehenen Organe ein rhythmisch 
intensiv pulsirender Körper sich befinde, der das eigentliche Herz 
vorstellt. Da es überdies mit keiner Wahrscheinlichkeit anzunehmen 
ist, dass den benannten Insecten vor den übrigen ein Prärogativ in 
dem Besitze eines Centralorgans des Gefäss-Systems zukomme, so 
folgert sich die Aufforderung, weitere Forschungen in Bezug auf die 
etwaige Existenz eines Herzens bei Repräsentanten aus den verschie- 
denen Ordnungen der Insecten anzustellen. 


180 Wedl. Über das Herz von Menopon pallidum. 


Erklärung der Abbildung. 


A. Aorta (vas dorsale autorum), a erstes Klappenpaar, a’ zweites Klappen- 
paar. 

B. Bulbus arteriosus: bb Dicke der Wandung desselben, ce seitlich abge- 
hende Aufhängebänder. 

C. Das einkämmerige Herz, dd seitliche Aufhängebänder des Herzens, e e 
parenchymatöser Theil des Herzens, ff zackige, mit fadenartigen Sehnen 
in dem mittleren häutigen Theile des Herzens endigende Verlängerungen des 
Herzparenchyms. 

D. Bulbus venosus (?), 99 dessen Wandung, Ah die beiden Hauptvenen (?), 

ti hinteres, unpaariges Band des Bulbus venosus. 

. Achtes Glied des Abdomen. 

. Afterglied. 


>> 


Wedl. Herz von Menopon pallidum. 


Aus d.k.kHbf u.Staatsdruckerei. 


Sitzungsb. d.k.Akad.d.W. math. naturw. CI.XVIIBd. (Heft. 1855. 


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Verzeichniss der eingegangenen Druckschriften. 181 


VERZEICHNISS 


DER 


EINGEGANGENEN DRUCKSCHRIFTEN. 
(JUNI.) 


Akademie, k. preussische, der Wissenschaften. Monatsbericht 
April, Mai. 
Annalen der Chemie und Pharmacie. Herausgegeben von Wöhler, 
Liebig und Kopp. Bd. 94, Heft 1. 
Annales des mines. IV. Serie, Table des matieres. 
Annuaire de l'institut des provinces de France. 1855. (3 Exempl.) 
Anzeigen, Oöttingifche, gelehrte. 1854. 
Archiv für schweizerische Geschichte. Bd. 10. 
Berlin, Universitätsschriften aus dem Jahre 1854. 
Bonnewyn, Henri, Notice sur la Spigelie anthelmintique. Liege, 
1854; 8% 
— Memoire sur le Tartrate Antimonieo-potassique, Tartrate de 
Potasse et d’Antimoine ou Emetique. Auvers 1851; 8% 
— Memoire sur [’histoire et les maladies du Solanum tuberosum. 
Tirlemont 1851; 8% 
Gotta, Bernh., Deutfchlands Boden, fein geologifcher Bau und defjen 
El iekungen auf das Leben der Menfien. Leipzig 1854; 8% 
Flora. 1855. Nr. 1—12. 
Sörfter, Chrift., Allgemeine Bauzeitung. Jahrgang 20, Heft A. 
Gefhihtshblätter aus der Schweiz. Herausgegeben von Kopp. 
Br. I, Heft 1. (2 Exemplare.) 
Gesellschaft, k. sächsische, der Wissenschaften. Abhandlungen 
der philolog.-hist. Classe. Bd. Il, Bogen 27 — 34. 
— Berichte über die Verhandlungen der philolog.-hist. Classe. 
1854, Nr. 1—6. 1855, Nr. 1, 2. 


s ”. ın "oc » 
1 52 Verzeichniss der 


Gesellschaft, physiealisch - medieinische, in Würzburg. Ver- 
handlungen. Bd. V, Heft 3. 

Göttingen, Universitätsschriften aus dem Jahre 1854. 

Greifswald, Universitätsschriften aus dem Jahre 1854. 

Gualandi, Michelangelo, lettera e risposta di Andrea Tessier 
intorno agli artisti Giov.Gherardini, Ugo da Carpi et France. 
Marcolini. Venezia 1855; 8% 

Hauer, Franz Ritter v., und Foetterle, Franz, geologische Über- 
sicht der Bergbaue der österreichischen Monarchie. Wien 
1855; 4% 

Heidelberg, Universitätsschriften aus dem Jahre 1854. 

Heusler, A., der Bauernkrieg von 1655 in der Landschaft Basel. 
Basel 1854; 8% 

Jahrbuch, neues, für Pharmacie ete. Band III, Heft 1 — 3. 

Sahresbericht des Marien-Vereined zur Beförderung der Fatholifchen 
Miffton in Eentral-Afrifa. Nr. 4 Wien 1855; 8% 

Journal, the astronomieal. Vol. IV, No. 6 —9. 

Kiel, Univerfitätäfchriften aus dem Jahre 1854. 

Knabl, Nihard, der angebliche Götter-Dualismus an den Votivfteinen 
zu Videm und Aquilefa gegen den neueften Behauptungs-Verfuch 
wiederholt in Abrede geftellt. Grab 1855; 8% 

Kokscharow, Nicolai von, Materialien zur Mineralogie Russlands. 
Mit Atlas. Bd. I, Lief. 1— 15. St. Petersburg 1853; 8% 
Krabbe, Otto, die Univerfitat Noftof im 15. und 16. Sahrhundert. 

Bd. I. Noftof 1854; 8% 

Kupffer, A. T., Compte-rendu annuel ete. de l’observatoire 
physique central. 1853. St. Petersbourg 1854; 4% 

Lancet, nederlandsch. Serie I, Nr. 5—8; Serie III, Nr. 1— 4. 

Lanza, Frane., Dall’ antico palazzo Diocleziano in Spalato. Disp. 1, 2. 
Trieste 1855; 4% 

Lazari, Vine., Relazione di Andrea Gritti oratore straordinario 
per la Rep. di Venezia al Sultano Bajezid II. Firenze, 1854; 8% 

— Promissione diEnrico Dandolo, Doge di Venezia (Giugno 1192). 
(Append. allo Archivio Storico Ital.) 

Leipzig, Universitätsschriften aus dem Jahre 1854. 

Malvezzi, Gius., Intorno l’influenza della malattia delle uve sul 
pagamento dei fitti e dei livelli. Venezia 1855; 8% 

— Sulle ease d’Industria. Venezia 1855; 4°, 


eingegangenen Druckschriften. 18 > 


Malvezzi, Gius., Rapporto della commissione instituita per istudiare 
e riferire sulla possibilita di fondare in Venezia una societä pel 
patronato dei carcerati e liberati dal carcere (s. I. et d.); 4° 

Memorial de Ingenieros. Anno IX, No. 12. 

Mittheilungen aus dem Gebiete der Statistik. Jahrg. II, Heft 8. 

Mocenigo, Alvise, Doge, commissione data a Luigi Giorgio ecec. 
Venezia 1855; 8% | 

Münster, akadem. Schriften aus dem Jahre 1854. 

Nachrichten von der Öeorg-AuguftssUniverfität und der F. Gefellfchaft 
der Wiffenfchaften zu Göttingen. Jahrg. 1854. 

Ne gsri, Girolamo, Discorso sulla concesione di Maria. Tratto da un 
ceodice Mss. posseduto dal Car. Em. Cicogna. Venezia 1855; 8% 

Owen, Rich., Prineipes d’Osteologie compar&e ou Recherches sur 
l’ Archetype et les Homologies du squelette vertebre. Paris 
1855; 8% Ä 

Piria, R., Sulla Populina. s. Il. et d.; 8°. 

Programm des Öymnafiums U. &. zu Hermannftadt, für das Schuljahr 
1853/54. (2 Exempl.) 

Quetelet, sur la relation entre les temperatures et la durde de la 
Vegetations des plantes. (Acad&mie de Belgique , Bulletins. 
Vol. XXI.) 

Reichsanstalt, geolog. Jahrbuch, V. Heft; 4% 

Repertory of patent inventions and other discoveries and improve- 
ments in arts ete. No. 145 — 146. 

Robin, Edouard, Preeis element. de chimies generale ete. Part I, 1. 
Paris 1854; 8°- 

— Mode d’action des Anesthesiques par inspiration. Paris 
1852; 8% 

— Loi nouvelle regissant les differentes proprietes chimiques. 
Paris 1853; 8% 

Rostock, Universitätsschriften aus dem Jahre 1854. 

Scheerer, Th., über die Krystallform und die chemische Zusam- 
menstellung einiger Eisenhofen-Schlacken (s. 1. etd.); 8% 
Schur, Ferd., Sertum florae Transilvan. Hermannstadt 1853; 8% 

Soeiete Imp. et centr. d’Agrieulture. Bulletin, Serie II, T. 10. 

Societe geologique de France. Bulletin, T. XII, No.8—11. 

Soeiete Linneenne de Normandie. M&moires 1824— 1828; 8% 
1829 —1853; 4% Paris 1825/53. 


184 Verzeichniss der eingegangenen Druckschriften. 


Society, chemical, quarterly journal. No. 26, 28, 29. 

Sprenger, A., A Catalogue of the Arabie, persian and -Hindu’sta’ny 
manuseripts of the libraries of the king of Oudh. Caleutta. 
Vol.I, 1854; 8% 

Stummer, Iof., Bildlihe Darftelung der Gefchichte der ausfchl. priv. 
Kaifer-Ferdinandg-Nordbahn, vom Beginn ded Betriebes bis zum 
abgelaufenen Jahre. Wien 1855; Fol. 

Sugenheim, Sam., Sefchichte der Entftehung und Ausbildung des 
Kirhenftaates. Leipzig 1854; 80% 

Thierarznei-Institut, k.k., Vierteljahrsschrift für wissenschaftl. 
Veterinärkunde. Bd. VI, Nr. A. 

Trausch, Jos., Chronicon Fuchsio Lupino-Oltardinum, sive Annales 
Hungariei et Transsilvan. Vol. 1, 2, Coron. 1847/48; 40 
Vereeniging, natuurkund. in Nederländsch Indie. Tijdschrift. 

Vol. II, Aflev. 7. 

Verein für vaterländische Naturkunde in Würtemberg. Jahreshefte. 
Bd. XI, Heft 1. 

Berein für fiebenbürg. Landeskunde. Archiv. Heft 3. (2 Erempl.) 

Berein, hiftor. für Steiermarf. Mittheilungen. Heft6, Sahresberiht 1854. 

Verein, hessischer, für Geschiehts-u. Landeskunde ete. 1854. Nr.4. 

Verneuil, de, et Loriere de, Tableau des altıtudes, observees 
en Espagne pendent l’ete de 1853. Paris 1854; 8% | 

Villa, Ant., Notizie intorno al genere Melania. Milano 1855; 8% 

— ÖOsservazioni entomologiche, durante l’eclisse del 9 Ottobre 
1847. Milano; 8% 

— Intorno all’ helix frigida. Pavia 1854; 8% 

— Comparsa periodica della efimere nella Brianza. Milano 1847; 8°. 

Visiani, Roberto de, di due piante nuove dell’ ordine Bromeliacee. 
Venezia 1854; 4% 

— delle benemerenze de Veneti nella Botaniea. Venezia 1854; 4% 

Wagner, Georg, Die Wüftungen im Großherzogthum Heffen. Darmftadt 
1854; 8% 

Weisse, Max., Sternbedeckungen und Mondsterne, beobachtet auf 
der k. k. Sternwarte in Krakau. Krakau 1855; 8% 

Wietersheim, E. v., Gedächtnissrede auf Se. Maj. Friedrich 
August, König von Sachsen. Leipzig 1854; 4% 

Zantedeschi, Frane., Telegrafo delle stazioni e delle locomotive 
delle Strade ferate. Venezia 1855; 8% 


SITZUNGSBERICHTE 


KAISERLICHEN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN. 


MATHEMATISCH - NATURWISSENSCHAFTLICHE CLASSE. 


XVII. BAND. II. HEFT. 


JAHRGANG 1855. — JULI. 


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SITZUNG VOM 5. JULI 1855. 


Der Secretär theilt die betrübende Nachricht von dem Ableben 
des correspondirenden Mitgliedes, Herrn Prof. Dr. Franz Adam 
Petrina mit, welcher am 27. Juni d.J. zu Prag, inFolge eines orga- 
nischen Herzfehlers im 55. Lebensjahre verschieden ist. 


Eingesendete Abhandlungen. 


Vereinfachte Methode der graphischen Winkelmessungen 
kleiner Krystalle. 


Von dem w. M. W. Haidinger. 


Als einen Zusatz zu der Mittheilung vom 5. October 1854 1?) 
bitte ich um Erlaubniss, der hochverehrten Classe die folgende Ver- 
einfachung der Methode darzulegen. Sie ist im Grunde nur eine 
Modification derselben, aber doch viel einfacher in der Anwendung. 

Man klebt den zu messenden Krystall dergestalt auf eine 
Spiegelglasplatte, dass die Kante, welche gemessen werden soll, 
senkrecht auf der breiten Fläche derselben steht. 

Diese Platte legt man nun auf das Blatt Papier, auf welchem der 
Winkel aufgetragen werden soll. Man hat es früher mit einer Linie 
versehen, mit deren Richtung die Projection einer der Krystallflächen 
nach der andern zur vollständigen Übereinstimmung gebracht wird. 
Man wählt eine ganz ebene Auflage, sehr glattes Papier und zieht 
die Linie mit einer Reissfeder recht schwarz mit Tusch und von der 
Breite etwa einer halben Linie oder eines Millimeters, so dass man 


1) Sitzungsberichte, Band 14, Seite 3. 


13* 


188 Haidinger. Vereinfachte Methode d. graph. Winkelmessungen kleiner Krystalle. 


nach Umständen den Parallelismus auf weissem oder auf schwarzem 
Grunde vergleichen und beurtheilen kann. Man kann auch bereits 
früher mit Linien vorbereitetes Papier auf dasjenige Papier aufkleben, 
auf welches man die Messung projiciren will. Hat die Glasplatte die 
Gestalt eines etwa drei Zoll langen und zwei Zoll breiten Lineals, 
so kann man eine der längern Seiten sogleich als Richtschnur nehmen, 
und an derselben in den zwei Stellungen Linien auf das Papier ziehen, 
welche denselben Winkel mit einander einschliessen müssen, wie die 
Projeetion des Kantenwinkels auf dem Papier. Wie immer aber auch die 
Glasplatte gestaltet sei, so wird man doch gewiss an einer Seite dersel- 
ben wieinFig.1 ein Lineal AB fest anlegen können, ohne dass es kippt, 
und entlang der Seite AB zieht man nun eine Linie auf das Papier: 


Fig. 1. Fig. 2. 


In der zweiten Stellung, Fig. 2, ist diese Linie AB noch übrig, aber 
die Glasplatte mit dem Krystall und das neuerdings fest an der Platte 
anliegende Lineal hat man nun in eine verschiedene Lage gebracht, 
in welcher man entlang der Seite CD wieder eine Linie auf das 
Papier zieht. Die beiden Linien AB und CD schneiden sich in M 
unter demselben Winkel, welchen die Kante m m’ des Kıystalls besitzt. 

Man kann nun den Winkel BMD mit einem Transporteur 
messen, oder man kann durch ein auf BM oder DM gefälltes Loth 
ein rechtwinkliges Dreieck verzeichnen, in welchem man die beiden 
Katheten als Radius und Tangente von einem Massstab abnimmt 
und dann fang BMD berechnet, oder man sticht aus dem Mittel- 
punkte M von den Linien gleiche Theile mit dem Cirkel ab, z. B. 
BM und DM, verbindet sie durch eine gerade Linie, und halbirt 
diese. Dann hat man aber auch durch Vergleichung eines Mass- 
stabes fang '/, BMD. Oder man kann unmittelbar, wie es Herr 


Haidinger. Die Formen des Kalichlorcadmiates. 189 


Grailich erwähnte, als wir die Methode besprachen, den Winkel für 
den Radius MB = MD, durch die Sehne B D ausgedrückt, in einer 
Sehnentafel aufsuchen. Man wird in allen diesen Fällen um so 
genauere Ergebnisse haben, als man mehr Aufmerksamkeit in jeder 
Phase des Vorgangs beobachtet. Namentlich sollte der Tisch ganz 
eben, und das Papier glatt sein, man sollte die Linie mit einer Reiss- 
feder und Tusch ziehen, und die Lineale müssen vollkommen gerad- 
linig sein. Ob die zwei Seiten des Lineals parallel sind, daran ist 
nichts gelegen, man könnte vollkommen gute Projectionen erhalten, 
wenn man sich eines Dreiecklineals bediente, nur eines ist unerläss- 
lich, die Seiten müssen vollkommen geradlinig sein. 

Die Methode ist auch sehr gut für Messung der ebenen Winkel 
anwendbar, wie sie bei starker Vergrösserung durch Mikroskope 
sich darstellen. 


Die Formen des Kalichlorcadmiates. 
Von dem w. M. W. Haidinger. 


Zu den schönsten der Krystalle, welche der k.k. Herr Hauptmann 
Karl Ritter von Hauer im verflossenen Sommer dargestellt, gehören 
ohne Zweifel die nach der Formel 2KaCl + CdCl zusammengesetzten, 
von wasserlosem Chlorkalium-Chloreadmium. Es sind dies flache 
Rhomboeder von nahe 120°, combinirt mit jenem sechsseitigen Prisma, 
welches die Seitenkanten abstumpft, R.co Q, Fig. 1. Diese Abstumpfun- 
gen sind oft nur ganz schmal, oft Fig. 1. 
sind auch wohl die Rhomboeder ganz 
ohne Veränderung. Sehr häufig sind 
auch Zwillingsbildungen mit paral- 
leler Axe wie Fig.2. Doch sind sehr 
oft die zwei Individuen von unglei- 
cher Grösse, so dass kleinere Kry- 
stalle nach diesem Gesetze nur an 
diegrösseren angewachsen erschei- 
nen. Die Symmetrie ist so augen- — 
fällig, dass man niehtanstehen sollte. 
sogleich das rhomboedrische Kry- 
stallsystem” zu erkennen. Nichts 


Bo- 
Lau 


190 Haidinger. Die Formen des Kalichloreadmiates. 


desto weniger fand mein hochverehrter Freund, Herr Professor 
Rammelsberg, den Kantenwinkel so nahe = 120°, dass er für 
die Grundform das regelmässige Granatoid annehmen zu müssen 
glaubte 1). Als ich dies in der Mittheilung sah, erschien es mir zu auf- 
fallend, als dass ich nicht gewünscht hätte zu untersuchen, ob diese so 
ausgesprochene rhomboedrische Symmetrie doch gar keine Bedeutung 
haben sollte. In der That polarisirten die Krystalle in der Herapathit- 
zange die ich Herrn Professor von Nörrenberg verdanke, schon 
wenn man Rhomboeder, ein bis zwei Linien dick, ganz ohne 
weitere Vorbereitung dazwischen nahm, das Licht mit den lebhafte- 
sten Interferenzfarben der Ringe, man konnte leicht grosse Theile der 
Ringe unterscheiden, nebst den dunkelrothen Kreuzen, da die Zange 
das dunkelste Roth noch hindurchliess. Eine Platte senkrecht auf die 
Axe geschliffen, zeigte das vollkommene Ringsystem, von dem Kreuze 
durchschnitten. Die doppeltbrechende Kraft ist sehr schwach, so 
dass bei schon ansehnlicher Dicke der Platten die Ringe noch sehr 
gross sind. Vermittelst der Kreuzung mit der feinen Glimmerplatte, 
von einer Viertelwelle Undulation zeigten sich die zwei dunklen Punkte 
senkrecht gegen die Richtung der Ebene der Axen der Glimmerplatte 
gestellt, gaben also den Charakter der optischen Hauptaxe des Kali- 
chloreadmiates positiv, wie Quarz. Die Doppelbrechung ist so 
schwach, dass bei einem der Hauptaxe parallel geschliffenen Prisma 
von 57° die Bilder nicht getrennt erschienen. Übrigens war dann das 
Minimum der Abweichung = 20° 30’ daher 
sin (Y, 57° + 200 30) sin 490 
TI sin (4,379) Tann 

Bei einem Versuch graphischer Messung der Axenkante erhielt ich 
für die zwei anliegenden Winkel aufdem Papier 1190 44’ und 60° 10 
dessen Supplement —= 119° 50’ ist, Mittel = 119° 47’; durch Spiege- 
lung 60° 14’ also Supplement = 119° 46’. Das Grössenverhältniss 
der Axe a=Yy 1-115 gibt angenähert 1190 48°. Es mögen demnach, 
bis auf Genaueres, folgende Constanten, krystallographisch und 
optisch für die Species vorgeschlagen werden: 

Form rhomboedrisch; Grundgestalt 2 = 119° 4A8'.Axea— vi 
Combination 2 oo Q. Zwillingskrystalle gruppirt parallel den Flä- 
chen & A. 


1) Sitzungsberichte der kaiserlichen Akademie u. s. w. Band 15, Seite 35. 


Schiefferdeeker. Über den Ozongehalt der atmosphärischen Luft ete. 191 


Strahlenbrechung nach einer Hauptaxe, deren Charakter positiv 
ist. Die beiden Exponenten = 1'582, und nicht vor der vierten 
Decimalstelle von einander verschieden, jedenfalls der Exponent für 
den ordentlichen Strahl kleiner als der Exponent für den ausser- 
ordentlichen, oder w < e. 

Vollkommen farblos. 


Bericht über die vom Verein für wissenschaftliche Heilkunde 

in Königsberg in Preussen angestellten Beobachtungen über 

den Ozongehalt der atmosphärischen Luft und sein Verhält- 
niss zu den herrschenden Krankheiten. 


Von Dr. W. Schiefferdecker. 
(Mit 15 lith. Tafeln.) 


(Gelesen in der Vereinssitzung am 30. Mai 1854.) 


Im Februar des Jahres 1852 beschloss der Verein für wissen- 
schaftliche Heilkunde in Königsberg, hauptsächlich angeregt durch 
den damals inHenle und Pfeufer's Zeitschrift gedruckten Vor- 
trag des Prof. Schönbein: „Über einige mittelbare physiologische 
Wirkungen der atmosphärischen Elektrieität“, umfangreiche Beob- 
achtungen über diesen Gegenstand zu machen. Zu diesem Zwecke 
bildete sich eine eigene Section für Ozonometrie, deren erste Auf- 
gabe es war, den Plan zu diesen Beobachtungen zu entwerfen. Es 
wurde demnach vorgeschlagen und von dem Vereine angenommen, 
dass vorläufig für ein Jahr Beobachtungen über den Ozongehalt der 
atmosphärischen Luft in Königsberg und seinen Umgebungen ange- 
stellt und genaue Tabellen über alle acuten Krankheiten geführt 
werden sollten, damit aus der Vergleichung beider sichere Schlüsse 
über den positiven und negativen Einfluss des Ozongehalts der Luft 
auf die Entstehung und Verbreitung gewisser Krankheitszustände 
gemacht werden könnten. Die Ozonbeobachtungen sollten von den 
Mitgliedern der Section, die Krankentabellen von allen ärztlichen 
Mitgliedern des Vereins gemacht werden. 

Der Vorsitzende der Section für Özonometrie erstattet in 
Folgendem Bericht über diese durch 12 Monate, vom 1. Juni 1852 
bis ultimo Mai 1853, angestellten Beobachtungen. 


192 Schiefferdeeker. Über den Ozongehalt der atmosphärischen Luft 


I. Der Ozongehalt der atmosphärischen Luft. 
l. Meihode der Beobachtung. 


Die einzige und bis jetzt allgemein angewendete Methode zur 
Ermittelung und Bestimmung des Ozongehalts der atmosphärischen 
Luft bestand darin, dass man mit Jodkalium-Stärkekleister getränkte 
Papierstreifen in der Luft aufhing, und aus dem Grade ihrer Färbung 
auf die Höhe des Ozongehalts schloss. Schönbein hat zur quan- 
titativen Bestimmung eine Farbenscala angegeben, in der die ver- 
schiedenen Nüancen von Weiss bis zum dunkeln Violet in 11 Stufen 
getheilt sind, die mit Zahlen von O bis 10 bezeichnet werden, und 
es möglich machen, durch eine Zahl den jedesmaligen Ozongehalt zu 
bestimmen und zu notiren. Allerdings wissen wir nicht, welchen 
Gewichtsverhältnissen die einzelnen Farbenstufen entsprechen, aber 
wir erlangen auf diese Weise wenigstens bestimmte Verhältniss- 
zahlen, die mit einander verglichen werden können. 

Um die Königsberger Beobachtungen mit andern und namentlich 
mit den von Schönbein angestellten vergleichen zu können, und 
jeden Zweifel über die Gleichheit des Apparates zu beseitigen, 
wurden für unsere Beobachtungen die Ozonometer aus Basel ver- 
schrieben, wo der Buchbinder Buergy dieselben nach Schön- 
bein’s Angaben verfertigte. 

Bei der Ausführung der Beobachtungen richteten wir uns genau 
nach der den Ozonometern beiliegenden Gebrauchsanweisung. Es 
wurden die mit Jodkalium-Stärkekleister getränkten Papierstreifen 
an verschiedenen Orten in der freien Luft ausgehängt, nach 12 
Stunden in Wasser getaucht und ihre dadurch entstehende Farbe 
mit der Farbenscala verglichen und notirt. So wurden in 24 Stunden 
2 Beobachtungen gemacht, eine Tages- und eine Nachtbeobachtung. 

Im Sommer wurde der Tag von 6 Uhr Morgens bis 6 Uhr 
Abends, die Nacht von 6 Uhr Abends bis 6 Uhr Morgens gerechnet. 
Im Winter wurde statt der 6. Stunde die 7. gesetzt. Um die Papier- 
streifen gegen Sonne und Regen zu schützen und zugleich ihre Ent- 
führung durch den Wind zu verhindern, wurden kleine Behälter von 
Zinkblech angefertigt, die aus drei Seitenwänden und einer dach- 
förmigen Decke bestanden. Die Seitenwände waren möglichst viel 
durchbrochen, damit die Luft und der Wind freien Zutritt hätten, 
das Dach war dicht, damit Sonne und Regen abgehalten würden. 


und sein Verhältniss zu den herrschenden Krankheiten. 193 


In der Mitte des Daches war ein eiserner Haken angebracht, 
auf dem der Papierstreifen befestigt wurde. Überdies wurden 
Schemate zur Aufzeichnung der Beobachtungen gedruckt, damit nicht 
etwa durch unzweckmässiges Durcheinanderschreiben der Zahlen 
Irrthümer veranlasst würden. Jede solche Tabelle umfasste einen 
Monat. Diese Tabellen mit Tag- und Nachtbeobachtungen wurden 
gesammelt und dann die aller Stationen zusammengestellt, daraus die 
täglichen und monatlichen Mittel für jede einzelne Station und für 
alle zusammengezogen. 

Um diese Zahlenreihen mit anderen vergleichen zu können, 
welche sich auf meteorologische und Krankheitsbeobachtungen bezo- 
gen, mussten dieselben einer Reduction unterworfen werden. Die letzt- 
genannten Beobachtungenbeziehen sich nämlich auf den ganzen Tag, 
der von Mitternacht bis Mitternacht gerechnet wird, während die Ozon- 
beobachtungen sich immer nur auf 12 Stunden beziehen, die nicht 
mit Anfang und Ende des gewöhnlichen Tages zusammenfallen. Zu 
diesem Zwecke wurden die Zahlen der Tagbeobachtung mit der Hälfte 
der vorhergehenden und der Hälfte der folgenden Nacht zusammen- 
gezählt. Diese Zahlen bilden die Grundlage für die meisten der 
nachfolgenden Betrachtungen. Sie finden sich in Tabelle IV— VI. 

Es betheiligten sich an diesen Beobachtungen 8 Mitglieder des 
Vereins und ausserdem hatte Herr Gutsbesitzer Busolt auf Louisen- 
wahl die Güte, 9 Monate hindurch solche Beobachtungen für uns 
anzustellen. Von diesen 9 Personen wurden Beobachtungen an 12 ver- 
schiedenen Orten gemacht, 9 innerhalb der Stadt und 3 ausserhalb. 

Die verschiedenen Beobachtungsstationen sind folgende : 


A. In der Stadt ?). 
I. Station in der Altstadt (im unteren Theile der Stadt am Fusse der Höhe). 


Der Ozonometer hing gegen W. in einem geschlossenen und 
verbauten Hof 15’ hoch über dem Boden. Beobachtet wurde durch 
alle 12 Monate. 


1) Die Stadt Königsberg liegt unter dem 540 42’ 50-4” N. B. und 180 9/ 43” 0. L. 
von Paris, gegen Westen 6 Meilen, gegen Norden 4 Meilen von der Ostsee und 
1 Meile vom frischen Haff entfernt. Sie wirdihrer ganzen Länge nach von einem Flusse 
durchströmt, so dass die eine Hälfte der Stadt zu beiden Seiten des Flusses in der 
Niederung, die andere auf der nördlichen rasch ansteigenden Höhe liegt; der untere 
Theil der Stadt ist so niedrig, dass er mitunter theilweise überschwemmt wird, 


194 Schiefferdeeker. Über den Ozongehalt der atmosphärischen Luft 


II. Station in der hinteren Vorstadt (im niedrigsten Theile der Stadt). 


Der Ozonometer hing gegen W. in einem offenen Hof 15’ hoch 
über dem Boden. Beobachtet wurde durch alle 12 Monate. 


III. Station auf dem Münzplatze (im oberen Theile der Stadt). 

Der Ozonometer hing gegen O. in einem Garten am Schloss- 
teich 20’ hoch über dem Boden. Beobachtet wurde in den Monaten 
October, November, December 1852; Jänner, Februar, März, April, 
Mai 1853. 


IV. Station in der Junkerstrasse (im oberen Theile der Stadt). _ 

Der Ozonometer hing gegen W. an einer dem Winde sehr 
ausgesetzten Strassenecke 15’ über dem Boden. Beobachtet wurde in 
den Monaten Juni, Juli, August, September 1852, doch sind nur die 
Beobachtungen für die letzten beiden Monate vollständig. 


V. Station in der Drummstrasse (im oberen Theile der Stadt). 

Der Ozonometer hing gegen W. in einem Hofe 10’ über dem 
Boden. Beobachtet wurde in den Monaten Juni, Juli, August, Sep- 
tember, October, November, December 1852; Jänner, Februar 
1853. Vollständig sind die Beobachtungen aber nur für Juni, Septem- 
ber, December, Jänner, Februar. 


VI. Station auf dem schiefen Berg (im oberen Theile der Stadt). 


Der Ozonometer hing gegen O. in einer engen Strasse 15’ über 
dem Boden. Beobachtet wurde in den Monaten Juli, August, Septem- 
ber 1852. 


VII. Station in der Münzstrasse (im oberen Theile der Stadt). 

Der Ozonoieter hing gegen O. 12’ hoch in einem am Schloss- 
teich gelegenen Garten. Beobachtet wurde im November, December 
1852; Jänner, Februar, März, April, Mai 1853. Davon sind die 
Beobachtungen im April unvollständig. 


VII. Station in der Königsstrasse (im oberen Theile der Stadt). 


Der ÖOzonometer hing gegen N. in einem Garten 5’ über dem 
Boden. Beobachtet wurde in den Monaten Juni, December 1852; 


der obere liegt etwa 60 bis 70 Fuss über dem Spiegel des Stromes. In der oberen 
Stadt befindet sich der 47 Morgen grosse Schlossteich, ein stagnirendes von 
Gärten umgebenes Wasser. 


und sein Verhältniss zu den herrschenden Krankheiten. 195 


Jänner, Februar, März 1853. Davon waren die Beobachtungen im 
Juni unvollständig. | 


IX. Station in der Königsstrasse (der vorigen Station gegenüber). 

Der Ozonometer hing gegen S. in einem Hof 5’ über dem Boden. 
Beobachtet wurde im April und Mai 1853, doch sind nur die Beob- 
achtungen für den letzten Monat vollständig. 


B. Ausser der Stadt. 
X. Station in Sprechan (einige 100 Schritt von der Stadt entfernt und etwa 
50’ über dem Spiegel des Flusses). 
Der Ozonometer hing nach N. 20’ über dem Boden. Beobachtet 
wurde im Juli, August, September 1852. Davon sind nur die 
Beobachtungen im August vollständig. 


XI. Station in Louisenwahl ?) (in der Nähe der vorigen Station). 

Der Ozonometer hing unter einem grossen Baume im Garten 5’ 
über dem Boden in OÖ. Beobachtet wurde in den Monaten October, 
November, December 1852; Jänner, Februar, März, April, Mai 1853, 
jedoch nur im April ununterbrochen. 


XII. Station in Cranz (Seebad an der Nordküste von Samland). 


Der Ozonometer hing gegen N. nach der See zu 15’ über dem 
Boden. Beobachtet wurde vom 15. Juni bis 20. September 1852. 


Wie sich aus dem Vorstehenden ergibt, besitzen wir leider nur 
für 2 Stationen vollständige Beobachtungen für alle 12 Monate, von 
den andern nur für einzelne Monate. Die unvollständigen Beobach- 
tungsreihen sind aber, da es sich hier meist um Berechnung von 
Mittelwerthen handelt, ganz unbrauchbar. 

Ganz abgesehen davon, dass es überhaupt für die Berechnung 
der Mittelwerthe wünschenswerth gewesen wäre, sie immer aus 
möglichst vielen Beobachtungsreihen zu ziehen, tritt durch jene 
Unvollständigkeit der Übelstand ein, dass für jeden Monat eine ver- 
schiedene Zahl von Beobachtungen vorliegt, und auch jedesmal 
Beobachtungen von verschiedenen Orten. Da nun aber, wie sich aus 
den oben erwähnten Tabellen ergibt, der Ozongehalt der Luft an 
versehiedenen Stellen der Stadt verschieden ist, so sind die Mittel - 
werthe in den verschiedenen Monaten nicht aus gleichnamigen 


1) Die Station X und XI liegen in einer Gegend, welche „die Hufen“ genannt wird. 


196 Sehiefferdecker. Über den Ozongehalt der atmosphärischen Luft 


Elementen berechnet, und daher, strenge genommen, nicht zu einer 
Vergleichung geeignet. In dem niedrig gelegenen Theile der Stadt 
befinden sich nur 2 Beobachtungsstationen, gerade diejenigen, auf 
welchen constant durch alle 12 Monate beobachtet worden ist, 
während die in dem höheren Theile alle nur für einzelne Monate 
brauchbar sind. 

Es konnten benützt werden für den Monat 


Juni 3 Beobachtungsreihen v.d. Stationen 1. Il. V. 

Juli 3 3 ae % 1. 11. VI. 

August A ! A 5 1. I. IV. v1. 
September 5 % Ehen, \ 1.1. IV. V. 1. 
October 3 5 Kr % 1.11. M. 

November 4 a Ae $ 1. I. III. VII. 
December 6 ” ie 4 1.11. 11.V. VII. VM. 
Jänner 6 u BR „  LMM.V. Vo. VI. 
Februar 6 N De ” 1.11. II. V. VII. VID. 
März 5 ä u R 1. I. I. VII. VI. 
April 3 A N 0 el I. 

Mai 5 „ u „7: TEN. 


Demnach sind nur die Mittelwerthe für die Monate December, 
Jänner und Februar aus denselben Beobachtungen berechnet. 

Wie später gezeigt werden wird, sind die in verschiedenen 
Stadttheilen gleichzeitig beobachteten Zahlen sehr abweichend von 
einander; nur ausnahmsweise stimmen alle oder mehrere überein, 
oft sind sie ganz entgegengesetzt. Nun ist es immer misslich, Mittel 
aus Zahlenreihen zu ziehen, die sehr von einander abweichen, es 
liess sich aber nieht umgehen, denn zur Vergleichung mit den 
sonstigen physiealischen Veränderungen der Atmosphäre und mit 
dem Auftreten bestimmter Krankheitsformen musste eine für die 
ganze Stadt geltende Zahlenreihe gefunden werden. Übrigens bieten 
die Beobachtungen, die unmittelbar vor der Stadt gemacht wurden, 
trotz ihrer Unvollständigkeit eine Controle für die städtischen. Die 
täglichen Mittelwerthe für Königsberg finden sich in den Tabellen 
Nr. IV— VII; sie sind für alle späteren Rechnungen und Zeichnungen 
benutzt, und aus ihnen sind für manche Zusammenstellungen wieder 
fünftägige und monatliche Mittel berechnet. 


und sein Verhältniss zu den herrschenden Krankheiten. 197 


Was nun die Methode der Beobachtung betrifft, so ist ausser 
Zweifel, dass die von Schönbein angegebenen Ozonometer für 
die qualitative Untersuchung als äusserst sicher und empfindlich 
anzusehen sind, für die quantitative Bestimmung aber, auf die es hier 
gerade ankommt, lassen sich sichere Resultate nicht erwarten. Für's 
erste ist die Eintheilung der violeten Schattirung in 10 Theile, wie 
die Baseler Ozonometer sie enthalten, eine ganz willkürliche und 
ungleichmässige. Es sind einzelne Stufen der Farbenscala kaum von 
einander zu unterscheiden, während andere sehr weit von einander 
stehen; überdies stimmen die Farbensealen verschiedener Ozono- 
meter nicht ganz unter einander überein. Wenn dies nun schon bei 
den Apparaten aus einer Fabrik der Fall ist, um wie viel leichter 
werden solche Verschiedenheiten sich einstellen, wenn Farbenscalen 
von verschiedenen Beobachtern an verschiedenen Orten nur nach der 
Beschreibung gemacht werden. Auf diese Weise erhalten die Zahlen 
bei verschiedenen Beobachtern eine verschiedene Bedeutung. Sodann 
ist die Farbe, welche das Jodkalium-Stärkepapier an der Luft und 
durch nachheriges Befeuchten bekommt, durchaus nicht immer violet 
oder blau, sondern oft röthlich oder bräunlich, so dass es mitunter 
sehr schwierig wird, zu entscheiden, welcher-Farbenstufe der Tabelle 
der gefärbte Papierstreifen entspricht. 

Ein anderer Übelstand ist der, dass, wenn ein solches Reagens- 
papier 12 Stunden lang in der Luft hängt, das Ozon nicht in der 
ganzen Zeit gleichmässig auf dasselbe einwirkt, sondern häufig eine 
in den ersten Stunden vorgebrachte Veränderung sich später nicht 
steigert, obgleich der Ozongehalt der Luft sieh vermehrt, ja, dass 
häufig eine schon entstandene Färbung später wieder ausbleicht. 
Wir haben zu diesem Zwecke besondere Versuche angestellt. Es 
wurden an 10 Tagen des Mai d. J. auf der Station I, 2 Papierstreifen 
in einem Behälter aufgehängt, von denen der eine (5) von 8 Uhr 
Morgens bis 8 Uhr Abends hängen blieb, der andere («) dagegen 
an 5 Tagen um 4 Uhr, an 3 Tagen um 2 Uhr, an 1 Tage um 
12 Uhr und an 1 Tage um 12 und 4 Uhr herausgenommen und durch 
einen andern ersetzt wurde. Die Resultate dieser Versuche sind in 
der nachfolgenden Tabelle zusammengestellt: 


198 Schiefferdecker. Über den Ozongehalt der atmosphärischen Luft 


5|& < | 
2 S a| a| 8 = S s| »|8 
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5 N R A R 5 R ES ES ES 

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b|5 ce |\5 5 
DL aı2 320.10 512 EN ne 0 
b|ı2 . 12 b|8 0 
PL DEINEN, a|6 0 cH8& 6 
b |6 1 la a 0 
u a a|\6 7 b|ıoO 0 
b|’6 8 eı7 5 
US A, a|ı“7 [UM a VRR a IL) 1 
b|7 % b |0O 1 
PRNSAN a|o 0 e I6 3 
b |0 [DI] a ie DE al) 0 
e | 2 1 b |oO 0 
ce |\6 4 


Es ergibt sich daraus, dass derjenige Papierstreifen, welcher den 
ganzen Tag gehängt hat, constant eine geringere Reaction zeigt, als 
die beiden anderen zusammengenommen, ja gewöhnlich geringer als 
einer der andern. Man kann also annehmen, dass ein der Luft aus- 
gesetzter Papierstreifen nach 6 bis 8 Stunden die Fähigkeit verliert 
durch Ozon affieirt zu werden, und dass die in ihm schon entstandene 
Färbung wieder zerstört werden kann, und sogar sehr häufig ver- 
ändert oder ganz zerstört wird. 

Dass diese Erscheinung nicht in einer zufälligen Verschieden- 
heit der präparirten Papierstreifen ihre Ursache hat, wird erstens 
schon durch ihre Constanz bewiesen, ausserdem aber auch durch 
directe Versuche. Vom 2. bis zum 15. Mai wurden auf der ersten 
Station zwei Papierstreifen in einem Behältniss von 8 Uhr Abends bis 
8 Uhr Morgens der Luft ausgesetzt, vom 12. — 15. auch bei Tage 
und in allen 19 Beobachtungen war die Reaction beider Streifen 
gleich, wie ebenfalls aus der obigen Tabelle hervorgeht. 

Ferner sind gewisse Zustände der Atmosphäre von grossem 
Einfluss, nicht auf die Entstehung von Ozon, sondern auf das Zustande- 
kommen einer geringeren oder stärkeren Reaction. Ein grösserer 
Feuchtigkeitsgrad der Atmosphäre erleichtert — wie später noch 


ee ea 


und sein Verhältniss zu den herrschenden Krankheiten. 199 


specieller gezeigt werden wird — die Reaction und erzeugt eine 
stärkere Bläuung, ohne dass man anzunehmen berechtigt ist, dass der 
Ozongehalt ein grösserer sei, als an einem Tage, wo die Luft 
trocken ist und eine schwächere Reaction auftritt. Sodann hat der 
Wind einen bedeutenden Einfluss auf das Zustandekommen der 
Reaction. Je mehr Luft nämlich an dem Papierstreifen vorübergeht, 
desto intensiver wird die Färbung werden, weil jedes vorüber- 
getriebene Volum Luft sein Ozon an denselben abgibt, während 
an einem windstillen Tage nur ein sehr kleines Quantum der stagni- 
renden Luft mit dem Reagenspapier in Berührung kommt und 
darauf einwirken kann. 

Es wäre daher sehr wünschenswerth, eine genauere Methode bei 
diesen Beobachtungen anzuwenden, die es ermöglichte den Ozon- 
gehalt eines bestimmten und stäts gleichen Volums Luft quantitativ 
zu bestimmen. Am einfachsten scheint uns dieser Zweck erreicht zu 
werden, wenn man einen Aspirator anwendet und ausserdem die von 
Schönbein angegebene titrirte Indigolösung. Allerdings würden 
dadurch die Beobachtungen viel mühsamer und zeitraubender und für 
den beschäftigten praktischen Arzt kaum ausführbar werden, man 
würde dadurch aber auch zu sicheren Bestimmungen gelangen. Uns 
war es bis jetzt nieht möglich Versuche dieser Art anzustellen, wir 
müssen uns daher vorläufig darauf beschränken, die weniger 
sicheren Resultate der mit dem Schönbein’schen Ozonometer 
gemachten Beobachtungen zu benutzen. 


2. Der Ozongehalt der Atmosphäre an verschiedenen Orten. 


Es war von vornherein wahrscheinlich , dass der Ozongehalt 
der Luft an verschiedenen Orten verschieden sein werde, ja dass 
selbst sehr nahe gelegene Örtlichkeiten in dieser Beziehung Ab- 
weichungen zeigen würden, nicht nur desshalb, weil die Bedingungen 
zur Bildung des Ozon variiren, sondern auch, weil die jenen Stoff 
zerstörenden Effluvien nicht an allen Orten in gleicher Menge gebil- 
det werden. Wenden wir uns zuvörderst zu den Beobachtungen, die 
innerhalb der Stadt Königsberg gemacht worden sind, so sehen wir, 
dass dieselben grosse Differenzen zeigen. An keinem Tage sind. die 
Zahlen auf allen Stationen gleich, sehr häufig sehen wir die grösst- 
möglichste Verschiedenheit, Und zwar sind die Zahlen bald auf der 


200 Sehiefferdeeker. Über den Ozongehalt der atmosphärischen Luft 


einen, bald auf der andern Station grösser, so dass die täglichen 
Beobachtungen grössere Differenzen zeigen als die monatlichen 
Mittel. 

Ziemlich eonstant sind die Zahlen der Stationen I und II, die im 
unteren Theile der Stadt lagen, kleiner, als die der höher gelegenen 
Stationen, am kleinsten die der Station I, die im engsten Theile der 
Stadt sich befand. Auf dieser finden wir häufig mehrere Tage hinter 
einander keine Spur von Ozon, was auf den andern nur ausnahms- 
weise vorkommt. 

Die Tabelle VIII enthält sämmtliche monatliche Mittel der ver- 
schiedenen Stationen und dient als Beleg für die oben ausgesprochene 
Behauptung. Es wäre wünschenswerth gewesen, die Jahresmittel der 
einzelnen Stationen zu vergleichen, doch ist dies wegen der Unvoll- 
ständigkeit der Beobachtungen nicht möglich. Auf den Stationen I 
und II, die allein vollständige Beobachtungen aufzuweisen haben, sind 
die Jahresmittel 6°0 und 8:6. 

Um zu sehen, ob die beobachteten Zahlenreihen auf verschiede- 
nen Stationen in irgend welchem constanten Verhältniss zu einander 
stehen, wurden auf der Tafel I graphische Darstellungen der Zahlen- 
reihen für die Monate Juli, August und December gemacht, aus denen 
man erkennt, dass zwar an einzelnen Tagen ein gleichmässiges 
Steigen oder Fallen vorkommt, im Allgemeinen aber kein eonstantes 
Verhältniss stattfindet. 

Wenden wir uns nun zu den Beobachtungen, die ausserhalb der 
Stadt gemacht wurden , so sehen wir zuvörderst, dass sowohl auf 
den Stationen X und XI als auch am Seestrande der Ozongehalt der 
Luft viel weniger Schwankungen unterworfen und zugleich viel 
grösser ist als in der Stadt. Die Tabelle VII enthält die wenigen 
vollständigen Beobachtungen, die ausserhalb der Stadt gemacht sind, 
und wir sehen, dass die monatlichen Mittelzahlen fast doppelt so 
gross sind als in der Stadt. — Dabei stimmen die Zahlen in Sprechan 
und in Cranz vielfach überein, obgleich die Orte 4—5 Meilen von 
einander liegen und der letztere unmittelbar am Seestrande. — Um 
diese Übereinstimmung darzustellen, wurden auf der Tafel II graphi- 
sche Darstellungen der Monate Juli, August und September gegeben, 
auf denen auch die Königsberger Mittelwerthe gezeichnet sind, und 
es lässt sich nicht verkennen, dass auch diese häufig den ausserhalb 
der Stadt beobachteten Zahlen entsprechen. 


und sein Verhältniss zu den herrschenden Krankheiten. 201 


Eben so wenig als die Nähe der See einen besonderen Einfluss 
auf den Ozongehalt der Atmosphäre zu haben scheint, sehen wir 
einen solchen durch andere Gewässer ausüben. Auf den Stationen II 
und VII hingen die Papierstreifen dieht am Ufer eines stagnirenden 
und häufig genug stinkenden Teiches und man hätte von vornherein 
einen sehr geringen Ozongehalt an jenen Stellen erwarten können ; 
doch zeigen gerade jene Stationen sehr hohe Zahlen. Überhaupt 
dürfte es schwer sein die Einflüsse zu erkennen, welche die verschie- 
dene Ozonreaction an naheliegenden Orten hervorbringen. So hin- 
gen auf den beiden letztgenannten Stationen Ill und VII, welche ‚nahe 
an einander liegen, die Ozonometerstreifen unter ganz gleichen äussern 
Umgebungen nach derselben Himmelsrichtung, und dennoch war die 
Ozonreaction an beiden Orten oft sehr verschieden, wie namentlich 
aus der Tafel I zu ersehen ist, auf der eine graphische Darstellung 
der Ozonreaction beider Stationen im Monat December gegeben ist. 
Noch auflallender ist folgende Beobachtung: auf der Station I wurde 
einige Tage hindurch, vom 9. bis 15. Mai, auch an der Vorderseite 
des Hauses in einer engen Strasse ein Papierstreifen aufgehängt und 
es zeigte sich die Reaction hier ganz abweichend von der auf der 
hintern Seite des Hauses, wo der Papierstreifen über einem Hofe hing 
(siehe die oben im Text gedruckte Tabelle, in der ce den an der 
vorderen Seite des Hauses ausgehängten Papierstreifen bezeichnet). 
Während die mittlere Ozonreaction auf der gewöhnlichen Beobach- 
tungsstelle in diesen 7 Tagen nur 1°5 war, fand sich auf der andern 
Seite 9:0. Und doch waren die beiden Beobachtungsorte nur etwa 
30’ von einander entfernt, der eine gegen O., der andere gegen W., 
gleich hoch über dem Boden, der eine über einer engen Strasse, der 
andere über einem engen gepflasterten Hof. 

Aus dem Obigen geht nun zur Genüge hervor, dass ÖOzon- 
beobachtungen namentlich in Städten an verschiedenen Stellen 
gemacht werden müssen, um daraus mittlere Werthe berechnen zu 
können, während eine einzelne Beobachtung durchaus nicht maass- 
gebend für die ganze Stadt sein kann. Wollte man, um gleich- 
mässigere Resultate zu erlangen, diese Beobachtungen ausserhalb der 
Stadt oder auf hohen Punkten in derselben, z.B. auf hohen Thürmen, 
machen, so würde man nicht den Ozongehalt der Luft kennen lernen, 
welche die Bewohner einathmen und welche möglicherweise die 
Quelle ihrer Erkrankungen sein kann. 


Sitzb. d. mathem.-paturw. Cl. XVII Bd. Il. Hft. 14 


202 Schiefferdecker. Über den Ozongehalt der atmosphärischen Luft 


3. Der Ozongehalt der Atmosphäre bei Tag und bei Nacht, 


Schon frühere Beobachter, namentlich Dr. Gröger in Mühl- 
hausen, kamen zu dem Resultate, dass der Ozongehalt der atmo- 
sphärischen Luft Nachts grösser sei als bei Tage. 

Wenn wir die in den Tabellen I bis Ill notirten Zahlen betrach- 
ten, so fällt es gleich in die Augen, dass durchschnittlich der Ozon- 
gehalt bei Tage geringer ist als bei Nacht, deutlich und durch Zahlen 
ausgedrückt tritt dieses Verhältniss hervor, wenn man die monatlichen 


Mittelzahlen von den einzelnen Stationen zusammenstellt, wie dies - 


in der Tabelle IX geschehen ist. Allerdings finden sich einige 
Abweichungen von der allgemeinen Regel. Es sind in der genannten 
Tabelle zusammen 53 monatliche Mittelwerthe verzeichnet, darunter 
ist bei 8 die Tageszahl grösser als die Nachtzahl, in einem Fall sind 
beide gleich, in allen übrigen die Nachtzahl mehr oder weniger 
grösser als die Tageszahl. 

Unter den 8 abweichenden Beobachtungen beträgt viermal die 
Differenz nur 01, einmal 1:6 und zweimal 1°9. Dabei treffen die 
drei letzten auf eine Station (V.) und zwar auf drei hinter einander 
folgende Monate December, Jänner, Februar, so dass man wohl die 
Einwirkung localer Einflüsse als Ursache dieser Abweichung anneh- 
men könnte. Übrigens fallen die 8 abweichenden Zahlen auf 6 ver- 
schiedene Monate und zwar Sommer- und Wintermonate. Bei der 
grossen Mehrzahl der Beobachtungen, nämlich $/, derselben, sind die 
Nachtzahlen grösser als die Tagzahlen, und zwar schwankt die 
Differenz zwischen 0-1 bis 1:7, einmal ist sie sogar 2'3. 

Was die ausserhalb Königsberg angestellten Beobachtungen 
anbetrifft, so finden wir in ihnen dasselbe Verhältniss, leider aber 
sind diese Beobachtungen nur für 4 Monate vollständig, einmal 
in Sprechan, einmal in Louisenwahl und zweimal in Cranz. Die Diffe- 
renzen schwanken zwischen 0°8 und 1:6. 

Nehmen wir statt der einzelnen Stationen die monatlichen 
Mittelwerthe von allen, so findet sich in diesen keine Ausnahme von 
der allgemeinen Regel. Diese Zahlen sind in der Tabelle X zusam- 
mengestell. Wir sehen in der ersten Reihe die Königsberger 
Mittelwerthe, in der zweiten die Beobachtungen von Sprechan und 
Louisenwahl, in der dritten die aus Cranz. Constant ist der Ozon- 
gehalt bei Nacht grösser als bei Tage; die Differenz variirt von 0-1 


ee ee ee vr ee 


und sein Verhältniss zu den herrschenden Krankheiten. 203 


bis 17, ersteres im Februar, letzteres im Mai, im Mittel ist Differenz 
0-7. Dieses Mittel wird überstiegen in den Monaten August, Septem- 
ber, October, November, April und Mai, während die andern 
6 Monate unter dem Mittel bleiben. Es hängt also die Grösse der 
Differenz nicht constant von der Jahreszeit ab, wenngleich sich 
ergibt, dass sie am geringsten in den Wintermonaten, grösser im 
Sommer, am grössten im Frühjahre und Herbst zu sein scheint. Die 
Zeiehnung III veranschaulicht das Verhältniss der Königsberger 
Mittelwerthe für den ganzen Tag, und für Nacht und Tag besonders. 


4. Der Ozongehalt der Atmosphäre in verschiedenen Jahreszeiten. 


Schönbein spricht auf Grund seiner Beobachtungen wieder- 
holt die Behauptung aus, dass der Ozongehalt der Luft im Winter 
grösser sei als im Sommer. Er erklärt diese Erscheinung dadurch, 
dass erstens überhaupt die durch genuine und voltaische Elektrieität 
bewerkstelligte Ozonbildung um so reichlicher ausfällt, je niedriger 
die Temperatur ist, und dass zweitens im Winter von der Oberfläche 
der Erde weniger Ozon verschluckt wird als im Sommer, weil dann 
weniger oxydirbare Materie mit der Luft in Berührung kommt. 

Betrachten wir nun die Mittelwerthe, die Maxima und Minima 
für die 12 Monate, wie sie aus unsern Beobachtungen hervorgehen 
und in der Tabelle XI zusammengestellt sind, so finden wir die An- 
gabe Schönbein’s im Allgemeinen bestätigt. Das Mittel aus den 
12 Monaten beträgt 8:1. Diese Mittelzahl finden wir im Mai, sie 
wird überschritten in den Monaten October, December, Jänner, 
Februar, März, April; die übrigen 5 Monate erreichen sie nicht. 
Am höchsten ist der Ozongehalt der Luft in den Monaten Februar, 
März, April, am niedrigsten im Juli. Die Maxima und ‘Minima ver- 
halten sich den Mittelwerthen ziemlich analog, wenn auch einzelne 
Abweichungen vorkommen; so findet sich im März das höchste Maxi- 
mum und der höchste Mittelwerth, das geringste Maximum dagegen 
im Juli, der auch den geringsten Mittelwerth zeigte. Dagegen fällt 
das grösste Minimum in den Februar, das kleinste in den November. — 
In Cranz sind abweichend von den Königsberger Zahlen der Mittel- 
werth und das Minimum im Juli grösser als im August. 

Schönbein sah in der Kälte des Winters die Hauptursache 
für den grössern Ozongehalt der Luft. Wir haben der Tabelle XI die 
Mitteltemperaturen der Monate beigefügt und ersehen daraus, dass der 


14* 


(A Sechiefferdeeker. Über den Ozongehalt der atmosphärischen Luft 


März, der den höchsten Ozongehalt zeigte, auch die niedrigste Tem- 
peratur gehabt hat, doch fallen die 3 Monate deren Ozongehalt der 
höchste war, nicht mit den 3 Monaten zusammen deren mittlere 
Temperatur unter 0% gewesen ist. Es hat vielmehr der April, dessen 
mittlere Temperatur -+ 288° war, einen höheren Ozongehalt als 
der Jänner, dessen mittlere Temperatur — 0'49° gewesen ist. Da- 
gegen hat allerdings der Monat Juli bei niedrigstem Ozongehalt auch 
die höchste Temperatur. — Die Mitteltemperatur der 12 Monate ist 
+ 5770, dies Mittel wird überschritten in 5 Monaten, und in den- 
selben 5 Monaten bleibt auch der Ozongehalt unter dem Mittel oder 
erreicht es nur. In den 7 Monaten, deren Temperatur unter dem 
Mittel bleibt, übersteigt der Ozongehalt das Mittel mit Ausnahme des 
Monats November. 

Wir können also für die 12 Monate, die unsere Beobachtungen 
umfassen, das Gesetz aussprechen, dass der Ozongehalt der Luft im 
umgekehrten Verhältniss zur Temperatur steht. Nehmen wir auf 
die Jahreszeiten Rücksicht, so fällt der höchste Ozongehalt in den 
Winter und Frühling, der geringste in den Sommer. Die schon 
angeführte Zeichnung Ill gibt eine Darstellung dieses Verhältnisses. 

Prof. Wolf in Bern gibt in dem schon angeführten Aufsatze in 
Poggendorff’s Annalen eine Übersicht des mittleren Ozongehalts der 
12 Monate des Jahres 1853. Auch er kommt zu dem Resultate, dass 
der März den höchsten, der Juli den geringsten Ozongehalt zeigt, 
und dass überhaupt im Winter und Frühling der Ozongehalt am 
grössten ist. Abweichend dagegen von unserer Beobachtung findet 
er für die Herbstmonate einen geringeren Ozongehalt als für die 
Sommermonate, suchte indess diese von vorneherein auffallende 
Erscheinung durch die ungewöhnliche Witterung des Jahres 1853 zu 
erklären. Eine Zusammenstellung der W olf’schen Resultate mit den 
unsrigen findet sich in der Tabelle XII. 


9. Einfluss der meteorologischen Verhältnisse auf den Ozongehalt 
der Luft. 


Die meteorologischen Beobachtungen, welche in den Tabellen IV 
bis VII enthalten sind und den folgenden Betrachtungen zu Grunde 
liegen, sind uns gütigst mitgetheilt von Herrn Prof. Luther, der 
in Königsberg seit vielen Jahren diese Beobachtungen für das Ber- 
liner Bureau macht. 


und sein Verhältniss zu den herrschenden Krankheiten. 205 


A. Die Temperatur und der Ozongehalt der Luft. 


Was die monatlichen Mitteltemperaturen und ihr Verhältniss zu 
den mittleren monatlichen Ozonwerthen betrifft, so haben wir das 
darauf Bezügliche schon in dem vorigen Abschnitte mitgetheilt. 
Wenden wir uns nunzu den täglichen Schwankungen der Temperatur 
und des Ozongehalts der Luft, so finden wir hier kein festes Verhält- 
niss ausgesprochen. Da es schwer ist sich aus Tabellen eine Vor- 
stellung von diesem Verhältnisse zu bilden, so haben wir in der 
Tafel IVeine graphische Darstellung desselben für die Monate Juli, 
August und September gegeben. Allerdings fallen mitunter bedeu- 
tende Steigerungen des Özongehalts mit plötzlichem Sinken der 
Temperatur zusammen, indess bemerkt man auch oft das Entgegen- 
gesetzte, so dass es nicht möglich ist, ein Gesetz zu erkennen. 


B. Der Barometerstand und der Ozongehalt der Luft. 


Was die täglichen Schwankungen anbetrifft, so lässt sieh hier 
ebensowenig als bei der Temperatur ein Gesetz erkennen. Die schon 
angeführte Zeichnung IV enthält auch eine graphische Darstellung 
des Barometerstandes für die Monate Juli, August und September, 
und ersehen wir daraus, dass zwischen dem Ozongehalt der Luft und 
dem Barometerstande kein constantes Verhältniss besteht. Betrachten 
wir die monatlichen Mittelwerthe, wie sie in der Tabelle XIII zusam- 
mengestellt sind, so sehen wir, dass die Schwankungen des Ozon- 
gehalts durchaus nicht mit denen des Barometers übereinstimmen. 
Der mittlere Barometerstand für die 12 Monate ist 28” 0:15”; 
unter diesem Mittel bleiben die Monate Juni, October, November, 
Deceiber, Februar, April, die andern Monate übersteigen dasselbe 
mehr oder weniger. Dieses Resultat widerspricht der Angabe von 
Wolf, wonach in Bern bei niedrigem Barometerstande der Ozon- 
gehalt grösser als bei hohem gewesen ist. 


C. Die Feuchtigkeit und der Ozongehalt der Luft. 


In der Tabelle XII finden wir die mittlere Feuchtigkeit für die 
12 Monate zusammengestellt, und es fällt in die Augen, dass dieselbe 
in den kalten Monaten grösser ist als in den warmen. Das Mittel 
ist 80:6; es wird überschritten in den Monaten October, November, 
December, Jänner, Februar, März, April, während die übrigen 


206 Schiefferdecker. Über den Ozongehalt der atmosphärischen Luft 


5 Monate mehr oder weniger darunter bleiben. Es fallen also im 
Allgemeinen die 7 Monate mit der grössten Feuchtigkeit zusammen 
mit den 7, die den grössten Ozongehalt zeigen. Doch sind die Monate 
November, December, Jänner die feuchtesten, während der Ozon- 
gehalt am grössten ist in den Monaten Februar, März, April, so ist 
also das Steigen und Fallen des Ozongehalts nieht völlig proportional 
mit dem Steigen und Fallen der Feuchtigkeit. 

Was die täglichen Schwankungen anbetrifft, so haben wir, um 
eine deutliche Anschauung von dem Verhältniss zu gewinnen, für 
9 Monate, nämlich für Juli, August, September, Oetober, November, 
December, Jänner, Februar und März, graphische Darstellungen 
des Özongehalts der Luft und der Feuchtigkeit gemacht (siehe die 
Tafeln V, VI, VII). Aus ihnen kann man ersehen, dass allerdings 
eine grosse Übereinstimmung zwischen dem Ozongehalt und der 
Feuchtigkeit besteht, die aber doch häufige Ausnahmen erleidet, so 
dass es von vornherein wahrscheinlich wird, dass hier noch irgend 
ein anderes Moment mitwirke, welches einen störenden Einfluss aus- 
übt. Wir werden später auf dies Verhältniss noch zurückkommen 
und die Aufklärung desselben versuchen. 

D. Regen und Schnee und ihre Wirkung auf den Ozon- 
gehalt der Luft. 

In den Tabellen IV bis VII sind die Regentage mit R, die 
Schneetage mit S bezeichnet. Ausserdem ist in der Zeiehnung: VII 
eine graphische Darstellung des Ozongehalts der Luft für die Monate 
Juli, October und December gegeben, und zugleich sind die 
Regentage mit Punkten, die Schneetage mit Ringen (°) bezeichnet. 
Es scheint daraus hervorzugehen, dass der Ozongehalt der Luft 
weder durch Regen noch durch Schnee verändert wird, denn wir 
finden in den sehr regnerischen Monaten October und December 
die grössten Schwankungen im Ozongehalte, und im Juli den höchsten 
Ozongehalt gerade an Tagen, an denen es nicht regnete. 

Prof. Schönbein gibt wiederholt an, dass bei Schneefall 
die Reaction auf Ozon eine sehr starke wäre und erklärt diese 
Erscheinung dadurch, dass Schneefälle stäts mit sehr merklicher 
elektrischer Erregung der Luft verbunden sind, die ihren Hauptgrund 
in dem Zerbrechen der Schneeflocken haben soll. Nach unsern 
Beobachtungen ist ein constantes Steigen des Ozonometer bei und 
nach Schneefällen nicht zu bemerken. 


und sein Verhältniss zu den herrschenden Krankheiten. 20% 


Auch Prof. Wolf kommt durch seine Beobachtungen zu dem 
Resultate, dass der Ozongehalt der Luft durch Regen und noch mehr 
durch Schnee gesteigert werde. Er hat, um dies zu zeigen, den 
mittleren Ozongehalt an schönen Tagen, an Regentagen und an 
Schneetagen berechnet und kommt dadurch zu folgenden Zahlen: 

Ozongehalt an schönen Tagen 4'86 
N „ Begentagen 11:40 
5 „ Schneetagen 14-15. 

Wir haben dieselbe Methode angewendet, und für jeden Monat 
den mittlern Ozongehalt für schöne Tage, Regentage und Schneetage 
berechnet. Es finden sich diese Zahlen in der Tabelle Nr. XIV zu- 
sammengestellt. — Wir ersehen daraus, dass mit Ausnahme des 
Monats November die Ozonreaction an Regentagen immer grösser 
ist als an schönen Tagen. Schneetage sind in 7 Monaten vorgekom- 
men und in 4 derselben ist die mittlere Ozonreaetion geringer als 
an Regentagen, in 3 grösser, dagegen ist sie mit Ausnahme des 
Monats März immer grösser als an schönen Tagen. 

Nehmen wir die Mittel für alle 12 Monate, so erhalten wir fol- 
gende Zahlen: 

Ozongehalt an schönen Tagen 6°9 
ei „ Hegentagen 8:9 
3 „ Schneetagen 10:1. 

Wir kommen also, wenn wir die jährlichen Mittelwerthe ver- 
gleichen, zu demselben Resultate, wie Prof. W of, nur sind die Diffe- 
renzen in unsern Zahlen nicht so gross. 


E. Der Wind und der Ozongehalt der Luft. 


In den Tabellen IV— VI ist die Richtung und Stärke des 
Windes für jeden Tag angegeben und man ersieht leicht, dass die 
Riehtung desselben im Allgemeinen ohne allen Einfluss auf die Ozon- 
bildung ist. A priori könnte man annehmen, dass die Richtung des 
Windes insofern einen Einfluss ausüben müsste, als die ausgehängten 
Papierstreifen besonders von dem Winde getroffen werden, der aus 
derjenigen Himmelsrichtung kommt, nach welcher sie hängen, dass 
also z. B. ein Reagenspapier, das auf der Ostseite eines Hauses hängt, 
besonders durch den Ostwind affieirt wird. Um diesen möglichen 
Einfluss zu veranschaulichen, ist auf der Zeichnung XI eine 
graphische Darstellung gemacht, in der die tägliche Windesrichtung 


208 Sehiefferdeeker. Über den Ozongehalt der atmosphärischen Luft 


für den Monat Februar angegeben ist, und zugleich die mittleren 
Ozonwerthe von 2 Stationen die nach O., und 2 die nach W. gelegen 
sind. Man bemerkt aber nicht, dass die Ozonometer auf der Ostseite 
besonders bei Ostwind, die auf der Westseite besonders bei West- 
wind verstärkte Reaction zeigen. 

Prof. Wolf in Bern hat durch Berechnung der Mittelwerthe 
gefunden, dass durchschnittlich die Ozonreaction bei Westwind am 
höchsten ist; seine Zahlen sind folgende: 

NO. NO. ©. S. S. SW.W.N.W. 

84 6:8 9-4 12.2 

Bei unseren Beobachtungen lässt sich eine solche Reihe nicht 
berechnen, weil bei uns der Wind an einem Tage gewöhnlich so oft 
wechselt, dass für viele Tage eine bestimmte Windesrichtung gar 
nicht angenommen werden kann. 

Was die Stärke des Windes anbetrifft, so hat sich heraus- 
gestellt, dass durchschnittlich die Ozonreaction mit der Stärke des 
Windes steigt. An stürmischen Tagen ist die Reaction fast immer 
eine sehr bedeutende gewesen, an windstillen Tagen eine geringe. 
Auf der Zeichnung VII ist für die Monate Juli, October und 
December die Stärke des Windes graphisch dargestellt und lässt 
sich daraus nicht verkennen, dass durchschnittlich mit der Steigerung 
des Windes auch eine Steigerung der Ozonreaction einzutreten 
scheint, und umgekehrt. 

Da die Windstärke einen Einfluss auf die Ozonreaction ausübt, 
und wir dasselbe schon früher bei der Feuchtigkeit gesehen haben, 
jedes dieser Momente allein aber inseinen Wirkungen nicht ganz con- 
stant ist, so haben wir versucht, eine Zahlenreihe aus Windstärke 
und Feuchtigkeit zusammen herzustellen, und auf den Zeichnungen 
VII bis X diese Zahlenreihe gleichzeitig mit der Ozonreaction 
graphisch darzustellen. Es ist dies für die Monate Juli, August, 
September , October, November, December, Jänner und Februar 
geschehen. Aus dieser Darstellung ist unschwer zu ersehen, dass die 
beiden genannten Linien auffallend übereinstimmen und nur selten 
Abweichungen zeigen, so dass wir das Gesetz aussprechen können, die 
Ozonreaction ist im Allgemeinen proportional einer Zahlenreihe, die aus 
der Windstärke und aus der Feuchtigkeit der Luft zusammengesetzt ist. 

Hiebei müssen wir uns aber die Frage aufwerfen, ob die durch 
Windstärke und Feuchtigkeit gesteigerte Ozonreaction wirklich einer 


und sein Verhältniss zu den herrschenden Krankheiten. 209 


gesteigerten Ozonbildung entspricht, oder ob vielmehr durch jene 
Momente nur die Einwirkung des Ozons auf das Reagenspapier 
erleichtert wird. Letzteres scheint uns das Wahrscheinlichere, denn 
durch den Wind wird mehr Luft mit dem Reagenspapier in Berührung 
gebracht und kann sein Ozon an dasselbe abgeben, durch die Feuch- 
tigkeit aber, die sich dem Papier mittheilt, wird jedenfalls die Ein- 
wirkung des Ozons auf den Jodkalium-Stärkekleister erleichtert. 


F. Die Gewitter und ihr Einfluss auf den Ozongehalt 
der Luft. 


In den Tabellen IV bis VII sind die Gewitter durch Stern- 
chen (*) bezeichnet. Es kamen in den 12 Monaten auffallend wenig 
Gewitter vor, nämlich im Juni 2, August 2, September 2, in allen 
übrigen Monaten keines, also nur 6 im ganzen Jahre. 

Schönbein gibt an, dass Gewitter stäts eine bedeutende 
Steigerung des Ozongehalts der Luft hervorrufen. Wir sehen nach 
unseren Beobachtungen nur zweimal eine deutliche Steigerung der 
Özonreaction an dem auf das Gewitter folgenden Tage hervortreten. 
Das Gewitter am 24. Juni brachte eine bedeutende Steigerung am 
25. Juni hervor, das am 11. September eine Steigerung am 12. Sep- 
tember. Die andern 4 Gewitter übten keinen merklichen Einfluss auf 
die Ozonreaction aus. 

Es wäre nun noch sehr wünschenswerth, den Ozongehalt der 
Luft mit der Luftelektrieität zu vergleichen, leider aber werden in 
Königsberg keine Beobachtungen über Luftelektrieität gemacht, und 
wir müssen daher auf diese Vergleichung verzichten. 

Überblicken wir nun noch einmal die Resultate, zu denen die 
Königsberger Beobachtungen über den Ozongehalt der Luft und ihre 
Vergleichung mit anderen meteorologischen Beobachtungen geführt 
haben, so lassen sich dieselben in folgender Weise kurz zusammen- 
fassen: 

1. Die von Schönbein angegebene Methode zur quantitati- 
ven Bestimmung des Ozongehalts der Luft ist schon ihrem 
Prineip nach nicht zuverlässig und wird ausserdem noch 
durch meteorologische Verhältnisse, vorzüglich durch Wind 
und Feuchtigkeit, unsicher gemacht. 

. Der Ozongehalt der Luft ist an verschiedenen Stellen einer 
Stadt durch locale, nieht näher zu bestimmende Verhältnisse 


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210 Sehiefferdeeker. Über den Ozongehalt der atmosphärischen Luft 


11. 


“12. 


13. 


so verschieden, dass eine einzelne in einer grösseren Stadt 
gemachte Beobachtungsreihe durchaus unzuverlässig ist und 
dass die aus mehreren gleichzeitig an verschiedenen Stellen 
derselben Stadt angestellten Beobachtungen gezogenen Mittel- 
werthe auch nur annähernd richtig sein können. 


. Der Ozongehalt der Luft ist an einem ausserhalb der Stadt 


gelegenen Punkte constant grösser und weniger wechselnd 
als innerhalb derselben. 


. Die Nähe des Wassers, sowohl die der See als die eines 


stagnirenden Teiches, übt keinen merklichen Einfluss auf die 
Ozonreaction aus. 


. Der Ozongehalt der Luft ist in der Nacht grösser als bei 


Tage. 


. Der Ozongehalt der Luft ist in den kalten Monaten grösser 


als in den warmen. 


. Die täglichen Temperaturschwankungen üben keinen eonstan- 


ten Einfluss auf die Ozonreaction aus. 


. Dasselbe gilt von den Schwankungen des Barometerstandes. 
. Die Feuchtigkeit der Luft befördert die Ozonreaction. 
. Regen und Schnee üben einen Einfluss auf die Ozonreaction 


aus, der zwar nicht ganz constant ist, aber doch in den jähr- 
lichen Mitteln so hervortritt, dass der Özongehalt an 
Schneetagen grösser als an Regentagen, und an diesen 
wieder grösser als an schönen Tagen ist. 

Der Wind wirkt je nach seiner Stärke befördernd auf die 
Ozonreaetion, die Richtung des Windes dagegen hat keinen 
Einfluss darauf. 

Die Ozonreaction ist in ihrem Steigen und Fallen proportional 
einer Zahlenreihe, die aus der Windstärke und dem Feuch- 
tigkeitsgrade der Luft zusammengesetzt ist. 

Gewitter bewirken mitunter eine plötzliche Steigerung des 
Ozongehaltes der Luft. 


Diese Resultate beruhen auf den Beobachtungen eines Jahres, 
und verhehlen wir uns nicht, dass mehrjährige Beobachtungen die- 
selben wohl in manchen Punkten modifieiren könnten. 


und sein Verhältniss zu den herrschenden Krankheiten. 211 


I. Der Ozongehalt der Luft und sein Verhältniss zu den 
herrschenden Krankheiten. 


Wir kommen jetzt zu demjenigen Theile des Berichtes, der für 
den Arzt der wichtigste ist und der erst die wahren Resultate der 
Gesammtbeobachtungen enthält. Über das Verhältniss des Ozons zu 
den Krankheiten besitzen wir, wie schon in der Einleitung angege- 
ben wurde, bis jetzt keine sichern Beobachtungen. Schönbein 
gibt wiederholt an, dass er in Basel bemerkt habe, wie bei hohem 
Ozongehalte der Luft viele katarrhalische Krankheiten herrschten, 
und dasselbe bestätigt Spengler für Roggendorff. Ausserdem soll 
nach Schönbein ein englischer Arzt, Dr. Hunt, behauptet haben, 
dass während einer Choleraepidemie die Luft kein Ozon enthalten 
habe. Aus vielen theoretischen Gründen und einigen von Schön- 
bein angestellten Experimenten war es überdies wahrscheinlich 
geworden, dass der Ozongehalt der Luft auf die Entstehung und Ver- 
breitung mancher Krankheiten bald einen positiven, bald einen nega- 
tiven Einfluss ausüben könne. 

Um über diese Verhältnisse zu einem wirklich sichern Resultate 
zu gelangen, wurden in den genannten 12 Monaten von den meisten 
ärztlichen Mitgliedern des Vereins genaue Krankenlisten geführt. Es 
waren zu diesem Zwecke gedruckte Schemata vertheilt, in denen alle 
acuten Krankheiten der Reihe nach angeführt, und zugleich die 
Einriehtung getroffen war, dass an jedem Tage die beobachteten 
Fälle notirt werden konnten. Jede Tabelle war für einen Monat 
berechnet und sollten nur diejenigen Fälle eingetragen werden, bei 
denen sich der erste Erkrankungstag genau ermitteln liess. Aus 
diesen einzelnen Monatslisten wurde dann eine einzige, alle Beobach- 
tungen umfassende zusammengestellt. 

Es wäre für unsern Zweck sehr wünschenswerth gewesen, wenn 
wir eine Zusammenstellung sämmtlicher in der Stadt vorgekommenen 
Erkrankungsfälle hätten benutzen können, eine solche liess sich aber 
nicht beschaffen, und wir haben nur die Beobachtungen einer ver- 
hältnissmässig kleinen Zahl von Ärzten zur Disposition. Da sich 
indess unter diesen das städtische Krankenhaus, die Klinik und Poli- 
klinik und die Hälfte der Armenärzte befinden, so können wir wohl 
annehmen, dass wir wenigstens die Hälfte der in Königsberg vorge- 


212 Schiefferdeeker. Uber den Ozongehalt der atmosphärischen Luft 


kommenen acuten Erkrankungen für unsere Zwecke haben benutzen 
können, und dass wir daher nicht anstehen dürfen, unsere Zahlen 
als maassgebend für die Bestimmung des herrschenden Krankheits- 
eharakters zu betrachten. Leider sind indess auch diese Beobachtun- 
gen nicht von allen Mitgliedern für alle 12 Monate gemacht, namentlich 
fehlen für die letzten 3 Monate das städtische Krankenhaus, die 
Poliklinik und einer der Armenärzte, so dass diese Monate für sichere 
Schlüsse nicht zu benutzen sind. 

Es sind in den ersten 9 Monaten im Ganzen 5.418 acute Erkran- 


kungen notirt worden, nämlich: 


im Juni 1852 0. 20... 00 008 


„ Juli NUT 2 1 a 
„ August EAN RU RARNON BRIAN) 
„september u 0%. u. 2.0.00 02.0998 
„ October N 2 Nr 
„November: u... 0... ua 
„December 0... . 0... 008 
„Jänner: 1833... 0.000 020265 
„ Februar N N a le ke 


Dazu kommen noch für 


Märzı1859° a De 
April „ IA a N.) 
len EL  elio: 


Da diese Monatstabellen wegen der vielen Rubriken keine Über- 
sicht gewährten, so wurden aus ihnen andere berechnet, in denen 
die Krankheiten zu grösseren Gruppen vereinigt und immer 5 Tage 
zusammengezogen wurden. In den Monaten mit 31 Tagen enthält die 
6. Rubrik immer die Summe für 6 Tage, im Februar die für 3 Tage. 
Diese Zahlen finden sich in den Tabellen XV und XVI für alle 
12 Monate. 

Diesen Tabellen sind zugleich die mittleren Ozonwerthe für die 
einzelnen fünftägigen Perioden und die Maxima und Minima des 
Ozons beigefügt. In der Tabelle XVII sind die Summen für die 
ganzen Monate mit den mittleren monatlichen Ozonwerthen zusam- 
mengestellt, und ausserdem noch dieselben Krankheitsgruppen in 
ihrem procentlichen Verhältniss hinzugefügt. 


und sein Verhältniss zu den herrschenden Krankheiten. 213 


In allen diesen Tabellen sind besonders angeführt: 1. die 
Summe sämmtlicher Erkrankungen, 2. die Summe der Brust- und 
Hals-Krankheiten, 3. die Fälle von Pneumonie und Pleuritis, 4. die 
Krankheiten der Respirations-Schleimhaut, 5. Morbillen, 6. Scar- 
latina, 7. Variolae und Varicellae, 8. die Rheumatismen, 9. Typhus 
und gastrische Fieber, 10. Intermittens, 11. Diarrhöe, 12. Cho- 
lera, 13. die sonstigen Krankheiten. 

Um eine noch leichtere Übersieht zu gewähren, sind in der 
Tabelle XVII die Krankheitsgruppen noch mehr zusammengezogen, 
und sowohl ihre absoluten Zahlen als auch ihre procentlichen Werthe 
nach den Monaten mit den Ozonwerihen zusammengestellt. — Den 
angeführten Tabellen entsprechen die graphischen Darstellungen auf 
den Tafeln XI — XV. 

Wenden wir uns nun zuvörderstzur Betrachtung der beobachteten 
Krankheiten, so sehen wir, dass in den 12 Monaten mehrere und 
theilweise ihrem Charakter nach entgegengesetzte Krankheiten mehr 
oder weniger gleichzeitig geherrscht haben. — Entzündliche Brust- 
krankheiten und Katarrhe sind durch die ganze Zeit beobachtet 
worden, sie waren besonders vorherrschend im November, Decem- 
ber, Jänner und Februar. Dessgleichen herrschten Typhus und 
gastrische Fieber ununterbrochen, doch fand bei ihnen eine unge- 
wöhnliche Steigerung im August und September Statt, mit einem 
auffallenden Maximum in der Mitte des August. Ziemlich gleichzeitig 
damit wurden Wechselfieber beobachtet, die ebenfalls im August und 
September am häufigsten vorkamen, und im September ihr Maximum 
erreichten. 

Ausser diesen bei uns ununterbrochen in wechselnder Ausbrei- 
tung herrschenden Krankheiten wurden folgende als epidemische 
beobachtet. Die grösste Ausdehnung hatten die Masern; sie traten 
Ende August auf, verbreiteten sich allmählich bis Ende October, dann 
herrschten sie bis Ende November in einer ganz ungewöhnlichen 
Ausdehnung, nahmen rasch ab, und verschwanden Mitte Jänner. 

Nach den Masern war der Ausdehnung nach die bedeutendste 
Epidemie die der Cholera. Sie begann mit dem September, erreichte 
in der Mitte dieses Monats ihr Maximum und hörte Mitte November 
auf. Gleichzeitig mit der Cholera herrschten Diarrhöen in grosser 
Ausdehnung. Sie begannen schon im Juli sich ungewöhnlich zu ver- 
breiten, erreichten mit der Cholera gleichzeitig ihr Maximum und 


D1A Schiefferdeeker. Über den Ozongehalt der atmosphärischen Luft ete. 


sanken mit dem Aufhören der Letzteren auf denjenigen Grad von 
Häufigkeit, wo man sie nicht mehr als Epidemie betrachten konnte. 

Noch zwei exanthematische Krankheiten herrschten in geringe- 
rem Grade; beide begannen mit dem Nachlass der Maser-Epidemie. 

Die Pocken erreichten ihr Maximum im Jänner und nahmen 
dann allmählich gegen das Frühjahr hin ab, der Scharlach nahm 
gegen den Frühling zu, und fällt nur mit seinem Anfang in die 
Monate December, Jänner und Februar. 

Wäre nun die Behauptung von Schönbein richtig, dass 
das Ozon eine positive Wirkung auf die katarrhalischen Krank- 
heiten und eine negative auf die miasmatischen (Intermittens, Typhus, 
Cholera, Diarrhöe) ausübt, so hätte der Ozongehalt sein Maximum 
in der von uns beobachteten Zeit im November, sein Minimum 
im September haben müssen, diese Monate zeigen aber gerade 
einen ziemlich übereinstimmenden mittlern Ozongehalt. 

Werfen wir noch einen Blick auf die vorliegenden Zeichnun- 
gen, so sehen wir, dass durchaus keine Beziehung zwischen 
irgend einer Krankheit und dem Ozongehalt der Luft aufzufinden 
ist. Auch plötzliche bedeutende Steigerungen des Ozongehaltes 
wirken durchaus nicht auf die Entstehung katarrhalischer Krank- 
heiten der Respirationsorgane befördernd ein, wie dies aus den 
Tabellen XV und XVI, welche die Maxima und Minima des Ozons 
enthalten, zu ersehen. 

Wir gewinnen daher aus unsern Beobachtungen, deren Um- 
fang hinreichend gross war, um sichere Schlüsse zu gestatten, 
das Resultat, dass zwischen dem Ozongehalt der atmosphärischen 
Luft und. der Entstehung und Verbreitung der Krankheiten keine 
Beziehung aufzufinden ist. Dieses rein negative Resultat hat uns 
bewogen, nach Ablauf von 12 Monaten die Beobachtungen einzu- 
stellen. 


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Über den Ozongehalt der atmosphärischen Luft 


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Schiefferdeeker. Über den Ozongehalt der atmosphärischen Luft 


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219 


und sein Verhältniss zu den herrschenden Krankheiten. 


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Abends 7 Uhr 


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138 


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Abends 7 Uhr 


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148 


204 


179 


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162 


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221 


und sein Verhältniss zu den herrschenden Krankheiten. 


BELLE Il. 


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9]Summa « 


85 


. 1163 


d. 


pr. 


222 Schiefferdeceker. Über den Ozongehalt der atmosphärischen Luft 


TA- 


Juni 1852. 


Barometerstand. . = 28 |. 28.| 28 | 28 | 28.) 28.128 | 27 | 20 20 |, Zu zener 


1:82| 2:83| 2-73] 1:97| 1-16| 0:81) 1-21) 0:45] 9-80) 6:85] 8°48| 9-88] 8:72| 9-12 
Thermometerstand}10°70|11:60.13°00 13°37111 43 13:13113°77 1443| 16°13115°30/13°90/14-07|12-0711°23 
Feuchtigkeit . . .|65°1 162-5 62:8 | 59:8[75°9 |77°:5 [79:3 18352 |74°6 |80:8 |78:1 |80:6 1849 |80.9 


Regen und Schnee] R. R. — — _ = | I R. R. R. R R. 

x : - | SW- - - 
Windesrichtung. .| NO |O-N | O |0-N 0-NO| N N |IN-NO| NO Sr an Ei W Nr 
Stärke des Windes| 1—2| 1—2| 1—2|2—1|1—2| 1 il 1|1—2 112-1 1 |1-22 1 


Ozongehalt d. Luft 
auf StationI W.| 7° 
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2. XI.N. 


Juli 1852. 


Barometerstand 25 2 28 28 »8 28 

0-55) 2-32| 3-47) 2:96 1:39| 0-98) 1:39] 1-68 
Thermometerstand|14-85,13°20115-40113°40 16-80|17-57|17-37114-90116-13 
Feuchtigkeit . . .166°8 |70°0 1662 [75°3 70-6 |67-3 \62-9 165-9 |66°6 155.4 
Regen und Schnee| R. R. —_ R. _ — — — e- —- 
Windesrichtung. | W| W | W | W Ar NW Re RN 
Stärke des Windes] 3—1| 2—1| 1—2| 3—1 1—2|1—2 1 


Ozongehalt d. Luft 


auf Station I W.| 60 | 65 | 55 110-5 10 | 30 1-5 
Bi VI ©.| 95 1115 !65 | 7-5 45 | 9-0 50 
ale. 1 W.|35|#0|160|35 60 | 35 40 

imMittell 63 | 73 | oo | 71 38 | 51 35 
XEH NAT. ! P { 11-0 11-5 9-5 
=, RIEN.412-5 11:02)12>52013-5 14-0 |14-0 1-5 


August 1852. 


37 127. 27 1.22%) 27.271. 22|0,27.| 27 1. 200 2m 
111-96,10-79 10-39) 9-43) 9-96.10-00 7-9010°50110-49| 7-68] 9:61111°26| 9-90110-54 
Thermometerstand] 14-07 14:87|15°47|15-77\15-3714-97/16°67/16°30 18-57|17°93|13°9714°17/13:07113°30 
Feuchtigkeit . . .58:6 1682 |69-8 167-8 1785 |7&1 |80:9 1714 [604 |70:5 |84:0 1812 89-4 179-9 
Kesenzund Schnee) BP, |, |, — | ER. nr nn. — /Ra| Ro m lo 
; : _ NW- - | NW- 

Windesrichtung. .[NO-N| N-W N 0 |0-W| © (0) w | 0-8 F Bi S-SO /N-NO| O-W 
Stärke des Windes! 2—4 | 1—2|2—1| 1 1—2 1 1 2—1| 1 1—2| 2 1 1 1 
Ozongehalt d. Luft 


Barometerstand . 


auf StationI W.| 35 35 7045 5>o|10| #0 |90|30|!95 90/60 175 | 75 
»„». 1 0. 3-0 | 3-0 | 30|0|75 | &o 100 | 55 | ro 12-0 111-5 | 50 1120 | 95 
a, we |>-ol-0ol#+35155|135|80|55 10 | 35 | 25 | 7o 125 105 
„». WW so|l25 165 | 8&0| 95 | 7-5 1120 | 80 | 20 | 7-5 112-0 | &0 110°0 111-0 

im Mittell 32 | 32 136 |55168|30|85 | 70|32|81| 87165 1105 | 96 
Bar X N.|ı1-0 10-0 14-0 112-0 1150 112-0 1160 114-5 | 70 115-5 117°5 1140 1185 115-5 
» » XI N.41-5 111-0 12-5 | 9:0 [12-5 110-0 Jji#o0 [13-5 | 9:0 12-0 114-5 113-5 113-5 11155 


und sein Verhältniss zu den herrschenden Krankheiten. 223 


BELLE I. 


5 | 16,17 


Ba 27 2, | 20.1728. 1 028 | 2% 


2e27 2821772871, 28 | 28 || 28 | 2 


sıı >27 | or as 28 | 28 ara or 287 os ar 
1-27| 0:65] 0-46 0:77) 1:50| 2-53| 1-2810-13110-23 0-59] 1-18| o-1111-91)11-88| 0-29) 0-42 11-18 
14-87115:63 15:57 |12-63|11°53|112:57|14°27| 16-201 15-43 14-83|14-93| 14-47 |14-70|14-47114-13 13-67 15-83 
62-0 1631 162-3 67-9 167-1 63-5 164-1 164-9 175-7 |63-6 \71-5 [74-4 |69-6 163-0 \65-0 |76-2 [75-6 
BE nl ln ns | an len Sn, ne nl es dle as iz R. 
No-N| N- |H-No|NO-N|no-N! o-N |no-0 O-N| NW 2: NO-0| NO |NO-0| 0-N | O-N No- W 
N | A a er Nw INV- N SS ENNSW 
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0/)50|25|)15/125/130/50/)25|145 |45 185 |1301|15| 05 | 00 | 30 1105 
20|45155|80|55|35 | 05 110.5 | &0 | 55 | 30 | 0-0 | 0:0 | 30 | 7-0 110-5 [10-0 
40|00|30)50/|50/|50/ 20/50/75 |70|55|45 | 80|25)40| 10 | 25 
23|31)63 | # 43|38/|25/60|66 |56 |56 | 25 | 31| 20 | 36 | 46 | 76 
9:5 111-0 [12:5 13:0 12-0 112-5 1100 |11°0 116-0 [13:0 113:5 113-0 112-5 112-5 [13-0 |14-5 [150 

13:5 112-0 |11:0 \15°0 112-5 12-5 110°0 112-0 115-5 113-5 113-5 113-5 111-5 [11-5 [13-5 114-0 [13-5 
2 2287728217282) 28|0|28 |,23 28 28 ve 2811,.280 281728277287 728321028 
1146| 0:29] 2:23] 3-44 2:84| 0:86) 0:21| 1:35| 2-16] 2-83] 2:55] 0:94 3°44| 6:30) 5°89| 3-10] 1:63 
13:20] 13:60 1477143311597 17°70|17°20|14°53|12-87 10: 47 \10-97|11°50, 1285| 12-27|12-03)14-70 13:70 
194 1752 1785 1777 1677 [714 |76°0 |79-3 167-0 |57-9 |62°3 [81-9 181-7 681 [68-1 1741 86% 
R. R R. -|i-| -| -| -| -| —| | R R. R. — || — 

Ö- W- W- 
S-WInw| W Ino | NO |0-W| NO | NO |NO-NINO-N| O0 [0-50|0-N0|) 0 0 |0-NO|yw. 

1 1 |1-—2| 1 |1-2/1—2| 2 2 [1—2| 2—1| 1 1 1 1 1 1 1 
55|00|30|25|05|100|135|35|120|30|40|25|05|35| 60 | 40 | 2:0 
65 | 80 105 | 45 1001001 20|120105|05 1201/1051051 35 | 30 | 50 | 60 
“0750|50|)60|)55 165 ,50)45 115 |20|20)45 | 25|60| 35 | 30 | 30 
0150| 90 |170|45|70 120 | 85165 | 75|1|60 | 25 | 60 | &0 | 5-5 | 60 [10-5 
20 729176:8) | 5-0. | 2:6 | 3:3 | 5:6 | 4:6 | 2:6 | 3:2: 35 | 25| 23152 | A545 |'5:3 

15:5 114-5 [13:0 112-0 1100 13:0 1150 115.5 1140 |13°0 11:0 112-5 |15-5 13-5 |11°5 1120 1155 
12:0 |11:0 113:0 112-0 112-5 [11-5 1135 115-5 114-0 112-5 110-5 1120 1135 113-0 [120 114-0 [15-5 


PPAN Schiefferdeeker. Über den Ozongehalt der atmosphärischen Luft 


September 1852. 


28 28 28 
1:98] 3:94 4770| 4:57| 4:22| 3-93| 4-22 
37 


28 | 28 | 28 
425| 4°20| 1:78, 8-14, 5-98| 7°75| 9-13 


Barometerstand.. . 


Thermometerstand]14-5713-60|13:67\13-93)13-70/13-57,12-33\13-10.11-87\11:30 12-87 10-13) 8-83| 8-53 
Feuchtigkeit . . .|742 [70:6 |83-3 |72-6 \69-1 61-7 \67-:5 \73-5 |73-5 170-4 177-2 i76-1 \23-5 75-4 
Regen an Schnee] — |, R. en Pen — — — — SR. R. R. R. 


Windesriehtung. .|0-SO so 0 0 | NO |0-N0)0-NO 


Stärke des Windes] 1—2| 2—1| 1 1 1—2| 1 1 
Ozongehalt d. Luft 


NO |0-NO[O-NO| O-W| SW | SW | SW 
1 1 1 1 |3—4| 3—4| 4—2 


auf Station! W.| 15 | 15 | 20/05 | #0 |0-0 | oo | oo | 20 | 30 | 7-0 1140 14-0 10-5 
» ». 10/20/25 |115|120/|320/0o5|20|2o0|20| 2-5 | 55 13-0 140 12-5 
» » uwl|ıo|l25l0o5|35 | 120135 20125 |20|143 | S 13-5 13-5 | 9-0 
»» wwlas Iso) o|lzol zrols0ol65|l65 73 | #3 |11-0 12-5 10-5 14-0 
»». vWwl30olı5125| 30/35 125 |35l0o5 loo| 13 | #5 j1a-s l13-5 12-0 

im Mittell 24 | 22 | 25 | 32 | 37 | 2.3 | 2.6 | 21 | 27 | 2:6 | v-ı 13-1 112-5 14-0 
» » XI 0.115 [10-5 113-5 |11-0 112-5 11-0 12-5 l13-0 l13-5 105 | . zer 
» » XI N.|11:0 [10-0 |12-0 114-0 112-0 |13:0 113-0 14-5 13-5 110-3 14-3 13-0 15-0 11-5 


Barometerstand 238 ı 28.1 2841028 
Thermometerstand |10-13 vn 713 9: ” 797 | 9:53 8:03) 5°43| 5-53] 5-77) 4:00| 4-33| 5-40| 5-40 
Feuchtigkeit . . .|73-3 |70-8 [69-9 |85-0 80 77-6 772 |84:0 184.4 |89-8 1867 182-0 187-0 |86-9 


Regen und Schnee| — j 
> & W- 
Windesrichtung. .|SO-S sw | SW 


Ozongehalt d. Luft 
auf Stationl W.| 1:5 
N 
„uns 1 WENN6:O 
im Mittel] 55 : 
Se RIO: 15 ee 


November 1852 


as\ as| as | 28 | 28 | as | 28 28! ar | er | ar | ar | ar | 
Baromeierstand...| 35] 3.79] 0:39] 4-44 2a2! 4.131 3-49, 1:05| 6:91) 85011 51 oma 
Thermometerstand| 1-47| 0-20| 2-53| 6-27! 3-60 2-57| 0-13) 5-13 6-30! 0-33 _0-30|-0:87|_3-40 -6-07 
Feuchtigkeit .. .|s6-8 |83-0 (83-6 [92-4 89-7 [88-4 [89-1 91-8 |79-9 183-9 |79-6 77-6 [80-6 84-3 
Regen und Schnee| S. | R. | R. | R. R. | R. S. | OR. | OR. RSS Sms: S. 
Windesriehtung.. .| © | 0 jo-sol sw | |n-o!| o | 9, | W | vw o-w! 5 |w-s| so 

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1 


Stärke des Windes] 1— 2—1| 1 1 |2—1| 2 2 3 |8—1[|1—2]1—2| 1 1 
Ozongehalt d. Luft 


auf Station W.| 8:0 1130 | 40 | 15 | 30 110-5 1165 | 7-5 120 |65 | &o 115 | 70 | 73 
» „» I 0.120 1110 | 35 | 1-5 | 50 [13:0 113-5 13-0 [14-0 [14-5 11-0 114-0 13:0 112-5 
» » VE 0.115 1105 | 85 | 1-5 | 7-5 [10:0 116°5 |10-5 [13-0 [15-0 111-5 115-0 135 | 7-5 
» „» 11 W.[10:0 1100 | 9:0 | 40 | 55 111-5 [14-5 116-0 [16-0 [13-5 10-5 13-5 901. 4:0 
» „» VII N.| 85 112-5 120 | 00 | #20 115 1120| 70|30|95 |55 I 60 |80 | 7-5 

im Mittell10-4 [11-4 | 72 | 1-7 | 51 111-3 114-5 10-8 [12-0 11-8 | 88 12-0 101 | 7-8 
» » XI 0.165 115-0 |12-0 113-5 118-0 » . ; 18:0 117-0 1175 [150 


und sein Verhältniss zu den herrschenden Krankheiten. 


BELLE V\. 


223» 
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28 | 28 


22 | 23 


27 | 27 | 28 
11:66 11:54] 4-40 
10:80 8:95| 8:70 
78:0 1824 |76°0 

; R. R. 
SW-ı W- 

W | SW 

2—3| 2 —1 


13°5 
140 

6:5 
13°5 


02 
13°0 
10:0 
13:0 
9:5 112-0 
114 1112 
145 |16°0 


BR N28 28 


24 | 25 


28 | 28 
3525| 543 
10:57| 9:53 
86:7 188% 

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SW- |SW- 


28 


26 | 27 | 28 


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225 


29 | 30 


23 1.28 | 2% 


4.87) 0-78111-92| 1-97, 3-32] 0-36 9-81/110-43 0-02) 0-21 0-02)10-43 
2-43| 5°93| 673 4-37 3:00| 2-07 3.53|-0.23|-0:73 1127| 1:73] 1-87 
75:6 189-5 |96°9 |86-2 |78-7 \82-5 93-6 90:6 88-3 87:5 |83-9 1881 
Sl lno Ak Ne s 
NW- |SW- |sw-| 0- || 
1a. 19229 a 
12-5 9.0 40 
150 7.3 112-5 60 
14-0 73 110 3-5 
13-8 7.6 110-8 31 
150 17-5 1155 1170 175 150 118-5 
Bea ar or 27 ar) 27 Brazil 28.282 2zs 
0-33 11-18] 9-50 9:09110-31 10-87) 914 747 640 6-91l11-52| 3-11| 3-63 2:06) 1:30) 1:45 
-3:33| 0:03) 310 477| #33) 1-77| 1-73| 2-73) 3:00) #87| #-13| 2-20| 0:63) 1°97| 2-50, 4:03 
842 86°9 1932 192-0 1872 189-7 191-0 |93:6 191-2 195-4 |86-5 187-0 \87.6 87-5 1912 90:2 
BZ iR RB. Bel Re| Ro CRM SB BN CRM | RSS. Sn eh. 
o|/o|so wi SW nn 0) 0 | so |S-W |N-NO Se 0-S0 S 0 ,S0-0 
1 1 1 1 a oT 1 1 2 a BR 
105 125 145 100105 | 20 | 10110105 |05 | 05 | 25 12-0 | 30 | 20 | 00 
125/65 | 20 | 35 180 115 |50|65 | 50 1#5 1155 1%0 105 | #5 | 25 | 00 
30 85135 | 20 17590/000005 | 80 1r0 | 95 1105 | 30 | 00 | 00 
2500| 00 103 150 |90|25 | ro| 30 11-5 | 0 | 35 105 | &0 | 00 | 00 
11-0 125 | 7000/00 |15 |6&o| 80 11ro0 A1ro 112-0 | 0 130 | 20 | #5 | 05 
030780 | 323-6 | 98 | 66 | 29.) 33 | 31 | 9:0 9:6 | 6 115 | A1 | 18 | 04 
15:5 160 100 14-5 1185 18-5 160 1-5 |13°0 155 1170 116-5 115-5 1155 113-5 110°5 
| 


226 Schiefferdeeker. Über den Ozongehalt der atmosphärischen Luft 


TA- 


f[213[sl5[olz|so[win|mfalu 


December 1852. 


2 2 20. 02% a 27 28 il, ZI RS 
2-52|11°53111°09/11-91/10:12| 8-78111-31| 1-22] 7-52/10-:66| 3:12 
Thermometerstand | 3:90) 4:60! 3:80) 2-67| 2:87 3:87| 0:80/-1:93| 1:80 3:50 2:80) 2:20 


Barometerstand . 


Feuchtigkeit ... 93.2 2 1929 186°3 189.4 196-0 189-4 89:9 188:9 1948 192-3 1858 [89-9 
Regen und Schnee| R. R. R. Reo Be Bell Re S. S. R. | Ba —_ 
Windesrichtung. .IS0-0| so | sw || | w | Nr | io | so | my Is-so s-So 
Stärke des Windes| 1 12197202 1 |2—-1| 1 [1-22 —1) 1 1 
Ozongehalt d. Luft 
auf Stationl W.| 20 | 25 | 0:5 110°5 12:0 |11°0 | 30 [12:0 | 50 | 0:5 | 50 30 
Ey, VW. #5 11:5 1420 42-50 9:5 | :9:0206:52)1,.9:02107205 Dane 925 60 
»„. » VI N] 55|1|25 100|#0|75| 05 | 35 1155 | 60 | 20 [105 1135 | 85 | 90 
» » MM 0.05|%#0 1145 1145 [10:5 160 | 85 1350 |55 |20| 10|5|20] #0 
„VIE 0.) 0:5 | 3:5 11:0 |13:0 110-0) 15:0 | 8:0) | 957) 9:0.) 2:5276:0 | 8:07 08:05 022 
»„ I W.| 20 | 35 1120 [140 | 80 | 7.0 |11:5 |11°0 |111°0 | &5 |12°0 |13:0 [11:0 | 65 
im Mittel 2:0 | #5 | 9:5 1114 | 95 | 99 | 68 116 |66 | 26 | 71|1|93, 90 | 55 


Jänner 1853. 
Barometerstand 28 | 28 | 28 | 28 | 28 | 28 | 28 | 27 | 27 | 28 | 27 | 27 | 27 | 20 | 

| 3:15 #56| 3:36] 2-63| 1-90) 2:28| 1-73)11-35|10-72| 0-40] 9-84) 833] 4-81| 299 
Thermometerstand| 3:23| 1-93| 1:07| 0-40) 0:43|-0-:17|-2-47|-3°20|-1:07| 1:60| 1:83) 2:40] 3659| 1:57 
Feuchtigkeit . . #919 89:7 \90:0 |91°5 |88:6 |88°2 86:5 182-3 1852 1940 192-7 |90-9 |90°0 |85°8 
Regen und Schnee| R. ee | on — | — | R R. R. R. R. | 


{ s- |sw- 3 
Windesrichtung. .| uw | S | S |sw |s-no| so | o lo-so| so n = 
1 


Stärke des Windes| 1—2 1 1 1 41 |1—2| 2 |2—1| 1 
Ozongehalt d. Luft 
auf StationI W.| 7:0 1120 | 25 100 |00|00)20|)95 | 35 | 1:5 | 7O 1155 [20:0 | 35 
»»..7W.85:95| 90] 45 | 30 20 | 55 | 60) 3:0712-.07|17:0711607 2:07 E20 
».» Vi N.| 60 | 90 J100 | 1°5 | &0 | 9:5 [11-5 110.5 | 70 | 90 1150 10:5 | 9-5 | 8:0 
» ». Mm 0.!s0o|90|30|105|05|15|30|55 | 30 | 20 111-0 170 1160 12-5 
>» » Vu 0.95|85|60|20|10|30|65 | 65] 70 | #5 1120 1150 1150 11:5 
sm W.445 1125 12:5 10:5 | 8:5 | 70 | 9:0) 9:0 79:011257, 1207 1207 WED 

im Mittel! 89 1100 | 1 | 31)35 | 38 | 62 | 78 | 64 | 72 1113 11351 109 | 85 | © 
>» » XI 0.160 1170 \17o0 |165 [160 |15°5 1150 |15°0 |15°0 |16°5 18:5 [19-5 [19-0 [16-0 


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Februar 1853. 
28 28 28 28 
6:65| 768| 512] 3:00 


2 28 Dt, Dar 27, | 27 Bl, 27 27 27 

3 
Thermometerstand\-1'83)-—497|-5:93)-7°07\-5° 

7 


h > 8 
Barometerstand.. . 22) 2-36110-76| 778] 49% 384 2-17) 9-03) 8:61) 3-67 
73 
1 


—4-47|-2:13|-0°37| 0-03! 0:67) 0-53,-2°-83|-2-23) 0-10) 


Feuchtigkeit .. . 881 1776 1746 |721 |77°1 |81°4 89:9 |91°4 |98:5 100:0,92-2 |81:0 82:2 1952 
Regen und Schnee S. | — | — | — | 8. S. S. — (ER ao: —u euch 
Windesrichtung. .| O 0 ,0-No| NO |0-50| SO | SO | SO | NO |50-0 2 SW ns | 


Stärke des Windes) 1 d 2 2 1 2 |2—1| 1 2 1 j1-3| 1 [1-3 3—2| | 
Ozongehalt d. Luft 


aufStation I W.| 90 | 80 110-0 110 |13:5 114-5 |120 | 35 | 20 | 65 | 90 | #5 |15:0 [15-5 
» ».vw.60o|95 115 105 | 75 | #5 | 35 | 55 | 65 | 80 11-5 13:0 145 j13-5 
»„ » VIE N.125 | 85 | 90 | &0 100 | 75 11:5 | 8:5 [12:5 | 7-5 |12:0 10:5 [14-0 |14-5 
»» 1m 0.85 [130 1120 [12-0 12-5 |125 | &5 |15:0 17-0 15:0 |11-0 |12:0 [17:0 18:0 
»„.» vı.0.!90|15| 60 | 50 [110 |1%0 11-5 | 85 12:5 | 80 |12:0 13:5 [16:0 14-0 
» » 1 w|10|60/95|80|75|65| 25 | 95 125 105 13:5 | 9:5 112-0 140 

im Mittel) 7:6 | 77 | 9:6 | 91 10-3 | 95 | 82 | 84 10:5 | 92 j11-5 |10-5 |14:6 1149 |) 

» » molies has]. ao as]. 1. [We Een zn 

| | 


und sein Verhältniss zu den herrschenden Krankheiten. 22% 


BELLE VI. 


20 | 21 | 22 | 23 | 24 27128129 | 30 | 31 


Zr a BIO Ad 28 BEAT 2% 
9:78 SA1| 7753| 8:86 4 ; 3:66.10:10|) 2-99|10° -01 10:90| 9:65/11°45 
0-85) 2:00] 4:87| 3:97] 0: 1'935 /-0:73 —2:10| 1° 83 4:07| 6°07| 3:57 

92:0 90-1 1863 192-7 Ä 833 74:8 ; 1 |87:9 87.1 |92-7 
R. R. , 2 . 


BIN 27 | 28 | 28 
8:22] 9-16| 9-94 11- : ’ ; 9.84 1: ; 1 ‘6: 3Ad| 3:32 
-0:80|/-1:30/-3°73 |-8° { 97 —2:10 -0°83 ; : —1'97)-0:27| 
182-5 185°9 |88°6 ; : 0 86:0 186°3 89:0 1953 84° 92:2 [89-8 
S. S. . S. u 5: R. 


2, S-SO |SO-0| 0 0) 
1 1 2, 


12-5 [10°5 
105 |75 | 50 
15:0 5 112-5 
12-5 0 |140 
10:5 0 11:0 
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11:8 ‘0 111°0 
15°5 ) 


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8:23) 7:94 75811076 9-83] 5°37| 646.10°78| 7°07| 4:78 6°76| 7°97| 8:62| 9-81 
3:43 -2:87|-2:73|-6°67|-5°33 -1°77|-1:33)-3°20|-3°10|-1°93|-8°53|-2:33|-3-30|-0:03 
82:9 193-4 1842 |82:8 87:8 93:9 191-0 77-6 1864 |86°2 |79:8 1842 |89-7 182-4 

S. S. S. — + — 1118. S. S. S. — | 8. S. S. S. 


Ss0-S sw | SW| 0 /0-NO so |sw S0-S SO-0|S0-0 0-S0/0-S0| SO | SW 
3—2|2—1)| 1 | 1-3) 2—1) 1—2) 2—1|2—-3 2—1| 2 2 1 2 |1—2 


35 | 45 | 60 | 50 135 1120 | 80 | 35 113-5 114-5 | 90 | 75 110-5 | 90 
10-5 1135 10:5 | 70 | 9:5 |411°0 12-0 111-5 111-5 [13-5 10-5 110-0 113-0 10-0 
13:0 [12-0 | 9:0 112-0 14:0 [10:0 113-0 110-5 1150 [145 | 90 12-0 |10°0 | 65 2 5 
12:0 1145 13-0 [145 16:0 |15°5 160 15:5 1165 |14°0 |13°0 1135 155 113-5 & | 
13:0 [14-5 [14:0 [11:5 113:0 |13°0 11:0 12-5 11-5 1120 | 9:5 11-5 1155 10-5 N : 
12:5 115°5 14140 [11-5 112-5 |14°5 [13-0 13-0 113-5 |13°5 |11°0 |13°0 16:0 [13-0 : 
10:7 [12:4 |11:0 |10:2 13:0 112-6 112-1 11:0 113-5 \140 110-3 [11-2 13-4 110-4 e - 


228 


Schiefferdeeker. Über den Ozongehalt der atmosphärischen Luft 


März 1853. 

R' os | ar|l ar | as | as| as| as as| 28 | as | as | a8 | 28 | 28 
Barometerstand. .| 5.46! 9:50] 9-89) 1-45| 2-27| 2-19| 3:57) 3:82) 5-53] 6-67) 6-49| 3:00) 1-11| 2-58 
Thermometerstand|-1°47| 0:03 -0:63 -3°97 -1:67|-0:031-0:07| 0143| 1271-060) 0°30| 0:83| 0'33|-8:33 
Feuchtiekeit . . .[81-2 1967 |s#ı |s3-2 82-1 \s0-3 |s6-5 \so-3 \sı-5 \s3-7 |89-8 |89-0 188-9 |66-9- 


Regen und Schnee] — R. R. — S. R. — — — — | R. R. — 
Windesriehtung.. .| %" |no-o|s-so| sw |so-s| &, |°) o-so| o | no | | | w No-N 
Stärke des Windes] 1—2| 2 |ı-22—1|3—1) 2 | ı |2-1l2—ı1 ı Jı2ı 2) 2 | 2 
Ozongehalt d. Luft 

auf StationI W.| 7:3 112-5 10-0 | 90 ro | so | 35 |93 |#5 | #0 | 30 I1#0 18-5 10-5 

» „ vu n.ls-s 12-0 105 | 75 | so hos |s5 |vo | 75 |25 | 73 1140 18-5 145 

» m o.ı3o J1s5 1#o 10 14-5 \1#o 12-5 | 90 120 10-5 13-0 17-5 18-5 114-5 

>» vr 0.115 [13:0 10-0 \10-0 110-0 10-5 10-3 | 80 | 75 | &0 | 8:0 13-0 18-5 |12-10 

>». Irw.|li2:0 l1#o | 95 |12-3 \13-0 113-0 112-0 113 | 65 10 145 liro 17-5 112-5 

im Mittelli1-8 [14-4 10-8 110-6 \11-3 112 | 94 | 90 | 0 | 72 | 92 151 18-3 |12-8 

>». X 0.165 | 80 |i6&o 170 16-5 16-3 170 113-5 15-0 16-5 117-5 118-0 

April 1853. 

as| ar | ar\| as | 28 | as | ar | 27 | a7 | a8 | 28 | ar | a7 | 28 
Barometerstand. .| .33110-02111-90| 0-87) 1-22! 0:55| 9-63| 7-33110-45| 1-27| 0:34! 9-73/10-05) 0-22 
Thermometerstand| 1:07| 2:73, 0:93| 0:53) 1-23] 2-33] 3:53] 3-00! 2:93] 0'83|-0:67| 0:67/-0:40/-1:20 
Feuchtigkeit . . .|86-1 |86:8 1100:0,96-8 \90-9 |90-6 [93-5 |91-3 |89-3 |s5-9 76:9 75-0 72-4 179-3 
Regen und Schnee| R. | — |R. | R |R | RR | R|R|R| —- | —- | —|S. 
Windesrichtung. . ni o so-o un |so | o |o-s| sw N NIN ne n N 
Stärke des Windes] 2 2 2 2 ae le a |) 2 1 
Ozongehalt d. Luft 

auf Station I w.|13-5 | 0 11-5 \10-0 110-3 11-5 | 90 | s3 | vo 120 | #0 | 33 | 3:0 | 03 

>» » ro.liss j1#5 |130 \is-3 113-5 115-5 160 175 1155 1160 114-5 112-5 115-0 116-5 

>» ». iw.l1os 100 173 163 [150 135 170 \1r-5 110-5 j1#-3 12-0 12-5 111-5 12-5 

im Mittell13-1 110-8 14:0 1130 |13-0 113-3 140 14-5 10 141 to | 95 | 98 | 98 
>» xrolrs 1170 183 183 17-5 1170 19:0 20-0 \18-0 16-0 17-0 16-0 |15-5 [16-0 
| 
Mai 1853. 
sl 2aslaal all a | 


Barometerstand . .| 2.99] 1-70] 0-59! 0-01111-58|10-01| 7-61 


Thermometerstand|10°50|12-63112-07| 6°73| 433] 4:60) 7-90 


Feuchtigkeit . . .|70°4 1757 |86°4 |91°0 |917 |8%4 [76°3 A-2708 
Regen und Schnee] R. — | — | R|R R. | R. R. 
Windesrichtung. .| O0 | 0-N |O-NO Eu Sa N-W| SO 
Stärke des Windes] 1 |1—2| 1 |1—2| 1—2| 1—2| ?—1 
Ozongehalt d. Luft 

auf StationI W.| 05 | 00 | 00 |95)20|15| 60 

a RS. 5:5 | 76:5 118507] 72507173502 18:02 12:5 

„.,„.M 0.90 |75113:0) |16:5 11655 112-5|10:0 

„ars 91°0:| 8:07178:011:0:021157571257113:02 785 

„5 TEW.| 16:5 117725) 11402] 72:59 1255711300 12:5 

im Mittel] 59 | 5°9 | 84 | 9:8 1101 | 9:7 | 9-9 
„5, XL 0.155 155 1160)1651140217-0 | 


und sein Verhältniss zu den herrschenden Krankheiten. 229 


BELLE VW. 


15 | 16 17 | 185 | 19 | 20 


28028 | 28 1wAcL. 2a 27 22 1028 
2:99| 2:50) 0:64 0:39| 1:96, 2:28.10-37| 8:72110:28 9-42) 9:23] 1:67| 417| A44| 1:60] 2145 1 
-9:40/-9:17|-8:33|-7°50 -6°20 -2°83 -3°20 -2:93 |-3°13 -8°67|-3°90 -5°40 4:03 -—5°90 2:67 -0:57| 0° 
70:2 70:7 1659 1725 [788 [77-5 91°0 1879 821 1838 1762 |782 1854 |85:0 |86°5 85:8 189-8 
—|—- | —- |. S. — | —-| |. S. S. — | 
SW- N- Ss- | 0- NW- 


as as | a8 | 28 > 


15 | 45 1100 1150 1130 | 60 | 50 1125 | 65 1120 111:0 |10°0 | 1- 
: 9:0 111-0 115-5 16°5 116°0 [13:5 113°0 1155 [11-5 115°0 [13-5 |13°0 |11- 
12-0 14:0 |15°5 |15°0 12:0 111:0 13:5 1155 1165 145 145 125 1130 13:5 |15°5 [15° ; 
10:5 1105 [10:5 110.0 | 80 | 9:0 14:5 1160 |12:5 [11-0 [12:0 |10°0 |135°0 113-0 |14°0 10:5 [12:5 
13:0 1130 112-5 |13°0 [12-5 1105 | 8:5 

: ’ 5 110:7 1127 1128 1130 | 9:8 113-1 
14:0 15:0 |15°5 { ; ; S > . ? 5 1145 1155 116°5 118-0 118-0 1180 


BON 20 2 28 28 Zar ir. Zul 
0:28) 0:66 1:67,11-62 11:11) 0-1610:72/10°25| 9-31110°76| 0-01111°58 1133/1049 1174 1:31 

-1°43/-0:63| 0:13) 0:60, 0:97| 2:50) 3:27) 440) 670| 4-53| 4:57| 6:77 9-23] 9:93] 8:63| 8:80 

69-8 1707 81:5 1744 |88:7 842 |882 |73°8 784 190% |79°6 |91-9 1941 |79:8 82:0 78:8 
S. S. S. —ı |7S: S. BR. R. — BR. RE NIR. Sc: Rarleks R. 


2 | 1—2| 1—2 1—3| 2—1| 1—2| 1—2)2—1| 1 |1—2 112—1 1 |2—1 1 


28 | 27 
4:62 4-14) 2:20.11-93111-12) 0:65 1-94 2:08) 2:55| 4417| 3:76) 2-12] 0-91 
493, 4:37) 3:87, 7:33] 7°30| 7-67 8-87) 8:83 827| 8-43110-93112-30|14°33 
624 60:1 167:9 1643 |73:1 80-6 692 640 |73-1 1622 59-8 157:3 |60-6 
z 2. em iR. |) sn | 


N N N [INO-NIN-NO N-O NO-NNO-N| N INO-N| O |0-S0| O | 0-S | O-N |0-S0/0-NO 
2 |2—1| 1 |1—2 1 [1—2|1—2|1—22—3) 1 |2—1|1-3]/2—1 1 


6015513005105 105 10/35 135 115 |20|80|50|50|60 | 05 | 0-0 
12:0 | 60 | 7:0 [10:5 10:5 | 9:5 10:5 1105 11:0 100 | 80 |65 165 |65 | 65 | 20 | #0 
220 1115 1141-0 145 | 85 130 | 80|1|75 |60 |55 | 35 |35 |20 ,20|65 | 55 | 35 

95 | 90 110-0 | 9:5 1110 110195 | 85 190/55 20|30/50/|60 165165 | 50 
12:0 11.0 11:0 111-0 | 70 11:0 100 | 80 105 80|50|70|)2-0|25 135 | 60 | 65 
10:7.| 86 | 54 | 92 | 73 90 | 78176 | 80|61 145 |56 |45 142 | 58 | A5 | 38 

. 15:0 [14:0 1140 |14°0 116°0 15-5 |15°5 1140 113°5 111-5 10-5 | 9:0 111-5 [12-5 13:0 ; 


230 Sehiefferdeeker. Über den Ozongehalt der atmosphärischen Luft 


TABELLE VII. | 


Ozongehalt der Luft an verschiedenen Orten. 


Ort der Beobachtung 


Septem- Novem- | Decem- 


August ber |Petober | or ber: 


Jänner | Februar 


A. In der Stadt. 


Stein FW 2 ee 3:92 359 P 6.2166 372 06:9 8 eg oo 
| 
a EWR... | 50 ae ae oe 85 re | 9 70 ae | 92 


FE Or, 96 | 97 94 | 96 |1e-1 |12-0 J1r6 | 94 
Se We ne : 7A | 9-3 ee ee 
AN WEISE ie 6-3 za a 
Eu 02825 59541 | 69 ee, e ; 
NIE 0 See 8-0 | Dan Da ae 8-6 
EAN NSS ee : : : Ä 72 | 94 [109 [115 |. 
ENT Ser : a 77 
B. Ausserhalb der Stadt. | | | 

Stan EL EN er... . 113-5 : | ; Ser 
PEN DIES ee: | : einer, 

a nr | ea 


231 


und sein Verhältniss zu den herrschenden Krankheiten. 


SXI 


7:70-8,6-.8|8-8 "N IHA 


r-710-819-8,6-8|6-& ; OIA 


84-8 F-.%|0-8 OIA 


3:0[8-8 - - MA 


8.819-9|7-.8|0.7 "MAI 
7-8141-8/9-9/0-8/0-2/0-2 F}- G.37|7-91-718-917-7&-84-%76-% OU 
6:8/8-81%-8/6-9|9-8|8-9 %-%|&-817-818-9|18-8.%-7|9-8.6-%|8-%|0:7 8-6 8-% 4-0 4-%|9-6|8-& "MI 
8.018-.%|8-%8-8 894-7 1-£14-3 0-8 6-8|1-2|9-8,6-% 4:8 8-2 8-8/0-%/6-:118-119-% 8-7 ]8°% "Mr uone)s 


= 
DD 
og 


Sungydegoag 


A9P AO 


IE a9uurf -qwoAoN | 199090 |'qwaydag | ysnony 


‘In d9p IEy9FUozg 
"XI YTIaaVL 


232 Schiefferdeeker. Über den Ozongehalt der atmosphärischen Luft 


TABELLE X\. 
Ozongehalt der Luft. 


In Königsberg Aufd. Hufen (St.X u. XI) | In Cranz (Station XII) 
Net | Tag | Pite- | Nacht | Tag | Die- | Nacht | Tag | Pite- 
renz renz renz 
Juni 1852 | 3°0 | 2-5 | 0:5 ; \ h 
Juli a 270012: 170:6 ; : 8 2. 5300 
August h: 321 22 ı 1:0 74 1:63 | 1-3 |6200, 5,80 0025 
September „, 4.0 | 322217028 5 i ; 2 ® . 
October 2 45 | 37 | 0:8 
November ,„, 4AA| 35109 
December ” 4481| 43|05 
Jänner 1853 | 47 | 43|0%A 
Februar & 55| 54 | 041 
März s 5.95175.6.10.0.73 \ 
April A 6-05 29 0131 85890 
Mai u 43:09 229 a1 \ 
im Mittel | 44 | 3>7| 07] | | | | 


TABELLE X. 


Auf den Hufen 


In Königsberg Station X und x1) | In Cranz (Stat. XII) . 
in 24 Stunden ( omsstunden ) in 24 Stunden Mittlere 


Tempe- 
ratur 


mum |mum mum | mum mum | mum 

Juni 1852 | 5-5 110-1/1-6 : 3 +14'23 
Juli a 48| 8:0 2-0 . h . | 43-1'15°5,10-0| +15°33 
August 5 5:2 10:5/2:3 [13-5 18:5 7-0] 12-4 15°5 9°:0| +14 77 
September „ 7.113.121 h : . - : +10:94 
October 2 8-2 |14-1|2-3 ; + 3:83 
November s 7:5114-5| 0-1 171293 
December „, 9-2 15-.6| 2-0 + 2-15 
Jänner 1853 | 8:8 [12-9| 3-1 — 6:49 
Februar 4 10:9 114-9] 76 — 2:72 
März " 11:2 18-3 7-2 2 \ i — 3:01 
April r 10-8 1145| 6-3 | 16-7 20-014-5 + 2:88 
Mai n 8-1 111-9] 3-8 nal : ; | + 9-51 

im Mittel 8:1118:30 12]7 nr e| + 5:77 


TABELLE XII, 


Duni)... September. 68 December. 9°3 
ul October. .5°2 Jänner .. 9A 
Auoust er zei November. 52 Februar. .13°0 


Sommer. .6°& Herbst . .5°73 | Winter. . 10:57 | Frühling . 12:93 


In Königsberg pro Juni 1852 bis Mai 1853. 
Ye et September . 7-1 | December. 9:2 | März. . 


ul ne, LE October .. ...8.2, Jänner .., 9,8 Bäpzil2ge 
August. . .5 November. . 75 Bebruar.. . 10-9 | Marz 
Sommer . „5° Herbst. „276° ] Winter...) .9°3 | Früblme. 1050 


und sein Verhältniss zu den herrschenden Krankheiten. 233 


TABELLE XI. 


Ozongehalt der Luft, Barometer-, Thermometerstand und Feuchtigkeit. 


Ozongehalt der Luft in 

Königsberg in 24 Stunden Mittlerer Mittlerer 

Barometer- | Thermome- 
stand terstand 


Mittlere 
Feuchtig- 


Mittel | Maximum Minimum 


Juni 1852 5:5 10-1 16 
Juli L 48 8.0 2.0 
August 4 52 10°5 23 
September „ 71 13-1 21 
October h 82 141 23 
November „ 7-5 145 0.1 
December „ 92 15°6 20 
Jänner 1853 88 12-9 3-1 
Februar 5 10°9 14:9 76 
März e 11'2 18-3 72 
April 8 14°5 63 
Mai u 1 11°9 3:8 
Mittel 1 18.3727 ,0.777728770715571 


TABELLE X. 


Die Veränderungen des Ozongehalts der Luft durch Schnee und Regen. 


Zahl der Mittlerer Ozongehalt der 


sehönen Schnee- schönen \ K Schnee- 
Tage Regentage ine Tage Regentage a 


September. . . 


Be 


Betober.. . : 
November. . . 
December. . . 
anne on... ©. 


Pxe 


Eehruar. :.. . . 


ars 
vDvDeaoanrı oO a» nn 


Sm onosn uno om 


5 


Se a OS Sr ee 
— 


Sitzb. d. mathem.-naturw. Cl. XVII Bd. II. Hft. 16 


DIA Schiefferdecker. Über den Ozongehalt der atmosphärischen Luft 


TA- 
Der Ozongehalt der Luft und die herrschenden Krankheiten in den 


pre) 
3) 7} 
u er E4 a Ha EB > 2 
Fe as) 3 E = | = |5 3 = &0 
= 3 ler) bar) > la) = ei ar) ar) en = 
B > ; e f 5 = ar) E E = « 
> . .n © 3m © ler) E 3% — =< . 
. =} — a ar or) . o — {or} . [e=} 
ın - | | | | ın De] | | Er} T | 
el N a esse Tel lie Bl. 
—i De) - - | a a — le) — a — be} 
Mittlerer Ozongehalt d. Luft 671671 50| 2#1| 66 | 66| 4 6° 
MaXImUmERT ee leke s8| 78| S6| 76 1101| S3| 73) 5 85 | 
Vılyalllın are oo 33 3: 32 


rs 
=} 
= 


Summe der Erkrankungen . 


Summe der Brust- und Hals- 


un 
ES 


krankheiten. . ...» 


Pneumonie und Pleuritis . 2 
Krankheit der Respirations- 

Schleimhaut . . .:.» 12 
Morbillenn Een elte i 
Scarlatina 2... - Üre 1 
Variolae und Varicellae 2 
Rheumatismus. . » . +» =» 4 
Typhus und Febris gastriea 25 
Intermittentes . . 2... ® 29 
Diarchoen. er. nun 22 
Cholenasp ano rer ie . . 

8 


Sonstige Krankheiten . . 


Der Ozongehalt der Luft und die herrschenden Krankheiten in den 


1.—5. Decemb 
6.—10. Decemb. 
11.—15. Decemb. 
16.— 20. Decemb. 
31.—25.Decemb. 
36.—31.Decemb. 
441.—15. Jänner 
21.—25. Jänner 
1.—5. Februar 
6.—10. Februar 


1.—5. Jänner 
6.—10. Jänner 
16.—20. Jänner 
26.— 31. Jänner 


ea EEE TEEEEEIERET EISREREIRT TRIERER REES WESER 
Mittlerer Ozongehalt d.Luft | 73 | 75 | 7-3 | 10:5 12-5 10:2 | 65| 62 |10#| 96 1111| 92] 88 | 91 


Maximum. 2.0... . Prıs |11-6 | 93 | 13-0 | 15-0 | 15-6 | 10-0 | 78 |13-1 [11-4 | 12-2 129 10-3 |10°5 
Minimun . 2.2.0.0... 2:0| 2:6| 55 | 62 | 8:2] 6:8 | 3141| 3838| 85| 79| 97) 65] 76 | 82 
Summe der Erkrankungen. [113 |110 [101 | 96 |104 | 79 92 | 61 | 52 | 90 | 78 | 92 | 66 | 76 


Summe der Brust- und Hals- 
krankheiten. . . .°. 34 35 28 31 25 21 25 230 


Pneumonie und Pleuritis . 5 A 5 4 


Krankheit der Respirations- 


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43 | 33 | 33 | 24 | 36 
7 


Schleimhaut . .»...»- 29 31 23 27 20 13 21 12 15 35 27 25 17 23 
Morbillene rasen. 29 17 19 9 17 10 6 6 3 2 2 fi | 
Scarlatnaseu see s 1 1 ° 1 1 1 1 4 6 3 1 2 
Variolae und Varicellae. . 5 4 12 AN A2 A 8 6 | 14 5 6 3 || 
Rheumatismus. ”. » ».. 5 8 7 8 8 7 P} A 2 6 2 3 3 
Typhus und Febris gastrica las) 9 E10 > 997137710 5 Ü 3 8 6 A 
Intermittentes. . 2.2...» 4 | 10 7 7 7 9 8 [A 2 7 3:1 Az a 
Dianchoene tee 9 12 10 11 7 8 6 2 % 7 6 | 14 4 3 
Oholeraresn se a 5 : ö . . 6 % P ö . ° . 
Sonstige Krankheiten. . . 14. | damıı67 | 210217.15 9 | 14 | 10 4 | 12 7) 12 1 M0 722 


und sein Verhältniss zu den herrschenden Krankheiten. 235 


BELLE XV. 
Tonaten Juni, Juli, August, September, October, November 1852. 


11.—15. August 
16.—20. August 
21.—25. August 
26.—31. August 
6.—10. October 
11.—15. October 
16.—20. October 
21.—25. October 
26.— 31. October 
6.—10. Novemb. 
11.—15.Novemb. 
16.—20. Novemb. 
21.—25.Novemb. 
26.—30.Novemb. 


1.—5. Sept. 
6.—10. Sept. 
1.—5. October 
1.—5. Novemb. 


11.—15. Sept. 
16.—20. Sept. 
21.—25. Sept. 
26.—30. Sept. 


‚82 4#4| 3:9 | 4-0) 2:8] 2-4 110-4 [10-7 1100| 58| 9-3 110-6| #-8| 95 | 77 | 7-3] 7-2 12°0| 93] 6°2| 5-5| 5-0 
10:5] 68 | 3-6| 5-3] 3-7| 27 13-4 112-5 |11-9| 7-9 [12-3 |14-1 | 73 [14-0 |11-0 12-6 |11°4 14-5 [12-0 | 9-8| 9-6 |11-5 
60| 2:6| 2:6| 2:3] 22] 2-1| 71| 78] 63 | 2-5| 51] 90) »3| 36| 31| #3] 1-7 10:8] 7°8| 3-4| 2-9| 0-1 


104 | 90 | 97 | 86 [146 J174 Jıs2 [200 1159 |132 T164 [138 [134 T102 T 92 Tı22 1129 159 [132 [144 [120 | 93 
12 7 8 6/20 123) 19| 16 | 14 | 11 | 397 | 32 | 22 | 23 |ı7 | 22 | a2 | 33 40 | 39 | AA | 25 
31 3 2 3 1 5 5 3 4 2 4| 13 5 6 4 5 6 5 3 4 4 7 
| 4 6 19 | 18 | 14 | 13 | 10 351523,1,4192 7192 17.1 13.1172 3621. 28,272 7352 1020 18 
4| 4 3 5 3 | 11 5,14 |14|23| 22|148 | 20 | ı3 | 26 | 39 | 42 | 63 | as | 55 | 35 30 
. . - . 2 WE . 5 1 . . & 1 . 5 
Bi. 2 ee 2 ao . 1 . 1 4 3 2 P) b) 
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12 DEZE EN EEE En EErnErn Eu E 7| 12 |16 | 17 6 5 8 6 
15 710 | 19 | 15 | 27 126 |as | 52 |s8 |as | 25 | 22 las | ı7r 10 19 | 17 84#197|.1521010 7 

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3ELLE XVI. 
onaten December 1852, Jänner, Februar, März, April, Mai 1853. 


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11.—19. Kebrua 
16.—20. Februar 
25. Februar 
26.—28. Februar 
1.—5. März 
6.—10. März 
11.—15. März 
16.—20. März 
21.—25. März 
26.— 31. März 
1.—5. April 
6.—10. April 
11.—15. April 
21.—25. April 
26.— 30. April 
1.—5. Mai 
6.—10. Mai 
11.—15. Mai 
16.—20. Mai 
Mai 
Mai 


21.— 
21.—25. 
26.—31. 


41118 [12-1 |11-6 111-7 | 8-9 [12-9 [10-6 [13-3 |12-2 l13-1 l13-4 | 9-6 11-5) 83] 9»1| 8-4] 9.3 10-1] 8-5 6:8| 5°6 
#9 113-0 114-0 | 13-4 [14-4 [11-2 |18-3 |11°7 [14-7 [13-1 115-0 114-5 10-1 113-0 110-3 10-0 110°1/10-3 [11-9 | 9-2| 8-0) 3-8 
5 111-0 [10-3 10-4 [10-6 | 7°2| 9-2) 9-6 [11-2] 9-8 10-8 [11-0 | 9-1 9.6] 63) 85] 5-9| 82| 7°A| 7-3| 2-51 3-8 
8195 | 89 | 37 | 60 | 45 | 52 | 44 | a5 | 64 | 58 | 61 | 63 | 0 A4 \ 54 | 26 | 29 | 34 | 37 |36 | 21 


4 | 27 13411220 | 141122 8|11|13|16 | 13 | 12 | 14 | 12 | 38 4 5 8| 11 | 14 
BAa| 5 3 6 4 4 % 4 7 3 6 1 9 6 2 1 2 4 4 7 2 


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Der Ozongehalt der Luft und die herrschenden Krankheiten in den | znaten Juni, Juli, August, September, October, November 1852, 
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Mittlerer Ökongehult du Luft 6: ” 6856| 53 37] 27 ist tes [no] Folinsjirı| malirolınolinolira liasliro| 98] 6113 
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tk 1 : 105 | 70197186 1126 172 Jıs2 200 j159 1132 Tioz [138 T13% Tio2 T 92 Tı22 Tta9 Ti59 T132 Trar 1120 7 98 
Summe der Erkrankungen . f 
Summe der Brust-und Hals- 14 2) 7 6|20| 23 | 19 | a6 | 14 | 11 | 27 | 32 | 24 | 23 | ı7 | 22 | a2 | 33 | ko | 39 | ax | 95 
krankheiten. „.» » +» + 2 3|ı3| 2 3 1 5 5 3 4 2 4 \ 13 5 6 A 7) 6 5 3 [3 % 7 
Pneumonie und Pleuritis 
Krankheit der Respirations- 12 olalcıs/4Wjas| as 13 |10| 9/23 |19 | 419 | 17 |as | 17 | 36 | as | 37 | 35 | a0 | ıs 
Schleimhaut «en. Aalslsiajaı| 5sj1ajılas|22|ıs|20|ı3 |26| 30 | Ar |os | as | 55 | 33 | oo 
Morbilln. „ve. ++ «* 1 1 ? e 5 E 2 R = 1 ö ö Ö a 1 ‘ R N 
Scarlatinn » SE 2 t DE EIA 12% 2 2 5 D 1 B 1 3 3 4 3 3 2 5 bh 
Variolae und Varicellae . » A ala 6 A 2 5 5 1 1 4 5 3 13 5 3 1 F} 4 3 A 
Rheumatismus i E EUR 25 ga | 37 | 33 | 23 | 28 | 23 | 27 24 19 |13 | 21 J)ı0o |11 | ı2 | 10 6 7 | 12 | 10 9 "| 
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Sonstige Krankheiten . » ; 
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Der Ozongehalt der Luft und die herrschenden Krankheiten in den Äfonaten December 1852, Jünner, Februar, März, April, Mai 1853. 
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Minimum... .0. 120] %6 6:8 _ 0511:0110:3 [10:4 10:6 | 7:2 | 9:2] 9:6 |11-2| 9:8 10-8 [11-0 | 91 | 9:6] 63] 85) 59] 82] 72] 73] #8] 3:8 
S 7 P g N 
Summe der Erkrankungen. |113 |110 [101 | 96 [104 | 79 92 | 61 | 52 | 90 188 %| 89 60 | 45 | 52 | a2 | a5 | 6% | 58 | 61 | 68 | 60 | A& | 52 | 26 | 29 | 34 | 37 | 36 | 21 
Summe der Brust- und Hals- | 

Krankheiten. 2.2» 34 | 35 | as | sı | 25 | 2ı | 25 | 20 | 22 | 43 | 383 aeaeae | Bulalılajmujualıela| A| 5| sa Jar 8 
Pneumonie und Pleuritis . Bel za Ballet: 5 8 4 8 7 8 6 Ba el ll oa a ae er 
Krankheit der Respirations- 

Schleimhaut 2...» 9 | sı | 23 | a7 | 20 | 13 | 21 | 12 | 15 | 35 | 27 3 ee aloe las) Sa 3 ae 
Morbillen. 2... Er 29 | 17 | 19 | 9 | 17 | 10 6 6 3 2 |» % An | _ 1 1 la 
SoRnlRtinkn ren er ee neile ® 1 1 1 1 dolce: Aa Zeimpe il 2| 5 3 Soll Fl Du Aue 
Variolae und Varieellae.. | 5| s| al oJe| ala] a| s| 65|4|55 >, 50 er Seas ae f 
Rheumatismus. % 2... BES, (ER 8 8 7 2 4 2 6 2 "1 2a er er 1 6 Sa ee on ec an \ au 

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Ohalaratsn RP en 5 ö E 5 . . . 5; . 

Sonstige Krankheiten... | 14 | 11 | 16 | 15 | 13 1 »|12| 7 | 4 Bl" ze OR ; 
g 5) 1 9 | 14 0 BI 6/4 | 1 EIS RB ET TE ge ee a an a sa a Te ee 
16* 


236 


Schiefferdecker. Über den Ozongehalt der atmosphärischen Luft 


TABELLE XVII. 


Der Ozongehalt der Luft und die herrschenden Krankheiten. 


Ozon- 


Mittlerer 
gehalt der Luft 
Maximum . . . 
Minimum 


Summe der Er- 
krankungen.. . 
Summe d.Brust-u. 
Halskrankheiten 
Pneumonie und 
Pleuritis . . 
Krankheiten der 
Respirations- 
Schleimhaut . 
Morbillen 
Scarlatina . . . 
Variolae und Va- 
rieellae.. ...... 
Rheumatismus . 
Typhus und Febris 
gastrica 
Intermittentes 
Diarrhöen . . . 
Cholera . \ 
Sonstige Krank- 
heiten . . . 


Auf 100 El 
kungen kamen: 
Brust-und Hals- 
krankheiten.. . 
Pneumonie und 
Pleuritis . 
Krankheiten der 
Respirations- 
Schleimhaut 
Morbillen . . . 
Scarlatina . . . 
Variolae und Va- 
ricellae. . . . 
Rheumatismus . 
TyphusundFebris 
gastrica 
Intermittentes 
Diarrhöen . . . 
Cholera . 
Sonstige Krank- 
heiten. 2% 


54 
108 
42 


358 
98 
39 


September 
November 
December 


Mai 


603| A465) 451| 310| 340 


5941| 993] 752) 797 


103! 145| 223| 172] 176| 167) 78 8 


29) 31) 41] 39] 29) 27 


135 


124 
82! 60 


-3119°2/27 91285137 °8137°0]25 1/24 °1124°5 
0) 4:9] 3°6| 5°1| 8-8) 8:6) 9-2] 7°9110-9 


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und sein Verhältniss zu den herrschenden Krankheiten. 


TABELLE XVII. 
Der Ozongehalt der Luft und die herrschenden Krankheiten. 


Mittlerer Ozon- 
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Minimum. . . . 


Summe der Er- 
krankungen . 
Brust- und Hals- 
krankheiten . . 
Morbillen . . . 


Typhus u. Febris 


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Intermittentes 
Diarrhöen . . . 
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Sonstige Krank- 
heiten . . . 


Auf 100 Erkran- 
kungen kamen: 
Brust- und Hals- 
krankheiten . . 
Morbillen BD: 
Typhus u. Febris 
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September 


November 


December 


Februar 


-0126-8/31:7/30°5/24-5 


251 


238 Waltenhofen. 


Entwurf einer Construction der Luftpumpe. 


Von Dr. Adalbert Edlem v. Waltenhofen, 


k. k. Professor der Physik an der Innsbrucker Universität. 


Die Unvollkommenheiten, mit welchen die Kolbenventile der 
gewöhnlichen zweistiefligen Ventil-Luftpumpen so häufig behaftet 
sind und deren oft missliche Correction in soferne auch umständ- 
lich ist, als sie die Zerlegung des Apparates erheischt, stören und 
beeinträchtigen die Leistungen nicht selten so sehr, dass man dafür 
durch die sonstigen Vorzüge und Bequemlichkeiten solcher Luft- 
pumpen durchaus nicht entschädigt ist. Es ist allerdings nicht zu 
verkennen, dass die erwähnten Übelstände nicht immer den Kolben- 
ventilen allein zur Last fallen, indem sich insbesondere auch die 
allmähliche Abnützung der Stopfbüchsen geltend macht, doch kann 
diesfalls meistens, wenn auch bisweilen mühsam, mit sicherem 
Erfolge für geraume Zeit abgeholfen werden. 

Diesen Verhältnissen gegenüber hat die gewöhnliche zweistief- 
lige Hahn-Luftpumpe den anerkannten Vorzug einer dauerhaft exacten 
Steuerung; bei dem Umstande jedoch, dass die dabei unvermeidlichen 
erschütternden und lauten Bewegungen häufig auch unwillkommen 
sind, war ich veranlasst, auf dem Wege geeigneter Modifieationen der 
gewöhnlichen zweistiefligen Ventil-Luftpumpe zu einerConstruetion der 
Luftpumpe zu gelangen, bei welcher die Kolbenventile beseitigt sind 
und der luftdiehte Schluss überhaupt mit möglichster Unabhängigkeit 
von Klappenventilen hergestellt ist. 

Unter den verschiedenen Formen, in welchen ich diesen Gedanken 
ausführbar fand, dürfte das im nachstehenden Entwurfe vorgeschlagene 
Steuerungssystem den wichtigsten Anforderungen am besten ent- 
sprechen. Diese Construction der Luftpumpe, welche den luftdichten 
Schluss ohne Kolbenventile hauptsächlich durch konische Zapfen und 
Stopfbüchsen herstellt, und nur einfache, leicht zugängliche Klappen- 
ventile in untergeordneter Verwendung mitwirken lässt, ist der zunächst 
beabsichtigte Gegenstand der vorliegenden Mittheilung, und besteht 


Entwurf einer Construction der Luftpumpe. 239 


in den aus der folgenden Darstellung ersichtlichen Abänderungen an 
der gewöhnlichen zweistiefligen Ventil-Luftpumpe, welche bei jedem 
der beiden Stiefel vorzunehmen sind. 

Anstatt der Stöpselstange geht ein in gleicher Weise mit einem 
solehen Stöpsel versehenes eylindrisches Rohr mit bedeutender Rei- 
bung durch die Stopfbüchse eines massiven Kolbens, welcher also ohne 
Ventil. ist. Dieses Rohr hat an seinem unteren Ende, unmittelbar 
über dem daselbst befestigten Stöpsel, eine oder mehrere Seiten- 
öffnungen, durch welche beim Niedergange des Kolbens die durch den 
Stöpsel vom Reeipienten abgesperrte Luft zunächst in das Rohr und 
sofort in die Atmosphäre ausgetrieben wird. Dasselbe Rohr geht ohne 
Reibung durch den Deckel des Stiefels und hat an seinem oberen Ende, 
also ausserhalb des Stiefels, eine Vorrichtung, durch welche es oben 
geschlossen oder geöffnet ist, je nachdem der Kolben aufwärts oder 
abwärts geht; der Stiefel saugt daher wenn der Kolben aufwärts geht 
aus dem Recipienten. 

Die besagte Vorrichtung am oberen Ende des besprochenen 
Rohres hat folgende Einrichtung. Am oberen Theile der Luftpumpe, 
in welchem sich das zur Bewegung der Kolbenstangen dienende 
Zahnrad befindet und durch welchen die Kolbenstangen hindurch 
sehen, ist ein Ansatz mittelst Schrauben befestiget und in diesen ein 
vertical abwärts gerichteter, nach unten convergirender konischer 
Zapfen eingeschraubt, welcher genau in die konisch ausgebohrte obere 
Mündung jenes Rohres passt und geeignet ist, dieselbe vollständig 
luftdicht zu schliessen. Dieser Zapfen ist gerade über jenem Rohre 
und in dessen konische Mündung hineinreichend, so angebracht, 
dass seine Axe mit der Axe des Rohres zusammenfällt, und dass er 
dasselbe schliesst, wenn es um einige Millimeter aus seiner tiefsten 
Stellung gehoben wurde. Auf diese Art wird das Rohr durch die 
Kolbenbewegungen, wie die Stöpselstange der gewöhnlichen Ventil- 
Luftpumpe, durch einen kleinen Spielraum auf- und abgeschoben, und 
es kann dieser Spielraum nach Erforderniss abgeändert werden, indem 
der so eben beschriebene Zapfen verschraubbar ist. Um das Ein- 
dringen der äusseren Luft auch in dem Momente zu verhindern, in 
welchem die Öffnung im Stiefelboden und die obere Rohrmündung 
gleichzeitig offen sind, wenn nämlich die Kolbenbewegung umgekehrt 
wird, ist das Rohr in hinreichender Höhe über dem Deckel des 
Stiefels und unter der Stelle bis zu welcher der Zapfen beim Schiessen 


2AO Waltenhofen. 


in dasselbe reicht mit einem daselbst eingeschalteten Klappenventil 
versehen, welches sieh nach unten schliesst und nach oben öffnet, und 
zunächst nur als Hilfsventil für den eben angegebenen Zweck zu dienen 
hat. Dieses Ventil hat eine möglichst einfache Construction und ist 
überdies, indem es sich ausserhalb des Stiefels befindet, leicht 
zugänglich. Der innere Durchmesser der in das Rohr eingeschalteten 
eylindrischen Büchse, welche die Klappe enthält, ist grösser als der 
äussere Durchmesser des Rohres. Um zu vermeiden, dass die am 
unteren Rohrende angebrachten Seitenöffnungen verstopft, z. B. durch 
Schmiermittel verlegt werden, hat die Stopfbüchse an ihrem unteren 
Ende eine kleine Erweiterung, welche eben hinreicht, jene Seiten- 
öffnungen bei der tiefsten Stellung des Kolbens zu schützen. Die 
so eben beschriebene Construction der Luftpumpe scheint mir den 
Vorzug zu haben, dass die dabei in Anwendung gebrachte Rohr- 
steuerung in Bezug auf Präeision, Vollständigkeit und Dauerhaftigkeit 
des luftdichten Schlusses mehr verspricht, als Kolbenventile gewöhn- 
lich leisten, zumal vorkommende Unvollkommenheiten des bei der 
Rohrsteuerung vorhandenen Hilfsventils wegen dessen untergeord- 
neter Verwendung weniger in Anschlag kommen, und wegen dessen 
Anordnung am Apparate viel leichter beaufsichtigt und beseitigt 
werden können, als dies bei einem Kolbenventile der Fall ist. Anderer- 
seits gestattet die Rohrsteuerung auch die an der Ventil-Luftpumpe 
schätzenswerthe ruhige Bewegung und nach Massgabe der Voll- 
kommenheit der Hilfsventile auch die Anwendung des Babinet’schen 
Hahnes. Der durch das Rohr vergrösserte schädliche Raum dürfte 
eine den meisten Zwecken genügende Verdünnung nicht unmöglich 
machen. Einen Voranschlag aber über den numerischen Betrag der zu 
erwartenden Verdünnung könnte ich mir selbst bei genauer Kenntniss 
der relativen Grösse des schädlichen Raumes nicht erlauben, weil die 
Erfahrungen mit Luftpumpen offenbar nicht verkennen lassen, dass die 
relative Grösse des schädlichen Raumes selbst mit Berücksichtigung 
der zum Öffnen des Ventils erforderlichen Spannungsdifferenz nicht 
einmal ein beiläufiges Mass des thatsächlich erreichbaren Verdün- 
nungsgrades gewährt, indem dieser als ein von der Vollkommenheit 
des Schlusses abhängiger Theilbetrag des nach jenen Grössen berech- 
neten Verdünnungsmaximums, direete Versuche erheischt. 

Das rechtzeitige Schliessen und Öffnen der oberen Rohrmündung 
hätte sich mit Verzichtleistung auf die Anwendbarkeit desBabinet’schen 


Entwurf einer Construction der Luftpumpe. >41 


Hahnes auch ohne Hilfsventil durch einen verschiebbaren Zapfen oder 
durch einen kleinen Hahn bewerkstelligen lassen, wobei mittelst einer 
Hebelvorrichtung der leere Gang der Kolbenstange zu benützen 
gewesen wäre, welcher derselben durch einen entsprechenden Spiel- 
raum ihres unteren Endes nach Erforderniss gestattet werden kann, 
und ich hatte mich auch mit den Einzelheiten eines solchen Mechanis- 
mus beschäftigt, indem es ursprünglich meine Absicht war, diese 
Luftpumpe ohne Anwendung irgend eines Klappenventils zu Stande 
zu bringen; ich unterlasse es jedoch in die betreffenden ausführlichen 
Beschreibungen einzugehen, weil mich das Streben nach einem ein- 
fachen und dauerhaft verlässlichen Steuerungssysteme und andere 
Rücksichten auf praktische Zweckmässigkeit bestimmt haben, die im 
vorliegenden Entwurfe dargestellte Construction beizubehalten. 

Die Ausführung habe ich eingeleitet, und weil ich die zweck- 
dienliche Brauchbarkeit des Apparates nicht bezweifle, trage ich kein 
Bedenken, den Entwurf desselben vorläufig mitzutheilen, mit Vorbehalt 
nachträglicher Ergänzungen, durch Zeichnungen und Detailangaben, 
deren Feststellung erst nach gemachten Erfahrungen an der Zeit ist. 

Die Erfahrung wird namentlich die Zweckmässigkeit gewisser 
Dimensionsverhältnisse zu prüfen haben, z. B. bezüglich des Rohres, 
dessen innerer Raum dem Stiefel gegenüber einerseits hinsichtlich 
der erreichbaren Verdünnung als schädlicher Raum und anderseits 
hinsichtlich der erforderlichen Ausströmungsgeschwindigkeit der Luft 
massgebend in Rechnung kommt. Auch gewisse Einzelheiten der 
technischen Ausführung und der Behandlung der Ventile und Kolben 
erwarten noch die Versuchsprobe, insbesondere bezüglich der 
Materialien und der Schmiermittel. 


2A2 Fitzinger. Bericht über die vom Hrn. Dr. Heuglin für die 


Vortrag. 


Bericht an die kaiserl. Akademie der Wissenschaften über die 
von dem Herrn Consulatsverweser Dr. Theodor v. Heuglin 
für die kaiserliche Menagerie zu Schönbrunn mitgebrachten 


lebenden Thiere. 


Von dem w. M. Dr. Leopold Fitzinger, 


Custos-Adjuneten am k. k. zoologischen Hof-Cabinete. 


Ich glaube dass es für die geehrte Classe von Interesse sein 
dürfte, einen kurzen Bericht über die eben so schöne als reichhaltige 
Sammlung lebender Thiere entgegen zu nehmen, welche der kaiserliche 
Consulatsverweser zu Chartum, Herr Dr. Theodor von Heuglin, dem 
die wissenschaftlichen Anstalten unseres Vaterlandes schon so manche 
wichtige Bereicherung zu verdanken haben, auf seinen Reisen im Sudän 
in Abyssinien, Kordofän, Nubien und Ägypten zu Stande gebracht 
und an die kaiserliche Menagerie zu Schönbrunn überbracht hat. 

Diese Sammlung, welche jener schönen und so gerne gesehenen 
Anstalt zu einer wahren Zierde gereicht, und ihr nicht nur eine nam- 
hafte Vermehrung zuführt, sondern auch eine nicht unbeträchtliche 
Anzahl von Arten, welehe sie bisher noch nicht besessen und darunter 
selbst mehrere, welche bis jetzt noch niemals lebend nach Europa 
gebracht wurden, enthält 34 verschiedene Arten von Säugethieren, 
6 Arten Vögel und 10 Arten von Reptilien. 

Unter den Säugethieren finden wir aus der Ordnung der Affen 
6 verschiedene Arten in 8 Exemplaren, und zwar: 

1) den höchst seltenen Nestor .(Semnopithecus Nestor. 
Bennett), einen der schönsten und zierlichsten Schlankaffen, der 
bisher nur ein Mal in einer Menagerie Englands lebend gezeigt wurde. 
Herr Dr. Heuglin hat diesen Affen, dessen Vaterland bis jetzt 
unbekannt war, auf seiner Rückreise aus dem Sudän in Ägypten 
käuflich an sich gebracht, wohin er angeblich aus Hinter - Indien 
gebracht worden war; 


kaiserliche Menagerie zu Schönbrunn mitgebrachten Thiere. 2AZ 


2) zwei junge Exemplare der behenden, durch ihren weissen 
Backenbart ausgezeichneten graugrünen Meerkatze (Cercopithecus 
griseo-viridis. Desmarest), aus dem Sennaar, welche bei den 


” 
62&_& 


2° 8,70. 
Arabern im Sudän Abellandj a in Kairo aber Nis-näs lu heisst; 
3) zwei Exemplare der schönen rothen Meerkatze oder des 
Patas (Cercopithecus ruber. Geoffroy), aus Kordofän, der im Sudän 


den Namen Abellandj el-achmar ee e führt; 


4) ein junges 21/, Jahr altes Männchen des noch so wenig bekann- 
ten und selbst in den naturhistorischen Museen des Festlandes für 
eine Seltenheit geltenden Erd- oder Löwen-Pavians (Theropithecus 
Gelada. Isid. Geoffroy), des Dschellada der Abyssinier, aus den 
Gebirgen von Simehn in Abyssinien, in einer Höhe von S000— 
10,000 Fuss über der Meeresfläche. Es ist dies das erste Exemplar 
dieses Thieres, das lebend nach Europa kam, und um so interessanter 
als man diese Affenart im jugendlichen Zustande, wo sie noch jener 
charakteristischen Mähne entbehrt, die beim erwachsenen Thiere so 
wie beim Löwen reichlich über Kopf und Schultern fällt, bis jetzt 
nicht kannte; 

5) ein erwachsenes Weibehen und mitteljunges Männchen des 
Anubis (Oynocephalus Anubis. Fr. Cuvier et Geoffroy), aus dem 
Sennaar, einer Affenart, welche lange mit dem Hundskopf-Pavian 
(Cynocephalus Papio. Fr. Cuvier et Geoffroy), verwechselt 
wurde und so wie alle Paviane von den Arabern mit dem Namen Girt 


>> belegt wird; und 


6) ein noch sehr junges Männchen eines Pavians von der Küste 
des rothen Meeres in Abyssinien, das ich für das junge Thier des 
grauen Pavians (Cynocephalus Hamadryas. Latreille), betrachten 
zu dürfen glaube. 

Die Ordnung der Halbaffen, welche überhaupt in Menagerien nur 
äusserst selten vertreten ist, findet auch hier nur in einer einzigen 
Art einen Repräsentanten. 

Es ist dies der seltene Mongus (Lemur Mongoz. Linne), von 
Madagaskar, eine Maki-Art, die Herr Dr. Heuglin in Kairo käuflich 
an sich brachte, und welche sich durch ihr liebliches Wesen und ihre 
ausserordentliche Zahmheit auszeichnet. 


DAA Fitzinger. Bericht über die vom Hrn. Dr. Heuglin für die 


Am zahlreichsten stellt sich in dieser Sammlung die Ordnung 
der Raubthiere heraus, von welcher sieh 14 verschiedene Arten in 
16 Exemplaren vorfinden. Diese sind: 

1) der ägyptische Wolf (Canis variegatus. Cretzschmar),aus 


Ägypten oder der Dib u der Araber, eine höchst merkwürdige, 


zwischen unserem Wolfe und dem ägyptischen Schakale stehende Art, 
welche die ihr angeborene eigenthümliche Scheu noch nicht abgelegt 
hat und zum ersten Male durch Herrn Dr. Heuglin lebend nach 
Europa gebracht wurde; 

2) zwei noch ziemlich junge Exemplare des Nilfuchses (Vulpes 


nilotica. Desmarest), oder des Abü Schom e9% >) der Araber 


aus Ägypten, welche sich eben zu verfärben beginnen ; 

3) Männchen und Weibchen des überaus seltenen und selbst in 
seiner Heimath im lebenden Zustande so schwer zu erhaltenden 
Ohrenfuchses oder Fennek (Megalotis Zerda. Illiger), aus den Sand- 
wüsten von Fajüm in Mittel-Ägypten, der auch bei den Arabern den 


Namen Fennek 5 führt. Auch dieses Thier ist bis jetzt noch 


nicht lebend in Europa gesehen worden und gehört selbst in den 
europäischen Museen zu den grössten Seltenheiten. Es zeichnet sich 
von allen ihm verwandten Thieren durch die eigenthümliche Bildung 
seines Kopfes und seiner grossen Ohren aus, und bietet hierin grosse 
Ähnlichkeit mit gewissen Fledermäusen dar; 

5) ein altes Weibchen der gestreiften Hyäne (HAyaena striata. 


Zimmermann), oder der Dabba a der Araber, aus Ägypten mit 


zwei vor 8 Monaten in Kairo geworfenen Jungen, die, obgleich sie nicht 
mehr saugen, sich fortwährend fest an die Mutter anschmiegen, und 
dieselbe nur wenn sie gefüttert werden und selbst da nurungerne und 
auf kurze Zeit verlassen, um sogleich wieder zu ihr zurückzu- 
kehren. Herr Dr. Heuglin hat dieses Thier, welches in neuerer Zeit 
vielfältig nach Europa kam und daher keineswegs zu den Seltenheiten 
gehört, vorzüglich der beiden Jungen wegenmitgebracht, da dadurch 
nun festgestellt ist, dass die Hyäne nicht, wie man bisher angenommen 
hatte, immer nur ein einziges Junges zur Welt bringe; 

5) der afrikanische Gepard (Cynailurus guttatus. Wagn er), 


von den Arabern Fächad W genannt, aus dem nördlichen Kordofan, 


kaiserliche Menagerie zu Schönbrunn mitgebrachten Thiere. 245 


ein Thier, welches bisher nur selten in Menagerien gesehen 
wurde; 

6) ein Männchen des noch selteneren afrikanischen Jagd-Gepard 
(Cynailurus Soemmeringü. Rüppell?), von den Steppen der Kaba- 
bisch im Süden der Bajuda-Wüste, ein Thier, das bis aufdie neueste 
Zeit mit der vorigen Art verwechselt wurde, obgleich es selbst die 


Araber unter der Benennung Fächad gebelli A as von derselben 


zu unterscheiden wissen. Höhere Beine, dunklere Färbung, ein an der 
Spitze etwasbuschiger Schwanz und dieschwächereRückenmähne sind 
die Unterschiede, welche diese Art deutlich von der vorigen abtren- 
nen. Dieses schöne Thier, welches Herr Dr. Heuglin jung auf- 
gezogen, ist auch durch den hohen Grad von Zähmung merkwürdig, 
welchen es erlangt hat; denn es lässt sich nicht nur allein selbst von 
jedem Fremden berühren und mit sich spielen, ohne dabei auch nur 
eine Spur von Falschheit oder Unwillen zu beweisen, sondern man 
kann es auch frei, so wie den zahmsten Hund umhergehen lassen; 
7) ein junges Exemplar des seltenen Karakal (Lyn® Caracal. 


Desmarest), aus Kordofän, oder des Om-rischäd Se 3) n der Ara- 


ber, der bis jetzt nur in sehr wenigen Menagerien auf dem Festlande 
von Europa zu sehen war; 

8) zwei schöne Exemplare der Civette oder afrikanischen Zibeth- 
katze (Vivera Civetta. Schreber), aus Abyssinien, die in der 
Amhara-Sprache Äner, bei den Arabern aber Miskieh XL. heisst; 


9) zwei Exemplare der zierlichen senegalischen Genette (Genetta 
a Fr. Cuvier et Geoffroy), oder der Got’-sobäth 
“ &5 der Araber aus Sudän; 


10) der ägyptische Ichneumon oder die Pharaonsratte (Herpestes 
Pharaonis. Desmarest), aus Ägypten, bei den Arabern unter dem 


Namen Nems Dr bekannt; 
11) der gestreifte Ichneumon (Herpestes taenionotus. Smith), 
„0 


oder der Göttne Lb5 der Araber, aus Kordofän, welcher bisher 


irrigerweise mit dem Zebra-Ichneumon (Herpestes Zebra. Rüppell)» 


2A6 Fitzinger. Bericht über die vom Hrn. Dr. Heuglin für die 


verwechselt wurde, sich von demselben aber durch den ocherfarbenen 
Bauch und den Mangel des weissen Längsstreifens auf demselben 
unterscheidet; 

12) ein jung aufgezogenes Exemplar von bewundernswerther 
Zahmheit des höchst seltenen weisslichen Ichneumons (Ichneumon 
albescens. Isid. @eoffroy), aus Berber, von den Arabern Abu 


Wudän ol; z) genannt. Dieses überaus seltene Thier, welches sich 


bis jetzt nur in sehr wenigen Museen befindet, ist das erste, welches 
lebend nach Europa kam. 

An diese dem wilden Zustande angehörigen Raubthiere schliessen 
sich noch zwei, heut zu Tage blos noch als Hausthiere bekannte 
Arten an, und zwar: 

13) ein Weibchen des ägyptischen Windhundes (Canis lepora- 
rius aegyptius. Mihi), oder der Egyptian Greyhound von Hamilton 
Sınith, aus dem Sennaar, welcher bei den Arabern den Namen 


Kelb-el-seid Sb ug führt. Diese seltene klimatische Varietät des 


grossen, aus der Levante stammenden Windhundes (Canis lepora- 
rius. Mihi), welche sich auf geographische Verbreitung der Art 
gründet und der einzige Hund ist, dessen sich die Araber zur Jagd 
bedienen, zeichnet sich durch ausserordentliche Zartheit des Baues, 
hell isabellgelbe Färbung und eine fünfte Afterzehe an den Hinter- 
füssen aus. Endlich 

14) ein Weibchen des afrikanischen Jagdhundes (Canis sagax 
africanus. Mihi), vom Bahr el abiad unter dem 7. Grade nördlicher 
Breite; höchst merkwürdig als Original-Race der Neger vom weissen 
Flusse, und unverkennbar eine klimatische, gleichfalls auf geogra- 
phische Verbreitung gegründete Varietät des europäischen Jagd- 
hundes (Canis sagax. Mihi). Es ist dies das erste Exemplar, wel- 
ches lebend nach Europa kam. | 

Beide Hunde befinden sich aber gegenwärtig nicht mehr in der 
kaiserl. Menagerie zu Schönbrunn, da der Windhund auf allerhöchsten 
Befehl nach Lachsenburg kam, der Jagdhund aber vom Herrn Oberst- 
Jägermeister an den Hof-Jäger zu Lainz zur Benützung abgegeben 
wurde. Die Abbildungen, welche ich von diesen interessanten Hunden 
anfertigen liess, gedenke ich gleichzeitig mit meiner grösseren Arbeit 
über die Racen des zahmen Hundes zu veröffentlichen. 


kaiserliche Menagerie zu Schönbrunn mitgebrachten Thiere. DAT 


Die Ordnung der Nagethiere bietet nur 2 Arten in 7 Exemplaren 
dar, nämlich: 

1) das gemeine Stachelschwein (Hystrix eristata. Linne), 
aus Kordofän, welches bei den Arabern den Namen Abu-Schohkh 


+) gi y) führt, in einem grossen, wahrhaft prachtvollen Exemplare, 


mit vortrefflich erhaltenem Kopf- und Nackenbusche, wie man es nur 
selten sieht; und 
2) sechs Exemplare der alexandrinischen oder Dach -Ratte 


(Mus tectorum. Savi), von den Arabern Fär „lb genannt, aus Ale- 


xandria, welche allenthalben in Ägypten und Nubien, so wie in den 
Häfen des rothen Meeres in grosser Anzahl vorkommt, und ohne 
regelmässig in Erdgängen zu wohnen, sich zwischen dem Holzwerke 
in Häusern und den Rippen der Schiffe verbirgt. 

Durch Schiffe ist sie auch nach Europa, und zwar sowohl nach 
Griechenland als nach Italien eingeführt worden und hat sich daselbst 
weiter durch ganz Dalmatien und sogar bis nach Kroatien verbreitet. 
Die vom Herrn Dr. Heuglin mitgebrachten Exemplare sind 
durchgehends Albinos, da einige vollkommen weiss, einige dagegen 
nur weiss gefleckt sind. 

Die Ordnung der Wiederkäuer endlich ist durch 11 verschiedene 
Arten in 27 Exemplaren vertreten. Diese sind: 

1) ein erwachsenes Weibchen einer neuen, noch unbeschrie- 
benen und zum ersten Male lebend nach Europa gebrachten gros- 
sen Antilopen-Art, welche Herr Dr. Heuglin mit dem Namen 
grosshörnige Wasser -Antilope (Adenota megaceros. Heuglin), 
belegte, vom Bahr el abiad, unter dem 7. Grade nördlicher 
Breite. 

Diese schöne, mit den drei bis jetzt bekannten Arten jener Gat- 
tung, nämlich mit Adenota Kob, forfex und Leche nahe verwandte 
Art zeichnet sich nicht nur durch die abweichende Färbung, sondern 
auch durch das mächtige Gehörn aus, welches dem alten Männchen 
eigenthümlich ist, dem Weibchen aber, so wie allen Arten dieser 
Gattung gänzlich fehlt. Die schönen Bälge alter männlicher Thiere, 
welche sich in der vom Herrn Dr. Heuglin mitgebrachten, für das 
kaiserl. zoologische Museum bestimmten reichen Sammlung von Säuge- 
thieren und Vögeln befinden , beurkunden unwiderlegbar die Neuheit 
der Art; 


2AS Fitzinger. Bericht über die vom Hrn. Dr. Heuglin für die 


8) ein Weibchen der thebaischen Ziege (Hircus thebaicus.Mihi), 
aus Ägypten, oder des Ans Re der Araber, ausgezeichnet durch 


den weit vorstehenden Unterkiefer und die langen hängenden Ohren; 

9) zwei alte Männchen und vier Weibchen sammt einem männ- 
lichen Jungen des schönen afrikanischen oder Mähnen-Schafes (Ovis 
africana. Linne) vom Bahr el abiad, das bei den Arabern unter dem 


Bu a 
Namen Haruf gebelli au 9, > bekannt ist; und 


10) ein Widder einer neuen, bisher noch nicht in Europa gese- 
henen Schaf-Art, welche in Ober-Ägypten und Nubien als Hausthier 
gehalten wird, und für welche ich den Namen Assuan-Schaf (Ovis 
syenitica. Mihi), gewählt habe. Der überaus stark gewölbte Nasen- 
rücken, der bis zum Boden reichende Schwanz und die reichliche 
Wolle des Vliesses, unterscheiden diese Art hinreichend von allen 
übrigen bis jetzt bekannten Arten von zahmen Schafen. 

Die Krone der ganzen Sammlung ist aber ein nur im wilden 
Zustande vorkommendes Thier, nämlich: 

11) der höchst seltene Kaffern-Büffel (Bubalus Caffer. Gray), 


aus Süd-Kordofän, der Gosch der Abyssinier oder der Djamüs-el- 
LE) 


chäla MEI ; er der Araber. Von diesem prachtvollen Büffel, der 


noch niemals lebend aus Afrika herüber kam, und bis jetzt auch noch 
in keinem europäischen Museum als Balg aufgestellt ist, brachte Herr 
Dr. Heuglin ein 21/,jähriges Weibchen, das er schon als ganz 
junges Kalb erhielt, nachdem die Mutter von demselben weggeschos- 
sen worden war, und liess es bei den Baggära oder den Hirtenvöl- 
kernin Süd-Kordofän mitten unter zahmen Hornviehheerden aufziehen, 
wodurch sich auch die grosse Zahmheit erklärt, die dieses sonst so 
wilde Thier erlangte, und die es bis jetzt wenigstens in voller 
Ungeschmälertheit erhalten hat. | 

Die Vögel-Sammlung zählt 6 Arten in 7 Exemplaren. Diese sind: 

1) der sehr seltene braune Aas-Geyer (Neophron pileatus. 


G-- - 


Gray), von Chartum, von den Arabern Rächema a,>=, genannt; 
2) der bisher zum ersten Male lebend nach Europa gebrachte 
ul, Adler (Aguila rapax. Temminck), oder der Saggr el ärnab 


.,r = 
mo 


en der Araber, aus dem Sudän; 


kaiserliche Menagerie zu Schönbrunn mitgebrachten Thiere. 2A9 


3) zwei noch junge, ungefähr zweijährige Exemplare einer 
Adler-Art vom Bahr el abiad, welche zur Gattung des Gaukel-Adlers 
(Helotarsus. Gray), gehört, die die Abyssinier mit der höchst 
bezeichnenden Benennung Hevei Semmei, d. i. „Himmels-Affe“ bele- 
gen, eine Art, von der sich aber bis jetzt noch nicht mit Bestimmt- 
heit sagen lässt, ob sie dem Helotarsus ecaudatus, fasciatus oder 
leuconotos angehöre, da die Charaktere, welche diese nahe verwand- 
ten Arten von einander unterscheiden, dermalen noch nicht hinrei- 
chend ausgesprochen sind; 

4) der prachtvolle Kreisch-Adler (Haliaetus vocifer. Cuvier), 


oder der Abu Tok Ip der Araber, ebenfalls vom Bahr el abiad 


und das erste Exemplar, welches lebend nach dem Continente kam; 
5) der afrikanische Marabu (LZeptoptilos erumenifer. Gray), 


[0 . 7 


von Chartum, der bei den Arabern den Namen Abü Sen ins) 5») 


führt; und 
6) das grüne Sultanshuhn (Porphyrio aegyptiacus.Heuglin), 


G 5 


von den Arabern Tik ıı genannt, vom Menzaleh-See im Delta 


von Ägypten, eine neue, bisher mit dem blauen Porphyrhuhn (Por- 
phyrio antiguorum. Bonaparte), verwechselte Art. 

Von Reptilien sind 10 verschiedene Arten in 33 Exemplaren in 
dieser Sammlung vorhanden gewesen. 

Leider sind in der Zwischenzeit einige derselben zu Grunde 
gegangen, und wird dieses Loos auch in kurzer Zeit einen grossen 
Theil der übrigen treffen, da es für diese überhaupt schwierig zu 
erhaltenden und einer besonderen Pflege bedürfenden Thiere bis jetzt 
in der kaiserl. Menagerie zu Schönbrunn noch an den hierzu unum- 
gänglich nöthigen Räumlichkeiten gebricht. 

Die mitgebrachten Arten waren folgende: 

1) der ägyptische Stachelschwanz (Uromastix spinipes. Mer- 


rem), der Dabb Sal der Araber, aus Ägypten, in einem sehr 


grossen, prachtvollen Exemplare; eine rücksichtlich ihrer Form höchst 
merkwürdige, durch den dornigen Schwanz und die düstere Färbung 
leicht kenntliche Art aus der Ordnung der Erdläufer unter den breit- 
züngigen Eidechsen; 

Sitzb. d. mathem.-naturw. Cl. XVII. Bd. II. Hft. 1% 


250 Fitzinger. Bericht über die vom Hın, Dr. Heuglin für die 


2) zwei prachtvolle Exemplare der grossen, durch die eigen- 
thümliche Form ihrer Hörner ausgezeichneten Algazelle oder Säbel- 
Antilope (Ory& leucory&. Blainville), oder des Wachsch el 


er a 0 p » >» 71 . 
Bagger a a der Araber, aus Kordofän; 


8) die herrliche Mendes-Antilope (Addax nasomaculatus, 
Wagner), aus der lybischen Wüste. welche die Araber in Nubien 


mit dem Namen Akas sisil, die arabischen Magrabiner im Westen 


hingegen mit dem Namen Bagger el Wadi s>l)l 5 belegen; 
4) ein altes Weibchen des höchst seltenen arabischen Stein- 


bockes oder Beden (Capra arabica. Mus. Vindob.), aus den 
Bischarin-Gebirgen östlich von Nubien, von den Arabern Beden 


On .. ER . . 
O&s, in Ägypten aber Tetal \& genannt. Dieses schöne Thier, 


von welchem die kaiserl. Menagerie kürzlich auch ein ganz junges 
Männehen, welches selbst dermalen noch von einer Hausziege 
gesäugt wird, durch Herrn Custos-Adjuneten Frauenfeld vom Sinai 
erhielt, hatte sich während der Gefangenschaft. mit einem pracht- 
vollen Bocke der Whydah-Ziege (Hircus reversus. Mihi), vom 
weissen Flusse bastardirt, und am 8. Juni ein männliches Junges 
geworfen, das theilweise der Mutter gleicht. 

Hieran schliessen sich als Hausthiere der Afrikaner: 

5) ein stattlicher Bock der Whidah-Ziege (Hircus reversus 
Mihi), vom Bahr el abiad in Ost-Sudän, sammt einem jungen, mit 
der Zwerg-Ziege (Hircus depressus. Mihi) gezeugten Bastarde; 

6) ein alter Bock, vier Weibchen und zwei Junge der niedli- 
chen Zwerg-Ziege (Hircus depressus Mihi), ebenfalls vom Bahr el 
abiad ; 

7) Männchen und Weibehen sammt dem Jungen einer offenbar 
neuen, noch unbeschriebenen und zum ersten Male nach Europa 
gebrachten Ziegen-Art, für welche ich wegen der grossen Ähnlichkeit, 
die sie in der Färbung und zum Theile auch in der Zeichnung mit 
der gemeinen Gazelle hat, den Namen Gazellen-Ziege ( Hircus Gazella. 
Mihi), in Vorschlag bringe. Auch diese Art ist vom Bahr el abiad 


und wird eben so wie die vorige von den Arabern mit dem Namen 
Eray83 


- 


Ans gebelli Je is belegt: 


kaiserliche Menagerie zu Schönbrunn mitgebrachten Thiere. >51 


2) der ägyptische Mauer-Gekko (Ascalabotes aegyptiacus. 
Mihi), aus Ägypten, welcher an feuchten dunklen Orten, zwischen 
Felsen, auf Mauern und in Grabesgewölben lebt und so wie alle zur 
Ordnung der Wandkletterer gehörigen Reptilien sich mit bewunde- 
rungswürdiger Schnelligkeit und Sicherheit auf den glattesten 
Gegenständen, ja selbst auf Fensterscheiben bewegt, bereits aber 
eingegangen ist; 

3) zwei Exemplare der überaus schönen, durch ihre zierliche 
Zeichnung und den Glanz ihrer Schuppen ausgezeichneten, vollkom- 
men unschädlichen thebaischen Walzenschlange (Clothonia thebaica. 
Mihi), aus Ägypten, die beide gleichfalls schon zu Grunde 
gingen; 

4) fünfzehn zum Theile sehr grosse und lebensfrische Exem- 
plare der berüchtigten ägyptischen Brillenschlange (Uraeus Haje. 


- 
s 


5 - 6-2 6. - 
Wagler), der Häje al oder Näscher ‚| »\> der Araber, aus 


Ägypten, eine der giftigsten Schlagenarten, welche einst bei den 
alten Ägyptiern geheiliget war und häufig auf ihren Denkmälern 
erscheint. Es ist dies dieselbe Schlangenart, mit welcher die ägypti- 
schen Priester schon zur Zeit von Moses dem Pharao ihre Künste 
zeigten und das Wunder Aaron’s zu profaniren sich erfrechten, 
indem sie ihren Stock in die Schlange und dann wieder die Schlange 
in ihren Stock verwandelten; ein einfaches Kunststück, das auch 
heut zu Tage noch von den arabischen Gauklern häufig in Anwendung 
gebracht wird, und nur auf einem Drucke in den Nacken beruht, in 
Folge dessen die Schlange in eine Art von Starrkrampf verfällt; 

5) drei Exemplare der überaus giftigen ungehörnten Wüsten- 
Viper (Gonyechis Cerastes Cleopatrae. Mihi), aus Ägypten, welche 
man allgemein für diejenige Art betrachtet, mit welcher sich einst 
Cleopatra vergiftete ; 

6) drei Exemplare der durch ihre bunte Zeichnung ausgezeich- 
neten, aber höchst giftigen Pfauen-Wüsten-Viper (Echis Pavo. 
Reuss), aus Ägypten, deren Biss unfehlbar tödtlich ist; 

7) drei Exemplare der eben so gefährlichen Pyramiden-Wüsten- 
Viper (Echis pyramidum. Reuss), weiche sich durch ihre schöne 
röthliche Färbung leicht von der vorigen unterscheidet; | 

8) zwei sehr grosse, wahrhaft prachtvolle Exemplare der selte- 
nen senegalischen Landschildkröte (@eochelone senegalensis.Mihi), 


or 


252 Fitzinger. Bericht über die vom Hrn. Dr. Heuglin für die 
aus Kordofän, welehe so wie alle Landsehildkröten bei den Arabern 


den so bezeiehnenden Namen Abu Gätta al d. i. „Vater des 
Deckels“ führt; 

9) zwei Exemplare der zierlichen algierischen Landschildkröte 
(Chersus mauritanicus. Mihi), aus Ägypten, welehe auch durch 
die ganze Berberei verbreitet ist, und sich durch den beweglichen 
hinteren Lappen des Brustschildes auszeichnet; und 

10) endlich, ein sehr schönes und grosses Exemplar der äusserst 
seltenen und bisher nur ein Mal lebend nach Europa gekommenen 
ägyptischen Klauenschildkröte (Aspidonectes aegyptiacus. W agler), 


G- 00 


2 An R 
oder der Tirse asJ\ der Araber, aus dem Nil, welehe leider schon 


wenige Stunden nach ihrer Ankunft in Folge des Land-Transportes 
zu Grunde ging. 

Eine Zusammenstellung der vom Herrn Dr. Heuglin mit- 
gebrachten lebenden Thiere ergibt im Ganzen 50. Arten in 
99 Exemplaren. 

Hierunter befinden sieh nieht weniger als 12 Arten, nämlich 
10 Säugethiere und 2 Vögel, welche bisher zum ersten Male entwe- 
der nach Europa überhaupt, oder mindestens auf das Festland unseres 
Welttheiles gebracht wurden und unter diesen wieder 4 völlig neue, 
noch unbeschriebene Arten von Säugethieren. 

Viele andere höchst merkwürdige Thiere sind während der 
langen Reise und der Überwinterung in Ägypten zu Grunde gegangen; 
so das ausser seiner Heimath noch nie lebend gesehene äthiopische 
Erdferkel(Orycteropus aethiopicus) und das eben so wenig gekannte 
grossschwänzige Schuppenthier ( Phatages Temminckii) aus Kordofän, 
die schöne Arab-Antilope (Gazella Soemmeringü) und die schlanke 
spiesshörnige Gazelle (Leptoceros Cuvieri) aus dem Sennaar, eine 
neue, noch unbeschriebene und mit der rothrückigen Meerkatze 
(Cercopithecus pyrrhonotus) nahe verwandte grosse Affenart aus 
Darfür, das Männchen der grosshörnigen Wasser-Antilope (Adenota 
megaceros) vomBahr el abiad und des arabischen Steinbockes ( Capra 
arabica) aus Nubien, der äusserst seltene Stelzen-Geyer ( Gypogeranus 
serpentarius), mehrere noch unbestimmte Antilopen-Arten und 
dergleichen mehr. 

Wer nur einigermassen mit den Mühen und Beschwerden einer 
Reise durch unwirthbare Gegenden und insbesondere durch die 


kaiserliche Menagerie zu Schönbrunn mitgebrachten Thiere. 253 


Wüsten bekannt ist, wo Entbehrungen aller Art oft selbst dem Ein- 
zelnen die Erhaltung schwierig machen, der wird Herrn Dr. 
Heuglin gewiss seine Bewunderung nicht versagen, eine so grosse 
Anzahl lebender Thiere aus den entferntesten Gegenden von Afrika 
und selbst aus dem Innern jenes noch so wenig bekannten Welt- 
theiles, nach dem Festlande von Europa gebracht zu haben. 

Der rastlose Eifer, womit Herr Dr. Heuglin die Einsammlung 
der Thiere betrieb, die Sorgfalt, welche er auf ihre Pflege verwandte, 
um sie am Leben zu erhalten, die Schwierigkeit in der Herbeischaf- 
fung ihrer Nahrungsmittel und vollends die Hindernisse und Gefahren 
bei deren Transportirung auf einer langen Stromfahrt, über die weit 
ausgedehnten Katarakte des Nils und mitten durch die gefahrdro- 
henden Klippen von Wady Halfa, dies Alles beweiset, mit welchen 
grossen Anstrengungen und namhaften Opfern die Ausführung dieses 
Vorhabens verbunden gewesen sein musste, dessen glückliches Gelin- 
gen nicht nur unsere Bewunderung erregt, sondern uns auch lebhaft 
auffordert, Herrn Dr. Heuglin für die vielen Mühen und Beschwerden 
seiner zur Ehre der Wissenschaft und unseres Vaterlandes geleisteten 
Dienste, unsere Anerkennung im vollsten Masse auszusprechen. 


254 Fenzl. Bericht über Dr. Joseph Lorenz’s Abhandlung: 


SITZUNG VOM 12. JULI 1855. 


Bericht 


über Dr. Joseph Lorenz’s Abhandlung, betitelt: Die 
Stratonomie von Aegagropila Sauteri. 


Von dem w. M., Prof. Dr. Fenzl. 


Den Gegenstand zu dieser Abhandlung 1) lieferten dem Ver- 
fasser die seltsamen kugeligen Lagerverfilzungen der als Aegagropila 
Sauteri Kützing (der sogenannten Seeknödeln) bekannten Süss- 
wasseralge aus dem Zeller- See im Salzburgischen, welche er an 
Ort und Stelle näher zu beobachten Gelegenheit fand. — Nach einer 
kurzen, die nähere Bezeichnung des Ausdruckes „Stratonomie“ 
betreffenden Einleitung und Mittheilung der geschichtlichen Notizen 
über die in Rede stehende Alge wendet sich der Verfasser der 
Schilderung ihrer Standortsverhältnisse und Verbreitung in jenem 
See zu und bezeichnet hierauf die wichtigsten Formen der Lager- 
bildung, welche man daselbst zu beobachten Gelegenheit hat. Alle 
lassen sich nach seinen Erhebungen auf fünf Hauptformen: die 
lose grössere kugelige und kleinere elliptische oder walzliche, auf 
verschieden gestaltete oder polymorphe, auf angeheftete und in 
Schöpfehenform isolirte zurückführen. Nach genauer Angabe der 
Localverhältnisse, unter welchen die eine oder die andere Form 
vorherrschend auftritt, schildert er die Beschaffenheit des Lager- 
geflechtes jeder einzelnen derselben und verfolgt die verschiedenen 


1) Dieselbe wird im X. Bande der Denkschriften der kaiserl. Akademie der Wissen- 
schaften erscheinen. Der Seeretär. 


Die Stratonomie von Aegagropila Sauteri. 255 


Veränderungen und Wachsthumsverhältnisse der einzelnen Stämm- 
chen und Äste dieser verfilzten Lager, welche sie bei fortschreitender 
Entwickelung mit der Zeit erleiden. Eine besondere Aufmerksamkeit 
widmet er hierbei der Art der Isolirung ganzer zusammenhängender 
Zellreihen von dem Mutterstamme, der Art der normalen und abnormen 
Bildung ihrer Äste, wie den Wachsthumsgesetzen, welche sie hier- 
bei einzuhalten pflegen oder einzuhalten genöthigt sind. Alle diese 
Verhältnisse werden theils durch schematische, theils nach der Natur 
getreu entworfene Abbildungen erläutert. 

Von besonderer Wichtigkeit erscheint dem Herrn Verfasser 
zunächst die Filzlagerbildung der angehefteten Formen wie die Art 
ihrer Befestigung an den verschiedenen Unterlagen, als Steinen, 
faulem Holze und Muschelgehäusen. Als eine eigenthümliche und 
für die Fortpflanzungs- wie für die Bildung der verschiedenen Lager- 
formen charakteristische Weise hebt er das Einbohren der jüngsten 
Vegetationsspitzen in weiche Unterlagen hervor und führt durch die 
Art ihrer weiteren Entwickelung den Beweis, dass die losen kugeligen 
und elliptischen Formen dieser Alge keineswegs einem Losreissen 
und Abrollen der angehefteten ihre Entstehung verdanken, wie man 
seither sich dieselbe zu erklären pflegte. | 

Die freien, durch Isolirung ganzer Stamm- und Astpartien aus 
sowohl kugeligen als angewachsenen Lagern hervorgehenden Büschel- 
formen oder Schöpfehen werden nun einer genauen Untersuchung 
unterzogen, und durch sie der Nachweis geliefert, wie durch Zusam- 
menschlemmung mehrerer isolirter lebenskräftiger Stämmchen die 
Verfilzung und Ausbildung der grösseren isolirten Formen stattfinde. 
Die allmähliche Erfüllung des inneren Raumes dieser letzteren mit 
Schlamm, ihr verschiedenes Verhalten zum Wasser in verschiedenen 
Tiefen und die Art der Lappenbildung an manchen derselben finden 
nebenher ihre ungezwungene und natürliche Erklärung. Aus der Art 
und Weise der nach bestimmten Normen sich herausbildenden Ver- 
schlingung der Verästelungen dieser Stämmchen und ihrer Verände- 
rungen, welchen sie mit der Zeit unterliegen, werden die regelmässi- 
gen schalen- und zonenartigen Schichtenbildungen im Innern der 
grossen Filzkugeln als nothwendige Folgen der Vegetation nach- 
gewiesen und gezeigt, dass selbe nicht für die vollendetsten Typen 
der Gestaltbildung jener Alge, im Gegentheil nur als Durchgangs- 
formen zu anderen weit einfacheren anzusehen seien und dass ihre 


256 Fenzi. Bericht über Dr. Lorenz’s: Die Stratonomie von Aegagropila Sauteri. 


Bildung hierbei wesentlich von bestimmten Verhältnissen des See- 
grundes abhängt. 

Nach Entwickelung aller auf die Stratonomie dieser Alge sich 
beziehenden Vegetations-Erscheinungen und damit im ursächlichen 
Verhältniss stehenden Localverhältnisse geht der Verfasser auf die 
Entwickelung der jüngsten Stände aus den Sporen über. Indem er 
sein lebhaftes Bedauern darüber ausspricht, dass ihm die gemessene 
Dauer seines Aufenthaltes an Ort und Stelle nicht erlaubte, diesem 
Theile der Entwickelungsgeschichte dieselbe Aufmerksamkeit zu 
schenken, wie den stratonomischen Verhältnissen dieser Alge, gibt 
er behufs später anzustellender Untersuchungen doch auch das 
hierauf Bezügliche so vollständig an, als seine Beobachtungen reich- 
ten und das hierzu geeignete Material mit Sicherheit erkennen liess. 
Als Resultat seiner diesfallsigen Erhebungen bemerkt derselbe: dass 
die Zoosporen nicht blos die Endglieder der Fäden, sondern auch 
hinter diesen liegende Zellen füllen und durch Berstung der Wandung 
austreten; dass trotz ihrer lebhaften Bewegung nach dem Austritte 
aus der Zelle sich kein Flimmerapparat an ihnen erkennen lasse und 
der rothe sogenannte Augenpunkt fehle, dafür aber durch einen 
dunkeln, fast schwarzen Fleck ersetzt sei. Auf faulem Holze auf- 
liegend treiben die untergesunkenen Zoosporen Schläuche in das 
aufgelockerte Gewebe; nicht aufliegende keimende kamen dem Ver- 
fasser nie zu Gesicht. Ausser den Zoosporen beobachtete derselbe 
einigemal noch andere an den schlammigen Wandungen älterer 
Individuen aufsitzende kleine Schläuche, welche jenen keimenden 
Zoosporen ganz ähnlich sahen, jedoch einen andern Inhalt als diese 
zeigten. Letzterer bestand aus 1—3 honigbraunen, scharf begrenz- 
ten, wenig punktirten navieularienartigen Körperchen, die 8&—10mal 
grösser als die wahren Zoosporen sein mochten. Ihr Austreten konnte 
zwar beobachtet werden, nicht so aber ihr weiteres Verhalten. Es 
wäre daher möglich, dass auch hier wie bei manchen anderen Süss- 
wasseralgen, z. B. den Spirogyren, zweierlei Sporen vorkommen. 

Zum Schlusse, die wichtigsten an Aegagropila Sauteri erhobe- 
nen Thatsachen zusammenfassend, glaubt der Herr Verfasser zu 
folgenden Aussprüchen sich berechtigt: 

Die Fäden eines entwickelten Lagers dieser Alge entspringen 
von keinem gemeinsamen Punkte; die Form rundlicher Ballen ist 
keineswegs die allgemeine endliche; dergleichen Ballen waren nie 


Zantedeschi. Ricerche sulla contemporaneitä del passaggio delle opposte ece. 957 


als solehe angewachsen und konnten daher auch nie losgerissen 
worden sein; die Entwickelung der verschiedenen Formen des Filz- 
lagers hängt endlich wesentlich von äusseren Momenten ab. Die 
losen Ballen entwickeln sich aus isolirten zusammengeschlemmten 
Lagerstämmchen, deren Äste sich verfilzen und dann radial von 
einem nur idealen Mittelpunkte aus sich verzweigen. Die Zoosporen 
bilden bei dem Keimen zunächst angeheftete Stämmchen und Lager. 
Durch Ausfaulen einer oder mehrerer Zellen aus der Reihe der 
übrigen Dauerzellen isoliren sich einzelne oder mehrere zu einem 
Büschel (Schöpfehen) verflochtene und werden abgestossen. Solche 
Schöpfchen sind die Anfänge der verschiedenen freien Lagerbildungen. 
Letztere, mit der Zeit von innen nach aussen durch Ausfaulen hohl 
werdend, zerfallen in Lappen, welche, noch lebenskräftige Enden 
besitzend, auf dieselbe Art wie die Schöpfehen zu neuen Lagern 
auswachsen, 


Eingesendete Abhandlung. 


hicerche sulla contemporaneüü del passaggio delle opposte 
correnti elettriche in un filo metallico. 
Memoria II’ del Professore Francesco Zantedeschi. 
(Con II tavole.) 


(Vorgelegt in der Sitzung vom 26. April 1855.) 


Gli argomenti, che, in mia sentenza, comprovano la contempo- 
raneita o il sineronismo del passaggio delle opposte correnti in un 
solo filo conduttore comune a due eircuiti chiusi ed isolati, sono 
desunti: | 

1° dalla trasmissione delle forme telegrafiche o dei dispacei; 

Io dagli effetti galvanometrici; 

10 dagli effetti luminosi e calorifiei; 

IV® dagli effetti ehimici; 

V° dagli effetti fisiologiei. 

Le conelusioni di questi argomenti ho ereduto necessario, in un 
modo compendioso e sommario, o in un modo aforistico, di renderle 


‘ 7 . . . . 
258 Zantedescehi. Ricerche sulla contemporaneitä del passaggio 


di pubblieo diritto, perche@ i Dotti, che si oecupano della presente 
vicerca veggano |’ estensione delle mie investigazioni, e le possano 
prendere in disamina nei loro studii tanto teorici, che sperimentali, 
non avendo altro intendimento, che il progresso della seienza e le 
utili applicazioni alle quali dobbiamo noi tendere con tutti i nostri 
sforzi. 

In questa seconda memoria mi ristringo a presentare all’ Im- 
periale Accademia |’ analisi delle prove desunte dalle forme telegra- 
fiche, e dagli effetti galvanometriei, luminosi e ealorifiei. 

In parte la presente Memoria racchiude lo sviluppo analitieo de’ 
fatti pubblieati nella precedente (Atti delle adunanze del- 
I. R. Istituto Veneto; Adunanza del 22 Gennajo 1855, 
Sul simultaneo passaggio delle correnti opposte sui 
eireuiti metalliei ehiusi ed isolati dalla terra, e 
delle loro differenze coi eireuiti misti delle linee 
aereo —telluriche in relazione alla telegrafia elet- 
trica); e in parte comprende dei nuovi fenomeni, che sono i lumi- 
nosi ed i calorifiei. | 

Io ho fatto appello, non lo dissimulo, al mondo scientifico, per- 
che non mancano dotti franchi e leali, che preferiscono tuttavia i fattı 
della Natura alle teorie degli uomini; ma amo ancora, che i miei stu- 
dii rimangano registrati nei volumi degli Atti di eotesta celebre 
Imperiale Accademia delle seienze alla sapienza della quale ho l’onore 
di presentarmi. | | 

Il primo argomento, a dimostazione della simultaneita del passag- 
gio delle opposte correnti sul filo ecomune ai due eireuiti & tratto dalle 
forme telegrafiche. 

Il 27 ottobre 1854 ho osservato, come esposi nella mia I? Memo- 
ria, che attraverso ilmedesimo filo si trasmettono in direzione opposta; 
dispaceci telegrafiei eon tutta preeisione, ossia la forma telegraüica, o 
la durata delle onde elettriche, non viene sensibilmente alterata. 

Da questo fatto, che fu riconoseiuto da varii fisiei, verissim o 
e bello, ne dedussi la conseguenza del simultaneo passaggio delle 
opposte correnti in un modo analogo a quello che presentano molte- 
pliei fenomeni della natura, de’ quali ridonda 1’ acustiea preci- 
puamente. 

(uesta deduzione non parve rigorosa, necessaria, legittima ad 
aleuni fisici, e pensarono, che in un modo diverso potesse rendersi 


delle opposte ceorrenti eleltriche in un filo metallico. 259 


“ragione dell’ osservata trasmissione dei dispacei in direzione opposta. 
lo pure non fui sempre della stessa sentenza. Nel 1840 io ammetteva, 
che nell’ incontro delle eorrenti elettriche avvenisse un fenomeno 
analogo a quello, che aceade nell’ urto meccanico de’ corpi, da cui 
ne deduceva o la somma nel caso, che le correnti avessero a cam- 
minare nel medesimo senso, o la differenza nel caso, che avessero a 
camminare in senso opposto. lo pure nell’ esperimento del 27. otto- 
bre 1854 per il contemporaneo passaggio delle opposte correnti pro- 
posi tre ipotesi, della sovrapposizione dei piccoli moti, della propa- 
gazione di moti per ranghi molecolari longitudinali, o di efflussi late- 
rali di materia, qualunque ne fosse la sua natura. Io diedi la prefe- 
renza alla prima ipotesi, come di sopra ho gia detto. Que’ fisiei, che 
non ammisero la contemporaneitä del passaggio delle opposte correnti, 
si divisero in varie sentenze. 

I Redattore del Cosmos, attenendosi all’ipotesi che due pulsazioni 
non possono giammai dirsi contemporanee, ammise, che il passaggio 
delle opposte correnti fosse successivo; e credette potersi render 
ragione della trasmissione delle forme telegrafiche per opera diqueste 
correnti, senza pero farsi carico di quello, che sarebbe accaduto nel 
caso della contemporaneitä delle pulsazioni. 

L’ ipotesi del Redattore del Cosmos che almeno in parte sem- 
brava prestarsi alla spiegazione dei fenomeni delladoppia eorrispodenza 
telegrafica nel easo delle correnti discontinue, fu trovata intieramente 
insuffieiente allorche una delle eorrenti era continua e l’altra dieonti- 
nua. Conobbe il Redattore del Cosmos l’impotenza della sua ipotesi alla 
spiegazione degli effetti in questo secondo caso, e percid si ridusse 
da se stesso al silenzio, dichiarando pubblicamente di non volere piü 
entrare nella discussione di questo argomento. 

Parve ad altri poter imaginare, che nell’ incontro sul filo comune 
delle opposte correnti avvenisse una specie di rimbalzo, come accade 
nell’ urto de’ corpi elastiei. 

Questa ipotesi nell’adunanza del 22. Gennajo del 1855 dell’I.R. 
Istituto Veneto fu messa innanzi dall’ onorevole Collega Bellavitis, 
efu ancora indicatada qualche fisico, come ho dalla mia corrispondenza 
epistolare. Ma io soggiunsi essere tale ipotesi piuttosto ingegnosa che 
' vera, avvegnacche debba essa, per essere ammessa, valere ugualmente 
pei fili corti, che pei fili lunghissimi comuni ai due eireuiti chiusi. Il 
che non viene dall’ esperienza verificato. Pei fili di una maggior 


260 Zantedeschi. Ricerche sulla contemporaneitä del passaggio 


resistenza non accade piü il fenomeno della doppia corrispondenza 
telegraficat). 

Trovata insuffieiente anche questa terza ipotesi, taluni si limita- 
rono a dire come il Soret, che le opposte correnti non eircolino sul 
filo comune, ma che per le vie degli attigui regolatori, vadano a ris- 
pondere ai poli negativi delle due pile. Altri in quella vece hanno 
dichiarato, come il Serpieri, di non saper dire che cosa avvenga 
preceisamente sul filo comune ai due eireuiti; ma pero hanno affermato 
che tutto avvenga come se le correnti passassero insieme. 

Nessuna ipotesi impertanto delle adotte, & suffieiente alla spiega- 
zione di tutti i fenomeni da me osservati. E pereio mancano del carat- 
tere filosofico essenziale per essere ammesse. E il dire, che le due 
opposte correnti non si scaricano attraverso il filo comune, o che in 
esso avvenga, come se le opposte correnti passassero insieme, € un 
negare ed un asserire gratuito in un modo oscuro e misterioso, ma 
non & dare la soluzione della dibattuta questione in un modo positivo 
e razionale. 

Si puö ripetere, egli & vero, col Nobili, che ogni filo di cor- 
rente & obbligato a seguire un cammino separato, come dimostra l’os- 
servazione delle due apparenze contrarie, la positiva ela nega- 
tiva, le quali non possono mai coesistere nel medesimo luogo. 

Ma la mia dottrina non ammette la coesistenza nel medesimo 
luogo di due opposte correnti, come di sopra ho dichiarato, ma la coe- 
sistenza di due opposte correnti in parti distinte del medesimo filo. 
E le esperienze stesse del Nobili fatte in seno dei liquidi non valgono 
per veruna guisa ad abbattere i miei esperimenti siccome quelli, che 
sono istituiti in condizioni essenzialmente diverse. E il Nobili stesso 
non fu pienamente sodisfatto delle fatte ricerche, volendo pure a 
tempo migliore ritornare sullo stesso argomento. 

Se io dovessi per susseguenti risultamenti abbandonare la dot- 
trina del simultaneo passaggio delle opposte correnti sul filo comune 
ai due eireuiti, direi che nel caso di correnti uguali ed opposte, il 


1) I Nuovo Cimento ammettendo che non possa generarsi corrente senza la 
neutralizzazione delle due opposte elettricitä , affermd, essere impossibile che sul 
medessimo filo si generino due opposte correnti simultanee. Ammesso il prineipio 
io non trovo l’impossibilitä della neutralizzazione delli opposti stati elettriei sul 
medesimo conduttore. A due a due li stati opposti possono combinarsi, come 
riconobbero ancora De la Provostaye e Desins. 


delle opposte correnti elettriche in un filo metallico. 261 


filo comune non si ritrova in istato naturale, ma in una econdizione 
elettro - statica; che verrebbe a stabilire il fondamento del 
fatto della doppia corrispondenza, o della corrispondenza multipla 
attraverso un filo comune a’ piu eircuiti chiusi. Il filo comune 
potrebbe essere ora il conduttore della minore ed ora della mag- 
giore resistenza. Concetto che io applicai alla costruzione del mio 
Telegrafo a doppia corrispondenza con un solo filo communicante 
colla terra. 

Ma coll’ uso dei telegrafi alla Morse, io non poteva esplorare 
l esistenza delle correnti derivate, dalle quali avrei potuto trarre 
qualche nuovo argomento che avesse a spargere della luce sulla 
discussa questione intorno alla contemporaneitä del passaggio delle 
opposte correnti sopra una stesso filo. 

A questo scopo ho costrutto il mio Telajo, che ho deseritto nella 
mia Prima Memoria. 

Io non ripeterö qui i miei esperimenti, che feci coll’ uso degli 
seandagli magnetici, e le deduzioni che ne trassi. Solo osservero, 
che taluno potrebbe oppormi, che i fatti osservati sono fenomeni di 
casi speciali, che potrebbero ricevere una spiegazione diversa da quella 
che loro diedi, e che pereiö le illazioni, che ne trassi non sono neces- 
sarie o rigorosamente legittime. 

Sia pure, anche tutto questo dato e non Concesso per vero, € 
pero un fatto costante, che non ammette eccezione, che i quattro aghi 
magnetiei sottoposti ai fili dei due circuiti non conservano precisa- 
mente la loro deviazione, allorche si toglie o si restituisce la comuni- 
cazione dei due circuiti col file comune. 

Allorche l’ago sottoposto al filo comune & a zero gradi, all’atto 
della interruzione, tutti e quattro gli aghi diminuiscono la loro devia- 
zione; e all’ atto dello ristabilimento della eommunieazione tutti e 
quattro gli aghi acerescono la loro deviazione. Il filo comune adun- 
que non puo essere in questo caso in stato naturale. 

Non accade cosi, allorch& l’ ago sottoposto al filo comune, ha una 
declinazione oceidentale od orientale. Allo ristabilirsi della comuni- 
cazione dei due circuiti col filo comune, aumenta la declinazione 
di quei aghi, che appartengono a quel eireuito, l’elettromotore del 
quale fa prevalerela declinazione dell’ ago sottoposto al filo comune, 
e per contrario diminuisce la declinazione di que’ aghi che sono 
sottoposti all’ influenza dell’ elettromotore dell’ altro eireuito. I 


> . . . . 
262 Zantedeschi. Ricerche sulla contemporaneitä del passaggio 


fenomeni succedono inversamente all’ atto, che s’ interrompe la 
comunicazione del filo comune eoi due eireuiti. 

N filo comune adunque esereita un’ influenza sulla distribuzione 
dell’ elettrieo ne due eircuiti, come & dimostrato dai eangiamenti delle 
declinazioni degli aghi in direzione opposta, i quali di piü possono 
conservarsi deviati ne’ due eircuiti con gradi diversi, come accade 
ancora nel caso, che |’ uno sia indipendente dall’ altro. 

Di quest’ ultimo fatto si puö rendere ragione dieendo, che 0 tutte 
e due le opposte correnti passino senza turbamento sensibile, attra- 
verso il filo comune, o che ne passi soltanto la differenza loro, in 
ragione della differenza delle due pressioni opposte, o delle reeiproche 
tensioni delle due eorrenti nel loro punto d’ incontro. 

La qual risposta varrebbe nella supposizione, che l’incontro delle 
due correnti accadesse nel medesimo luogo, ma nell’ ipotesi, che il loro 
incontro accadesse in punti distinti o in ranghi molecolari distinti del 
medesimo filo eomune, come io penso, e come ancora superiormente 
ho detto in risposta alla dottrina del Nobili. Ma & egli poi vero, che 
attraverso il filo comune passi la sola differenza, come fu da qualche 
fisico seritto ? No certamente, eome l’esperienza mi ha costantemente 
dimostrato. — Delle numerose mie investigazioni, io mi limitero a 
riferire i seguenti risultamenti siecome queili, che furono piü e piü 
volte ripetuti con effetti uniformi e costanti. 

Disposto il mio tetajo, come & rappresentato nell’ annessa figura, 
che & la IV* della mia tavola unita alla prima Memoria colla disposi- 
zione diversa degli apparati elettromotori e coll’ aggiunta degli aghi 
inLeT, mi sono assicurato che le deviazioni degli aghi, per una stessa 
corrente, fossero preceisamente di un ugual numero di gradi. lo chiusi 
il eircolo in O, ed in A@, con un elemento alla Bunsen da ciaseuna 
parte, I’ uno de’ quali ho potuto mantenere eostante per tutto l’inter- 
vallo delle mie esperienze, mentre |’ altro successivamente resi piu 
attivo coll’ aggiunta di alcune goceiole d’ acqua acidulata con acido 
solforico, che mediante un cannellino di vetro poteva versare nel vaso 
dello zineo. In eiascun esperimento aspettai sempre, che gli aghi si 
fossero ridotti immobili, econ una leggiera scosserella cercai di vincere 
lo stato d’inerzia, onde avessero ad obbedire anche alle piü piccole 
variazioni dell’ energia della pila. 

Ridotto I’ apparato in tali condizioni, io diedi incominciamento a’ 
miei esperimenti: colla pila O, gli aghi in S ed Z deviarono di 120 30’ 


delle opposte eorrenti elettriche in un filo metallico. 263 


Colla pila in AG, gli aghi in ? e 7 deviarono di 18°. La decli- 
nazione in Q fu di 14°, occidentale. 

La declinazione adunque dedotta non avrehbe dovuto essere che 
di 5°, 30’ mentre la deelinazione osservatä fu di 14° Ridotta |’ azione 
della pila in O costante colle declinazioni in S ed Z di 12°, portai 
quella della pilain A@ a 20°; la declinazione oceidentale dell’ ago in 
Q si portö a 19°. 

La declinazione dedotta avrebbe dovuto essere di 8°, el’ osser- 
vata fu di 15°. Colla pila in O, conservate costanti le declinazioni 
degli aghi in Sed Z di 12°, ed aceresciuta I’ energia della pila AG, 
da avere dagli aghi %, 7 la declinazione di 24° la declinazione ocei- 
dentale dell’ ago in Q si portö a 20° oceidentale. La declinazione 
dedotta avrebbe dovuto essere di 12°, ed in quella vece la declinazione 
osservata fu di 20°, occeidentale. 

Nel sequenteprospetto io presento la serie di dodiei oservazioni. 


Colla pila O, declinazioni di S ed Z 12° 30’ 
Colla pila AG, declinazione di Re T180. | FE 


Colla pila in O, declinazione di S, L 12°. ann 


Declinazione in Q 
dedotta, osservata, 


Colla pila AG, declinazione di 2 e 7 20°. = 
Colla pila in O, declinazione di Sed L12°. 
Colla pila AG, declinazione di R, 7 240. 

Colla pila in O, declinazione di S, L 12°. dedotta, osservata, 


oceidentale. 


dedotta, osservata, 
120 200 
occidentale. 


160 250 
Colla pila in AG, declinazione di R, 728". 


occidentale. 
Si noti che i gradi 25 furono prossimamente. 
Colla pila in O, deelinazione di S, L 12°. dodotie, errien 
Colla pila AG, declinazione di R. T 32°. 


Anche qui il numero 30° fu in via prossimativa. 
Colla pila in O, declinazione in S, L 12°. Be nn 
Colla pila in A@ deelinazione in R, T 36°. ( oceidentale. 
Colla pila in O, declinazione in S, L 12°. 
Colla pila in A@, deelinazione in R, T 40°. 
Colla pila in O, deelinazione in 8, L 12°, 
Colla pila in A@, deelinazione in, T 44°. | 
Colla pila in O, deelinazione in S, L 12°. dedotta, | \osseryata, 


occidentale. 


dedotta, osservata, 
280 350 
oceidentale. 


dedotta, osservata, 
320 380 
oceidentale. 


. . . . . 36° An 
Colla pila in AG, deelinazione in RB, T 48°. ( oceidentale. 
Colla pila in O, deelinazione in S, L 12°. 
Colla pila in AG, deelinazione di, 752°. 


dedotta, osservata, 
40° 45° 
oceidentale. 


264 Zantedeschi. Ricerche sulla contemporaneitäa del passaggio 


Colla pila in O, declinazione in S, L 14°. dei N 
Colla pila in AG, declinazione in R, 715°. ( oceidentale. 

Ridotta l’azione in Q perfettamente a zero, si trovarono i quattro 
aghi S, L, R, Ta 14° precisamente. 

La condizione adunque di uguaglianza galvanometrica & indicata 
dallo zero dell’ago in Q sottoposto al filo comune, ossia allorquando 
si osserva, che l’ago in Q & a zero, si puo dedurre l'uguaglianza di 
declinazione in tutti gli aghi sottoposti ai due sistemi. 

Dall’insieme poi di tutti questi esperimenti e da molti altri che 
io feci nell’ intervallo di ecinque e piü mesi, ne’ quali ho coltivato 
questo argomento, raccolsi ciß, che ebbi a pubblicare sino dal 
27. ottobre 1854, e che ebbi a ripetere per vario modo in altri miei 
seritti; 

1° Je azioni galvanometriche di ciaseun eircuito 
prese separatamente, si conservano inalterate 
anche nel caso del loro simultaneo concorso. Le 
esperienze furono estese da 12° fino a 52°. 

2° Sotto il filo comune non si ha deviazione gal- 
vanometrica, allorche& le decelinazioni degli aghi 
ne’ due ceireuiti sono uguali. 

3° Sotto il filo comune vi ha deviazione galvano- 
metrica allorche le decelinazioni nei due cireuiti 
sono ineguali. 

4° La deviazione galvanometrica sotto il filo ceo- 
mune enelladirezione della corrente prevalente. 

5° Questa pero nonreppresanta tuttaintiera linten- 
sitaä delllazione, che appare nel eircuito prima e 
dopo del reciproco incontro delle correnti sul 
filo comune. | 

6° La grandezza dell’azione galvanometrica sotto 
il fillo comune & sempre maggiore della diffe- 
renza della intensitäa elettromagnetica delle due 
correnti. | 

Ma non ho potuto fino ad’ ora intravedere legge alcuna nei 

rapporti delle quantita occultate nel filo comune, che in rela- 
zione alla telegrafia ho chiamato linee di oceultazione. 

7° Le eorrenti derivate, che si osservano nei suc- 
cessiviscandagli, allorch& una sola pila &appli- 


eo 


delle opposte correnti elettriche in un filo metallico. 2365 


ceata in 0, od in AG, mentre laltro eirceuito € 
ehiuso metallieamente, non dimostrano aleuna 
influenza sulle deviazioni galvanometriche, 
allorch& simultaneamente sono applicate le due 
pile, che mandano in direzione opposta le loro 
correnti sul filo eomune. I gradi indicati dagli aghi 
S, L, R, T nella precedente tabella rimasero costanti col- 
l’ azione successiva di ciascuna pila e coll’ azione simultanea 
di tutte due. 

Frale leggi superiormente raccolte ve ne sono quattro preeipua- 
mente, le quali ricevono pronta e perfetta spiegazione nella sentenza 
del simultaneo passaggio delle due correnti elettriche attraverso il filo 
comune, senza che patiscano perturbamento sensibile, e nella dottrina 
opposta non trovo ragione sufficiente, anzi ritrovo delle contradizioni 
negli osservati costanti fenomeni. 

Cosi nel caso, che l’ ago sottoposto al filo comune & a zero, e 
che le declinazioni dei quattro aghi ne’ due eircuiti sono uguali, ri- 
pugna nella sentenza opposta alla mia, che le declinazioni dei quattro 
aghi diminuiscano, all’atto d’interrompere la continuita del filo 
comune, e viceversa che le declinazioni dei quattro aghi aumen- 
tino, nell’ atto di ristabilire la confinuitä del filo comune; avvegnache 
se attraverso il filo comune non passa filo aleuno di corrente, debba 
essere assolutamente indifferente il lasciarlo, o il toglierlo. 

Nella dottrina opposta alla mia, nel caso d’inegunglianza delle 
azioni galvanometriche delle due correnti, non dovrebbe passare che 
la differenza delle due azioni opposte; ma l’esperienza mi ha costan- 
temente dimostrato, che rimane sensibile sul flo comune una quantitä 
sempre maggiore della differenza. L’eccesso da due gradi crebbe 
nelle mie esperienze fino a7°, senza dimostrare regolaritä alcuna eolle 
differenze galvanometriche suceessivamente osservate nei due eireuiti. 
Il qual fatto dimostra, che le azioni galvanometriche sono effetti di 
condizioni speciali della materia comune, prodotte dalle eorrenti elet- 
triche; eome la dilatazione & una disposizione diversa degli aggre- 
gamenti molecolari originata dal calorieo; nell’ uno e nell’ altro caso 
vi sono dei salti e delle irregolaritä. 

Ugualmente nella dottrina opposta a quella del sineronismo, non 
visarebbe ragione suffieiente per rendere ragione dell’uguaglianza delle 
azioni galvanometriche prima e dopo il punto di coneorso delle opposte 

Sitzb. d. mathem.-naturw. Cl. XVII. Bd. II. H£t. 18 


k] r . . . . 
266 Zantedeschi. Ricerche sulla eontemporaneitä del passaggio 


correnti, non vi sarebbe ragione sufficiente dell’uguaglianza delle azioni 
galvanometriche in eiaseuno dei due eireuiti eolle correnti suecessive e@ 
colle correnti simultanee opposte. Questa perfetta uguaglianza di effetti 
non ispiegabile, che nella dottrina che eiaseuna corrente percorre 
la via del proprio eireuito, senza che nell’ incontro sul filo eomune, 
soggiaciano a perturbamenti, a distruzione, nelle loro direzioni od 
intensita. La deelinazione galvanometriea, che manifesta l’ago sotto- 
posto al filo comune ai due eireuiti, e un effetto del lavoro meccanico, 
che le due simultane e correnti producono nella materia comune. Non 
direi impertanto, come serisse il Pouillet, che sul filo comune le due 
correnti producano deimovimenti propriia ciascuna diloro, considerate 
separatamente. L’esperimento, che fece collapila termoelettrica € inge- 
gnoso; ma non parve a fisici legittima la eonseguenza che ne dedusse. 
(El&mens du Physique, T. I", pag* 624, Paris1853.) Tuttavia i 
Signori De la Provostaye, e Desains ebbero a serivere: „Ciö che si 
sa sulla teoria delle pile, e questa esperienza ingegnosa (di Pouillet), 
sembrano provare che in tutti i casi, le correnti coesistono, si SoVrap- 
pongono senza modificarsi, e che allorquando pajono distruggersi, 
si deriva da questo, che i loro effetti identiei in natura, sono in dire- 
zioni differenti, e s'annunziano reciprocamente come due forze, che 
si fanno equilibrio. (Comptes Rendus de l!’Academie des 
sciences de Paris, T. XXXVI, pag. 749, an. 1853. Note 
sur un fait relatif ä ’&chauffement d’un fil de metal 
par les courants &electriques, par M.M.F. DelaProvos- 
tayeet P. Desains.) 

La teorica impertanto, che io esposi nei miei seritti, in base di 
esperimenti che mi appartengono, & ancora la teorica di Pouillet 
di Moncel, Masson, diDe la Provostaye e di Desains. 
Ma i Signori De la Provostaye e Desains non soddisfatti delle 
ipotesi de’ fisici sulla natura delle correnti voltiane, sul loro modo di 
azione, eredettero opportuno non di accrescere il numero delle ipotesi, 
ma di aumentare quello dei fatti fondamentali, che una teoria per 
essere esatta, dovrä pure sotto di s® comprendere e spiegare. E 
questa via, che io ho costantemente seguita, e sulla quale ho sempre 
cercato di mettere alla prova le dottrine dominanti delle seuole. 

Io amo di riferire a verbo i nuovi esperimenti proprü di De la 
Provostaye e di Desains, che aveva pure ricordati in altri miei 
serittiÄ, perche da essi io sono partito nelle mie nuove ricerche, e 


delle opposte correnti elettriche in un filo metallieo. 267 


perche chi si studia di malignarmi, nelle sue ordinate inesattezze non 
trovi materia ad offendermi nel cospetto del pubblico. 

Allorch& un filo di platino della lunghezza di 15 & 20 centimetri 
& mantenuto all’ incandescenza per la corrente di una prima pila co- 
stante A. se si venga a far passare una seconda corrente uguale e in 
direzione contraria, mettendo due de’ suoi punti «', B’ in contatto coi 
eonduttori, ehe congiungono i due poli di un altra pila B della mede- 
sima forza della prima, lo spazio intermediario « ß del Silo di 
platino cesserä immediatamente di essere incandescente, e si potra 
ancora toccare con un dito senza provare alcuna sensazione di calore 
apprezzabile. Al contrario le due estremitaä aa’ e Bß’ si troveranno 
portate ad una temperatura di molto piü elevata di prima. Che se si 
abbia allora ad invertire la direzione della pila ZB, sara al contrario 
la porzione «ß del filo che acquisterä una temperatura elevatissima 
mentre che le porzioni estreme ««’', Bß" cadranno ad una tempera- 
tura piü bassa.“ 

L’esperienza puO essere ancora istituita in maniera, che la 
renda, se e possibile, piüu parlante ancora. 

Due fili di platino del medesimo diametro e presso a poco della 
stessa lunghezza sono portati all’ ineandescenza da due pile formate 
da un medesimo numero di coppie e sensibilmente uguali. Questi due 
fili appariscono identiei fra di loro, ed i fenomeni calorifiei, che 
manifestano non hanno alcuna relazione sensibile colla direzione pro- 
pria delle correnti, che li attraversano.“ 

„Niente v'ha qui, per conseguente, che richiami l’azione di una 
eorrente sopra un’ ago calamitato, azione che ha una direzione deter- 
minata, e che cangia di senso col senso della eorrente stessa. Un filo 
e arroventato, e sempre alla stessa maniera, da due correnti inverse 
uguali che lo atraversano successivamente.“ 

„Frattanto, se nella nostra esperienza si avvicinino i due fili di 
platino incandescenti, e che si applichi l’uno contro l'altro, si otten- 
gono dei risultamenti completamente differenti secondo la loro orien- 
tazione relativa. In una delle posizioni la parte commune si estingue 
prontamente, e le parti esteriori acquistano un piu grande splendore. 
Nella posizione relativa inversa, & direttamente il contrario che si 
osserva.“ 

„Egli & benstabilito, che se due correnti uguali, capaei di far 
arroventare separatamente un filo di platino, vi comminino simul- 

187 


2 68 Zantedeschi. Ricerche sulla contemporaneitä del passaggio 


taneamento in direzioni opposte, l’ineandescenza ed ancora linnalza- 
mento di temperatura, dispariscono tosto, i loro effetti si sommano 
al contrario, se si propagano nella stessa direzione.“ 

„Dei fenomeni, soggiungono in Nota gli Autori, perfettamente 
analoghi si presentano nelle azioni chimiche. Si decomponga del- 
l'aequa in tre voltametri A, B, C, collocati in uno stesso eireuito, le 
quantita di gaz sviluppate sono uguali in eiascuno di loro. Ma se si 
tocchi con uno dei reofori di un altra pila uguale alla prima un punto 
compreso fra A e B, e col secondo reoforo un punto compreso fra 
becC, allora lo sviluppo, o s’arresta in BD, e diviene piü rapido in 
AeC, o siradoppia in B, e diminuisce in Ae 0.“ 

„Per non oltrepassare i limiti delle esperienze, proseguono gli 
autori, noi dobbiamo fermareiqui. Tuttavia ne sara permesso di far 
osservare, che questi fatti sembrano inconciliabili colla teoria, che 
risguarda lo sviluppo del calorico come dovuto alla riunione dei, fluidi 
di nomi contrarii. Niente infatti impedisce ai quattro fluidi uguali di 
combinarsi due a due nella parte comune del eireuito, e di produrre 
in tutti i casi una elevazione di temperatura sempre la stessa, qual- 
unque sia la direzione dell’ una delle correnti.“ 

Dieiamo infine, senza entrare nei piü grandi detagli, che se 
questi fatti non possono essere preveduti dalla teoria di Ohm, non ei 
sembrano pero che sieno opposti, e che le idee che lo hanno guidato 
nelle sue ricerche sulle correnti, sono ancora quelle che si accordano 
insieme ai risultati della esperienza, che noi abbiamo avuto l’onore 
di sottoporre. 

M’ineresce di non trovare nella Nota dei due Fisiei Francesi 
tutte le condizioni delle loro esperienze, come il diametro e la lun- 
shezza precisa del filo, la temperatura rispetto a quella dell’ aria 
ambiente, le pile usate ed il loro numero ed il grado areometrico dei 
liquidi. Condizioni tutte, che influiscono sui risultamenti sperimentali. 
L’incandescenza pero nei loro esperimenti fu limitata al filo inter- 
mediario «ß, e alle due estremitu «a’, BB’ non osservarono, che delle 
variazioni di temperalura, in piü, quando le due correnti eammina- 
vano in direzione opposta; e in meno, quando comminavano nella 
stessa direzione. E allorquando nei loro esperimenti sostituirono i 
due fili di platino, colle correnti dirette nel medesimo senso, nella 
parte comune ottennero un’ incandescenza maggiore che nelle parti 
esteriori, e colle correnti dirette in senso opposto, la parte comune 


delle opposte correnti elettriche in un filo metallieo. 269 


si estinse prontamente, e le parti esteriori acquistarono un piü 
grande splendore. 

Vengo ora ad esporre i risultamenti, che mi appartengono, coi 
particolari delle mie esperienze. 

Le pile, delle quali feci uso, furono due, l'una alla Grove di 
10 elementi, delle dimensioni ecomuni, quali suol costruire Dubosceq- 
Soleil, l’altra alla Bunsen di 19 elementi, delle dimensioni medie quali 
suole costruire Ruhmkorff; tutte e due furono caricate con acido 
nitrico di gradi 47 B, e con acqua acidulata con acido solforico dle 
grado 12 B. La temperatura dell’aria delle sala era di + TOR. Il 
filo di platino era nella parte intermediaria «ß della lunghezza di 
7 centimetri, e ciascuna delle quattro estremita aa’, aß’, BP", Ba” 
era della lunghezza di 3 centimetri, non comprese le parti che pesca- 
vano nel mereurio. Ed il diametro del filo di platino era di mezzo 
millimetro eirea. I fili polari, o reofori erano di rame del diametro 
di un millimetro e mezzo, e della lunghezza di 60 centimetri. Il 
tutto era disposto, come & reppresentato nella Figura Il. della tavola. 

Colla sola pila alla Grove ebbi l’incan descenzaal bianco, 
di tutto il file B'«ßP", e colla sola pila alla Bunsen non aveva che 
l’incandescenza del filo intermediario «ßB al rosso incipiente 
sub oscuro. E colle due correnti dirette in senso opposto, l’incan- 
descenza del filo intermediario «ß per gradi successivi si ridusse al 
calor osceuro, che portö in aleuni minuti secondi un termometro a 
mercurio da 7% a 270 Reol solo contatto del suo bulbo eol filo, e 
’ineandescenzaalbianco delle due estremita «9, BB rimase 
inalterata, per quanto si pote giudicare dalla costanza della sensazione 
avuta. Nelle altre due estremita « «’ Ba” non si pote ravvisare traceia 
di luce, ne variazione di temperatura. 

Sostituendo al filo quattriforcato, o biforcato ai due suoi estremi 
« ß, due fili di platino dello stesso diametro, e delle stesse dimen- 
sioni e mantenuti nelle loro parti intermediarie a contatto per tutta 
la lunghezza di 7 centimetri, colle correnti opposte delle due pile, 
ebbi nelle parti interne o attigue dei due fili intermediarii una incan- 
descenza maggiore, e nelle parti esteriori un’incandescenza minore. 
Nelle quattro estremita non ho potuto osservare differenza aleuna 
dall’essere successive, o simultanee le due correnti opposte. Io non 
deciderö, se la maggiore incandescenza osservata nelle parti attigue 
dei due fili fosse un effetto dovuto unicamente & riflessioni lumi- 


270 Zantedeschi. Ricerche sulla eontemporaneitä del passaggio 


nose, a minore dispersione di calorico, a partieipazione di tempera- 
tura del filo piü incandescente al filo meno incandeseente. E un fatto 
perö ad ogni modo ben dimostrato, che nelle parti interne dei fili 
intermediarii lineandeseenza luminosa erebbe e non diminul, senza 
che si potesse osservare variazione alcuna nelle quattro estremita. 

Ancor qui la costanza degli effetti luminosi, o calorifiei alle 
quattro estremita risponde perfettamente alla costanza degli effetti 
galvanometriei ne’ due eircuiti prima e dopo dell’ incontro delle 
opposte correnti sul filo comune, alla costanza delle declinazioni 
galvanometriche ne’ due eircuiti tanto colle correnti successive che 
colle correnti simultanee opposte. Anche il taglio del filo intermedia- 
rio rispose perfettamente alle variazioni dei fenomeni galvanometrici. 
Allorch& ne’ due eircuiti le declinazioni erano differenti, p. e. 120 e 
52°, all’interrompersi del filo comune, diminuiva la deelinazione di 
52, ed aumentava quella di 12. Parimenti vidi accadere nei feno- 
meni d’incandescenza. Reso tutto il file B"ß«P’ incandescente al 
bianco colla pila alla Grove, e verificato che la sola pila alla Bunsen 
non rendeva incandescente al rosso oscuro che la parte intermediaria 
del filo, mentre le due estremita «aa, B«” rimanevano perfettamente 
oseure, io feci agire simultaneamente in direzione opposta le due 
pile, ed osservato, che la parte intermediaria «ß si era resa oseura, 
che le due estremita ß” 8, «ß’ si mantenevano incandescenti al bianco, 
e le altre due estremita Ba”, aa’ si conservavano perfettamente 
oscure, feci tagliare il filo intermediario Bx e tosto l’ineandescenza 
delle estremita 3'«, "PB diminul, e si rese visibile al medesimo grado 
quella delle altre due estremita B@’, «a. Essa era in tutte e quattro 
le estremita alrosso eiliegia sudante 1). 

In generale si chiami con F, F’ i valori delle forze delle due 
eorrenti nei due cireuiti; con E, E le due forze elettromotriei, con A 
la resistenza del filo intermediario, e con X la resistenza ridotta che 
ineontra la eorrente F, e con X’ la resistenza ridotta che incontra la 
corrente F’, e secondo le note teorie di Volta e di Ohm si avra: 

E 
A+N 
E' 
m 


I 


1) Questi fenomeni d’incadescenza variano, secondo che varia la differenza d’intensitä 
della due pile. 


delle opposte ceorrenti elettriche in un filo metallico. 2 711 


E fatto —F'=9; eXM’=NX siavıa 


u B-=Et 
Dan ET 
E posto E=E, si riduce 
— d — 
Dee RU 
E posto E > E' e chiamando con D la ditlferenza. 
BR D 
ee NY 


e nell’ ipotesi, che attraverso il filo comune passino le due opposte 
correnti, senza perturbarsi, si avrä per ciascun eircuito corrispon- 
dente: 


E 

en FIRE. 

/ E’ 

UERT 
o—=N. 


Ma nell’ ipotesi che 9 sia uguale a zero, perche le due opposte 
correnti rimbalzano, e vengano a costituire le due pile una sola batte- 
ria voltaica, si avra: 


E E' 
Fer pe ee 
u V V 
e pereid quando E=E anche F=F’; sar& quindi 
2E 2E E 
ee 
“ A 2X r 


Si hanno impertanto nell’ ipotesi, che l’ago sottoposto al filo 
congiuntivo sia a 0° 
=. 
che possono accadere due casi, nell’ uno de’ quali le due opposte cor- 
renti uguali passino attraverso il filo comune, senza perturbarsi ed 
allora in ciascun eircuito, l’intensitä reometrica & rappresentata da 


E 
a (2 
Nel secondo easo l'intensitä reometriea & indieata da 
E 
F= —: (2) 


N 


212 Zantedeschi. Ricerche sulla eontemporaneitä del passaggio 


E nel easo della disuguaglianza delle opposte correnti da 


D 
F—-F — ey (3) 
Sarebbe rappresentata l’intensitä dell’ azione reometrica del filo 
comune; 


E ne’ due eireuiti si avrebbe; 


E 
nen, (4) 
E 


In queste formole io mi riferisco alle dimensioni del mio telajo. 

La prima, quarta e quinta formola rappresentano esattamente i 
valori sperimentali. Non cosi pero rappresentano i valori sperimen- 
tali la seconda, e la terza. L’ipotesi impertanto del rimbalzo delle due 
uguali opposte correnti, o del passaggio della differenza fra le due 
opposte correnti, dal filo comune sono dimostrate insussistenti dall’ 
esperienza. Io non ho parlato dell’ ipotesi dell’ estinguimento delle 
due opposte correnti, perche in un modo evidente viene smentita 
dalla sussistenza delle deviazioni galvanometriche ne’ due eireuiti. 

Per vedere la perfetta corrispondenza con quanto ho affermato, 
si confrontino i valori di queste formole coi risultamenti sperimentali 
di sopra ottenuti. Posto 9 = 0, e che le due uguali opposte correnti 
attraversino, senza perturbarsi, il medesimo filo comune la formola al 
numero (1) indica, che le declinazioni galvanometriche ne’ due cir- 
euiti devono essere uguali. Questo risultamento teorico & pienamente 
confermato dalla legge sperimentale esposta al numero secondo con 
queste precise parole: sotto il filo comune non si ha devi- 
azione galvanometrica, allorch& le decelinazioni degli 
aghi ne’ due circuiti sono uguali. 

La formola al numero secondo, che esprime l’ipotesi del rimbalzo 
delle due uguali opposte correnti, annunzia, che le due pile sono 
costituite in batteria, e che non v’ha che una sola corrente I’ inten- 
sita della quale ha un valore maggiore di eiaseuna delle due uguali 
opposte correnti prese separatamente 

Infatti in questo caso del rimbalzo si ha 


E 
en 


Zantedeschi. Ricerche sulla contemporaneita del passaggio delle SET 
opposte eorrentt elettriche in un filo metallieo. 


Su = 
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delle opposte eorrenti elettriche in un filo metallico. 273 


e nel caso del libero passaggio si ha 


F 
F= ———. 
AHN 
D e ercio 
ove were ep 
Pe, 


Ma l’esperienza che ho di sopra riferita dimostra che costituendosi 
le due pile in batteria eol taglio del filo eomune le declinazioni; degli 
aghi ne’ due eircuiti diminuscono, e che pereio F di viene minore di F 

u 100 

E vero che la diminuzione non giunge ad un grado; ma perd & 
costante; e costantemente si ha aumento al ristabilirsi della interrota 
eomunicazione col flo comune. 

La formola al numero terzo, 

D 
er 
stabilisee che nel caso d’ineguaglianza delle due opposte cor- 
renti non si abbia sul filo comune che la differenza. Ma una serie di 
numerosi esperimenti mi ha dimostrato che l’azione galvanometrica 
sul filo comune € sempre maggiore della differenza come & stabilito 
nella legge sesta, nella quale ho seritto: la grandezza dell’ 


St 


azione galvanometrica sotto il filo comune & sempre 


m 


maggiore della differenza delle intensita elettro- 
magnetiche delle due correnti. 

La formola al numero quarto 

E 
er AH 

e cosi pure la quinta F= IV dedotta dalla precedente ricevono 
conferma rispetto all’ intensitä delle azioni galvanometriche, ma non 
rispetto al modo col quale si conserva; avvegnache fu dimostrato insus- 
sistente il valore teorico della terza formola. La legge T', che stabilisce 
costanti i valori di Fed F', & espressa cosi; le azioni galvano- 
metriche di eciascun ceireuito prese separatamente si 
eonservano inalterate anche nel caso del loro simul- 
taneo conecorso. 

L’ esperienza impertanto e la teoria si accordano nello stabilire 
la contemporaneita del passaggio delle opposte correnti sopra un filo 


2aTıA Bo u. 


conduttore comune a due eireuiti chiusi ed isolati, senza che 
patisecano perturbamento veruno. Degli altri argomenti tratterd in 
una terza Memoria. 

Io ho amato in questi esperimenti di avere compagno e di valermi 
della eooperazione del Sig. Dottore Ingegnere Luigi Borlinetto assis- 
tente alla cattedra di fisica in questa I. R. Universitä al quale rendo 
pubbliecamente la mia riconoscenza. 


Vorträge. 


Über die Quellen- und Brunnenwässer zu Vöslauund Gainfahrn. 
Von dem w. M., Dr. A, Boue. 
(Mit I Tafel.) 


Im Gebiete der Vöslauer Gemeinde unterscheidet man die Ebene, 
den Hügel und den Berg. In ersterer wird der Tegel durch eine ziemlich 
mächtige (21/, — 3 Kl.) Ablagerung von Schotter überdeckt, dessen 
Mächtigkeit gegen NW, etwas abnimmt. Der Hügel besteht aber 
gänzlich aus Leitha - Conglomerat, selten mit grossen Austern- 
Fragmenten. Die dicken Schichten neigen sich gegen SO. und ihre 
Mächtigkeit mag wohl ungefähr 20 Klafter betragen. Dieses Gestein 
umsäumt das Gebirge und erhebt sich bis zu einer Höhe von unge- 
fähr 150 bis 170 Fuss über die Ebene, indem es zu gleicher Zeit auf 
dem Abhange des Gebirges eine mehr oder weniger deutliche Art 
von Abhang-Absatz verursacht und im Dorfe Vüslau ein eigenes 
kleines Vorgebirge zusammensetzt, das ein Plateau von 15000 bis 
14000 Quadrat-Klaftern bildet. Die Höhe des letzteren schwankt zwi- 
schen 50,60 und 80 Fuss, jenachdem man den südlichen den sogenannten 
Hügel, oder den nördlichen oder nordwestlichen Theil ins Auge fasst. 
Die Häuser von Ober-Vöslau sind auf dieser Anhöhe vertheilt und 
dazwischen läuft in einer Vertiefung die Strasse nach Gainfahrn. Ehe 
man die Grenze der Gainfahrner Gemeinde betritt, bemerkt man, dass 
das Conglomerat-Plateau sich gegen SW. rasch senkt, was schein- 
bar meistens daher kömmt, dass der südliche und südwestliche Theil 


Über die Quellen- und Brunnenwässer zu Vöslau und Gainfahn. , 275 


jener Schichten längs einer Spalte etwas niedergesunken zu sein 
scheinen. Die jetzige Schiessstätte liegt in dem oberen Theile dieser 
Spalte. 

Das mit Fichten und Eichen bewaldete Gebirge besteht aus 
mittlerem Flötzkalke mit Petrefacten, sowohl am Sandberg als im 
Krautthale. Auch befindet sich darin jene bekannte Dolomitbreceie, 
die oberhalb Gainfahrn als Sand stark ausgebeutet wird. Dieses 
letztere Gestein bemerkt man nur auf der südlichen Seite des Vös- 
lauer Berges, sowohl in der jetzt so gross gewordenen Sandgrube als 
im Walde zwischen dieser und Ober-Vöslau. 

Doch findet man es auch in der Gemeinde Gainfahrn, namentlich 
erstlich auf dem, dem Walde südlich vorliegenden kahlen Plateau, im 
sogenannten Gemeindeberg, den man jetzt wieder mit Kiefern bewal- 
det, dann in den Weinbergen nordwestlich der Gainfahrner Kirche; 
wahrscheinlich unterteuft das Gestein dieselbe, denn man bemerkt 
es wieder in dem geräumigen Keller des Kaufmanns Hegger, der aus 
den Zeiten der Tempelritter herstammen soll und theilweisse nur 
natürliches Gewölbe hat. 

Ist das Flötzgebirge ganz wasserlos, so ist sein Fuss, so wie 
jener des Vorhügels sehr reich an Quellen. Alle letzteren so wie 
die Thermalquelle haben scheinbar ihren Ausfluss an der Grenze der 
Flötz- und tertiären Gebilde. Da nun in dem Orte Gainfahrn die 
Dolomitbreccie zu Tage steht oder nur mit einer geringen Mäch- 
tigkeit von tertiären Kalkbreeeien bedeckt ist, so ereignet es sich, 
dass die Brunnen nur 2 oder 3 Klafter tief sind, indem die reichsten 
Quellen selbst am Tage ausfliessen und die bekannten Kressigteiche 
später den kleinen Thal-Bach bilden, der sich im Friesischen Garten 
zu Vöslau mit demjenigen der Therme vereinigt; drei Mühlen in 
Gainfahrn und Vöslau werden dadurch in Bewegung gesetzt, und 
besonders ist dieses der Fall mit der grossen Quelle des vortrefl- 
lichen kühlen Wassers beim Wirthshause, genannt die Steinplatte. Von 
der andern Seite, dader schwarze Boden des unteren Theiles des Gain- 
fahrner Thales alle Anzeichen eines ehemaligen Sees oder wenigstens 
Morastes an sich trägt, so werden die Wässer durch diese thonige 
Schicht aufgehalten oder verlieren sich wenigstens nicht so leicht in der 
Erde wie auf den Schoiter-Haiden von Unter-Vöslau. Dieses so wie 
die Kressig-Teiche machen den unteren Theil Gainfahrns ungesund 
und verursachen im Frühling und Herbst die gewöhnlichen kalten 


276 Boue. 


Fieber, von denen Vöslau verschont bleibt. Am Fusse des Vöslauer 
Hügels ist namentlich auch Wasser in Überfluss und selbst in östli- 
cher und nordöstlicher Richtung, zwischen der trockenen Haide und 
dem Hügel, findet man einige nasse Wiesen, wo man nicht bauen kann. 
Quellen, wie in Gainfahrn, gibt es aber da nicht. Das Wasser ver- 
liert sich im Schotter und wird scheinbar von dem tieferen Tegel auf- 
gehalten. Doch selbst da müssen Spalten es noch tiefer führen, denn 
sonst würde man sich nicht erklären können, warum man auf dem 
Bahnhofe bis 40 Klafter bohren musste, um Wasser, dann aber im 
Überflusse zu finden. Doch da dieses Wasser sehr schwefelig war, 
wurde der Brunnen verschüttet. 

Diese Vertheilung des Wassers, verbunden mit dem Ablauf des 
Thermal-Wassers, macht, dass in Unter-Vöslau die Brunnen alle 
sehr wenig Tiefe haben und man daselbst keine tiefen Keller gra- 
ben kann. Das Wasser der Brunnen ist trinkbar, obgleich fast aus- 
schliesslich nur Seihwasser des Teiches oder des Baches. Aber im 
südöstlichen Theile von Unter-Vöslau, ganz am Ende der nach dieser 
Gegend sich senkenden tertiären Conglomeratmasse, fliesst aus den 
Felsen unter der Chaussee eine sehr reine Quelle. Dasselbe Wasser 
ist auch in den Brunnen im Wirthshause zum Jägerhorn und in eini- 
gen Häusern daneben. 

Da zu einem angenehmen ländlichen Aufenthalte besonders 
Wald, frische Luft und schöne Aussicht gehören, so wurde nach und 
' nach das tertiäre Plateau mit Häusern übersäet und Ober-Vöslau kam 
in Flor. Doch da stellte sich gleich die Schwierigkeit des Wasser- 
zuflusses ein, eine Schwierigkeit, die wahrscheinlich die Grösse 
Ober-Vöslaus beschränken und ganz gewiss wenigstens seine Aus- 
breitung noch höher im Gebirge unmöglich machen wird. 

Im südlichen Theile des Plateau, im sogenannten Hügel, sind 
Brunnen am leichtesten zu errichten, und ihre Tiefe ist selbst unbe- 
deutend in den Häusern am südlichen Fusse des Hügels, aber ihr 
Wasser ist nur ein Seihwasser des Gainfahrner Baches. Auf jener 
Anhöhe wird es schon schwieriger, da man Conglomeratschichten 
durchbrechen muss, und das Brunnenwasser ist nicht überall gut. Im 
Kettischen Garten gibt es selbst ein mit Hydrothion stark geschwän- 
gertes Brunnenwasser, indessen haben die Brunnen am westlichen 
Ende des sogenannten Hügels bei Herrn Max, Rummel und vorzüglich 
bei Herrn Brenner ein sehr gutes frisches Wasser. 


Über die Quellen- und Brunnenwässer zu Vöslau und Gainfahrn. 277 


Etwas weiter westlich liess ich im Jahre 1842 einen 12 Klafter 
tiefen Brunnen im Conglomerate aussprengen und fand nebst einigen 
Petrefaeten, wie Austern, ein gutes, sehr kaltes Wasser, aber wir 
hatten in einer Tiefe von ungefähr 4 Klaftern eine Masse von grauer 
mergeliger Molasse mit einigen Muscheln, Pinnen u. s. w. und Eisen- 
kies durchfahren, unter welcher einiges Wasser ausfloss (S. Bull. 
Soe. geol. d. Fr. 1842, B. 13, S. 67). Diese letztere Ader ist 
wahrscheinlich die Ursache, dass unser gutes Wasser durch einen 
gewissen Gehalt an Schwefelwasserstoff, vorzüglich zu gewissen 
Zeiten und nach anhaltenden Regen etwas verdorben wird. Einen 
Beweis, dass die erwähnte Molasse nur eine grosse von NW. 
nach SO. sich erstreckende Niere im Conglomerat ist, gaben uns 
die Brunnen unserer nächsten Nachbarn, der Herren Rummel und 
Weiss. Sie sind auf derselben Linie, nicht einmal 20 Klafter von 
uns entfernt, nicht ganz so tief und beide haben gutes Wasser. 

Nach diesen Erfahrungen war es wirklich ein Wagestück von 
uns, als wir im Jahre 1843 einen Brunnen in Ober - Vöslau am 
Saume des Waldes auf der südlichen Seite der oben angezeigten 
Spalte graben liessen. Er wurde über 18 Klafter tief in dem dichten 
tertiären Conglomerate ausgesprengt. Bemerkenswerthes wurde nichts 
gefunden, ausser ziemlich tief im porösen Gesteine kleine Ablagerun- 
gen von unreinem Brauneisenstein und vorzüglich einige ziemlich grosse 
Knochen, wie es scheint von Schildkröten, deren Zellen-Gewebe in das 
sogenannte Eisenerz übergegangen war. Das Wasser war gut, rein und 
ziemlich kühl, doch über die niedrige Temperatur von 71/, bis 8 
unseres andern Brunnens gegen den Fuss des Berges. Es scheint in - 
sehr geringem Masse eisenhältig wie viele Wässer in Vöslau. 

Das Gelingen unseres Unternehmens schien für die Bewohnbar- 
keit des Ober-Vöslauer Conglomerat-Plateaus zu entscheiden. Jetzt 
wurde rings um uns häufig gebaut, Gainfahrn und Vöslau sollten 
bald Eins sein, kein Platz im Gebirge war zu hoch geschätzt, 
um ein Haus errichten zu können. Einige Leute dachten selbst an 
das hohe Plateau des Gemeinde-Berges, von wo aus man Neu- 
stadt sieht. Der erste der neben uns baute, Herr Schenk, grub 
einen Brunnen, bekam aber nur laues Wasser in einer Tiefe von 
ungefähr 20 Klaftern und auf der nördlichen Seite der schon erwähn- 
ten Spalte. Er fand eine grosse mit Stalactiten bekleidete Aushöh- 
‚lung. Dieses verfehlte Ziel hemmte die Baulust jedoch keineswegs 


2718 Boue. 


und man errichtete mehrmals Häuser, ehe man den Brunnen grub; 
aber keiner dieser neuen Brunnen lieferte gutes Wasser, ausser der 
sogenannte Gemeindebrunnen neben dem Schulhause. Dieses letzte 
Wasser war selbst lange Zeit mit Hydrothion geschwängert und istdoch 
endlich durch das viele Schöpfen rein geworden, ohne aber beson- 
ders kalt zu sein. Dieser Theil des Conglomerat-Plateau ist der einzige, 
wo sandige Schichten ihn überdecken. Je näher man die Brunnen am 
Thermal-Teiche anlegt, je sichererist man nur laues Wasser zu bekom- 
men. Je weiter man auf dem Plateau gegen N. seinen Brunnen gräbt, 
je weniger tief wird er sein, weil das Plateau sieh hier senkt, und je 
mehr Wahrscheinlichkeit ist vorhanden, dass man wenigstens ein trink- 
bares, wenn auch nicht sehr kaltes Wasser bekommt. Im Gegentheile, 
je näher man auf dem Plateau gegen S. oder gegen die Spalte gräbt, je 
wahrscheinlicher ist es, dass man schlechtes, ungeniessbares oder im 
besten Falle nur laues Wasser erreicht. Doch auf der Gemeinde- 
Haide, nördlich von Vöslau, braucht man nur durch den Schotter zu 
graben, um Wasser zu finden; esstelltsich da dasselbe Verhältniss wie 
in dem ebenen Theile von Unter-Vöslau zwischen dem Bahnhofe und 
dem Hügel dar. Doch wenn in letzteren Brunnen der Zufluss nur 
vom lauen Teich-Bach herstammt, muss in den andern das Wasser 
von unterirdischen Quellen herkommen, oder wenigstens, wenn man 
es auch vom Teicheableiten wollte, muss es einen viel längeren unter- 
irdischen Lauf haben und darum leichter die ursprüngliche Wärme 
einbüssen. 

Es gibt jetzt in Vöslau ungefähr 53 bis 54 Brunnen und Quellen, 
namentlich in Ober-Vöslau 2 gute Brunnen und 8 mit schlechtem 
oder wenigstens lauem Wasser. Nördlich von diesem Plateau findet 
man 5 Brunnen mit ziemlich gutem Wasser, und auf der Haide 4 oder 
5 Brunnen mit mittelmässigem Wasser. Östlich unter dem Plateau 
sind 6 gute Brunnen und eine Quelle und weiter östlich $S—9 Brunnen 
mit Teichwasser. Südlich unter dem sogenannten Hügel werden 
6 Brunnen durch Gainfahrner Bachwasser gespeist, und auf dem 
Hügel gibt es 7 Brunnen, unter denen der südlichste sehr mit 
Schwefelwasserstoff geschwängert ist, indem die andern schlechtes 
oder nur sehr mittelmässiges Wasser haben. Endlich bestehen jetzt 
südlich vom Plateau fünf Brunnen, unter denen einer schlecht ist, 
und zwischen dem Plateau und dem Hügel fünf mehr oder weniger 
gute Brunnen. | 


Über die Quellen- und Brunnenwässer zu Vöslau und Gainfahrn. 279 


So weit waren wir in unserer unterirdischen Hydrographie, als 
voriges Jahr mein Nachbar, Herr Biber, Dolomitsand-Lieferant, 
einen Brunnen an einem Punkte des Berges graben liess, der 
35 bis 40 Fuss höher als unser oberer Brunnen und fast in der Mitte 
zwischen uns und der Flötzkalkwand liegt. In dieser Arbeit wurde 
nur im tertiären Conglomerat gesprengt, nach 22 Klaftern zeigten 
sich Porositäten im Gesteine oder der sogenannte Wasserstein der 
Brunnenleute und endlich Wasser. Doch da der Zufluss zu gering 
schien, wurde noch weiter bis 24 Klafter gegraben. Aber die letzte 
Klafter geschah gänzlich in einem ganz andern Gestein, nämlich 
in einer Abwechslung von Schichten, eines thonigen schwarzen 
Mergels und eines dichten grauen Kalkmergels oder unreinen Kalk- 
steins. In diesen petrefactenreichen Gesteinen fand ich unter- 
einander folgende Muscheln: 1. eine mittelmässige grosse gefal- 
tete, der Ostrea Marshii nahe stehende Auster; Emmerich nannte 
sie 0. Haidingeriana; 2. viele Brachiopoden, vorzüglich Spirifer 
Münsteri Dav., dann auch Terebratula gregaria Suess. und vor- 
züglich auch 7. Grestenensis Suess., doch die T. cornuta S. von 
Enzersfeld suchte ich vergebens. Endlich kommen darin noch Peecten 
biasinus Nist. und höchst wahrscheinlich eine Discina vor. Leider 
enthalten die schwarzen Letten so viel fein eingesprengten Schwefel- 
kies, dass in wenigen Tagen durch die Verwitterung die Massen 
tausend Sprünge bekommen, sieh mit alaunartigen Efflorescenzen 
bedecken und zerfallen. 

Diese Gesteine haben Ähnlichkeit mit den Steinkohlen führenden 
Lias-Schiehten im St. Helenenthal, doch Pflanzen-Abdrücke sah ich 
nicht darin. Nach ihrer Paläontologie gehören sie unzweifelhaft zu 
den sogenannten Kössener Schichten des Herrn von Hauer, und 
Herr Custos Partsch bewahrt im k. k. Mineralien-Cabinete ganz 
ähnliche Gesteine und Petrefacten vom Tunnel im St. Helenenthal. 
Diese wahrscheinlich zum Lias gehörenden Schichten des Vöslauer 
Untergrundes würden die Verbindung zwischen den ähnlichen Gestei- 
nen in der Nähe von Gumpoldskirchen, Baden, Enzersfeld, Hörnstein 
und Piesting vorstellen. Westlich würde auf diesen Gesteinen der schon 
erwähnte Flötzkalkstein ruhen, der nach den Petrefaeten zu urtheilen, 
wohl zum Staremberg- und Dachstein-Lias-Kalke gehören wird, da 
die Haupt-Muschel darin eine grosse Bivalve ist, die wohl nichts 
anders als Megalodon trigueter Wülf. sein möchte; dasSynonym von 


280 Boue. 


Isocardia grandicornis von Schafhäutl ist sehr charakteristisch für 
diese sogenannten Kuhtritte der Jäger. Diese gehörnte Muschel hat 
meistens ihre Schale verloren, so dass man nur den Kern ihres 
Innern vor sich hat. Ein feiner Kalkspath bildet letztern und sticht 
durch seine hellere Farbe von dem gräulichen oder bräunlichen 
Kalke ab. Viele Encriniten-Stengel so wie Trümmer von Muscheln 
und selbst von Korallen gesellen sich dazu, aber alles ist mit den 
Felsen sehr verwachsen und wird nur durch die Verwitterung recht 
deutlich. | 

Jetzt zu unsern Brunnen zurück. Nach der gemachten Erfahrung 
hat der Eigenthümer die weitere Arbeit eingestellt und hofft, diesen 
Gesteinen zum Trotze doch sein Wasser durch Ummauerung und Kalk- 
schotter rein erhalten zu können. Aus dieser Entdeckung, die der 
eigentliche Anlass zu meinem Vortrag ist, lässt sich auf manche 
interessante Verhältnisse mit Wahrscheinlichkeit schliessen. 

Erstlich überdeckt das Vöslauer tertiäre Conglomerat nur Flötz- 
kalk oder jene Lias-Schichten, die in wenig geneigten Schichten 
östlich von den steil einschiessenden Kalkschichten auftreten würden. 
Die gewöhnlichen Zwischen-Schichten von Tegel bis zum Leitha- 
Conglomerate fehlen hier gänzlich, so wie auch von hier längs dem 
Gebirge bis über Baden. Es ist ein geognostisches Verhältniss wie bei 
Piesting, wo die überstürzten Gosauer Schichten durch fast horizontale 
Leitha-Conglomerate bedeckt werden. Doch merkwürdiger Weise 
findet man diese fehlenden tertiären Schichten sowohl in der Hügel- 
Kette zwischen dem Gainfahrner Thale und demjenigen von Hirtenberg, 
als auch nördlich von Baden bei Gumpoldskirchen u. s.w. (Siehe Taf. 1.) 
Scheinbar müssen da an jenen Ufern des tertiären Meeres Umstände 
vorgewaltet haben, die dem Gebilde des tertiären Sandes, Sandsteines 
und Kalksteines stellenweise günstig oder nicht günstig waren, indem 
im Gegentheil sie sich durch Zuströmung von Landwässer mit 
Geröllen oder Conglomeraten bedeckten. Man möchte fast glauben, 
dass diese Geschiebe sich aus dem Gebirge hinter Baden bewegten 
und auf diese Weise die Anhäufung des Conglomerates im St. Helenen- 
thale längst dem Gebirge und zu Vöslau bedungen. Ein ähnlicher 
doch verschiedener Strom mag die Piestinger tertiären Aggregate 
erzeugt haben. Auf diese Weise wären alle diese nur sehr localen 
Gestein-Anhäufungen auf einem mehr oder weniger ausgedehnten 
Ufer, und nie hätten sie sich in der Ebene weit erstreckt. 


Bone. 


Bahnhof - 


‘ Transversaler Durchschnitt des Vöslauer terträren Plateaus. 


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Kössener-Schuchlin. Lvias 


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Thal F IN} /, j 
Alavium Konglomeralt 


Durchsehmitt des Gainfahrmer Thales. 


Aus d.kik.Hoku Staatsdruckarei 


Sitzungsh uk. Akad dWaath.natum C1.NVILBA2HEN 1855 


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Über die Quellen- und Brunnenwässer zu Vöslau und Gainfahrn, 281 


Auf der andern Seite kann wohl die Abwesenheit des tertiären 
Sandes u.s.w. in der Vöslauer Gemeinde zu der Erhaltung der Con- 
glomerate daselbst, also auch zu derjenigen des kleinen Vöslauer 
Vorgebirges im älteren Alluvial-See beigetragen haben. Wären 
sie vorhanden gewesen, so wäre möglichst durch die Wasser- 
strömungen das Conglomerat unterwaschen und zerstört worden. 
Ausserdem, wenn man wirklich unter den Vöslauer tertiären Conglo- 
meraten einen Rücken von Lias-Schichten annehmen muss, so könn- 
ten wohl die Letten und Schwefelkiese dieser Gesteine die schlechte 
Gattung mancher Vöslauer Wässer bedingen, weil sie sich auf 
dem Wege der vom Gebirge herabfliessenden Wässer befinden 
würden. 

Was aber die Frage der Lias-Steinkohle betrifft, so scheint sie 
nur eine müssige, weil, wäre auch Steinkohle vorhanden, die Ausbeute 
unter einer tauben Decke von 23 Klaftern und selbst unter dem Thal- 
Niveau eine zu grosse Auslage, vorzüglich für eine so unregelmässig 
ausgetheilte Kohle, erfordern würde. DieErscheinung von schwarzen 
Gesteinen westlich von Gainfahrn erhöhet auch scheinbar nicht die 
Möglichkeit des Vorhandenseins der Kohle daselbst. Wenn man 
namentlich von Gainfahrn weiter westlich gegen den Hauerberg 
geht, so wandert man auf dem Fusse der auf dem kahlen südlichen 
Abhange des Gemeindeberges sowohl als ober dem Dorfe neu ent- 
standenen Weinberge. In einem von diesen wurde bei der Anlage ein 
sonderbares Gemisch von erdschlackenähnlichen Massen, Mergelbrec- 
cien und geschwärzte Kalkmassen in einer Tiefe von 11/, Klafter aufge- 
deekt, ohne den Grund zu erreichen. Die Überbleibsel dieser Gesteine 
liegen noch theilweise am Fusse der Weinberge-Mauer. Sie schei- 
nen mir nichts mit den Producten eines Kalkofens, einer Kohlen- 
brennerei, des Brandes eines Hauses oder eines Steinkohlen- 
Flötzes gemein zu haben, sondern viel eher von Eisen und vielleicht 
manganhaltigen wässerigen Niederschlägen herzurühren. Unfern 
dieses Ortes lehnt sich das Conglomerat an den älteren Liaskalk, der 
die Hauptmasse des Hauer-Berges bildet, in dessen südwestlichem 
Theile das tertiäre Gestein wieder eine bedeutende Mächtigkeit 
gewinnt. 


Sitzb. d. mathem.-naturw. Cl. XVII. Bd. II. Hft. 19 


282 Mareus. 


Der Antigraph (Gegen- oder Verkehrtzeichner). 


Von Siegfried Marcus, 


Mechaniker am k. k. physicalischen Institute. 


Das umständliche Verfahren der Lithographen und Kupfer- 
stecher, eine gegebene Zeichnung auf Stein- oder eine Metallplatte 
verkehrt zu copiren, veranlasste mich, ein Instrument zu construiren, 
mittelst welchem man auf einfacherem Wege und mit grösserer 
Sicherheit denselben Zweck erreicht. 

Nach der bisherigen Methode zeichnet man zuerst auf soge- 
nanntem Pauspapier, welches auf das zu copirende Bild gelegt wird, 
dasselbe dureh; auf diese Weise erhält man, wenn anders die Arbeit 
mit Sorgfalt ausgeführt wird, eine dem Originale congruente Copie; 
wendet man nun das Blatt um, so zeigt sich auf der Rückseite der 
Pause das Bild verkehrt; denn die Durchsichtigkeit des Papiers lässt 
alle Linien und Punkte der auf der andern Seite gezeichneten Figur 
hindurchscheinen. 

Dieses verkehrte sogenannte negative oder Spiegelbild isi es, 
welches auf den Stein oder eine Metallplatte übertragen werden 
soll. Hierzu bieten sich zwei Verfahrungsarten dar, entweder man 
fährt mit dem Copirstift eines Pantographen wieder alle Linien 
des Spiegelbildes nach, während der Zeichenstift des Instrumentes 
auf der Platte alle Bewegungen des geführten Stiftes mitmacht; oder 
was gewöhnlich geschieht, man legt die Pause auf die zu gravirende 
Platte, sticht mit einer Nadel auf den von der Zeichnung vorge- 
schriebenen Linien eine Menge Punkte in die darunter befindliche 
Platte und verbindet endlich durch entsprechende Linien alle Punkte 
so wie das Spiegelbild es verlangt. 

Es ist wohl begreiflich, wenn durch das öftere Umzeichnen, 
wie es nicht selten vorkömmt, in das letzte Bild sich Fehler - 
einschleichen. | 

Schon 1820 hat der k. k. General-Major von Aurach in einem 
kleinen Hefte, welches bei Gerold erschien, ein sinnreiches Instru- 
ment angegeben, welches den Mängeln obiger Methode entgegen 
treten sollte; allein die nicht unbedeutenden Vorrichtungen, unter 
Anderem ein eigens dazu construirter Tisch, ferner eine Menge 


Der Antigraph (Gegen- oder Verkehrtzeichner). 283 


Axenbewegungen, Schienen, Schrauben etc. liessen das Instrument 
zu complieirt und kostspielig werden, als dass ein allgemeiner 
Gebrauch die Bemühungen des Erfinders hätte lohnen können. 

Der von mir erdachte Antigraph bietet die Vortheile, bei 
äusserster Einfachheit der Construction und kaum 
nennenswerthem Kostenaufwande, die grösste Präcision im 
Verkehrtzeichnen zu ermöglichen. 

Er besteht in seinen Haupttheilen aus zwei Frietionsrollen, 
welche an ihrer Peripherie rauh sind und so dicht an einander liegen, 
dass bei Drehung einer derselben um ihre Axe auch die zweite diese 
Bewegung, nur jener entgegengesetzt, mitmacht; jede dieser Rollen 
ist mit einem Arm versehen, von denen der eine einen Führungs- 
stift, der andere eine Bleifeder oder sonst ein Schreib-Instrument 
trägt; beide Rollen aber sind mit ihren Axenunterlagen dermassen 
mit dem einen Schenkel eines Cirkels in Verbindung gebracht, dass 
sie ausser ihrer sich entgegengesetzten, auch noch eine gemein- 
schaftliche geradlinige Bewegung haben. 

Diese beiden Bewegungen sind unumgänglich nothwendig und 
bilden das Prineip des Instrumentes. Figur 1 wäre beispielsweise das 
Original; Figur 2 das Spiegelbild des- 
selben. Vergleicht man beide Figuren 
mit einander, so findet man, dass die 


Fig. 1. Fig. 2. 


entsprechenden horizontalen Linien ein- 
ander entgegengesetzt, hingegen die 
perpendieulären einander identisch sind. 
Also: ce, d und e liegen entgegengesetzt 
den Linien ec’, d’ und e; a und 5b aber 
haben dieselbe Lage wie a’ und b‘. 

Beim Gebrauche des Antigraphen fährt man, nachdem unter den 
Zeichenstift die Druckplatte gelegt worden, mit dem Führungsstift 
des Rollenarmes allen Linien des Originals nach; das Spiegelbild 
zeichnet der zweite Stift alsdann zugleich auf die zu gravirende Platte. 


b\v 


e 


19* 


28A .aluWi.ochklein: 


SITZUNG VOM 19. JULI 1855. 


Der Secretär zeigt an, dass der österreichische Reisende, Herr 
Dr. Karl Scherzer, welcher vor Kurzem aus Central - Amerika _ 
zurückgekehrt ist, von dort eine Sammlung von Naturalien mitge- 
bracht und der Akademie zum Geschenke gemacht hat. Er wünscht, 
dass die Mitglieder der Classe sich die in ihre respectiven Fächer 
einschlagenden Gegenstände zur wissenschaftlichen Untersuchung 
auswählen, das Übrige aber an die betreffenden k. k. Sammlungen 
abgegeben werde. 


Das e.M., Herr 'Telegraphen-Director Dr. W. Gintl übergibt 
der Classe ein versiegeltes Packet zur Wahrung seiner Prioritäts- 
und Eigenthumsrechte, welches die Beschreibung des von ihm erfun- 
denen Verfahrens enthält, um von einer Station aus, zwei Depeschen 
verschiedenen Inhalts zu gleicher Zeit auf demselben Leitungsdrathe 
nach einer oder zwei verschiedenen Stationen zu befördern. 


Eingesendete Abhandlungen. 


Analyse der Meteorsteine von Mezö-Madaras in Siebenbürgen. 
Von dem ce. M., Prof. F, Wöhler in Göttingen. 


Aus den Analysen von Fragmenten der Meteorsteine von Mezö- 
Madaras (gefallen den 4. September 1852), die ich gemeinschaftlich 
mit Dr. Atkinson vorgenommen habe, geht hervor, dass diese Steine 
wie auch schon die Beschaffenheit ihres Gefüges hinreichend zeigt 
und wie es bei den meisten Meteorsteinen der Fall ist, aus einem 
Gemenge von mehreren Mineralien bestehen. 


Analyse der Meteorsteine von Mezö-Madaras in Siebenbürgen. 285 


Ein Hauptgemengtheilist gediegenes Eisen miteinem Gehalte 
von 7°4 Procent Niekel und 0'25 Procent Kobalt. Die Menge 
dieses Eisens variirt an einzelnen Stellen der Steine; im Mittel beträgt 
sie 19:60 Procent vom Gewichte des Steins. Es war nicht möglich 
dasselbe vermittelst des Magnetes aus dem gepulverten Stein scharf 
auszuziehen, sondern wir berechneten seine Menge aus dem Volumen 
von Wasserstoffgas, welches von einer abgewogenen Quantität Stein 
mit verdünnter Schwefelsäure entwickelt wurde. Wie alles Meteor- 
eisen, enthält dieses Eisen auch Phosphor, dessen Menge zu 
bestimmen aber, ohne grössere Massen von Stein zu opfern, unmöglich 
war. Es ist nicht passiv, sondern schlägt Kupfer auf sich nieder. 

Ein zweiter Gemengtheilist Einfach-Schwefeleisen, welches 
ebenfalls schon mit blossen Augen hie und da erkennbar ist, und wel- 
chessich ausserdem durch das Schwefelwasserstoffgas verräth, welches 
die Steine bei der Behandlung mit Salzsäure entwickeln. Wir hielten 
es nicht für wesentlich, die Menge diesesSchwefeleisens zu bestimmen, 
da es sichtlich sehr ungleich beigemengt vorkommt. 

Ein dritter Gemengtheil ist Graphit, der schon nach dem Aus- 
kochen des Steins mit Salzsäure in glänzenden Blättehen sichtbar 
wird. Wir fanden seine Menge zu 0:25 Procent. 

Die Hauptmasse der Steine besteht aus zweierlei Silieat-Arten, 
von denen die einen durch Salzsäure zersetzbar sind und- damit 
gelatiniren, die anderen nicht zersetzt werden. 

Wie eine mikroskopische Betrachtung zeigte, scheinen die 
meisten Mineralien, welche in rundliehen Partien in der dunkeln 
Grundmasse sitzen, aus den durch Säure unzersetzbaren Silieaten 
zu bestehen, während die Grundmasse hauptsächlich von den zersetz- 
baren Gemengtheilen ausgemacht wird. 

Abgesehen von der Bestimmung der Wasserstoffgasmenge, 
welche von dem nickelhältigen Eisen entwickelt wird, wurden von 
dem Stein dreierlei Analysen gemacht: Eine Analyse geschah durch 

Aufschliessen des Steins mit kohlensaurem Natron bei Glühhitze, 
_ wobei die Menge der Kieselsäure direet zu 41:62 Procent gefunden 
wurde. Eine zweite geschah durch Flusssäure, wodurch sich die Menge 
der Kieselsäure aus der Differenz indireet zu 43'94 Procent ergab. 
Das auf diese Weise erhaltene Plus von 2:02 Kieselsäure erklärt sich 
theils aus der ungleichen Gemengtheit des Steins, theils aus dem 
unvermeidlichen Verluste bei so vielen Bestandtheilen, welcher sich 


286 Wöhler. 


der aus dem Verlust bestimmten Kieselsäuremenge hinzufügt , theils 
aus dem Schwefel, Phosphor- und Chromoxyd, deren Mengen nicht 
bestimmt werden konnten. Auf diese Weise wurden, nach den gewöhn- 
lichen bekannten Methoden, in 100 Gewichtstheilen Stein folgende 


Bestandtheile gefunden: 
Gediegen Eisen. . . . 18:10 


Nickel 0 0 a a E 1°45 
Kobalt m ra ns 0:05 
Graplült en a: . 0:25 
Macnesia meer 2383 
Risenoxydull .!..... 4-61 
Manganoxydul . . . . 0:28 
Mhonerde ra 2. 0 . 315 
Kalk ra EN 1-80 
Natyonne sn ee. 2:34 
Kal a nee er ee 0.50 
Schwefel 


Phosphor 
Chromoxyd | 
Kieselsäure . .. . .43:64 
10000 

Der Versuch, die zweierlei Silicat-Arten von einander getrennt 
zu erhalten, wurde auf die übliche Weise gemacht, dass der sehr 
fein geriebene Stein längere Zeit mit starker Salzsäure erhitzt, der 
Rückstand vollkommen ausgewaschen, und darauf die von den auf- 
gelösten Silicaten frei gewordene Kieselsäure durch wiederholtes 
Auskochen mit einer Lösung von kohlensaurem Natron ausgezogen 
wurde, 

Der so erhaltene unlösliche Rückstand, also die Menge der durch 
Salzsäure unzersetzten Verbindungen, betrug 30:48 Procent. (Bei 
einem zweiten Versuch, wobei die Masse nicht so lange mit kohlen- 
saurem Natron behandelt worden war, wurden 36 Proc. erhalten.) 

Diese 3048 Gewichtstheile unzersetzter Rückstand gaben bei 


der Analyse mit Flusssäure: 


In 100 Theilen. 

Magnesia . . . #660. .15°29 
Eisenoxydul 4643. .15°25 
Kalk 10.9297, 93-05 
Thonerde 1.9423 035562. ,1485 
Natron 00-585. 1:91 
Kalı Var 1-13 
Graphit © 22202208 0-82 
Chromoxyd 

Kieselsävre . .18502. .60°70 


Analyse der Meteorsteine von Mezö-Madaras in Siebenbürgen. 287 


Nach Abzug des 19-6 Proe. nickelhaltigen Eisens bleiben dem- 
nach für die dureh Salzsäure zersetzbaren Silieate 50:92 Procent vom 


Gewicht des Steins, bestehend aus: 
In 100 Theilen. 


Magnesia . . .19:170. . 37:64 

Rhonerde .0..1225802.2.5208 

Kalkf. aaa s#: 0.870. . 170 

Natron. 3 0.2.1099... .2.2 Os 

Kalt 120% 219, 0:153. . 0-30 

Kieselsäure . . 26°386. . 5184 
50.920 


Aus diesen Resultaten einen sicheren Schluss auf die wahre 
Zusammensetzung der dieser Meteorsteine constituirenden Silicate 
zu ziehen, scheint uns nicht möglich, zumal wenn man bedenkt, dass 
der unlösliche Theil Verbindungen enthalten kann, die durch die 
lange Einwirkung der Säure oder nachher des Alkalis doch partiell 
zersetzt werden. Vergleicht man die Sauerstoffmengen der beiden 
vorwaltenden Basen im unlöslichen Theil, nämlich der Magnesia und 
des Eisenoxyduls, mit der der Kieselsäure, so findet man, dass sie 
sich nahe wie 1:3 verhalten, so dass man vermuthen könnte, die 
Hauptverbindung des unlöslichen Theils sei nach der Formel 

120 10, 
zusammengesetzt, während in dem an Magnesia so reichen löslichen 
Theil als vorwaltender Bestandtheil ein nach der Formel des Olivins 
zusammengesetztes Mineral 3MgO,SiO, anzunehmen wäre. Am wahr- 
scheinlichsten ist es, dass auch in diesen Steinen die Bestandtheile zu 
den Verbindungen unter einander vereinigt sind, wie sie nach seinen 
scharfsinnigen Berechnungen und Betrachtungen von Rammels- 
berg in verschiedenen anderen, ähnlichen Meteoriten angenommen 
werden '). Hiernach würde die Hauptmasse der Steine von Mezö- 
Madaras als ein Gemenge von Olivin, Augit und Labrador zu betrach- 
ten sein, enthaltend ausserdem nickelhaltiges gediegen Eisen, Schwe- 
feleisen, Graphit und eine kleine Menge Chromeisenstein. 


1) Dessen Handwörterbuch der Mineral. 2. Supplement, p. 91. 


288 Zeuschner. Über die Verbreitung des Löss 


Über die Verbreitung des Löss in den Karpathen zwischen 
Krakau und Rima-Szombat. 


Von Prof, Louis Zeusehner in Krakau. 


Der Löss ist in den Karpathen sehr allgemein verbreitet; er 
bedeckt die nördlichen und die südlichen Abhänge, wie auch die 
Mitte dieser 23—30 Meilen breiten Kette. Sowohl die plutonischen 
als die geschichteten und metamorphischen Gebirge bedeckt dieses 
Süsswassersediment. Hie und da trifft man darin Überreste von 
grossen Pachydermen, wie Elephas primigenius, Ihinoceros ticho- 
rinus, Bos primigenius und priscus und Landschnecken an. 

Alle diese vorweltlichen Überreste beweisen, dass der östliche 
Lehm ein gleichzeitiges Sediment mit dem rheinischen Löss ist. 

Fast alle Hügel, die Krakau umgeben, wie auch die Thalsohlen 
der Flüsse mit wenigen Ausnahmen, bedeckt Lehm. Ähnliche allge- 
meine Verbreitung findet sowohl auf den Höhen wie in den Ebenen 
und Thälern am südlichen Abhange bei Bartfeld und Eperies im 
Saroscher Comitate, am Sternad-Flusse, wie auch weiter westlich 
im Rima-Thale und den Umgebungen Statt. 

Es ist bekannt, dass die Karpathen aus verschiedenen Hebungen 
zusammengesetzt sind, die verschiedene Richtungen zeigen: in allen 
sind die Löss-Ablagerungen in bedeutender Entwickelung nachge- 
wiesen. 

Im vorigen Sommer habe ich eine Reise unternommen, haupt- 
sächlich um die Verbreitung des Löss zwischen Krakau und Rima- 
Szombat und Lossonez am südlichen Fusse dieses Gebirges zu ver- 
folgen: ich will die Thatsachen anführen und dann einige allgemeine 
Schlüsse hervorheben. 

Das ganze Weichselthal von Bochnia und Wieliezka gegen 
Spytkowice, Oswiecim, Grojee, Biala und Bielsko überziehen dicke 
Lehmschichten. Das ganze Hügelland nördlich vom Beskidengebirge 
zwischen Spytkowice und Inwald ist sehr stark mit Lehm bedeckt, 
so dass die unterliegenden Gesteine selbst dureh reissende Bäche 
selten aufgedeckt erscheinen; nähert man sich den Bieskiden, so 
zeigen sich nur hie und da Bruchstücke von ausgewaschenen 


in den Karpathen zwischen Krakau und Rima-Szombat. 289 


Neocomien-Sandsteinen. Nördlich von Krakau kann man an den 
Abhängen seine ganze Mächtigkeit klar beobachten, bei Witkowice, 
Garlica Murowana erreicht dieses Sediment 50—100 Fuss Mächtig- 
keit und überlagert entweder Coralrag oder Kreidemergel mit hell- 
grauem Feuerstein. 

In den Bieskiden bedeckt ebenfalls Lehm den Neocomien-Sand- 
stein bis auf die erste Höhe der vorderen Rücken dieses Gebirges: 
unter anderm habe ich mächtige Lehmschiehten in folgenden Ge- 
senden beobachtet, namentlich auf der ersten Erhebung der Bieskiden 
bei Libtertöw, Mogilany, wo mächtige Schichten auf dem Neocomien- 
Sandstein liegen; auf dem hohen, waldigen Rücken Sahetnik ober- 
halb Inwald der ebenfalls aus Neoeomien-Sandstein besteht, sowohl 
auf der nördlichen wie südlichen Abdachung und weiter südlich in den 
tiefen Thälern des Ortes Kaczyna, gegen die hohen Berge Ganczar- 
zowa und Grapa Germatka, wo mächtige Schichten des Lehms den 
Sandstein bedecken. Entlang des Skawa-Thales, welches das Bies- 
kiden-Gebirge in die Quere durchschneidet, zwischen Wadowice 
und Sucha gibt der Löss der ganzen Oberfläche eine gelbe Farbe. 

Andem genannten Skawaflusse zwischen Porzba und Jaszezurowa 
überlagert Lehm die Karpathensandsteine die gegen W. unter 30° 
einfallen; östlich von Jaszezurowa herrscht Lehm auf allen Höhen 
und Thälern sehr vorwaltend vor; ebenfalls bedeckt das junge Sedi- 
ment alle Höhen von Stryszöw, wo der unterliegende Karpathensand- 
stein viele Lager von thonigem Sphärosiderit enthält, die wahr- 
scheinlich der Neocomien-Formation angehören, da die Eisenflötze 
gewöhnlich ältere Formationen charakterisiren und viele Ammoniten 
zu enthalten pflegen, wie in der Gegend von Bielsko, Ustron, am Berge 
Libotyn bei Stramberg in Mähren. 

Der Lehm bildet den Boden des schönen Ortes Sucha und alle 
angrenzenden Höhen wie südlich hinter der Kirche, er erstreckt sich 
gegen Westen nach Krzeszow, Kukow, Sleszowice, Tarnawa und 
weiter im Thale gegen Slemien. Auf allen Höhen, die diese Ort- 
schaften umgeben, ist Lehm sichtbar. Ebenfalls fand ich diese Ab- 
lagerung östlich von Sucha; eine mächtige Lehmschichte ist bei 
Maköw und Osieletz auf dem Sandsteine, so wie auf allen Höhen, die 
das grosse Dorf Sydzina umgeben, nahe am Fusse des Berges Babia 
Göra. Der Karpathensandstein bei Sydzina ist auf eine eigenthüm- 
liche Weise entwickelt; es sind graue, feste Sandsteine, die ganz 


290 Zeuschner. Über die Verbreitung des Löss 


dicht aussehen wie eine homogene Hornsteinmasse, und mit har- 
ten, grauen Mergelschiefern wechsellagern; der diesen Ort durch- 
fliessende reissende Gebirgsbach hat sehr schön die Wechsel- 
lagerung dieser beiden Gesteine aufgedeckt. Man beobachtet hier 
sechsmal die Aufeinanderfolge des Sandsteins und Mergels, von denen 
jedes 40 bis 100 Fuss mächtig ist; alle diese Schichten fallen gegen 
Südwest 10 h. unter 40°. Ob die Sandsteine und Mergel von Sydzina 
rein Neocomien oder eocenen Gebilden angehören, wage ich nicht 
zu entscheiden; in der ganzen Umgebung hat sich auch nicht die 
mindeste Spur eines organischen Überrestes gefunden. 

Von Norden nach Süden habe ich das Arvaer Comitat durch- 
strichen; die ungemein mächtig entwickelte Lehmformation war hier 
mein stäter Begleiter; sie bedeckt sowohl den Karpathensandstein 
wie die Ammonitenkalke und die Nummulitengesteine. Von Podwiek, 
dem am meisten gegen Norden hingerückten Orte der Arvaer Ge- 
spannschaft am südlichen Abhange der Bieskiden zieht sich der Löss 
in einer continuirlichen Sehieht von bedeutender Mächtigkeit über 
Orawka, Jablunka nach Piekelnik, und weiter in Galizien am nörd- 
lichen Abhange des Tatra bis in die Gegend von Czorsztyn; bei 
Rogoznik haben sieh darin Backenzähne von Elephas primigenius 
gefunden; sehr mächtig findet er sich in den Bergen Cisowiee bei 
Biala, Obtazowa skala, am reissenden Dunaja bei Krempach. Von 
Jablunka erstreckt sich der Lehm im Arvaer Comitate weiter gegen 
Süden nach Terstena, wo er die Ammonitenkalke bedeckt und weiter 
südlieh in denselben Verhältnissen bei Podbiel, Dubowa, Lehota, 
Schloss Arva, Kubin erscheint. 

In der Liptau ist der Lehm an vielen Punkten zu beobachten, 
unter anderm bei dem Bade Luczki, wo er den Karpathensandstein, 
der aller Wahrscheinlichkeit nach der Nummulitenformation angehört, 
bedeckt. In dem Thale der Rewuca, welches vom Berge Sturetz sich 
zieht, ist Löss sehr bedeutend entwiekelt und überlagert Kalke und 
Dolomite der Liasformation. Vom Orte Osada im genannten Thale, 
nimmt er besonders an Mächtigkeit zu, bedeckt die Liasdolomite, 
die sich weiter gegen Süden zwischen den Ortschaften Unter- und 
Mittel-Rewuea erstrecken. Bei Ober-Rewuca ist die Lehmschichte 
sehr dünn, aber auffallenderweise auf dem hohen Rücken des Berges 
Sturetz wird dieselbe sehr mächtig, wo sie den Liaskalk überdeckt. 
Am südlichen Abhange des Berges Sturetz bis Altgebirge sind 


in den Karpathen zwischen Krakau und Rima-Szombat. 291 


mächtige Lehmschichten in dem tief eingeschnittenen Thale von 
Herrengrund abgesetzt, vorzüglich aber am Berge Szpanu-Herbee 
herrscht er vor, und von da zieht er sich gegen Süden durch Neu- 
sohl dem Granflusse entlang, erfüllt die ganze Thalsohle und die Ab- 
hänge der Gebirge zwischen Radwany und Altsohl. Die Trachyte 
von Sliaez sind ebenfalls mit dieken Lehmschichten bedeckt, wie auch 
alle angrenzenden Hügel bis gegen Altsohl. Eine Ausnahme macht 
nur die mächtige Kalktuff-Schichte von Sliacz, welche die ausge- 
zeichnete Therme noch gegenwärtig absetzt. Von Neusohl wendete 
ich mich gegen die Quellen der Gran, gegen Pohorella und Telgand 
hin; in diesem Thale ist ebenfalls der Lehm an sehr vielen Punkten 
in bedeutenden Massen abgesetzt und gehoben worden. Von Neusohl 
angefangen gegen Rhonitz bedeckt er den Liaskalk: in der Gegend 
des grossen Kesselthales bei Briesen aber krystallinische Schiefer. 
An der Gran von Neusohl angefangen erscheint der Lehm an folgenden 
Örtern namentlich zu Mejer, Luezatyn, Mosteniz (sehr entwickelt), 
Swaty-Ondrej und Nemecka, Zamoscie, Predajna und Rhonitz. Als- 
dann verfolgte ich diese Süsswasserablagerung in dem Querthale von 
Bystra, welches sich an dem Gebirge Nizne-Tatry endigt und hier 
den Liaskalk, rothe Sandsteine, wie auch die Meiaphyr-Mandelsteine 
bedeckt. Ebenfalls findet sich Löss in dem Steinwasser - Thale, 
welches sich südlich von Rhonitz mitten zwischen Talkschieferge- 
birgen bei den Ortschaften Kram, Balog hinschlängelt. In einem 
zweiten Nebenthale, welches sich von Rhonitz gegen Dreiwasser oder 
Trywody zieht, ist der Lehm bis auf die Höhe des Berges Wepor 
gehoben. Das grosse Kesselthal von Briesen, welches aus Talk- 
schiefern besteht, bedecken mächtige Lehmschichten und das ganze 
Erdreich erhält davon eine gelbe Farbe. Verfolgt man von Briesen 
den Lauf der Gran, so begleitet uns stäts der Lehm; er findet sich 
auf dem Gneiss bei Gasparowce, auf tertiärem Thone mit Braunkohlen- 
lagern zwischen Polomka und Zawadka, auf Talkschiefer bei Helpa; 
bei Pohorella, Rothenstein, Telgard auf Liaskalk. Südlich von 
Zawadka ruht Lehm auf Talkschiefer und Talkgranite (Protogine) 
und dasselbe wiederholt sich auf den Talkschiefern der steilen 
Abhänge des Berges Brzescianki und im Czerniakower Thale, so wie 
auf dem Liaskalk an der Wiese am Berge Klak, am Hause des Wald- 
hüters und auf Granit; im Thale Hronezok auf den Abhängen Cho- 


 dakow und Drazno. 


292 Zeuschner. Über die Verbreitung des Löss 


Von dem öfters genannten Orte Rothenstein wandte ich mich 
gegen Süden; in allen tiefen Spalten-Thälern ist ebenfalls Lehm 
entwickelt und bedeckt den Liaskalk, bei den Ortschaften Hula Mu- 
ränska und Muran. Hier erhebt sich dieses neue Sediment bis an 
die hoch emporsteigenden Kalkwände. 

In dem Thale von der Joleva zwischen Muran und Rötze ist 
wieder Löss ungemein mächtig entwickelt; er bedeckt sowohl die 
Gneisse wie die Granite und erreicht selbst die ziemlich hohen Ab- 
hänge, auf denen er zwar nur eine 2—3 Fuss dicke Schichte bildet; 
unter anderm findet man ihn auf dem Granitabhange gegenüber Rötze, 
an der bekannten Rutilgrube genannt Paulusowa Banya. Viel mächtiger 
zeigt sich der Lehm in dem kleinen Nebenthale genannt Rudua Üzesta, 
welches gegen das berühmte Eisensteinbergwerk Zeleznik bei Syrk 
führt. Hier bedeekt Lehm sowohl die Höhe des genannten Berges Zele- 
znik, wie auch die angrenzenden Höhen von Syrk und Plosköw, dann 
zieht er sich auf das hohe Plateau der Zaychawa und Polom, wo aus 
dem Talkschiefergebirge eine mächtige Masse von Trachit hervorragt. 

Im ganzen Rimathale zwischen Theissholz und Rima Banya 
bedeckt ebenfalls Lehm die Gneisse zwischen Theissholz und Likiez 
und die Talkschiefer von da bis Rima Banya. 

Auch im Thale der Rimawiea einem Querthale des Rimathales, 
liegt eine mächtige Schichte von Lehm über dem Gneisse bei den 
Orten Rimawica und Kokowa. 

Auf dem Granitgebirge Chorepa zwischen Kokowa und Klenowce 
(Klenoc), ruht ebenfalls eine mehr weniger mächtige Lehmschichte. 

Je mehr man sich gegen Süden wendet, desto mächtiger wird 
der Lehm: im Thale von Zlatno, an den schönen Anlagen der Glas- 
hütte, bedeckt derselbe die mächtigen Granithöhen, so wie auch das 
ganze Thal zwischen Zlatno, Czech-Brezo und Poltar, wo die letzten 
Talkschieferhöhen und die daran anstossenden tertiären Sedimente 
sind, die durch ihre feuerfesten Thone in der Umgebung allgemein 
bekannt sind. | 

Auch in der ganzen Zips ist der Lehm sehr mächtig entwickelt; 
von dem südlichen Fusse der Tatra bis an das krystallinische Schiefer- 
gebirge bedeckt eine sehr dieke und continuirliche” Schichte die 
eocenen Karpathen-Sandsteine. Diese Formation nimmt an Mächtig- 
keit gegen Osten, gegen das Sarosser Comitat bedeutend zu. Selbst 
mitten in dem Gebirge der Zipser krystallinischen Schiefer erscheinen 


in den Karpathen zwischen Krakau und Rima-Szombat. 2953 


ausgedehnte Ablagerungen in der Thalsohle und auf dem Abhange 
im Thale des Hnitetz-Flusses: bei Jaklowce (Jeckelsdorf) bedecken 
dieselben die Lias-Kalksteine und Serpentine, bei Gölnitz den Gabbro 
und Talkschiefer, bei Mathildenhütte, Prakendorf, Helemanowee den 
Talkschiefer. Am südlichen Abhange des Zipser Comitats, desselben 
Gebirges gegen Kaschau, tritt ebenfalls Lehm hervor und zieht sich 
ohne Zwischenräume in sehr bedeutender Masse bis an die grosse 
ungrische Ebene. Bei Tarezal und Tokay ist diese junge Ablagerung 
sehr entwickelt und überzieht den Pechsteinporphyr des Tokayer 
Berges fast bis zur höchsten Kuppe. Auf Löss gedeihen hier die 
köstlichen Tokayer Reben, und zugleich in diesem weichen Gestein 
wird dieser vortreffliche Saft in langen stallenartigen, 200— 300 Fuss 
langen Kellern aufbewahrt. Nur die bewaldete Kuppe des Tokayer 
Berges besteht aus plutonischer Felsart, die ebenfalls in der spätesten 
Zeit nach der Lehmbildung emporgestiegen ist. 

Die Lehmformation befindet sich also im Weichselthale zwischen 
Biala, Bielsko, Krakau und Bochnia, wie auch an den südlichen Ab- 
hängen beiBartfeld, Eperies, Kaschau, Tarezal, Tokay, Rima-Szombat 
u. s. w., und in den Karpathen auf allen Höhen des bezeichneten 
Durchschnittes. 

In dem beschriebenen Theile der breiten karpathischen Gebirge 
unterscheidet man deutlich an mehreren Punkten zwei unter sich 
verschiedene Hebungen die mit Löss überdeckt sind; die eine mit 
der Richtung von Ost-West, die zweite mit einer verschiedenen Rich- 
tung, nämlich von NW. 8 oder 9 h. Zu der ersten Hebungsrichtung 
gehören die höchsten Ketten, wie das hohe Tatra-Gebirge, das 
Gebirge Nizne Tatry zwischen der Liptau und dem Sokler Comitate. 
Auch nördlich von der Tatra in den Bieskiden sind einige mehr oder 
weniger hohe Rücken mit derselben Richtung; wie der Berg Lubou 
zwischen den Orten Rabka am Lubien, der lange, flach eingeschnittene 
Kotmi oberhalb Myslenice, und gegenüber von Krakau; der lange 
Rücken südlich von Wieliezka, auf dem die Ortschaften Siereza, 
Sygneszöw liegen, und weiter nördlich der Rücken von Tynire und 
der Rücken des Bielauer Klosters. 

Sehr verschiedene Gebirgsarten setzen die Gebirge zusammen, 
welche die Ost-West-Richtung zeigen, es sind Granit, Gneiss, 
Glimmer und Talkschiefer, rothe problematische Sandsteine, die die 
krystallinischen Felsarten bedecken (vielleicht bunter Sandstein), 


294 Zeuschner. Über die Verbreitung des Löss in den Karpathen ete. 


Lias-Kalkstein, Nummuliten-Dolomite, eocene Karpathensandsteine, 
Neocomien -Karpathensandsteine, myocene Salz- und Gypsablage- 
rungen, Coralrag und Kreidemergel. 

Ausser diesen Felsarten unterliegt es keinem Zweifel, dass auch 
Melaphyr-Mandelstein nach dem Lehmgebilde gehoben wurden; sehr 
deutlich ist dies an dem malerischen Kloster Alwernia bei Poreba 
im Krakauischen zu beobachten. Die ganze Kuppe, auf dem das 
Städtchen Alwernia liegt und der nördliche Abhang des Berges wo 
die Fahrstrasse gegen Regulice führt, wird von einer mächtigen 
Lehmschichte bedeckt; nur am westlichen Abhange dieses kuppen- 
föormigen Berges unterhalb des Klosters, ragen Melaphyr-Mandel- 
steinfelsen heraus. 

Ebenfalls bedeckt gehobener Lehm Melaphyr-Mandelstein des 
nahen durch ein tiefes Thal getrennten Berges Regulicka skata, 
oberhalb dem Orte Brzezinki. Über dem steilen Melaphyrfelsen sieht 
man deutlich eine sich immer mehr verdünnende Masse von Lehm. 

Zwischen Krakau und Biala, Bielsko (Bielitz) erheben sich 
plötzlich aus dem hügeligen Lande sehr mächtige hohe Rücken der 
Bieskiden, die aller Wahrscheinliehkeit nach aus Neoeomien-Sand- 
stein zusammengesetzt sind, meistens bestehen sie aus einem kies- 
ligen Sandsteine oder Conglomerate, und an einigen Punkten wie bei 
Libiertöw, Mogilany, Kossice enthalten dieselben charakteristische 
Überreste dieser Sehieht, wie Ammonites recticostatus d’ Orb., Sub- 
fimbriatus d’Orb., Belemnites bipartitus, dilatatus u. s. W. 

Viele Ammoniten finden sich in den Sphärosiderit-Lagern hinter 
Bielitz. — Dieses Vorgebirge besteht nicht aus einem einzigen, son- 
dern aus mehreren getrennten Rücken, zwischen welchen Querthäler 
liegen und mehr oder weniger mächtige Flüsse hervorbrechen. Diese 
Rücken haben nicht eine gleiche Richtung; näher bei Krakau weichen 
diese wenig von der Ostwest-Richtung ab und zeigen die Richtung 
NW.7 h., zwischen Wadowice und Inwald NW. 8 h.; weiter west- 
lich aber gegen Biala Bielsko NW. 9 h. 

Alle diese langgestreckten Berge sowohl auf den südlichen und 
nördlichen Abhängen, so wie auch auf den Rücken sind mit Lehm 
überdeckt. Nach der Ablagerung des Lehms sind also zwei Gebirge 
mit verschiedenen Richtungen gehoben worden; darf man annehmen 
oder nicht, dass dieses in verschiedenen Zeiten geschah? Welche 
. von den Richtungen die frühere oder spätere war, lässt sich nicht 


Fitzinger. Vortrag über eine neue Katzen-Art (Felis Poliopardus). 295 


ausmitteln. So viel aber ist bestimmt, dass der westliche Theil 
der karpathischen Kette, südlich von Krakau, in der spätesten Zeit 
nach dem letzten Niederschlag vor der Erschaflung des Menschen- 
geschlechtes gehoben wurde. 


Vorträge. 


Vortrag über eine neue Katzen-Art (Pelis Poliopardus). 


Von dem w. M., Dr. L. J. Fitzinger. 
(Mit 1 chromolithographirten Abbildung.) 


Die Mittheilung, welche ich der geehrten Classe zu machen 
habe, betrifft eine neue, noch unbeschriebene grosse Katzen-Art, die 
sich in der an schönen und seltenen Thieren so reichen Menagerie 
des Herrn Kre utzberg in zwei prachtvollen Exemplaren von beiden 
Geschlechtern befindet und durch längere Zeit zu Wien unter dem 
Namen „grauer Jaguar“ öffentlich zur Schau gestellt war. 

Dieses überaus ausgezeichnete, von allen bisher bekannten 
grossen gefleckten Katzen-Arten höchst bedeutend abweichende Thier 
bietet sowohl in seiner Form, wie auch in Farbe und Zeichnung so 
auffallende Unterschiede dar, dass eine Verwechslung desselben 
mit irgend einer andern Art wohl kaum möglich ist. 

Seine Gestalt hat im Allgemeinen allerdings einige Ähnlichkeit 
mit der des Jaguars (Felis Onca, Linn&) und insbesondere sind es 
der dieke Kopf und kräftige Bau, welche es demselben nähern. 
Dagegen ähnelt es in Bezug auf Form und Vertheilung der Flecken 
wieder mehr dem Panther (Felis Pardus, Linne), unterscheidet 
sich von beiden aber, welche die einzigen Arten sind, mit denen es 
verglichen werden kann, durch die kurzen Beine und die niedere 
Stellung, so wie vollends durch die Färbung, welche von jener aller 
seither bekannt gewordenen grossen gefleckten Katzen-Arten voll- 
kommen abweicht. 

Der rundliche, verhältnissmässig grosse, dieke Kopf, dessen 
Scheitel schmäler als beim Panther ist, hat eine breite Stirne, 
welche allmählich in den schwach gewölbten Nasenrücken übergeht, 
weit vorstehende, gleichsam angeschwollene Backen und eine ziem- 
lich kurze, stumpfe, stark aufgetriebene Schnauze, welche dem 


296 Fitzinger. 


Thiere einen eigenthümlichen Ausdruck gibt und einigermassen an 
die Schnauze des Bullenbeissers erinnert. Die nicht besonders 
starken Schnurren stehen in vier Querreihen. Die kurzen, breiten, 
beinahe dreieckigen Ohren sind an der Spitze abgerundet und etwas 
breiter und länger als beim Panther. Die Augen sind von mittlerer 
Grösse, ziemlich lebhaft und mit einer runden Pupille versehen. Der 
Hals ist ziemlich kurz und dick, der Leib gestreckt und sehr stark 
untersetzt. Die Beine sind verhältnissmässig kurz, sehr dick und 
kräftig, die stark zurückziehbaren Krallen wie bei den verwandten 
Arten gross, spitz und scharf. Der nicht sehr dicke Schwanz, 
welcher viel schwächer als beim Jaguar und kaum stärker als beim 
Panther ist, reicht zurückgeschlagen nicht ganz bis zur Schulter 
und wird vom Thiere entweder in gerader Richtung nach abwärts 
hängend getragen, wo dessen stumpfe Spitze nur wenig auf dem 
Boden aufliegt, oder auch etwas nach aufwärts gekehrt und in seinem 
letzten Drittel schwach nach einwärts gerollt. Die Behaarung ist 
dicht, straff anliegend und ziemlich kurz. Nur längs der Mitte des 
Bauches ist das Haar etwas länger und lockerer. Der Schwanz ist 
stärker behaart und erscheint dadurch ziemlich diek. Am Innenrande 
der Ohren befindet sich ein Büschel längerer Haare. 

Die Grundfarbe ist dunkel fahlgrau, beinahe eisengrau, wird 
gegen den Rücken zu immer dunkler, gegen den Bauch hingegen 
heller, so dass die ganze Oberseite des Kopfes und des Rückens 
beinahe schwarz, der Bauch aber fast schmutzig weiss erscheint. 
Die Innenseite der Beine, die untere Hälfte der Unterarme und des 
Mittelfusses, sowie die Pfoten sind schwärzlieh, die Krallen weisslich 
hornfarben. Der Schwanz ist in der ersten Hälfte auf der Oberseite 
schwarz, an den Seiten fahlgrau und auf der Unterseite weisslich, 
wird aber in der zweiten Hälfte immer dunkler und gegen das Ende 
vollkommen schwarz. Alle Theile des Körpers sind mit ziemlich 
dicht stehenden schwarzen Flecken von verschiedener Gestalt und 
Grösse überdeckt, welche selbst an den dunkelsten, beinahe völlig 
schwarzen Stellen noch deutlich zu erkennen und mit Ausnahme 
jener an den Seiten durchgehends volle Flecken sind. So ist der 
ganze Kopf ziemlich dieht mit kleinen, rundlichen, vollen schwarzen 
Flecken besetzt, die nur gegen die Backen zu grösser werden. Ähn- 
liche, doch etwas grössere und minder dicht gestellte, rundliche, 
volle schwarze Flecken befinden sich auf den Schultern und den 


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Vortrag über eine neue Katzen-Art (Felis Poliopardus). 297% 


Beinen. Am grössten und weitesten von einander entfernt, sind die 
vollen schwarzen, mehr oder weniger gerundeten Flecken am Halse, 
auf demRücken, dem Bauche und dem Schwanze, und fehlen nur gegen 
das Ende desselben. Ringartige oder Rosetten-Flecken befinden sich 
nur an den Seiten des Leibes, wo sie jederseits in vier Längsreihen 
vertheilt sind. Diese Rosetten bestehen grösstentheils aus vier, einige 
aber auch aus fünf vollen schwarzen Flecken, die bisweilen vollkom- 
men von einander getrennt, häufig aber auch mit einander verschmol- 
zen sind, während einige wieder so gestellt sind, dass sie nur unvoll- 
ständige Ringe bilden. Das ziemlich grosse Mittelfeld oder der Hof 
dieser Rosetten, welches kleiner als beim Jaguar und grösser als 
beim Panther ist, ist von der Grundfarbe des Leibes und zeigt eben 
so wie beim Panther, dem Nimr, dem Leopard und dem Sunda-Pan- 
ther, keine Spur eines Punktfleckens in der Mitte. Die Schnauze ist 
schwärzlich, die nackte Nasenkuppe schwarz; nur unterhalb der- 
selben befindet sich zu beiden Seiten an der Oberlippe ein ziemlich 
kleiner weisser Flecken. 

Die Schnurren sind schwarz, die Iris ist licht grünliehbraun. Die 
Aussenseite der Ohren ist schwarz, die Innenseite hell fahlgrau, und 
der Haarbüschel, weleher sich im Innenrande derselben befindet, 
weisslich. AnderKehle steht ein fast dreieckiger, mit der Spitze nach 
vorne gegen das Kinn zu gekehrter, breiter schwarzer Flecken, und 
tiefer am Unterhalse befindet sich eine schmale schwarze Querbinde. 

Nach oberflächlicher Schätzung — denn eine Messung an leben- 
den Raubthieren ist wohl nicht möglich — beträgt die Länge des 
Körpers beim Männchen von der Schnauzenspitze bis zur Schwanz- 
wurzel ungefähr 5 Fuss, die Länge des Schwanzes 21/, Fuss, die 
Höhe am Widerrist 2 Fuss. Das Weibehen ist etwas kleiner, indem 
der Körper beiläufig 41/,, der Schwanz 21/, Fuss misst, während 
die Höhe am Widerrist nicht ganz 2 Fuss beträgt. 

Über das Vaterland dieser so höchst merkwürdigen neuen 
Katzen-Art vermag ich leider mit Bestimmtheit durchaus keine Aus- 
kunft zu geben. Herr Kreutzberg, welcher die beiden Exemplare 
durch seinen Commissionär in London am Bord eines Schiffes kaufte, 
das angeblich eben aus Süd-Afrika angekommen war, hält daher auch 
Süd-Afrika für die Heimath dieses Thieres. Jedenfalls scheint es 
afrikanischen Ursprungs zu sein, doch halte ich es für wahrschein- 
licher, dass es aus dem Westen des tropischen Afrika stamme. 


Sitzb. d. mathem.-naturw. Cl. XVII. Bd. II. Hft, 20 


298 Wedı. 


Sowohl aus der gegebenen Beschreibung als der beigefügten 
Abbildung geht klar und deutlich hervor, dass diese neue Katzen-Art 
weder mit dem Jaguar, noch mit dem Panther, dem Nimr, dem Leo- 
pard, oder wohl gar mit dem Sunda-Panther verwechselt werden 
könne und sich als eine eigenthümliche, selbstständige Art heraus- 
stelle. An Melanismus ist hierbei wohl nieht zu denken, da sowohl 
die Gesammtform als die Zeichnung eine Vereinigung mit keiner der 
bekannten grossen gefleckten Katzen-Arten zulässt. 

Der Name, welchen ich für dieselbe in Vorschlag bringe, ist Felis 
Poliopardus oder Grau-Panther, da das auffallendste Merkmal dieser 
Art in der eigenthümlichen eisengrauen Grundfarbe liegt. 


Über das Nervensystem der Nematoden. 
„Von dem c. M., Prof. Dr. €. Wedl. 
(Mit 4 Tafel.) 


Rudolphi leugnete den Eingeweidewürmern ein Nervensystem 
ab mit den Worten: Cerebro et nervis entozois ergo non concessis 
principium nerveum religuae materiae nuplum etimmistum sensorü 
qualiscumque nervorumque functioni preesse supponamus. A. Otto 
trat in seinem Aufsatze: Über das Nervensystem der Eingeweide- 
würmer (Magazin der Gesellschaft naturforsch. Freunde zu Berlin 
7. Jahrg. p. 223) diesem allgemeinen Ausspruche entgegen. Er fand 
in der mittleren Furche auf der Bauchseite des Strongylus gigas 
(Eustrongylus gigas Dies.) einen mit blossen Augen sehr sichtbaren 
knotigen Nervenstrang, der in derselben Furche vom Kopf bis zum 
Scehwanzende herabläuft, etwa die Dicke eines Haares hat und im 
frischen Zustande durch seine blendende Weisse gleich in die Augen 
fällt. Er beginnt, wie er sich wörtlich ausdrückt, dieht an der Mund- 
öffnung nicht über, sondern unter dem Anfange des Ösophagus mit 
einem beträchtlich grossen, länglichen Nervenknoten, der etwa eine 
Linie lang ist, allmählich in die viel feineren Nerven übergeht, im 
Allgemeinen gleichmässig dick, aber in unzählige kleine Knoten 
anschwellend bis zum Schwanzende herabläuft, wo er, wie am Kopf, 
mit einem unter dem Ende des Darmeanals gelegenen, länglichen 
eben so dicken Ganglion aufhört. Die kleinen Anschwellungen in 
diesem Nervenstrange sind so häufig, dass in dem Raume einer 


Über das Nervensystem der Nematoden. 299 


Linie A—5 zu liegen pflegen. Zwischen ihnen ist der Nerv zuweilen 
sehr dünn, doch konnte er ihn immer mit unbewaffnetem Auge ver- 
folgen. Aus jedem dieser Ganglien entspringen sehr feine, jedoch 
deutlich wahrnehmbare Fädchen, die sich zur Seite in dieHaut bege- 
ben. Das Nervensystem vom Spulwurm ist nach A. Otto durch einen 
weissen Strang repräsentirt, der an der Dorsal- und Abdominallinie 
entlang verläuft und feine knotige Anschwellungen zeigt. 

Cloquet (Anatomie des vers intestinaux, 1824,p.24) beschreibt 
gleichfalls Stränge, welehe an der Innenseite der Längsmuskel- 
schichte liegen als Nerven, und bildet dieselben vom Spulwurm ab. 
La disposition, sagt er, de ces cordons longitudinaux, les renfle- 
ments successifs, qu'ils eprouvent, les filaments delies, quils 
donnent de part et d’autre, leur rdunion autour de la bouche, leur 
couleur constamment blanche et leur texture intime peuvent les 
faire considerer comme des nerfs munis de reflements ou de 
ganglions. Auch eitirt Cloquet eine Stelle aus Cuvier’s Regne 
animal, woraus sich ergibt, dass dieser berühmte Anatom seiner 
Ansicht in Bezug des Nervensystems der Nematoden beistimmt. 

C. Th. v. Siebold (Vergl. Anatomie der wirbellosen Thiere 
pag. 126) verficht die Ansicht A. Otto’s in Hinsicht des Nerven- 
systems von Strongylus gigas gegen Nitzsch und andere Hel- 
minthologen. Er sah einen einfachen Längsstrang innerhalb des 
Muskelschlauches auf der Bauchseite des Wurmes herablaufen und 
unterwegs eine zahllose Menge von Seitenästen abgeben, deren 
feinere Structur wesentlich von der der Quermuskelbündel verschieden 
sei. Ganglienanschwellungen, welche, wie oben angegeben wurde, 
Otto beschrieben hat, konnte v. Sieboid eben so wenig hier als 
an den Nervenstämmen der anderen Helminthen unterscheiden. 

E. Blanchard (Annales des sciences natur. 3. serie, tome 
XI, pag. 188) spricht von 2 Längssträngen an der Bauch- und 
Rückenlinie von Strongylus gigas, welche Stränge stellenweise sehr 
merkliche Anschwellungen, die man nur als Ganglienanschwellungen 
betrachten kann, zeigen. Von letzteren entspringen sehr zarte Fäden, 
die sich in den Muskeln, insbesondere den Quermuskelbündeln verthei- 
len. Überdies konnte er, wie er bei den Askariden es gethan, kleine 
medulläre Centralorgane um den Ösophagus gruppirt nachweisen. 

C.M. Diesing (Syst. helminthum Bd. Il, p. 328) hält gleichfalls 
das Gangliensystem bei Strongylus gigas für sehr ausgeprägt. 

20* 


300 Wwedi 


So schätzenswerth die vorliegenden Materialien sind, so erman- 
gelt doch noch stäts der histologische Beweis, dass die zarten 
Knötchen und Fäden, welche bei den Nematoden dem Nervensystem 
angehörig angesehen wurden, wirklich die Structur desselben haben 
oder mit anderen Worten die Existenz der Ganglienzellen und ihre 
Ausstrahlungen liegen noch nicht als erwiesen vor. Auch G. Meissner 
(Beiträge zur Anatomie und Physiologie von Mermis albicans in 
der Zeitschr. für wissensch. Zoologie von Siebold und Kölliker, 
Bd. V, pag. 236) spricht sich in einer ähnlichen Weise aus, 
namentlich über die Arbeiten von E. Blanchard: Da indessen jede 
genauere Untersuchung vermisst werde, so fehle damit auch der 
unumgängliche Nachweis, dass das nur als zarte Linien Abgebildete 
wirklich ein Nervensystem ist. 

Ich habe es daher unternommen, so weit mir bezügliches 
Material, das ich grösstentheils der Güte der Herren Directoren 
V. Kollar und H. Schott und dem Herrn Professor Bruckmüller 
verdanke, zugänglich war, den histologischen Nachweis für die 
Existenz des Nervensystems bei den Nematoden zu führen. 

In einer der hochverehrten math.-naturw. Classe der kaiserlichen 
Akademie der Wissenschaften am 15. Febr. d. J. überreiehten Arbeit, 
betitelt: „Helminthologische Notizen“ habe ich mich schon bestimmt 
ausgesprochen, dass bei einer Ascaris, welche ich in dem Magen 
von Seyllium latulus gefunden und wegen dem an jeder der 3 Lippen 
vorfindlichen Paare von 2 zackigen Zähnen A. biscupis nannte, die 
gleich beim ersten Blicke ohne anderweitige Präparation auffälligen 
quer gelagerten, in bestimmten Abständen von einander entfernten 
Bündel von Fäden dem Nervensysteme angehören, da es mir nämlich 
gelang, die Ganglienzellen mit ihren ausstrahlenden Fortsätzen zur 
Anschauung zu bringen. Ich will hier eine nähere Beschreibung mit 
den dazu gehörigen Abbildungen folgen lassen. 

Es ünden sich bei Ascaris bicuspis, wie gewöhnlich, vier 
Längsfurchen an der äusseren Hautoberfläche vor; eine schwächere 
Rücken- und Bauchfurche (Medianfurchen) und zwei seitliche 
stärkere. An der inneren Oberfläche der beiden letzteren ist eine 
Doppelreihe von organischen Gebilden gelagert (Fig. 1 a, a), welche 
in einer moleculären Grundlage ovale, mit mehreren Körnern in 
ihrem Innern versehene Körper (Kerne?) eingebettet zeigen ( Fig. I 
b, b). Ich konnte nie eine Verbindung derselben mit den Nerven 


Über das Nervensystem der Nematoden. 301 


gewahr werden und halte es daher nicht für wahrscheinlich, dass 
sie dem Nervensysteme angehören. Zu beiden Seiten der seitlichen 
Furchen stösst man schon auf Längsreihen von exquisiten Ganglien- 
zellen (Fig. 1 d), welche sich durch folgende Merkmale charakte- 
risiren. Sie besitzen eine oblonge Gestalt und sind mit ihrem längeren 
Durchmesser stäts parallel der Längenaxe des Thierkörpers gelagert. 
Von den beiden gegenständigen Enden des Längendurchmessers 
der Ganglienzelle entspringen stäts kurze, einfache, sich nie bifur- 
eirende Verbindungsäste zu der vor- und rückwärts gelegenen 
Ganglienzelle. Diejenigen Zellen (Fig. 1 d), welche zunächst der 
breiten Seitenfurche gelagert sind, scheinen mir über letztere keine 
querlaufenden Äste zu schieken; ich konnte wenigstens nie etwas 
Derartiges hier beobachten, während auf der entgegengesetzten 
Seite des Querdurchmessers der Ganglienzellen zunächst der Seiten- 
furchen stäts die von den Zellen ihren Ursprung nehmenden, in 
querer Richtung zur Längenaxe des Thierkörpers ziehenden Nerven 
wahrgenommen werden können. 

Die stäts an der Innenseite der Längsmuskelfaserschichte gele- 
genen Ganglienzellen haben in ihrer mittleren Grösse einen Längen- 
durchmesser von 0:072 Millim.; der einer derartigen Zelle angehörige, 
ovale Kern misst 0'024 Millim. , beträgt somit ein Drittel des Durch- 
messers der Zelle. Die Kerne enthalten ein, zwei oder mehrere 
Kernkörperchen von 0:0024—0:0036 Millim. Die kolossalen ovalen 
Kerne können selbst einen Durchmesser von 0:048 Millim. erlangen, 
wobei auch die Kernkörperchen an Zahl (zu 10— 12) zunehmen; 
die Zellen nehmen sodann ein entsprechend ansehnliches Volumen 
ein, wie in Fig. 2, wo a,a, «a die Verbindungsäste der Ganglien- 
zellenkette, d, db kürzere, kleinere Ausstrahlungspunkte, c, c diekere 
abgehende Nerven vorstellen. 

Die Nerven haben nahe ihrer Ursprungsstelle eine ungefähre 
Dicke von 0:012 Millim., verschmälern sich jedoch bald, so dass sie 
nur mehr !/,; und selbst weniger von ihrer ursprünglichen Dicke 
besitzen. Sie zeigen sehr häufig spindelartige Anschwellungen in 
ihrem Verlaufe (s. Fig. 3 a, c) und bifureiren sich, wobei der eine 
oder andere Zweig eine schief auf- oder absteigende Richtung nimmt 
(s. Fig. 1 f). Man unterscheidet anastomosirende Nerven, welche 
wie g in Fig. 1 eine quere Verbindungsbrücke zwischen zwei nach- 
barlichen Ganglienzellenketten herstellen und in ihrem Verlaufe 


302 Wed. 


höchstens ganz kurze Nervenzweigchen abgeben, und solche Nerven, 
welche nach Art eines Trichters (s. Fig. 1 c, c, c) sich an die Mus- 
ceulatur anheften und zu einem Continuum mit derselben verschmelzen. 
G. Meissner nennt diese peripherische Endigungsweise das termi- 
nale Dreieck, und fand selbes nicht nur bei Mermis albicans, M. 
nigrescens, bei Gordius ete., sondern auch bei einigen Askariden 
A. mystax, triquetra und commutata (Zeitschr. für wiss. Zoologie 
VII, S.27). Ungefähr in dem vorderen Viertheile des Schlundkopfes 
. befindet sich das Schlundkopfganglion, aus dem ein Büschel von 
Nervenfäden, entsprechend der grösseren Anhäufung von Ganglien- 
zellen nach beiden Seiten von der Rücken- und Bauchseite ausstrahlt 
und auf diese Weise den Schlundkopf ringartig umgibt. Die Gang- 
lienzellen sind hier etwas kleiner, eben so wie sie an der Rücken- und 
Bauchfurche von geringerem Volumen sind, als gegen die Seitentheile 
des Thieres hin. 

In jüngeren Exemplaren von Ascaris bicuspis, welche kaum 1/, 
der Dieke von erwachsenen Individuen messen und an denen die 
Zähne der Mundlippen noch nicht entwickelt sind, haben auch die 
Ganglienzellen mit ihren Kernen und die Nervenfäden ein geringeres 
Volumen. An jüngeren, transparenteren Individuen lässt es sich um so 
leichter nachweisen, dass die quergelagerten Nervenbündel, welche 
aus zwei bis vier sich an einander lagernden und ihren Ursprung von 
den Ganglienzellen nehmenden Fäden bestehen, der ganzen Länge 
des Thieres nach, mit Ausnahme des Kopfes, des vordersten Theiles 
der Schlundröhre und der Schwanzspitze, sich vorfinden. Um nur 
einen annähernden Begriff von dem Nervenreichthum von A. bicuspis 
zu geben, will ich im Allgemeinen bei einem 16 Millim. langen, jungen 
Exemplare annehmen, dass der Abstand zwischen 2 Nervenbündeln 
0-1 Millim. betrage, ein Abstand, welcher selbst im Durchschnitte 
eher zu gross ist, um so mehr, da gegen den Schlundkopf und am 
Sehwanztheile die Nervenbündel näher an einander gerückt sind; 
sodann haben wir schon bei der obbenannten Länge des Thieres 
160 Nervenbündel, entsprechend dem einen Viertheile des Muskel- 
eylinders, also 640 Bündel, welche an der inneren Oberfläche des 
letzteren die Organe umgreifen. 

Auch bei Ascaris dispar (Schrank) aus den Blinddärmen 
von Anser cinereus lassen sich die quergelagerten Nerven ohne Ver- 
letzung des Thieres als in bestimmten Interstitien liegende Bündel 


Über das Nervensystem der Nematoden. 303 


leicht unterscheiden, obwohl dieser Nematode zu den kleineren zu 
zählen ist, indem seine Länge nur auf 20 und einige Millim. sich 
erstreckt. 

Die Ganglienzellen des in dem vorderen Abschnitte des Schlund- 
kopfes gelegenen Ganglions sind wohl kleiner als bei Ascaris bieus- 
pis , immerhin jedoch noch verhältnissmässig gross, indem sie einen 
Längendurchmesser von 0'062 Millim. erreichen. Sie besitzen eine 
oblonge Gestalt (s. Fig. 4 a, a), einen feinmoleculären Inhalt, einen 
oder zwei excentrisch gelagerte Kerne (b) von einem Durchmesser 
von 0009 Millim. mit einem vortretenden Kernkörperchen; diese 
Zellen zeigen überdies Längs- und Querfortsätze und sind nach innen 
von der Längsmuskelschichte (Fig. 4 c) gelegen. 

Die Ganglienzellenketten, welehe der ganzen Länge des Thieres 
entlang von der Gruppe der Ganglienzellen am Schlundkopfe bis zum 
After hin verlaufen, bestehen aus quadripolaren Zellen, deren Längs- 
fortsätze die Verbindung mit der vor- und rückwärts gelagerten Zelle 
herstellen (s. Fig. 5 «, a und a’), während die Querfortsätze (d, 5, 
b, b) theils zur Anastomose mit parallel gelegenen Ganglienzellen 
(s. Fig. 5 d) dienen, theils in ihrem Verlaufe ganz kurze, spitz 
zulaufende Äste (ce, c, c) abgeben oder sich bifureirend als sehr zarte 
dreieckige Endtheile (e, e, e,e) dem Auge entschwinden und mit der 
Museulatur verschmolzen sind. 

Den breiteren, seitlichen Furchen des Wurmes entsprechend 
kommen an der Innenseite Reihen von kleinen, runden, meist 
0:0072 Millim. im Durchmesser haltenden Kernen mit distinguirten 
Kernkörperchen in einer feinmoleeulären Masse eingebettet vor, 
welehe organische Elementargebilde,, jenen von Ascaris bicuspis 
(Fig. 1 a,a,d,b5) analog sind, und gleichfalls mit den Nerven in 
keine Verbindung treten. 

Ascaris vesicularis (Frölich) aus den Blinddärmen von 
Phasianus Gallus und Ph. nycethemerus hat bekanntlich nur eine 
Länge von 8&—11 Millim. bei einer Breite von kaum ?/, Millim., und 
dennoch gelingt es nicht schwer, das Nervensystem daselbst nachzu- 
weisen, nur bedarf es hiezu einer geeigneten Präparation. Ich pflege 
den Wurm in sehr verdünnte Chromsäure (mit einer weingelben 
Färbung) zu legen und sodann eine mehrfache, möglichst feine Spal- 
tung nach der Längenaxe des Thieres vorzunehmen. Diese Säure 
gewährt eines Theils den Vortheil einer leichteren Trennung der 


304 Wedl. 


Längsmuskelfasern, da sie eine leichte Corrugirung derselben her- 
vorruft und bewirkt andern Theils ein deutlicheres Hervortreten der 
Nervenfasern durch die gelbliche Färbung. Es versteht sich hierbei 
von selbst, dass die Eingeweide, wie Darm, männliche oder weibliche 
Geschlechtstheile, sorgfältig wegpräparirt werden müssen, wozu man 
eine starke Loupenvergrösserung nöthig hat. Sind die Ganglienzellen 
nicht ganz oder theilweise isolirt, so erscheinen dieselben mit ihrem 
fein granulären Inhalt etwas deutlicher nach Behandlung mit verdünn- 
tem kohlensaurem Natron, indem das untergelagerte Muskelgewebe 
verhältnissmässig stärker erblasst. Man findet das Nervensystem 
nicht blos in dem vorderen Abschnitte des Wurmes, entsprechend 
der Partie ringsum die Schlundröhre, sondern auch in dem hinteren 
vertreten. Die Ganglienzellen sind in Bezug zur Grösse des Thieres 
gross, reihen sich kettenförmig an einander (s. Fig. 6) und zeigen 
einen blasigen Kern. Zu den an der einen Seite ausstrahlenden Ner- 
ven gesellen sich andere von anderen Zellen ihren Ursprung nehmende 
(Fig. 6 a, a) und bilden auf diese Weise kleine Nervenbündel. Es 
bleiben überdies am Schlundkopf bei dessen Trennung runde Kerne 
liegen, die ohne Zweifel den Ganglienzellen angehören. 

Bei Ascaris leptoptera (Rud.) = mystax (Zeder), 
welche in zahlreicher Menge mit den Fäcalmassen eines Löwen 
abgingen, wird sehr leicht an der Innenseite des Muskeleylinders 
ein System: von Fasern dargestellt, welche eine quere Richtung neh- 
men, von an manchen Stellen ganz deutlichen Längszellenreihen 
(Ganglienzellen mit einem ovalen, scharf contourirten Kerne und 
prägnanten Kernkörperchen) ihren Ursprung nehmen, zu zweien oder 
dreien sich bündelartig anreihen und häufig spindelartige Anschwel- 
lungen zeigen. Diese Nervenfasern dehnen sich nicht selten so 
bedeutend aus, dass, wenn es möglich wäre, Kerne in den vielge- 
staltigen, geschwellten Partien zu finden, man dieselben ihrer äusseren 
Form nach als multipolare Ganglienzellen erklären müsste. Dass die 
benannten Faserbündel, von denen zuweilen eine anastomosirende 
Faser zu dem nachbarlichen Bündel tritt, nicht etwa Muskelfasern 
seien, geht auch aus der Reaction mit kohlensaurem Natron hervor. 
Behandelt man nämlich die sorgfältig von der äusseren Bedeckung 
abgelösten und von der Schlundröhre getrennten Muskelpartien mit 
sehr verdünnter Chromsäure und lässt sodann kohlensaures Natron 
einwirken, so erblassen die Muskeln zu transparenten bandartigen 


Über das Nervensystem der Nematoden. 305 


Längsstreifen, während die Nervenfasern ein zartes, wie fettkörniges 
Ansehen behalten und leichter in ihrem Verlaufe verfolgt werden 
können. Die terminalen Dreiecke der Nerven an der Museulatur sind 
verhältnissmässig breit, da auch, wie erwähnt, die Nerven diek sind. 
Letztere trifft man nach der ganzen Länge des Thieres, ebenso wie 
die Ganglienzellen, welche man jedoch nicht mit den kolbenförmigen 
gegen die Centralaxe des Wurmes gerichteten Gebilden verwechseln 
darf: dieselben sollen später bei Ascaris lumbricoides näher beschrie- 
ben werden. Auch die zerstreuten Kalkkörperehen könnten etwa zu 
einer Verwechselung und zwar mit Ganglienzellenkernen bei einer 
oberflächlichen Betrachtung führen. 

Ascaris compar (Schrank) aus dem Darme von Tetrao 
Urogallus besitzt ein sehr deutlich ausgeprägtes Nervensystem; es 
schienen mir vier Hauptreihen von Ganglienzellenin einer Kette entlang 
des Wurmes vorhanden zu sein. Die Endigungen der quer ausstrah- 
lenden Nerven sind wie gewöhnlich von dreieckiger Form und sehr 
voluminös. 

Bei Ascaris lumbricoides (Linne) aus dem Dünndarm 
vom Hausschwein beobachtet man um den vordersten Abschniti der 
Schlundröhre unter der Museulatur der Haut nur wenige ovale Zellen- 
kerne mit einem vorspringenden Kernkörperchen. Die diesen Kernen 
angehörigen mit quer laufenden Fortsätzen versehenen grossen Gang- 
lienzellen sind, wie es scheint, in geringerer Anzahl vorhanden, man 
hat nämlich mehr Schwierigkeiten, welche zu finden; eben so sind 
sich bifureirende Nervenfäden schwerer heraus zu präpariren. Einen 
grossen Theil der Schwierigkeit bereiten der ganzen Länge des 
Thieres nach gelegene, beutelförmige (kugelige, kolbige, cylindri- 
sche), verschieden grosse, mit einem dünnen Stiele aufsitzende, schon 
mittelst des unbewaffneten Auges wahrnehmbare Körper, welche mit 
ihrem freien breiten Ende gegen die Centralaxe des Wurmes gerichtet 
sind, eine scharfe Begrenzung, gegen ihre äussere Oberfläche hin ein 
aus zarten Fäden gesponnenes, grossmaschiges Netzwerk zeigen und 
eine theils hyaline, theils feinmoleeuläre oder feinkörnige Masse 
einschliessen. Ich konnte keine Verbindung mit einem anderen 
Organe, als mit den Muskelfasern nachweisen, zwischen welche sie 
sich mit ihren Stielen gleichsam einschieben, so zwar, dass es mir am 
wahrscheinlichsten ist, dass die benannten Körper Zellgewebstaschen 
vorstellen, die einen grossen Theil der limpiden , eigenthümlich 


306 Wediı 


riechenden, den Leib mancher Askariden so auffällig durchtränken- 
den Flüssigkeit einschliessen. E. Blanchard (l. e. p. 143) bezeich- 
net diese Körper als weisse Bläschen, und meint, dass sie muthmass- 
lich einer Seeretion vorstehen. An feinen Querschnitten wird es klar, 
dass diese von mir als wahrscheinliche Zellgewebstaschen bezeichne- 
ten Körper (da die Textur mehr jener des Zellgewebes nahe kömmt) 
nach innen von dem Muskelschlauch strahlenförmig angeordnet sind, 
und dass netzförmige Fasern (ob Nerven?) zwischen den Taschen 
gegen die äussere Oberfläche des Darmeanals hinziehen. 

Diese organischen Gebilde sind nicht in allen Askariden anzu- 
treffen, ich habe sie am deutlichsten bei Ascaris lumbric. aus dem 
Dünndarme des Schweines, weniger ausgeprägt bei der gleichnamigen 
Ascaris des Menschen gefunden. Bei Ascaris megalocephala des 
Pferdes, A. leptoptera (Rud.) des Löwen, A. depressa von Falco 
ater sind sie gleichfalls stark entwickelt. 

E. Blanchard (l. ce. p. 144) hat das Nervensystem von Asca- 
ris megalocephala (Cloquet) des Pferdes, so weit jenes mit 
unbewaffnetem Auge zu verfolgen ist, sehr genau beobachtet und 
etwas hinter den 3 Wülsten des Kopfes an jeder Seite des Ösophagus 
zwei sehr kleine Ganglien nahe an einander gerückt, beschrieben, 
welche durch Commissuren mit jenen der entgegengesetzten Seite in 
Verbindung treten. In diesen Centralorganen des Nervensystems 
(Gehirn) fand ich kolossale Ganglienzellen, jenen von Ascaris bicus- 
pis an Grösse ähnlich, ihre ovalen Kerne sind jedoch verhältniss- 
mässig kleiner. Man trifft auch kleinere Ganglienzellen mit einem 
oder mehreren Fortsätzen. Gruppen von Ganglienzellen lassen sich 
auch an der Rückenseite des Hinterendes in dem sogenannten Schwanz- 
ganglion sehr leicht nachweisen. 

Die von den entlang dem Körper des Thieres an der inneren 
Oberfläche des museulösen Cylinders gelegenen Ganglienzellenketten 
entspringenden Nervenbündel ziehen, wie gewöhnlich, querüber und 
wurden von den Autoren gewöhnlich als Quermuskel beschrieben. 
Sie werden durch Einwirkung von verdünnter Chromsäure deutlicher. 
E. Blanehard räth zum Studium des Nervensystems, den Wurm 
eröffnet einige Zeit hindurch in Terpentinöl liegen zu lassen; die 
Nerven nehmen seiner Angabe zufolge mehr Consistenz und eine 
weissere undurchsichtigere Farbe an, wodurch man sie mitten in 
dem umgebenden Gewebe unterscheidet. Ich hatte bei meinen jetzigen 


Über das Nervensystem der Nematoden. 307 


Untersuchungen keine Gelegenheit, frische Exemplare von Ascaris 
megaloc. zu erhalten, um das von E. Blanchard angegebene Hilfs- 
mittel zu prüfen. 

Filaria papillosa (Rud.) aus der Bauchhöhle des Pferdes 
zeigt an der inneren Oberfläche der Längsmuskeln ein leicht sicht- 
bares System von Faserzügen, welche in einem rechten Winkel zu 
dem Zuge der Muskelfasern gerichtet sind und von diesen sich durch 
ihre Conformation unterscheiden. Diese Querfasern entspringen von 
mit der Längenaxe des Thieres parallel verlaufenden Strängen (s. 
Fig. 7 a, a), welche wegen ihrer Zartheit mittelst des blossen Auges 
nicht mehr wahrgenommen werden können; in denselben liegen in 
ziemlich regelmässigen Distanzen ovale Kerne mit vorspringenden 
Kernkörperchen, umgeben von einer Gruppe von Molekülen. Die 
Nerven sind an ihrer Ursprungsstelle meist am breitesten, bilden 
nicht selten Anschwellungen (Fig. 7 d, 6), theilen sich in zwei und 
drei Äste, wobei sie beträchtlich an Volumen abnehmen. In ihrem 
Verlaufe beobachtet man oft kurze Seitenzweige. Präparirt man die 
Nerven derartig heraus, dass sie frei heraushängen, so erscheinen 
nach einigen Bifurcationen die gabeligen Endtheile, welche den 
terminalen Dreiecken entsprechen (s. Fig. 8 db, ec). Die Nerven 
haben häufig einen sehr kurzen Verlauf und nicht immer entspre- 
chend ihrer Ursprungsstelle einen ovalen in dem Längsstrang 
gelegenen ovalen Kern; es kommt oft auf 2—3 neben einander 
entspringende Nerven nur ein Kern (s. Fig. 8 a). Die Nerven 
sind um den Ösophagus diehter an einander gelagert und bilden ein 
engeres Netz, als dies an den übrigen Körperabschnitten der 
Fall ist. 

Als eine vortheilhafte Methode fand ich jene, die blossgelegte 
Muskelschichte mit den noch daran haftenden Nerven und Ganglien- 
zellen mit verdünnter Essigsäure an frischen Exemplaren von Fil. pap. 
zu behandeln. Um die Endigungen der Nerven herausziehen zu können, 
ist es sehr zweckmässig, in sehr verdünnter Chromsäure etwas 
erhärtete Längsmuskel nach der Länge sorgfältig zu spalten, wobei 
die Nerven mit ihren Verzweigungen leicht frei heraushängend 
gemacht werden können. 

E. Blanchard (l. e. p. 154) hat bei Fil. pap. einen nervösen 
Schlundring mit zwei seitlichen Ganglien und daraus entspringenden 
Nerven beschrieben und abgebildet (P. 6, Fig. 3 a, 3 6). Die in dem 


308 Wed! 


Centralorgane des Nervensystems befindlichen Ganglienzellen sind 
mittlerer Grösse. 

Ganz auf eine analoge Weise wie bei der vorhergehenden Pilaria 
verhält sich das Nervensystem bei Filaria attenuata (Rud.) aus 
den Lungen und Muskeln von Falco lanarius, nur sind die Nerven 
dünner, dafür jedoch zahlreicher. Fig. 9 stellt einen Abschnitt eines 
solchen Wurmes einige Millim. vor dem Sehwanzende eines Männchens 
dar, nachdem der Darm und der Hode herausgezogen waren. Es 
entsprechen hierbei a, a der äusseren Hülle, 5, 5 und d der Längs- 
muskelfaserschichte, c, e den durch letztere scheinenden Nerven- 
bündeln. Wie gewöhnlich erscheinen an der Ursprungsstelle der 
letzteren kleine ovale Ganglienzellenkerne. Die Textur der Nerven 
erscheint streifig, ihre Verästelung tritt sehr auffällig hervor. Es 
sind die Querfaserzüge bei dieser Filaria, eben so wie bei mehreren 
anderen Nematoden v. Siebold (l. e. p. 118) nicht entgangen, nur 
hielt er sie zum Theil im Einklange mit anderen Helminthotomen für 
Quermuskelbündel. (Vergl. auch hierüber G. Meissner, Z.f. Zool. 
v. Siebold u. Köll. Bd. V, p. 235.) 

Bei Physaloptera clausa (Rud.) aus dem Magen von 
Erinaceus europaeus sind die mehrreihigen Ketten von Ganglien- 
zellen sehr auffällig. Sehr nahe dem Kopfe befindet sich sowohl an 
der Rücken- als Bauchlinie eine kleine Gruppe von Ganglienzellen 
(Gehirn), welche sich mehr der ovalen Form nähern, während die 
im weiteren Verlaufe der Kette liegenden Zellen gestreekter sind. 
Vor der Schwanzspitze eines Weibehens liegt eine Gruppe von 
Ganglienzellen (Afterganglion) und die daselbst entspringenden Ner- 
venbündel sind diehter an einander gereiht. Die Kerne der Ganglien- 
zellen haben meist einen Durchmesser von 0:009 Millim., ein stark 
ausgeprägtes Kernkörperchen, sind rund und dürfen nicht mit den 
in der recht- und linksseitigen Längenfurche eingelagerten, etwas 
gestreckteren Kernen verwechselt werden. 

Die von den Ganglienzellen entspringenden Nerven sind band- 
artig, nahean ihrer Ursprungsstelle 0-012—0:014Millim. breit, ziehen 
querüber und associiren sich mit nebenliegenden Nerven zu dreien 
bis vieren zu einem Bündel vereinigt; zuweilen nimmt der eine oder 
andere Nerv einen schief auf- oder absteigenden Verlauf und ver- 
bindet sich mit dem zunächst vor- oder rückwärts gelegenen Bündel. 
Man stösst auch auf quer über die Innenseite der beiden seit- 


Über das Nervensystem der Nematoden. 309 


liehen Längsfurchen ziehende Nerven. In ihrem weiteren Verlaufe 
schmälern sie sich nicht selten zu, schwellen an und verlieren 
sich in der Muskelsubstanz mit dem schon öfters besprochenen, 
ziemlich grossen terminalen Dreieck. Bifurcationen eines Nerven 
sind bei weitem nicht so prägnant, wie z. B. bei den vorher ange- 
führten Filarien. 

Bei Spiroptera sanguinolenta (Rud.) aus dem Magen 
des Hundes gibt E. Blanchard (I. ec. 160) blos an, dass er das 
Nervensystem ganz ähnlich jenem der Filarien gefunden habe. 

Zieht man die ziemlich dicke äussere Bedeckung von dem 
Vordertheile des Thieres ab, so kommt an der äusseren Seite des 
Ösophagus, höchst wahrscheinlich der Rücken- oder Bauchseite 
entsprechend, eine bräunlichgelbe Molecularmasse zum Vorschein, 
welche blasige Kerne mit einem vorspringenden Kernkörperchen 
eingelagert enthält. Es lassen sich nach gehöriger Zerlegung ovale 
und längliche Zellen mit den entsprechenden zuweilen doppelten 
Kernen und granulärem Zelleninhalt nachweisen. Die Ganglien- 
masse trifft man auch an dem Schwanzende des Weibchens. Die 
Nerven verlaufen wie gewöhnlich quer über die Muskeln an deren 
Innenseite. 

An Spiroptera megastoma (Rud.) aus dem Magen des 
Pferdes lässt sich das Nervensystem an transparenteren Stellen von 
geeigneten Exemplaren ohne Verletzung des Thieres sehr schön 
wahrnehmen. 

In Hedrurisandrophora (Nitzsch) aus dem Magen von 
Triton eristatus ist das Nervensystem durch einen Schlundring ver- 
treten, der an der Rückenseite des Thieres in Form eines quer 
gelagerten Bandes zum Vorschein kömmt und beiderseits in je 3—4 
sich spaltende Äste zerfällt (s. Fig. 10 a und d, 5). In der Seiten- 
lage des Wurmes kann man auch von der Bauchseite gegen die 
Rückenseite hinziehende zarte Fäden wahrnehmen. Dieser Nerven- 
sehlundring befindet sich an dem vorderen Viertheile des museulösen 
Ösophagus. Beim Männchen, das beträchtlich zarter gebaut ist als 
das Weibchen, sieht man den Nervenring gleichfalls. 

Weitere Beobachtungen erscheinen bei diesem Thiere nicht 
blos wegen seiner Kleinheit, sondern auch darum sehr schwierig, 
weil Reihen von glänzenden, zuweilen pigmentirten Molekülen an der 
Rücken- und Bauchseite etwaige Nervenfaserzüge undeutlich machen. 


310 Wedı. 


Es lassen sich jedoch in gleiehmässigen Distanzen gelagerte, ein- 
zeln stehende, aus einer Reihe von Molekülen zusammengesetzte, 
0:0024 Millim. dieke Streifen noch unterscheiden, welche quer 
über den Darmcanal laufen und muthmasslich dem Nervensysteme 
angehören. 

Bei Strongylus nodularis (Rud.) aus dem Duodenum 
von Anser cinereus sind in frischen und noch besser in mit ver- 
dünnter Chromsäure behandelten Exemplaren an transparenteren 
Partien sowohl gegen die Rücken- als Bauchseite Molecularmassen 
mit eingelagerten runden Kernen zu erkennen, welche Massen wahr- 
scheinlich den Ganglienzellenketten entsprechen. An der Rückenseite 
des Schwanztheiles vom Weibchen, wo ersteres anfängt in einen 
Fortsatz auszulaufen, bemerkt man auch eine feingranuläre Masse 
mit einigen Kernen (Schwanzganglion). Obwohl es sehr leicht 
angeht, von Körperabschnitten des Wurmes die Eingeweide aus- 
zudrücken, so dass nur mehr Haut und Muskelschichte übrig bleiben, 
ist es mir dennoch nicht gelungen, ausstrahlende Nerven beobachten 
zu können. 

Sucht man dasjenige, was hier speciell über das Nervensystem 
der Nematoden angegeben wurde, in allgemeine Formeln zu 
bringen, so ergibt sich Folgendes: Das Nervensystem ist bei den 
Nematoden nicht selten in einem hohen Masse entwickelt. Das 
Centralorgan des Nervensystems (Gehirn) liegt ausserhalb des vor- 
dersten Abschnittes des Ösophagus, tritt jedoch nie, so weit die 
jetzigen Untersuchungen reichen, mit einer so deutlichen Abgrenzung 
zu Tage, wie dies z. B. bei Mermis nigrescens (Duj.) aus der 
Ordnung der Gordiaceen der Fall ist. Es besteht jenes aus einem 
Agglomerate von uni-, bi- und multipolaren Ganglienzellen, von denen 
die Nerven nach einer oder verschiedenen Seiten ausstrahlen. In den 
meisten Fällen scheint das Gehirn nur durch ein um den vordersten 
Theil des Ösophagus gelagertes System von Ganglienzellen mit den 
seitlich ausstrahlenden Nerven repräsentirt zu sein. Das Schwanz- 
oder Afterganglion oberhalb des Afters gegen die Rückenseite hin 
ist bei den Weibchen nachzusuchen, konnte jedoch nicht stäts nach- 
gewiesen werden; es besteht aus einer Gruppe von Ganglienzellen, 
mit seitlich ausstrahlenden Bündeln von Nerven. 

Diese beiden Centralorgane des Nervensystems sind durch 
Ganglienzellenketten, welche der Längenaxe des Wurmes entlang 


Über das Nervensystem der Nematoden. 311 


gelagert sind, mit einander verbunden. Sowohl das System von 
Ganglienzellen, welches an der Rückenseite des Thieres (Rücken- 
markstrang), als jeres, das an der Bauchseite (Bauchmarkstrang) 
sich befindet, liegt an der Innenseite des Längsmuskels (Muskel- 
eylinders) und besteht jedes aus mehrfachen Längsreihen von 
Ganglienzellen, die sogar bis an die seitlichen Furchen reichen 
können. Jede oblonge Ganglienzelle der beiden, strenge genommen 
nicht den Namen von Strängen verdienenden Centralorgane besitzt 
einen vorderen und hinteren Längsfortsatz, der sich durch seine 
Kürze auszeichnet und stäts nur dazu dient, die vorderen mit den 
hinteren Zellen und umgekehrt zu verbinden. 

Die sich peripherisch verzweigenden Nerven der beiden Stränge 
entspringen immer von der einen oder anderen (rechten oder linken) 
Seite der Ganglienzellen oder von beiden Seiten und nehmen einen 
zur Körperaxe queren Verlauf; zuweilen beobachtet man einen queren 
oder schief auf- oder absteigenden Verbindungsast zu einer nachbar- 
lichen, höher oder tiefer gelegenen Ganglienzelle. Die Nerven, welche 
von Ganglienzellen von ungefähr derselben Horizontalebene ent- 
springen, associiren sich (2—4 zu einem Bündel). 

Die Nerven sind bei verschiedenen Gattungen und Arten von 
verschiedener Dicke, und es steht letztere mit der Ausdehnung des 
(uerschnittes der Nematoden in keinem direeten Verhältnisse. Es 
zeigen die Nerven häufig in ihrem Verlaufe spindelartige Schwellun- 
gen, zerfallen bald sich bifureirend in Äste und Zweige oder geben 
eine längere Strecke weit keine oder nur ganz kurze Seitenzweige 
ab. Die Nerven enden peripherisch in Form eines Dreiecks und 
verschmelzen mit der Muskelsubstanz. 

In manchen kleinen Nematoden ist das Nervensystem nur mehr 
andeutungsweise zu ermitteln. 


Erklärung der Tafel. 


Fig. 1. Ganglienzellenketten von Ascaris bicuspis (Mihi) aus dem Magen 
von Lophius piscatorius; a, a der seitlichen, pigmentirten Längenfurche ent- 
sprechend; 5b, b ovale, eingelagerte Kerne; c, e, e terminale Dreieeke der 
Nerven; d, d, e Ganglienzellenketten; f schief verlaufender, g quer ver- 
laufender verbindender Nervenzweig; h Längsmuskelschichte. 

Fig. 2. Grosse Ganglienzellen von Ascaris bicuspis (Mihi) mit grossen 
ovalen Kernen und mehreren Kernkörperchen; a, «a, « parallel mit der Längen- 


312 Wedl. Über das Nervensystem der Nematoden. 


axe des Wurmes verlaufende Verbindungsfortsätze; 5, b kurze Querfortsätze; 
€, €, €, € Ursprünge der quer verlaufenden Nerven. 

Fig. 3. Nerven von Ascaris bieuspis (Mihi); a spindelförmig geschwellte 
Nervenfaser; 5b eine Stelle, wo sich zwei Nervenfasern an einander lagern; 
ce sich zuschmälernde und wieder dieker werdende Nervenfaser. 

Fig. 4. Ganglienzellen aus dem Schlundkopfganglion von Ascaris dispar 
(Sehrank) aus den Blinddärmen von Anser einereus; a, a Ganglienzellen 
mit 3 Fortsätzen; db doppelter Kern in einer Ganglienzelle; e Längsmuskel- 
faserschichte, auf welcher die Ganglienzellen nach Wegnahme des Schlundkopfes 
hängen geblieben sind. 

Fig. 5. Ganglienzellen von Ascaris dispar; a, a, «' Längsfortsätze der 
Ganglienzellen zu ihrer kettenartigen Verbindung; db, b, b, b Querfortsätze als 
Ursprünge der Nerven; ce, c,c kurze Seitenäste der Nerven; d oblonge 
Ganglienzelle, welche mit dem querlaufenden Nerven in Verbindung steht; 
e, e, e, e peripherisches Ende der Nerven. 

Fig. 6. Drei Ganglienzellen von Ascaris vesicularis (Frölich) aus den 
Blinddärmen von Phasianus nyethemerus; a, a Nerven, welche von nachbar- 
lichen Ganglienzellen ihren Ursprung nehmend, sich an die gezeichneten lagern. 

Fig. 7. Nerven mit ihren Ursprüngen von Filaria papillosa (Rud.) aus 
der Bauchhöhle des Pferdes; a, a verschmolzene Ganglienzellenkette mit 
eingelagerten Kernen; db, b querlaufende dieke Nerven; e, e Längsmuskel- 
faserschichte. 

Fig. 8. Peripherisch verlaufende Nerven von Filaria papillosa (Rud.); 
a Ganglienzellenkern; db dünnere; e dickere Nerven mit sehr kurzem Verlaufe, 
sieh mehrfach spaltend mit gabeligen Endtheilen, welche aus ihrer Verbindung 
mit den Muskeln gerissen sind. 

Fig. 9. Körperabschnitt von Filaria attenuata (Rud.) aus den Lungen 
und Muskeln von Falco lanarius, nachdem die Geschlechtswerkzeuge und der 
Darm herausgezogen waren; a, a der Dicke der quer geringelten äusseren Haut 
entsprechend; 5, 5 Längsmuskelfaserschichte in ihrer Dieke; c, e Ursprungs- 
stellen der quer verlaufenden Bündel von Nerven, die sich oftmals bifureirend 
und ein Geflecht bildend unter der Längsmuskelfaserschichte (d) ausbreiten. 

Fig. 10. Kopfende von Hedruris androphora (Nitzsch) aus dem Magen 
von Triton cristatus; a, a bandartiger Streifen am Rücken; b, b sich 
theilende Nerven. 

Anmerkung. Sämmtliche Figuren mit Ausnahme von Fig. 1 und Fig. 9, 
welche bei mittelstarker Vergrösserung gezeichnet sind, sind bei starker 
Vergrösserung abgebildet. 


PS 


Nervensystem ler Nematoden,. 


Ans dk. k. Hof.u. Staatsäruckersi, 


Kner. Über ein neues Genus aus der Familie der Welse, Siluroidei. 313 


Über ein neues Genus aus der Familie der Welse, Siluroidei. 


Von dem e. M., Prof, Dr. R. Kner. 
(Mit II Tafeln.) 


Unter den vom kais. Consul, Herrn Dr. Heuglin aus Chartum 
mitgebrachten, naturhistorischen Schätzen ist die Classe der Fische 
zwar nicht zahlreich, aber in äusserst interessanter Weise vertreten. 
Die gütige Mittheilung derselben durch meinen hochgeehrten Freund, 
des wirkl. Mitgliedes Prof. Dr. Hyrtl setzt mich in den Stand, der 
kais. Akademie heute vorerst die Beschreibung und Abbildung einer 
besonders ausgezeichneten Art vorzulegen. Sie gehört der grossen 
Familie der Welse Stiluroider an, ist aber ohne Zweifel als Reprä- 
sentant einer neuen Gattung anzusehen, die sich namentlich durch 
folgende zwei Merkmale charakterisirt: der behelmte Kopf von 
der Stirn gegen den endständigen Mund steil abfallend, 
die zweite Rückenflosse mit einem Stachel- und zahl- 
reichen Gliederstrahlen versehen (caput cataphractum a 
fronte ad os terminale valde declivum; pinna dorsalis 2° radio 
osseo et numerosis articulatis suffulta ; eirrhis 8, corpus nudum). 
Ich schlage für selbe als Gattungsname Clarotes oder Gonocephalus 
und zur Artbezeichnung den Namen des verdienstvollen Entdeckers 
Cl. Heuglini vor. beide Namen erschienen insoferne passend, als sie 
die eigenthümliche Kopfbildung andeuten '). Ersterer weist zugleich 
auf die Familienverwandtschaft mit der ebenfalls dem Nilgebiete an- 
gehörigen Gattung Clarias hin, letzterer dagegen auf jene mit der 
südamerikanischen Gattung Phractocephalus, die gleichfalls Andeu- 
tungen von Strahlen am oberen Rande der Fettflosse besitzt ?) und 
als deren Stellvertreter in Afrika unser Fisch erscheint. 

Die Totallänge beträgt 221/, Wiener Zoll, die grösste Höhe am 
Kopfbuge nahezu 7”, die grösste Breite vor den Brustflossen fast 6”, 
die Breite der Mundspalte 4 14, die kleinste Höhe am Schwanze hinter 
der zweiten Dorsale 2". Der Abstand des Schnauzenrandes vom Stütz- 


1) Klaroten hiessen altgriechische Selaven, d. h. Leute mit gebeugtem Nacken. 
2) „Filets osseux, qui semblent des vestiges de rayons“, siehe Hist. nat. des poiss. 
XV. p.15 et segq. 


Sitzb. d. mathem.-naturw. Cl. XVII, Bd. IT. Hft. 21 


314 Konsea: 


gelenke der ersten Dorsale kommt in gerader Linie gerechnet, jenem 
vom Beginne der ersten bis zum Ende der zweiten Dorsale gleich, misst 
man aber über die Curve des Kopfbuges weg, so beträgt der Abstand des 
Schnauzenrandes von der ersten Dorsale genau die halbe Körperlänge. 
Denkt man sich die Mundwinkel durch eine gerade Querlinie verbunden, 
so verläuft diese dann gerade vor den Barteln der hinteren Narinen. 
Der Unterkiefer ist etwas länger als der obere, beide sind mit breiten 
Binden spitzer, schwach gekrümmter Bürstenzähne besetzt. Die Eck- 
barteln, die sich von den in einen dieken Bartelknochen umgewandelten 
Öberkiefern festsetzen, reichen zurückgelegt bis über die Basis der 
Brustflossen, fast bis zur halben Länge derselben. Von den vier Unter- 
kieferbarteln reicht das äussere, längere und dickere Paar bis unter das 
Auge, das innere und vordere bis über die halbe Länge des äusseren 
zurück. Die in einer Querlinie mit den Eekbarteln liegenden vorderen 
Narinen bilden ein kurzes Röhrchen, vor den hinteren und einander 
näher stehenden erhebt sieh ein dünnes Bartel, welches mit dem 
inneren Paare des Unterkiefers nahezu gleichlang ist. — Die seitlich 
und nur wenig schief gestellten Augen sind gross, ihr Durchmesser 
fast 1/; der Kopflänge (diese bis zum oberen Winkel der Kiemen- 
spalte gerechnet); sie stehen 3 Diameter vom Mundrande, 2 von der 
hinteren Narine und #'/, von einander ab. Genau über dem hinteren 
Augenrande macht der Kopf die merkwürdige Beuge, durch welche 
das Profil Ähnlichkeit mit jenem von Trygloiden erhält, indem das 
von der ersten Rückenflosse anfangende geradlinige Profil des Vorder- 
rückens und Hinterhauptes nunmehr unter einem stumpfen Winkel 
rasch gegen den Schnauzenrand abfällt. — Hinterhaupt und Stirn- 
gegend bis vor die Augen sind mit einem Helme rauhkörniger Knochen- 
schilder besetzt, zwischen denen eine lange Stirnfontanelle frei bleibt; 
Schnauze, Wangen und Seiten des Kopfes sind nackt und auch die 
Deckelstücke überhäutet, blos am Opereulum treten rauhe, ausstrah- 
lende Leisten vor. Der mediane Oceipilalfortsatz des Helmes ist 
durch eine dünne Hautbrücke von dem ebenfalls rauhkörnigen Schilde 
getrennt, das als zungen- oder spiessförmiges, schmales, dreieckiges 
Stück beiderseits bis unter den Beginn der Dorsale reicht. Das seit- 
liche hintere Ende des Helmes bildet ein ebenso rauhkörniges, einem 
Suprascapular-Schilde entsprechendes Knochenstück über der Kiemen- 
spalte. Ausserdem bildet die rauhkörnige Scapula nach auf- und 
rückwärts ein gegen das Suprascapulare sich erhebendes knöchernes 


Über ein neues Genus aus der Familie der Welse, Siluroidei. 315 


Schild. Im Übrigen ist die Haut völlig nackt; der Seitencanal läuft 
namentlich am Schwanze in kurze, jedoch nur nach abwärts gerichtete 
Seitenröhrchen aus, dagegen zeigt die Haut hinter dem Helme und an 
den nackten Stellen des Kopfes zahlreiche Canalverzweigungen, die 
sogenannten Venen Valeneciennes. 
1,:D.11% 2 Bed2 Ad, Iy..21 
(nebst mehreren Pseudostrahlen beiderseits). 

Die zweite Dors. enthält einen fast geraden Stachel und einige 
zwanzig (24— 25) gegliederte Strahlen, die jedoch auf einer fett- 
flossenähnlichen Basis aufsitzen, ähnlich wie bei Phractocephalus, 
aber ungleich stärker entwickelt sind. Der starke, abgeplattete 
Stachelstrahl der P. ist am inneren Rande grob gesägt, am äusseren 
blos rauh, jener der ersten Dorsale sitzt auf einem langen, dicken 
Basaltstück auf, mit dem er durch ein Gelenk verbunden ist. 

Erwähnung verdienen noch die den meisten Siluroiden eigene 
tiefe Kehlfalte und die Weite der Kiemenspalte, die bis zum Isthmus 
offen ist und um so auffallender erscheint, als dieser Fisch, wie so- 
gleich erwähnt werden wird, bestimmt und befähigt ist, lange Zeit 
ausser Wasser sein Leben zu fristen. Als Zahl der Kiemenstrahlen, 
so weit ich sie ohne Verletzung des Exemplares ermitteln konnte, 
kann ich 9 angeben. Einen Porus lateralis vermochte ich nicht auf- 
zufinden und ich erwähne dies namentlich aus dem Grunde, da 
Phractocephalus einen solchen besitzt, wie schon Bloch und 
Agassiz bemerkten und welchen Valeneiennes (l. ce. XV, p. 5) 
„un petit orifice muqueux au-dessus de la base pectorale“ nennt. 
Die Untersuchung des inneren Baues hat sich Prof. Hyrtl, der sich 
im Besitze dieses Unicum befindet, selbst vorbehalten, daher ieh mich 
jeder vorläufigen Angabe hierüber enthalte. 

Die Färbung erscheint in der Rückenseite dunkelbraun, von den 
Seiten gegen den Bauch in helles Bleigrau übergehend, jede Spur 
einer Zeichnung durch Flecken, Punkte oder Streifen fehlt gänzlich. 

Die Art der Auffindung dieses Fisches ist nach Herrn Consuls 
Heuglin mündlicher Mittheilung nicht weniger interessant als er 
selbst. Er wurde nämlich im Februar 1854 bei Girf in der Nähe von 
Chartum, einige 1000 Schritte vom Flusse entfernt, bei Gelegenheit 
des Grabens eines Brunnens im Sande eingewühlt gefunden und dem 
Herrn Consul lebend überbracht, bei welchem er erst nach 3 Tagen 
die er noch im Trockenen liegend und zum Theile der Sonne ausge- 

21% 


316 Kner. Über ein neues Genus aus der Familie der Welse, Siluroidei. 


setzt, zugebracht hatte, verendete. Die Vermuthung, dass diese Fische 
nach Überschwemmungen zurückbleibend, sich allmählich tiefer in 
Sand eingraben und während der trockenen Jahreszeit eine Art 
Sommerschlaf halten, wird durch die angeführte Thatsache beinahe 
zur Gewissheit erhoben. Schliesslich glaube ich in dieser Beziehung 
noch folgende Angaben des Herrn Consuls wörtlich mittheilen zu 
dürfen. „Ähnliche Fische sollen häufig um Chartum bei Nachgra- 
bungen vorkommen. Ob aber dieser Clarotes identisch sei mit den 
Fischen, die auf der Halbinsel Sennaär längs des Sobat-Flusses im 
Sande der Steppe leben, dort weit vom Wasser entfernt, in der 
trockenen Jahreszeit nicht tief unter der Erde schlangenartig zu- 
sammengerollt und in einer Grube liegend gefunden wurden, über der 
sich der Fisch eine maulwurfshügelähnliche Anhäufung bildet, kann 
ich dermalen noch nicht angeben. Die umwohnenden Dinka - Neger 
sammeln dort die Thiere zur Nahrung. — In den sogenannten Fulen- 
Teichen (5). die nieht mit demNil eummunieiren und blos während 
der Regenzeit Nahrung erhalten, von Februar bis Juni aber gänz- 
lich trockene Oberfläche haben, — in Kordofän ebenfalls finden sich 
sehr häufig grosseFische, unter denen Heterobranchus- und Bagrus- 
Arten, die ich aber bis jetzt noch nicht acquiriren konnte.“ 


Taf.1. 


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Türck, Beobachtungen über Verminderung der Pulsfrequenz ete. SEZ 


Beobachtungen über Verminderung der Pulsfrequenz bei neu- 
ralgischen Anfällen und über den Rhythmus solcher Anfälle. 


Von Med. Dr. Ludwig Türck. 


Hinsichtlich des Verhältnisses zwischen Neuralgie und Pulsfre- 
quenz findet sich in der medieinischen Literatur nur ganz im Allge- 
meinen die auf Gesichtsneuralgie bezügliche Angabe vor, dass bei 
derselben der Puls nicht beschleunigt, ja dass er manchmal selbst 
langsamer wird. Valleix, welcher bei Gesichts- und anderen Neu- 
ralgien hierüber Untersuchungen anstellte, konnte durchaus keine 
Beziehung zwischen Neuralgie und Puls insbesondere nie eine Ver- 
langsamung des letztern auffinden, und er schliesst mit dem Aus- 
spruch, dass die Pulsfrequenz von der Neuralgie ganz unabhängig sei. 
(Siehe dessen Traite des neuralgies. Paris 1841, pag. 112, 383, 
542, 677.) 

. Zwei auf meiner Abtheilung des k. k. allgemeinen Krankenhau- 
ses vorgekommene Fälle von Gesichtsschmerz gaben mir Gelegen- 
heit zu genauern, zahlreichen Untersuchungen, in welchen sich eine 
Verlangsamung des Pulses im Gefolge der Selmerzenfalle auf das 
Evidenteste zu erkennen gab. 

Der erste Fall, den ich in der Sitzung der k. k. Gesellschaft der 
Ärzte vom 25. November 1853 vorführte, betraf: eine 28jährige bei 
ihrer Aufnahme am 27. Oetober 1853 im”. Monate schwangere Magd 
Anna S. | 

Seit der vor drei Jahren vorgenommenen Entfernung des cariösen 
vorletzten rechten Backenzahnes am Unterkiefer hatte sie öfter Schmer- 
zen sowohl in der Gegend des entfernten Zahnes als auch in der 
rechten Hälfte der unteren Zahnreihe. Erst seit einem Jahre traten 
‚sie im rechten Oberkiefer und in der rechten Stirngegend auf. Der 
Schmerzanfall begann stäts mit einem Stich im Zahnfleisch oder Zahn- 
fächerfortsatz des Augenzahnes oder zwischen ihm und dem ersten 
Backenzahn und verbreitete sich von hier über die ganze rechte 
Hälfte des Gesichts, in die rechte Hälfte beider Zahnreihen, mitunter 
in dierechte Zungenhälfte und die Wandungen der rechten Nasenhöhle. 

Erst seit Frühling oder Sommer 1853 trat mit dem Schmerz 
immer auch eine Empfindung von Schwere auf der Brust und von 


31 8 Türck. Beobachtungen über Verminderung der Pulsfrequenz 


mangelndem Athem ein. Sie suchte sich die Schmerzen durch An- 
stemmen der Zunge an die beiden Zahnreihen zu erleichtern, wodurch 
bereits die noch übrigen Schneide-, Eck- und Backenzähne bedeutend 
gelockert worden waren, dabei drückte sie fest auf die schmerzhafte 
Gesichtshälfte, schloss den Muud, comprimirte meistens das rechte 
Nasenloch und stöhnte. | 

In den Anfällen, welche meist von grosser Heftigkeit und von nur 
kurzer Dauer waren, dabei jedoch sich in kurzen Zwischenräumen 
wiederholten, beobachtete ich eine eonstant verminderte Pulsfrequenz, 
und ein schwächer Werden des Puls- und Herzschlages. 

Am Placentargeräusch war die gleiche Verlangsamung, am 
Foetalpuls keine Veränderung bemerkbar. 

Am 10. December wurde sie von einem reifen Kinde snthihdetl 
Seitdem verschwand die früher bei den Schmerzanfällen eingetretene 
Empfindung von Druck auf der Brust und von Athemnoth, während die 
Verlangsamung des Pulses in gleicher Weise fortbestand. 

Am 14. December wurden zum ersten Mal Schmerzanfälle ohne 
Verlangsamung neben solchen mit Verlangsamung des Pulses beob- 
achtet. Der hauptsächlichste Sitz des Schmerzes war seit einigen 
Tagen die rechte Supraorbitalgegend geworden. Am 16. December 
wurde noch Verlangsamung, am 21. December zum ersten Mal eine 
Steigerung der Pulsfrequenz während der Schmerz- 
anfälle beobachtet. In den darauffolgenden Tagen bis zu dem am 
3. Jänner erfolgten Austritt aus dem Krankenhause wurde bei öfter 
wiederholter Untersuchung stäts nur eine Steigerung, und nie mehr 
eineAbnahme der Pulsfrequenz in den Anfällen wahrgenommen, ob- 
gleich letztere mitunter so heftig als je waren; nur die unangenehme 
Empfindung auf der Brust und die Dyspnoe sind nicht wieder 
erschienen. 

Aus den beiliegenden zwei ersten Tabellen ist die Nebrkinderuee | 
der Pulsfrequenz in den frühern und aus der dritten die Steigerung 
in den späteren Anfällen ersichtlich. 

Aus den zwei ersten Tabellen ergibt sich, dass bei einer unge- 
fähren mittleren Frequenz von 12—13 und 16—17 Schlägen in zehn 
Seeunden der schmerzfreien Zeit eine durchschniftliche Verlang- 
samung um 2—3 Schläge in 10 Secunden stattfand. 

Sie erfolgte, mit seltenen Ausnahmen, nicht gleichzeitig mit 
Eintritt des Schmerzes, sondern erst später und erreichte ihr Maximum 


bei neuralgischen Anfällen und über den Rhythmus solcher Anfälle. 319 


erst im ferneren Verlauf des Schmerzes; ja mitunter war die unmit- 
 telbare Wirkung dieses letzteren eine vorübergehende Steigerung 
der Pulsfrequenz. 

Die Verlangsamung des Pulses verschwand nicht sogleich mit 
dem Aufhören des Schmerzes, sondern überdauerte dasselbe, jedoch 
war diese Nachwirkung des Schmerzanfalles auf die Pulsfrequenz 
minder constant als die verspätete Einwirkung desselben. | 

Über diese beiden Punkte können die vorliegenden Tabellen 
wegen der Methode,nach welcher sie entworfen wurden, keinen ganz 
genauen Aufschluss geben. Ä 

Es wurde nämlich mit Beginn der Schmerzen. ein Querstrich 
unter die letzte die Anzahl der Pulsschläge in 10 Secunden angebende 
Zahl gesetzt, welcher die obere Seite der den Paroxysmus bezeich- 
nenden Klammer zu bilden hatte. Die erste unter jenem Querstrich 
befindliche Zahl sollte aber fast nie ganz, sondern nur ein Theil von ihr 
innerhalb der Klammer stehen, weil der Paroxysmus unter 10 Fällen 
ueunmal nicht mit dem ersten der durch die Zahl angegebenen Puls- 
schläge, sondern mit einem späteren eintrat. Geschah dieser Eintritt 
erst recht spät, z. B. beim vorletzten Pulsschlag, so konnte, wenn er 
auch eine alsogleiche Verlangsamung bewirkt hätte, dieseletztere den- 
noch an der ersten innerhalb der Klammer befindlichen Zahl nicht 
ersichtlich werden, sondern erst an der zweiten, und es musste somit 
scheinen, als wäre die Verlangsamung erst 10 Secunden nach dem 
Schmerzeintritt erfolgt, während sie in der That zugleich mit dem 
Schmerz erfolgt wäre. Dieser Beobachtungsfehler ist jedoch nicht von 
grossem Belang, denn aufden Tabellen zeigt sich häufigauch die zweite 
der in der Klammer befindlichen Zahlen noch von gleichem Werth 
mit jenen des Intervalles und das Sinken tritt erst mit der dritten ein, 
zum Beweis, dass der Schmerz nicht alsogleich, sondern erst nach 
mehreren Secunden die Pulsfrequenz verminderte. Sicher wird 
jedoch wegen des angegebenen Beobachtungsfehlers die grösste 
Verlangsamung auf den vorliegenden Tabellen später erscheinen 
als sie wirklich stattfand. Ganz das Gleiche gilt hinsichtlich der 
Nachwirkung des Schmerzes. 

Wegen der Ungenauigkeit der entworfenen Tabellen hinsichtlich 
dieser beiden Punkte wurde einmal weiter nichts gezählt, als wie 
viele Secunden vom Beginne des Schmerzes bis zu der durch den 
zufühlenden Finger leicht erkennbaren Verlangsamung, und wie viele 


320 Türcek. Beobachtungen über Verminderung der Pulsfrequenz 


von dem Aufhören des Schmerzes bis zur wieder eintretenden 
grösseren Pulsfrequenz vergingen. 

Als Zeitmass für den verspäteten Eintritt der Verlangsamung 
des Pulses ergaben sich 7, 5, 6, 3 — 4, 7—8, 10 Secunden. 

Nur dreimal wurde, jedoch, bei denselben Schmerzanfällen die 
Dauer der Nachwirkung bestimmt. Es ergaben sich dafür 5—6, 8—4 
und 3 Secunden. 

Eine eben so verspätete Einwirkung und überdauernde Nach- 
wirkung zeigten dieSchmerzanfälle in der späteren Periode der Krank- 
heit der Anna S. auf Steigerung der Pulsfrequenz, wie dies aus der 
3. Tabelle ersichtlich ist. 

Im April 1854 hatte ich Gelegenheit bei einem zweiten Falle von 
Gesichtsschmerz eine gleiche Verlangsamung des Pulses während 
der Paroxysmen zu beobachten. Er betraf einen 49jährigen Maurer- 
meister Leopold H. Der Schmerz sass im Gebiete des ersten und 
zweiten Astes vom rechten n. trigeminus und bestand seit ungefähr 
zwei Jahren nach länger vorausgegangener Verletzung des rechten 
Oberkiefers durch die Extraction einer alten Zahnwurzel, und einen 
Fall auf die Gegend des rechten Seitenwandbeines. Auch dieser 
Kranke bekam bei heftigen Anfällen Athembeschwerden, welche nicht 
etwa Folge von willkürlichem Anhalten des Athems waren. 

Die 4.—6. Tabelle zeigt die Verminderung der num 
während der Anfälle. 

Im Ganzen habe ich bei der Anna S. in der ersten Periode ihrer 
Krankheit 18 und bei Leopold H. 6 Untersuchungen vorgenommen, 
und dabei stäts die oben bemerkte Verlangsamung des Pulses beob- 
achtet. Über die spätere Steigerung der Pulsfrequenz bei Anna S. 
habe ich 7 übereinstimmende Beobachtungen gesammelt. Alle Zeit- 
bestimmungen wurden mittelst einer Uhr mit stehenden Secunden 
vorgenommen. 

Ganz eigenthümlich verhielt sich der Puls bei einem sehr 
erregbaren, 21jährigen Mann, welcher bereits öfter und neuerdings 
seit4 Tagen an einem sehr bald wieder geheilten, wahrscheinlich rheu- 
matischen Schmerz der Stirne und des Capillitiums litt. Während 
der heftigen Schmerzanfälle stieg der Puls, der in der Besserung 72 
und nach der Heilung 56mal in der Minute schlug auf 92—96 Schläge, 
und wurde in der Weise ungleich, dass in 2—3 Seeunden 2—3 Schläge, 
in den nächstfolgenden 2—3 Secunden beinahe doppelt so viel Schläge 


bei neuralgischen Anfällen und über den Rhythmus solcher Anfälle. 321 


‘erfolgten, hierauf kamen in den nächsten 2—3 Secunden wieder 
2—3 Schläge, in den nächstfolgenden ungefähr doppelt so viele 
u. ‘Ss. W. 

Hinsichtlich des Zustandekommens der geschilderten Verlang- 
samung und Schwächung des Herzschlages warf ich mir vor Allem 
die Frage auf, ob hier nicht derselbe Vorgang stattgefunden habe, 
wie in dem Weber’schen Experiment. Eduard Friedrich Weber hat 
bekanntlich ein Verfahren angegeben“, den Kreislauf des Blutes und 
die Function des Herzens willkürlieh zu unterbreehen,“ welches darin 
besteht, dass man den Athem anhält und zugleich einen Druck auf die 
Brust ausübt. (S. Müller’s Archiv,. Jahrgang 1851.) Nach Weber 
reicht, „wenn die Luftwege verschlossen sind, schon das geringste 
Zusammendrücken der Brusthöhle aus, auf den Puls und die Herzbe- 
wegungen einen sehr beträchtlichen Einfluss auszuüben, so dass schon 
ein mässiges Bestreben zum Ausathmen bei verschlossener Stimmritze 
sogleich Herzschlag und Herztöne verschwinden, den Puls aber wenig- 
stens klein und seltener macht“. (]. c. pag. 106.) 

Für ein Zustandekommen der Verlangsamung des Pulses wäh- 
rend der Schmerzanfälle auf dieselbe Weise wie in dem angege- 
benen Weber’schen Versuch schien Folgendes zu sprechen: Die erste 
Kranke, Anna S., verhielt in den Schmerzanfällen bei geschlossenem 
Munde das rechte Nasenloch mit der angepressten Hand oder mittelst 
eines Tuches während stöhnender foreirter Exspirationen. Da nun 
nach Weber das geringe Zusammendrücken der Brust, welches 
durch ein mässiges Bestreben zum Ausathmen bei verschlossener 
Stimmritze bewirkt wird, schon hinreicht den Puls kleiner und 
seltener zu machen, so hätte durch die Art der Exspiration der 
Anna $S. wohl auch der Puls verlangsamt werden können. Wirk- 
lich sank auch der Puls als ich diese Kranke in einem schmerz- 
freien Intervall blos durch das linke Nasenloch respiriren liess 
von 12—13 Schlägen, auf 11 Schläge in 10 Secunden, und ein 
Sinken um zwei Schläge hatte die Ausübung eines starken Nixus 
bei ihr schon nach 10 Secunden zur Folge. (Reihen von sehr foreir- 
ten stöhnenden Exspirationen, wobei jedoch Mund und Nase geöffnet 
blieben, hatten in den schmerzfreien Intervallen bei öfter wieder- 
holten Versuchen stäts eine Steigerung der Pulsfrequenz zur Folge.) 
Auch konnte es scheinen, dass die vorgerückte Schwangerschaft der 
Anna $. zur Behinderung der Respiration wesentlich beitrug, 


322 Türck. Beobachtungen über Verminderung der Pulsfrequenz 


indem bald nach der Entbindung die Verlangsamung des Pulses in 
den Schmerzanfällen aufhörte. 

Diese Gründe werden jedoch durch die folgenden an beiden 
Kranken angestellten Beobachtungen und Versuche wiederlegt, aus 
denen sich ergibt, dass a) auch bei hinreichend erschwerten Exspi- 
rationen kein entsprechendes Sinken der Pulsfrequenz eintrat, und 
dass 5) während der Schmerzparoxysmen die Respiration völlig frei 
von Statten gehen konnte und sich demungeachtet die gewöhnliche 
Verlangsamung des Pulses einstellte. 

Ada) ist anzuführen, dass einige Zeit nach der Entbindung, d.i. 
am 21. und 30. December, die Kranke während der heftigen Anfälle ganz 
in derselben Weise den Mund und das rechte Nasenloch verschloss 
und stöhnend exspirirte wie vor der Entbindung, und dass demunge- 
achtet keine Verlangsamung, sondern im Gegentheil eine Beschleuni- 
gung des Pulses eintrat. Eine dabei vorgenommene starke, anhaltende 
Compression des Bauches um gewissermassen ein Äquivalent für 
den schwangeren Uterus zu setzen, änderte nichts an diesem Sach- 
verhalt; dagegen machte ein kräftiger Nixus den Puls von 12 auf 
10—11 sinken. Es war also die Möglichkeit der Verlangsamung des 
Pulses durch Behinderung der Exspiration nach der Entbindung auch 
noch zugegen, und dennoch erfolgte statt der Verlangsamung 
Beschleunigung des Pulses in den Schmerzanfällen. 

Ad b) ist zu bemerken, dass es öfter gelang die Anna S. dahin 
zu bringen, dass sie während der Schmerzparoxysmen ganz gewöhn- 
lich ohne Stöhnen bei geöffneten Nasenlöchern und Mund respi- 
rirte, und dennoch die Verlangsamung des Pulses dieselbe blieb; 
dasselbe gilt auch von Leopold H., welcher nie stöhnte, und dessen 
Respiration während der Paroxysmen nie behindert, oft auch ganz 
frei von der Empfindung einer Beklemmung von Statten ging. 

Es war somit in den vorliegenden Fällen die Verlangsamung des 
Pulses nicht durch Compression des Brustkorbes bei erschwerter 
Exspiration bewirkt worden. 

Zur theilweisen Erklärung der Art und Weise des Zustande- 
kommens jener Verlangsamung dürfte eine Reihe von Versuchen dienen, 
welche ich vor einigen Jahren an Thieren vorgenommen habe. 
(S. Beobachtungen über den Einfluss des centralen Nervensystems 
und des Nervus vagus auf die Herzbewegung in der Zeitschrift der 
k. k. Gesellschaft der Ärzte, Jahrgang 1851, Juniheft.) Ich habe 


bei neuralgischen Anfällen und über den Rhythmus solcher Anfälle. 323 


nämlich beobachtet, dass an Kaninchen durch verschiedene schmerz - 
hafte Eingriffe, so wie auch durch Verschluss der Luftwege der 
Herzschlag sehr auffallend verlangsamt wird, und habe nachge- 
wiesen, dass diese Verlangsamung auch hier eben so wie der Still- 
stand des Herzens in dem bekannten Experimente der Gebrüder 
Weber und Budge’s durch die im Vagusstamm verlaufenden 
Fasern vermittelt wird, denn sobald ich den Halstheil beider 
N. vagi getrennt hatte, trat keine Verlangsamung mehr ein, und wenn 
sich bei ungetrennten Nerv. vagıs in Folge der genannten Einwir- 
kungen eine Verlangsamung des Herzschlages eingestellt hatte, ver- 
schwand diese, ungeachtet jene Einwirkungen fortgesetzt wurden, 
alsogleich, so wie die vorläufig mit Fäden umschlungenen Halstheile 
der. N. vagi abgerissen wurden. Ich habe ferner gezeigt, dass die 
im Halstheile des N. vagus verlaufenden Accessorius-Fasern an der 
Verlangsamung des Herzschlages keinen Antheil haben, indem die 
Resultate der angegebenen Versuche ganz dieselben blieben, wenn 
auch vorläufig die Anfangsstücke beider N. accessori mit ihren 
sämmtlichen Wurzeln ausgerissen worden waren (l. ce. und Protokoll 
der Sectionssitzung für Physiologie und Pathologie vom 30. Mai 1851 
im October- und Novemberheft desselben Jahrganges). 

Ein Umstand scheint noch Beachtung zu verdienen. Beide Kranke 
wurden während der Schmerzparoxysmen nicht stäts, aber öfter von: 
einer unangenehmen Empfindung auf der Brust, von Beklemmung 
oder der Empfindung des Luftmangels befallen. Obgleich nun, wenn 
auch diese Empfindungen gar nicht eintraten oder durch häufiges 
tiefes Athmen wieder vertrieben wurden, die gewohnte Verlang- 
samung des Pulses sich dennoch einstellte, so dürften diese Empfin- 
dungen vielleicht aus einer gewissen Mitleidenschaft der Centra der 
Respirationsthätigkeit zu erklären und dadurch die Betheiligung des 
Nervus vagus näher gelegt sein. 

Die Beobachtung dieser beiden Kranken führte noch zu einem 
weiteren auffallenden Ergebniss. Es zeigte sich nämlich innerhalb 
eines geringen Spielraumes und mit seltenen grösseren Abweichungen 
die Dauer der Schmerzanfälle sowohl als jene der Intervalle als 
eine so constante, dass man sagen kann, die Paro xysmen ver- 
liefen mit einem gewissen Rhythmus, und dies galt von 
ganzen Reihen von Anfällen, welche zwischen grösseren Pausen 
lagen. Die Dauer der Schmerzen und der Intervalle wurde den 


324 Türck. Beobachtungen über Verminderung der Pulsfrequenz 


behufs der Bestimmung der Verlangsamung des Pulses entworfenen 
Tabellen entnommen. Da diese Tabellen, wie oben bemerkt, Anfang 
und Ende der Paroxysmen nicht genau angeben, so musste dieselbe 
Ungenauigkeit auf die von ihnen abgeleiteten Zeitbestimmungen über- 
tragen werden , jedoch musste die Fehlergrösse stäts nur eine so 
geringe sein, dass sie nicht wesentlich stören konnte. 

Da auf den zu dem ersten Falle der Anna S. gehörigen Tabellen 
jede Zahl anzeigt, wie viel Pulsschläge innerhalb 10 Secunden und 
auf den zu dem zweiten Falle des Leopold H. gehörigen, wie viel 
Pulsschläge innerhalb 5 Secunden erfolgten, so brauchte man nur die 
Anzahl der innerhalb oder ausserhalb der Klammern befindlichen Zah- 
len mit 10 oder 5 zu multiplieiren um die Zeitdauer der Paroxysmen 
und ihrer Intervalle in Seeunden ausgedrückt zu erhalten. Auf diese 
Weise wurden nicht nur aus den hier abgedruckten, sondern aus 
sämmtlichen vorhandenen Tabellen neue entworfen, welche hier fol- 
gen (VIL.—XVIl. Tabelle). 

Die VI. —X. Tabelle sind Beobachtungen bei der Anna S., 
während der früheren Periode, wo die Paroxysmen mit Verlangsamung 
des Pulses verbunden waren, entnommen; und zwar ist die VIII. Tabelle 
aus der l., die X. Tabelle aus der Il. abgeleitet. Die XI. Tabelle ist 
einer Beobachtung aus der letzteren Periode desselben Falles ent- 
nommen, wo die Schmerzanfälle eine Steigerung der Pulsfrequenz 
bewirkten. Sie ist von der Ill. Tabelle abgeleitet. Hier zeigen sich 
unter allen Beobachtungen die grössten und ungleichsten schmerz- 
freien Intervalle. Wenn sich nun aus den vorliegenden zu verschie- 
denen Tageszeiten und bei verschiedener mittlerer Pulsfrequenz 
angestellten Beobachtungen bei Anna S. eine auffallende Regelmässig- 
keit in dem Zeitmasse der Schmerzparoxysmen und ihrer Intervalle 
ergibt, so findet sich diese nicht minder im zweiten Falle des Leo- 
pold H. vor. (S. XIL.—XVI. Tabelle, wovon die XII. aus der IV., die 
XII. aus der V., die XVI. aus der VI. abgeleitet sind.) Bei ihm war 
die Dauer der Schmerzanfälle sowohl als der Intervalle eine viel 
geringere als in dem ersten Falle. Jedes der beiden kranken 
Individuen hatte sein bestimmtes constant bleiben-. 
des Zeitmass. 


bei neuralgischen Anfällen und über den Rhythmus solcher Anfälle. 325 


l. Tabelle. 
AnnaS., 28/0. 1853, um 8%/, Uhr Morgens. 


(Die Zahlen geben die Anzahl der in je 10 Secunden erfolgten Pulsschläge. Die Klammern deuten 
auf allen Tabellen die Schmerzanfälle an.) 


133742742: 712,7 12.2110 [12| 15 1322412 


4a la) 22 13 EI | 
1012 37% 5.2.13 
2 a1 %» 3» 1 2 
233 a». 
12) 98 4 AR 8 
13 13 2 40) 42 
2 413 12.142 42 
12 2 2 3 
13 120 1on MH 
13 2? 2 
16 12 12 
15 13,12 
13 2 1 
13 2? u 
12 2 1 
11 12 13 
11 10 48 
11 2? 2% 
10 2 12 
9 2 1% 
10 2 2 
10 12 
13 12 
13 12 
12 44 
12 9 
13 10 
12 10 
13 11 
13 10 
12 9 
12 9 
12 10 
12 11 
12 2 
13 13 
12 15 
12 14 
12 13 
12 11 


326 Türck. Beobachtungen über Verminderung der Pulsfrequenz 


Il. Tabelle. 
Anna S., 30,10. 1853, um 4'/, Uhr Abends. 


17 2. 132] 216, (18 16 aa 1er a ra 16015 
36: du. Aa edel 1a 37 15 da, 10) 4 107° 118 
16 17:15 16 J13| 16 16 wm \17| 18 17 113 
16, 5 are alas as ar db 10 ion ee 
16: el at. Ar’ dell) ds. al 
7 a5 vw |si(flı % Ai ” h 
16, a8 |. ter a il Al | N16 |) ler uns a I eee 
15 198|,.26; 49 a aa an ar) else 
15 .13| 17 47 46 1216 17 2° 16 ala 


16.113. 30.07] 17 Nas 17,27, 16, 01510016 


Ill. Tabelle. 


Anna S., 31.42. 1853. 


11 113] a 41 41 1442| 42.41, 43 [16 92 
44 412 a2 412 1 116) 512 ld 


2? 2m] 2 2 soo »2%3 2% 
Aa aaa a ae em ae 
2? 315|2 2931211 2% 
41 2|8Bl®2ııı2ı1ı%07R%2 2% 
2? ®2|83|2 29832141 1M1 144 
1»2» 1 mvmu 2 1412. 4 
1ı1®»2 3e ea 11» 1a 4a 4a 
2? 2 3831| P ı 31 mm 4 
2? 12|8|22» 112% 
11 1 || 1 2 »2 10 1 1 %2 
11, dA dA. A540. 2 141l|1 2% 
11) |, dd da me Ad nei amliam am. al 
a anal ee a A 
Teil ok nal | es. a a a N 
a 
»s|2 u as 2 „ı 24 RR nn 11 [14 
s»)| 4 1a 12 a 11 4 13 |12| 12 35 
15| 12 11: 10 FR a2 43 a3 a. 31 46 
s|®»2 2 »|s|ı 3 3|38| 1 14 


1.4 33 1 41 1415| d2 42 12 da. wi 


bei neuralgischen Anfällen und über den Rhythmus solcher Anfälle. 327 
IV. Tabelle. 


Leopold H., 10/4, 1854. 


ale emo eo 
wo wuwoano—o 
er) (er) KeEeDECH en 
Io a HJ 9 

ha ala on 
e). en en en ed en 
Jana AH 
SaoaoaQloao 
aaanaule 
STIanananı.ıan 
SA ıimn 
Noaoo lo 
Saddam 


ot 


"5 au ee ss 


Während der Schmerzanfälle waren keine Brust- oder Athmungs- 
beschwerden zugegen. Diese Beobachtung wurde bei sitzender Stellung des 
Kranken gemacht. 


Auf dieser und der nächstfolgenden Tabelle geben die Ziffern die Anzahl 
der in je 5 Seeunden erfolgten Pulsschläge an. 


V, Tabelle. 


Leopold H. 10,4. 1854. 


SsSuwuwrnrau oa au uuno 
oruaunuoaummelumue 

eek eucelaoueo u eo 
vou«woaouw ax oaoaouwuoauw 
www aa © 
ware owo uno uuonuw 

Suoowawuwruemun 
ee uueeeleouruuooe 
eo uwoaoanw 
oo x un ekruauauuou 
How ouwawoauuwmanau wu 
waere unereueloo u 
rau our anauo 
wuuwoaueumumuuulo 


an 


Während der Schmerzen war keine Brust- oder Athembeschwerde zu- 
gegen. Beobachtung in liegender Stellung. 


328 Türck. Beobachtungen über Verminderung der Pulsfrequenz 


VI. Tabelle. 


Leopold H. 13/. 1854. 


P. R. P. R. P. R. P. R Yo R. p2 R. 
ER NEE ee. © 
En in hagr m] na aez nes a Br 
5 N a 9 a wa 
| samen ve ann a u 
a 4 5. 8 
5 a ala Bd oe 
ER | 
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a | 0 ala], ® 2, 50 
Bun en an MINOR mamme nm ug ldlnapn "are Kan 
4 5 5 5 6 5 ‘ 4 7 
6 8 6 
4 A 5 5 ee: 
Bo a oe 0 
4 6 5 3 1A 9 4 20 A 8 5 
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ara oe a Ds, 5 Sue 
N RE; 
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5 5 5 5 7 5 5 5 A 9 
Sy lls 5 Bon 80, A 
Su yeah a a a „04 8. 
u el u. 6 2 nl } 
50 a IE Hann || a 
5 h 5 | 26 5 la 0 ee 
Akad A male Ba 0 Tan Ts er 
5 5 AL + 5 7 4 5 5 5 8 
ae | 1 IE al ‚8.0 
Be | A 5 h ; 
Be jaja /6 ja am] .us 2 ul 2 
5 5 2 Bee 
Sarg 6 u 35: 116 | Ss u 519 5. Kelle: 
BE Be ala Blu 2 7 


Die Ziffern der ersten Colonne bezeiehnen die Anzahl der Pulsschläge in 
je5 Seeunden, die der zweiten die Anzahl der Seceunden, die zwischen dem Beginn 
zweier auf einander folgender Inspirationen verflossen. 

Das Zeichen + zeigt hier und auf späteren Tabellen ganz kurze Störungen 
der Beobachtung an. 


Anna S., ?7./ı0. 1853, 8 Uhr Abends, 
mittlere Pulsfrequenz von 13 — 14 


Schmerzanf. 
Minut. Secund. 


1' 
u 
1’ 
4’ 
4’ 
1' 


47 
1’ 
1’ 
1' 
4' 
7’ 


Anna S$., 28./i0. 1853, 8%/, Morgens, 
mittlere Pulsfrequenz 12—13. - 


bei neuralgischen Anfällen und über den Rhythmus solcher Anfälle. 329 


VII. Tabelle. 


Schlägen in 10 Secunden. 


30’ 
10” 
10” 
20" 
30 
30" 
30” 
30’ 
30” 
20 
20” 
30’ 
30” 
30” 
40’ 
40’ 
40" 
30’ 


Schm. 


1’ 
1’ 
1’ 
1’ 
7’ 


30” 
50’ 
50" 
40’ 
40’ 
40” 
50’ 
50” 
AO’ 
30’ 
50’ 
40” 
» [21 
40’ 


Beine leid en, an cell te 
ee tel, Keiner 8 elle 
ee [etiete,, all vord ıe 
elle aldi ae. erae 
es Teriie Ve ie ie. de 
ON BO RE O E 
er tell ern Aemeror die 
2 we seine elnuregie ie Arie 
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OEFDNTORNORE EEE Wu 
SI Heon Meran. at lei eh © 
Bungee, eselei.ne, ie | '@ 
er lneiiinieiniie, \ lewn.e 6 
elaliei ner ihe ı ve: einen) ie 
er ne lei ie tie. ie, 0 oe 
eurehlienı.ner; e\. ei el ie 
Bieter, tert el tet k ie 


VII. Tabelle. 


ses leı"e „oe 0,8 ie 
wer ey 0: ‚el see, \ le 
Bee e \eruye, ne, .eriie 
eEeleriten Due: Faire, eis 
eine: | Fe). en liei ei yo 
Buken mie Tuer (ie: We, lensie 
wies, ee, ei, ei ne, 
ame inet een, elite 
elis tie |,e) (ode. 0, .e 
Gere. 0%, so |, 8. 88.0 
elikie, 8), Lie; „or,r-s Nei.h ie 
ge fe. ine  Vemthekie 
aber ie Zei. \alinesh 8.) ie 
Bauen ieh Heilen te). elle 
EV MN EB Meat a lai } 


Intervalle. 
Minut. Secund. 


10’ 
10" 
30’ 
40” 
10 
50’ 
50’ 
50’ 
50" 
50’ 
30’ 
10’ 
10’ 
40” 
40’ 
10 
30” 


Interv. 


10’ 


10” 
20 
30" 
10’ 
40" 
30’ 
30’ 
30’ 
50” 
30” 
40’ 


IX, Tabelle. 


Anna S., 29/0. 1853, 8°/, Morgens, 
mittlere Pulsfrequenz über 14. 


Schm. Interv. 
12.107, N 2’ 40" 
2 MR | DB DE a NN ee 250% 
ZONE N 2’ 40” 
IR ae 9 — 
15 108. N 2 50" 
1 1OR TR en 3.204 
1. 207 2 one: 3’ 20” 
RL ER 3 10" 
1% 20685 ana 2’ 40" 
1 2088. ehe 3 10” 
14:20%.2) Una: 310% 
1.10%. 1. urbia 3’ 20” 
1 KA I 1 N a 3 40” 
VDE SR Ran Als 3’ 30" 
Ma aa 3.30% 
1,10/7...20n. Kae 3’ 30’ 
1’ 20” 


X. Tabelle. 


Anna $.,_ 30./j0. 1853, 4'/, Abends, 
mittlere Pulsfrequenz 16 — 17. 


Schm. Interv. 
VAOL re: I — 
E20 Nr 1’ 30” 
1 RE RR BAR An Le 3 30” 
1 0 Ne BE 34.102 
4130 1 ER ae 3’ — 
1 — 


X", Tabelle. 


Anna S., 31.2. 1853, mit Steigerung 
der Pulsfreq. während der Schmerzen. 


Schm. Interv. 
UPSrAlBer een BEN AG ERENE 3 30" 
. 10ARE Be ee 4’ 10” 
ONE ER 3’ 50” 
BE INNEN ...5 — 
I URR UNE SR 5’ 20” 
Ir nu rag Se 1,20% 
1 NT ER. 1 2 5’ 50” 
DIR Be a 4 50" 
50” 


Sitzb. d. mathemn.-naturw. Cl. XVII, Bd. II. Hft. 22 


330 
XII. Tabelle. 


Leopold .H., 10./4.1854, 
mittlere Frequenz über 
6 Schläge in 5 Seeunden. 


Schm. Interv 

SEI eb Lar anal 1’ 50' 
DD an, 1’ 20” 
11 HN a 1’ 45" 


XII. Tabelle. 
LeopoldH., 10./,. 1854. 


In liegender Stellung. 
' Mittlere Pulsfrequenz 
5—6 in 5 Secunden. 
Schm. Interv. 
20T Rene. 1’ 20” 
SDLTANK Een ee 1’ 40” 
BDRHG. ee. ale 100257, 
RR 5 1 40 
SU SR en. 1’ 35’ 

Bali ah. 74 
BE 1’ 40” 
AO’ 


XIV. Tabelle. 


Leopold H., 11./.1854, 
ohne Brustbesehwerden 
in horizontalerLage.Mitt- 
lere Pulsfreq. von weniger 
als 5Schläg. in 5 Seeund. 


Schm. Interv. 
Bandit. 1025. 
SON: 1’ 20” 
ER 1’ 30" 
DOWN He. Aa’ 

4 + 
Daum. Rue 1’ 50" 
EA 1’ 40" 
AU NE Re 1’ 40" 
a a 1’ 40" 
2 Un. Pe Ra ER 1’ 30" 
MOSER et 1’ 50” 


XV. Tabelle, 


LeopoldH., 1?/4.1854, 

mittlere Pulsfrequenz 

beinahe 5 Schläge in 
5 Secunden. 


Schm Interv. 
Bleu... v 25” 
N DR 1’ 30" 
BOT. v 25 
DO a 1 35" 
BSR IE... u 38 
BORN le. 1’ 40" 
NER 1 V’ 40" 
2 ah. ı 
108 .B.N.): 235” 
Be v 35" 
Bahn. 1 35" 
30. 0 En v a5" 
I v 30" 
DRS. 17 357 
Ba... v 20” 
ER 10 
DR v 30" 
+ E 
A a 1’ 30" 
201 1’ 35 
BB 1’ 20” 
BB ah. 1’ 40" 
20 ee v’ 35 
230 IR. nam. 1". 30” 
Ne 1’ 30" 
ER A v 15" 
OR aan) as, 1’ 40" 
BEA 1’ 30” 
23" 


Türck. Beobachtungen über Verminderung der Pulsfrequenz ete. 


XVl. Tabelle. 


LeopoldH., 13./4. 1854, 

ohne Athmungsbe- 

Mittlere 

Pulsrequenz von weni- 

ger als 5 Schlägen in 
5 Secunden. 


sehwerden. 


Schm. Interv. 
AO 12H. 
307 a A BU 
35” a en -- 

354: 4072 alEman 10005 
BB) 2 ER 1’ 10” 
30 2 Te 1’ 10" 
au. A 1’ 20” 
30. a ae a ll 
30,1: 1.15% 


XVIl. Tabelle. 


LeopoldH., 15./.1854, 

mittlerePulsfrequenz von 

weniger als 5 Schlägen 
in 5 Seeunden. 


Schm Interv. 
an 1. 4’ 30" 
30”, 1’ 30" 
ab N 1 20 
air. 0 1’ 20" 
at u 
ats N. 0 y’ HB" 
235 


Hauer. Über neue Verbindungen des Chlorcadmiums mit basischen Chlormetallen. 331 


Über neue Verbindungen des Chlorcadmiums mit basischen 
Chlormetallen. 


Von Karl Ritter v. Hauer. 
(Vorgelegt in der Sitzung vom 5. Juli 1855.) 
I. 

Ich habe in einer der letzten Sitzungen der hochverehrten 
Classe eine Abhandlung über eine neue Reihe von Doppelverbindun- 
gen des Chlorcadmiums mit anderen Chlormetallen vorgelegt. Es 
wurden in derselben nur die allgemeinen Eigenschaften dieser krystal- 
lisirten Verbindungen angedeutet, so wie eine eigene Nomenclatur 
vorgeschlagen, ähnlich jener, welche Bonsdorff für die Doppel- 
salze des Quecksilber- und Goldechlorides eingeführt hat, mit welchen 
sie, so wie mit den Chlorverbindungen des Antimons, Zinns ete. eine 
entschiedene Analogie erweisen. Ich wählte demnach für diese Ver- 
bindungen im Allgemeinen den Namen Chlorcadmiate, von der 
Ansicht ausgehend, dass dieselben Doppelsalze seien, in welchen 
Chloreadmium die Stelle des elektro-negativen Bestandtheiles 
einnimmt. 

Die Benennung der drei Gruppen, in welche die Salze vermöge 
ihrer chemischen Zusammensetzung zerfallen, welche in meinem 
früheren Aufsatze angeführt wurde, so wie jene der einzelnen Salze 
selbst, welche im Folgenden adoptirt erscheint, ergibt sich als eine 
nothwendige Consequenz der obigen Betrachtungsweise und bedarf 
somit keiner weiteren Motivirung. Im Sinne dieser Voraussetzun- 


gen wurden auch die chemischen Formeln der einzelnen Salze 
eonstruirt. 


Aus dem Gesagten geht hervor, dass die Constitution der nun 
im Folgenden näher zu beschreibenden Doppelverbindungen des 
Chloreadmiums, der Salztheorie gemäss aufgefasst wurde. 

Allein es liessen sich wohl auch noch andere Ansichten über 
die Constitution dieser Verbindungen und der mit ihnen analogen 
anderen Metalle aufstellen. Insbesondere fand ich Veranlassung, auf 
eine Betrachtungsweise zu refleetiren, welche A. Scehrötter für 
die theoretische Zusammensetzung der Doppeleyanüre einzuführen 

Ba 


332 K.uv.Blamern: 


bemüht war 1), welche mit gleicher Berechtigung auf sämmtliche 
Doppelchloride ausgedehnt werden könnte, und welche in der That 
eine leichtfassliche Übersicht der grossen Reihe der Doppeleyanüre 
gestattet. 

Es sollen am Schlusse dieses Aufsatzes die Formeln der Chlor- 
eadmium-Verbindungen, wie sie aus der eben angeführten Betrach- 
tungsweise, so wie aus der Eingangs erwähnten Ansicht hervorgehen, 
zusammengestellt werden. 


Darstellung der Salze. 


In einem früheren Aufsatze über einige Cadmium-Verbindungen ?) 
wurde als Ausgangspunkt für ihre Darstellung kohlensaures Cadmium- 
oxyd angegeben. Im Verlaufe der vorliegenden Arbeit ergab sich jedoch 
als noch zweckmässiger das durch Glühen des kohlensauren Oxydes 
erhaltene reine Cadmiumoxyd, welches, besonders wenn es in fein 
gepulvertem Zustande ist, von Säuren leicht aufgenommen wird. Das 
zweite Metall, mit welchem die Doppelverbindung darzustellen war, 
wurde als kohlensaures Oxyd angewendet. War es ein Metall, wel- 
ches als kohlensaures Oxyd keine constante Zusammensetzung hat, 
so wurde durch Analyse der Gehalt an Oxyd bestimmt und sonach 
die abzuwägende Menge berechnet. 

Die Einwirkung der concentrirten Chlorwasserstoffsäure auf 
Cadmiumoxyd ist eine sehr heftige; es findet starke Erhitzung und 
ein lebhaftes Aufwallen Statt. Das braune Oxyd wird binnen wenigen 
Augenblicken in einen weissen Brei verwandelt, der von Wasser 
alsbald aufgelöst wird. 

Dieser Lösung einer abgewogenen Menge von Cadmiumoxyd 
wurde nur die entsprechende Menge des zweiten kohlensauren 
Oxydes hinzugefügt, zum Sieden erhitzt und so lange Chlorwasser- 
stoffsäure in kleinen Antheilen zugesetzt, bis alles gelöst war. Auf 
diese Art hat man es sehr in der Hand, jeden unnöthigen Überschuss 
von Säure, der bei einigen dieser Salze die Krystallisation erschwert, 
zu vermeiden. Die Lösung der beiden Chloride wurde, wenn nöthig, 


1) Sitzungsberichte der kais. Akademie der Wissenschaften. Jahrgang 1849. Maiheft. 
2) Sitzungsberichte der kais. Akademie der Wissenschaften. Bd. XV, S. 23. 


Über neue Verbindungen des Chloreadmiums mit basischen Chlormetallen. 333 


abfiltrirt, eingedampft und dann der weiteren freiwilligen Verdunstung 
überlassen. 

Das bei sehr hoher Temperatur-erzeugte Cadmiumoxyd ist von 
dunkler Farbe und viel compaeter. Namentlich ist dies der Fall, 
wenn bei der ursprünglichen Darstellung des kohlensauren Oxydes, 
durch Auflösen des Metalles in Salpetersäure und Fällen mit kohlen- 
saurem Ammoniak, durch Auswaschen nicht die ganze Menge des 
gebildeten salpetersauren Ammoniaks entfernt worden war. Es bildet 
in diesem Falle sehr harte Stücke von fast schwarzer Farbe, welche 
etwas schwerer in Säuren löslich sind. Werden diese aber fein 
gepulvert, so lösen sie sich eben so leicht als das mehr lockere licht- 
braune Oxyd. Die bis nun näher untersuchten Salze sind folgende: 


I. Chlorbaryumbicadmiat. 


Vermengt man die Lösungen von zwei Äquivalenten Chlorbaryum 
und einem Äquivalente Chlorcadmium und dampft zur Krystallisation 
ein, so schiesst zuerst Chlorbaryum an; beim weiteren Verdunsten 
gibt die Lösung das schon früher beschriebene Monocadmiat: 


Ba CI-Cd CI-4H0. 


Es scheint demnach keine basische Verbindung mit Chlorbaryum 
zu existiren. Dasselbe Salz wird erhalten, wie bereits angegeben 
wurde, bei Vermengung der beiden Lösungen in gleichem Äquivalent- 
verhältnisse der Clormetalle. Bei der Mischung endlich von einem 
Äquivalente Chlorbaryum mit zwei Äquivalenten Chlorcadmium schiesst 
ebenfalls zuerst eine Quantität des Monocadmiates an, die Mutter- 
lauge gibt aber nach Entfernung dieser beim weiteren Verdunsten 
ein Salz, dessen Zusammensetzung der Formel: 


Ba CI-+2Cd Cl-+ 5H0, 


mithin der eines Bicadmiates entspricht. 

Dasselbe erfordert also zu seiner Bildung einen Überschuss von 
Chloreadmium. Es wird in der That nur unmittelbar rein erhalten, 
wenn man eine Lösung der Krystallisation überlässt, welche wenig- 
stens drei Äquivalente von diesem auf ein Äquivalent Chlorbaryum 
enthält. Das Salz bildet theils trübe, theils wasserhelle Oktaeder und 
Tetraeder. Die Krystalle sind hart und luftbeständig und lassen sich, 
wiewohl nur sehr langsam, zu beträchtlicher Grösse aufziehen. Manch- 
mal zeigen dieselben eine geringe Consistenz und zerbröckeln leicht 


334 K. v. Hauer. 


in kleine harte Fragmente, Obwohl das Salz sich aus zwei sehr 
leicht löslichen Verbindungen bildet, ist es selbst ziemlich schwer 
löslich. 

Die Analyse desselben im lufttroekenen Zustande gab folgende 
Resultate. 

Um Wiederholungen zu vermeiden gilt die hier angegebene 
Methode der einzelnen Bestimmungen auch für die folgenden Salze. 
Chlor wurde durch salpetersaures Silberoxyd gefällt. Cadmium wurde 
durch Schwefelwasserstoff aus der angesäuerten Lösung von dem 
zweiten Metalle geschieden, nach der Filtration aber in Chlorwasser- 
stoffsäure gelöst und mit Kalihydrat präcipitirt. Da Schwefeleadmium 
in verdünnter Chlorwasserstoffsäure nicht löslich ist, so muss dieselbe 
in concentrirtem Zustande angewendet werden. Zu diesem Behufe kann 
das gefällteSchwefeleadmium zugleich mit dem Filter in noch feuchtem 
Zustande der Einwirkung der Säure ausgesetzt werden;. biebei ist 
es aber nöthig, hinlänglich lange bei geringer Wärme digeriren zu 
lassen, bis jede Spur des sich bildenden Schwefelwasserstoffes ver- 
jagt ist, widrigenfalls bei früherem Verdünnen mit Wasser wieder 
ein Theil des Cadmiums als Schwefelmetall gefällt wird, was ein Ab- 
dampfen der Lösung bis fast zur Trockne und eine neuerliche Behand- 
lung mit eoncentrirter Säure erfordern würde. Zur Trennung von 
dem macerirten Filter wird nunmehr filtrirt und das Filtrat mit Kali- 
hydrat versetzt. Die Bestimmung des Baryums geschah als schwefel- 
saurer Baryt. 


1) 1'715 Gramm gaben 2'217 Gramm Chlorsilber = 31:88 Pro- 
cent Chlor. 
1'475 Gramm gaben 0:524 Gramm schwefelsauren Baryt — 
20:88 Procent Baryum. 
1-983 Gramm verloren beim Erhitzen 0'266 Gramm an 
Gewicht = 13°41 Procent Wasser. 


2) 1'709 Gramm gaben 0:604 Gramm schwefelsauren Baryt — 
20:78 Procent Baryum und 0'666 Gramm Cadmium- 
oxyd = 34:09 Procent Cadmium. 


3) Die tetraederförmigen Krystalle haben dieselbe Zusammen- 
setzung, denn 0°663 Gramm gaben 0'233 Gramm schwefel- 
sauren Baryt = 20:66 Procent Baryum und 0'260 Gramm 
Cadmiumoxyd = 3431 Procent Cadmium. 


Über neue Verbindungen des Chloreadmiums mit basischen Chlormetallen. 335 


Theorie: Versuch: 
en RE en HE a —— mm Ne —__ 
= 1 2 3 


1 Atom Ba 68:5 20:65 20:83 20:78 2066 
a cal 133-716 7. 33.833 81:09 ) 3u- 31 
Sol, Cl .106°2 32-01 31:88 .32°27 32:36 
5225,77 HOWAAS 1356 13:41 12:86 12:67 
Ba CI+2 CdCI+5HO 3317 99-98 100:00 100°00 100.00 

Dampft man die Lösung nach dem oben angegebenen Äquiva- 
lenten-Verhältnisse bis zur beginnenden Krystallbildung rasch ein und 
lässt sie erkalten, so bilden sich zumeist sternförmige, glänzende 
Krystall-Aggregate. Es lässt sich das Salz nicht vollständig umkry- 
stallisiren. Dampft man nämlich die Lösung desselben bis zur begin- 
nenden Krystallbildung ein, so schiesst nur ein Theil unzersetzt an, 
während gleichzeitig auch Krystalle des Salzes BaCl + Cd Cl 4HO 
entstehen. Will man daher das Salz umkrystallisiren, so muss man 
der Lösung desselben noch etwas Chlorcadmium hinzufügen, weil, 
wie schon früher angegeben wurde, es sich nur bei einem Über- 
schusse von letzterem bildet. Wirft man die Krystalle in heisses 
Wasser, so werden sie undurchsichtig und sehen wie verwittert 
aus, eine Eigenschaft, welche alle folgende Salze unter gleichen 
Umständen zeigen. Die Lösung derselben erfolgt langsam. 

Beim Trocknen, bei 100° €. verlieren die Krystalle 6:59 Proc. 
Wasser oder nahe 2 Atome. Es erfordert viele Stunden, bis der 

-Gewichtsverlust bei dieser Trocknung constant bleibt. Zwischen 
145 — 150° C. entweichen weitere 5°54 Proc. Wasser, also auch 
beinahe zwei Atome. Das letzte Atom Wasser wird erst nahe bei 
160° C. ausgetrieben. 

Bei noch stärkerem Erhitzen schmilzt das Salz gleich dem 
Monocadmiate zu einer klaren farblosen Flüssigkeit, die beim Erkalten 
nicht krystallinisch erstarrt. 

Wird das noch nicht entwässerte Salz unmittelbar einer höheren 
Temperatur ausgesetzt, so geschieht das Entweichen des Wassers 
unter starkem Deecrepitiren der Krystalle, welche nicht in ihrem 
Krystallwasser schmelzen. Die bis zum Schmelzen erhitzten Kry- 
stalle entwickeln Dämpfe von Chlorcadmium. Die geschmolzene 
Masse ist in Wasser nicht mehr vollständig löslich, sondern hinter- 
lässt einen kleinen Rückstand, der aber nach Zusatz einiger Tropfen 
einer Säure wieder verschwindet. Das Salz verliert davon bei einer 
Temperatur, bei welcher es ins Schmelzen geräth, auch einen Theil 


336 K. v. Hauer. 


seines Chlorgehaltes. Der Gewichtsverlust des so erhitzten Salzes 
betrug 13:70 Proc., daher um ein Geringes mehr als die darin ent- 
haltene Wassermenge. Wird das Salz langsam bis zum Verluste 
seines Wassers erhitzt, so entweicht dieses, ohne die Gestalt der 
Krystalle zu zerstören. 


1I. Chlorstrontiumbicadmiat. 


Überlässt man ein Gemenge der Lösungen dieser beiden Chlor- 
Verbindungen in gleichem Äquivalenten-Verhältnisse der Krystallisa- 
tion, so schiesst ein Salz an, welches wasserhelle, mitunter gestreifte, 
lebhaft glänzende, sehr lange Säulen bildet, die an ihren Enden zuge- 
spitzt sind. Bei einem hinreichenden Volum der Flüssigkeit erreichen 
die Krystalle eine ansehnliche Grösse binnen kurzer Zeit. Die Zusam- 
mensetzung des Salzes entspricht jedoch nicht dem angegebenen 
Mischungsverhältnisse, sondern der eines Bicadmiates mit 7 Atomen 
Wasser nach der Formel: 


Sr CI+2Cd CI-+7HO. 


In gleicher Weise wird das Salz auch erhalten, wenn man ein 
dieser Formel entsprechendes Mischungsverhältniss zur Darstellung 
anwendet. Das Salz ist in trockener Luft vollkommen beständig, in 
feuchter aber etwas zerfliesslich. 

Die nachstehenden analytischen Resultate, erhalten mit aus 
diesen verschiedenen Darstellungsweisen hervorgegangenen Kıy- 
stallen, beziehen sich auf den lufttrockenen Zustand derselben. 

1) 2:069 Gramm gaben 2:681 Gramm Chlorsilber = 32:08 
Proe. Chlor. 
2.117 Gramm gaben 0:603 Gramm schwefelsauren Strontian 
— 13:59 Proc. Strontium. 
0:734 Gramm verloren beim Erhitzen 0-145 Gramm an 
Gewicht = 19:75 Proc. Wasser. 
2) 1'428 Gramm gaben 1'872 Gramm Chlorsilber = 32:34 
Proc. Chlor. 
1-716 Gramm gaben 0:494 Gramm schwefelsauren Stron- 
tian = 1374 Proc. Strontium. 
2:117 Gramm gaben 0'823 Gramm Cadmiumoxyd = 34 01 
Proc. Cadmium. 


Über neue Verbindungen des Chloreadmiums mit basischen Chlormetallen. 337 


3) 1103 Gramm gaben 1'436 Gramm Chlorsilber = 32:12 
Proc. Chlor. 
0911 Gramm verloren durch Erhitzen 0 -178 Gramm=19:53 
Proc. Wasser. 


Theorie: Versuch: 


_ m No > m N 
1 3 


1 Atom Sr 43:8 13°47 13:59 Be 18-35 
2 2 Cd 112 3446 34:63 34.01 
3207, 3007106-2, 232.267 32.03 82:34 82-12 
a ln: 19:38 1977902192910 2219253 
Sr CI+2 Cd CI+7 HO 325°0 99-98 100:00 100°00 10000 


Über Schwefelsäure, wie über Chlorealeium lässt sich das Salz 
nicht trocknen, da es hierbei verwittert. Aus seiner wässerigen Lösung 
krystallisirt es wieder unverändert. Beim Trocknen bei 100° C. 
verliert es 5:05 Procent Wasser oder zwei Äquivalente, zwischen 
125—130° C. 2:68 Procent, also ein drittes Atom, bei fortgesetz- 
tem Erhitzen bis 170° C. weitere 6°43 Procent Wasser oder etwas 
mehr als zwei Atome; die letzten beiden Atome Wasser werden aber 
erst bei einer Temperatur von mehr als 180°C. ausgetrieben. Bei noch 
stärkerem Erhitzen schmilzt es, wie das vorhergehende Salz, zu einer 
klaren farblosen Flüssigkeit, die nach dem Erkalten eine perlmutter- 
glänzende Masse bildet. Es verliert hierbei ebenfalls einen Theil 
seines Chlors, da die geschmolzene Masse beim Auflösen in Wasser 
einen Rückstand hinterlässt, der auf einen Zusatz von Säure wieder 
verschwindet. Das bis zum Schmelzen erhitzte Salz gab im Mittel 
zweier Versuche einen Gewichtsverlust von 30:20 Procent, also um 
einige Zehntei-Procent mehr als sein Gehalt an Wasser beträgt. 
Während dem Schmelzen entwickelt es Dämpfe von Chlorcadmium, 
wird dieses daher länger fortgesetzt, so ist der Gewichtsverlust ent- 
sprechend höher. Erhitzt man das Salz nur bis zum Verluste seines 
Wassers, so behält es seine Krystallgestalt bei und zeigt starken 
Glanz auf seinen Flächen. Die so getrockneten Krystalle sind ohne 
Rückstand in Wasser löslich. 


III. Chlorcaleiumbieadmiat, 


Dieses Salz scheint zu seiner Bildung einen Überschuss von 
Chlorealeium zu erfordern. Es wird daher am besten erhalten, wenn 
man ungefähr die Lösung von 1'/, Äquivalenten mit der Lösung von 
2 Äquivalenten Chlorcadmium vermengt und zur Krystallisation ein- 


338 R.v. Hauer. 


dampft. Es bildet sternförmig gruppirte, glänzende, an den Enden 
zugeschärfte Säulen, welche mit dem früher angeführten Strontium- 
salze isomorph sein dürften. Das Salz ist ziemlich zerfliesslich und 
sehr leieht löslich. Aus diesen beiden Gründen gelingt es nur selten, 
durch freiwilliges Verdunsten der Lösung dasselbe zu erhalten. Con- 
centrirt man hingegen die Lösung in der Wärme und lässt sie dann 
erkalten, so gesteht die ganze Masse zumeist zu einem Krystallbrei, 
der aus lauter feinen Nadeln besteht, die nur schwierig von der 
anhaftenden Mutterlauge zu befreien sind. Es muss dann wiederholt 
zwischen Fliesspapier gepresst und dann über Chlorcaleium vollends 
getrocknet werden. Überlässt man aber eine ziemlich eingeengte 
Lösung der freiwilligen Verdunstung unter einer Glasglocke über 
Chlorealeium oder unter der Luftpumpe, so erhält man dasselbe in 
schönen, wohlausgebildeten Krystallen.. Wegen der Verschiedenheit 
des Aussehens schien es, als ob die nach diesen beiden Arten erhal- 
tenen Krystalle eine andere Zusammensetzung haben müssten, allein 
die Analyse ergab dieselben Resultate. Es zeigte sich nämlich für 
beide die Zusammensetzung analog der des Strontiumsalzes nach der 
Formel: 


Ca CI + 2Cd CI+7H0. 


Bei zu langem Verweilen über Chlorealeium scheinen die Kry- 
stalle etwas chemisch gebundenes Wasser zu verlieren, da sie an 
ihren Flächen matt werden. Zum Behufe der Analyse wurden daher 
die feinen Krystallnadeln zwischen Fliesspapier gepresst und dann 
über Ätzkalk getrocknet, die grösseren säulenförmigen Krystalle 
aber unmittelbar nach letzterer Art getrocknet. Sie behalten hierbei 
ihren Flächenglanz vollkommen. 

Die Trennung von Kalk und Cadmium geschah hier durch 
Schwefelammonium, die Bestimmung der Kalkerde durch oxalsaures 
Ammoniak. 


Analyse der säulenförmigen Krystalle: 


1) 0:876 Gramm gaben 1'271 Gramm Chlorsilber = 35:79 
Proc. Chlor. 

0:902 Gramm gaben 0377 Gramm Cadmiumoxyd = 36:58 

Proc. Cadmium und 0:154 Gramm kohlensauren Kalk 

— 6:83 Proc. Caleium. ; 


Über neue Verbindungen des Chlorcadmiums mit basischen Chlormetallen. 339 


‚Analyse der nadelförmigen Krystalle: | ' 
2) 0:895 Gramm gaben 1'278 Gramm Chlorsilber = 35:22 
Proc. Chlor. 
1:066 Gramm gaben 0-186 Gramm .kohlensauren Kalk = 
6:9% Proc. Caleium. 
0:908 Gramm verloren beim Erhitzen 0:194 Gramm an 
Gewicht = 21:36 Proe. Wasser. 


Theorie: Versuch: 
N — m N 
1% 2R 
1 Atom Ca 20 6:64 6-83 6:97 


2 22... Oder 412 37-18 36:58 36-45 
3.5... € „106-2 35:26 35:79 3522 
EN HO 63 20-91 20:80 21:36 
Ca C1 +2 0dC1+7 HO 301:2 99:99 100:00 100.00 


Bei 100° C. erhitzt, verliert das Salz nur eine unbedeutende 
Menge Wasser; um es vollends zu entwässern, bedarf es einer Tem- 
peratur, welche nahe der Glühhitze ist. Das entwässerte Salz löst 
sich gleich dem Chlorcaleium unter Wärmeentwickelung in Wasser, 
das Wasserhaltende hingegen unter Abkühlung. Während in dieser 
Beziehung sonach die charakteristischen Eigenschaften des Chlor- 
caleiums gewissermassen die dominirenden sind, ist das Salz be- 
züglich seines Verhaltens in der Wärme von diesem wesentlich 
differirend. Der krystallisirte salzsaure Kalk schmilzt nämlich noch 
unter 100° €. und verliert bei stärkerem Erhitzen sein Wasser 
unter starkem Aufschäumen. Beides findet bei dem Doppelsalze mit 
Chlorcadmium nicht Statt, dasselbe schmilzt nicht in seinem Kry- 
stallwasser und verliert sein Wasser vollends unter vollkommener 
Beibehaltung seiner Krystallgestalt. Die nach Entwässerung bis zum 
Glühen erhitzten Krystalle schmelzen unter Ausstossung von Chlor- 
cadmiumdämpfen. _Die geschmolzenen Krystalle erstarren zu einer 
grauen amorphen Masse, die wegen stattgehabter Zersetzung in 
Wasser nur wenig löslich ist. Das Salz lässt sich nicht gut umkry- 
stallisiren, sondern bleibt meistens als eine amorphe weisse Masse 
zurück. 


IV. Chlorcaleiumhemicadmiat. 


Eine in der Hitze eoncentrirte Lösung, welche 2 Äquivalente 
Chlorcadmium auf 1 Äquivalent Chlorcaleium enthält, setzt beim 


340 :K. v. Hauer. 


Erkalten eine Quantität des so eben beschriebenen Bicadmiates in 
Form feiner Nadeln ab. Entfernt man diese aus der Mutterlauge und 
erhitzt neuerdings, so schiessen grosse vielflächige Krystalle an, 
deren Zusammensetzung der Formel: 


2Ca ClL+Cd CI+ 12HO 


entspricht. Das Salz scheint zu seiner Bildung einen bedeutenden 
Überschuss von Chlorealeium zu erfordern, da selbst bei einem 
Mischungsverhältnisse von 3 Äquivalenten desselben auf 1 Äquivalent 
Chloreadmium sich noch immer eine kleine Menge des Bicadmiates 
zuerst ausscheidet. / 

Die Krystalle sind wegen ihres hohen Gehaltes an Chlorcaleium 
sehr zerfliesslich. Unter der Luftpumpe über Schwefelsäure ver- 
wittert es, doch erst nach längerer Zeit. Behufs der Analyse wurde 
dasselbe über Chlorcaleium unter einer Glasglocke getrocknet. 

1) 0:953 Gramm gaben 1:309 Gramm Chlorsilber = 33:89 
Proc. Chlor. 
1.573 Gramm gaben 0'526 Gramm kohlensauren Kalk — 
13:37 Proc. Caleium. 
0-903 Gramm verloren beim Erhitzen 0:315 Gramm an 
Gewicht —= 34°88 Proc. Wasser. 
2) 1'406 Gramm gaben 1920 Gramm Chlorsilber — 33:68 
Proc. Chlor. 
1.652 Gramm gaben 0'569 Gramm kohlensauren Kalk = 
13:29 Proc. Calcium. 
1°587 Gramm verloren beim Erhitzen 0°560 Gramm an 
Gewicht = 35:28 Proc. Wasser. 


Theorie: Versuch: 


„— mn N ——_ vo 
1 2 


2 Atome Ca 40 12-89 13:37 . 13-29 

12%,.,,,0082.50 18:05 17:86 17-75 

3. 2.20.022106227 3223 33:89 33:68 

129°,2221102108 34:81 34:88 35:28 

2CaCl+CdCl+12HO 310'2 99-98 100.00 100:00 
Beim Trocknen bei 100° C., wobei es in seinem Krystallwasser 
schmilzt, welches übrigens auch bei einer noch niedrigeren Tempe- 
ratur schon stattfindet, verliert es 1795 Proc. Wasser = 6 Atome, 
zwischen 125--130° weitere 12-31 Procente oder 4 Atome, 
die letzten beiden aber zwischen 150—155°. Das Salz zeigt im 


Über neue Verbindungen des Chlorcadmiums mit basischen Chlormetallen. 341 


Wesentlichen die Eigenschaften des Chlorealeiums, so das Bestreben, 
Wasseranzuziehen und damit zu zerfliessen, zu schmelzen im Krystall- 
wasser bei niedriger Temperatur, das Entweichen des Wassers unter 
starkem Aufschäumen, Erzeugung von Kälte beim Auflösen der 
gewässerten Krystalle, Entwickelung von Wärme aber beim Auf- 
lösen der entwässerten Masse. Bei stärkerem Erhitzen schmilzt es 
zum zweitenmale unter theilweiser Zersetzung, so wie die sämmt- 
lichen bisher angeführten Verbindungen. 


V. Chlormagniumbicadmiat. 


Diese Verbindung wird in gleicher Weise erhalten, sowohl 
wenn man die beiden Chlormetalle in gleichem Verhältnisse der 
Äquivalente vermengt, als wenn man zwei Äquivalente Chlorcadmium 
mit einem Äquivalente Chlormagnium zusammenbringt. Es bildet 
grosse wasserhelle Säulen, die mit Leichtigkeit zu einer Länge 
von mehr als 1 Zoll aufgezogen werden können. In trockener Luft 
sind die Krystalle beständig, in feuchter zerfliesslich. Beim Trock- 
nen über Schwefelsäure oder Chlorcaleium verlieren sie einen 
grossen Theil ihres Wassers und werden daher ganz undurchsichtig. 
Behufs der Analyse wurde das Salz auf Fliesspapier unter der Luft- 
pumpe getrocknet, wobei es keine Veränderung zeigt. Grössere 
Krystalle enthalten meistens mechanisch Wasser eingeschlossen, da 
das Anwachsen derselben sehr rasch erfolgt, und sind daher zur 
Analyse nicht geeignet. 

Die Trennung von Cadmium und Magnium geschah durch 
Schwefelwasserstoff. Magnium wurde als pyrophosphorsaure Mag- 
nesia gewogen. 

1) 1'386 Gramm gaben 1-754 Gramm Chlorsilber = 31:22 
Proc. Chlor. 
2:156 Gramm gaben 0825 Gramm Cadmiumoxyd = 33:48 
Proc. Cadmium. 
1'656 Gramm gaben 0286 Gramm pyrophosphorsaure Mag- 
nesia — 3° 78 Proc. Magnium. 
2) 1'258 Gramm gaben 1591 Gramm Chlorsilber = 30:64 
Proc. Chlor. 
1:897 Gramm gaben 0714 Gramm Cadmiumoxyd = 32:93 
Proc. Cadmium und 0307 Gramm pyrophosphorsaure 
Magnesia = 3°50 Proc. Magnium. 


342 K. v. Hauer. 


Die Zusammensetzung entsprieht demnach der Formel: 


Mg C1+2Cd Cl-+ 12HO. 


Theorie: Versuch: 
la 2. 
1 Atom Mg 12 3.54 3:73 3:50 


A Cd 112 33-11 33-48 32-93 
BB us Cl 1062 31-40 31:22 30:64 
127% HO 108 31°93 31:57 32:93 
Mg Cl +2 Cd +12 HO 3385:2 99-98 100:00 100:00 

Das Salz lässt sich unzersetzt umkrystallisiren. Es lösen sich 
die Krystalle gleich jenen von salzsaurer Magnesia unter Hervor- 
bringung von bedeutender Kälte. Die Krystallisation erfolgt erst bei 
starker Concentration der Flüssigkeit, da das Salz sehr leicht löslich 
ist. Namentlich ist seine Löslichkeit in der Wärme um ein Bedeu- 
tendes höher, so dass häufig eine in der Wärme eoncentrirte Auf- 
lösung, welche noch keine Spur einer Krystallbildung zeigt, beim 
Erkalten gänzlich zu einer festen Masse gesteht, welche aus lauter 
feinen Krystallnadeln besteht. 

Beim Trocknen bei 100° C. verliert es 16:01 Procent Wasser 
oder 6 Atome. Schon bei etwas stärkerem Erhitzen schmilzt es in 
seinem Krystallwasser, verliert dann dieses, verhält sich aber hiebei 
wie gewöhnliche salzsaure Bittererde, indem nebst Wasser gleich- 
zeitig ein Theil der Salzsäure entweicht, so dass die Menge des 
Wassers als Gewiehtsverlust durch Erhitzen nicht bestimmt werden 
kann. Die rückständige Masse ist daher auch wenig in Wasser löslich. 


VI. Chlormagniumhemicadmiat. 


Ein Gemenge von zwei Äquivalenten Chlormagnium und einem 
Äquivalente Chloreadmium in der wässerigen Lösung stark eingedampft 
setzt beim Erkalten grosse tafelförmige Krystalle ab. Während im 
Allgemeinen die in diese Gruppe gehörigen Salze zu ihrer Bildung 
stäts einen Überschuss der basischen Chlormetalle erfordern, ist dies 
hier nicht der Fall. Das Salz ist sehr leicht löslich und in trockener 
wie feuchter Luft stark zerfliesslich. In noch höherem Grade aber 
das entsprechende Caleiumsalz. Die Zusammensetzung desselben ergab 
sich nach der Formel: i 

2MgCl +CdCl + 12H0. 

Für die Analyse wurde es über Chlorcaleium unter der Luft- 
pumpe getrocknet, da alle übrigen Trocknungsweisen nicht genügend 
erschienen. 


Über neue Verbindungen des Chlorcadmiums mit basischen Chlormetallen. JA 


1-674 Gramm gaben 2404 Gramm Chlorsilber = 35°42 Procent 
Chlor, ferner 0:370 Gramm Cadmiumoxyd = 19-34 Procent 
Cadmium und 0'640 Gramm pyrophosphorsaure Magnesi 
— 8:26 Procent Magnium. 


Theorie: 
Ve N Versuch: 
2 Atome NM %4 845 8:26 


1, 20..,0d%, 2,56 19:03 19:34 

37775 22C617%1062277230203 35:42 
122792971077103 36:71 36:98 

2 Mg Cl+Cd Cl +12 HO 2942 99-98 100.00 


Die nach der oben angegebenen Art getrockneten Krystalle, einer 
Temperatur von 100°C. ausgesetzt, verlieren hierbei nur eine geringe 
Menge Wasser, circa ein Procent. Bei stärkerem Erhitzen verhalten 
sie sich wie salzsaure Bittererde. Überhaupt geben sich die charak- 
teristischen Eigenschaften von dieser noch vorwiegender zu erkennen 
als in dem Chlormagniumbicadmiate. Für die Krystallisation dieses, 
wie des vorhergehenden Salzes, scheint die Gegenwart freier Chlor- 
wasserstoffsäure etwas hinderlich zu sein. 


VII. Chlormanganbicadmiat. 


Dieses Salz wird gleich dem entsprechenden Magniumsalze 
erhalten durch Vermengen von einem Äquivalente Chlormangan mit 
zwei Äquivalenten Chlorcadmium. Da es sehr leicht löslich ist, so kry- 
stallisirt es etwas schwierig, fast erst bei Syrupdicke der Lösung. 
Am besten erfolgt die Krystallisation, wenn man die stark einge- 
dampfte Lösung vollkommener Ruhe und der weiteren freiwilligen 
Verdunstung überlässt. Es bildet blass rosenrothe, nach mehrmaligem 
Umkrystallisiren fast weisse Säulen, ähnlich jenen des auf gleiche 
Art entstandenen Magniumsalzes. Die Krystalle lassen sich zu bedeu- 
tender Grösse aufziehen. Sie verwittern oberflächlich an sehr trocke- 
ner Luft, daher auch beim Trocknen über Schwefelsäure und Chlor- 
ealeium, an feuchter Luft sind sie zerfliesslich. In wohl verschlossenen 
Gefässen lassen sie sich übrigens ohne eine Veränderung zu zeigen 
aufbewahren. 

Die Zusammensetzung ergab sich analog dem Magniumsalze 
nach der Formel: 


Mn Cl] +2CdC1+ 12H0. 


AA K. v. Hauer. 


Behufs der Analyse wurde es über Ätzkalk getrocknet, wobei es 
keine Veränderung zeigt. | 
Die Trennung von Mangan und Cadmium geschah in der früher 
angesäuerten Lösung durch Schwefelwasserstoff. Die Fällung des 
Mangans wurde nach Verjagung des Schwefelwasserstoffes durch 
Erhitzen mittelst kohlensaurem Natron bewerkstelliget. 
1) 2:212 Gramm gaben 2669 Gramm Chlorsilber = 29: 76 Pro- 
cent Chlor, ferner 0808 Gramm Cadmiumoxyd = 
81:96 Procent Cadmium und 0234 Gramm Mangan- 
oxydoxydul—=7-62 Procent Mangan. 
2) 1°443 Gramm gaben 1754 Gramm Chlorsilber = 30 00 Pro- 
cent Chlor. 
1:755 Gramm gaben 0 651 Gramm Cadmiumoxyd=32:A5 Pro- 
cent Cadmium und 0:182 Gramm Nanganda y) Sal En == 
14% Procent Mangan. 
Theorie: Versuch: 
1. 2. 
1 Atom Mn 276 7-80 762 747 
2 od 12 21:65 31:96 32-45 
Das Cl 1062 30-01 29:76 30.00 


422 „ HO 108 30-53 30:66 30-08 
Mn C1+2Cd CI+12HO 353-8 99-99 1100-00 100-00 


In heisses Wasser geworfen, zeigen die Krystalle dieselbe Eigen- 
schaft wie die meisten dieser Salze, undurchsichtig zu werden und wie 
verwittert auszusehen. 

Dampft man die Lösung zu erneuerter Krystallisation ab, so 
erfolgt diese nach dem Erkalten nicht, sondern es setzt sich eine 
gallertartige Masse ab; fügt man jedoch der Lösung einige Tropfen 
Chlorwasserstoffsäure hinzu, so schiesst das Salz wieder unverändert 
an. Indess scheint dies auf die Krystallisation weniger zu influen- 
eiren als vielmehr der Umstand, dass das Salz leichter krystallisirt, 
wenn die Lösung der freiwilligen langsamen Verdunstung überlassen 
wird, als wenn man es durch Erkalten einer in der Wärme concen- 
trirten Lösung zu erhalten sucht. 

Beim Trocknen bei 100° C. verlieren die Krystalle 24-79 Pro- 
cent Wasser oder nahe an 10 Atome, sie verhalten sich also auch 
hierbei genau wie das entsprechende Magniumsalz. Die letzten bei- 
den Atome verliert es bei etwas über 160° C. Bei unmittelbarem 
stärkeren Erhitzen verknistert es schwach, ohne in seinem Krystall- 


Über neue Verbindungen des Chlorcadmiums mit basischen Chlormetallen. 345 


wasser zu schmelzen, schmilzt dann nach Verlust seines Wassers bei 
beginnender Glühhitze, und wird hierbei unter Luftzutritt braun, von 
sich bildendem Oxydoxydul, während theilweise Chlormangan und 
Cadmium sich verflüchtigen. Nach dem Erkalten bildet es eine kry- 
stallinische glänzende Masse. 

Vermengt man die Lösungen von zwei Äquivalenten Chlormangan 
und einem Äquivalente Chloreadmium, so krystallisirt nach dem Con- 
centriren der Flüssigkeit erstlich salzsaures Manganoxydul, dann beim 
weiteren Verdunsten das eben beschriebene Bicadmiat. Es scheint 
somit kein dem Magniumsalze analoges Hemicadmiat des Mangans zu 
existiren. 


VII. Chloreisenbicadmiat. 


Die Lösung der beiden Chlorverbindungen zu gleichen Äqui- 
valenten setzt säulenförmige grosse Krystalle ab, die höchst wahr- 
scheinlich mit den beiden Bicadmiaten von Magnium und Mangan 
isomorph sind, so wie ihre Zusammensetzung nach der Formel: 

FeCl—+ 2CdCl-+ 12H0 
sich als die gleiche ergab. 

Zur Darstellung des Salzes wurde krystallisirtes salzsaures Eisen- 
oxydul angewendet. Dieses wurde erhalten nach dem gewöhnlichen 
Verfahren durch Kochen von überschüssigem metallischem Eisen mit 
Salzsäure bei möglichster Abhaltung der atmosphärischen Luft und 
Erkaltenlassen der hinlänglich gesättigten Lösung. Von den rasch 
getrockneten Krystallen wurde die entsprechende Menge in einer 
schon früher eingeengten heissen Lösung von Chlorcadmium aufge- 
löst und dann über Chlorcaleium unter eine Glasglocke gestellt und 
so der weiteren Verdunstung überlassen. 

Die grüne Flüssigkeit setzt Krystalle ab, welche beim Heraus- 
nehmen aus derselben fast farblos sind, dann aber bald grünlich und 
endlich gelb werden. Über Chlorcaleium und Schwefelsäure ver- 
wittern sie rasch. Bei gewöhnlicher Temperatur sind sie weder 
zerfliesslich noch verwitterbar, werden aber nach und nach inten- 
siv gelb. 

Zur Analyse wurde das Salz durch wiederholtes Pressen zwischen 
Fliesspapier möglichst rasch von der anhängenden Mutterlauge befreit 
und dann vollends über Ätzkalk getrocknet. 

Sitzb. d. mathem.-naturw. Cl. XVII. Bd. II. H£t. 23 


3A6 K. v. Hauer. 


Die Trennung von Eisen und Cadmium geschah durch Schwefel- 
wasserstofl, die Fällung des Eisens aus der mit Salpetersäure erhitzten 
Lösung mit Ammoniak. 

1) 1:562 Gramm gaben 1'899 Gramm Chlorsilber = 30 00 Pro- 
cent Chlor. 
1'724 Gramm gaben 0:603 Gramm Cadmiumoxyd = 30:60 
Procent Cadmium und 0°210 Gramm Eisenoxyd = 
8-52 Procent Eisen. 
2) 1:734 Gramm gaben 0°630 Gramm Cadmiumoxyd = 31:79 
Procent Cadmium und 0°202 Gramm Eisenoxyd = 
8:15 Procent Eisen. 


Theorie: Versuch: 
1. 28 
1 Atom Fe 28 7-90 8:52 8.15 


an ed 2 33062 30:60 31-79 
3.2.1.0, ,10672, 29.98 30:00 30-39 
12 „.HO 108 30-49 30-83 30-47 
Fe Cl +2 Cd CL +12 HO 3542 99-99 4100-00 100-00- 


Schon bei mässigem Erhitzen schmilzt das Salz in seinem Krystall- 
wasser, wird dann trocken und zeigt eine gelbe Farbe, bei wei- 
terem Erhitzen unter Zutritt der atmosphärischen Luft wird es roth 
von sich bildendem Eisenoxyd. Mit Ausnahme seiner geringeren 
Zerfliesslichkeit verhält es sich daher im Wesentlichen wie krystalli- 
sirtes salzsaures Eisenoxydul. | 


IX. Chlorkobaltbicadmiat. 


Dieses Salz scheint zu seiner Bildung die Gegenwart von über- 
schüssigem Kobaltchlorür zu erfordern. Es bildet sich am leich- 
testen, wenn man ungefähr 1'/, Äquivalente davon mit 2 Äquiva- 
lenten Chlorcadmium vermengt und die concentrirte Lösung des 
Gemisches an einem nicht zu warmen Orte der freiwilligen Ver- 
dunstung überlässt. Beim Erkalten einer in der Hitze concentrirten 
Lösung erfolgt selten eine Krystallisation. Das Salz krystallisirt in 
grossen schönen Säulen von der Farbe des Kobaltchlorürs und der 
Form der Magnium-, Mangan- und Eisenverbindungen mit 12 Atomen 
Wasser. Seine Zusammensetzung nach der Formel: 


Co Cl-+ 2CdC1 + 12HO 


ist ebenfalls gleich mit der jener Salze. 


Über neue Verbindungen des Chlorecadmiums mit basischen Chlormetallen. 347 


In feuchter Luft ist es etwas zerfliesslich, in trockener beständig. 

Beim Trocknen über Schwefelsäure und Chlorealeium verwittert 
es, auch über Ätzkalk, wiewohl erst nach geraumer Zeit und nur 
oberflächlich. 

Für die Analyse geschah daher die Trocknung auf Fliesspapier 
unter der Luftpumpe, da es hierbei vollkommen trocken wird, ohne 
chemisch gebundenes Wasser zu verlieren. Die Trennung von Kobalt 
und Cadmium geschah in der stark angesäuerten Lösung durch 
Schwefelwasserstoff. Kobalt wurde nach Verjagung des letzteren 
mit Kalihydrat gefällt. 

1) 1°429 Gramm gaben 1716 Gramm Chlorsilber = 2961 Pro- 
cent Chlor. | 
1-415 Gramm gaben 0:510 Gramm Cadmiumoxyd = 31:54 
Procent Cadmium. 
2) 1145 Gramm gaben 1:376 Gramm Chlorsilber =29 64 Pro- 
cent Chlor. 
1-415 Gramm gaben 0136 Gramm Kobaltoxydul= 7:56 Pro- 
cent Kobalt. 
1:023 Gramm verloren durch Erhitzen 0- 310. Gramm = 30: 30 
Procent Wasser. 
Theorie: Versuch: 
1 Atom Co 29-5 8-30 8:22 7:56 
2., 04 18 3-43 31-54 32-50 
352.077 710622 729,85 29-61 29-64 
12 „ . HO 108 30:36 30:63 30-30 
Co Cl +2 Cd C1+12 HO 355°7 99-99 100:00 100.00 


Beim Trocknen bei 100° C. verliert es 25°46 Procent Wasser 
oder 10 Atome, die letzten zwei Atome aber zwischen 150 — 155° 
und ist dann von blauer Farbe. 

Werden die Krystalle directe einer etwas höheren Temperatur 
ausgesetzt, so schmelzen sie theilweise in ihrem Krystallwasser unter 
dunkelvioleter Färbung, nach Verlust des Wassers wird die Masse 
dann fest und bildet eine lockere bläuliche Substanz, ähnlich dem zur 
Troekne abgedampften salzsauren Kobaltoxydul. Bei einer der Glüh- 
hitze nahen Temperatur schmilzt es dann noch einmal und sublimirt 
unter theilweiser Zersetzung, so dass die rückständige Masse wenig 
in Wasser löslich ist. 

23” 


348 K. v. Hauer. 
X. Chlornickelbicadmiat. 


Auch diese Verbindung erfordert gleich der vorigen einen Über- 
schuss von Chlornickel und wird am besten nach dem beim Kobaltsalze 
angegebenen Äquivalenten-Verhältnisse erhalten. Es bildet grosse 
dunkelgrüne Säulen von gleicher Form mit dem Kobaltsalze. Die 
Zusammensetzung ergab sich nach der Formel: 


NiCI + 2CdCl + 12H0. 


Es ist gleich dem Kobaltsalze leicht löslich, und wird wie dieses 
am besten erhalten, wenn man die Lösung bei gewöhnlicher Tempe- 
ratur freiwillig verdunsten lässt. Über Chlorcaleium verwittert es 
vollends und wird hierbei weiss. 

Für die Analyse wurden die Krystalle über Ätzkalk getrocknet. 

Das durch Schwefelwasserstoff vom Cadmium getrennte Nickel 
wurde mit Kalihydrat gefällt. 

1) 1'207 Gramm gaben 1'452 Gramm Chlorsilber = 29:66 
Procent Chlor. 
1:779 Gramm gaben 0637 Gramm Cadmiumoxyd = 31:33 
Procent Cadmium und 0'193 Gramm Nickeloxydul = 
8:54 Procent Nickel. 
2) 1:400 Gramm gaben 0:500 Gramm Cadmiumoxyd = 31:25 
Procent Cadmium und 0155 Gramm Nickeloxydul = 
8-71 Procent Nickel. 
1:052 Gramm verloren beim Erhitzen 0 312 Gramm = 29: 65 
Procent Wasser. 


Theorie: Versuch: 

UT En — | een mn on 
ls 2 

1 Atom Ni 29:6 8:32 8:54 71 


273.2, Cd, 112 31:47 31:33 31:25 

3, 1.0.61 1400:2 029784 29:66 30-16 

12’, mo 108° 30885 30-47 29-88 

Ni C1+2 Cd C1+12 HO 355°8 99-98 100.00 100:00 
Bei 100° C. verliert es 26:63 Procent, also eirca 10 Atome 
Wasser, die letzten beiden Atome aber zwischen 160 — 165° C., 
somit erst bei einer höheren Temperatur, als das analoge Kobaltsalz. 
Werden die Krystalle unmittelbar vor ihrer Entwässerung einer 
etwas höheren, Temperatur ausgesetzt, so schmelzen sie theilweise 
in ihrem Krystallwasser und bilden dann getrocknet eine schmutzig 
gelbe, erdige Masse, so wie das durch Abdampfen erhaltene Chlor- 


Über neue Verbindungen des Chlorcadmiums mit basischen Chlormetallen. 349 


nickel, die sich nach und nach in Wasser wieder mit grüner Farbe 
löst. Wird die Erhitzung noch weiter getrieben, so findet, indem 
Chlor entweicht, eine theilweise Zersetzung Statt. 

Die erhaltenen Krystalle lassen sich nicht leicht umkrystallisiren, 
da sie zu ihrer Bildung, so wie das Kobaltsalz, die Gegenwart von 
überschüssigen Nickelchlorür erfordern, eben so ist es gleich diesem 
nicht gut durch Erkalten einer heiss gesättigten Lösung zu erhalten. 
Werden aber Krystalle in die gesättigte Lösung, welche kein über- 
schüssiges Nickelchlorür enthaltet, gegeben, so währen sie fort. 


XI. Chlorkupfermonocadmiat, 


Aus einer Lösung, welche die beiden Chlorverbindungen in 
gleichem Äquivalentenverhältnisse enthält, setzt sich ein Salz ab, 
welches feine, glänzende, büschelförmig vereinigte Säulen bildet, 
deren Zusammensetzung der Formel: 


CuCl + CdCl+ 4H0 
entspricht. | 

Die Krystallisation erfolgt etwas schwierig, beim Abdampfen 
in der Wärme nicht, da es hierbei stark eflloreseirt. Es wird am 
besten erhalten aus einer Lösung, welche keine überschüssige Säure 
enthält durch freiwilliges Verdunsten bei gewöhnlicher Zimmer-Tem- 
peratur. Beim Herausnehmen der Krystalle aus der Mutterlauge und 
so lange sie in noch feuchtem Zustande sind, erscheinen sie von 
grüner, nach dem Trocknen aber von blauer Farbe. Über Chlorealeium 
lassen sie sich nicht trocknen, da sie hierbei verwittern, sonst erscheint 
das Salz luftbeständig. 

Für die Analyse wurde es über Ätzkalk getrocknet. 

Cadmium und Kupfer wurden durch kohlensaures Ammoniak 
getrennt. Aus der ammoniakalischen Lösung wurde Kupfer mitteist 
Schwefelammonium gefällt, in Königswasser gelöst und dann mit 
Kalihydrat präeipitirt. 

1) 1:841 Gramm gaben 1219 Gramm Chlorsilber — 3575 
Procent Chlor. 
1456 Gramm gaben 0474 Gramm Cadmiumoxyd — 28'49 
Procent Cadmium. 
0:691 Gramm verloren durch Erhitzen 0.132 Gramm = 
19:10 Procent Wasser. 


350 K. v. Hauer. 


2) 1:153 Gramm gaben 0386 Gramm Cadmiumoxyd = 29:29 
Procent Cadmium. 
1'053 Gramm verloren durch Erhitzen 0-198 Gramm —= 
18:80 Procent Wasser und gaben 0-210 Gramm 
Kupferoxyd = 15:67 Procent Kupfer. 


Theorie: Versuch: 


ne a m N 
9 1 


1 Atom Cu 31:7 16:29 16:66 15:67 
ER Cd 56 25:79 28:49 29:29 
Zalg Cl 70-8 3640 35:75  36'24 
Aue HO 36 18:51 19°10 ' 18:80 
Cu CI+Cd Cl+4H0O 194-5 99-99 10000 100:00 
Beim Erhitzen schmilzt das Salz nicht im Krystallwasser, das 
Wasser entweicht, ohne dass die Krystalle ihre Gestalt verlieren. Sie 
erscheinen nach Verlust des Wassers von brauner Farbe und sehen 
wie entwässertes Chlorkupfer aus. Erst bei starkem Erhitzen schmilzt 
es, nachdem das Wasser ausgetrieben, zu einer dunkelbraunen 
Flüssigkeit, welche theilweise verdampft. Die geschmolzene Masse 
erstarrt krystallinisch und hat eine graubraune Farbe. 


Schlüsslich sollen nunmehr sowohl die hier angeführten Verbin- 
dungen, als auch jene schon früher von mir beschriebenen Salze 1), 
welche in die Reihe der Chlorcadmiate gehören, mit den chemischen 
Formeln und ihrer procentischen Zusammensetzung zur Übersicht 
zusammengestellt werden. 

Erste Gruppe. 


Chior-Hemicadmiate. | Procentische Zusammensetzung. 


Chlorammonium-Hemieadmiat 
2H,NCI+0Cd Cl 


Chlorkalium-Hemicadmiat 
2K C1+0Cd Cl 


Chlorealeium-Hemieadmiat 
2 Ca Cl+Cd C1+12 HO . ; 34:23 | 34-81 


Chlormagnium-Hemicadmiat 


2 Mg Cl + Cd Cl +12 HO 8:15 , 19:03 | 36:09 | 36-71 


1) Sitzungsberichte der kais. Akademie der Wissenschaften. Bd. XIII, S. 450 und 
Bd. XV, S 32. 


Über neue Verbindungen des Chloreadmiums mit basischen Chlormetallen. 351 


Zweite Gruppe. 


Chlor-Monocadmiate. | Procentische Zusammensetzung. 


Chlornatrium-Monocadmiat Cd 
Na Cl+ Cd Cl +3 HO 3163 


Chlorbaryum-Monoeadmiat 
Ba CI+Cd Ci+4HO 


Chlorkupfer-Monocadmiat 
Cu C1 +Cd C1+4HO 36-40 | 18:51 


Dritte Gruppe. 
Chlor-Bicadmiate. Procentische Zusammensetzung. 


Chlorammonium-Bieadmiat H, N Cd € HO 
H, N C1+2 Cd C1+HO 1:34 | 45.68 | 43:31 | 3-67 


Chlorkalium-Bieadmiat Cl HO 
Ka C1-2 Cd CI+HO 14-71 . 39.86 | 337 


Chlorbaryum-Bieadmiat Ba cl HO 
Ba Cl +2 CdC1+5HO 20 65 : 32:01 | 13-56 


Chlorstrontium-Bieadmiat Sr HO 
SrC1l+2CdCl+7HO 13:47 | 34-46 | 32-67 | 19-38 


Chlorealeium-Bieadmiat Ca Cd Cl 
Ca Cl +2 Cd C1 +7 HO 6:64 | 37-18 | 35-26 | 20-91 


Chlormagnium-Bieadmiat Mg Cd Cl HO 
Mg C1 +2 Cd C1+12 HO 3:54 | 33-11 | 31°40 | 31:93 


Chlormangan-Bieadmiat Mn 
Mn C1 +2 Cd Cl +12 HO 7:80 | 31:65 | 30:01 | 30:53 


Chloreisen-Bieadmiat Fe 
Fe C1+2 Cd Cl + 12 HO 7-90 | 31.62 29:98 | 30-49 


Chlorkobalt-Bieadmiat Co Cd cl HO 
Co C1 +2 Cd CI +12 HO 830 | 31-48 | 29-85 | 30-36 


Chlorniekel-Bieadmiat Ni Cd Cl HO 
Ni C1+2 Cd Cl +12 HO 8:32 | 31-47 | 29-84 | 30-35 


352 K.v. Hauer. 


Betrachtet man diese Anzahl von Verbindungen, so deuten 
dieselben wohl hinlänglich darauf hin, dass dem Metalle Cadmium 
oder respective seiner Chlorverbindung, ein eigenthümlicherCharakter 
inne wohne, welcher dasselbe in die Reihe der Chloride von Antimon, 
Zinn, Quecksilber, Gold, Platin, Palladium, stellt, welche ganz analoge 
Doppelverbindungen bilden, während die Chlorverbindungen von 
Kupfer, Mangan, Eisen ete. dieselben nicht eingehen. Auch Zink, 
ein Metall, welches gewöhnlich dem Cadmium als sehr nahe stehend 
bezeichnet wird, besitzt diese Eigenschaft nicht. 

Betrachtet man ferner die Art der Entstehung dieser Doppel- 
verbindungen, so zeigt sich, dass sie durch einfaches Vermengen jener 
Körper darstellbar sind, welche sich in den einzelnen Gliedern der 
obigen Formeln ausgedrückt finden. In den Doppelverbindungen 
selbst sind stäts alle wesentlichen Eigenschaften, dieser sie zusam- 
mensetzenden Körper zu erkennen, ja die neuen Doppelchloride 
zerfallen häufig wieder in dieselben beim Umkrystallisiren. 

Die einzelnen Glieder der Doppelchloride treten endlich in 
immer ganz bestimmten einfachen Äquivalentenverhältnissen auf. 
Dies schliesst aber den Begriff einer blossen Substitution des 
Cadmiums durch die, als basisch im obigen betrachteten Metalle, 
in der weiteren Bedeutung aus; und es macht jene nähere Gruppirung, 
welche in den angeführten Formeln erscheint, um so mehr wahr- 
scheinlich, als die Construction dieser Formeln zu keiner einzigen 
Verbindung führt, welche nicht für sich isolirt bekannt wäre. 

Es ercheint somit die Betrachtungsweise, welche für diese 
Doppelverbindungen angeführt wurde, wonach dieselben als Doppel- 
salze anzusehen sind, in welchen Chlorcadmium die Rolle des 
elektronegativen Gliedes vertritt, eben so wie Zinn, Antimon, Queck- 
silberchlorid ete. in ihren Doppelverbindungen, eine sehr nahe 
liegende, und eine diese eigenthümlichen Verbindungen schärfer 
charakterisirende. 

Im Sinne der von A.Schrötter 1) für die Doppelverbindungen 
des Cyans aufgestellten Betrachtungsweise, nach welcher dieselben 
in nachbestimmten Typen gebildeten Gruppen vereinigt erscheinen, 
wären hingegen die angeführten Doppelverbindungen des Chlor- 


1) In der oben eitirten Abhandlung 


Über neue Verbindungen des Chlorcadmiums mit basischen Chlormetallen. 353 


eadmiums in zwei solcher Gruppen zu unterscheiden, die beide nach 
dem allgemeinen Typus 
n M CIx HO 
gebildet sind, in welchem Ausdruck »= den Zahlen 2 und 3 ent- 
sprieht und wenigstens ein®M —= Üd ist. 
Die Glieder der ersten Gruppe, deren allgemeiner Ausdruck 
2M Clx HO 


ist, entstehen daher, wenn die Hälfte von M durch die äquivalente 
Menge eines andern Metalles ersetzt ist, daher sie nach der Formel: 
M Cd Cl, x HO 
zusammengesetzt sind. 
Die hierher gehörigen Glieder von den obigen Salzen sind 


Na Cd Cl, 3HO 
Ba Cd Cl, 4HO 
Cu Cd Cl, 4HO 
Die Glieder der zweiten Gruppe, deren allgemeiner Ausdruck 


3M Cilx HO 


ist, entstehen, wenn ein oder zwei M durch ein anderes Metall in 
äquivalenter Menge ersetzt sind, und die Glieder derselben können 


daher die Formen 
M Cd, Cl, x HO 


oder M, Cd Ci, x HO 
annehmen. 
Es gehören von den obigen Verbindungen folgende hierher: 
Erste Form: (H,N) Cd, Cl, HO 
K Cd, Cl, HO 


Ba Cd, Cl, 5 HO 
Sr Cd, Cl, 7HO 
Ca Cd, 01, 7H0 


ZweiteForm: (H, N), Cd Cl, 
Kz .C0%Cl, 
Ca, Cd Cl, 12 HO 
Mg, Cd Cl, 12HO. 


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Verzeichniss der eingegangenen Druckschriften. B) 55 


VERZEICHNISS 
DER 
EINGEGANGENEN DRUCKSCHRIFTEN. 


(@ULI.) 


Acade&mie des seiences ete. de Dijon. Memoires 1854. 
Akademie, k.,v. Wetenschappen, Deel II, Amster- 
dam 1855; 4% 
» » Verslagen en Mededeelingen. Deel II, Nr. 1—3. 
» »  Catalogus der Boekerij. Aflev. 1 
Akademie, k., Vetenskaps, Handlingar. 1852, 1853. Stockholm 
1854; 8°. 
5 „ Öfversigt 1853. 
Anderson, N., Ars-Berättelser i Botanik. 1820—1838. Stockholm 
1852; $% 
Annales des universites de Belgique. 1851, 1852. Bruxelles 
1854; 8% 
Annali dell’ instituto di corrispondenza archeologica. Vol. 5, 6. 
Anne&e academique de l’Universit& de Liege. 1854. 
Archiv der Mathematik und Physik vonGrunert. Th. XXIV, H. 3. 
Bern, Universitätsschriften aus dem Jahre 1854. 
Bland, Miles, Algebraical problems, producing simple and quadratie 
equations with their solutions. 9. ed. London 1849; 8% 
— Mechanica: problems ete. London 1828; 8% 
— Geornetrieal problems ete. 4. ed. London 1842; 8% 
— The elements of Hydrostaties ete. 2. ed. Cambridge’ 1827; 8°. 
Boheman, C. H., Arsberättelse om framstegen i insekternas, Myria- 
podernas ete. Naturalhistoria. 1851—1852. Stockholm 1854: 8% 
Bullettino dell’ Instituto di corespond. archeolog. 1848, 1849- 


356 Verzeichniss der 


Catalogo delle opere d’arte contenute nella sala delle sedute dell’ 
l. R. Accademia di Venezia. Venezia 1854; 8°. 

Cimento, il nuovo,. Giornale di fisiea, ete. Nr. 6, 7. 

Bosmos. Yol. & Nun I 

Edlund, C., Berättelse om framstegen i Fysik 1851. Stockholm 
1854; 8% 

Flora, 1855. Nr. 13—26. 

Gesellschaft, antiquarische, in Zürich. Mittheilungen. Bd. VN. 
Heft 6—8. IX. Abtheil. I. Heft 2, 3. I. 1—AX. 

Gesellschaft, k. k. mähr.-schles., des Ackerbaues ete. Mitthei- 
lungen. 1855. Nr. 1—26. 

Gesellsehaft, naturforschende, in Danzig. Neueste Schriften, 
Bd. V, Heft 2. 

Gesellschaft, k. sächsische, d. Wissenschaften. Berichte über die 
Verhandlungen der math.-phys. Classe. 1854. Heft 1, 2. 
Gesellschaft, k. sächsische, der Wissenschaften. Abhandlungen 

der math.-phys. Olasse. Bd. IV, Bogen 31 — Ende. 

Goldenthal, Jak, Das Morgenland. Jahrg. I. Quart. 1. Wien 
1855; 4% 

Jahrbuch, neues, für Pharmaeie ete. Bd. III, Heft 4. 

Jahresbericht über die Fortschritte der Chemie, von Liebig 
und Kopp. 1854. Abth. 1 und 2. 

Johnson, Manuel. Astronomieal and meteor. Observations made 
at the Radclife Observatory. Vol. 14. Oxford 1855; 8% 

Karsten. Die Fortschritte der Physik ete. Jahrg. 8. 

Magazin, neues laufisifches. Bd. 31. Lief. 3—9. 

Malacarne, Giamb., I rapporti che i poligoni regolari uno di un 
lato piü dell’ altro inseritti e eircoseritti hanno fra essi ed il cer- 
chio col mezzo dei quali si ottengono proporzioni che danno la 
soluzione geometrica di problemi tenuti per insolubili. Vicenza 
1855; 8% 

Memorie dell’ Accademia di Bologna. Tom. 5. 

Monumenti inediti pubblieati dall’ instituto di corrispondenza 
archeolog. 1848, 1849. 

Mufeum Francidco-Garolinum. 15. Sahresbericht. 

Nachrichten, astronomische. 958 — 966. 

Notizia breve intorno alla origine della eonfraternita di S. Giovanni 
Evang. in Venezia. Venezia 1855; 8% 


eingegangenen Druckschriften. 3 5 7 


Perrey, Alexis. Note sur les tremblements de terre, ressentis en 
1853. (Bulletin de l!’Acade&mie de Belgique. T. 21.) 

Petrina, Franz, Mittheilungen aus dem Gebiete der Physik. Mit 
3 Tafeln. Prag. 1855; 4% 

Phillips, Georg, Kirhenreht. Bd.I, 3. Aufl. Negensburg 1855 ; 8% 

Piercot, Etat de l’instruction supdrieure. Bruxelles 1853; 80- 

Rendiconto delle sessioni dell’ Accademia di Bologna. 1853/54. 

Scheerer, Th. Beiträge zur näheren Kenntniss des polymeren 
Isgomorphismus s. 1. et. d. 

Societe francaise pour la conservation des monuments historiques. 
Seances en 1854. 

SocieteR. des sciences de Liege, M&moires. Vol. 9. 

Society, Asiatie of Bengal, Journal. 1854, Nr. 7, 1855, Nr. 1. 

Society astronomical, of London, Memoirs. Vol. 23. 

» » Monthly notices. Vol. 14. 

Sunderval, C., Berättelse om framstegen i Vertebrerade djurens 
naturalhistoria ect. 1845—50. Stockholm 1853 ; 8% 

Berein, biftor., der Orte Lucern ze. Der Gefhichtsfreund. Lief. 11. 

Berein für hamburgifche Gefchichte,, Zeitfehrift. Neue Folge. Bd. 1, 
Lief. 1. 

Berein, hiftor., für Niederfachfen, Archiv. Sahrg. 1892, Heft 1. 

— Urfumdenbuh. Abth. 2, Heft. 1. 
— Sahresbericht 15. 

Berein, hiftor., von und für Oberbayern, Archiv. Bd. XV, Lief. 1. 

Weitenweber, Wilh., Über des Marsilius Fieinus Werk: De vita 
studiosorum etc. Prag 1855; 4% 

Wikström, Joh., Ars-Berättelser om Botaniska Arbeten ect. 1850. 
Stockholm 1854; 8% 


AN £ 


Ir, j 
Ru 


BL 6 


SITZUNGSBERICHTE 


KAISERLICHEN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN. 


MATHEMATISCH-NATURWISSENSCHAFTLICHE CLASSE. 


AVIT. BAND. IE HEFT. 


JAHRGANG 1855. — OCTOBER. 


24 


SITZUNG VOM 4. OCTOBER 1855. 


Eingesendete Abhandlungen. 


Über die Messung der Strom-Intensitüt mit der Tangenten- 
Boussole. 


Von W. Zenger, 


Lehrer der Physik zu Neusohl. 


(Vorgelegt in der Sitzung vom 19. April 1859.) 


1. 


Als Messinstrument für die Intensität galvanischer Ströme hat 
die Tangenten-Boussole den unbestreitbaren Vorzug der Bequem- 
lichkeit der Beobachtung, und demselben verdankt sie auch ihre so 
allgemein verbreitete Verwendung, wiewohl sie der Sinus - Boussole 
in theoretischer Beziehung an Genauigkeit nachsteht. 

Der grösste Fehler dieses Messinstrumentes liegt bekanntlich 
darin, dass die Theorie desselben eine Voraussetzung macht, deren 
Erfüllung auch nicht angenähert genug in der Ausführung möglich 
ist, indem eine zu starke Verkürzung der Nadellänge, ebenso wie 
eine zu starke Vergrösserung des Kreisdurchmessers des Schliessungs- 
leiters die Empfindlichkeit beeinträchtigen, ohne bei bedeutenderem 
Ablenkungswinkel die Ungenauigkeiten der Beobachtungsresultate 
in hinreichender Weise zu beseitigen. 

Da die Construction des Apparates somit keine Mittel zur aus- 
reichenden Beseitigung des Fehlers des Messinstrumentes darbietet, 
so steht nur noch der Weg offen denselben bei Benützung der 
Tangenten-Boussole zu genauen Messungen in Rechnung zu ziehen. 

24* 


362 Zenger. 


Um dahin zu gelangen ist vorerst die Wirkung des durch den Strom 
hervorgerufenen Magnetismus des Schliessungsleiters auf den inner- 
halb der Ebene desselben sich befindenden magnetischen Punkt 
zu betrachten. 

Es sei (Fig. 1) AB ein Stück eines nach einer symmetrischen in 
sich zurüekkehrenden Curve gekrümmten Schliessungsleiters, M sei 
eine Axe desselben und in N befinde sieh ein magnetischer Punkt, 
der, mit O fix verbunden, sich um diesen Punkt frei bewegen kann. 
Ist M ein elementares Stückehen desLeiters, das in der Verlängerung 
der Geraden MO liegt, so 


wird dasselbe eine bestimmte, Fig. 1. 
der Strom-Intensität und dem Be 
Magnetismus des Punktes N ni | 


proportionale Wirkung her- 
vorbringen. Ist diese Wir- 
kung für die Einheit der Ent- 
fernung p, so wird für die 
Entfernung a die Wirkung 
p=pf(e) sein. Für ein 
anderes Theilchen M’ des 
Schliessungsleiters ändert 
sieh blos der Abstand, nieht aber die Grösse p, so dass p’—=pf(«) 
wird, folglich ist 


DaB — fla):fla) oder p" = p a 
Man kann sich daher auch die Sache so vorstellen, als ob das 
‚f(@) 


 Theilchen M’ von M aus jedoch mit der Intensität p wirkte, 


f(«) 
d. i. man kann die Wirkung jedes Stromtheilchens auf die Axe 
redueirt denken. 

Die Summe der Einzelwirkungen der magnetischen Strom- 
theilchen wird offenbar die Totalwirkung des Magnetismus des 
Schliessungsleiters auf den magnetischen Punkt darstellen; nennt 
man diese S, so ist dann: 


S=pfla)+pfla)+pfl@)+-- ‚+ pf(a,) = 
— p[f(a) + f(a) + fa) +: :+f(a.)]; 


Über die Messung der Strom-Intensität mit der Tangenten-Boussole. 363 


hebt man f(«a) heraus, so erhält man die auf die Axe reducirte Total- 
wirkung: i 


f (@) | fa”) f(a) 
ee I- 


— 1 
= pfa|t+ f (a) f@@) 


Setzen wir den von den Grössen in der Klammer gebildeten Ausdruck 
der Kürze wegen Zo (a), so ist 


$—=pf(a)ögp(a) ode S=pXol(a), 


wo p' die Wirkung des Elementar-Theilchens M in der Axe auf den 
magnetischen Punkt N aus der Entfernung a bedeutet. 

Die Wirkung des Stromleiters ist also dieselbe, wie die eines 
magnetischen Punktes M in der Axe, der mit dem redueirten Gesammt- 
magnetismus der einzelnen Stromelemente versehen ist. Hieraus 
folgt, dass sich die Totalwirkungen eines Stromes auf einen magne- 
tischen Punkt 


5:8’ = p'2p(a):p’Zge (a) 


verhalten, d. h. $:$5’ = p’:p’. Diese Proportionalität zwischen der 
Totalwirkung des Stromes und der Stromelemente findet aber nur 
so lange Statt, als der Punkt N nicht aus der Ebene des Schliessungs- 
leiters heraustritt, daher die Tagenten-Boussole nie genaue Resultate 
geben kann, indem sich der Abstand des magnetischen Punktes vom 
Schliessungsleiter und mit ihm 29 (a) fortwährend ändert. 


2. 


Da die Stromwirkung eine Ablenkung des magnetischen Punktes 
aus der Ebene des Schliessungsleiters hervorbringt, so wird sich die 
Entfernung des magnetischen Punktes von den einzelnen Stromtheil- 
chen mit dieser Ablenkung ändern und daher eine Function des Win- 
kels sein, den eine durch die Punkte O und N’ gelegte Ebene mit 
der Ebene des Schliessungsleiters bildet, welcher zugleich der Ab- 
lenkungswinkel der Geraden NO aus ihrer Lage NO ist. 

Um nun diese Function des Ablenkungswinkels « zu finden, dient 
die Betrachtung der beiden Dreiecke MNN’ und NN’O m Fig. 2. 


(1) 


(2) 


364 Zenger 


Wir haben im Vorstehenden Fig. 2. 
gesehen, dass jedes Strom- Peui 

r 
theilchen so wirkend gedacht „EL 


werden kann, als ob es aus - 
dem Punkte M mit seinem / 
redueirten Magnetismus aus / 
der Entfernung «a wirken / 
würde, und daher die Total- mi. x vw Te 
wirkung des Stromes gleich- | ats: ee 

komme der Summe der redu- '5 ve 

eirten Einzelwirkungen der Stromtheilchen aus der Entfernung 
a=MN. Diese Entfernung ändert sich aber mit dem Heraustreten 


des Punktes N aus der Ebene des Schliessungsleiters. Die Erfah- 
1 

rung hat gelehrt, dass die f(a) = —. d.h. die Wirkung des Magne- 
(4 

tismus mit dem Quadrate der Entfernungen abnimmt. Es wird somit 

die Wirkung aus der Entfernung a, welche der unabgelenkten Lage 

des Punktes N entspricht, gegen die aus der Entfernung a’ bei der 

Lage N’ im umgekehrten Verhältnisse der Quadrate der Entfernungen 

sich ändern. Ist p die Wirkung des Theilchens M aus der Entfer- 


nung MN=a und p die Wirkung aus der Entfernung MN'=a', so 
folgt: 
! 1 / a® 
Dal ans zer woraus I re 
2 
sich ergibt. Es kömmt nur darauf an, das Verhältniss Bit als Fune- 
" 3 a 


tion des Ablenkungswinkels « darzustellen. Dazu dienen die erwähn- 
ten zwei Dreiecke. Setzt man 


MN—=a, MN —«a, NO=L MO=r und NANNTE 
so gibt das Dreieck MN N’ die Relation 
MN®—=MN:+ NN®+-2MN.NN'cosß, 
das Dreieck NN’'O: 
NN®=2N0? — 2 NO? cosa = ANO?sin? ia. 
Substituirt man obige Buchstaben, so ist: 


a?=a?+b?-+2abcosß und db? Al? sin? ia 
oder 
IA, 


Über die Messung der Strom-Intensität mit der Tangenten-Boussole. 365 


nun ist aber 
[04 
B = 90 Fame 3°’ 
also 
«== a? +b?+2ab sinia, 
substituirt man noch für 5 den Werth, so ist: 
a? = a? + Al?sin!x + Aalsin!a = a: + Alsin’ia(a-+ |): 


daher 


12 l 

——1+ 4 Isinzie, 
a 

da 

a+ti=MN+NO=r 


ist, so ist 


a+l r 
a (r—D?’ 
daher 
a’? Arl 
Zw 


dieser Ausdruck enthält ausser & nur noch die Constanten r und Z und 
somit ist 


a” 
Oo 
dargestellt. Aus 

ı% 


; ; Arl 
re (+ om ie) 


ergibt sich somit der wahre Werth der Stromwirkung aus der Ent- 
fernung MN—=a, wenn die Wirkung p' aus der Entfernung UN = « 
bekannt ist. Da die Wirkung jedes Theilchens des Schliessungs- 
leiters in diesem Verhältnisse vermindert wird, also auch ihre Summe, 


so muss sich da $:S’ =» =D" _ 0 >:0> verhalten, ‚somit ist 
s-,85- u — sin? 4a a) S'; 
setzt man die Constante 
Aryl aD 
m 


so ist 


$=(1-+ esin?ia)S'. 


(8) 


366 Zenger. 


Bisher wurde nur die Wirkung des Strommagnetismus auf den 
magnetischen Punkt in Betracht gezogen, aber wird nun die Ebene des 
Schliessungsleiters in die Meridianebene 
gebracht, fällt daher M mit der Richtung 
des magnetischen Meridians zusammen, und 


Fig. 8. 


denkt man sieh nun, es wirke auch die hori- 
zontale Componente des Erdmagnetismus 
auf den magnetischen Punkt, so ist, wenn 
man die Stromwirkung und die horizontale 
Componente in rechtwinkelige Compo- 
nenten zerlegt (Fig. 3) Nx, Ny, d.h. 
NE cos a=Nn sin «, woraus NE=Nmtg « 
folgt. Die Stromwirkung ist aber nicht die 


ungeschwächte, sondern die aus der Ent- 
fernung a’ wirkende verminderte Strom- 
kraft S’, daher NE cos —= $S’ cos & mit der s 
Componente Nn sin «& der horizontalen 
Intensität des Erdmagnetismus das Gleich- 
gewicht hält, also 


Ss 
/ 
SH too — De 
ist; wo Nn= H der Intensität der horizontalen Componente des 
Erdmagnetismus gesetzt worden. 

Dieser Ausdruck gibt sonach die wahre Stromstärke als Func- 
tion des Ablenkungswinkels und einer vom Abstande des magnetischen 
Punktes vom Schliessungsleiter und Umdrehungspunkte O abhängigen 
Constanten. Die Stromschwächung nimmt somit mit dem Quadrate 
des Sinus des halben Ablenkungswinkels zu, und ist um so grösser, 
je grösser die Constante c ausfällt. Da 


Arl en 
mas ( 
(dr? (A 


. . I ® ® .. 
ist, so wird ce um so grösser, je näher ——1 wird, d. h. je grösser 
Tr 


C 


der Abstand des magnetischen Punktes N vom Umdrehungspunkte 


wird. Setzt man 


7 
——N, 
I 


Über die Messung der Strom-Intensität mit der Tangenten-Boussole. 367 


so ist FR 4n 
@ _—1)2 


Ist Z verschwindend klein gegen r, d.h. fällt N in den Punkt O, so ist 


x. —0(0, dann wird auch e=0, und die Stromstärke bleibt für jede 


25 

Ablenkung der Nadel dieselbe, dann ist also S=Htg «, also genau 
der Tangente des Ablenkungswinkels proportional. Hat jedoch Z eine 
angebbare Grösse, so erhält man die Proportion 

S:S’=(1-+ecsin®tia) tga: (1-+c sin? ta) tg 

zur Vergleichung zweier Strom-Intensitäten bei derselben Anordnung 
des Schliessungsleiters und magnetischen Punktes. Da die Quadrate 
der Sinuse der halben Ablenkungswinkel immer nur kleine Grössen 
sind, wenn die Ablenkungswinkel nicht zu gross sind, so wird in 


dem Ausdrucke 
S 1-+esin’ia tiga 


S' A+esin: 1a’ tga’ 
a: 


. DO . .. . ° Tr . 
sein, wo 8 eine sehr kleine Grösse sein wird, wenn ce oder —- nicht zu 


1+ esin?t« 


1 + esin?1a' 


gross genommen wird; und daher findet näherungsweise das Gesetz 
der Tangenten für jede Tangenten-Boussole Statt, in der die Nadel- 
länge nicht zu gross und die Ablenkungswinkel gewisse Grenzen nicht 


übersteigen. Soll ce den unvermeidlichen Fehler nicht vergrössern, so 
5 O .. . . . A N 
muss es wenigstens nicht grösser als 1 sein; dieses in ce = 


gesetzt gibt n — 5828426 oder ir ; wählt man sonach 


A 1 
r  5:828426 
die Länge der Magnetnadel, so dass der Abstand des Poles vom 
Punkte 1/, bis 1/, des Abstandes des Punktes M von O beträgt, so 


wird nahe genug 
S 1 + sin?’1a tgu 


Ss 4 + sin2ia iga!” 
sind die Winkel nicht zu gross, so kann man 


Se DE EI TE a a RD A nie LRIE 
Ss 1— sin* ta’ Lg a’ ig.’ I 
setzen, woraus 


{go 


3 1 791 7 1 , 
sl + sin! (a + «)sin!(a— «')) 


tg a 


(n—1)° 


OF 


(5) 


> 3 Zengernr, 
f 
folgt, daher 


= sint(a— a)sint(a-+ «). 
Ist e nicht der Einheit gleich, oder sind’die Winkel zu gross, so dass 
die Näherungsformel nicht genau genug ist, so kann man sie auf 
logarithmische Form bringen, indem man 
1-+cesin?zx —= c, 008? 3& 
seizt, woraus 
o—1=(1-+e) tg ı« 
folgt; man berechnet hiermit die Hilfsgrösse c, und hat dann 
Ss 6, co? La tga 


2 


Sl ER 


Ay 
Die Gleichung ey zeigt, dass der Werth der Constante 


viel rascher mit » wächst, als es mit demselben abnimmt, so dass man 
durch Verringerung der Grösse / keinesweges viel gewinnt ; will man 


I 
z.B. c=0°1 haben, so muss — 


— ——, also nahezu schon 1 
r 20:98 n 


sein, während e=10 wird für ‚ also nahezu 1/,. Um 


I 1 

r  1,850543 
also ce zu 1/0 herabzubringen, muss man 2 viermal nahezu kleiner 
machen, um es aber zehnmal grösser werden zu lassen, genügt 


schon eine zwei- bis dreimalige Vergrösserung der Länge 1. 


’ 1-e sin? 1a 

Der Quotient Aush er 
1-+e sın? 4x 
der Einheit ab, d. i. 9 wird um so grösser, je mehr die Winkel « 
und «’ von einander verschieden sind, es ist daher vortheilhaft, bei 


den Tangenten-Boussolen nicht zu ungleiche Strom-Intensitäten zu 


— 1 + 9 weicht um so mehr von 


vergleichen, sondern entweder durch Einschaltung von zwischen- 
liegenden Strom-Intensitäten und gegenseitige Vergleichung weit 
abstehende Intensitäten genauer zu bestimmen oder aber die Empfind- 
lichkeit derselben nicht zu weit zu treiben, daher Multiplieatoren 
nur schwierig zu Messungen verwendbar sind. Zugleich ist ersicht- 
lich, dass die Fehler in der Vergleichung der Stromstärke nicht 
von dem absoluten Werthe der Ablenkungswinkel sondern vielmehr 
von ihrem Unterschiede abhängig ist, wie die Näherungsformel 


1+ ec sin 23 (@—e) sinz(a+t«)=1-+9 


zeigt, welche 8 selbst für « — 90° Null macht, wenn «& und «’ nicht 
weit abstehen und e nicht zu gross ist. 


Über die Messung der Strom-Intensität mit der Tangenten-Boussole. 369 


A. 


Alles bisher Gesagte bezieht sich auf einen elementaren Ring ; 
da jedoch jeder Schliessungsleiter als ein System solcher elementaren 
Ringe zu betrachten ist, so muss 


ms 


— 


die Gesammtwirkung des Schlies- | ”—_ | 
sungsleiters als die Summe der ml a1 1... X 

Wirkungen der einzelnen Ele- 
mentarringe betrachtet werden. 
Die Wirkung jedes Elementarringes lässt sich auf die eines Punktes M, 
der mit N und Oin derselben Ebene liegt, redueiren, in welehem man 
den redueirten Gesammtmagnetismus der Stromelemente vereinigt 
denkt. Man wird somit ein System soleher mit N und O in einer 
Ebene liegenden Kraftpunkte erhalten, die zwar dieselbe Intensität 
besitzen, allein aus verschiedenen Entfernungen gegen den Punkt N 
wirken. Es lässt sich aber die Wirkung jedes solchen Kraftpunktes 
in zwei senkrechte Componenten zerlegen, wovon die eine parallel 
zur Richtung NO wirkend aufgehoben und nur die andere auf NO 
senkrecht wirkende thätig ist. Diese Componente aber nimmt ofien- 
bar um so mehr ab, je grösser der Winkel ist, den eine durch NO 
gelegte Verticalebene mit der durch O und einen dieser Punkte 
gelegten ebenfalls verticalen Ebene bildet, es muss diese Wirkung 
sonach irgend eine Function dieses Neigungswinkels sein. Nennt 
man die Intensität des in der durch NO gelegten Ebene liegenden 
Kraftpunktes M z.B. P, so wird die irgend eines andern Punktes 
M'=Pf(y) sein, wenn y der Neigungswinkel beider Ebenen ist. 
Die Summe aller Wirkungen der elementaren Ringe wird sonach 


IE MHAHLEFLFENT 2 PEOIMFPAZLFLN. 
Da nach Früherem P=pXf(e«), so ist 


S=p2fla)ZfO). 


welcher Ausdruck die redueirte Wirkung des magnetischen 
Schliessungsleiters für den in der Ebene MNO liegenden magne- 
tischen Punkt darstellt. Tritt er jedoch aus dieser Ebene heraus, so 
ändert sich die Entfernung des Punktes N von jedem der Kraftpunkte 
und ihre Wirkung, daher auch die Summe derselben und wird im oben 


Ku] 


370 Aue nrgier. 


gefundenen Verhältnisse der Quadrate der Entfernungen geschwächt. 
Es findet sieh daher die wahre Intensität 


$S=pfL(a)ZfY)=S (1+csin?ic), 
wo 5, die Wirkung in der nun den Winkel & aus der Ebene MNO 
abgelenkten Lage des Punktes N bedeutet. Für dieselbe Anordnung 


des Schliessungsleiters und Punktes N bleibt aber sowohl Zf(«a) als 
f(y) ungeändert, daher 


$:$5' = Ss (1-e sin?ta): S’ (1-+ c sin?ie’) = 
— p2f(a) 2f(y):PZfla)2fG) = Pp:P: 
es verhalten sich die Totalwirkungen wie die Wirkungen der Strom- 
elemente. Da 


o=Htga, soist S=H(1l-+esin? ta) tiga 


auch für einen nicht elementaren Schliessungsleiter giltig. 


5. 


Die Form des Schliessungsleiters ist in der Regel die kreis- 
förmige, doch lässt sich zeigen, dass die elliptische Form vorzu- 
ziehen ist, indem sie bei gleicher Weite, d. h. bei einer dem 
Durchmesser des Kreisleiters gleich grossen Axe, empfindlicher 
und dennoch compendiöser wird. 

Bezieht man beide Curven auf ihre Polarcoordinaten, so ist die 
Entfernung eines Stromelementes des Kreises « und einer Ellipse «a 
wenn man den Ursprung in den magnetischen Punkt legt, für zwei 
correspondirende Punkte 

r? —l? 

I + lcos op! ” 

wo r den Halbmesser oder die halbe grosse Axe und / die Länge NO 
vorstellt, die der Einfachheit wegen so angenommen wurde, dass N 
in den Brennpunkt fällt, also Z = e wird. Nennt man die Wirkung 
des elliptischen Stromtheilchens E und des Kreistheilchens X, so ist 


a=l1cosp +V r?— lesin®p 510 


1 2 Be Da a? lecosp + Vr?— sin? r+lecoso)? 
E:K=—: We HEN TE re a 


a (ep 
Setzt man p—=0 und o—=90, so ist 


EV are 
KEN Nor 


Über die Messung der Strom-Intensität mit der Tangenten-Boussole. 3%1 


weil hier die Abstände « = a’ sind, und 


TU 2] 12 1 

—  __ 2 —_ _ —_ —_ _ _,w —e 
Koo (r? — [?)? r? — 1? 1—.? r 
die Excentrieität ausdrückt, e also stäts < als die Einheit ist. Somit 
ist für jedes Theilchen des elliptischen Leiters die Wirkung grösser 


als für das correspondirende des Kreises; indem sie zwischen den 


Grenzen 1 und wächst, somit wird auch ihre Summe grösser 
sein. Allein da die Länge des elliptischen Leiters kleiner ist als die 
des Kreises bei derselben Axenlänge, so wird dieses Verhältniss 
dadurch verringert und zwar im Verhältniss des elliptischen Umfan- 
ges zum kreisförmigen, es verhalten sich aber diese Längen wie 


2zr:2rr(1—f(e)), wo 


123 2 ya 2 
ae 2 BET lape. —— pP 
Ira lass ) +35 (oa ) a, 
Es wird sonach 
E 1-fl() , 1-4® 
K Be ER en EN 


wo demnach 1 — te? > 1—.e? ist, also dennoch ein Wachsthum für 
die elliptische Form des Leiters stattfindet und zwar um so grösseres, 
je kleiner e wird. 

Die Kreisform ist sonach nicht die vortheilhafteste für Schlies- 
sungsleiter an Tangenten-Boussolen, sondern die elliptische. Dies 
scheint auch der Grund zu sein, warum inP almieri’s Versuchen über 
erdmagnetische Induction, also im umgekehrten Falle, die elliptische 
Form der Drathspulen einen grösseren Effeet gab als die kreis- 
förmige. 


6. 


Es erübrigt noch an einigen Versuchen die oben entwickelten 
Correctionsformeln zu bestätigen. Der verwendete Apparat war eine 
aus einem kreisförmig gebogenen Kupferdrathe von 1 Millim. Dicke 


gebildete Tangenten-Boussole, die Nadellänge betrug 78:5 Millim., 


der Kreisdurchmesser war 202-5 Millim., daher — —= 0'38766 


ce = 4135; es war sonach die Nadellänge ungewöhnlich gross, und 
daher die Proportionalität der Intensitäten mit den Tangenten der 
Ablenkungswinkel so gut wie aufgehoben. 


372 2 Sıspielm 


Nach den genauesten Versuchen ist das Verhältniss der elektro- 
motorischen Kräfte einer Grove’schen und Daniell’schen Kette 
410:829. Es wurden nun auf das Sorgfältigste zwei ganz gleiche 
Elemente vorgerichtet und ihre Stromkräfte gemessen. Die Ablenkung 
betrug für das Daniell’sche Element 31029, für das Gro ve'sche 
42041’, als Beispiel der Berechnung mögen nun diese zwei Beobach- 
tungen hier stehen. 

Es ist 

S 1+esin’tatga 


Sn esin? La tga’ 


und 


Ss ce, cos?1 atga 
o—-i=(l1+c)yia <——=- en 


Ss’ cycos?+atga’’ 
daher 


log ce = 061653 ; log (1+ec) = 071041 


log (A+A) = 071041 071041 
2log ty 1& — 8:89962 9:18372 
log (c,—1) = 9:61003 i 9:89413 
o—1 = 040741 078367 

c, = 140741 178367 

log ec, = 014841 0:25132 

2log cos 1a& — 996680 9:93840 
log ce, cos? 4& — 0:11521 0:18972 


log ce, eos? 2& — 011521 
log ey cos? 1& — 0.189712 


log tg « —= 978704 
log tg. — YI6A84 


3 ine? 1 
Cg €087 5% 


 — 9-92549 


TI ans? i 
Cyg 085” 2% 
Y 


log S 9:52220 


on te _ 932220 
I ya 992549 


S 
log, — 974169 


STE 
S, a 
, — — 053936 
log 470 = 2:67210 470 
log 829 — 2-91855 255 = 056695 
Tr ED 
I 5 ‚ler — 


während der Fehler bei der Annahme, dass die Intensitäten den 
Tangenten proportional sind -+0:09710 nahezu 1Amal grösser ist. Der 
Widerstand im Leitungsbogen wurde so genommen, dass der wesent- 
liche Widerstand sehr klein wurde, und dieser blieb daher unberück- 
sichtigt, der kleine Fehler kann daher auch von diesem nicht berück- 
sichtigten Widerstande wenigstens theilweise herrühren. 


Über die Messung der Strom-Intensität mit der Tangenten-Boussole. 


378 


Um jedoch eine noch schärfere Probe vorzunehmen, wurden 


Strom-Intensitäten von bereits bekannter Intensität mit einander an 
derselben Boussole, jedoch bei einer Nadellänge die ganz nahe dem 
Kreisringdurchmesser gleichkam, also bei vollkommen aufgehobener 


Proportionalität der Tangenten verglichen. 


Strom. 


1 


De, SEE SCHE 0) 


Nord. 
15°0 
17,2% 
20-0 
22-5 
240 


Ablenkung. 
Süd. 
195°5 
1975 
2004 
2025 
2045 


Zweite Versuchsreihe. 


Nadellänge 190 Millim.; Kreisdurchmesser 202-5 Millim.; 


Mittel. 
15° 


17 
20 
22 
2A 


15 
21 
12 
39 
15 


10 


Ablenkung. 
Nord. Süd. 
25°2 205°4 
26°2 2067 
275 2080 
28°5 2090 
29:8 2102 


29 54 


ce — 98553 _ — 0-93829; c+1 = 986:33. Die berechneten 
corrigirten und uncorrigirten, so wie das wahre Intensitätsverhältniss 
der verglichenen Ströme gibt die nachstehende Tabelle: 


Verglichene 
Ströme 


2 
3 
4 
5 
6 
7 
8 
g 
0 

3 
A 
5 
6 
7 
8 
9 
0 

. 4 
5 
6 
7 
8 
9 


ig & _8o 
ig as 


SS 


SSOSSSo9998°999590909059099 99 99965 


Wahre 
Intensität 


Corrigirte 
Werthe 


Ss 95>999. 59a 


Verglich. 


Ströme 


RS 
= 


—_ 


Sm Iso os [2 o 230 MU oO 


RE S0) 
ig a So 


SS oaeaeaen 


63985 
92636 
:88891 
82970 
79314 
:76061 
72569 
92171 
85619 
80240 
18339 
66640 
:90129 
83666 
78160 
72300 
92830 
86720 
80220 
93419) 
86416 
92505 


Wahre 
Intensität 


C 


SISISIFIIIEFSISIEISTISISISISIISISISISISISISEE 


orrigirte 
Werthe 


-30015 
81235 
71356 
60444 
-33638 
48053 
42409 
87839 
74405 
66026 
:59152 
52205 
84689 
75170 
67332 
"59443 
"88740 
79500 
70163 
89589 
79066 
88256 


374 Zenger. Über die Messung der Strom-Intensität mit der Tangenten-Boussole. 


Die vorstehende Übersicht zeigt, dass die Übereinstimmung der 
corrigirten Werthe bis auf die zweite und dritte Deceimale durchweg 
stattfindet, dass die Fehler am grössten sind, wo die Winkelablenkun- 
gen am verschiedensten waren; die nach dem Gesetze der Tangenten 
berechneten Werthe sind aber völlig unbrauchbar. Da die Mittel 
womit diese Versuche ausgeführt wurden, nur höchst unvollkommen 
waren, so konnte eine weitergehende Übereinstimmung nicht erzielt 
werden; doch ist nicht zu bezweifeln, dass eine genauer gearbeitete 
Boussole und weitergehende Kreisablesung eine viel vollkommenere 
Übereinstimmung mit der Theorie hervorbringen müsste. Durch 
diese Formel wird es möglich sein, selbst an Multiplieatoren genaue 
Messungen solcher Ströme noch vorzunehmen, bei denen man sich 
bisher begnügen musste ihr Vorhandensein constatirt zu haben. Ist 
bei einem Multiplicator oder einer Boussole » und daher auch ce sehr 
gross, wie im vorliegenden Fälle, so ist 


1-+c sin za = ce sin’ 2a 
und dann wird 

i-esin® za sin? ya | 

1-+e sin? 1a’ sin? 1a 


Man braueht dann also weder die Constante ce durch Versuche oder 
durch Messung auszumitteln, indem nahe genug 


ım2 1 
Ss __.sm" za ig & 


Ss’ sin? 1a tg a 


sein wird. 


Hlasiwetz. Über Rutinsäure und Quereitrin. 375 


Über Rutinsäure und Quercitrin. 


Von Dr. H. Hlasiwetz. 


(Vorgelegt in der Sitzung vom 5. Juli 1855.) 


Vor einiger Zeit haben Rochleder und ich eine Notiz über 
das Vorkommen der Rutinsäure in den Blüthenknospen von Capparis 
spinosa veröffentlicht 1). Seitdem hat Stein denselben Körper auch 
in einem Farbmateriale aus China aufgefunden ?), welches man unter 
dem Namen „chinesische Gelbbeeren“ in den Handel bringt, und 
welches derselbe als von einer strauchartigen Papilionacee abstam- 
mend, erklärt. 

Wenn man die Eigenschaften dieser Säure mit denen vergleicht, 
die in einer sehr sorgfältigen Untersuchung Rigaud von dem Quer- 
eitrin 3) oder der Quercitronsäure angegeben hat, so ist man über- 
rascht, zu finden, dass sie vollständig dieselben sind, und was die analy- 
tischen Resultate angeht, so zeigt ein einfacher Vergleich, dass es sich, 
sofern sie differiren, nur um eine Differenz im Wassergehalte handelt. 

Aus diesem Vergleiche drängt sich mir die Überzeugung auf, 
dass diese Körper geradezu identisch sind, und ich erlaube mir daher 
die Mittheilungen der verschiedenen Beobachter neben einander zu 
setzen, um diese Beurtheilung zu erleichtern. | 


Quercitrin | Rutinsäure 
nach Chevreul, Bolley*) und | nach Weiss ?°’), Bornträger®), 
Rigaud. R. und Hl. und Stein. 
Schwefel- bis chromgelber Verfilzte kleine Nadeln mit 


Körper, mikroskopische Krystalle | einem Stich ins Schwefelgelbe, 


1) Sitzungsberichte der k. Akademie der Wissensch. zu Wien, Jännerheft 1852. 

2) Programm der polytechnischen Schule zu Dresden, März 1853, und pharm. Central- 
blatt 1853, S. 193. 

3) Annal. d. Ch. Bd. 90, S. 283. 

%) Annal. d. Ch. Bd. 37, S. 101. 

5) Pharm. Centralblatt 1842, S. 903. 

6) Ann. d. Ch. Bd. 53, S. 385. 


Sitzb. d. mathem.-naturw. Cl. XVII. Bd. II. H£t. 25 


376 


des gradrhombischen Systems. 


(R.) 


In 400 Theilen siedendem 
Wasser löslich. (Bolley.) 

In A25 Theilen siedendem 
Wasser löslich. (Rigaud.) 


Fast unlöslieh in kaltem 
Wasser. 
Löslieh in 4—5 Theilen 


Alkohol. (Bolley.) 


Hlasiwetz. 


wenn sie aus Wasser krystalli- 
sirt erhalten wurden; aus Alkohol 
etwas grössere Krystalle von 
blassschwefelgelber Farbe. Diese 
Farbe ist der Substanz eigen- 
thümlich. (R. u. Hl.) 

Die Farbe ist im getrockneten 
Zustande blassgelb mit einer ge- 
ringen Beimischung von Grün; 
unter dem Mikroskop bestehen 
die, aus kochend gesättigter wäss- 
riger Lösung sich abscheidenden 
Theilehen aus sehr feinen viersei- 
tigen Prismen, deren Endflächen 
man nicht zu erkennen im Stande 
war. (Stein.) 

Krystallinisches blassgrünli- 
ches Pulver; es besteht aus con- 
centrischen vereinigten Prismen, 
die verfilzt zu sein scheinen, und 
mit sehr spitz aufgesetzten End- 
flächen versehen sind. Diese Farbe 
istihm offenbar eigenthümlich.(B.) 

In kaltem Wasser sehr wenig 
löslich; selbst siedendes löst nur 
sehr wenig davon auf; beim Ab- 
kühlen fällt das Gelöste beinahe 
gänzlich nieder. (R. u. Hl.) 

In allen gewöhnlichen Lö- 
sungsmitteln, Wasser... . ete. 
wenig oder kaum löslich. (Stein.) 

In kaltem Wasser sehr wenig 
löslich, löslicher in heissem. (B.) 

Am löslichsten in kochendem 
Alkohol von 80 %/,. (St.) 

Alkohol löst mehr davon als 


| Wasser; die heiss gesättigte Lö- 


sung bleibt nach dem Erkalten 


Über Rutinsäure und Quereitrin. 


Wenig löslich in Äther. (R.) 


Bei erhöhter Temperatur lös- 
lich in Essigsäure. (R.) 


Sehr leicht löslich in ver- 
dünntem Ammoniak und Natron- 
lauge; die Lösung in Ammoniak 
färbt sich an der Luft dunkler 
und nimmt zuletzt eine dunkel- 
braune Farbe an. (R.) 


Die wässrige und alkoholische 
Lösung gibt mitEisenchlorid eine 
dunkelgrüne Färbung ohne Nie- 
derschlag, welche bis zur 4— 
5000fachen Verdünnung noch be- 
merkbar ist. (R.) 


Concentrirte Salpetersäure zer- 
setzt das (uereitrin unter heftiger 
Gasentwicklung von Stickoxyd und 
Kohlensäure und Bildung von Oxal- 


37% 


klar, die Substanz krystallisirt 
erst nach dem Verdunsten des 
Alkohols heraus. 

In Äther, selbst in siedendem 
unlöslich. (B.) 

Äther löst geringe Mengen 
dieses Körpers. (R. u. Hl.) 

In Äther wenig oder kaum 
löslich. (St.) 

In heisser Essigsäure in gros- 
ser Menge löslich; beim Erkalten 
fällt nur ein Theil des Gelösten 
nieder, der übrige Theil scheidet 
sich aus, wenn die Essigsäure 
verdunstet. (R. u. Hl.) 

Die Löslichkeit wird auffal- 
lend vergrössert durch Essig- 
säure. (Stein.) 

In alkalischen Flüssigkeiten, 
Kali, Natron, Ammoniak, Kalk 
oder Barytwasser mit Leichtigkeit 
löslich. An der Luft stehen ge- 
lassen absorbiren diese Lösungen 
Sauerstoff, und nehmen eine dun- 
kelbraune Farbe an. (R. u. Hl., 
B. u. St.) 

Eisenchlorid bringtin geringen 
Mengen nur gelbliehgrüne Fär- 
bung ohne Niederschlag hervor ; 
ähnlich wirkt schwefelsaures 
Eisenoxydul. (Stein.) 

Eine Lösung der Substanz in 
Wasser wird von Eisenchlorid 
intensiv grün gefärbt. (R. u.Hl.) 

Salpetersäure färbt den Kör- 
per in der Kälte gelb, beim Er- 
hitzen löst er sich mit rother 
Farbe unter Gasentwickelung auf. 

25 * 


318 
säure. Nach stattgefundener Ein- 
wirkungist die Flüssigkeit klar und 
hat eine rothbraune Farbe. (R.) 


Wird Quereitrin miteiner, zur 
Auflösung hinlänglichen Quantität 
Wasser versetzt und zum Sieden 
erhitzt, so scheidet sich auf Zu- 
satz von verdünnter Schwefel- 
säure nach kurzer Zeit ein Körper 
von viel lebhafter gelber Farbe in 
Flocken ab, die bei näherer Beob- 
achtung aus feinen, kleinen ver- 
filzten Nadeln bestehen. (Quer- 
citrin Rigaud's.) 

Wasser, dem etwas Kalı oder 
Natron zugesetzt wurde, löst das 
Quereitrin mit Leichtigkeit auf, 
und zwar mit goldgelber Farbe. 

Auf Zusatz von Säure scheidet 
es sich in Flocken wieder ab, in- 
dem die Farbe hierbei ver- 
schwindet. (R.) 


Die von dem Quereitrin ab- 
filtrirte Flüssigkeit gibt nach dem 
Neutralisiren mit kohlensaurem 
Baryt „... eingedampft, einen 


süssen Syrup, der die Eigen- 


schaften eines Zuckers hat. (R.) | 


Hlasiwetz, 


Er kann aus dieser Lösung nicht 
mehr unverändert erhalten wer- 
den. (R. u. Hl.) 

Salpetersäure färbt ihn gold- 
gelb, dann dunkeloliven, endlich 
röthlichbraun. 

Die abgedampfte Flüssigkeit 
lieferte Krystalle von Pikrinsäure 
und Oxalsäure. (Stein. ) 

Mit mässig concentrirter Mi- 
neralsäure übergossen, färbt sich 
der Körper augenblicklich eitron- 
gelb und löst sich beim Erhitzen 
mit derselben Farbe. Es scheiden 
sich dann eitrongelbe Flocken 
aus, die unter dem Mikroskop als 
sternförmig gruppirte Prismen 
erscheinen. 


Löst man die durch Säure 
erhaltenen dunkelgelben Krystalle 
in Ammoniakflüssigkeit und schei- 
detdurch eine verdünnte Säure die 
Substanz wieder ab, so erscheint 
sie wieder mit ihren ursprüng- 
lichen Eigenschaften, die sie vor 
der Behandlung mit Säuren be- 
sessen hatte. 

Dieses Gelbwerden scheint 
auf einer Wasserentziehung zu 
beruhen. (R. u. Hl.) 

Der Caramelgeruch, welchen 
der Stoff beim Erhitzen verbreitet, 
deutet an, dass dieser Körper eine 
Zuckerverbindung sei. (Stein.) 

Nach dem Kochen mit ver- 
dünnter Schwefelsäure erfolgt auf 


Über Rutinsäure und Quereitrin. 


Das Quereitrin schmilzt bei 
der trockenen Destillation, wird 
dunkel gefärbt und grösstentheils 
zerstört. Im Rückstande bleibteine 
lockere Kohle, während man in 
der Vorlage eine geringe Menge 
eines, von den gewöhnlichen Pro- 
dueten der trockenen Destillation, 
wie brenzliche Öle, begleitetes 


Sublimat erhält. (R.) (Chevreul.) 


319 


Zusatz von Ätznatron und Kupfer- 
oxydlösung eine Zuckerreaction. 
(Stein.) 

Trocken erhitzt, erhöht sich 
die gelbe Farbe, indem sie zuerst 
eine Beimischung von Braun er- 
hält. — — — Findet das Erhitzen 
in einer Proberöhre Statt, so 
entwickeln sich gelbe Dämpfe 
und es bildet sich ein Sublimat, 
bestehend aus einer dieklichen 
Flüssigkeit, untermischt mit gelb- 
lichen Körnchen. (Stein.) 

Wird die Temperatur über 
den Schmelzpunkt erhöht, so tritt 
Zersetzung ein, die geschmolzene 
Masse wird braun, bläht sieh auf, 
und es bleibt eine voluminöse 
Kohle, während eine geringe 
Menge flüchtiger Producte über- 
destillirt. 


Wie man sieht, sind diese Angaben so übereinstimmend, dass es 
nur noch des Beweises der Gleichheit der Zusammensetzung bedarf, 


um die Identität festzustellen. 


Rigaud’s Formel C,,H,,0,, ist durch die quantitative Bestim- 


mung des Zuckers so festgestellt, dass sie unumstösslich erscheint. 
Theorie und Versuch verhalten sich wie folgt: 


berechnet 


gefunden im Mittel 


mn N — u 
ee) 
H, — #71 -— 505 


0, — 4170 — 41:56 


Dagegen liessen sich Bolley’s Analysen desselben Körpers mit 
dieser Formel nicht vereinen. Die Rutinsäure hatte den Analytikern 


ergeben : 


380 


Hlasiwetz. 


Bornträger R. u. Hl. Stein 
ne en —nn Ta N 


C 50:34 — 50:27 — 50:15 — 50:94 — 50:92 — 50:66 
H 555 — 554 — 570 — 559 — 5:52 — 5:51 
O0 44-11 — 44-19 — A415 — A346 — 43:54 — Ag8l 


und darauf hat zuerst Bornträger C,>H,0, berechnet. 


(Bolley nahm für Quereitrin C,H, O,, an, wofür sich fast 


eben so gut C,; Hı0 O1. setzen lässt. Es verhält sich aber 12:8 
wie 16 : 10:06.) 


Mehrere Angaben weisen darauf hin, dass dieser Körper mit 


ungleichen Mengen Wassers erhalten werden kann, worüber schon 

Bornträger bemerkt: 
„Die Langsamkeit, womit sich die Rutinsäure aus ihren Lösungen 
„wieder absetzt, beruht vielleicht darauf, dass die Substanz in 
„ihren Auflösungen eine andere Zusammensetzung hat, als in 
„ihrem krystallisirten Zustande. Vielleicht enthält sie im letzteren 
„1 Atom Wasser mehr, welches sich bei der Einwirkung des 
„heissen Lösungsmittels von ihr trennt, aber nachher bei der 
„Krystallisation ganz allmählich wieder von ihr aufgenommen 
„wird.“ 


Dazu fand Stein für die aus Essigsäure krystallisirte Substanz: 


C 53:69 
H 4:90 
OA1Al, 
was mit Rigaud's Zahlen vollständig übereinstimmt. 
Die wasserhaltige Substanz ist dann: = (,,H450,ı + 3HO 
N Tr 7 
efunden im Mittel 
perschuel 5 aller Analysen 
EEE EEE nn er Ser 
0. 216 — 5025 2 750:5% 
Hy. -— 122, — 2.9:84 — 000 


O,, — 192 — 4443 — 43:89 
430 — 100:00 — 100:00 


Rochleder und ich haben ferner eine Bleiverbindung 


untersucht, deren empyrischen Ausdruck wir damals nach der 


Über Rutinsäure und Quereitrin. 381 


angenommenen Formel für die Rutinsäure deuteten. Auf die Formel 
des Quereitrins bezogen, stimmen die gefundenen Procente beinahe 
noch besser: 


berechnet gefunden 

(der: re 216 VER 28:93 SER 28:75 
ERDE og lg. Nag 
O0. — 1716 — 2360 — 2354 
PbO, — 3345 — 44850 — 44:62 


7465 — 10000 — 10000 
== G..4501 —- sPbO — HO 
a Een __ eG 


Schliesslich sei noch auf die Ähnlichkeit einiger Reaetionen des 
Quereitrins, von Rigaud und des Rhamno xanthins, das kürzlich 
Prof. Buchner beschrieb 1), aufmerksam gemacht. Die beiden 
Körper haben ihre äusseren Eigenschaften, ihre Unlöslichkeit in 
Wasser, Leichtlöslichkeit in Äther, die Löslichkeit und Färbung 
mit Ammoniak, die Geschmacklosigkeit und vielleicht auch das Ver- 
halten beim Erhitzen gemein. Die Angaben über die Färbung mit 
Schwefelsäure, mit Eisenchlorid, und die Löslichkeit in Äther und 
Essigsäure sind nicht von beiden der genannten Stoffe bekannt, auch 
fehlte es Buchner an Material um sein Rhamno xanthin analysiren 
zu können. Auf Rhamno xanthin passt ferner grösstentheils die 
Beschreibung der Euxanthinsäure oder Purreesäure nach Erdmann 
und Stenhouse, und das Sublimat, dessen Buchner gedenkt, 
könnte vielleicht Purrenon sein. Es wäre gewiss von sehr grossem 
Interesse, diese Daten vervollständigt zu sehen. 


1) Annal. d. Ch. u. Ph. Bd. 87, S. 218. 


382 Hlasiwetz. 


Über das Phloretin. 


Von Prof. Dr. H. Hlasiwetz in Innsbruck. 
(Vorgelegt in der Sitzung vom 5. Juli 1855.) 

Dieser interessante Körper hat sowohl für sich als auch in der 
Form seiner Zuckerverbindung als Phloridzin schon mehrfach die 
Aufmerksamkeit der Chemiker auf sich gezogen. 

Die letzten Mittheilungen hierüber verdanken wir Roser und 
Strecker), davon der letztere aus mehreren dafür vorgeschlagenen 
Formeln C,;, Hı, 0:0 als die richtige bezeichnete. 

Eine nähere Deutung dieser Formel ist noch nicht versucht 
worden. Vermuthet wurde jedoch mehrfach, es möchte das Phloretin 
eine chemische Ähnlichkeit mit dem Saligenin besitzen, das Phloridzin 
mit dem Saliein verwandt sein. ’ 

Dieser Ansicht widersprach schon in der eitirten Abhandlung 
Strecker; meine in der Absicht angestellten Versuche, durch das 
Studium der Zersetzungsproducte dieses Körpers seine eigentliche 
Natur kennen zu lernen, können, wie ich glaube, es vollkommen 
beweisen, dass wir es hier mit einem, in eine ganz andere Classe von 
Verbindungen gehörigen Körper zu thun haben, als der, die auch das 
Saligenin umschliesst. 

Die Zersetzung, die das Phloretin durch kaustisehe Alkalien 
erleidet, ist sehr geeignet hierüber aufzuklären. Ich habe durch 
Behandlung mit Kalilauge zwei neue Substanzen erhalten, eine Säure 
und einen indifferenten Körper, beide krystallisirt und sonst chemisch 
wohl charakterisirt, von denen ich in dem Folgenden Gewinnung und 
Eigenschaften mitzutheilen mir erlaube, die einen Schluss gestatten 
auf die wahre Formel des Phloretins sowohl, als auch über den Platz 
den man diesem Körper wird anweisen müssen. 

Phloretin wurde in Kalilauge (1'25 spec. Gew.) gelöst (2 Loth 
in etwa 400 CC.) und die gelbe Flüssigkeit in einer Silberschale 
kochend eingedampft, bis sie diek und breiig wurde und ein anfan- 


1) Annal. d. Ch. u. Pharm. Bd. 74, S. 178 und 184. 


Über das Phloretin. 383 


gendes Schmelzen statthatte. Erhitzt man weiter, so wird die braune 
Masse lichter und es hat eine tiefer eingreifende Zersetzung Statt, 
die man vermeiden muss, will man an den neuen Produeten nicht 
Verluste erleiden. 

Bis dahin bemerkt man keine Gasentwickelung, und ich habe es 
zweckmässig befunden, die Einwirkung der Wärme zu unterbrechen, 
wenn die Masse die erwähnte breiige Consistenz erreicht hatte, zumal 
mich andere Versuche gelehrt hatten, dass die Zersetzung schon 
durch blosses anhaltendes Kochen mit der Lauge zu Ende geführt 
werden kann. 

Bei meinen ersten Versuchen zersetzte ich nun die wiederauf- 
gelöste Kalimasse, die eine braune Farbe besitzt, mit verdünnter 
Schwefelsäure, brachte das Ganze auf dem Wasserbade zur Trockne 
und zog die rückständige Salzmasse mit Alkohol aus; den Alkohol 
destillirte ich ab, und behandelte den Rest wieder mit Wasser. Aus 
dieser Flüssigkeit erhielt ich bei passender Concentration zweierlei 
Krystalle, davon die einen zuerst anschossen und gelb oder bräunlich 
gefärbt waren, die letzteren in den Mutterlaugen sich befanden und 
aus diesen ziemlich farblos krystallisirten. Zuletzt war es aber sehr 
mühsam durch Krystallisation die beiden Körper zu trennen, Verluste 
durch das wiederholte Auflösen ete. waren unvermeidlich, die 
Krystalle mussten mechanisch gesondert werden, und das Missliche 
aller dieser Umstände veranlasste mich, nachdem ich mir über das 
Verhalten der neuen Substanzen mehrere Erfahrungen gesammelt 
hatte, einen andern Weg einzuschlagen, bei dem ich stehen blieb 
und den ich nunmehr als vollkommen befriedigend empfehlen kann. 

Es ist leicht, sieh nach der folgenden Methode in kurzer Zeit eine 
ansehnliche Menge der beiden merkwürdigen Körper zu verschaffen. 

Die breiige, nicht geschmolzene Kalimasse wird in Wasser 
gelöst und sofort ein Strom Kohlensäure hindurch geleitet, bis das 
überschüssige Ätzkali in kohlensaures verwandelt ist. Hierauf wird 
das Ganze im Wasserbade abgedampft, bis es zu erstarren anfängt. 
Diese noch sehr braune Masse wird nun mit starkem Alkohol 5 bis 
6 Mal gut ausgekocht. Der Rückstand (a) wird aufbewahrt. 

Die rothbraunen filtrirten Tineturen bringt man in ein ver- 
schliessbares Gefäss, und setzt so lange Äther hinzu als man noch 
eine Ausscheidung bemerkt, wozu meistens etwa das doppelte Volumen 
des angewandten Weingeistes erforderlich ist. 


38A Hlasiw etz. 


Auf den Ätherzusatz trübt sich sogleich das Ganze und es 
sondert sich in zwei Schichten, eine dicke ölige, schwere, die am 
Boden des Gefässes sich ansammelt, und darüber stehend das anfangs 
milchige Ätherweingeist-Gemisch. 

Über Nacht hat es sich ganz geklärt, es wird abgegossen und 
durch Destillation der Äther wiedergewonnen; hierbei gewinnt man 
meistens noch eine ganz kleine Menge desselben Körpers, der sich 
ausgeschieden hatte. Diese gefällte zweite Flüssigkeitsschichte ist 
nichts anderes als eine sehr concentrirte Lösung des Kalisalzes einer 
neuen Säure, das sich in Weingeist zwar leicht löst, in Äther aber 
ganz unlöslich ist und also gefällt wird. (Dass ich es überhaupt auf 
diese Weise und nicht durch hlosses Abdestilliren des Alkohols 
darstelle, geschieht darum, weil beim langen Sieden sich die 
Flüssigkeit etwas zersetzt, was man schon an dem Tiefbraunwerden 
derselben erkennt, und dann ein sehr gefärbtes unreines Produet gibt.) 

Man verdünnt diese Lösung mit etwas Wasser, verjagt durch 
Kochen die letzten Antheile von Äther und Alkohol, und nachdem sie 
wieder syrupsdiek geworden und erkaltet ist, zersetzt man sie sofort 
mit Salzsäure bis zur entschieden sauren Reaction. 

Alsbald erfüllt sich die Flüssigkeit mit Krystallen und nach 
kurzer Zeit ist sie zu einem Krystallbrei erstarrt, der die Säure mit 
etwas Chlorkalium gemischt enthält. 

Das Ganze lässt man auf einem Filter abtropfen, presst es 
zwischen Papier und trennt nun die Säure von dem Chlorkalium 
durch Ausziehen mit starkem Alkohol. 

Beim freiwilligen Verdunsten des Alkohols schiessen starke 
prismatische Krystalle an, die wiederholt umkrystallisirt werden. 
Am besten ist es, das Umkrystallisiren aus Wasser vorzunehmen, 
worin sie etwas weniger löslich sind als in Alkohol. 

Es war oft gar nicht nothwendig Entfärbungsmittel anzuwenden, 
denn nach drei- bis viermaligem Umkrystallisiren waren sie meist 
vollkommen farblos. 

Aber es kann sein, dass man beim langsamen Krystallisiren 
einige Krystalle anderer Art bemerkt, die sich in der Regel durch 
ihre dunkle Färbung verrathen, die einer zweiten Substanz ange- 
hören, deren Gewinnung ich sogleich beschreiben werde. 

In diesem Falle bringt man die Lösung durch Verdampfen zu 
stärkerer Concentration und stört die Krystallisation durch Umrühren 


Über das Phloretin. 3855 


bis zum Erkalten der Masse. Der andere Körper bleibt in der Mutter- 
lauge. Den Krystallbrei presst man schnell zwischen Papier ab und 
krystallisirt dann um. Die so gereinigte Substanz ist, wie bemerkt, 
eine Säure, die ich als Phloretin-Säure weiter abhandeln werde. 

Der Kalirückstand (a) von den Auskochungen mit Alkohol 
enthält nun noch die grösste Menge eines anderen Körpers, der 
gleichzeitig gebildet wurde, der keine sauren Eigenschaften hat. 

Obwohl er im reinen Zustande in Alkohol leicht löslich ist, so 
geht er doch mit kohlensauren Alkalien eine Verbindung ein, die 
diesem Lösungsmittel widersteht, denn nur ganz kleine Mengen des- 
selben finden sich bei dem phloretinsauren Kali. 

Die Hauptmenge desselben erhält man erst, wenn man die mit 
Weingeist erschöpfte Kalimasse mit einer stärkeren Säure zersetzt. 

Zu dem Ende wird sie in Wasser gelöst und bis zur entschie- 
den sauren Reaction verdünnte Schwefelsäure hinzugetropft. 

Man kann sofort, ohne von dem herausfallenden schwefelsauren 
Kali abzuältriren, alles auf dem Wasserbade zur Trockne bringen 
und die Salzmasse mit starkem Alkohol oder besser mit Ätheralkohol 
auskochen, bis sie vollständig weiss erscheint. 

Die alkoholischen Flüssigkeiten destillirt man wieder ab, verjagt 
aus dem mit Wasser verdünnten Rückstand den Rest des Weingeistes 
durch Kochen und lässt nun krystallisiren. Sehr bald nach dem Erkal- 
ten wird man eine reichliche Krystallisation eines noch stark gefärbten 
Körpers finden, dessen hervorstechendste Eigenschaft ist, dass er 
sehr süss schmeckt, wesshalb er bis auf Weiteres Phlorogluein 
genannt sein mag. 

Die Mutterlaugen geben bei neuem Verdampfen noch ansehnliche 
Mengen desselben. 

Ausser diesen beiden Körpern bildet sich bei der angeführten 
Zersetzung des Phloretins kein weiteres Product. Ich habe mich 
davon mit grosser Sorgfalt zu überzeugen gesucht, und die Versuche 
vielfach und in verschiedener Weise wiederholt. Das Detail derselben 
übergehe ich jedoch, denn sie laufen schliesslich in das vorstehende 
Verfahren zusammen. 


Phloretinsäure. 


Ich glaube dem ersten der beiden gefundenen Körper keinen 
passenderen Namen geben zu können, wenn gleich unter diesem 


386 Hlasiwetz. 


bis jetzt meistens ein stickstoffhaltiger amorpher brauner Körper 
verstanden wird, den Stass durch Einwirkung von Salpetersäure auf 
Phloridzin dargestellt hat, und für den doch im Grunde dieser Name 
nicht ganz bezeichnend ist. Dass er aber ein Nitrosubstitut der neuen 
Säure ist, die ich beschreiben will, bezweifle ieh mit Grund; seine 
Zusammensetzung gestattet wenigstens keine solche Beziehung zu 
derselben. 

Die reine Phloretinsäure krystallisirt aus Wasser in schönen, 
oft zolllangen glänzenden gebrechlichen Prismen, die meistens stern- 
förmig gruppirt sind. Aus Alkohol werden dieselben stärker erhalten, 
am schönsten aber aus Äther, worin die Säure am löslichsten ist. 
Wenn die ätherische Lösung durch freiwilliges Verdunsten syrupdick 
geworden ist, so erhält man bei grösseren Mengen Substanz, 
Krystalle von mehr als Zolllänge und bis nahezu 1/, Zoll Dieke. Sie 
halten sich an der Luft unverändert und reagiren stark sauer. Ihr 
Geschmack ist etwas herb, säuerlich adstringirend. 

Ihre wässerige Lösung zersetzt kohlensaure Salze leicht und 
gibt nur mit Bleiessig, salpetersaurem Quecksilberoxyd und Queck- 
silberoxydul Niederschläge. Die beiden letzteren sind krystallinisch. 

Eisenchlorid färbt dieselbe grün. | 

Mit Ammoniak versetzt und mit Luft geschüttelt, färbt sie sich 
roth. Silbersalpeter wird auf Zusatz von etwas Ammoniak beim 
Erwärmen redueirt. Bleichkalklösung färbt sie vorübergehend roth- 
braun. 


In kalter Salzsäure ist sie unlöslich, die erhitzte Lösung bräunt 
sich. Concentrirte Schwefelsäure löst sie, schwach erwärmt, farblos, 
beim weiteren Erhitzen wird die Flüssigkeit grünbraun. Braunstein 
bewirkt keine Farbenveränderung. 

In Salpetersäure ist sie sogleich mit rothbrauner Farbe löslich. 
Die wässerige Lösung kann ohne hemerkbare Zersetzung anhaltend 
gekocht werden. Zerrieben, mit Wasser befeuchtet und in einer 
Ammoniak-Atmosphäre stehen gelassen, zerfliesst sie und wird gelb- 
roth. Die Phloretinsäure erleidet weder beim Trocknen bei 100°, 
noch beim Schmelzen einen Gewichtsverlust. Sie schmilzt bei 128 
bis 130°C. und erstarrt krystallinisch. 


Sie gibt beim weiteren Erhitzen einen stechenden Dampf, brennt, 
gibt sehr wenig Kohle und verschwindet ohne Rückstand. 


Über das Phloretin. 387 


Die Analysen derselben haben ergeben '): 


I. 0'314 Gr. Substanz gaben 0'742 Gr. Kohlensäure und 0'185 Gr. Wasser 


21.0.2912; 55 =. 0.688387, > „. 0.1662, “= 
"III. 03048 „ 33 20.020198, % = 011890, Br 
IV. 0256 ” ” ” 0.677 ” b2] E) 0.172 ” ” 
In 100 Theilen: 
berechnet gefunden 
I II. 1. IV. 


Cs — 108 — 64:66 — 64-44 — 6451 — 6440 — 64:52 
H, — 1-—- 65—- 654- 634— 650 — 6:68 
0, — 485 — 2876 — 29:02 — 29:15 — 29:10 — 28-80 

162 — 100:00 — 100:00 — 100:60 — 100.00 — 100°00. 


(Zu jeder Analyse diente Substanz von neuer Bereitung.) 

Die Formel C,;H,ı 0,, die ich berechnet habe, ist aus den 
übereinstimmenden Analysen der Salze abgeleitet, die den besten 
Anhaltspunkt für ihre Feststellung abgeben, denn sie sind sämmtlich 
wohl krystallisirt und leicht rein zu erhalten. Der einfachste Weg 
sie zu gewinnen ist, dass man die kohlensauren Salze der betreffen- 
den Basen durch eine Lösung der Phloretinsäure zersetzt. 


Ralisalz. 


Aus kohlensaurem Kali und wässeriger Lösung der Phloretin- 
säure oder durch Mischen einer Lösung von Phloretinsäure mit Kali- 
lauge, Sättigen mit Kohlensäure, Abdampfen, Ausziehen der trockenen 
Masse mit starkem Alkohol. Ein Überschuss von Alkali verursacht 
dass sich die Lösung an der Luft braun färbt. 

Das Salz krystallisirt aus der freiwillig verdunsteten alkoholischen 
Lösung strahlig oder bei grösseren Mengen in prismatischen Blättern, 
die oft eine ansehnliche Grösse erreichen. Von den dieken Mutter- 
laugen wird es zwischen Papier abgepresst und wiederholt umkry- 
stallisirt. Es ist farblos, schmeckt erwärmend salzig, verwittert an 
der Luft und verliert beim Trocknen bei 100° C. sein Krystallwasser 
vollkommen. 


2) Alle in dieser Untersuchung angeführten Analysen sind mit chromsaurem Bleioxyd 
und einer vorgelegten Schiehte Kupferoxyd gemacht worden. Die mit * bezeich- 
neten hat mein Assistent, Herr Fr. Bukeisen, ausgeführt. 


388 ‚Hlasiwetz. 


Zur Analyse wurde das Salz im Wasserbade getrocknet. 


I. 0'287 Gr. Substanz gaben 0551 Gr. Kohlensäure und 0.127 Gr. Wasser 
Il. 0'323 „ „> » 0'136 sehwefelsaures Kali. 


In 100 Theilen:: 


berechnet gefunden 
Eee ns —n 
Cs — 108 — 52:68 — 52:36 
Ho — 10 — #87 — #91 
0, — 40 — 19:53 — 19:99 
KO — A417 — 229% — 2274 


205 — 10000 — 100:00. 
Die Formel des Salzes ist daher: C,;H,.0,; . KO. 
I m 


Natronsalz. 

Wie das Vorige dargestellt. Aus der sehr concentrirten Lösung, 
die sich leicht an der Luft röthlich färbt, krystallisirt es in strahligen 
Prismen, die beim Liegen an der Luft verwittern. 

Nach dem Trocknen bei 100° gaben: 


0-516 Gr. Substanz, 0:191 Gr. schwefels. Natron. 


Berechnet Gefunden 
Fe EEE SEE ———n 
Cs — 108 — ” En „ 
Ho — 1-5 — 
0, aan 40 Pr 99 FE ” 
NaO — 31 — 1640 — 1615 

189 


Formel: C,3H,,0; » NaO. " 
ee u en 


Magnesiasalz. 


Aus kohlensaurer Bittererde und Phloretinsäurelösung. Farblose, 
wavellitartige Krystallanhäufungen. 


Barytsalz. 


Durch Eintragen von kohlensaurem Baryt in eine erwärmte 
Lösung der Säure bis zum Aufhören des Aufbrausens erhalten. Kry- 
stallisirt in sehr schönen langen, durchsichtigen, flachen Prismen. 
Bei 100° werden sie opak. 

I. 0:3786 Gr. Substanz gaben (bei 100° getrocknet) 06258 Gr. CO, u. 0'141 Gr. HO. 


1,.70:416 A a, 5 0205 „ Ba0.SO, 
"III. 02961 ” ” ” ” 0.1454 DE 2) 


Über das Phloretin. 389 


Berechnet Gefunden 
En NET 
une I: I. I. 
GC, — 108 — 4603 — 4608 — „ — „ 
Ho — W—- 4236— Al4— „ — 9» 
0, A UN er) ” 
Ba0 — 766— 32695 — ,„ — 32:37 — 32:26 
234.6— 100'00 


Formel: C,sH,,0,.BaO0. 
mn 


Linksalz. 

Dargestellt wie das Barytsalz.. Man muss jedoch die Lösung 
siedend filtriren, denn das Salz ist sehr schwer löslich und fällt 
sogleich aus der heissen Flüssigkeit in prächtigen glänzenden, flachen 
Prismen und Blättern heraus, die sich beim Abdampfen vermehren. 
Es ist nächst dem Barytsalze das schönste der untersuchten Salze; 
die atlasglänzenden Blätter haben ohngefähr das Aussehen des Chol- 
sterins. Es ist luftbeständig. 


* 0.2973 Gr. Subst. gaben (bei 100° getrocknet) 0:5938 Gr. CO,u. 01358 Gr.HO. 


Berechnet Gefunden 
E E vu 
Os — 108 — 5440 — 5447 
Ho — 10 — 505 — 5:04 
0, — Al — 39 LE umn 2 
Ze — A0d5— „3 — » 
1985 


Formel: C,;H,00; - ZeO. 
m ——— 


Silbersalz. 


Man erhält dasselbe leicht durch Fällen einer reinen Lösung des 
Natronsalzes mit salpetersaurem Silberoxyd. Die Flüssigkeit erstarrt 
zu einem Krystallbrei blendendweisser Nadeln, der sogleich bei 
Lichtabschluss filtrirt und mit kaltem Wasser ausgewaschen werden 
muss. Zwischen Papier abgepresst lässt man ihn im Dunkeln luft- 
trocken werden, und hierauf kann er bei 100° weiter entwässert 
werden. Das Salz ist sehr empfindlich für den Lichteinfluss und 
daher trotz aller Vorsicht meistens etwas gefärbt. Ebenso färbt es 
sich, wenn das noch feuchte Salz ins Wasserbad gebracht wird. Es 
ist leicht löslich in Essigsäure und Ammoniak. 

*I. 0.3976 Gr. Substanz gaben 05638 Gr. Kohlensäure u. 0:1368 Gr. Wasser 


120:312: 7, 5 0 RSulber 
II. 0.400 „ ss von anderer Bereitung gaben 0°156 Gr. Silber. 


390 Hlasıwetz. 


In 100 Theilen: 


berechnet gefunden 
m N ME SE NE 
I. ll. II. 
Cs — 108 — 3941 — 3367 — » — » 
Ho — 10-— 365 —- 32 — „ 


0, — 9 —- 1461 — ,„.— 093.070 9» 
AgO— 116 — 4233 — „ — 42:68 — 41:88 
274 — 100:00. 
Formel: C,sH400; : AgO. 
ee N 


Quecksilbersalze. 


Sie entstehen schon beim Vermischen der Säurelösung mit sal- 
petersaurem Quecksilberoxydul und neutraler Oxydlösung. Es sind 
krystallinische Niederschläge. 

Der mit dem Oxydulsalz erzeugte bildet prismatische Nadeln, 
der mit dem Oxydsalz durchsichtige tafelförmige Krystalle. 

Die Äther-Verbindung der Phloretinsäure suchte ich durch 
Behandeln einer Lösung der Säure in absolutem Alkohol mit Salz- 
säuregas zu erhalten. 

Dabei wurde die Flüssigkeit braunroth, und als ich sie später 
im Wasserbade verdampfte, hinterblieb ein schön dunkelpurpurroth 
gefärbter Syrup, der spärlich kleine Krystalle ansetzte, die im reinen 
Zustande farblos sein mögen, deren Menge aber nicht hinreichte, 
weitere Versuche damit anzustellen. 

Die Salze der Phloretinsäure entwickeln beim Erhitzen einen 
reizenden Dampf, dessen Geruch an Phenylalkohol erinnert. Die 
Phloretinsäure ist dem Vorstehenden zufolge einbasisch, ihr entspricht 


die Formel 
C,sH,,0; .HO 


‚m 
die ihrer Salze ist dann allgemein: C,;H,,0,.MO. 


ä ’ en, mn ! 
Ich wende mich nun zur Beschreibung des zweiten Zersetzungs- 
productes des Phloretins, welches weder saure noch basische Eigen- 
schaften zeigt, dessen ich anfangs unter dem Namen 


Phlorogluein 


gedacht habe. Ich will von vornherein bemerken, dass dieser Körper 
die grösste Ähnlichkeit mit dem Orcin hat. So lange ich keine 


Über das Phloretin. 391 


Elementaranalyse desselben gemacht hatte, war ich in der That 
in Versuchung, ihn geradezu für dasselbe zu nehmen, so vieles hat 
er mit diesem Flechtenstoff gemein. 

Allein es gibt doch ausser dem Unterschied in der Zusammen- 
setzung einige besondere Kennzeichen für ihn, wie sich aus dem 
Folgenden ergeben wird. 

Vor Allem lässt er sich so wie das Orein nur schwierig farblos 
erhalten. Die, nach dem eingangs angegebenen Verfahren zunächst 
erhaltenen Krystalle sind immer stark gefärbt. Nach vielen Versuchen 
fand ich für das beste sie so zu reinigen, dass ich die wässerige Lösung 
derselben mit etwas Bleizuckerlösung versetzte (die keine Fällung 
hervorbringt) und sofort Schwefelwasserstoff durch die Flüssigkeit 
leitete. 

Das herausfallende Schwefelblei entfärbt bis zu einem gewissen 
Grade sehr schnell, die Flüssigkeit wird licht weingelb und gibt, 
nachdem sie wieder etwas eingedampft ist, den Körper in Krystallen, 
die, besonders wenn man die Operation einige Male wiederholt hatte, 
nur noch einen gelblichen Stich haben. Sie haben das Eigenthümliche, 
dass sie das Färbende einer wässerigen Lösung vollständig an sich 
ziehen, so dass diese, in dem Maasse als mehr herauskrystallisirt, 
immer farbloser wird. 

Das ist aber weniger der Fall bei einer Ätherlösung. Lässt man 
die schon möglichst entfärbte Substanz aus Äther, worin sie sich 
schon in der Kälte leicht löst, krystallisiren und giesst bei Zeiten die 
Mutterlauge ab, so sind die Krystalle fast farblos, die Lauge bleibt 
gefärbt und nunmehr können sie wie angegeben noch einmal aus 
Wasser umkrystallisirt werden und erscheinen dann ungefärbt. 

Es sind Krystalle des rhombischen Systems, die bei langsamem- 
Verdunsten leicht die Grösse einer Linse erreichen, meistens unregel- 
mässig entwickelte Prismenflächen zeigen, hart sind, zwischen den 
Zähnen knirschen und viel süsser schmecken als Zucker. 

Ihre Lösungen verändern Pflanzenpigmente nicht. Aus concen- 
trirten wässrigen Lösungen krystallisirt der Körper sehr schnell, 
langsamer aus Weingeist und Äther. In letzterem ist er am löslich- 
sten. Aus absolutem Äther werden die Krystalle wasserfrei erhalten, 
die aus wässeriger Lösung enthalten Krystallwasser. 

Die wässerige Lösung verhält sich gegen Reagentien in folgen- 
der Weise: 


Sitzb. d. mathem.-naturw. Cl. XVII. Bd. III. Hft. 26 


392 Hlasiwetz. 


Von Metallsalzen wird sie, mit Ausnahme von Bleiessig, nicht 
gefällt. Salpetersaures Quecksilberoxydul wird redueirt, ebenso 
Silberlösung beim Erhitzen und besonders schnell auf Zusatz von 
etwas Ammoniak. Eisenchlorid bewirkt eine intensiv violetrothe 
Färbung; sie ist der des Phloridzins fast gleich. Bleiehkalklösung 
gibt eine rothgelbe Färbung. Sie verblasst aber sogleich, wenn 
etwas mehr davon zugesetzt wird. Die Trommer'sche Zuckerprobe 
wird mit einer Phloroglueinlösung leicht erhalten. Bringt man eine 
Lösung des Körpers in kohlensaurem Kali bis fast zur Trockne, so 
wird durch Alkohol oder Äther nur eine Spur desselben wieder 
ausgezogen; um so weniger, je wasserfreier diese Lösungsmittel 
sind. Dieses Verhalten gab mir die im Eingange beschriebene 
Methode der Trennung der Phloretinsäure von Phloroglucin durch 
Behandlung der kohlensauren Kalimasse mit Alkohol und Äther an 
die Hand. 

Die ammoniakalische Lösung des Phloroglueins wird mit Luft 
geschüttelt rothbraun, später ganz undurehsichtig. 

Die mit Wasser befeuchteten Krystalle zerfliessen in einer 
Ammoniak-Atmosphäre zu einer rothbraunen Flüssigkeit. Salpeter- 
säure löst die Krystalle mit brauner Farbe. Erhitzte Salzsäure färbt 
sich rothgelb, kalte zeigt keine Einwirkung. 

Wie man sieht, sind die meisten Reactionen des Phloroglueins 
denen des Oreins völlig gleich. Es unterscheidet sich jedoch von 
demselben dadurch, dass es nieht, wie vom Orcin bekannt ist, schon 
unter 100° schmilzt und dass es luftbeständig ist, d. h. seine Farbe 
beim Liegen nicht verändert, wie Orein. Die Krystalle des wasser- 
haltigen Phloroglueins verwittern in der Wärme, behalten aber ihre 
Gestalt und können bei 100° ohne Veränderung getrocknet werden. 
Nur wenige Grade weiter, erhitzt, werden sie etwas missfarbig, 
schmelzen aber erst bei eirca 220°. Über diese Temperatur erhitzt 
sublimirt ein Theil. Die geschmolzene Masse erstarrt krystallinisch. 
Der Geruch überhitzten Phloroglueins hat nichts besonders Auffal- 
lendes. Die Kohle verbrennt ohne Rückstand. 

(Beiläufig bemerkt, gibt die Hälfte der Summe der Schmelzpunkte 
des Phloroglucins und der Phloretinsäure ohngefähr den Schmelz- 
4-17.) 


Die nun folgenden Analysen sind immer mit Proben von ver- 
schiedener Bereitung ausgeführt. 


punkt des Phloretins, das bei 1800 schmilzt. 


Über das Phloretin. 393 


a) Wasserhaltige Substanz; lufttrocken. 


I. 0-350 Gr. Substanz gaben 0'570 Gr. CO, und 01926 Gr. HO. 


1. 03078 „ P ” 0500 » » E23) 0:186 ee }) 
1. 03132 5.5. »„ 0565, 5 02083 5 
IV. 0:3266 en )) » 0531 % „ „ 0:190 BD) 9% 


In 100 Theilen: 


I. I. IM. IV. 
C— AA — AA30 — A459 — AL3A 
H— 611— 604— 657— 6%6 
0 — 4945 — 49:66 — 48:84 — 49:20 
100.00 — 100:00 — 100.00 — 10000. 


(I reinste Substanz, Il fast farblos, IV etwas gefärbt. Der Wasser- 
stoff in Ill ist in Folge eines kleinen Versehens etwas zu hoch.) 


b) Wasserfreie Substanz 


*]. 0-366 Gr. Substanz gaben 07565 Gr. CO, und 0:1674 Gr.HO. 
11.:0:333:, 5 20:69 ont 520.155. 2 
IN. .0:330 , $ BE LINE Ba BR a BL ee 
20,336. „x , 0 ER u Od 
V. 0401 ,„ 3 ERS ST RD. Korn a 


In 100 Theilen: 


I. Il. II. IV. V. 
C— 56:37 — 57:24 — 5732 — 5719 — 56:92 
H— 508 —- 517— 505 — 519 — . 498 
0 — 38535 — 3759 — 37:63 — 37:62 — 3510 
100:00 — 100:00 — 100.006 — 100:00 — 100:00. 


{I 24 Stunden bei 100— 108° getrocknet; dabei hatte sich 
das Pulver schwach gefärbt. II nach zwölfstündigem Trocknen im 
Wasserbade. III ebenso. IV war gelblich. V 2 Tage unter der 
Luftpumpe und 12 Stunden bei 80° getrocknet.) 

Diese Procentgehalte lassen als einfachsten Formelausdruck 
C,H, 0, für die wasserhaltige, C,H,0; für die getrocknete Substanz 
zu, dann aber natürlich alle Zahlen, welche im Verhältniss von 6:5 
oder 6:3 stehen. 

Ich glaubte mich für die Formeln C,,H,,0,, und C,H,0, 
entscheiden zu müssen, nachdem ich gefunden hatte, dass das Phloro- 
gluein mit derselben Leichtigkeit wie das Orein ein Bromsubstitutions- 
product gibt, dessen analytische Resultate nur mit diesen beiden in 


Einklang zu bringen sind. 
26* 


394 Hlasiwetz. 


Die Ubereinstimmung der berechneten und der gefundenen 
Werthe für das Phlorogluein ergibt sich dann aus Folgendem: 


berechnet gef. im Mittel berechnet gef. im Mittel 
nn — N un Tr NETT — nn 
Ca — 12 — Aria — Abb 0, — 72 — 5713 — 57:00 
Ho — 1—- 617— 629 H — 6— 476 — 5:08 
0, — 50 — 4938 — 4926 0, — 48 — 3811 — 3792 
162 — 100.00 — 100:00 126 — 100:00 — 109:00. 


Es hinterliess ferner: 


I. 0460 Gr. lufttroekene Subst. beim Trocknen 0'358 Gr. Subst.; Wasserverlust — 0'102 
I. 0:5582 ” 2) ” ” ” 04305 ” » 5 ” — 0.122. 


Berechnet Gefunden 
DE ——— Le 
C,H,05 — 126 — TI — „ — 

4H0’ 36 2222 —- 22:18 2232 


162 — 100:00. 


(Unter der Luftpumpe war nach sechstägigem Stehen der 
Wasserverlust blos bis auf 21'7—21'9 pCt. erhalten worden. Es 
wurde daher hierauf bei circa 90° das Trocknen durch 12 Stunden 


beendigt.) 
Bromverbindung. 


Wenn man in eine ziemlich eoncentrirte Lösung des Phloroglu- 
eins Brom tröpfelt, so verschwindet dieses schnell beim Umschütteln 
und macht einer reichlichen Ausscheidung von kleinen prismatischen 
Krystallen Platz, während sich die Flüssigkeit ein wenig erwärmt. 
Fährt man mit dem Zusetzen von Brom so lange fort, bis die letzten 
Antheile desselben nieht mehr verschwinden, so ist schliesslich die 
Flüssigkeit in einen Krystallbrei dieses neuen Körpers verwandelt, 
von dem man auf einem Filter die rothgelbe bromwasserstoffhaltige 
Mutterlauge abtropfen lässt und mit kaltem Wasser etwas nach- 
wäscht. Bei der ganzen Operation bemerkt man den heftigen zu 
Thränen reizenden Geruch, dessen auch Stenhouse'') bei der Dar- 
stellung des Bromorceids gedenkt. Überhaupt passt Stenhouse’s 
Beschreibung der Bereitung dieses Körpers auch fast vollständig auf 
den in Rede stehenden aus dem Phlorogluein. Gegen Wasser ver- 
hält sich jedoch der letztere vom Bromorceid verschieden. Denn 


1) Ann. d. Ch. u. Ph. Bd. 68, S. 96. 


Über das Phloretin. 395 


während von diesem angegeben ist, dass es in kaltem und heissem 
Wasser fast gleich unlöslich ist, in heissem jedoch schmilzt und beim 
Erkalten krystallisirt, ist das Bromphlorogluein in kaltem Wasser nur 
sehr schwer löslich, löst sich aber in einer grösseren Menge kochen- 
den Wassers vollkommen auf, und die Flüssigkeit lässt es nach dem 
Erkalten in den schönsten, oft sehr langen Krystallnadeln wieder 
anschiessen, die jedoch meistens noch einen bräunlichen Stich haben. 
Durch Behandeln der heissen Flüssigkeit mit Thierkohle können sie, 
wenn auch mit Verlust, entfärbt werden, denn es scheint, als zersetze 
sich der Körper etwas beim Kochen mit Wasser. 

Sehr leicht löst sich derselbe auch in Alkohol und krystallisirt 
daraus in concentrisch gruppirten Prismen. Kohlensaure und ätzende 
Alkalien lösen ihn leicht mit brauner Farbe. Beim Liegen an warmer 
Luft werden die Krystalle matt und verlieren Wasser. Bei 100° 
können sie vollständig entwässert werden und zerfallen dann leicht 
zu Pulver. 

I. 0.5203 Gr. lufttroekene Subst. gaben 0'333 Gr. CO, und 0'108 Gr. HO. 


II. 05034 „ » ) »„. 0.322 „ » = 0.1018, 2, 
1. 0.500, 5 > » 067% „Bromsilb.(mit Kalk geglüht). 
IV. 0.542 „ „ 9 E2) 07276 „ „ ” „ „ 
In 100 Theilen: 
berechnet gefunden 
mm N SEE nn IE N 
0, — 2 — 1726 — 1745 — 174 — „ — 5, 
I N a 
BB es 
OÖ, == 96 SE 2328 GE DI Me e) Zar „ ANY E2) 
41% — 10000. 


Die Analysen der getrockneten Substanz haben ferner ergeben: 


1. 0.3473 Gr. Subst. gaben 0'267 Gr. CO, und 0'040 Gr. HO. 
11. 04827 , z ER DK LEE N U 
II. 0540 „ Fr » 0'8286 „ Bromsilber. 


IV. 02436 „ > »„ 03804 „ 5 
In 100 Theilen : 
berechnet gefunden 

ee nn U —— 

T. II. IH. IV. 
C. — R— 1983 — 2022 — 1985 — ,„ — , 
H — 3—- 032 -— 127 — 146 — a 
Br, — 240 — 6611 — „ —  „.— 66:07 — 66:08 
0, —_ in 13:24 — ee ” Tan ” ig ” 


363 — 100.00. 


396 Hlasiwetz. 


Bei den Versuchen, den Wasserverlust des krystallisirten Kör- 
pers direet zu bestimmen, wurde gefunden: 


I. 04028 Gr. Substanz verloren bei 100° 0'052 Gr. HO, 


1. 05025 „ Br K N 0.065 „ 
Berechnet Gefunden 
a m 
C,,H,Br,;0, — 363 — 8706 — „ — , 
6H0O — 54 — 12-94 — 12:90 — 12:93 
"447 2 100:00. 


Wenn auch, wie ieh oben bemerkte, die Zusammensetzung des 
Phloroglueins eine Anzahl Formeln mit 6, 12, 16, 18, 28 Kohlen- 
stoff ete. zulässt, so ist doch auf die Bromverbindung keine auszu- 
rechnen, die so wie die mit C,, den gefundenen Mengen entspräche, 
und es scheint geboten, die empyrische Zusammensetzung dieser 
Körper demgemäss auszudrücken: 


C,. H, 0, = wasserfreies Phlorogluein, 
N T——t 


C,; H,;, 0, + 4HO = wasserhaltiges > 
N E) 


N nz 


> | nn O0, == wasserfreie Bromverbindung, 
Ca It 0; + 6H0 = wasserhaltige u 


Die letztere Verbindung enthält demnach 2 Äq. HO mehr als die 
ursprüngliche Substanz. 


Bleiverbindung des Phloroglueins. 


Wie das Orein wird das Phlorogluein auch durch Bleiessig 
gefällt. Der Vollständigkeit wegen habe ich diesen Niederschlag 
unter denselben Vorsichtsmassregeln wie Dumas 1) das Salz aus dem 
Orein darstellte, erzeugt und untersucht. 

Die Lösung des süssen Körpers wurde mit der Vorsicht mit 
Bleiessig versetzt, keinen Überschuss desselben hinein zu bringen, 
dann der weisse Niederschlag schnell mit destillirtem Wasser einige 
Male ausgewaschen, zwischen Papier abgepresst und unter die Luft- 
pumpe gebracht. Erst nachdem er dort ausgetrocknet war wurde er 
zerrieben und bei 100° weiter getrocknet. | 


1) Ann. d. Ph. Bd. 27, S. 140. 


Über das Phloretin. 397 


Das Salz ist nicht so unbeständig wie das aus Orein gewonnene 
und färbt sich nicht wie dieses beim Auswaschen und Trocknen roth. 


0.6756 Gr. Substanz gaben 0'317 Gr. CO, und 0:069 Gr. HO. 
059% , 45 » 04603 „ Bleioxyd. 


Bereehnet Gefunden 
mm N Fe 
,.,— 17% — 1241 — 1279 
HK, — 65- 1% —- 113 
0, — 383 — 355 — 848 

PbO, — 446 — 77:97 — 77:60 
572 — 100:00 — 100:00. 


Die Zusammensetzung C,;H;0, 4+4PbO kommt also auch mit 
jener des Oreinbleioxyds überein, welche Laurent und Gerhard 
zu C,,H;0, + 4PbO umgerechnet haben. 

Es sei mir nun erlaubt, die Beschreibung dieser Zersetzungs- 
producte des Phloretins mit einigen Bemerkungen zu beschliessen. 

Was zunächst ihre Entstehung aus dem Phloretin angeht, so 
ergibt sich dieselbe sehr einfach aus folgender Gleichung: 

C,0H1,0;0 + KOHO = C,5H,005 - KO + C45H,0, 
wg 


m tn nt 


Phloretin Phloretinsäure Phlorogluein. 


Die Spaltung hat dann grosse Ähnlichkeit mit dem Zerfallen 
einer gepaarten Ätherverbindung durch Alkalien. Dieses Schema 
schliesst die Voraussetzung ein, dass die Formel des Phloretins 
—(,,H,;0,. sei, eine Formel, welche aus den directen Ergeb- 
nissen der verschiedenen Analytiker und zuletzt aus Roser's ent- 
scheidenden Versuchen ') gewonnen wurde. Sie wurde zuerst von 
Liebig?) aufgestellt, und würde ohne Zweifel allgemeine Geltung 
behalten haben, wenn nicht Strecker in einer die erste Abhandlung 
begleitenden Notiz statt derselben C;,H,,0,. in Vorschlag gebracht 
hätte, um die Bildung des Phloridzeins besser erklärbar zu machen. 
Wenn ich mich demohngeachtet für die ältere Formel entscheide, so 
geschieht es nur, weil mir die angeführten Thatsachen mehr als alles 
Andere für dieselbe zu sprechen scheinen, denn abgesehen davon, 
dass auch der früheren Erklärung der Bildung des Phloridzeins aus 


1) Annal. d. Ph. Bd. 7A, S. 185. 
2) Annal. d. Ph. Bd. 30, S. 217. 


398 Hlasiwetz. 


C,,H,;0,0+Ci2H100:0 .4HO nichts widerspricht, müsste man für die 
Deutung der mitgetheilten Zersetzung doch zu sehr gezwungenen 
Voraussetzungen seine Zuflucht nehmen, da es nicht angeht, ein 
Äquivalent Wasserstoff aus den neuen Verbindungen herauszurechnen. 

Welchen Classen von Verbindungen die beiden Substanzen 
angehören, kann man im Allgemeinen wohl bestimmen. Ich glaube, 
dass diese Körper zu keinen anderen näher stehen, als zu den 
eigenthümlichen Bestandtheilen der Flechten. | 

Die Ähnlichkeit des Phloroglueins mit dem Orein ist in die 
Augen springend; es ahmt dasselbe in seinen hauptsächlichsten Ver- 
hältnissen so nach, dass man bei oberflächlicher Betrachtung es damit 
verwechseln könnte. Die Formeln geben bis jetzt wenig Aufschluss 
über diese Ähnlichkeit, da auch die des Orcins noch ganz empyrisch 
ist. CsH;,0, + C,H; — 0, = C,.H,0, 

Aber es lassen auch alle die übrigen indifferenten Flechten- 
körper, die ja höchst wahrscheinlich sehr nahe mit einander verwandt 


sind, aus ihren Formeln diese Beziehungen bis jetzt noch nicht 
erkennen. 
C,,H,s0, = Betaorein, 
C,,H,g0,,> Pieroerythrin, 
C,sH; 0, = Roccellinin, 
C,H; 0, = Orein, 
C,>H, 0, = Phlorogluein, 
C, H,.0; = Erythrogluein, und vielleicht 
C, H, O0, = Mamnit. 
Nicht ganz abzuweisen ist vielleicht der Gedanke, dass sie eine 
Art Alkohole sind, und es wäre zu versuchen, ob sich das nicht durch 
Darstellung der abgeleiteten Verbindungen beweisen liesse. 
Das Phlorogluein scheint dazu, da das Phloridzin nunmehr in 
beliebiger Menge im Handel zu haben ist, am leichtesten verwendbar. 
Die Phloretinsäure ihrerseits wüsste ich auch vorläufig nicht 
besser zu vergleichen als mit den Flechtensäuren. Sie ähnelt der 
Everninsäure, und unterscheidet sich empyrisch genommen von die- 
ser nur im Sauerstoffgehalt. 
C,sHı00; = Everninsäure, C,sH} 0; = Phloretinsäure. 
Anderntheils habe ich die Vermuthung, die es mir vielleicht 
glückt in der Folge zu bestätigen, dass diese Säure vermöge gewisser 
Zersetzungsproducte in einer Beziehung zur Phenylreihe steht. 


Über das Phloretin. 399 


Ob die Phloretinsäure C,sH},0, und das Tyrosin C,H, NO, 
mit einander etwas gemein haben, muss directen Versuchen aufzu- 
klären überlassen bleiben. Die Vermuthung liegt übrigens nahe. 

Bekanntlich hat schon Städeler 1) geäussert, es könnte das 
Tyrosin in die Spiroylreihe gehören, und weist zur Stütze dieser 
Meinung auf die Reaction mit Eisensalzen, das Verhalten gegen 
chlorsaures Kali und Salzsäure und den an Anilin erinnernden Geruch 
hin, den man beim Schmelzen von Tyrosin mit Kali und Braunstein 
erhält. 

Diese Verdachtsgründe lassen sich auch für die Phloretinsäure 
geltend machen, und ich kann hinzufügen, dass auch diese, wenn 
man sie mit Salzsäure und chlorsaurem Kali behandelt, anfangs sich 
rothbraun färbt, dann beim Erwärmen reichlich Gas entwickelt, end- 
lich wieder gelb wird und getrübt ist von amorphen gelben Flocken. 
Den Geruch nach Phenylsäure beim Erhitzen der phloretinsauren 
Salze habe ich schon erwähnt. 

Um nun auf das Phloretin zurückzukommen, so scheint es mir 
am passendsten, es unter dieselben Gesichtspunkte zu bringen, wie 
die gepaarten Flechtensäuren, die auch mehr oder minder leicht in 
ähnliche Körper zerfallen. Wir hätten dann: 


C;, Hi 01; = 04,0; + CH, 0; 
N Tr N Tl Ne —t 
Betaorsellsäure Orsellinsäure Roceellinin 


C;, H,; 04, +2H0O =C,,H, 0; + Cs Hin 05 
In —m—t Ne m IT mt 
Evernsäure Orsellinsäure Everninsäure 
Can Hay Oz0 +20 — OyulOs + Calls On 
Erythrinsäure Örsellinsäure Pieroerythrin 
C;, H,; 0,9, +2H0 = C,H, 0: + C5Hk 0% 
N — Ns mt en mt 


Phloretin Phloretinsäure Phlorogluein. 


Für physiologisch interessant halte ich schliesslich den Zusam- 
menhang der hier erzeugten, den Fleehtensubstanzen so verwandten 
Körper mit einem so verbreiteten Stoff phanerogamer Pflanzen wie 
das Phloridzin der Obstbäume. Das Allgemeine der Thatsache ist für 
sich klar. Es lässt uns ahnen, wie verhältnissmässig einfach die 
Bildung gewisser eigenthümlicher Substanzen in den parasitischen 
Pflanzen sein mag, und man darf wohl die Hoffnung hegen, dass man 


1) Göttinger Nachrichten 1853, S. 122. 


A0O Hlasiwetz. Über das Phloretin. 


auch vielleicht noch die Paarlinge des Phloretins fertig gebildet in 
solchen Pflanzen antreffen wird. Fragen solcher Art aber auf ihre 
letzten Gründe zurückzuführen, wird wohl erst einer ferneren Zukunft 
vorbehalten sein. 

Der letzten Mittheilung über die Identität des Quereitrins und 
der Rutinsäure, die ich einer k. Akademie zu machen die Ehre hatte, 
erlaube ich mir durch die folgenden Zahlen noch eine Stütze mehr 
zu geben. 

Professor Rochleder hatte die Güte, mir zu einem Versuch 
eine kleine Menge Rutinsäure zu überlassen, die seiner Zeit aus 
Capparis sp. gewonnen worden war. 

0255 Grm. dieser Substanz wurden in einem Kölbchen in etwa 
50 CC. Wasser siedend gelöst und nach Zusatz von etwa 60 Tropfen 
verdünnter Schwefelsäure 4 Stunden lang im Kochen erhalten. 

Die Zersetzung war dann beendigt; die Flüssigkeit hatte sich 
mit kleinen eitrongelben zarten Krystallen erfüllt, und als diese 
abfiltrirt wurden, erschien die anfangs gelbe Lösung vollkommen 
farblos. Dieses saure Filtrat wurde mit Natronlauge alkalisch gemacht 
und auf 250 CC. verdünnt. 

10 CC. Fehling’scher Kupferoxydlösung, welche 0:05 Zucker 
entsprechen, brauchten von dieser verdünnten Flüssigkeit 110 CC., 
um kochend vollständig redueirt zu werden. Hieraus berechnen sich 
44:5 pCt. Zucker. Der rückständige gelbe Körper wurde bei 100° 
getrocknet und gewogen. Er betrug 0:148 Grm. = 58:03 pCt., und 
hatte alle Eigenschaften, die Rigaud vom Quercetin angegeben hat. 

Die Formel C,;H,, O;; für das Querecitrin verlangt: 44:6 pCt. 
Zucker und 59:8 pCt. Quercetin. 

(Die Bestimmung des Quercetins fällt immer nur annähernd aus; 
inRigaud's Versuchen schwanken die gefundenen Mengen bis zu 
62-4 pCt.) 

Somit erscheint es bewiesen, dass „Quereitrin“ und „Rutin- 
säure“ wirklich eins und dasselbe sind. 


Glocker. Neue Beobachtungen über das Vorkommen des Stilpnomelans. 401 


Neue Beobachtungen über das Vorkommen des Stilpnomelans. 


Von RE. F. Glocker. 


(Vorgelegt in der Sitzung vom 12. Juli 1855.) 


Zuerst ist der Stilpnomelan bekanntlich bei Obergrund 
unweit Zuckmantel und später bei Spachendorf unweit Bennesch im 
österreichischen Schlesien entdeckt worden. Diese Vorkommnisse 
habe ich in meinen Beiträgen zur mineralogischen Kenntniss der 
Sudetenländer (H. I, S. 68 ff.) beschrieben, und von dem Stilpnomelan 
von Zuckmantel hat Herr Prof. Dr. Rammelsberg (Poggend. Ann. 
Bd. XLII, S. 129 f.) einige Analysen mitgetheilt. Seit dieser Zeit 
habe ich den Stilpnomelan noch an mehreren anderen Orten und in 
derselben Gebirgsformation wie an den erstgenannten gefunden, zum 
Theil unter Erscheinungen, welche diese neuen Vorkommnisse aus- 
zeichnen und ihnen ein besonderes Interesse verleihen, daher ich 
hier einige Nachricht davon geben will. 


1. Stilpnomelan von Seitendorf bei Troppau. 


Dieses Vorkommen ist wegen einiger eigenthümlichen Verhält- 
nisse so wie durch die dasselbe begleitenden Mineralien bemerkens- 
werth. 

Es war im Sommer 1852, als an einem kleinen Hügel dicht hinter 
einigen Häusern von Seitendorf zwischen Klein-Herrlitz und 
Bennesch, 21/, Meilen von Troppau, aus einer dort angelegten 
Magneteisenerzgrube (derWilhelminegrube) ein sehr schöner gross- 
und kleinblättriger, so wie auch kurzstrahliger Stilp- 
nomelan gefördert wurde. Der grossblättrige ist zuweilen 
krummblättrig und zugleich dünnschalig abgesondert, stark glän- 
zend und zeigt sehr glatte (aber nicht fettig anzufühlende) Flächen. 
Der kleinblättrige geht ins Feinschuppige und zugleich 
Feinkörnige, und dieser, wenn die Absonderung mikroskopisch- 
klein wird, allmählich ins Diehte über. Der dichte Stilpnomelan 
hat einen unebenen Bruch vom feinsten Korn, ist meistens zugleich 
dieksehiefrig, lässt sich zuweilen aber auch in dünnschiefrige 


A0O2 Glocker. 


Scheiben spalten und zeigt auf den schiefrigen Ablösungen oft glatte, 
stark glänzende Spiegelflächen, während er im Querbruche matt ist. 
Er hat, wie der blättrige, eine rabenschwarze Farbe und einen 
hellberggrünen Strich und enthält sehr häufig fein eingesprengtes 
Magneteisenerz. Beim ersten Anblicke könnte man diesen dichten 
schiefrigen Stilpnomelan oder Stilpnomelanschiefer für schwarzen 
Thonschiefer halten, er ist aber sogleich durch sein höheres Gewicht 
und seinen berggrünen Strich erkennbar. Übrigens zeigt mancher 
anscheinend dichte schiefrige Stilpnomelan unter einer starken Doppel- 
loupe noch deutlich eine sehr feinkrystallinisch-körnige Beschaffen- 
heit oder besteht aus den zartesten Stilpnomelanblättehen, ebenso 
wie mancher Thonschiefer aus Glimmerblättchen. 

Der Seitendorfer Stilpnomelan ist theils in unregelmässigen 
derben Partien mit weissem, grossblättrigem gemeinen Kalkspath 
verwachsen, welcher in grosse, höchst vollkommen rhomboedrische 
Stücke springt, oder auch mit weissem gemeinen Quarz, oft mit beiden 
zugleich, oder er ist auch in Kalkspath und Quarz eingesprengt; theils 
erscheint er in meistens schmalen Trümmern, besonders der strahlige, 
welcher den :klein- und feinschuppig-blättrigen oft auf diese Weise 
durchzieht. Ferner kommt der blättrige und strahlige Stilpnomelan 
auch mit derbem, feinkörnigem Magneteisenerz, welches in der oben 
genannten Grube gewonnen wird, verwachsen vor und durchsetzt es 
auch in 2? —5 Par. Lin. breiten Trümmern. In diesem derben, fein- 
körnigen Magneteisenerz, welches entweder rein oder mit fein- 
sehuppigem oder feinerdigem Chlorit durchdrungen ist, fand ich einen 
3 — 6 Lin. starken Gang von ziemlich grossblättrigem Kalkspath, 
welcher mit sehr schmalen Sahlbändern von feinblättrigem Stilpno- 
melan eingefasst ist, der sich auch an einzelnen Stellen in das Innere 
des Ganges hineinzieht, — ein sehr niedliches Vorkommen. Nicht 
selten zeigt sich in diesem Stilpnomelan, ebenso wie auch in dem 
begleitenden Magneteisenerz, Schwefelkies eingesprengt,, in kleinen 
derben Partien und in 4 — 5 Zoll mächtigen Gängen und schmalen 
Trümmern. Viel seltener erscheint in Begleitung des Stilpnomelans 
gelblichbrauner und haarbrauner kleinblättriger Eisenspath, welcher 
ihn gangartig durchsetzt oder in unregelmässigen derben Partien mit 
ihm ebenso wie mit weissem blättrigen Kalkspath verwachsen ist, und 
auch selbst wieder eingemengten Stilpnomelan ebenso wie auch 
Schwefelkies theils eingesprengt, theils in kleinen Würfeln und 


Neue Beobachtungen über das Vorkommen des Stilpnomelans. A03 


Kubo-Oktaedern enthält. Dieses ist ein ganz neues Vorkommen der 
Eisenspaths, und Seitendorf bis jetzt der einzige Fundort, wo der- 
selbe mit Stilpnomelan verwachsen vorkommt. Mitten in dem derben 
kleinblättrigen Eisenspath bemerkt man zuweilen auch sehr kleine 
Krystalle desselben in der Form des primitiven Rhomboeders und eben 
solche auch als grosse Seltenheit in dem blättrigen Kalkspath. Der 
kleinblättrige Eisenspath geht auch durch einen sehr feinblättrigen 
Zustand ins Dichte über. 

Endlich trifft man auf der Lagerstätte des Stilpnomelans bei 
Seitendorf auch sehr feinschuppigen dunkel-berggrünen Chlorit in 
kleinen Partien an, wie eben dieses auch beim Stilpnomelan von 
Obergrund der Fall ist, und Rammelsberg’s Vermuthung (Hand- 
wörterb. d. ch. Theils der Min. II. Abth., S. 186), dass die von ihm 
in vier Analysen gefundenen Differenzen der chemischen Bestandtheile 
dieses Stilpnomelaus von einer Einmengung von Chlorit herrühren 
mögen, ist wohl als ganz gegründet anzunehmen. Der feinschuppige 
Stilpnomelan ist auch anfangs selbst für Chlorit gehalten werden. 
Wenn beide mit einander verwachsen vorkommen, lässt sich jedoch 
der Chlorit, auch wenn seine grüne Farbe sich noch so sehr der 
schwarzen des Stilpnomelans nähern sollte, durch seine viel grössere 
Weichheit, seine Mildigkeit und sein fettiges Anfühlen leicht vom 
Stilpnomelan unterscheiden. 


2. Stilpnomelan von Bärn. 


1. In der Annagrube dicht bei Bärn, 2 Meilen von Sternberg 
in Mähren, fand ich Stilpnomelan von gleichem Vorkommen wie bei 
Seitendorf unweit Bennesch, nur nicht so grossblättrig, nicht so häufig 
und nicht in so grossen Partien. Er ist dort gewöhnlich kleinblättrig, 
zuweilen auch kurzstrahlig und sowohl mit Kalkspath als mit fein- 
körnigem Magneteisenerz verwachsen. In Verbindung mit dem ersteren 
zeigt er oft ganz unregelmässige Formen, auch durchsetzt er ihn in 
schmalen gangartigen Partien, oder er stellt die Sahlbänder von Kalk- 
spathgängen dar, oder er ist auch blos in Kalkspath eingesprengt. 
In dem feinkörnigen Magneteisenerz bildet er schmale (1 Linie bis 
fast 1 Zoll starke) Gänge und diese enthalten oft kleine und sehr 
kleine Kalkspatheinmengungen, ebenso wie das Magneteisenerz selbst; 
an den Rändern solcher Gänge bildet oft kurzstrahliger Stilpnomelan 
eine Einfassung des hlättrigen. 


A0A Glocker. 


Das Gestein der Annagrube, worin der Stilpnomelan mit dem 
Kalkspath und Magneteisenerz vorkommt, ist ein dunkelberggrüner 
oder graulichgrüner, matter oder schimmernder dickschiefriger dichter, 
im Bruche feinsplittriger Chloritsehiefer, worin jedoch unter der 
Loupe höchst feinschuppige Theilchen erkennbar sind. Dieser Chlorit- 
schiefer istoft mandelsteinartig durch eingemengte kugelige oder 
ellipsoidische Körner von weissem oder blassrothem blättrigen Kalk- 
spath, oder auch porphyrartig durch eingemengte bald regel- 
mässig- , bald unregelmässigeckige Krystalle oder krystallinische 
Körner von eben solchem Kalkspath. Bemerkenswerth ist, dass sich 
unter beiderlei Kalkspath-Einmengungen nicht selten solche finden, 
welche in ihrem Centrum einen sehr kleinen gleichgeformten Kern 
von demselben dichten oder mikroskopisch -feinschuppigen Chlorit 
einschliessen, wie derjenige der Grundmasse ist. (Fig. 1.) 


rl) OO GBOAU 


Die Kalkspath-Einmengungen von kreisrundem oder ovalem Um- 
risse haben im Bruche ein ganz ähnliches Ansehen wie manche aus 
blättrigem Kalkspath bestehende Enkrinitenstielglieder, welche be- 
kanntlich im Querbruche eine vollkommen blättrige Strueturfläche des 
Kalkspaths darbieten, und man könnte beim ersten Anblicke wirklich 
verleitet sein, sie für solche zu halten, wenn nicht unter jenen Ein- 
mengungen auch Formen von vier-, fünf- und sechsseitigem und auch 
von ganz unregelmässigem Umrisse vorkämen, welche Durchschnitte 
von regelmässigen oder verschobenen Kalkspathkrystallen darstellen. 
Diese eckigen Kalkspathformen, welche mit denkreisrunden und ovalen 
abwechseln, dienen zugleich zum Beweise, dass man bei der Erklärung 
der Bildung des mandelsteinartigen Chloritschiefers nicht an eine 
sogenannte plutonische Entstehung und an eine Durchdringung des 
Gesteins mit Dampfblasen denken darf, eine Bildungsweise, welcher 
ausserdem auch noch die vollkommene Schichtung dieses Chlorit- 
schiefers und seine parallele Lagerung mit dem ausgezeichneten 
blassgrauen Übergangsthonschiefer widersprieht, weleher das Lie- 
gende der Magneteisenerzlager bei Bärn bildet, während der Chlorit- 
schiefer im Hangenden vorkommt. Die kugeligen und ellipsoidischen 
Kalkspathkörner sind vielmehr nichts anderes als eben solche Aus- 
scheidungen wie der denselben Schiefer unter den verschiedensten 
Formen in grösseren und kleineren Partien ‚durchziehende und häufig 


Neue Beobachtungen über das Vorkommen des Stilpnomelans. AO5 


auch ganz unregelmässig darin eingesprengte Kalkspath, welcher auf 
diese Art so allgemein in entschiedenen Wasserbildungen verbreitet 
ist. Überdies ist auch die mandelsteinartige so wie die porphyrartige 
Struetur des Bärner Chloritschiefers durchaus nichts Constantes, 
sondern findet nur stellenweise Statt, während dagegen auf grösseren 
Strecken hin der Chloritschiefer ohne alle Kalkspath-Einmengung ist, 
was gleichfalls gegen eine plutonische Bildung spricht. Gerade an den 
Chloritschiefermassen der Annagrube kann man sich vollkommen 
überzeugen, dass die Kalkspath-Einmengung oft nur auf ganz kleine 
Räume sich beschränkt, während die viel grössere Ausdehnung dieses 
Schiefers ohne alle solehe Eininengung ist !). 

2. Ausser der Annagrube gibt es noch einen anderen Fundort 
von Stilpnomelan in der Nähe von Bärn, nämlich am Kieselberge bei 
Prockersdorf, , Stunde von dem ersteren Orte entfernt. Ich 
fand denselben dort ebenfalls in einer Eisenerzgrube, aber nur in 
kleinen und kleinblättrigen Partien, mit derbem gemeinen Quarz 
verwachsen, so wie auch als kurzstrahlige Einfassung von 1/, bis 
1 Zoll mächigen Kalkspathgängen. 


3. Stilpnomelan von Sternberg in Mähren. 


Das merkwürdigste Vorkommen des Stilpnomelans ist dasjenige 
in der Pauligrube auf dem Babitzberge?) dicht bei Sternberg 
im nördlichen Mähren, weil er hier bis jetzt allein krystallisirt 
gefunden worden ist. Die Krystalle sind sehr dünne, 1 — 2 Par.Lin. 
breite sechsseitige Tafeln, anscheinend dem rhomboedrischen 
oder hexagonalen Krystallsysteme angehörig, aber stets so undeutlich, 
dass sich ihre Form nicht genau bestimmen lässt, indem ihre Ränder 


1) Der mandelsteinartige Chloritschiefer von Bärn, welcher in noch grösserer Aus- 
dehnung und zugleich mit mandelsteinartigem Thonschiefer und in diesen voll- 
kommen übergehend bei Sternberg (wo die Einmengungen statt aus Kalkspath 
häufig auch aus gelbem und braunem Eisenocher bestehen), in einem kleineren 
Distriete auch bei Seitendorf unweit Troppau vorkommt, ist identisch mit dem 
unter dem unpassenden Namen Schalstein bekannten Gestein aus dem Nassaui- 
schen und vom Harze , über dessen Natur und angebliche Entstehung durch 
plutonische Kräfte so verwirrende Ansichten verbreitet worden sind. 

?) Die vordere, dicht hinter den Häusern der Sternberger Vorstadt sich erhebende 
Kuppe des Babitzberges, auf welcher die Pauligrube liegt, wird auch der W ein- 


berg genannt. 


A06 Glocker. 


nicht vollkommen ausgebildet, sondern wie zernagt oder rauh, und 
noch überdies gewöhnlich mit gelblichbraunem Eisenocher überzogen 
sind. Diese Tafelkrystalle finden sich in Gangtrümmern von ziemlich 
grossblättrigem Stilpnomelan, dessen blättrige Partien senkrecht oder 
beinahe senkrecht gegen die Gangränder stehen; eben diese Stellung 
hat auch ein grosser Theil der Tafelkrystalle, in welche die blättrigen 
Partien am freien Ende auslaufen, daher die Krystalle mit ihren 
scharfen Rändern emporstehen, auf ähnliche Weise wie die tafelartigen 
Labradorkrystalle in den Klüften des Dolerits von Liebenau bei 
Wahlstadt in Schlesien. Die Tafeln stehen aber in verschiedenen 
Richtungen und durchkreuzen einander mehrfach, so dass sie kleine 
drei-, vier- bis fünfseitige geradzellige Vertiefungen bilden, deren 
Wände gewöhnlich mit gelbem Eisenocher bedeckt sind. Die aller- 
meisten Krystalle sind auf diese Weise zellig gruppirt. 

Der krystallisirte Stilpnomelan ist jedoch nur in wenigen Gang- 
trümmern vorgekommen; die meisten sind ganz mit derbem, blättrigem 
oder strahligem Stilpnomelan und oft zugleich mit Chlorit ausgefüllt. 
Der blättrige Stilpnomelan geht aus dem Grossblättrigen ins Klein- 
und Feinblättrige bis ins Mikroskopisch-Feinschuppige über; der 
strahlige ist meistens parallelstrahlig, seltener sternförmig-strahlig. 
Alle diese Varietäten erscheinen oft in gangartigen Lagen von 1/, Lin. 
bis 5 Linien Dieke neben einander und zugleich oft neben oder 
zwischen sehr feinschuppigem, feinkörnigem oder diehtem Chlorit, 
welcher fein eingesprengtes Magneteisenerz enthält, ja zuweilen ganz 
damit durchdrungen ist. Der grossblättrige starkglänzende Stilpno- 
melan erscheint gewöhnlich in 1—2 Linien starken Trümmern im 
feinschuppig-blättrigen, welcher die Hauptmasse darstellt. Der derbe 
blättrige Stilpnomelan hat oft schmale Klüfte zwischen sich, deren 
Wände einen Anflug von gelbem Eisenoxydhydrat haben. Manche 
Stilpnomelantrümmer sind gebogen und keilen sich mitten im Chlorit 
aus. Zuweilen sind in dem letzteren auch’einzelne stark glänzende 
Blättehen von Stilpnomelan eingemengt. Beim strahligen Stilpnomelan, 
welcher häufig in parallelen Gangtrümmern neben dem blättrigen 
liegt, sind die strahligen Partien senkrecht gegen die Gangtrümmer 
gerichtet. 

In manchen Gängen zeigen sich zwischen dem Stilpnomelan und 
Chlorit dünne Lagen von Schwefelkies und dichtem Brauneisenstein, 
welcher letztere höchst wahrscheinlich durch Umwandlung des 


Neue Beobachtungen über das Vorkommen des Stilpnomelans. A0Y7 


Schwefelkieses entstanden ist; denn dieser zieht sich auch mitten in 
den Brauneisenstein hinein, keilt sich darin aus und setzt sich nach 
soleher Unterbrechung wieder fort, so dass er die Form im Kleinen 
darstellt, welche die liegenden Stöcke im Grossen haben. Schreitet 
der Umwandlungsprocess weiter fort, so werden die unterbrochenen 
Schwefelkieslagen immer kleiner und zuletzt ganz durch den Braun- 
eisenstein verdrängt. Nicht selten sitzt der Stilpnomelan auch unmit- 
telbar auf dem dichten Brauneisenstein auf, welcher in derben Massen 
in der Pauligrube gebrochen wird. 

Schwefelkies findet man ausserdem auch eingesprengt und in 
scharf ausgebildeten kleinen Würfeln, die jedoch manchmal auch 
einen Durchmesser von 1—3 Linien erreichen, sowohl im Stilpno- 
melan als im Chlorit, in dem ersteren auch kleine Kalkspathpartien, 
sehr selten aber hellgrünen Pistazit als feinkörnig-krystallinischen 
Überzug. Der sehr feinschuppige Stilpnomelan ist stellenweise reich- 
lich mit Schwefelkies imprägnirt, welcher sich in der sehr feuchten 
Grube leicht zersetzt und in Brauneisenstein umwandelt, daher solcher 
Stilpnomelan an den der Luft ausgesetzten Stellen braun erscheint 
und für Brauneisenstein gehalten und als solcher verschmolzen 
worden ist. Vielleicht ist der grösste Theil des Brauneisensteins in 
der Pauligrube als umgewandelter Schwefelkies zu betrachten. Auf 
der Lagerstätte des Brauneisensteins selbst kommen derbe Schwefel- 
kiespartien vor, welche ganz von dichtem Brauneisenstein umgeben 
sind, was die angegebene Entstehungsweise des letzteren zu bestäti- 
gen scheint. Indessen können manche Partien des Brauneisensteins 
auch aus dem Magneteisenerz entstanden sein, welches mit dem 
Brauneisenstein vorkommt. Das Gestein, welches den Stilpnomelan 
in der Grube umgibt, befindet sich zuweilen in einem so aufgelösten 
Zustande, dass es ganz unkenntlich wird; am häufigsten ist es sehr 
feinschuppiger , innig mit Magneteisenerz durchmengter Chlorit, 
weleher durch Eisenoxydhydrat oft ganz entstellt ist. Die Masse 
dieses Chlorits liegt in der Grube neben einer Wand von mandel- 
steinartigem Chloritschiefer. 


4. Stilpnomelan vom Liskowitz und von Wächtersdorf. 


1. In dem mandelsteinartigen Thonschiefer im Walde Lisko- 
witz, eine Stunde nördlich von Sternberg, kommt auf einem Braun- 
eisensteinlager feinschuppig-blättriger Stilpnomelan, jedoch nur in 

Sitzb. d. mathem.-naturw. Cl. XVII. Bd. III. Hft. 27 


A408 Glocker. 


sparsamen Partien vor. Das Brauneisensteinlager wird in zwei nahe 
beisammen liegenden Gruben bebaut, in der Hugogrube und Robert- 
grube. In beiden Gruben erscheint dieser Stilpnomelan meistens mit 
fein schuppigem Chlorit gemengt und enthält zum Theil auch mikro- 
skopischfein eingemengtes Magneteisenerz. Sein starker Glanz und 
seine schwarze Farbe unterscheiden ihn in diesem Gemenge deutlich 
vom Chlorit. Er kommt ebensowehl in sehr schmalen Klüften von 
weissem grossblättrigem Kalkspathe als in kleinen derben Partien vor. 
Der derbe enthält gewöhnlich fein eingesprengten weissen klein- 
blättrigen Kalkspath, welcher durch die ganze Masse verbreitet ist, oft 
in so feinen Theilchen,, dass sie für das blosse Auge kaum oder nicht 
sichtbar sind, sondern sich nur dureh Brausen mit Säuren zu erkennen 
geben. Grössere Kalkspatheinmengungen sind darin viel seltener. 

2. In einiger Entfernung von dem zuvor erwähnten Fundorte, 
nämlich bei Wächtersdorf, ebenfalls eine Stunde nördlich von 
Sternberg, ist in den Jahren 1849 und 1850 in einem Stollen der 
Mathildegrube Stilpnomelan in allen seinen Zuständen in reichlicher 
Menge auf Gängen vorgekommen, der klein- und feinblättrige aber, 
wie gewöhnlich, häufiger als der grossblättrige. Der letztere ist 
oft krummblättrig und erscheint nur in 2 bis 6 Linien mächtigen 
Gängen, bald in weissem blättrigem Kalkspath, bald in feinschuppi- 
gem Stilpnomelan , bald in feinschuppigem und diehtem Chlorit, 
welcher stäts eingesprengtes Magneteisenerz enthält, bald selbst in 
sehr feinkörnigem Magneteisenerz; oder diese Gänge sind auch an 
der einen Seite von Kalkspath, an der andern von Magneteisenerz 
oder von feinschuppigem Stilpnomelan begrenzt. Andererseits schliesst 
aber der Stilpnomelan auch selbst wieder Kalkspath in kleinen Par- 
tien oder in schmalen Trümmern ein, eben so wie auch das Magnet- 
eisenerz, und solehe Trümmer ziehen sich zuweilen aus einer dieser 
Massen ununterbrochen in die andere hinein. Nur selten findet sich 
der Wächtersdorfer Stilpnomelan strahlig und zwar gerad- und 
parallelstrahlig, in Trümmern von nur 1 bis 2 Linien Breite, neben 
welchen gewöhnlich eine ebenfalls schmale Lage von schuppigem 
Stilpnomelan liegt. 

Ich fand den Stilpnomelan in der Wächtersdorfer Grube durch- 
aus mehr oder weniger eisenschüssig, zum Theil so stark, dass er 
ganz braun gefärbt erscheint und das Eisenoxydhydrat sich zwischen 
die Ablösungen der blättrigen Partien tief hineinzieht. Auch das 


Neue Beobachtungen über das Vorkommen des Stilpnomelans. A09 


ganze Gestein, in und mit welchem er vorkommt, nimmt an dieser 
Färbung Theil. Es hat sich auch viel Eisenocher abgesetzt, welcher 
den Stilpnomelan und den Chlorit überzieht. Wahrscheinlich ist 
jedoch diese starke Eisenfärbung nicht ursprünglich, sondern erst 
nach und nach durch eindringendes Wasser in der an Magneteisenerz 
reichen Grube entstanden. 


5. Stilpnomelan von Jessenetz. 


Ein nur eingeschränktes Vorkommen des Stilpnomelans ist das- 
jenige bei Jessenetz, seitwärts von der Strasse nach Kladeck, 
2 Stunden von Gewitsch. Ich fand ihn dort an einem Hügel in einem 
Schachte im Thonschiefer und Chloritschiefer, welche beide mit 
Magneteisenerz durchmengt sind, zu dessen Gewinnung der Schacht 
angelegt worden ist. Er erscheint nur in kleinen und klein- und fein- 
blättrigen derben Partien, welche, wie an den anderen Localitäten, 
mit weissem blättrigem Kalkspath verwachsen sind. 


Allgemeine Bemerkungen über das Vorkommen des Stilpnomelans. 


Sämmtliche hier erwähnte, so wie die früher bekannten Stilpno- 
melane sind von Fundörtern in Mähren und im österreichischen 
Schlesien und aus einer und derselben Gebirgsformation, aus dem 
Thonschiefer des Grauwackengebirges und zwar der sogenannten 
devonischen Formation. Es war auffallend, dass dieses Mineral so 
lange nur im Bereiche der genannten Länder gefunden worden war, 
aber mit Grund war zu vermuthen, dass das Vorkommen desselben 
nieht auf diese Länder beschränkt sein, sondern dass es unter 
gleichen geognostischen Verhältnissen auch anderwärts werde auf- 
gefunden werden, was sich auch bestätigt hat. Ein klein- und fein- 
blättriger Stilpnomelan ist nämlich, ebenfalls mit weissem blättrigem 
Kalkspath verwachsen, wie der mährische und schlesische, bei Runkel 
an der Lahn vorgekommen; ein Exemplar desselben verdanke ich dem 
Herrn Dr. Krantz in Bonn. Bei genauerer Untersuchung der Eisen- 
erzlagerstätten im devonischen Thonschiefer wird man den Stilpno- 
melan wohl noch an manchen anderen Orten entdecken. 

Alle bis jetzt bekannten Vorkommnisse des Stilpnomelans haben 
das mit einander gemein, dass sie in Begleitung von Chlorit, Kalk- 
spath und Magneteisenerz erscheinen. Quarz zeigt sich an einigen 
Orten (besonders bei Seitendorf) ebenfalls als Begleiter desselben, 

Din 


AO Glocker. Neue Beobachtungen über das Vorkommen des Stilpnomelans. 


aber nicht so constant. Eben dieses gilt vom Schwefelkies und Braun- 
eisenstein. In der genauesten Beziehung zu einander stehen Chlorit 
und Stilpnomelan; es gibt keinen Stilpnomelan, mit welchem nicht 
Chlorit vorkäme. Die chemische Mischung beider Mineralien macht 
es auch ganz begreiflich, dass sie gleichzeitig mit einander und unter 
denselben Verhältnissen haben entstehen können. Ihre verschiedene 
physische Beschaffenheit hält sie aber von einander gesondert. In 
deutlichen blättrigen Partien ausgebildet können sie nieht mit ein- 
ander verwechselt werden, nur im sehr feinschuppigen Zustande 
kommen sie einander sehr nahe. Es ist aber schon darauf aufmerksam 
gemacht worden, dass sie auch in diesem Zustande wohl von einander 
unterschieden werden können, was nur dann schwierig ist, wenn sie 
innig mit einander gemengt vorkommen. Dass der Chlorit so reichlich 
Magneteisenerz einschliesst, scheint nicht zufällig zu sein; der Stilpno- 
melan enthält dergleichen zwar auch, aber nicht so häufig, lange 
nicht in solcher Menge und nur sehr fein eingesprengt. Bei der Bildung 
des Chlorits muss sich aus dem eisenreichen Medium viel mehr Eisen- 
oxydoxydul abgeschieden und als besonderes Mineral ausgebildet 
haben, als dieses bei der Bildung des Stilpnomelans der Fall war, 
daher jener viel weniger Eisen in seiner Mischung enthält als dieser. 

Alles, was über die Art des Zusammenvorkommens des Stilpno- 
melans mit dem Chlorit, Kalkspath, Magneteisenerz, Schwefelkies und 
Brauneisenstein thatsächlich bekannt ist, namentlich das wechsel- 
seitige Vorkommen je eines dieser Mineralien in einem der anderen, 
beweist ihre gleichzeitige Entstehung. Der auf Gängen vor- 
kommende Stilpnomelan kann nicht jünger sein als die ihn begleiten- 
den Mineralien, weil auch umgekehrt diese im Stilpnomelan selbst als 
Gänge erscheinen, überhaupt aber alle auf die mannigfaltigste Weise 
mit einander in Verbindung stehen. 

Dass auf den Lagerstätten des Stilpnomelans Umwandlungen 
der Gesteine sich ereignet haben, ist augenscheinlich. Es beweist 
dieses der sehr aufgelöste,, oft total veränderte Zustand dieser 
Gesteine, wie des Chlorits, des Stilpnomelans selbst, des Magnet- 
eisenerzes und besonders des Schwefelkieses, welcher, wie gezeigt 
wurde, oft ganz und, wie es scheint, selbst in grosser Ausdehnung in 
Brauneisenstein verwandelt ersheint. 


Littrow. Über den Zusammenhang von Flecken und Protuberanzen der Sonne. A141 


Vorträge. 


Über den Zusammenhang von Flecken und Protuberanzen 
der Sonne. 


Von de M. Karl von Littrow. 


Bei meiner Beobachtung der totalen Sonnenfinsterniss vom 
28. Juli 1851 zu Risthöft an der Ostsee hatte ich meine Aufmerk- 
samkeit besonders dem Gegenstande der Überschrift zugewandt. In 
dieser Absicht war nicht nur mein Fernrohr mit einem, Bessel’s 
Positionsmikrometern für Sternbedeckungen (Astr. Nachr. XV1. 8.161) 
nachgebildeten Apparate als derjenigen Vorrichtung versehen, welche 
für Messungen von Position und Grösse der Protuberanzen mir bei 
weitem die passendste schien, sondern suchte ich überdies durch 
Beobachtungen am Ringmikrometer die Lage der vor der Finsterniss 
siehtbaren Flecken, sobald es die Witterung zuliess, zu bestimmen, 
um so die Grundlagen zur Entscheidung der Frage zu erhalten, ob 
die Protuberanzen sich wirklich an den Orten der zur Zeit der Tota- 
lität dem Sonnenrande sehr nahen, also in der Regel an sich unsicht- 
baren Flecken befinden. Obgleich die Daten, welche ich so gesam- 
melt, zum Theile durch zufällige Umstände, zum Theile durch Un- 
kenntniss der Sache, über die es bisher nahezu an allen Erfahrungen 
fehlt, keineswegs den wünschenswerthen Grad von Sicherheit und 
Vollständigkeit erreichten, so glaube. ich doch die Art, wie ich die- 
selben von vornherein zu benützen mir vorgenommen hatte, um so 
mehr an diesem Beispiele erläutern zu dürfen, als, so viel mir bekannt, 
es nirgend sonst auch nur solche Elemente der Rechnung zu liefern 
gelang und bei keiner seitdem eingetretenen ähnlichen Gelegenheit 
dieser meiner Ansicht nach einzig richtige Weg beschritten wurde. 
Um den Gang der Untersuchung völlig anschaulich zu machen und 
manche am Ende zu gebende Bemerkungen zu begründen, werde ich, 
meine Arbeit umständlich mittheilen. 

Am 25. Juli hatte ich nachstehende Beobachtungen der drei 
gegen den westlichen Sonnenrand hin damals sichtbaren Flecken 
mit dem Ringmikrometer angestellt: 


412 


Mom. und Gestirn | 


Littrow. 


Ausserer 
Kreis 


Innerer 
Kreis 


Anmerkungen 


m mn gm nn nur Sm m mn or a m a m m aaa nm SE ES STR EEE BT DR m nr nn EEE nern 


Eintr. 


” 


Austr. 


” 


Eintr. 


” 


Austr. 


Eintr. 


” 


Austr. 


Sonne R.|.. 
Fleck I 


” 


Sonne R. Il. 


Sonne R.l.. 
Fleck I. . . 


a seh 
Sonne R. II. 


Sonne R.|.. 
Fleck Il... 


” 2 


Sonne R. II. 


Sonne R.l.. 
Fleckl... . 


E2) ed 


Sonne R. Il. 


Sonne R.|.. 


Fleck II 


Sonne R. Il. 


Sonne R.l.. 
Fleck II .. 


” 


Sonne R. Il. 


Sonne R.!.. 


Fleck II 


Sonne R. II. 


Ah 


3 pm 


2:0 
17° 
13° 
36° 


35" 
35 
36 
38 


: Garde- OÖbserv. 
Krille. 


19: 
36° 
29° 


: Chron. Kessels 
Nr. 1267. 


: Chron. Kessels 
Nr. 1267. 


: Chron. Kessels 
Nr. 1267. 


Uhr : Garde-Obs.Krille. 


Die Zahlen 35 11-6 aus den 
drei anderen Momenten 
der Sonne interpolirt. 


Uhr: Garde -Observ. 
Krille. 


Uhr: Garde - Observ. 
Krille. 


Eintr. Sonne R.I.. | A 51 34° | 51 40°%A | Uhr: Garde - Observ. 
» Fleck II 51 5883| 5 1-2 Krille. 

Austr. ,„ Kap 52 A462 | 52 35.2 
». Sonne R. Il. 54 56-4 | 54 50-8 

Eintr. Sonne R.IL..|5 6 188 6 244 | Uhr: Garde- Observ. 
„euRleckilIi); 9 6 49-6 7.2.0 Krille. 

Austin. n%, ch TARA 729-6 
» Sonne R. II. 9 43-2 9 376 


Über den Zusammenhang von Flecken und Protuberanzen der Sonne. 413 


Kreis Anmerkungen 


; Äusserer Innerer 
Mom. und Gestirn Kreis 


Eintr. Sonne R.1.. | 5" 12" 8:0 | 12” 12:6 | Uhr: Garde - Observ. 
» Fleck II . 12 39-2 | 12 51-2 Krille. 

INUSERS. 25 BE 13 30:0 | 13 18°0 
» Sonne R. Il. 15 31-6 | 15 26-8 


Eintr. Sonne R.l.. | 5 ? 16 8°%& | Uhr: Garde - Observ. 
»  Flek IM. . 16 46°8 Krille. 

Austr. „ ae 17 12-0 
» Sonne R. Il. 19 21°4 


Die Flecken standen bei sämmtlichen Beobachtungen im umkeh- 
renden Fernrohre oben. : 
Die Correctionen und Gänge der Uhren gegen mittlere Zeit 
Rixthöft waren: 
Garde-Observ. Krille. Juli 25. 6" 43" 7:2 Uhrzeit. 


Corr. + 13” 48:2 
Stündl. Gang — 3:47. 


Chron. Kessels Nr, 1267. Juli 25. 6° 56" 0:0 Uhrzeit. 
Corma. 3: +55:4 
Stündl. Gang-+ 0:01. 


Die Halbmesser des gebrauchten Ringmikrometers betrugen: 


Äusserer Kreis 11’ 39'65 
Innerer 55 10 33°05. 
Für die geographische Lage von Rixthöft hat man aus der 
preussischen Triangulirung: 
Breite = 540 49’ 53 
Länge — 0" 19" 46:7 östlich von Berlin. 
Mit Deelination und scheinbarem Halbmesser der Sonne nach 
dem Berliner Jahrbuche findet man aus obigen Daten die Differenzen 
da und ddder Flecken und des Sonneneentrums in AR und Deelination : 


Mittl. Zeit Rixthöft. Fleck. da dd 

Juli25. 3 Ar 377 1 —1” 39 westlich + 0° 58” nördlich ) yom Son- 
a 458 198 IM. —0 529 35 +3 86 > nenmittel- 
RR UA ee punkte. 


Nennt man Z die Länge der Erde, e die Schiefe der Ekliptik, 
«den Winkel zwischen Breiten- und Deeclinationskreis, d die Decli- 


A1A Littrow. 


nation der Sonne, so findet man die Unterschiede 9X und 9x von 
Fleck und Sonnenmittelpunkt in geocentrischer Länge und Ekliptik- 
Poldistanz aus 


iu =—cosLtge 
0% = da cosu cos d— Id .sin u 
or —= da sin u cos d—2d.cos u, 


wenn man es nicht vorzieht, diese Grössen unmittelbar aus den von 
Airy (Append. Greenw. Obss. 1836) dafür gegebenen Tafeln zu 
nehmen. 

In unserem Falle erhält man so für obige Beobachtungszeiten 
mit den Daten des Berliner Jahrbuches | 


Fleck. or AT. 
I. — 892'3 + 145'5 
1. — 1764 — A429 

TIL. — 664-1 — 46°2. 


Es ist aber 


geoc. Länge des Fleckes = 180° + L + & 
 Eikl. Bold. “ z—= 0 + Or 


somit hier 
Fleck. A T 
Tau 2210 Aa al 900 2’ 26’ 
Il. 121 29 29 89 59 17 
I. 121. 52. 29 89 59 14. 


Für den nun folgenden Theil der Arbeit, die Verwandlung der 
geocentrischen in heliocentrische Coordinaten hat Petersen (Astr. 
Nachr. Bd. XVII, p. 164) sehr bequeme Ausdrücke gegeben, deren 
wir uns bedienen wollen. Nennt man h den scheinbaren Halbmesser 
der Sonne in Secunden, © die Länge der Sonne, so findet man die 
heliocentrische Länge Z/ und Ekliptik-Poldistanz p des Fleckes durch 
die Gleichungen 

Hcosz =I—0© 
H sin z = W —r 
hsn(y+H)=H 
igv =igycosz 
!= © — (u + 1800) 
cotg p = snvtgz, 


wobei v und 90°—p gleiche Zeichen haben mit X— © und 90°—x. 


Über den Zusammenhang von Flecken und Protuberanzen der Sonne. Ai 5 


In unserem Beispiele hat man so 


Fleck. U p 
I. 14° 20° 21” 980 ,50/., 1" 
II. 357.0 233 87, 200 8 
II. 3416 30 3 80, 13 28 


Bezeichnet man weiter mit A und D die Rectascension und 
Declination des Fleckes in Bezug auf den Äquator der Sonne und 
dessen Durchschnitt mit der Ekliptik, mit %k die Länge des aufstei- 
senden Knotens des Sonnenäquators, endlich mit 2 die Neigung des 
Sonnenäquators gegen die Ekliptik, so finden folgende Relationen 
Statt: 

cos A cos D= cos (l—k) sin p 
sin A cos D = sin (I—k) sin p cosi+.cos p sin i 
sin D= — sin (I—k) sin p sin {+ cos p cos i 


oder für die Rechnung bequemer, nachstehende Formeln: 


ig m= tg p sin Kal 


tg (l— 
ig A= u sin (mi) 
h 00608 Pp \ 
snD= le (mi). 


Im vorliegenden Falle erhält man, wenn nach Petersen (l. e. 
p-. 158) 
E23 
”— 06 50.00 
gesetzt wird, 


Fleck. A D 

1. 3000 29’ 43 RIO GEL IRE 
11. 2833 4 25 RO 5 AO 
II. Bra 3, 5% 1,9736 44. 


Heisst nun der Winkel im Äquator der Sonne, um welchen 
sich der Fleck in $ Tagen bewegt, und 7 die Rotationsdauer der 


Sonne, so ist 
360°3 


Reducirt man Kürze halber die obigen Grössen A und D alle 
auf die Zeit der Mitte der Finsterniss oder nach Fearnley (Astr. 
Nachr. Bd. XXXII, pag. 236) auf 


4" 50” 52° mittlere Zeit Rixthöft, 


416 Littrow. 


statt, wie eigentlich geschehen sollte, auf die hier ohnehin nieht genau 
bekannten Zeiten der Messung von Positionswinkeln der Protube- 
ranzen, so wird speciell in unserem Falle damit kein irgend merk- 
licher Fehler erzeugt, da der Positionswinkel derjenigen Protuberanz, 
um die es sich hier vorzugsweise handelt, nahe an 270° liegt. 

So findet man durch Vergleichung der eben angeführten Zeit 
der Mitte der Finsterniss mit obigen Beobachtungszeiten die jener 
Zeit der Mitte entsprechenden Grössen 4’ mit den früheren D, welche 


unverändert bleiben, 


Fleck. A' D 

I. 3440 13’ 47 — 20 56’ 42” 
11. 326 17 46 915 0 
II. 315 23 20 +9 36 44 


wenn man wieder mit Petersen (Astr. Nachr., 1. ce. p. 158) die 
Rotationsdauer der Sonne T—= 25" 4" 30” nimmt. 
Es ergeben sich nun ferner aus den Gleichungen 
tgn = cotg D sin A 


U 


tg (U—k) = dan sin (n—i) 


die jener Mitte der Finsterniss zugehörigen heliocentrischen Längen 
und Ekliptik-Poldistanzen !’ und p’ der Flecken 


Fleck. (a p' 
I. 5300907324 940 46’ 54" 
II. 391.2. 5% 81 35 15 
I. 28 15 35 8 13 24. 


Stellt man diese Zahlen mit den heliocentrischen Längen der 
Erde für dieselbe Zeit zusammen, so zeigt sich, dass wirklich, wie 
ich bereits zu Rixthöft vermuthete (Astr. Nachr. Bd. XXXII, p. 137), 
Fleck I und II sich zur Zeit der Finsterniss auf der von uns abge- 
kehrten Seite der Sonne befanden, Fleck I so weit (24°) über den 
Rand hinaus, dass von ihm hier weiter nicht die Rede sein kann. 
Fleck II hatte den Rand um 7° überschritten, Fleck III stand noch 
auf der uns zugekehrten Seite der Sonne, beiläufig 4° innerhalb des 
Randes. Im Folgenden werden also nur noch die Flecken II und II 
berücksichtigt. 


Über den Zusammenhang von Flecken und Protuberanzen der Sonne. 41% 


Bedeutet r den wirklichen Halbmesser des Sonnenkörpers, 
R' den Radius Vector, L’ die Länge der Erde, so erhielte man nun 
die geocentrische Länge und Ekliptik-Poldistanz A und x’ der 
Flecken für die Zeit der Mitte der Finsterniss aus 
; —r sin p’ sin (U’—L') 
al) R'—r 5 p’ cos (l’—L') 
r cos p’ 


Got zu — 
VR’®—2R’r sin p! cos (l'—L!) + r? sin? p! 


oder kürzer aus 


/ ER ae r . Re PaSB STEH 
x —L —= 180° Ara Sin p' sin (!’—L) 


z'— N — - 08 P". 


r 
R' sin 1" 
Setzen wir nach Hansen den mittleren Winkelhalbmesser der 
Sonne zu 16’ 0'9, so ist 
r = 0:0046586 


in Theilen der halben Grossen Erdbahnaxe, und wir haben wieder 
mit den Daten des Berliner Jahrbuches 


Fleck. A re 
1. 1240 37 47" 890 58’ 31 
II. 124 37 50 8 58 41 


oder vermöge 
N = X—L— 180° 
or = 7 — 90° 
die der Zeit der Mitte der Finsterniss entsprechenden Unterschiede 


von Flecken und Sonnenmittelpunkt in geocentrischer Länge und 
Ekliptik-Poldistanz 


Fleck, an’ er! 
II. — 940” — 89 
II. — 937 — 7). 


Ist nun wieder « der Winkel zwischen Deelinations- und Brei- 
tenkreis, so findet man die zu M und dx’ gehörenden Differenzen 
%«, %d' in Rectaseension und Deelination aus 


! 4 
gu =—cosLtge 
da’ cos d’ = 3 cos u sin m’ + Irxı sin u 
0d = M sin w sin rn — Ir’ cos w 


418 Littrow. 


oder in unserem Falle 


Fleck. da! cos d' dd! 
1. — 891" + 313” 
II. — 890 + 302 


woraus sich nebenbei ergibt, dass Fleck III wirklich der am 28. Juli 
von mir als achttheilig bezeichnete, kurz vor der Finsterniss noch 
gesehene Fleck war (Astr. Nachr. XXX, p. 137). 

Nennt man weiter «&, 6, U, ©, die von den Tafelfehlern freie 
Rectascension und Deelination des Mondes und der Sonne, so sind 
dieselben Grössen mit Rücksicht auf Parallaxe: 


2 cos p sin (A—L) 


Aid cos D 


DD — D— 2 (cos D sin  — sin D cos p cos (E—X)) 
cotg Eh I cos 6 cos (L— 2 — sin @ c0s 9 
cos ö sin (t—«) 
(sin 6 — sin @ sin o) sin (I—«‘) 


cos ö sin (E—«) 


ge = 


wo 8, ® die Horizontal-Äquatorial-Parallaxen von Sonne und Mond, 
o die geographische Breite des Beobachtungsortes, £ die Sternzeit 
bedeutet. 

Im vorliegenden Beispiele betragen die an die Sonnenephemeride 
des Berliner Jahrbuches anzubringenden Tafelfehler nach W ich- 
mann (Astr. Nachr. Bd. XXXII, p. 321) 


IX = 0:16 
ID — 018, 


Daraus folgen die Fehler der Mondephemeride des Nautical 
Almanae nach Agardh (Obss. Eclips. Solis XXVII. Julii 1851 cal- 
eulatae. p. 26) 

9a = —1°64 
06 = +39 
und man hat demnach hier nach dem Berliner Jahrbuche für die Sonne 


und nach Nautiecal Almänae für den Mond 


UL—a 12T EDS A a 
V=+19 3 2 oe 10 


Über den Zusammenhang von Flecken und Protuberanzen der Sonne. A19 
Mit diesen Grössen findet man endlich aus 
da cos d —(«— U) cos =Asinll 
Id — (DV) — A cosll 


den Positionswinkel II der Flecken an der Mondscheibe, gezählt 
von Nord über Ost, und den Winkelabstand A vom Mondmittel- 
punkte für die Zeit der Mitte der Finsterniss: 


Fleck. 1 A 
1. 2890 20' 15’ 58” 
IM. 288 43 15 53. 


Diesen Positionen zunächst lag unter den von mir zu Rixthöft 
sesehenen Protuberanzen der viel besprochene Haken, den ich in 
meinem ersten Berichte (Astr. Nachr. XXXIV, p. 30) mit 3. bezeich- 
nete, allein die Beobachtung (282°) weicht von obigen Zahlen viel 
zu weit ab, als dass man hierauf ein Argument für die Identität von 
Flecken und Protuberanzen gründen könnte. 

Weit entfernt, diesem Resultate irgend welche Concludenz 
zuzuschreiben, wollte ich vielmehr wie gesagt mit Obigem nur ein 
Beispiel gegeben haben, wie meiner Ansicht nach die hier gestellte 
Aufgabe zu behandeln sei, statt der bisher üblichen ganz vagen 
Angaben der Lage von Flecken und Protuberanzen, wo man schon 
an sich die Positionswinkel durch sehr unverlässige Vorrichtungen 
zu bestimmen suchte, die Stellung der Flecken mehrere Tage vor 
der Finsterniss, also für eine von der Wahrnehmung der Protube- 
ranzen sehr abgelegene Epoche, oder auch nur am Tage der Finster- 
niss, also wieder für eine Zeit, zu der eben die hier wichtigsten, 
nämlich dem Rande nahen Flecken vielleicht gar nicht sichtbar sind, 
anzugeben sich begnügte, und wo man endlich kurzweg die auf den 
Sonnenumfang bezogenen Positionen der Flecken mit den noth- 
gedrungen auf die Peripherie des Mondes sich beziehenden 
ursprünglichen Angaben der Lage der Protuberanzen verglich. Der 
Wunsch, meine Wahrnehmungen durch Beobachtungen Anderer zu 
ergänzen und wo möglich eine Übersicht der Modalitäten jener 
Erscheinungen in grösseren Länderstrecken zu gewinnen, lag nahe; 
aber einerseits waren die nach der Finsterniss sichtbar gewordenen 
Flecken nur von Herrn Norman Pogson (Mem. Roy. Astr. Soc. 
XXI, p. 117) und zwar in einer Weise beobachtet, die aus unten 


A2O Littrow. 


von selbst erhellenden Gründen kein sichereres Ergebniss als das 
hier gewonnene versprach, andererseits waren hauptsächlich alle 
Angaben über die Position der Protuberanzen so schwankend, dass es 
zwecklos gewesen wäre, ziemlich weitläufige Rechnungen daran zu 
knüpfen; sonst hätte z. B. die parallactische Verschiebung der Pro- 
tuberanzen am Mondrand uns einen neuen Beweis dafür geliefert, 
dass diese Phänomene, wie man allerdings auch aus anderen Gründen 
nun nicht weiter zweifeln kann, der Sonne angehören. 

Die Unsicherheit der oben erhaltenen Resultate aber hat, wie 
man bei genauer Durchsicht der Rechnung bemerkt, vornehmlich 
drei Quelien: 

1. Die Anwendung des Ringmikrometers zur Bestimmung der 
Stellung der Flecken, eines Instrumentes, das sich desshalb zu sol- 
chen Beobachtungen sehr wenig eignet, weil für die Declinations- 
bestimmungen zu grosse Sehnen der Flecken oft unvermeidlich sind. 
Vor Allem also wird man künftig diese Messungen mögliehst genau 
durch angemessen eingerichtete und an zweckmässigen Instrumenten 
befindliche Filarmikrometer vorzunehmen haben, was um so leichter 
geschehen kann, als diese Beobachtungen eigentlich ohnehin stän- 
digen Sternwarten und nicht den für die Finsterniss gewählten 
Stationen zukommen. 

2. Der geringe Abstand vom Sonnenrande, in welchem sich die 
Flecken während dieser Beobachtungen befanden. In Zukunft wären 
also ähnliche Bestimmungen etwa eine Woche vor und nach der 
Finsterniss mehrere Tage hindurch anzustellen und dann hauptsäch- 
lich jene Flecken zu beobachten, welche sich zu dieser Zeit nahe in 
der Mitte der Sonnenscheibe befinden, und nur eben die weitere 
Entwickelung der Flecken bis zu ihrem Austritte möglichst zu über- 
wachen. 

3. Die Unverlässigkeit der Hotations -Elemente des Sonnen- 
körpers. Da aus bekannten Ursachen ein bedeutender Fortschritt in 
diesem Theile unserer astronomischen Kenntnisse nicht zu hoffen 
steht, so schiene mir hier das richtige, freilich etwas umständliche 
Verfahren zu sein, dass man den Ort jedes Fleckes immer nur mit 
Elementen berechnete, die eigens zu diesem Zwecke eben aus Beob- 
achtungen dieses Fleckes selbst abgeleitet wären; denn so werden 
alle besonderen Einflüsse etwaiger Eigenbewegung des Fleckes mit 
berücksichtigt. 


Über den Zusammenhang von Flecken und Protuberanzen der Sonne 421 


Ich benutze diese Gelegenheit, um für künftige Beobachtungen 
von totalen Sonnenfinsternissen einige Andeutungen zu geben, zu 
welehen mich der Zufall, welcher mich das seltene Phänomen nun 
sehon zweimal in tadelloser Reinheit sehen liess, vielleicht berechtigt. 

Da zwischen Protuberanzen und Fackeln wahrscheinlich ein 
näherer Zusammenhang stattfindet als zwischen jenen Erscheinungen 
und den Flecken , so wäre den Sonnenfackeln besondere Beachtung 
zu schenken. Weil es schwierig sein dürfte, dieselben unmittelbar zu 
beobachten, so wäre wenigstens für Bestimmung ihrer Lage in Bezug 
auf beobachtete Sonnenflecken möglichst Sorge zu tragen. 

Was die Erscheinungen während der Totalität betrifft, so kann 
gewiss Jeder, der erfahren hat, wie viel hier in der kürzesten Zeit 
gethan werden soll, Ausserachtlassung von Dingen, die eben so gut 
bei anderer Gelegenheit ausgeführt werden oder doch ganz unwichtig 
sind, und vor Allem Theilung der Arbeit nieht genug empfehlen. In 
ersterer Beziehung scheinen mir die Zeiten des Anfanges und Endes 
der totalen Verfinsterung, Ansicht der Gegend, Sichtbarkeit von Ster- 
nen etc. bisher viel zu viele Aufmerksamkeit in Anspruch genommen 
zu haben. In letzterer Hinsicht wäre überall dort, wo mehrere Beob- 
achter sich an einem Orte befinden, eine Zuweisung bestimmter 
Quadranten des Sonnenrandes an jeden einzelnen Beobachter sehr 
räthlich; nur so wird man entscheidende Wahrnehmungen zu sammeln 
im Stande sein. Rücksichtlich der Protuberanzen wären Position 
und Dimension jeder einzelnen mehrmals und immer mit Angabe der 
Zeit zu jeder Messung zu bestimmen. Sehr schwierig ist die richtige 
Wahl der Vergrösserung des Fernrohres; denn einerseits ist ein Über- 
sehen der ganzen Sonnenscheibe nöthig und sind gewisse Phänomene 
wie die Corona nur mit schwachen Vergrösserungen genau zu sehen, 
andererseits soll manches Detail der Erscheinung möglichst erforscht 
werden, das wie bei den Protuberanzen sich nur in starken In- 
strumenten zeigt. Wer diesem Bedürfnisse etwa mit zwei Fernröhren 
zu begegnen glaubt, wird sich getäuscht finden und entweder seine 
Zeit mit dem Wechseln der Instrumente verlieren oder im entschei- 
denden Augenblicke richtiger fühlen, dass er darauf verzichten muss. 
Desshalb erlaube ich mir ein Doppel-Ocular vorzuschlagen, von 
welchem ein Einsatz sehr wenig, der andere bedeutend vergrösserte, 
und das in Schuberform oder nach Art der Feldstecher eine schnelle 
Verwechslung zuliesse. Natürlich müsste die Einrichtung so getroffen 


LP Littrow. 


sein, dass jedes der beiden Oeculare auf das Auge bereits eingestellt 
ist, und wenn man es in Thätigkeit setzt, auch so bleibt. 

Für die Messung der Lage und Grösse aller Erscheinungen am 
Rande von Sonne und Mond gebe ich wie gesagt dem Bessel’schen 
peripherischen Positionsmikrometer in der (Astron. Nachr. XXXII, 
S. 129) erörterten Modifieation also mit einer netzförmig in Quadrate 
getheilten planen Glasplatte statt des Fadens entschieden den Vorzug 
vor allen anderen zu solchem Zwecke mir bekannt gewordenen Ein- 
richtungen, weil hier das lästige, die Messung gefährdende Centriren 
ganz wegfällt, und die nöthigen Daten unmittelbar sich ergeben, wo 
auch immer im Fernrohre sich ein zu messendes Phänomen zeigen 
mag. Sehr angemessen wäre es die Theilung des Positionskreises im 
Inneren des Fernrohres am Rande des Gesichtsfeldes und den Index 
auf die Glasplatte anzubringen, denn bei aussen liegendem Kreise 
kostet das Ablesen der Winkel, welches unter diesen Verhältnissen 
‘nur mittelst einer Lampe zu bewerkstelligen ist, zu viele Zeit. Mit 
dieser Einrichtung würde sich auch das oben vorgeschlagene Doppel- 
Ocular am besten vereinigen. Die Lamelle am Rande des Gesichts- 
feldes, durch welehe jene Reihe von Linien der Glasscheibe, welche 
dem Äquator parallel gestellt wurden, bezeichnet ist, sollte wenigstens 
in dem schwachen, für die Beobachtung der Corona bestimmten 
Oculare etwa von fünf zu fünf Intervallen der auf dem Äquator senk- 
rechten Striche Zähne als Zähler haben. Für dasselbe schwache 
Ocular wäre es angemessen, auch diese zweite Folge von Linien 
durch eine ähnliche ebenfalls mit Zähnen besetzte Lamelle am Rande 
des Feldes abzublenden, da die hier zu messenden Grössen oft viele 
Theile des Mikrometers in dem einen wie im andern Sinne umfassen 
werden. Immer wird man dafür Sorge zu tragen haben, dass keine 
Verwechslung der Quadranten stattfindet, die leicht möglich ist, da 
bei gleicher Stellung der dem Äquator parallelen Linien zwei um 
180° verschiedene Positionen genommen werden können, je nachdem 
die zur Messung bestimmte Linie der Glasplatte auf einer oder auf 
der anderen Seite des Sonnencentrums liegt. Das Sonnenglas 
übrigens ist schon geraume Zeit vor der Totalität abzuschrauben und 
nur los an das Ocular zu halten, etwa 20 Secunden vor der ersten 
inneren Berührung aber völlig zu entfernen, und nur wieder vorzu- 
nehmen, wenn die Phase der wieder erschienenen Sonne dem Auge 
anfängt unerträglich zu werden, was erst lang nach dem Ende der 


Über den Zusammenhang von Flecken und Protuberanzen der Sonne. A253 


totalen Verfinsterung der Fall ist. Sehr zweckmässig ist es, von dem 
Schreiber, den man wo möglich vor der Uhr haben soll, alle 10 
Secunden die Zeit notiren zu lassen, damit jede ihm dietirte Bemer- 
kung von selbst ihre chronologische Stelle findet. Ein von diesem 
Schreiber etwa 30° vor Wiederscheinen der Sonne gegebenes Signal 
wird die Nachtheile der sonst unvermeidlichen Überraschung bedeu- 
tend verringern. 

Ich kann diese meine letzte Beschäftigung mit der Finsterniss 
vom Jahre 1851 nicht schliessen ohne die merkwürdigen Verschie- 
denheiten des Eindruckes hervorzuheben, welche die Protuberanzen 
nach ihrer Farbe, Gestalt u. s. w. auf die verschiedenen Beobachter 
machten. In dieser Beziehung mag hier angeführt werden, dass die 
am Orte meiner Beobachtung gefertigte Zeichnung des Herrn 
Dr. Fearnley, so getreu sie auch das von ihm Gesehene wieder 
geben mag, meiner Erinnerung so gut wie gar nicht entspricht, was 
man schon aus der, wenn gleich rohen so doch meinem Eindrucke nach 
ziemlich vollständigen Zeichnung in der IV. Auflage der „Wunder 
des Himmels“ Taf. VII, Fig. 46, ersehen kann. Dass dies aber nicht 
etwa besondere individuelle Abweichungen sind, wird hinlänglich 
durch die Anzahl von Gewährsmännern für beide Anschauungen 
bewiesen: nahezu wie Dr. Fearnley zeichnen die Protuberanzen 
Carrington, Schmidt u.A.; mit mir stimmen in dieser Beziehung 
fast völlig überein Dawes, Good ete. 

Unter dem vielen Räthselhaften, was sich in solchen Gelegen- 
heiten bietet, gehören diese grellen Unterschiede der Auffassung 
eines und desselben Phänomenes an einem und demselben Orte durch 
nahe gleich gute und gleich starke Fernröhre wohl zu den unerklär- 
lichsten Dingen. 


Sitzb. d. mathem.-naturw. Cl. XVII. Bd. III. H£t. 28 


\ 


A2A Diesing. Zwanzig Arten von Cephalocotyleen. 


Zwanzig Artenvon Cephalocotyleen. 


Von dem w. M. Karl M. Diesing. 
(Auszug aus einer für die Denkschriften bestimmten Abhandlung.) 


Ich überreiche hiermit für die Denkschriften der kaiserlichen 
Akademie der Wissenschaften die auf sechs Tafeln vertheilten 
Abbildungen von zwanzig Arten Helminthen aus der Ordnung der 
Cephalocotyleen sammt dem entsprechenden Texte. Die dargestell- 
ten Arten sind: Dibothrium decipiens Felis Oncae — D. hians 
Phocae Monacht — D. Folium Herpestis leucuri — Tetrabothrium 
heteroclitum Procellariae capensis — T. emarginatum Phracto- 
cephali hemiliopteri — Solenophorus ovatus Pythonis hiero- 
glyphici — Anthocephalus giganteus Chorinemi salientis — Pte- 
robothrium erassicolle Pimelodi Gorijuba — P. interruptum Tri- 
chiuri lepturi — Bhynchobothrium Caryophyllum Scoliodontis 
Lalandii — Pentastomum recurvatum Felis Oncae — P. pusillum 
Acarae Coscudo — Taenia fimbriata Cervi simplieicornis — T. 
megastoma Cebi Belzebul — T. tetragonocephala Myrmecophagae 
Jubatae — T. decrescens Dicotyles torquati — T. globiceps Tapiri 
americani — T. macrophalla Cichlae Monoculi — T. Scolopendra 
Podicipedis dominicensis. 

In der Einleitung hebe ich noch besonders hervor eine Beob- 
achtung von Brull& über eine Vermehrung der geschlechtslosen 
Ligulen in ihrem ursprünglichen Aufenthalte, nämlich der Bauch- 
höhle des Alben. Auch die Arbeit von Oskar Schmidt über den 
Bandwurm der Frösche Taenia dispar und die geschlechtslose 
Fortpflanzung seiner Proglottiden wurde berührt und auf die 
Wichtigkeit beider Beobachtungen hingewiesen. 


Filipuzzi. Della Paraffina. 425 


DellarBaraffuna 
di 


Francesco Filipuzzi. 


(Vorgelegt in der Sitzung vom 12. Juli 1855.) 


Fu nel 1830 che Reichenbach !) presentava per la prima volta 
ai naturalisti alemanni radunati in Amburgo la paraffına da lui sco- 
perta fra i prodotti della distillazione del legno. 

Vennero piü tardi le analisi di Ettling, di Lewy ed aleuni altri. 

Preziose qualita distinguevano tale sostanza che si presentava 
all’occhio bianca etrasparente; che, benche untuosa al tatto, pure non 
imbrattava di grassume; che era capace di resistere all’azione degli 
acidi concentrati, del potassio, degli alcali, coi quali la si poteva far 
bollire senza che pereiö ne venisse decomposta e per cui fu deno- 
minata paraffina (parum affinis); che distillava inalterata e che ardeva 
confiamma bianca senza fumo. Ad onta ditali preziose qualitä la paraffina 
non trovö in sul principio aleuna applicazione pratica e fu condannata 
per lungo tempo a giacersene infruttuosa nelle collezioni seientifiche. 
Prineipale ostacolo era la piccola quantita che se ne poteva ottenere 
dalla distillazione del legno e, sebbene il Reichenbach fin d’allora 
accennasse come la si potesse produrre anche dagli olii delle piante, 
dalle sostanze animali e per ultimo dalla carbonizzazione del carbon 
fossile, pure la produzione resto assai limitata, nullo il compenso. 

Di quando in quando furono qua e lä scoperte nel terreno, p. e. 
in Moldavia, in Galizia, in Germania, in Francia, in Inghilterra, nel 
Caucaso, etc., varie sostanze paraffinose dette comunemente seghi 
di montagna e che i mineralogi ed i chimiei distinsero coi nomi 


1) Reichenbach, Journal für Chemie und Physik von Schweigger, LIX, 456; LXI, 
273; LXI, 129; Dingler’s polytechnisches Journal, CXIV, 57; CXXXIV, 239; 
Ann. de Chim. et de Phys., L, 69; Jahrbuch der k. k. geologischen Reichsanstalt, 
III, Nr.2.— Jules Gay-Lussac, Ann. de Chim. et de Phys., L, 78. 


28* 


A26 Filipuzzi. 


partieolari di ozockerite 1), di scheererite ?2), di fichte- 
lite 3), di hatehetina *), di hartite >), di koenlite ©), 
d’ixolyte ’). 

Il Dr. Meyer di Bucarest richiamava per il primo nel 1833 
l’attenzione di quegli stessi naturalisti riuniti in Breslavia sopra una 
sostanza trovata a Slanik distretto di Packauer nella Moldavia e che 
Glocker chiamava ozockerite ossia eera di terra ®). 

Magnus che si fece ad indagare piu davvicino tale ozockerite °), 
trovo che essa non era una massa omogenea ma bensi un miscuglio 
di differenti materie. Non gli fu facile a primo aspetto l’aecorgersene, 
perche, sebbene l’ozockerite offrisse nella sua massa ora la struttura 
fibrosa dell’ amianto, ora la frattura concoide, ecio non pertanto ella 
sembrava omogenea. Ma esaminando isolatamente una delle piecole 
foglie che la componevano pote destinguervi dei piecoli punti piü 
oseuri. Fatta bollire una tale ozockerite eoll’etere o coll’ aleool anche 
assoluto non se ne scioglieva che una piccolissima parte, mentre 
la porzione prineipale rimasta inattaceata sembrava come rosiechiata. 
Da ciö egli conchiuse che tal massa si componeva di due sostanze, di 
ceui l’una era solubile, l’altra insolubile nell’ alcool. Esse perö erano 
cosi intimamente mescolate che sarebbe stato impossibile il separarle 
mediante processi meccaniei. 

Tale cera di terra si fondeva senza alterarsi a 82° C. quando la 
cera d’api si fonde a 62° C. La fusione non modificava il suo colore 
bruno-verdastro ne faceva svanire il suo particolare odore empireu- 
matico. Afline di spiegarne laformazione ed accertarsi se conteneva 0 
no del nitrogeno, la brueiö coll’ossido di rame e pot& convincersi che 


1) Malaguti. Ann. de Chim. et de Phys., LXIN, 390. — Schrötter, Baumgartner’s 
Zeitschrift, IV, Nr.2.— Walter, Ann. de Chim. et de Phys., LXXV, 214. — 
Johnston, Lond. and Edinb. Philos. Magaz., 1838, [3] XII. 389, et Journ. f. 
prakt. Chem., XIV, 226. 

?2) Macaire Princep, Annalen der Physik und Chemie von Poggendorff, XV, 296. 

?) Bromeis, Ann. von Poggend., XLIN, 141. — Trommsdorff, Ann. der 
Chem. und Pharm., XXXVII, 304. 

*) Johnston, Journal für prakt. Chemie, XIII, 438. 

°) Haidinger, Ann. von Poggend., LIV, 261. — Schrötter, ibid., LIX, 37. 

6) Kraus, Ann. von Poggend., XLII, 141. 

7) Haidinger, Ann. von. Poggend., LXI, 345. 

8) Annales de Chimie et Physique par M. Gay LussacetArago, LV, 217. 

9) Magnus, Extrait d’une lettre 4 M. Humboldt. Berlin. Decembre 1833. 


Della Paraffına. A2 T 


non eonteneva n& ossigeno, ne nitrogeno e che la sua composizione 
si avvieinava di molto a quella del gas oliofacente. : 

I professore Schrötter avendo del pari analizzata l’ozocke- 
rite di Slanik 1) vi riconobbe la composizione indicata da Magnus. 
La sostanza di Schrötter pero si fondeva alla temperatura medesima 
dalla cera (62°—63° C.), aveva un peso specifico—= 0'953 a + 15° 
e bolliva a 210° C. in vase chiuso. Avendo egli sottoposta tal cera 
fossile alla distillazione, ne ottenne un’ olio che dapprineipio era di 
color giallo-chiaro e che quindi si faceva piu cariro. Tale olio si 
solidifieava in una massa dicolerbruno sporco alquanto grassa e d’un 
odore disaggradevole che si avvicinava a quello del catrame di legno. 
Schrötter rilevava altresi il fenomeno di dieroismo che si presenta si 
nella massa della cera come nelle sue dissoluzioni. Egli analizzava 
anche la paraffina di Reichenbach ?). 

Malaguti che si fece a studiare la cera fossile delle montagne di 
Zietrisika in Moldavia ?) trovo che sottoposta ad una corrente di eloro 
secco perdeva la sua durezza, diveniva sensibilmente molle e com- 
pletamente solubile nell’ etere freddo. ÖOsservo che l’acido nitrico 
l’attaccava alquanto, giacche nel corso dell’ ebollizione vi aveva svi- 
luppo di vapori rossi rutilanti; ma gli sembroö che, finita l’ebollizione, 
la cera fossile non avesse perduto aleuno de’ suoi caratteri fisiei. 

L’ ozockerite di Zietrisika si fondeva a 84° C., bolliva a 3000 
ela sua densitä era —= 0'946 a + 20:5. 

Mediante il trattamento aleoolico Malaguti pote rendere evidente 
nell’ ozockerite l’esistenza di due o piu materie di densitä e fusibi- 
litä ineguali, le quali analizzate offerivano perd la medesima com- 
posizione. 

Laurent*) analizzava una sostanza consimile proveniente dagli 
schisti bituminosi di Autun. 

Walter 5) esamino una cera fossile scoperta a Trouschkawietz 
nella Galizia, che si fondeva a+59°C. e bolliva sopra i 300°. 


1) Schrötter, Bauingartner’s Zeitschrift: für Physik und verwandte Wissenschaften, 
IV, 173, Bibliotheque Universelle de Geneve. Mai, 1836. 

?2) Schrötter, Annalen der Physik und Chemie, J. C.Poggend. Leipzig, 1843. 
S. 37. 

3) Malaguti, Annales de Chimie et Physique, LXII, 390. 

4) Laurent, Ann. de Chim. et de Phys., LIV, 392, 

5) Walter, Ann. de Chim. et de Phys., LXXV, 214. 


A2S Filipuzzi. 


Il prof. Redtenbacher ricevette nel 1852 dal Sig. Seybel 
una sostanza eristallina supposta paraffina che nelle vieinanze di Bona 
era stata ottenuta insieme agli olii liquidi provenienti dalla distillazione 
di uno schisto bituminoso. Tale sostanza era stata depurata mediante 
la eompressione, l' acido solforico e l’aqua. Il suo punto di fusione 
era a 55°C. 

Nel gennajo 1854 il Sign. Roberto Doms di Lemberg inviava 
al prof. Redtenbacher circa due chilogrammi di una sostanza 
bruna analoga alla cera di terra od ozockerite accompagnondola col 
seguente scritto: „Ben sovente nelle vieinanze della nostra-formazione 
salina al piede dei Carpazii si presentano potenti masse d’argilla 
impregnate di pece minerale, la quale si compone di una soluzione 
di ozockerite, paraffina, resina ed asfalto nel petroleo. La raccolta di 
tal pece minerale per quindi produrne del petroleo, che si potesse 
ardere nelle lampade invece del canlino, mi determino a scavare 
un pozzo in Borystow presso Drohobietz sperando d’incontrare 
le stesse relazioni che a Backu presso al mar Caspio, dove sem- 
‚pliei eisterne somministrano considerevoli quantitä di nafta. A pochi 
eolpi di vanga al disotto della superfieie comineiava l’argilla bitumi- 
nosa, la quale in un pozzo che io scavai, era per 7—8 Klafter per lo 
piu impregnata di pece minerale, alla quale profondita si presento 
l’ozockerite anche sola in pallottole imprigionate nell’argilla e con 
uno scavo di terra eguale a 3/, eubiei di Klafter ottenni 220 funti 
di ozockerite bruta fusa, mentre quella che le arriverä & nel perfetto 
suo stato naturale. Nei sottoposti Klafter l’argilla € meno ricea in 
bitume e con le perforazioni da me eseguite fino alla profonditäa di 
16 Klafter non giunsi peranco a raggiungere il suo letto“. 

Tale cera di terra era piu molle della cera comune; del resto 
di eonsistenza analoga alla cera e si lasciava modellare a piacere fra 
le dita. Era di colore nero bruno carico, di lucentezza grassa, insipida 
ed aveva un’ odore evidente di nafta. Il suo peso specifico a 250 C. 
era —= 0'944, il suo punto di fusione era a 60° C. 

Intravvedendo l’importanza che tali sostanze stavano per assumere 
dall’ applicazione che ne verrebbe fatta nell’ industria e nelle arti, il 
prof.Redtenbacher nefece intraprendere l'analisidaHofstädter. 

Tali sostanze vennero confrontate colla paraffina che Reichen- 
baeh aveva ottenuta dal legno di faggio, il eui punto di fusione era 
a AT’5 C. ed il peso specifico — 0'862. 


Della Paraffına. A 2 9 


E prima di tutto diseiolse !’Hofstetter !) la paraffina di 
Reichenbach in una suffieiente quantita d’aleool bollente, che 
raffreddandosi ne depose la maggior parte in eristalli, come il Rei- 
cehenbach aveva giä accennato. Rieonobbe in essa tre sorta di 
cristalli, cio& gli uni somiglianti ad aghi inerociechiati, gli altri a noc- 
eioli angolosi, i terzi erano fogliette madraperlacee. 

L’Hofstetter suddivise la paraffina che andava deponendosi 
durante il lento raffreddamento della soluzione aleooliea in piü por- 
zioni di diverso punto di fusione, La parte piü solubile nell’ aleool, 
aveva il suo punto di fusione a 45° C., le porzioni che vennero in 
seguito da 465 C. a 480 C. 

Nelle medesina guisa vennero da lui indagate le sostanze di 
Bona e di Galizia, ambedue si seiolsero eompletemente nell’ alcool 
adoperato in sufficiente quantitä, solo quella di Galizia lascio indietro 
un piecolo residuo di sabbia. Ambedue raffreddandosi diedero le 
medesime tre sorta di eristalli. Da ambedue pote, frazionando le 
eristallizzazioni, ottenere corpi di differente punto di fusione, 
quella di Bona cioe si suddivise in 5 porzioni con punti di fusione da 
57°C. a 61°C. e quella di Galizia in 11 con punti di fusione da 60°C. 
fino a 65°5 C. 

In sul finire dell’ anno decorso ricevette il professore Redten- 
bacher dai signori White, Young e Compagnia di Glascovia una 
paraffina proveniente dalla distillazione di un’ eleantrace schistoide 
e che egli si compiaceva di affıdare alle mie investigazioni, le quali 
vennero eseguite nel suo laboratorio. Tale paraffına era bianca, cri- 
stallina, di lucentezza grassa, senza odore e sapore. Il suo peso 
speeifico a + 15° C. era—= 0861. Si fondeva a 55° €. in un liquido 
limpido ed incoloro come |’ aqua. 

Questa paraffina venne dapprineipio da me trattata con una sufli- 
eiente quantita d’aleool bollente fino a che si fosse eompletamente 
diseiolta. La soluzione, sebbene limpida e scolorata, pure venne fil- 
trata onde allontanare qualunque traecia d’impuritä, che la potesse 
imbrattare. 

Abbandonato il liquore aleoolico al raffreddamento ed al riposo 
di piü giorni esso depose la maggior parte della paraffına in eristalli, 


1) Hofstetter, aus dem Julihefte des Jahrganges 1854 der Sitzungsberichte der 
mathem.-naturw. Classe der kais. Akademie der Wissenschaften. Wien 1854, Bd. XIII, 
S. 436. 


430 BuiAhapru Zzizi 


che, esaminati sotto al mieroscopio, erano di tre sorta, eioe simili 
eli uni ad aghi infilzati, gli altri a noceioli angolosi, gli ultimi a 
fogliette madraperlacee. 

Il liquore aleoolico madre separato dalla porzione di paraflina, 
‚che si era cosi eristallizzata, venne concentrato mediante la distilla- 
zione fino a piccolo residuo. Tale liquore depose raffreddandosi 
una sostanza cristallizzata in fogliette madraperlacee, il eui punto di 
fusione era a 45° C. 

Nella supposizione, che una tale sostanza potesse venire ancor 
suddivisa, la ridiseioglieva nell’aleool e la laseiava di nuovo cristal- 
lizzare. Ricomparvero i medesimi cristalli, il punto di fusione non 
si era mutato. Da eio eonchiusi doversi riguardare una tale sostanza, 
quale un carburo d’idrogeno particolare e sottoporre all’analisi ele- 
mentare. 

La paraffina, che si era deposta in cristalli per il semplice raf- 
freddamento della prima soluzione, venne di nuovo trattata eoll’alcool 
e di nuovo abbandonata alla eristallizzazione. Dal liquore madre di 
questo secondo trattamento alcoolico concentrato e raffreddato si 
separd anche questa volta una paraffina conformata in fogliette madra- 
perlacee, il cui punto di fusione era a 48° C. 

Tali trattamenti aleooliei vennero da me nella medesima guisa 
ripetuti fino a che giunsi ad ottenere per ultimo una paraffina, il 
eui punto di fusione era a58° C. e che rimase invariabile sebbene 
ancor una volta la trattassi coll’ aleool. 

Debbo far osservare che col secondo trattamento aleoolico i 
eristalli conformati in fogliette madraperlacee vennero completamente 
allontanati e che tutte le diverse porzioni nelle quali potei ancora 
suddividere la paraffina non offrirono che due sorta di eristalli eioe 
somiglianti gliuni ad aghi infilzati, gli altri a noccioli angolosi e 
che per quanto facessi non riuscii ad isolare gli uni daglı altri. 
Avverto ancora che l’ultima porzione di paraffina ottenuta dal liquor 
madre dell’ultimo trattamento alcoolico presentava delle traceie di 
petroleo. 

Dalle diverse porzioni, nelle quali riuscii a suddividere la paraf- 
fina ottenni 9 diversi punti di fusione, che dai 45° C. ascendono 
gradatamente fino ai 58° C. 

Ru 14. 1% MeV VRAMETHV IR RR 
‚45° 48° 49° 49°5 51° 56°5 57° 57°5 58° C. 


Della Paraffina. 43 1 


L’analisi elementare di aleune di tali porzioni indieö la compo- 
sizione medesima del gas oliofacente e dimoströ cosi, non essere la 
paraffina un’ individuo organico, unico, ma comporsi di varii carburi 
d’idrogeno isomeri e probabilmente di alto ma diverso equivalente. 

Le combustioni vennero eseguite coll’ ossido di rame ed una 
corrente d’ ossigeno. 

I. Porzione che si fondeva a 45° C. 
0-223 grm. di sostanza diedero, 
0.699 grm. acido carbonico, 
0:287 grm. aqua. 
II. Porzione che si fondeva a 49°5 C. 
0.233 grm. di sostanza diedero, 
0731 grm. acido earbonico, 
0:2983 grm. aqua. 
III. Porzione che si fondeva a 56°5 C. 
0-222 grm. di sostanza diedero, 
0°698 grm. acido carbonico, 
0:286 grm. aqua. 
IV. Porzione che si fondeva a 57°5 C. 
0201 grm. di sostanza diedero, 
0.6322 grm. acido carbonico, 
02570 grm. aqua. 
V. Porzione che si fondeva a 58° C. 
0:254 grm. di sostanza diedero, 
0:798 grm. acido earbonico, 
0:3267 grm. aqua. 
Caleolato. 1. I. II. IV. V: 
=6 — 8571 — 8547 — 85:53 — 85:72 — 85:77 — 8569 
H=1 — 1429 — 14-30 — 14:23 — 14:31 — 14:21 — 14:29 


7 —100.00 
Magnus Schrötter Malaguti Walter Hofstetter 
nn v—— nen TU urn on 


C — 85:75 — 86:20 — 85:22 — 8521 — 86:20 — 35.80 — 85:85 — 8616 — 84:94 — 85.78 
H — 15:15 — 13:79 — 14:86 — 13:71 — 14:16 — 13-98 — 14:28 — 14:36 — 14:87 — 1429 


Il punto d’ebollizione delle suddette sostanze non venne inda- 
gato, essendo eonoseiuto che i carburi d’idrogeno che possedono la 
medesima eomposizione del gas oliofacente, eambiano il ioro punto 
d’ ebollizione mediante la distillazione. 

Era noto come i carburi d’idrogeno volatili provenienti dalla 
distillazione del grasso, se trattati coll’ aeido nitrieco eoncentrato, si 


A432 Filipuzzi. 


ossidassero e dessero origine ad acidi grassi volatili. Era noto del 
pari come gli acidi grassi d’alto equivalente, se trattati pure con 
l’acido nitrico, producessero acido suceinico. Una tale esperienza 
determinavami a sottoporre la paraffina all’ azione ossidante dell’acido 
nitrico. 

Circa dieeci grammi di paraffına vennero a tale scopo digeriti 
con un’ eccesso d’acido nitrico concentrato ad una temperatura 
superiore di aleuni gradi a quella del punto di fusione della paraflina 
medesima. La reazione che dapprineipio si manifesto viva e con 
copioso sviluppo di vapori rutilanti ando grado grado seemando e per 
modo che dopo una digestione non interotta di quasi dieci giorni vi 
aveva uno sviluppo appena sensihile di vapori nitrosi, e la paraffına 
che prima si era veduta nuotare a guisa d’uno strato oleoso al disopra 
dell’acido, era gia del tutto scomparsa. La digestione venne ancor 
proseguita per alcun tempo firo a che una piccola porzione della 
soluzione acida diluita con un eccesso d’aqua non desse che un 
intorbidamento appena visibile. La soluzione oltre all’ odore dell’ acido 
nitrico in eccesso adoperato, diffondeva anche un altro odore che 
ricordava quello dell’ acido butirico. 

Distillai allora tale liquore acido fino a che nella storta si ridu- 
cesse ad un quarto del suo volume per separarne cosi l’acido volatile. 

I liquor distillato venne saturato con la potassa per eui l’odore 
dell’ acido butirico del tutto scomparve. Il nitrato di potassa venne 
allontanato mediante la cristallizzazione e quindi il butirato della 
stessa base decomposto mediante l’acido solforico; per eui l’odore 
dell’ acido butirico si fece di nuovo manifesto. Allontanato anche il 
solfato di potassa non saturai allora che una metä del liquore conte- 
nente l’acido butirico di nuovo con la potassa, l’aggiunsi all’ altra e 
distillai. 

Ripetei aleune volte di seguito un tale processo, detto anche di 
frazionamento, nell’intenzione di eoncentrare l’aeido butirico in una 
piccola parte del liquido; ma ad onta di tutte le precauzioni possibili 
la quantita, che per tal modo ne ottenni, fu si piecola da non bastare 
ad un’ analisi. | 

Neutralizzata allora nuovamente tale piecola quantita d’acido 
con la potassa evaporai a secchezza, versai sul residuo secco alquanto 
d’aleool poi dell’ acido solforieco ed immantinente il gradito e carat- 
teristico odore dell’ ananas si diffuse. Avendo quindi distillato un tale 


Della Paraffina. A 3 3 


miscuglio in una piccola storta ne ottenni del butirato d’ossido d’etilo 
con le caratteristiche sue proprietä. 

La porzione del liquore acido rimasta indietro della prima distil- 
lazione venne evaporata onde liberarla dall’acido nitrico che ancor 
vi restava, ed il residuo solido disciolto in poca aqua bollente, depose 
raffreddandosi dei cristalli bianchi granulari, i quali depurati mediante 
ripetute soluzioni e eristallizzazioni presentarono tutti i caratteri 
dell’ acido succinico. 

L’analisi del sale d’argento offri i seguenti risultati: 

0.4890 grm. di suceinato d’ossido d’argento diedero 

0.3185 grm. d’argento. 


Caleolato: trovato: 
mn a RR u ) 
0, — 3 — 1415 — — 
a RE EN 
0, nee Ni en 
Ag, — 216 — 65:06 — 6513 


E22 710000 


Dal sopradetto si puö dedurre, che in origine la parafina 
derivi dai corpi grassi mediante un processo di riduzione. Il pro- 
cesso della distillazione, come quello della formazione dei carboni 
fossili e dei corpi analoghi non sono a vero dire che processi di 
riduzione. 

Presentemente che la produzione della paraffina e particolar- 
mente quella dell’ olio di paraffina (lubrieating-oil) sono salite ad 
un punto importante nelle arti e nell’ industria, eredo opportuno di 
aggiungere alecun che sopra il modo della loro fabbrieazione. 

La qualitä dei prodotti della decomposizione del carbone fossile 
dipende dal grado di temperatura alla quale essa viene effettuata, 
come pure dalla qualitä del carbon fossile adoperato. Si possono 
prineipalmente distinguere tre specie di prodotti eio@: gas e vapori 
che vanno confusi sotto il nome comune digasdelecarbonfossile: 
un liquido carico d’ammoniaca, detto aqua di gas, e finalmente 
un liquido nero oleoso, detto eatrame del carbon fossile. I 
residuo della distillazione del earbon fossile costituisee un carbone 
nero e compatto, conosciuto sotto il nome dicoak. 

Quando la decomposizione viene effettuata al color rosso-eirie- 
gia, come nella fabbrieazione del gas illuminante, si ottengono i 
seguenti prodotti cioe: 


A3A Filipuzzi. 


II gas del carbon fossile si compone prineipalmente di 

Gas oliofacente (idrogeno biearbonato), 

„ delle paludi (idrogeno protocarbonato o idruro di 
metilo), 

„ 0ssido di earbonio, 

„ acido earbonico, 

„ idrogeno, 

„ ldrogeno solforato, 

Vapori d’idrocarburi oleosi volatilissimi aventi per formola 
generale Cn Hn (tritileno , tetrileno) o Cn Hn — 6 
(benzina, tolueno), 

» disolfuro di carbonio, quando il carbon fossile contiene 
della pirite, 

Acido eianidrico o eianidrato d’ammoniaca dovuti alla reazione 

dell’ ammoniaea sopra il carbone. 

La eosidetta aqua di gas & importante per l"ammoniaca in 
essa contenuta. 

Nel catrame del carbon fossile & contenuto: 

Idrogeno solforato, 

Ammoniaca, 

Acido eianidrico, 

„  acelico, 
» fenico 

Alecali oleosi (anilina, picolina, ehinoleina), 

Benzina, 

Idrocarburi oleosi (tolueno, C,,H;; eumeno, C,sH,, ; eimeno, 

C,.H,,, omologhi della benzina), 
n solidi (naftalina, eriseno, antraceno), 

Olio empireumatico bollente a 70° e che si resinifica a contatto 

dall’ aria. 

Quando invece la decomposizione viene effettuata ad una tempe- 
ratura piu bassa, i prodotti sono alquanto diversi e principalmente in 
luogo della naftalina, si ottiene un’ olio contenente paraflina (lubriea- 
ting-oil) e paraffina solida. 

Fu Young di Glascovia quegli che seoperse, che, distillando i 
carboni a bassa temperatura, si ottenevano prodotti diversi da quelli 
che si ottenevano allorch& essi venivano distillati ad un’ alta tempe- 
ratura, come nella fabbrieazione del gas illuminante. 


Della Paraffina. 435 


Rees Reece chimico di Londra ottenne fino dal 1849 una pa- 
tente 1) pel trattamento della torba onde estrarne della paraflina. 

Gli studj di Young intorno ai carboni bituminosi ?) ebbero 
per iscopo prineipale la produzione dell’ olio di paraffına che viene 
adoperato solo o mescolato con altri grassi per ungere le macchine, 
come pure per ardere nelle lampade d’Argand. 

Fu Seligue quegli che introdusse nell’ industria francese :) 
la distillazione dei carboni schistosi. I carboni dei contorni di Autun 
gli somministrarono: 1) olii volatili od eterei; 2) oliüi fissi; 3) olü 
contenenti paraffina, ch’ egli adoperava nella composizione di grassi 
per carrozze e per macchine; 4) paraffina per fabbricare candele; 
5) una materia colorante ed ammoniaca; 6) catrame; 7) un residuo 
secco,il quale poteva venire adoperato per scolorare i siroppi oppure 
per la disinfettazione. 

Mediante il vapor d’ aqua fortemente risealdato Brown riusci ad 
effettuare la distillazione del carbon fossile #) ad una temperatura 
assai bassa. Egli raceoglie a parte i prodotti piü volatili e quindi sotto- 
pone il carbone ad una seconda distillazione. 

A Beuel nei dintorni di Bona in Germania havvi presentemente 
un grande stabilimento di tal genere, diretto dall’ingegnere Wage- 
mann 5) nel quale vengono giornalmente sottoposti alla distillazione 
eirca 19,000 chilogrammi di carbone shistoso. I carboni vengono 
cola primieramente ridotti in pezzi della grossezza di una noce e nel 
caso che contengano dello zolfo, spruzzati con aqua di calce, e 
quindi trasportati in una stufa a disseccare. Tale stufa, della lun- 
ghezza di 200 piedi e della larghezza di 20 & intersecata da muri 
alti 2 piedi e distanti l’uno dall’ altro 4 piedi. Tali muri sono con- 
giunti fra di loro col mezzo di volte. Sopra queste volte si collocano 


1) Rees Reece, The London Journal of Arts, Sciences and Manufactures, and Reper- 
tory of Patent-Inventions. 1849, 96; The Mechanie’s Magazine by R. A.Brooman, 
London 28. July 1849; Dingler’s polytechn. Journal, CXIII, 317. 

2) Young, Technologiste ou Archives des Progres de l’Industrie Frangaise et Etran- 
gere de Malepeyre, Paris 1852, Aout; Dingler’s polytechn. Journal. CXXV, 453. 

3) Polytechnisches Journal von Dingler, Stuttgart und Augsburg, CXXIX, 157. 

*#) Brown, Moniteur Industrielle. Paris 1854, Nr. 1860; Dingler’s polytechn. Journal, 
CXXXI, 431. 

5) Wagemann, The Mechanie’s Magazine edited by R. A. Brooman, vol. LXI, 
London 1854, Saturday, December, Nr. 1634—35; Dingler’s polytechn. Journal, 
CXXXV, 138 und 384. 


436 Filipuzzi. 


gli schisti a seccare mentre sotto di esse vengono distese le ceneri 
degli schisti che gia soggiaequero alla distillazione nelle storte. Le 
ceneri ancor calde trasmettono cosi il loro calorico alle volte e queste 
agli schisti sopra giacenti che per tal modo ne restano disseceati. 

Gli schisti eosi disseceati vengono sottoposti alla distillazione 
entro a storte, le quali differiseono da quelle del gas, in quanto che i 
prodotti della distillazione escono dalla parte opposta a quella in eui 
si trova la graticola. Sopra eiascun fuoco stanno adagiate due storte 
della lunghezza di S piedi, della larghezza di 2 e con un tubo adduttore 
di 5 polliei. Il fuoco vi passa al disotto e di la si rende nel cammino. 

Lo secopritore preferisce di collocare 8 fornelli con 16 storte 
all’intorno di uno stesso cammino, per eui la fiamma puo passare 
dall’ un fuoco all’altro e le storte venir cosı sottoposte ad una tem- 
peratura gradatamente erescente. I prodotti della distillazione delle 
16 storte entrano in un tubo di ferro della lunghezza di 80 piedi 
e del diametro di 2 circondato esternamente d’ aqua fredda. I gas, 
dopo avere oltrepassato un tale tubo, entrano in un grande eilindro 
di ferro, il quale € riempiuto di coak; questo coak spoglia il gas 
delle ultime porzioni di catrame. Di la i gas arrivano in un cammino 
alto 40 piedi, la eui corrente viene moderata mediante un regolatore. 

I prodotti liquidi della distillazione vanno a raccogliersi in un 
grande serbatojo, che viene costantemente mantenuto ad una tempe- 
ratura di 30°C., il che favorisce la separazione dell’ aqua ammonia- 
cale. L’aqua ammoniacale viene mescolata con la cenere distillata ed 
offre cosiı un buon concime. 

Il eatrame viene fatto passare col mezzo di pompe nelle macckine 
di depurazione, ove 200 galloni del medesimo vengono mescolati con 
10 galloni di soluzione di ferro ad una temperatura di 30° €. per lo 
spazio di 3, d’ora. Le macchine di depurazione sono grandi eilindri di 
ferro della capaeita di 500 galloni, nei quali dei tubi di ferro vengono 
messi in movimento mediante la forza di macchine. 

Il catrame cosi depurato dall’ idrosolfato d’ammoniaca viene tras- 
portato in appareechj distillatorii della capaeita di eirea 300 galloni 
e distillato col vapore d’aqua fortemente riscaldato. I prodotti della 
distillazione si condensano in un serpentino di piombo lungo 100 piedi 
e di 3 polliei di diametro. 

I prodotti della distillazione vengono quindi ripartiti nei tre 
seguenti: 1) essenza del peso specifico da 0700 fino a 0865; 


Deila Paraffina. 43 7 


2) lubrieating-oil da 0865 a 0'900 3) paraffina da 0-900 fino 0:930 
peso specifico. Questi tre diversi prodotti vengono eiascuno di per 
se per il corso di mezz’ ora mescolati colle relative quantita A, 6, 
8 per %, d’acido solforico eoncentrato; 1, 11/,, 2 per %, d’acido 
eloridrico e 15, %,, 1 per °/, di bieromato di potassa, nelle mac- 
chine giacenti da mescolare. Dopo tre ore vengono i deiti prodotti 
separati dal residuo e mescolati in macchine di ferro con 2,8, 4 
per % di soluzione di potassa caustica a 50° Baume. In seguito 
ciascun prodotto cosi depurato viene distillato col vapore d’aqua 
fortemente riscaldato. 

Dal n% 1 mescolato ;eon una parte del n% 2 si ottiene un olio 
del peso specifico = 0'820, il quale corre in commereio sotto il 
nome di fotogene od olio minerale che si arde in lampade apposi- 
tamente costruite. 

Una parte dei prodottidein‘ 2 delpeso specilico = 0:860 — 0:870 
da il solar - oil, che si arde nelle lampade d’Argand e diÜarcel. 

Il resto del n% 2 misto con una parte del n® 3 da da aleuni anni 
lusitatissimo lubricating-oil per ingrassare le macchine. 

Il residuo del n® 3 viene trasportato in una gran cantina ove la 
temperatura & mantenuta piu bassa che sia possibile per favorire la 
eristallizzazione. In quattro o cinque settimane la paraffina si trova 
eristallizzata in grandi tavole e viene col mezzo di macchine centri- 
fughe, le quali fanno circa 2000 giri per minuto, separata dall’olio. 
Tale paraffina viene fusa, gettata in tavole e sottopposta ad una pres- 
sione di 168,000 chilogrammi in un torchio idraulico a freddo. Viene 
quindi nuovamente fusa e, quando la temperatura ha raggiunto i 
180° C., mescolata con un 50 per °/, d’acido solforico eoncentrato. 
Trascorse due ore si separa la paraflina dall’ acido e la si mescola 
coll’ aqua. Viene quindi gettata in foccaccie ed entro a stacei di 
crine compressa in un torchio idraulico a caldo; poi fusa nuovamente, 
mista con un '/, per %, di stearina e mescolata a 150° C. con un 
70 per % d’acido solforico nelle macchine da mescolare di piombo. 
Dopo un riposo di due ore viene separata dall’ acido e lavata 
coll’ aqua, poi un’ altra volta fusa con un %, per %, di stearina ed in 
seguito mescolata con 1 per %, di soluzione di potassa caustica a 40° 
di Baum&. Passate due ore tutte le impuritä si trovano giä deposte sul 
fondo e la paraffina limpida come l’aqua si getta in stampi rettango- 
ları o viene conformata in candele. 


438 


Filipnazzu. 


Gli sperimenti eseguiti dal prof. Karsten di Kiel 1) sopra la 


forza di luce delle candele di paraflina in paragone colle candele di 


altri materiali diedero i seguenti risultati: 


Candele di paraflina (4 per funto) 24 1:000 |4Y/,ore| 525 | 1:00 (30) | 1:00 


Do = 


gr 


pr 


di spermaceti(6 „ „ )| 221/,| 0'922 id. 540 | 08264] 40 0:62 


di cera ass: 161/,| 0:6875| id. 552 | 0-45 26 0519 


distearina (A,„ „ 


) 

di ceraart. (5 „ „ )| 23%| 0:964 id. 642 | 0:76 21 1:086 
)| 221/,| 0'922 id. 822 | 0.543 16 1:018 
) 


di sego (6, ») 223/,| 0.932 | id. | 1020 [045 | 10 | 1-35 


Distanza nella quale le fonti diluce hanno un’ eguale ehiarore illuminante ; 
valore relativo di d; 

eonseguente intensitä della fiamma; 

tempo in eui ardono in ore; 

peso del combustibile eonsumato in grani medieinali; 

chiarore per eguali quantita di combustibile econsumato, senza riguardo 


alla spesa — (v esprimerä anche il prezzo relativo, che i materiali 
gr 


combustibili aver potessero, onde ottenere eguali valori eombustibili v); 


prezzo di un funto in scellini diAmburgo eorrenti (1 scellino—=11 cent.) 
e il valore eombustibile, in relazione col prezzo, ossia il chiarore a 
ı e i.t ® 
prezzi eguali — — —., 
gr. pr pr 


Da ciö segue: 


1) Fra le candele di lusso hanno quelle di paraffina il primo 


grado; esse vincono quelle di spermaceti e quelle di cera, come in 


v ed 


ancor piü in v, & dimostrato. I prezzi della paraffina, dello 


spermaceti e della cera dovrebbero presso a poco stare fra di loro 


nella 


relazione di 10:8: 5 se chiarore eguale egual prezzo avesse. 


2) Le candele di paraffina hanno un valore combustile maggiore 


v delle migliori candele comuni, ma a motivo del basso prezzo delle 
ultime, arriva al prezzo relativo; per poter servirsi senza discapito 


delle 


candele di paraflina in confronto di quelle di stearina possono 


1) Karsten, Mittheilungen des Gewerbe-Vereins für das Königreich Hannover, 1854; 
Dingler’s polytechnisches Journal, CXXXIV, 366. 


Della Paraffina. A39 


stabilirsi i prezzi = 100 :76: 54. La paraffina: candela di cera 
art.: stearina ord. = 100 ::76 : 54. Il prezzo di 30 scellini per 
fanto (20 scellini al funto alla fabbrica, & scellini di dazio; restano 
6 scellini per imballatura, trasporto e proiitto di vendita) esprimerä 
suffieientemente quel rapporto, mentre i valori combustibili v, ai prezzi 
di 30 scellini : 21 scell. : 16 scell. sono quasi eguali (1:1-09:: 1:02), 
a vantaggio pero delle candele di paraflina si presenta la eircostanza, 
che le medesime (somministrate da Wiesmann e Comp. in Bona) 
sono quasi di giusto peso, per il che l’apparente differenza del 9 o 
risp. 2 per °/, a favore delle candele di stearina verrebbe ad essere 
tolta. In conseguenza le candele di paraffina coi prezzi suindieati 
potrebbero sostenere la concorrenza colle comuni candele. 

3) Fra tutte le candele & veramente quella di sego la piü a 
buon prezzo, non perö nella misura che il piü comunemente si erede 
in paragone di quelle di paraffina e delle buone di stearina. Se si 
considera che specialmente le vecchie candele scarseggiavano di 
molto nel peso e molto scolavano, cosi potrebbero i rel. 35 per %, 
ed i 24 per °/,, che il sego comparisce piü a buon prezzo in v, a 
confronto della paraffina o della cera artifieiale riuseire illusorii. 

Il bruciare candeie, anche delle piüu preferibili, riescee sempre 
piüu costoso dell’arder olio in una lampada ben costruita. Ma perche 
in aleuni casi alle candele non si possono sostituire le lampade, per- 
ciö le considerazioni sopra i valori relativi delle diverse sorta di can- 
dele riusceiranno sempre interessanti. 

Le nuove candele di paraffina si distiinguono per la loro bella 
apparenza ne reggono al confronto con esse quelle di spermaceti 
piü bianehe ma non cosi trasparenti come quelle di paraffina. Si 
deve solo in aleune di quest’ ultime meglio provvedere alla unifor- 
mita della massa (punti opachi nella massa trasparente). Le candele 
di paraffina si distinguono finalmente per una partieolare uniformitä 
nell’ardere, mentre sono meglio stabilite le proporzioni fra la potenza 
del lueignolo e la consumazione della paraffina, in modo che il luei- 
gnolo bruciando forma sempre una regolare scodella, si carbonizza 
regolarmente nella parte superiore e la candela non scola per 
nulla. 


Sitzb. d. mathem.-naturw. Cl. XVII. Bd. III. Hft. 29 


AAO Filipuzzi. 


Analisi del carbone fossile di Cludinico in Carnia 
di 


Francesco Filipuzzi. 
(Vorgelegt in der Sitzung vom 12. Juli 1855.) 


Il carbon fossile di Cludinico viene seavato all’ imboccatura del 
R. Furioso fra Ovaro e Cludinico, non lungi dalla strada, La strato 
carbonifero ha uno spessore di metri 0:93 e giace in seno all 
arenarie grigie, le quali dal canto loro costituiscono un deposito 
subordinato nell’ arenaria variegata inferiore (Werfener Schiefer). 
Questo earbone adunque appartiene alla formazione del trias. Sopra 
alle arenarie grigie che rinchiudono questo combustibile giaceiono 
ancora potenti strati di arenaria variegata inferiore, i quali presso 
Amboluzza, Cludinico ed Entromarsa sono ricoperti dal caleare nero 
inferiore (Guttensteiner Kalk). II deposito carbonifero & eircoscritto 
alla parte piü bassa del R. Furioso. Sotto i medesimi rapporti rinven- 
gonsi delle arenarie grigie con traccie di carbon fossile anche nel R. 
Maggiore fra Lauco ed Avaglio al nord di Villa. Non si dovrebbe 
trascurare di far quivi delle ricerche piü dettagliate, giacche questo 
& l’unico luogo dove si potrebbe incontrare di nuovo il deposito car- 
bonifero di Cludinico. Una provenienza eonsimile offre anche il 
carbone di Raveo che si trova depositato nel calcare nero; per eui 
sebbene appartenente alla formazione del trias inferiore, pure esso 
non & identico a quello di Cludinico. 

Il carbone di Cludinico & molto compatto e duro, da un segno 
nero-bruno, ha una frattura piano-concoidea in eui strati sottili di 
carbone opaco si alternano con interotte sottili striscie di carbone 
compatto lucente. 

Questo carbon fossile si avvieina molto al carbon fossile vero 
della formazione carbonifera sı per le sue proprietä fisiche come per 
sua chimiea composizione. 

La sua gravitä speeificae = 1:58 a + 15°C. 

La quantita d’acqua igroscopiea in esso contenuta € —= 085 


per %. 


Analisi del earbone fossile di Cludinieo in Carnia. AA1 


Sottoposto il carbone alla caleinazione in vase chiuso sviluppa 
abbondante quantitä di prodotti gasosi, che accesi ardono con fiamma 
biancalucente, la quale e accompagnata dauna leggera colorazione in 
giallo. Il coak che rimane dopo terminata la caleinazione € ben agglu- 
tinato e poroso. Tale coak & d’aspetto metallico lucente, di color nero- 
plumbeo. La quantita che per tal modo ne ottenni risultöo = 79'52 
per %. | 

Il potere calorifico assoluto di un tale carbone, determinato 
secondo il metodo di Berthier, corrisponde a 627647 unita calori- 
fiche, cio& a dire 1 chilogrammo di questo combustibile somministra 
una quantita di calorico tale da innalzare di 1° C. la temperatura di 
627647 chilogrammi d’acqua. 

La proporzione della cenere somministrata dell’ esperienza € 
— 14'210 per %/, e contiene: 


RCIHONSTILCICO?F RE PIE N ee en Er ZNDD 
Berossido. dnterton ee er ee 
FOlluminaya Mau a le ie Re le Eu )2 990% 
Solatolmiellce Tan. ae, DOLLS 
Parbonatukdrrmarnesian. 2 mr. na. 10:61 
AI REMBBHERNN. EUESUIEN DEN ee. 02021 

14210. 


La quantitä totale dello zolfo che si trova presente nel carbone 
& = 5.687 per %. 
La porzione di zolfo combinato al ferro allo stato di bisolfuro 
di ferro & = 4432; quella dello zolfo eombinata alla ealce allo 
stato d’acido solforico € = 1'255 per %. 
Le zolfo eontenuto allo stato d’acido solforico & gia presente 
nella cenere — 14'210 per °/,, ma non giä lo zolfo combinato al ferro. 
Onde avere i dati della cenere eongiunta allo zolfo si deve 
sottrarre dal perossido di ferro tutto l’ossigeno ed al ferro cosi ridotto 
aggiungere lo zolfo necessario a convertirlo in bisolfuro il che riesce 
— 10.313. 
Cenere somministrata dall’ analisi . . - -» . . .14210 
Ossigeno contenuto nel perossido di ferro . . . . 1663 
Cenere meno l’ossigeno del perossido di ferro . . 12547 
Zolfo combinato al ferro allo stato di bisolfuro di ferro A432 
Totale della cenere collo zolo . . » » . ...16979 
29° 


AA2 Filipuzzi. Analisi del carbone fossile di Cludinico in Carnia. 


Composizione elementare: 


Carbonio . .. ER A EN N N) 

Idrogeno 0.02 u N | 

Nıtinogenow. nn a an rt u 0-08 N Be we 
ÜSSICEND!.. a a er 2 

Aeido silieieo. . Yan BE na N4:522 

Bisolturo di ferro 0. 20.0088) 

Alluminal cv... aan eu OS iR 

Solfatoldılealee . amman sn 10128 
Carbonato di Magnesia . . . . 0'691 

Alealır ul. Bun Sarnen es en ) 


100-000 100.000. 


Composizione elementare deduzione fatta delle ceneri e dello 
zolfo: 
Carbonio u... 22.020052 ,01:080 
Idrogeno u... 20.0.0. 0050002002405 
Nitroßeno nn 
Ossigeno. u 2 ....9'588 
100-000. 


Dai dati somministrati dall’ analisi risulta ehe il earbone fossile 
di Cludinico offre un prezioso combustibile, il quale puö sostituire 
nella maggior parte dei casi il carbon fossile vero alla eui composi- 
zione, egli molto si avvicina. Solo, attesa la proporzione piuttosto 
significante di zolfo che contiene, non poträ sostituire quest’ ultimo 


nell’ industria del ferro. 


Osnaghi. Analyse des Mineralwassers zu Galdhof bei Seelowitz in Mähren. AAZ 


SITZUNG VOM 11. OCTOBER 1855. 


Vorträge. 


Analyse des Mineralwassers zu Galdhof bei Seelowitz in 
Mähren. 
Von Ferdinand Osnaghi. 
(Vorgelegt in der Sitzung vom 12. Juli 1855.) 


Das Wasser des Brunnens bei Galdhof gehört zu den Bitter- 
wässern, ist vollkommen klar und geruchlos, und hat einen salzig- 
bitteren Geschmack. Die Temperatur des Wassers im Brunnen ist 
13° Cels. | 

An der Luft zeigt sich auch nach sehr langem Stehen eine kaum 
merkliche Veränderung. 

Ein mit Salpetersäure angesäuerter Theil des Wassers gab 
mit salpetersaurem Silberoxyd einen merklichen Niederschlag von 
Chlorsilber. 

Eine andere Probe des Wassers gab mit Chlorbariumlösung 
einen Niederschlag, welcher aus schwefelsaurem und kohlensaurem 
Baryt bestand. 

Ebenso gelang es, in dem Wasser noch Kalk- und Bittererde 
nachzuweisen; erstere erkannte man durch Zusatz von oxalsaurem 
Ammoniak als einen Niederschlag von oxalsaurer Kalkerde, und letz- 
tere indem man zu dem Filtrat noch phosphorsaures Natron setzte 
und die Bittererde als phosphorsaures Bittererde-Ammoniak herausfiel. 

Um Kieselsäure, Thonerde, Kali, Natron und Ammoniak nach- 
zuweisen, mussten grössere (Juantitäten Wassers eingedampft, und 
der Rückstand der Prüfung auf diese Substanzen unterzogen werden. 


AA Osnaghi. 


Ammoniak wurde durch Glühen eines Theiles des fixen Rückstan- 
des, vermischt mit Kalkerdehydrat in einer Glasröhre, auf die Weise 
bestimmt, dass man das entwickelte Gas durch eine Vorlage mit 
Chlorwasserstoffsäure streichen liess, wobei das Ammoniak absorbirt 
und Salmiak sich in Lösung befand. Auf Zusatz von Platinchlorid 
zur alkoholischen Lösung fiel das Doppelsalz von Platinchlorid-Chlor- 
ammonium als unlöslich nieder, und gab so das Vorhandensein von 
Ammoniak zu erkennen. 

Die Kohlensäure wurde auf folgende Weise bestimmt. Ein 
Heber, dessen Rauminhalt vorher genau ermittelt wurde, war mit 
dem Mineralwasser angefüllt und die Flüssigkeit in eine mit Ammoniak 
versetzte Chlorbariumlösung ausgegossen worden, wobei ein bedeu- 
tender Niederschlag von schwefelsaurem und kohlensaurem Baryt 
entstand; der gemengte Niederschlag wurde dureh Chlorwasserstoff- 
säure getrennt, wobei sich der kohlensaure Baryt in Chlorbarium 
verwandelte und im Filtrate wieder als schwefelsaurer Baryt nach- 
gewiesen werden konnte. 

Die direeten Ergebnisse der quantitativen Analyse, die ganz 
nach der gewöhnlichen Methode ausgeführt wurde, sind folgende: 


Speeifisches &ewicht. 


Ein Fläschehen mit Mineralwasser wog bei 19° Cels. . . 326753 

Dasselbe Fläschehen mit destillirtem Wasser wog bei | 
130Cels 0 De I A a 

mithin ist das specifische Gewicht N 1:014 


In 1000 Gew.- 
Theilen Wasser 
NL_e— m? 


326753 Grm. Wasser gaben als fixen Rückstand 4550 Grm. 13'925 
326753 „ Wasser gaben 7:586 Grm. schwefelsauren 
Baryt; diesem entsprechen 2:699 Grm. 


Sehwefelsäure . . . »nelon Haan 
826:758 „ Wasser gaben 0'246 a a dem 
entspreehen 0:060 Grm. Chlor . . . ... . 0.183 


326753 ,„ Wasser gaben 0-28%7 Grm. A 
diesem entsprechen 0:1148 Grm. Kalkerde 0:351 

826753 „ Wasser gaben 2263 Grm. phosphorsaure 
Bittererde; dieser entsprechen 0:8082 Grm. 
Bittererdent.JnR aasih Ian mund ob bunt anle2 


Analyse des Mineralwassers zu Galdhof bei Seelowitz in Mähren. AA5 


In 1000 Gew.- 
Theilen Wasser 
Ne 


1307-014 Grm.Wasser gaben 0'059 Grm. Kieselsäure . . 0050 
1307014 „ Wasser gaben 0:014 Grm. Thonerde mit 
Spuren von Eisenoxyd . . ... . ... 0:010 
284699 „ Wasser gaben ein Gemenge von Elan 
und Chlornatrium = 1'2996 Grm. 
284.699 „ Wasser gaben 0:193 Grm. Kaliumplatin- 
chlorid; dem entsprechen 0°059 Chlorkalium, 
und diesem 0:0373 Kali . . . 2... . 0131 
Von den EChlormetallen . . . 2... =1'2996 Grm. 


abgezogen Chlorkalium . . . . . . 0.0590 „ 
bleiben als Chlornatrium . . . . . 1:2406 Grm. 
diesem entsprechen 0:6574 Grm. Natron . . . . 2'310 


431-720 Grm. Wasser gaben 0:046 Grm. Yntoohinmpläftr: 
chlorid; dem entsprechen 0-0110 Grm. Chlor- 
ammonium, woraus 0°0035 Ammoniak folgt 0'005 
204-928 „ Wasser gaben 0'292 Grm. schwefelsauren 
Baryt; diesem entsprechen 0:1917 Grm. 
Baryt; dem 0:1917 Grm, Baryt entsprechen 
aber 0-05511 Grm. Kohlensäure. . . . =0'269 


Aus diesen Ergebnissen berechnen sich die Verbindungen der 
einzelnen Bestandtheile unter einander, folgendermassen: 


In 1000 Gew.- 
Theilen 


1. Schwefelsaures Kali. 
0:131 Gew.-Thl. Kali brauchen 0:110 Gew.-Thl. Schwe- 
felsäure und bilden schwefelsaures Kali . . . . . . 0241 
2. Chlornatrium. 
0:184 Gew.-Thl. Chlor brauchen 0:119 Gew.-Thl. Na- 
min um Chlornatrium zu bilden .......2272720:2303 
3. Schwefelsaures Natron. 
Totaimenge des vorhandenen Natrons 2:310 Gew.-Thl., 
davon als Natrium an Chlor gebunden 0119 Gew.-Thl., 
welchem 0:160 Gew.-Thl. Natron entsprechen; der 
Rest 2'148 Gew.-Thl. Natron verbindet sich mit 
2:713 Gew.-Thl. Schwefelsäure und bildet schwefel- 
SAULESE N AERO RER Le ee 


AAG Osnaghi. 
In 1000 Gew.- 
Theilen 
4. Schwefelsaurer Kalk. 
0:336 Gew.-I[hl. Kalkerde sättigen 0'480 Gew.-Thl. 


Schwefelsäure, und bilden schwefelsauren Kalk . . 0:816 
5. Schwefelsaure Bittererde. 
2-4A2 Gew.-Thl. Bittererde brauchen 4'884 Gew.-Thl. 
Schwefelsäure, und verbinden sich zu schwefelsaurer 
Bittererder. un en Annlasroten nad he 
6. Schwefelsaures Ammoniak. 


0:005 Gew.-Thl. Ammoniak sättigen 0'012 Gew.-Thl. | 
Schwefelsäure und bilden schwefelsaures Ammoniak 0°:01%7 
7. Doppelt-kohlensaurer Kalk. 
0:110 Kalkerde brauchen 0'086 Gew.-Thl. Kohlensäure 
und bilden einfach kohlensauren Kalk . . . 0.196 
Dazu das 2. Äquivalent Kohlensäure . . . . 0.086 
8. Doppelt-kohlensaure Bittererde. 0'282. 
0:041 Bittererde brauchen 0'045 Gew.-Thl. Kohlen- 
säure, und bilden kohlensaure Bittererde . . 0'086 


Dazu noch 1 Äquivalent Kohlensäure . . . . 0:045 
0.131. 
Controlen der Analyse. 
Der gesammte fixe Rückstand betrug . . . . . . .13'925 
Die Analyse gab: 
1. Schwefelsaure Bittererde . ... . . 7'326 
2. Schwefelsaures Natron . . . . 2... 4921 
3. Schwefelsauren Kalk . . . . . ...0816 
4. Schwefelsaures Kalı : ... .,. :,. ou 0:241 
5. Schwefelsaures Ammoniak . . . . . 0'017 
6... Chlornatrrum ae ı..°... 000.022... 0 0 
7.,Kohlensauren Kalk... . 7... 702106 
8. Kohlensaure Bittererde . . . . . ....0:086 
9; »Kieselsaurei sn vu ee anna 0 RAR 
10. Thonerde mit Spuren von Eisenoxyd und 
Phosphorsäune, . .... m. 0 ur. 0208 


Zusammen . . 13'956 


Analyse des Mineralwassers zu Galdhof bei Seelowitz in Mähren. 


AAT 


Zusammenstellung mehrerer neben einander ausgeführter Control- 


versuche. 


Mittelwerth 


Speeifisches Gewicht . 1.014 
Fixe Bestandtheile . . 13-870 
In Wasser löslich . . 13:626 
In Chlorwasserstoffsäure 


löslich 0-329 
Schwefelsäure. . . . 8259 


Chlor 


0.184 
0.351 


Bittererde 2483 
Kohlensäure . . . . 0.269 


Totalmenge der Schwefelsäure . 
davon gebunden an 


Bittenende,. In 1sreis ck \eeB0:31. 2.20 RES 
N alınom 9: anne: Phesatahıl Hn 0 3 le TS 
Kali seastlaiien. Ste al. 2A) orten 
Kalkan ti HB Winde a 1 RAEIRTAREEN DER 
Arnımonlakoe 908-0. 20833 Ki. 0012 


8:259 


8259 


Totalmenge der Kohlensäure 
davon gebunden an 


Kalkerdessrss.nnalt:fh siscnrste deiltanisra. os 072, 
Bibleserded. wessadle iawıa SormBannlda aan OO 


0:269 


0.262 


Die in destillirtem Wasser löslichen Bestandtheile — 13-626 


davon 


schwefelsaure Bittererde . . . . ...=17396 
schwefelsaures Natron . . . 2... 2.0 —=4#991 
F Kaltı. 2 aner s Waase 


kelkirkr Kalkenisame te ROSE 


schwefelsaures Ammoniak . . . 2... —(0'017 
Chlommatzium, ya .meiston unsean oc hlar lieite= 0308 


13.624 


AAS Osnaghi. Analyse des Mineralwassers zu Galdhof bei Seelowitz in Mähren. 


In Chlorwasserstoffsäure Lösliches . . . - - . . ...0:329 
davon 
kohlensauter Kalkır „een... m.0.20 0.00.0710 
kohlensaure Bittererde . . . -. . 2 2.0086 
Kieselsäure Hr rer ar ...0:050 


Thonerde mit Spuren von Eisenoxyd und 
Phosphorsäimwe „ll. kaneiue hl ea 
0:332 


Recapitulation der Analyse. 


In 7860 Gran | In 1 Wiener | In 1 Wiener 


In 1000 Gew.- 


e 1 Wien. Pfd. Mass Seitel 
Theilen 
Fixe Bestandtheile. Grane 

Schwefelsaures Kali . . . 0.241 1894 A787 1'196 
„ Natron . . 4921 33.678 97750 24-437 
Schwefelsaure Magnesia . 71-326 57'383 145:526 36381 
Schwefelsaurer Kalk . . . 0816 6414 16211 4052 
Schwefelsaures Ammoniak 0:017 0.133 0:338 0.084 
Chlornatrium 20. 2a: 0:303 2.382 6:019 1'504 
Doppelt-kohlens. Kalk . . 0.232 2'216 5602 1'400 
" a Bittererde 0:131 1'029 2.602 0.650 
Kieselsäure.., . mil a 0:050 0.393 0:993 0.248 

Thonerde mit Spuren von 
Eisenoxydu.Phosphorsäure| 0.010 0:078 0.198 0:069 


14-097 |110-300 | 280-026 | 70-021 


Das untersuchte Wasser gehört also zu den Bitterwässern. Es 
enthält in Einem Handelspfunde oder 16 Unzen 110 Grane fixe 
Bestandtheile, darunter 57 Gran Bittersalz und 38 Gran Glaubersalz; 
es gehört also zu den ziemlich starken Bitterwässern. Geringer ist 
der Gehalt an freier Kohlensäure; zwei übereinstimmende Versuche 
gaben nur so viel Kohlensäure, um den Kalk und die Bittererde in 
Biearbonate zu verwandeln. 

Es ist wahrscheinlich, dass, wenn die Quelle neu und etwas 
tiefer gefasst wird, der Gehalt an freier Kohlensäure gesteigert wer- 
den würde. 

Diese Quelle gehört also zu einer sehr werthvollen Heilquelle, 
welcher ein ausgebreiteter Verbrauch zum Heile der leidenden Men- 
schen vorausgesagt werden kann. 


Scherfel. Analyse des Schmekser Mineralwassers. AA9 


Analyse des Schmekser Mineralwassers. 


Von Aurel W. Scherfel. 


(Vorgelegt in der Sitzung vom 19. Juli 1855.) 


Die Mineralwasserquellen des Schmekser Bades liegen in einer 
Meereshöhe von 3000 Fuss desjenigen Gebirgsstockes der Zipser 
Centralkarpathen, dessen höchste Spitze unter dem Namen der 
„Schlagendorfer“ bekannt ist. 

Die Centralkarpathen bilden, von Westen nach Nord-Osten 
ziehend, eine halbmondförmige Keite, deren niederste Spitzen nicht 
unter 6000 Fuss hoch sind, die höchsten aber eine Seehöhe von 
8000 Fuss erreichen. Sie begrenzen die ungefähr 5 Meilen im 
Umfange habende Zipser Ebene im Nordwesten und verflächen sich 
plötzlich in dieselbe ohne vorher Vorgebirge zu bilden. Der Haupt- 
stock der Centralkarpathen besteht aus Granit und Gneis und nur die 
letzten, sowohl westlichen als auch nord-östlichen Hauptäste derselben 
gehören der Übergangsformation an und sind aus Grauwacken oder 
Übergangskalke gebildet, der hie und da durch wenig mächtige 
Lager von Thonschiefer unterbrochen wird. Yon dem westlichen 
Hauptaste trennt sich im Liptauer Comitate ein zwar langer Zweig, 
aber von unbedeutender Höhe, der sieh über Hradek, Hibbe und 
Csorba in Liptau zieht, bei Luesivna in die Zipser Ebene eintritt, 
und die südliche Grenze derselben bildet. Bei Ganoez verflächt sich 
derselbe, und wird daselbst von Sandstein überlagert. Die niederen 
Berge, welche die Zipser Ebene im Osten einschliessen, sind eben- 
falls aus Sandstein gebildet. 

Die nordöstlichen Gebirgsäste der Centralkarpathen fallen in 
Hügelland, welches die Zipser Maggura bildet, ab, das sich dann 
weiter allmählich in die Neumarker Ebene verflächt. 

Das Schmekser Bad hat 4 Mineralwasserquellen, die in ihren 
wesentlichen Eigenschaften mit einander übereinzustimmen scheinen. 
Zwei davon liegen um etwa 40 Fuss höher, die dritte vor dem Cur- 
saale gelegene und am meisten gebrauchte lieferte das Wasser zur 
Analyse, die vierte ist einige Fuss von der dritten entfernt und 


A50 Scherfel. 


liegt mit ihr in einer Ebene. Das Wasser derselben wird beinahe 
gar nicht gebraucht und die Quelle ist jetzt ihrem Verfalle nahe. 

Die Quelle, deren Wasser analysirt wurde, wird durch die 
Terrasse des Cursaales bedeckt und ist daher vor dem Einflusse des 
atmosphärischen Wassers gänzlich geschützt. Sie ist in Holz gefasst, 
hat eine Tiefe von zwei ein halb Fuss; das Wasser ist vollkommen 
farb- und geruchlos, hat einen angenehmen, säuerlich erfrischenden 
Geschmack, Lakmuspapier wird von demselben nur vorübergehend 
geröthet. Die Temperatur der Quelle ist 6° Celsius. Ein Aufsteigen 
von Gasblasen in derselben wird nicht beobachtet. 


Qualitative Analyse des Schmekser Mineralwassers. 
Reaetion auf Chlor. 

Eine Portion gut ausgekochten Wassers wurde genommen, mit 
reiner Salpetersäure angesäuert, und mit einer Lösung von salpeter- 
saurem Silberoxyd versetzt; selbst nach längerem Stehen zeigte sich 
kaum ein schwaches Opalisiren der Flüssigkeit. 

Reaction auf Schwefelsäure. 

Eine zweite Portion desselben Wassers wurde mit reiner Chlor- 
wasserstoffsäure angesäuert und mit Chlorbaryumlösung versetzt, 
auch hier zeigte sich selbst nach langem Stehenlassen der Flüssig- 
keit kaum eine schwache Trübung. Ebenso verhielt es sich mit den 
Reactionen auf Kalk, Bittererde, Eisenoxyd, Kali und Natron, alle 
diese Körper konnten erst in sehr concentrirten Lösungen nach- 
gewiesen werden. Das Entweichen reichlicher Mengen eines geruch- 
losen Gases beim Kochen des Wassers zeigte schon die Kohlensäure 
an; die Trübung, welche Kalkwasser in dem Mineralwasser her- 
vorbrachte und die nach Zusatz eines Überschusses desselben ver- 
schwand, gab positive Gewissheit über ihre Gegenwart. 


Quantitative Analyse des Mineralwassers. 


Die quantitative Analyse des Wassers wurde nach der gewöhn- 
lich gebräuchlichen und bekannten Methode ausgeführt. 


Bestimmung des speeifisehen Gewichtes: 
Ein Fläschehen fasste an Mineralwasser bei 10% C. . 360:992. 
Dasselbe fasste an destillirtem Wasser bei 10° C. . 360:862. 
Mithin ist das specifische Gewicht des Mineralwassers—= 100036. 


Analyse des Schmekser Mineralwassers. A451 


Directe Ergebnisse der quantitativen Analyse. 


In 100.000 Gewichtstheilen Wasser 


10829760 Grm. Wasser gaben: 


Fixe Bestandtheile 0°730 Grm. . . . . — 67407 
Sämmtliche fixe Bestandtheile lie 
gaben: 
1. Kieselsäure . . . . . . 0'380 Grm. — 35089 
2. Eisenoxyd mit Spuren von 
Thonerde :.. 1.23.20 782:0:009% % — 0.0831 
3. Kohlensauren Kalk . . . 0127 „ — 11727 


1:1727 Gewichtstheile kohlensauren 
Kalks enthalten: Ätzkalk . . : . . 0.6566 — 


und Kohlensäure . . . .0:5161 — 
4. Pyrophosphors. Talkerde 0 017 N 

darin Talkerde . . . . 00072 , —_ 0:0665 
5. Kalium-Platinehlorid . . 0:070 5 

dem entsprechen 00135 Grm. Kalı . —_- 0:1246 
6. Chlornatrium 0:178 Grm., diesem ent- 

sprechen 0:0945 Grm. Natron . . . — 0.8733 


Ferner gaben 14439:680 Grm. Wasser: 
7. Schwefelsauren Baryt . 0:133 Grm., 


darin Schwefelsäure .00457 „ —_ 03165 
8..Chlorsilberm. 1.0. + 0043 5, | 
darmiehlor . ; . ... :0107E% ; — 0:0741 


Die Kohlensäure des Wassers wurde 
dadurch bestimmt, dass sie an Baryt gebun- 
den und der erhaltene kohlensaure Baryt als 
schwefelsaurer Baryt gewogen wurde: 

215806 Grm. Wasser gaben beim 
ersten Versuch 
an schwefelsaurem Baryt . . 2'051 Grm., 


beim zweiten Versuch . . .2:059 „ 
zusammen. ur 28. eTT0OFGEM. 
im Mittel u „ey. 2050 02 


2.055 Grm. Efwefeliaur en Baryts ent- 
sprechen 17578 Grm. kohlensauren Baryts, 
welcher enthält 0:38%8 Grm. Kohlensäure . — 179-6983 


45 


2 


Scherfel. 


Aus diesen Ergebnissen berechnen sich die in 100.000 Gewichts- 


und flüchtigen Bestandtheile wie folgt: 


1. Schwefelsaures Kali. 


0:1246 Gewichtstheile Kaliumoxydes 
sätligen: 

0:1052 Gewichtstheile Seh werelsähk 

und geben zusammen schwefelsaures 

Kali 


. Schwefelsaures Kalen! 


Von der Schwefelsäure im Ganzen 
0:3165 Gewichtstheile, die an Kali 
gebundenen 01052 Gewichtstheile ab- 
gezogen, bleiben noch 0-2113Gewichts- 
theile freier Schwefelsäure. Diese sät- 
tigen 0:1648 Gewichtstheile Natrons, 
und geben zusammen schwefelsaures 
Natron 


. Chlornatrium. 


0:0741 Gewichtstheile Chlor sältigen 
0:0483 x Natriums und 
geben Chiornatrium 


. Zweifach-kohlensaures Natron. 


0:1648 Gewichtstheile Natron wurden 
gebunden von Schwefelsäure, 00483 
Gewichtstheile Natrium, welche. sieh 
verbunden mit Chlor, entsprechen 
0:0650 Gewichtstheile Natrons, es 
bleiben daher noch unverbunden 0°6435 
Gewichtstheile Natron, welche mit 
04540 Gewichtstheilen Kohlensäure 
bilden: kohlensaures Natron 

hiezu das entsprechende zweite Atom 
Kohlensäure 

so ergeben sich ddrgiik kohlnanes 
Natron: en ee ee 


theilen des Schmekser Wassers enthaltenen Verbindungen der fixen 


In 100.000 Gewichtstheilen Wasser 


1:0975 


0-4540 


0:2298 


0.3761 


0:1224 


15515 


Analyse des Schmekser Mineralwassers. 


. Zweifach-kohlensaure Talkerde. 
0:0665 Gewichtstheile reiner Talkerde 
geben mit 0-0718 Gewichtstheilen 
Kohlensäure einfach-kohlensaure Talk- 
erde ; 5 
hiezu das ENT a ne 
Kohlensäure I 

somit doppelt- EU dhlahsfıne Talker di 

. Doppelt-kohlensaurer Kalk. 

Das Ergebniss der Analyse an einfach 
kohlensaurem Kalk war Ku. 
hiezu das zweite Äquivalent Kohlensäure 
gibt doppelt-kohlensauren Kalk 

. Zweifach-kohlensaures Eisenoxydul. 
0:0831 Gewichtstheile Eisenoxydes 
entsprechen 0:0748 Gewichtstheilen 
Eisenoxyduls, welehe sich mit 0:0457 
Gewichtstheilen Kohlensäure verbinden 


zu einfach-kohlensaurem Eisenoxydul . 


hiezu noch das zweite Atom Kohlensäure 
gibt zweifach-kohlensaures Eisenoxydul 
. Freie Kohlensäure. 
Die Gesammtmenge der Kohlensäure 
beträgt 
Nach Abzug der an die ac konlen- 
sauren Salze gebundenen Kohlensäure 
und zwar: 
0:6435 Gewichtstheile Natron, ent- 
sprechend 0:4540 x 2 — 09080. 
0-0665 Gewiehtstheile Bittererde, ent- 
sprechend 0:0718 x 2 = 0:1436. 
0:6566 Gewichtstheile Kalkerde ent- 
sprechend 0.5161 <2 = 1:0322. 
0:0748 Gewichtstheile Eisenoxydul, ent- 
sprechend 0:0457 <2 — 0.0914. 
Zusammen . 
Bieiben freie Köhlenedure 


453 


In 100.000 Gewichtstheilen Wasser 
Don Be mass n 


. 179-6983 


2:1752 


1:6888 


177-5231 


454 


Scherfel. 


Die Kieselerde muss als solehe in dem 


Mineralwasser gelöst angenommen werden. 


Schwefelsaures Kali 


Chlornatrium 


Doppelt-kohlensaures Natron 


Kieselsäure 


Freie Kohlensäure . 


Controle: 


Die Summe aller fixen Bestandtheile war 
Die Analyse gab: 
Schwefelsaures Kali 
Bi Natron 
Chlornatrium 
Kohlensaures Natron 
Kohlensaure Bittererde 
I Talkerde . 
Eisenoxyd 
Kieselerde 


Zusammen 


0.2298 
03761 
0-1224 
1:0975 
01383 
11727 
0:0831 
3:3089 


In 100.000 Gewichtstheilen Wasser 


67407 


67288 


Recapitulation der Analyse des Schmekser Mineralwassers. 


In 100.000 Ge- 
wichtstheilen 


Fixe Bestandtheile : 

0:2298 
0-3761 
01224 
15515 
02101 
16888 


Fi Natron 


kohlensaure Bittererde 
kohlensaurer Kalk . 
kohlensaures Eisenoxydul 
mit Thonerde 0.1662 


33089 


Flüchtige Bestandtheile: 
1775231 


Zusammen 


. | 1853769 


In 7680 Gran 


— 1 Wiener 
Pfund 


0:01764 
0:02891 
0:00940 
0:11915 
0:01613 
012970 


0:01276 
0:26949 


13:63380 


1423692 


In einer Maass 
die Gewichts- 
theile in Granen 


ausgedrückt 


0:04413 
0-07224 
0:02350 
029799 
0:04035 
032437 


0:03191 
0:67395 


3419670 


3370514 


— 


Analyse des Schmekser Mineralwassers. A553 


13:63380 Gewichtstheile Kohlensäure entsprechen bei der 
Temperatur der Quelle 6° Celsius und dem Normalbarometerstande 
710862062 Raumtheilen. 

71680 Gewicehtstheile vom Schmekser Wasser füllen entsprechend 
seiner Temperatur von 6° Celsius und dem speecifischen Gewichte 
1:00036 nur 7677-4734 Volumtheile aus, somit kömmt auf ein Volu- 
men Wasser 0:-9231 Volumen Kohlensäure. 

Die Analyse des Mineralwassers wurde in dem Laboratorium des 
Herrn Professors Redtenbacher ausgeführt. 

Vermöge seiner Eigenschaften gehört das Wasser zu den reinen 
Kohlensäuerlingen. 

Obwohl das Wasser einen auffallend geringen Gehalt an fixen 
Bestandtheilen hat, so muss es doch wegen der reichlichen Menge 
Kohlensäure, die es enthält, als eine sehr schätzenswerthe Mineral- 
quelle betrachtet werden. Als Luxusgetränk ist es eben wegen des 
‚sehr geringen Gehaltes an fixen Bestandtheilen besonders verwend- 
bar, und an der Quelle getrunken, dürfte es im Vereine mit der 
erfrischenden und kräftigenden Alpenluft auch in vielen Krankheiten 
von zu beachtendem Nutzen sein. 


Sitzb. d. mathem.-naturw. Cl. XVII. Bd. III. Hft. 30 


A56 Haidinger. Vergleichung von Augit und Amphibol nach den 


Vergleichung von Augit und Amphibol nach den Hauptzügen 
ihrer krystallographischen und optischen Eigenschaften. 


Von dem w. M. W. Haidinger. 


I. Vorwort. 


Jeder Schritt bereitet einen zweiten vor, das sieht man so oft 
in wissenschaftlichen Untersuchungen bestätigt. Eine Frage wurde 
an die Natur gestellt, die Natur beantwortet dieselbe, oft nicht direct, 
aber man erhält Auskünfte aus derselben Veranlassung über Punkte, 
die gar nicht im Kreise der zuerst geführten Forschungen lagen. 

Wenn ich die heutige Mittheilung mit dieser allgemeinen Be- 
trachtung beginne, so möge mir dies der Überraschung wegen zu 
Gute gehalten werden, die sich mir darbot, als ich unerwartet 
eine so grosse Verschiedenheit in einer der optischen Eigenschaften 
zwischen zwei Gruppen von Krystallen bemerkte, deren regelmäs- 
sige Formen so sehr einander genähert sind, dass einer der aus- 
gezeichnetsten Mineralogen und Krystallographen in der That seiner 
Zeit den Versuch durchgeführt hat, sie hinlänglich in vollständige 
Übereinstimmung zu bringen, um sie innerhalb einer einzigen Species 
zu begreifen. 

Ich hatte mir zur Aufgabe gestellt, eine Anzahl von Beobach- 
tungen pleochromatischer Erscheinungen, die ich im Laufe mehrerer 
Jahre gesammelt, einmal als Abschluss zu ferneren Forschungen 
zusammenzustellen. Unter diesen waren beide Species von Krystallen, 
Amphibol und Augit. Aber anstatt sie nur als besondere Artikel in 
dem Verzeichnisse aufzuführen, erforderten sie selbst eine etwas mehr 
in das Einzelne gehende Bearbeitung. Beides wurde im verflossenen 
Jahre in den Sitzungen der kaiserlichen Akademie der Wissenschaf- 
ten am 23. Mai und am 30. Juni 1854 vorgetragen 1). Eigentlich 


1) Pleochroismus einiger Augite und Amphibole, Sitzungsberichte der kais. Akademie 
der Wissenschaften 1854, Bd. 12, S. 1074. — Pleochroismus an einigen zweiaxigen 
Krystallen in neuerer Zeit beobachtet. Sitzungsberichte 1854, Bd. 13, S. 306. 


Hauptzügen ihrer krystallographischen und optischen Eigenschaften. 457 


bezogen sich die etwas ausführlicheren Untersuchungen zuerst vor- 
züglich auf den Diopsid. Ganz am Ende, als ich schon sämmtliche 
Figuren für die Holzschnitte gezeichnet hatte und nur noch die letzte 
Redaetion durch eine Vergleichung der möglichst dunkelfarbigen 
Varietäten von Amphibol vervollständigen wollte, erhielt ich jene 
Platte von der bekannten basaltischen Hornblende, die ich aus einem 
Zwillingskrystall ganz dünn, etwa i/, Linie dick, senkrecht auf die 
Zwillingsfläche, parallel der Ebene der Axen hatte schleifen lassen, 
welche unzweifelhaft eine von der Orientirung am Diopsid so ver- 
schiedene optische Structur zeigte, dass ich damals noch auf die 
höchst merkwürdige Thatsache aufmerksam machen konnte, dass 
„bei möglichst paralleler Stellung der Individuen von 
Diopsid und von Amphibol die Elastieitätsaxen der 
einen ungefähr die Winkel halbiren, welche die Ela- 
stieitätsaxen der anderen einschliessen. Die gleiche 
Orientirung zeigte auch der Strahlstein vom Greiner. Nach der 
Axe und den Normalen gestellt hatten frühere Beobachtungen an 
anderen Augiten, Anthophylliten und am Hypersthen die Elastieitäts- 
axen gegeben, bevor ich die Lage im Diopsid verglich. Eine Revi- 
sion aller hierher gehörigen Thatsachen bezeichnete ich daher auch 
als sehr wünschenswerth. 

Einiges Nähere theilte ich kurze Zeit darauf Herrn Abbe M oigno 
mit, über das er in seinem Cosmos 1) Bericht erstattete. Nun 
bereitete ich einige weitere Untersuchungen vor, und hatte im 
November den Genuss, manche nicht unwichtige Thatsachen meinem 
hochverehrten Freunde Gustav Rose, als er einige mir unvergess- 
liche Tage bei mir in Wien verweilte, zu zeigen, diesem gründlichen 
Forscher, dem wir so viele Kenntniss in Bezug auf die eine und die 
andere der beiden Mineralspecies verdanken. Er sandte mir freund- 
lichst, bald nach seiner Rückkehr nach Berlin, einige Varietäten die 
ich noch zu untersuchen wünschte, darunter Stücke, die ihm selbst 
bei seinen früheren Arbeiten gedient. Längere Zeit ist seitdem ver- 
flossen. Hätte meine Kraft dem Wunsche entsprochen, so läge jetzt 
etwas Vollständiges vor. Aber der Tag gebietet, und die glänzende 
Veranlassung bei der bevorstehenden Versammlung im September so 
viele ausgezeichnete Forscher für den Gegenstand speciell zu interes- 


1) Bd. V, S. 691. 3. Jahrg. 24. Hft. vom 22. December 1854. 


A58 Haidinger. Vergleichung von Augit und Amphibol nach den 


siren, erweckte in mir den Wunsch, selbst die wenigen Fragmente 
darzubieten, unvollkommen wie sie sind, die dennoch als eine Grund- 
lage für fernere Untersuchungen angesehen werden mögen, als Weg- 
weiser in Richtungen, die manches wissenswerthe Ergebniss ver- 
sprechen. 

Aber die Versammlung musste verschoben werden, und ich 
benütze also heute den ersten Tag der diesjährigen Sitzungen der 
hochverehrten Classe, um das, was bis jetzt vorliegt, der Veröffent- 
lichung entgegen zu führen. 


II, Analogie der Formen. 


Mein hochverehrter Freund Gustav Rose war es, der die so 
auffallenden Analogien der Formen bis in ihre letzten Beziehungen 
verfolgte, die sich insbesondere darin so deutlich aussprechen, dass 
obgleich die wirkliche Theilbarkeit in solcher Lage stattfindet, dass 
die zwei Flächen des Amphibols Winkel von 124° 30’ mit einander 
einschliessen, während die Spaltung der Krystalle am Augit unter 
einem Winkel von 87° 5’ erfolgt, doch die rhombischen Querschnitte 
dieser beiden Prismen in einer höchst einfachen Beziehung zu 
einander stehen. Setzt man nämlich die Brachydiagonale des Am- 
phibols gleich der Makrodiagonale des Augits, so verhält sich die 
Makrodiagonale des Amphibols zur Brachydiagonale des Augits 
—2:1, oder sie ist gerade noch einmal so gross als die letztere. 
Jedenfalls sind die Unterschiede von dem einen zu dem anderen 
lange nicht so gross als die Unterschiede, welche die Herren Brooke, 
v. Nordenskjöld, Breithaupt und andere an den Winkeln der 
Varietäten, jede der beiden Species einzeln genommen, gefunden 
haben. Die Ebene der Abweichung der Axen halbirt bekanntlich 
beim Amphibol den stumpferen, beim Augit den schärferen Winkel 
des oben erwähnten Prismas, die Fig. 1. Fig. 2. 
Abweichung der Axe beträgt beim 
Amphibol 14058’ ; beim Augit 16°1', 
also die Neigung der Basis gegen 
die Querfläche bei dem ersteren 
104058, bei dem zweiten 106°’. 
Die beiden Projecetionen auf der 
Längsfläche Fig. 1 und 2 stellen 
ganz einfache Krystalle vor. Das 


Hauptzügen ihrer krystallographischen und optischen Eigenschaften. A59 


Prisma ©9A des Amphibols Fig. 2 wäre —0042 des Augits Fig.1 
und umgekehrt wäre ooA des Augits — 0042 des Amphibols, 
Aber die wahre Symmetrie streitet schon gegen diese Annahme; 
sie ist es, die sich vorzüglich in den Projeetionen auf einer Ebene 
zeigt, die senkrecht auf die Kanten des Hauptprismas &©A gelegt 


‘wird. Hier mögen zwei Entwürfe dieser Art, mit den wichtigsten 
bisher beobachteten Krystallflächen, das Bild derselben mit grösserer 
Übersichtlichkeit darstellen als viele Worte vermöchten. Es scheint 
mir, dass eine schematische Darstellung dieser Art selbst manche 
Vortheile darbietet, wenn man sie mit anderen Methoden vergleicht, 
welche seit langer Zeit in der Entwickelung mineralogischer und 
krystallographischer Studien für den gleichen Zweck erdacht wor- 
den sind, von den idealen Darstellungen Phillips’ beginnend, die 
Methoden der Herren Weiss, Neumann, Miller und Quen- 
stedt, bis zu den so einfach zum Auge sprechenden Schematen 
des Herrn Dana. Die letzteren waren es, welche mich anregten, 
doch noch einen Schritt von der Methode weiter zu der wirklichen 
Form zurück zu gehen und Skizzen wie die oben stehenden zu ent- 
werfen, welche schon auf den ersten Anblick hindeuten, dass sie 
nicht Projeetionen wirklich bestehender Krystalle, sondern dass sie 
nur Bilder der Verhältnisse darstellen sollen. Bekanntlich sind Pro- 
jeetionen auf der Horizontalebene vielfach von den Krystallographen 
zur Erläuterung einiger Krystallvarietäten angewendet worden, gewiss 
würde eine Durchführung von Skizzen, wie die hier gegebenen, durch 
das ganze Reich der Krystalle höchst vortheilhaft für die Orientirung 
sein und manche anziehende Übersicht gewähren. Bei den Augit- 
krystallen würde sie speciell manche Verwechselung am oberen End- 


A60 Haidinger. Vergleichung von Augit und Amphibol nach den 


punkte der Axe diesseits und jenseits derselben gelegener Flächen 
verhindert haben, die man in mineralogischen Werken antrifft. 

In den Fig. 3 und Fig. 4 gegebenen Projectionen ist das O der 
Basis mit dem Zeichen der Schärfe u und der Breite — umgeben: 
— Ö— und v„Ov, um die Lage der scharfen und stumpfen Kanten 
des Querschnittes anzudeuten, ferner zeigt Plus und Minus, + und 
—, für diesseits und jenseits, die Lage des stumpfen und des spitzen 
Winkels mit der der Axe parallelen Querfläche an. 

Niemand wird in den zwei Bildern die ungemeine Analogie ver- 
kennen, aber sie beruht einzig darauf, dass das Prisma von 124030’ 
des Amphibols als gleichwerthig dem von 8705’ des Augites betrach- 
tet wird. Fast jedes einzelne Zeichen oder Symbol, nach was immer 
für einer Methode findet für die wichtigsten Flächen sein gleiches in 
beiden Species. Die grosse Übereinstimmung verschwindet, sobald 
man die Ableitung eintreten lässt. Herr Dana hat die Abweichung 
durch eine eigens berechnete Verhältnisstafel dargestellt. Auch 
G. Rose hatte schon den immer noch vorhandenen Unterschied.in 
in den beiderseitigen Krystallreihen hervorgehoben. 


III. Optische Eigenschaften. 


Bekanntlich zeigen Augit und Amphibol sehr nahe gleiche 
Reihen von Varietäten in Hinsicht der Farben, von weiss, durch 
mancherlei grüne Töne, bis zum Schwarzen, von vollkommener Klar- 
heit bis zum gänzlichen Mangel derselben. Für den ersteren dürften 
der Diopsid aus dem Pfitschthale und die bekannten schwarzen ein- 
gewachsenen Krystalle von Borislau bei Teplitz als genügend betrach- 
tet werden, um die ganze Reihe zu repräsentiren. Von dem zweiten 
gelten als feste Hauptpunkte der Tremolith von Gulsjö, der Strahl- 
stein vom Greiner, der Pargasit und der schwarze Amphibol von 
Pargas in Finnland, endlich die basaltische Hornblende von Sulletitz 
bei Leitmeritz und vom Wolfsberg bei Czernussin. In der Farbe der 
letzteren ist keine Spur mehr von Grün. 


IV. Augit. 


Die Fig. 5 ist in der Stellung übereinstimmend mit Fig. 1 mit 
solehen Grössenverhältnissen der Flächen gezeichnet, dass eine der 
optischen Elastieitätsaxen gerade durch die beiden Combinations- 
ecken B und B, geht, wo sich die Flächen der Augitoidhälfte —A 


Hauptzügen ihrer krystallographischen und optischen Eigenschaften. A61 


und des Prismas 004 Fig. 5. 
treffen, 0 deutet die Lage 
der eigentlichen Basis an. 
Es ist dies die optische 
Haupt-Axe oder Mittel- 
linie, die resultirenden 
oder eigentlichen opti-" 
schen Axen mn und op 
machen mit einander Win- 
kel von 58° 56‘, gleich- 
geneigt unter 29028’ ge- 
gen diese Axe EE. Der 
Winkel EMD= 35°54' 
und der Winkel EUMN = 
5106, oMD ist =9°26), 
mMN = 21° 38, alles 
nach den von Herrn Pro- 
fessor Miller, und nach der von Herrn Dr. Ewald und von dem- 
selben nachgewiesenen Orientirung der Axen am Diopsid, wie ich 


dies in mehreren Mittheilungen, nämlich in den oben angeführten, 
und in einer später über die konische Refraction am Diopsid 1) aus- 
führlicher besprach. 

In den bekannten schwarzen in den Basalten eingewachsenen 
Krystallen (Fig. 6) findet man die Lagen der Axen genau der vorigen 
entsprechend, wenn man ganz dünne Platten, etwa Fig. 6. 

1/, Linie dick, aus denselben darstellt. Wie beim B 
Turmalin muss man übrigens erst eine Fläche 
anschleifen, darauf eine Glasplatte aufkleben und 
sodann erst die Platte vom Krystall trennen, 
welche endlich dünn geschliffen und polirt wird. 
So erhielt Herr Steinschneider Klement gute 9 
Platten parallel der Querfläche und parallel der a! 
Längsfläche, also parallel und auch senkrecht auf 
die Zwillingsfläche. Senkrecht gegen die beiden vorhergehenden 
gelang es nicht, der grossen Zerbrechlichkeit der Krystalle wegen, 
hinlänglich dünne Platten zu gewinnen. Diese dünnen Platten zeigen 


1) Sitzb. u. s. w. 1855. Bd. XVI, S. 113. 


A62 Haidinger. Vergleichung von Augit und Amphibol nach den 


dann einen grünlichgrauen Ton. Wenn auch stark zerklüftet und 
im Ganzen wenig Licht hindurchlassend, sind sie doch in den ein- 
zelnen Partien ganz klar, und man sieht in einer Herapathitzange 
sehr schön denjenigen der Ringe, welchen man auch so leicht beim 
Diopsid durch zwei Querflächen erkennt. Die Farbe der Krystalle 
selbst ist zwischen ölgrün und olivengrün, der in der Richtung der- 
Hauptaxe polarisirte Ton d, Fig. 6, ist etwas mehr in das letztere, 
der senkrecht auf die Hauptaxe polarisirte Ton « mehr in das erstere 
geneigt, oder « gelblicher als d, auch etwas mehr absorbirt, beim 
Diopsid ist a gleichfalls etwas dunkler als d, doch stimmen sie 
mit dem Babinet’schen Gesetz, dass bei positiven Krystallen der 
extraordinäre Strahl stärker absorbirt ist als der ordinäre, oder 
hier an einem zweiaxigen Krystall stärker als der dem ordinären 
analoge. 


V. Amphibol. 


Zur leichteren Orientirung der Formen beginne ich mit der 
dunkelsten Varietät, der basalti- oz 
schen Hornblende, die so oft die 
schönsten Krystallformen zeigt. Die 
Lage der Krystalle, Fig. 7, ist kry- 
stallographisch genommen wie beim 
Augit, Fig. 5, genau dieselbe, CD 
oder 0 die Projeetion der Basis, 
BA die Projection der Axenkante, 
des Augitoides —A. Die Neigungen 
der geneigten Linien gegen die 
Querfläche, deren Projection CA, 
sind nach Miller: 


DCA, DAB, 
für Augit... = 106° 1, 1040 36), 
„ Amphibol = 104° 58, 106° 2. 


Aber die Lage der Elastieitätsaxen zeigte sich bei der ersten 
Platte, die ich aus einem Zwillingskrystalle schneiden liess, ganz 
verschieden von der Lage am Augit. Anstatt dass sie die Richtung 
von dem Mittelpunkte M aus gegen B genommen hätten, lagen diese 
Axen vielmehr in der Richtung nach EZ, oder, um sie in der Projeetion 


Hauptzügen ihrer krystallographischen und optischen Eigenschaften. A63 


des Zwillingskrystalles Fig. 8 mit dem Fig. 8. 
Zwillinge Fig. 6 zu vergleichen, es ehr] 
hatten die zwei KHlastieitätsaxen eine, & 
solche Lage, dass sie so weit als möglich S] 
von der Lage jener abweichen. 

Dabei zeigten sich in den der Axe 
parallel geschliffenen Platten folgende Far- 
bentöne: 


Axenfarben 


b) Längs-Diagonale ce) Quer-Diagonale 


Blutroth beinahe schwarz Honiggelb Blutroth 


Dunkelster Hellster Mittlerer 


Es gelang freilich überhaupt nicht, eine der Querfläche parallele 
Platte zu erhalten, aber doch liessen sich die Töne gut als die oben 
verzeichneten ableiten, wenn man die Krystalle in sehr schiefen Rich- 
tungen mit der dichroskopischen Loupe untersuchte. 

Aber diese Krystalle von Sulletitz bei Leitmeritz waren sehr 
zerklüftet, so dass es schwer hielt, Platten zu gewinnen. Herr Dr. 
Hochstetter war eben für die k. k. geologische Reichsanstalt in 
der Nähe des Wolfsberges bei Czernussin in Böhmen beschäftigt, 
der so bekannt ist als Fundort zahlreicher und schöner schwarzer 
Amphibolkrystalle. Dieser Umstand wurde zu Aufsammlungen der- 
selben benützt. In der That fanden sich nun auch unter denselben 
ziemlich homogene Individuen und Zwillinge vor, aus welchen ich 
Platten schneiden liess, welche genau die jenseits verzeichneten 
Farbentöne wahrnehmen liessen und zwar sowohl parallel der Längs- 
fläche, als auch parallel der Querfläche, doch nicht senkrecht auf die 
Axe des Prismas. Doch welche neue Verwicklung! Die Lage der 
Elastieitätsaxen war nicht dieselbe wie bei den Krystallen aus der 
Gegend von Leitmeritz, sondern sie war dergestalt orientirt, dass eine 
derselben parallel der Hauptaxe war, die beiden andern senkrecht 
auf dieselbe lagen, die letzteren zugleich senkrecht auf die Längs- 


Haidinzer. Vergleiechune von Aueit und Amphibol nach den 
8 8 5 5 F 


fläche und senkrecht auf die Querfläche. Wenn man nämlich durch 
die dichroskopische Loupe eine aus einem Zwilling parallel der 
Längsfläche geschnittene Platte untersucht, so zeigen sich bei den 
Sulletitzer Krystallen die grössten Contraste von hell und dunkel, 
gelb und schwarz in den beiden Individuen in um etwa 12° = E'ME 
gegen einander geneigten Lagen a, b und «', b’, Fig. 8. Bei den 
Krystallen vom Wolfsberg ist keine solche geneigte Lage zu finden, 
die Linien der grössten Gegensätze sind in beiden aneinander gewach- 
senen Individuen einander vollkommen parallel, eben so wie sie in 
den einfachen Krystallen der Axe, oder den Durchschnitten der 
Längsflächen mit den Theilungsflächen parallel sind. Es ist wahr, 
die wirkliche Lage lässt sich nieht allzugenau durch die Beob- 
achtung des Minimums der Lichtintensität dem Winkel nach bestim- 
men, aber doch ist es unmöglich, die grosse Verschiedenheit zu 
verkennen, welche zwischen absolut erscheinender Übereinstimmung 
und dem sehr deutlich hervortretenden Unterschiede in der Lage 
stattfinden. Diese Thatsache ist wohl der grössten Aufmerksam- 
keit werth. Man hat bisher zwar in den Winkeln der Axen von 
einer Varietät zur anderen Unterschiede gekannt, wie dies bereits 
Brewster am Topas fand, oder bei den verschiedenen Glimmern, 
wo man die einzelnen Ausgangspunkte noch nicht festgestellt hat, 
oder bei den durch Zusammenkrystallisiren von Kalinatrontartarat mit 
Ammoniaknatrontartarat gewonnenen Krystallen, wie es de Senar- 
mont so schön nachgewiesen hat, ja selbst nach Mitscherlich 
bei einem und dem nämlichen Krystall durch Erwärmung wie beim 
Gyps, aber die Elastieitätsaxen blieben doch immer die nämlichen. 
Hier bleiben aber auch diese nicht in allen Varietäten dieselben. Es 
ist dies wohl ein Gegenstand, der weiter verfolgt zu werden verdient, 
als es mir bis jetzt möglich war, wo sich so viele neue Beziehungen 
darboten. 

Um die optischen Axen aufzusuchen, schienen aber namentlich 
die Platten parallel der Querfläche geschnitten, sehr günstig. Einmal 
nach der Analogie mit Augit, bei dem die optischen Axen in der 
Längsiläche liegen, also in Platten parallel der Querfläche und in 
Platten parallel der Basis sichtbar sind, dann aber auch nach der 
Anleitung der Farbentöne selbst, wo der mittlere, das dunkle Roth 
der Axe der mittleren Absorption, also aller Wahrscheinlichkeit nach 
dem Babinet’schen Gesetze entsprechend der Axe der mittleren 


Hauptzügen ihrer krystallographischen und optischen Eigenschaften. A65 


Elastieität oder Brechbarkeit überhaupt angehört. In einem gewöhn- 
lichen Polarisationsapparate, in einer Turmalinzange sieht man frei- 
lich nichts, wohl aber wenn man die Platte in Öl untersucht. Ent- 
sprechend der vom Herrn Professor Miller t) gegebenen Anwei- 
sung wurde die Platte an dem unteren Ende der Axe eines Horizon- 
tal-Goniometers befestigt und in einem unter dasselbe gestellten mit 
Turmalinplatten beklebten Kästchen mit parallelen Glasseiten unter- 
sucht. Es kamen in der erwarteten Richtung in der That mit Schwarz 
in Roth gezeichnet die beiden Ringsysteme zum Vorscheine. Sie 
waren dem Anscheine nach gleich geneigt gegen die Ebene der 
Platte und machten mit einander einen Winkel von 93030’. Dies ist 
der Winkel der Axen in Oliven-Öl, dessen Breehkraft dureh den 
Exponenten 1'500 ausgedrückt ist. Um den wahren Winkel der Axen 
im Krystall zu finden, muss man den Sinus des Einfallswinkels 


46°45’ mit nn multiplieiren und erhält dann den Sinus von 39042’ 
und den Winkel der Axen 79024’. Die senkrecht auf der Querfläche 
stehende Linie, welche diesen Winkel halbirt, ist dann die erste 
Mittellinie oder optische Hauptaxe. Den Exponenten 1'710 fand ich 
als annähernden Werth für den in der Richtung der Axe polarisirten 
Strahl durch die directe Messung der Abweichung bei einem feinen 
Splitter derselben Varietät vom Wolfsberg. Der brechende Winkel 


war also 55030’, die Abweichung b durch Spiegelung gemessen 
Ä sin (3 +) 
betrug 25°. Man hat also a = — — ——. 


sın 59 

Eine vergleichende Messung eines durch zwei Theilungsflächen 
gebildeten Prismas von weissem Tremolith von Gulsjö, den ich Herrn 
Professor Gustav Rose verdanke, ebenfalls durch Spiegelung 
gemessen, gab die Abweichung der zwei Bilder 20° 51’ und 210 14, 
und zwar ersteres in der Richtung der Axe, letzteres senkrecht auf 
dieselbe polarisirt. Die entsprechenden Brechungs-Exponenten folgen 
daraus — 1611 und 1:620. Da aber auch beim Tremolith die opti- 
schen Axen in der Ebene der Abweichung oder in der Längsfläche 
liegen, so ist ersterer der mittlere, letzterer der grösste der drei 
dem Tremolith angehörigen Exponenten, und letzterer stimmt, wenn 
auch nicht in der Intensität, doch in der Lage mit dem in den 
schwarzen Amphibolen nahezu oder vollständig absorbirten Strahle 


1) Elementary Introduction to Mineralogy, pag. 63. 


A66 Haidinger. Vergleichung von Augit und Amphibol nach den 


überein, was immerhin als gleichartige Erscheinung wichtig ist. Auch 
ist am Tremolith schon der weissen Farbe ungeachtet, das stärker 
gebrochene senkrecht auf die Axe polarisirte Bild bereits etwas mehr 
absorbirt, als das schwächer gebrochene in der Richtung der Axe 
polarisirte; das schwächer gebrochene Bild der Kerzentlamme ist 
nämlich heller als das stärker gebrochene. 

Die beifolgende Fig. 9 gibt ein Bild der Lage der Elastieitäts- 

axen und der optischen Axen gegen die Krystall-Individuen und gegen- 
einander im Tremolith und Fig. 9. 
im Strahlstein orientirt, we- 
nigstens nach den Hauptmo- 
menten, wenn ich auch für 
genauere numerische Daten 
gerne bessere Krystalle und 
Apparate anzuwenden ge- 
wünscht hätte. Ich fand in 
Öl den Winkel tt, B=22'V, 
den Winkel qq, A = 69°. 
Daraus folgt der Einfalls- 
winkel 7t, t= 68°, der Ein- 
fallswinkel Oq, g=2X°. Mit 
dem mittleren Brechungs- 
Exponenten 1611, wenn der 
von Öl =1'500 ist, redueirt . 
ist der Brechungswinkel 
Mt T, =59°A1’, der Brechungswinkel Mg, 0, = 250’. Der Winkel 
der Axen g’ Mt ist aber =N, My, + N, Mt =Mq 9 + Mt Tı, 
also = 250 459041’ = 84041. 

Wenn man die Winkel der optischen Axen 


Im Öl Im Krystall 


für Tremolith und Strahlstein 95° 840 41’ 
„ basaltischen Amphibol... 93° 307 790 24 


vergleicht, so ist der Unterschied nieht grösser als man ihn wohl 
bei den übrigens bestehenden Abweichungen der Formen erwarten 
konnte, ja man wird fast überrascht durch die ungeachtet der letz- 
teren gefundenen Übereinstimmung. Denn auch die Lage der Elasti- 
eitätsaxen stimmt in den beiden nieht überein. Wenn man den Winkel 


Hauptzügen ihrer krystallographischen und optischen Eigenschaften. A6Y 


der Axen 84% A1’ halbirt, so ist 420 201/,' die Neigung jeder der- 
selben gegen die Mittellinie, oder optische Hauptaxe —=g, MF, und 
N,MF=END= , MF,— MN, = 420 201/,'— 25°= 170201),. 

Dieser Winkel stimmt sehr gut mit Herrn von Kobell's 
Angabe „für den Strahlstein 170 — 18%“. Für den Tremolith 
fand er 1501). Er setzt hinzu: „Die Winkel waren zwar nur 
annähernd zu bestimmen, ich führe sie aber an, weil man bis 
jetzt von dem optischen Verhalten des Amphibols fast nichts kennt.“ 
Die allerersten Angaben, welche mir überhaupt in Bezug auf diese 
Eigenschaften ausser den Farben selbst, bekannt sind, beschränken 
sich nämlich auf jene meine eigene Mittheilung im 12. Bande unserer 
Sitzungsberichte. 

Der Pargasit stimmt im Ganzen gut mit Tremolith und Strahl- 
stein. Wie der letztere besitzt er drei wenig verschiedene Farbentöne. 

Auf die obige Fig. 8 bezogen gilt folgendes Schema: 


Axenfarben 


a) Axe b) Längsaxe e) Queraxe 


Blaulich-lauchgrün Gelblieh-olivengrün Blaulieh-olivengrün 


Dunkelster Hellster Mittlerer 


Etwas grösseren Gegensatz bilden die grünen Farbentöne 
einiger Strahlsteine vom Greiner im Zillerthal in Tirol. Einer der 
Varietäten entnahm ich folgendes Schema : 


Axenfarben 


a) Axe b) Längsaxe c) Queraxe 


Zwischen smaragd- und Blass olivengrün Zwischen olivengrün und 
lauchgrün ölgrün 


Dunkelster Hellster Mittlerer 


1) Stauroskopische Beobachtungen. Gelehrte Anzeigen der k. baierischen Akademie 
der Wissenschaften, Nr. 9, 20. Juli 1855, S. 76. 


A6S Haidinger. Vergleichung von Augit und Amphibol nach den 


Die schwarze Hornblende von Pargas ist in dünnen Platten 
ebenfalls ganz durchsichtig, nur sind die einzelnen Töne dunkler als 
bei dem eigentlichen Pargasit, und eigentlich mehr Grau zu nennen. 

Ein schwarzer Amphibol, gemeine Hornblende von Arendal, 
parallel der Längsfläche geschliffen, scheintin der That tief schwarz; 
die dünnsten Stellen gegen das direete Sonnenlicht gehalten, liessen 
dennoch die helle Scheibe der Sonne dunkel spangrün durchblicken. 
Das feinste Pulver der Krystalle, mit einem Achatpistill auf einer 
matt geschliffenen Bergkrystallplatte zerdrückt, ist grünlichgrau 
ziemlich gesättigt, während das Pulver der basaltischen Hornblende 
vom Wolfsberge eine blass isabellgelbe Farbe besitzt. 


VI. Augit verglichen mit Amphibol. 


Stellt man die zwei Figuren 5 und 7 neben einander, so erhält 
man die Vergleichung der Lage der Elasticitäts-Axen und der eigen- 
tlichen optischen Axen in parallel gestellten Individuen, je von Augit 
und Amphibol. Die beiden Figuren 6 und 8 beziehen sich in ähnlicher 
Weise auf Zwillinge von Augit und von Amphibol, ebenfalls in paral- 
leler Stellung der Krystalle. 

In einer weiteren Skizze Fig. 10 vereinigte ich die Angabe der 
nach den Krystall- 
flächen orientirten 


Fig. 10. 


optischen Linien der 
beiden Krystallspe- 
cies, und unterschied 
sie durch die Ausfüh- 
rung der Linien, die 
gestrichelten gehö- 
ren dem Augit, die 
punktirten dem Am- 
phibol an, und zwar 
der schwarzen basal- 
tischen Hornblende 
vom Wolfsberg, die 
gestrichelt - punktir- 
ten den heller farbi- 
gen Strahlstein- und 
Tremolithvarietälen. 


Hauptzügen ihrer krystallographisehen und optischen Eigenschaften. A69I 


Zwischen beiden liegen die entsprechenden Linien der basaltischen 
Hornblende von Sulletitz. 

Der Winkel m M N beträgt nach Herrn Prof. Miller 210 38 
am Diopsid nach der oben erwähnten Neigung der optischen Axen, 
an dem schwarzen Amphibol von Wolfsberg beträgt der Winkel 
m M N = 39° 42%, der Winkel der beiden Axen m n und m, 2 
daher 180 4’. Für die Neigung der beiden andern optischen Axen von 
Augit und Amphibol gegen einander ist der Winkel o M D nach 
Miller = 9°26’, der Winkel DM p, nach meiner obigen Schätzung 
— 50018’ daher o Mp = 59°44‘. Für die um 17° 20’ verschie- 
dene Lage der Rlastieitätsaxen bei den durchsichtigen Varietäten wie 
D, D, und N, N, würden entsprechende Winkelunterschiede in 
den optischen Axen, wobei der Winkel derselben — 84040’ genommen 
wird, von 38°2’ und 74° 26’ hervortreten. 

Zu anderen Betrachtungen gibt die Lage der BRlastieitätsaxen 
Anlass. Nach den vorläufigen Untersuchungen scheint diese inner- 
halb der Augite nicht zu variiren, während dies bei den Amphibolen 
allerdings der Fall ist. Aber das ist bemerkenswerth, dass bei den 
ersten von der Axe der Krystallsymmetrie ausgehend, die Abweichung 
der den kleinsten Winkel mit derselben einschliessenden Elastieitäts- 
axe gerade in entgegengesetzter Richtung stattfindet von derjenigen, 
welche man an den Amphibolvarietäten antrifft, wo überhaupt eine 
solche Abweichung vorkommt. 

Man nehme die Lage der Blastieitätsaxen am Augit als gegeben, 
EM Falso = 90°, und untersuche welchen Winkel die dazwischen 
liegende Elastieitätsaxe des Amphibols einnimmt. Für die basaltische 
Hornblende vom Wolfsberg ist diese D D,, EMD also = 38° 54 
und folglich DM F= 50° 6’, welches übrigens begreiflich auch 
gleich ist dem Winkel E MN, welchen die erste Elastieitätsaxe des 
Augits E E, mit der andern Elastieitätsaxe des Amphibols N N, ein- 
schliesst. Für die durchsichtigen hellfarbigen Amphibole ist ZM D, 
— 56° 14 und D, M F als Complement = 33° 46’, also in einer 
entgegengesetzten Richtung der Winkelunterschiede zwischen den 
beiden. Die Lage einer zwischen D und D, durch M hindurchgehenden 
Axe wäre beiderseits gleich geneigt, brächte Winkel von 45° hervor, 
wenn der Winkel der Abweichung für den Amphibol 5°36’ betrüge, 
denn es istDMF— DME = 50° 6 — 38° 54 — 11'172. Der 
bei den Zwillingen von Sulletitz annähernd gefundene Winkel von 120 
stimmt mit diesem Mittel fast vollständig überein. 


AO Haidinger. Vergleichung von Augit und Amphibol nach den 


VIl. Gruppirungen von Augit und Amphibol. 


Bekanntlich finden solche in sehr ausgedehntem Maasse Statt. 
Die Gruppirungen mit parallelen Krystallaxen hat namentlich Gustav 
Rose entdeckt, und gründlich erforscht 1) und sie gaben zuerst Ver- 
anlassung zu den genaueren Untersuchungen, ob man nicht Augit und 
Amphibol in eine Species vereinigen sollte, endeten aber in der viel 
fruchtbareren und seitdem so erfolgreich angenommenen Ansicht, dass 
die Amphibolbildung ein pseudomorpher Fortschritt in dem Bestehen- 
den der zuerst als Augit krystallisirten Massen ist. Meine eigenen 
ersten Versuche von Studien über den Smaragdit?) hatten sich zwar 
auf Gruppirungen von Amphibol und Augit bezogen, aber die Sache 
lange nicht in so helles Licht gestellt, namentlich wurde der eigent- 
liche Smaragdit als wirklicher Amphibol nachgewiesen, während doch 
auch ganz grüner Augit sich unter den Varietäten findet. Später, in 
meinem Handbuche der bestimmenden Mineralogie >), erwähnte ich 
einer andern Gruppirung an dem grasgrünen Fig. 11. 
Smaragdit von Bacher, aber nur summarisch, z 
wie es der Kürze wegen nothwendig erschien. 
Es ist dort in der That mit einer Skizze 
Fig. 11 die Erklärung gegeben. Ich benütze 
nun die Veranlassung, um das eigentliche höchst 
merkwürdige Stück in der Sammlung der k.k. 
geologischen Reichsanstalt ebenfalls durch eine 
Skizze Fig. 12 zu versinnlichen. 

Im Ganzen besteht dasselbe aus parallelen 
ungleichdicken Blättehen, welche durch die so 
auffallende glänzendste Folge paralleler Flä- 
chen von einander getrennt sind. Diese Blätt- | 
chen bestehen abwechselnd aus Augit und 
Amphibol. Die Augitblättchen ihrerseits 
befinden sich von einem Blatt zum andern in 
vollkommen paralleler Stellung, die Theilungs- 
richtungen derselben spiegeln gleichzeitig, 


1) Poggendorff’s Annalen. Bd. 22, S. 321; Bd. 27, S.97; Bd. 31, S. 619. Reise nach 
dem Ural 2, 347. 

?) On Diallage. Transactions of the Royal Society of Edinburgh, for the year 1824, 
Gilbert’s Annalen, Bd. 75, S. 367. 

3) Seite 280. 


Hauptzügen ihrer krystallographischen und optischen Erscheinungen. 471 


doch sind sie überhaupt nicht sehr vollkommen. Die glänzendste 
Zusammensetzungsfläche ist ihre Querfläche oo H oder r (Haüy). Die 
weit dünneren Amphibolblättchen sind nicht in einer solchen Stellung, 
dass ihre Krystallisationsaxe der Krystallisationsaxe des Augits ent- 
spräche. Selbst die Lage der Querfläche stimmt nicht einmal überein, 
sondern die Amphibolblättehen sind mit einer ihrer vollkommenen 
Theilungsflächen, einer Fläche des Prismas oo A = 124° 31’ oder M 
(Haüy) zwischen den Augitblättchen eingeschlossen; an den Rändern 
der Blättchen glänzen gleichzeitig, dem Bruche entlang, die kleinen 
Abschnitte der zweiten vollkommenen Theilungsfläche, und bringen 
dadurch den Eindruck fadenförmig, durch die Masse sich ziehender 
glänzender Linien hervor. Die Amphibolblätter sind aber auch nicht 
unter sich parallel, und diese fadenförmigen glänzenden Linien 
wechseln daher auch in ihrer Erscheinung, je nachdem man das Stück 
im Ganzen gegen eine helle Lichtquelle hält. 

Wenn die hier beschriebene Gruppirung auch eigentlich sich auf 
ganz verschiedene Varietäten von denen bezieht, dieim Vorhergehenden 
vorzugsweise betrachtet wurden, so erweitert sie doch überhaupt 
durchein höchst merkwürdiges Beispiel das Bild des Zusamnmenvorkom- 
mens der beiden Species, welches immer mannigfaltiger sich darstellt. 

Dünne Platten des schwarzen basaltischen Augits von Borislau 
bei Teplitz in Böhmen, parallel der Längsfläche geschnitten, zeigen 
ein anderes, ebenfalls sehr auffallendes Beispiel eines Zusammenvor- 
kommens dieser Art. Die Farbe der Platte ist ein Mittel zwischen 
ölgrün und olivengrün, und wie es oben bei Fig. 6 erwähnt wurde, 
ist der senkrecht auf die Hauptaxe polarisirte Ton « etwas mehr gelb- 
lich als d, auch um ein ganz Weniges stärker absorbirt. Die Platten 
sind wohl an sich schon sehr zerklüftet, aber sie enthalten auch zahl- 
reiche eingewachsene gelbeKrystalltheilchen, die sich sogleich durch 
ihre Farbe und Begrenzung von dem gleichförmigen Grunde abheben. 
Sie erscheinen deutlich parallel der Krystallaxe des Augits gestreift. 
Durch die diehroskopische Loupe zeigt sich alles Gelb in der Richtung 
dieser Axe polarisirt, senkrecht auf dieselbe ist der erste Eindruck 
schwarz, es ist nämlich das fast gänzlich absorbirte Roth der basal- 
tischen Hornblende. Basaltische Hornblende ist also in zahlreichen 
kleinen Theilchen in dem schwarzen basaltischen Augit eingewachsen, 
und zwar mit parallelen Krystallaxen. Es war mir nicht möglich zu 
unterscheiden, ob die optische Elastieitätsaxe des Amphibols, die 

Sitzb. d. mathem.-naturw. Cl. XVII. Bd. III. Hft. 31 


A472 Haidinger. Vergleichung von Augit und Amphibol nach den 


Linie des grössten Contrastes genau der Krystallaxe entspricht, wie 
bei den Krystallen vom Wolfsberge, oder ob sie mit derselben einen 
Winkel einschliesst, aber das liess sieh sehr gut ausnehmen, dass sie 
alle vollkommen unter einander und mit dem einschliessenden Augit- 
krystalle eine parallele Stellung einnahmen, indem man ebenfalls 
senkrecht gegen die Längsfläche sah. 

Ganz ähnliche gelbe Krystallpartien findet man zuweilen auch 
in dünnen Platten des Hypersthens von Labrador, wenn diese senk- 
recht auf die Fläche des kupferrothen Schillers parallel der Axe 
geschnitten sind. Auch sie sind der Krystallaxe des Augitprismas 
parallel, welches die Theilbarkeit des Hypersthens ist. 

Meinem hochverehrten Freunde Gustav Rose Fig. 13. 
verdanke ich ein treffliches Stück dieses Hyper- 
sthens, aus dem ich nun bessere Platten schleifen 
lassen konnte, als die kleinen Rudimente auf welche 
sich meine früheren Beobachtungen und Angaben 
bezogen!). Wenn nämlich in Fig. 13 M die 
Fläche des kupferrothen Schillers: die Querfläche 
ist, so zeigten sich die drei Töne folgender- 
massen: 


Axenfarben 


b) Längs-Diagonale e) Quer-Diagonale 


Gelblichgrau bis oliven- Hyazinthroth 
grün 


Hellster Mittlerer 


Die Orientirung stellte sich in der That nach den drei krystallo- 
graphischen Axen des Prismas der Theilbarkeit, so wie es früher 
angegeben worden ist. Dennoch bleibt ein Weg übrig, um diese 
Verhältnisse mit der Axenlage in den Diopsiden in Zusammenhang 
zu bringen. Denn es besteht offenbar im Hypersthen eine mecha- 
nische Zusammensetzung von zahlreichen ungemein dünnen Blättchen, 
welche sich parallel der kupferrothen Fläche M berühren, so wie dies 


1) Sitzungsberichte u. s. w. 1848, Bd. I, S. 311 und 1854, Bd. 12, S. 1074. 


Hauptzügen ihrer krystallographischen und optischen Erscheinungen. 4713 


in Fig. 13 angedeutet ist. Diese ist gewiss keine Theilungsfläche, 
sondern blos Zusammensetzungsfläche, in welcher sich die Theilchen 
leicht trennen lassen. Wenn man eine dünne parallel der Längs- 
fläche 7 geschliffene Platte unmittelbar vor das Auge hält, und einen 
hellen Lichtpunkt betrachtet, so ist dieser oder sein Bild auf den 
zahlreichen Zusammensetzungsflächen im Innern von einem langen 
Lichtstreifen begleitet, der senkrecht auf der Axe des Prismas steht. 
Betrachtet man die Platte in der deutlichsten Seheweite durch die 
Loupe, so ist nur eine Lage, in der sie am hellsten ist. Wendet 
man sie rechts oder links, so nimmt die Helligkeit sehr schnell ab, 
gerade so, wie wenn man durch die Zähne eines Kammes hindurch- 
sieht, und auch aus einer analogen Ursache, weil nämlich hier die 
Zusammensetzungsfläche den freien Lichtdurchgang beeinträchtigen. 
Die gleiche Erscheinung zeigt sich an Platten, die parallel der 
Fläche ? Fig. 12 senkrecht auf die Axe des Prismas geschnitten sind. 
- Wenn nun aber die ganze Krystallmasse aus Platten zusammen- 
gesetzt ist, die feiner sind als dass jede für sich ihre individuelle 
optische Wirkung zeigt, so geben sie doch gemeinschaftlich eine 
Gesammtwirkung, und diese ist es, welche man wahrnimmt. 

Herrn Prof. Gustav Rose verdanke ich auch die schönen 
Hypersthene von Buchau bei Neurode in Schlesien, so wie Herrn 
Dr. Hochstetter die denselben ungemein ähnlichen Varietäten von 
Wonischen bei Ronsberg in Böhmen. Sie sind etwas heller an Farbe 
und mehr durchscheinend als die von Labrador, dabei ist die Farbe 
der der Längsfläche parallel geschnittenen Platten bei den letzteren 
beinahe ein blasses Nelkenbraun zu nennen, während die von Neu- 
rode sich wieder mehr grau an die von Labrador anschliessen. Aber 
in beiden ist die mechanische Zusammensetzung von feinen Lagen 
parallel der Querfiäche eben durch den beim Durchsehen erschei- 
nenden Lichtstreifen ganz unzweifelhaft. 

Es ist übrigens schwierig, von allen diesen Körpern Platten 
geschliffen zu erhalten, an welchen man entscheidende Wahrneh- 
mungen machen kann. Viele davon sind nahe undurchsichtig, es ist 
eine wahre Eroberung, die optischen Forschungen auch nur auf sie 
ausdehnen zu können, wie bei der basaltischen Hornblende, aber eben 
darum schien es mir, dass ich nicht abwarten sollte, bis ich selbst 
die Untersuchungen nach allen Richtungen noch mehr ausgeführt 
hätte, um noch genauere Ergebnisse zu erhalten. 

31” 


ATA Haidinger. Vergleichung von Augit und Amphibol ete. 


So wie ich vorläufig mit Gegenständen und Apparaten versehen 
bin, aber auch über Kraft und Zeit disponiren kann, muss ich sehen, 
dass es mir in längerer Zeit nicht gelingen würde, einen festeren 
Grund zu legen, daher will ich lieber jetzt Alles hingeben, um viel- 
leicht besser vorbereitete oder unterstützte Forscher anzuregen, 
den Gegenstand aufzunehmen und weiter zu entwickeln. Herr Dr. 
Oschatz in Berlin erzielte durch sorgsame Arbeit sehr dünne Platten 
von Mineralkörpern zur mikroskopischen Untersuchung !). Die von 
einer Gebirgsart von Neurode, die bisher Melaphyr genannt wurde, 
haben kürzlich Herrn Dr. Gustav Jenzsch in den Stand gesetzt, 
als Grundlage bei der Berechnung seiner Analyse eine klare Über- 
sicht der mineralogischen Zusammensetzung dieses fast homogen 
erscheinenden Gesteines zu geben ?). Der Hypersthen verdiente 
wohl mit dem an denselben so innig anschliessenden Anhange, der 
Anthophyllite, Bronzite, Uralite bis zu den einfachen Krystallen der 
beiden Species Augit und Amphibol die grösste Aufmerksamkeit und 
würde einen würdigen Gegenstand von Bemühungen für die Darsteller 
jener dünnen Platten ausmachen. 

Eine der wichtigeren theoretischen Betrachtungen, welche mit 
dem merkwürdigen Unterschiede in der Lage der Elastieitätsaxen am 
Augit und Amphibol zusammenhängen, sollte, glaube ich, dahin zielen, 
zu untersuchen, wie eine ganz geringe Änderung in der Lage der 
letzten Theilchen — Stoff-Atome wenn man will — ein anderes 
körperliches Netz hervorbringt. Ist die Stellung der Theilchen 
gedrängt an einander, so entsteht Augit, der bei gleichem Flächen- 
inhalt des Querschnittes weniger Umfang hat, zugleich ein höheres 
specifisches Gewicht, grössere Dichte; ist die Stellung entfernter, 
so entsteht der weniger dichte Amphibol. Die Richtung der grösseren 
Entfernung wird man am ersten in der so sehr verlängerten Makro- 
diagonale des Amphibols zu suchen haben, aber während in dieser 
die neue Anordnung geschieht, schlagen, um mich so auszudrücken, 
auch die früher nach anderen Richtungen gespannten Theilchen in 
ihrer Lage um, neue Spannungsknoten entstehen und neue Elastiei- 
tätsaxen treten in den grössten Differenzrichtungen zwischen den 
Richtungen der früheren hervor. Wird es je gelingen, bei so compli- 


1) Zeitschrift der deutschen geologischen Gesellschaft, 1854, Seite 261. 
?) Poggendorff’s Annalen 1855. Band 95, Seite 418. 


Zwei Schreiben des Herrn Prof. Zejszner in Krakau an Herrn Dr.Boue. 475 


eirten Verhältnissen der Formen einerseits und der chemischen 
Bestandtheile andererseits die geometrische Architektonik solcher 
Körpernetze nachzuweisen, wie man es wohl bei einfachen chemischen 
Stoffen und bei regelmässigeren Formen versucht hat? Der höchste 
Reiz liegt immer in den schwierigsten Aufgaben. 


SITZUNG VOM 18. OCTOBER 1855. 


Zwei Schreiben des Herrn Prof. Zejszner in Krakau an das 
w. M., Herrn Dr. Boue in Wien. 


Herrengrund, 11. September 1855. 
.... Den Lehm des Löss habe ich am ganzen nördlichen Abhange 
der Tatra beobachtet; angefangen vom Dorfe Zar (östlich) bis nach 
Zuberee (Arva), und weiter bis zum Chaez. Alle älteren Gebirgs- 
arten sind damit bedeckt. Dasselbe wiederholt sich am südlichen 
Abhange der Tatra zwischen Pribilina und dem Fusse des Kriwan. 
Mitten in der Tatra findet sich Löss nur an wenigen Punkten, aber 
sehr deutlich ist dieses Sediment nachzuweisen. Gegenüber des 
Bergwerkes Magora von Zakopane am Abhange Dziuramego genannt, 
erhebt er sich bis über die Baumgrenze, und bedeckt den Liaskalk; 
höher verschwindet er, und die schwarze Erde vertritt denselben. 
Noch höher zeigt er sich am Berge Jaworawa im Thale Wiereicha 
(Tyeha-Thal), wo auf Kalkstein der Gneissgranit ruht; im Thale 
von Koseielisko am Fusse des Berges Saturnus ist Löss am östlichen 
und westlichen Abhange des Berges Suwa, oberhalb Zuberee, der 
aus Liaskalk besteht. Von hier an wendet sich das Gebirge gegen 
Südwest, immer aber ruhen Nummuliten- Schichten auf Lias, und 
diese werden bis zu einer gewissen Höhe von mehr oder weniger 
mächtigen Löss-Schichten bedeckt. Durch diese Thatsachen ist ein 
neuer Beweis gefunden, dass die Tatra in neuester Zeit gehoben 
wurde. — Einen sehr interessanten Durchschnitt fand ich in Zuberee, 
Nummuliten-Dolomit ist da wie ein Keil im Granit eingeschlossen. In 
dem Berge, genannt Zuberee, bei dem Orte Zuberec, erhebt sich 
Liaskalk, der auf Granit ruht; fast an der Baumgrenze findet sich 


AT76 Zwei Schreiben des Herrn Prof. Zejszner in Krakau 


eine mächtige Kuppe beiläufig 500’ breit, ganz mit Nummüliten 
überfüllt, und dann wieder weiter zieht sich bis zum Kamm des 
Bobrowietzer Thales der Granit. Der Durchschnitt ist 


a Lias-Dolomit, b Granit, e Nummuliten-Dolomit. 


Obgleich ich mich sehr viel im Liaskalke bewegte, fanden sich 
dennoch wenige neue Fundorte von Petrefacten und diese sind unbe- 
stimmbar ; unter andern Belemniten am Berge Jaworawa, im Thale 
Wiereicha, ebenfalls Belemniten bei Czeremoezna, unfern Stubnya; 
undeutliche Korallen im Szutawer Thale bei Kralowany. 

Ein sehr schöner Durehschnitt findet sich an der gewaltigen 
Therme von Stubnya. Etwa his Mosaez erstreckt sich das Trachyt- 
Conglomerat und füllt ein 1—11/, Meile breites Thal aus; am östli- 
chen Abhange finden sich Dolomit-Mergel, die immer steiler erhoben 
sind. Am Fusse des Gebirges ist Dolomit in ein Gerölle zerfallen, 
weiter besteht er aus einer harten krystallinisch-körnigen Varietät, in 
welcher pulverförmiger Dolomit eingeschlossen ist; die harten Theile 
bilden krumme Formen und ragen in einzelnen Felsen aus den Hügeln 
hervor. Höher wird der Dolomit ganz körnig, von graulich-weisser 
Farbe, und wird durch unendlich viele Klüfte gespalten; theilweise 
zerfällt er in einen weissen Sand, der besonders in dem tief einge- 
schnittenen Wege hervorleuchtet. Diese Dolomite erinnern lebhaft 
an Val di Fassa; ich kenne in den Karpathen kein so ausgezeichnetes 
Dolomit-Vorkommen wie in Haj. Das Trachyt-Conglomerat und 
der Dolomit sind ebenfalls mit Lehm bedeckt. 


Stubnya 


a Lehm, b Trachyt-Conglomerat, ce Dolomit. 


an das w. M., Herrn Dr. Bou& in Wien. AT 


Der Contact des Dolomits und Trachyt ist nicht wahrnehmbar; 
aber so viel ist bestimmt, dass zwischen beiden Gebirgsarten keine 
fremde sich befindet. 


Kesmark, 12. October 1855. 

-... Die Gegend zwischen Neusohl und Theissholz (Tisowice) ist 
ausgezeichnet durch mehrere Durchbrüche von Trachyt durch die 
krystallinischen.Schiefer. Es ist bekannt, dass der Wepor (eigentlich 
darf er geschrieben werden Wieper) von Libethen ein Durchbruch 
des Trachyts durch Talkschiefer ist. Ähnliche Durchbrüche finden 
sich östlich, und zwar östlich von Balogh, ausgezeichnet durch 
Aukeritgänge und Talkschiefer. Es sind da drei mächtige Rücken, die 
sich gegen Bries fortziehen und durch zwei sehr tiefe Thäler geson- 
dert werden. Diesen Trachyt hat Herr Bergmeister Jurenak aus 
Rhonitz entdeckt. Als wir dieses Trachytgebirge zusammen besuchten, 
haben wir im Süden einen Berg erblickt, der ganz die Contouren des 
Wieper von Libethen hatte; es war der Wieper von Klenowec, auf dem 
kein Geolog vor uns war. Den andern Tag sind wir dahin gegangen. 
Er befindet sich am Ende des Thales, an dessen anderm Ende Rhonitz 
liegt. Nur Talkschiefer befindet sich entlang dieses langen Thales; 
hinter dem Orte Dobroez aber bricht mit einem Male Gneiss hervor, 
und dieses Gestein war unser Begleiter bis zu einer bedeutenden Höhe 
auf den Wieper, und es schien, dass er nur aus Gneiss besteht; aber 
indem wir auf die Höhen stiegen, zeigte sich Trachyt in vereinzelten 
Blöcken, die sich um so mehr häuften, je höher wir stiegen. Auf der 
Spitze des Klenowski-Wieper ragen mächtige Felsen auf eine Strecke, 
hervor, die beiläufig eine Viertelmeile beträgt. Auf den beiden Wiepern 
ist eine ausgezeichnete Vegetation, welche man an wenigen Orten 
findet; Bäume von fünf bis sechs Fuss im Durchmesser sind ganz 
sewöhnlich, öfters noch dieker, meistens sind es Tannen und Buchen, 
seltener Acer-Arten, die aber niemals die Schlankheit der ersteren 
erlangen. Auf der ausgezeichneten schwarzen Erde wuchern die 
prächtigsten Sträucher und Kräuter. Ich habe in den vorzüglichsten 
Gärten keine grösseren und wohlschmeekenderen Johannisbeeren 
gegessen als auf den beiden Wiepern. 

Noch ein dritter Trachytdurchbruch findet sich westlich vom 
Rimathal bei Potom, unfern von Syrk, wo die berühmten Eisenstein- 
gänge vorkommen; ebenfalls hat Trachyt den Talkschiefer durch- 


ATS Zwei Schreiben des Herrn Prof. Zejszner in Krakau an HerrnDr. Boue. 


brochen und bildet ein hohes Plateau. Unfern von diesem Orte 
bei Krokawa durchbricht ein serpentinartiges Gestein den Granit, 


Einige Zeit habe ich mich in der Gegend zwischen Gölnitz, 
Krompach und Kaschau aufgehalten, um die geognostischen Verhält- 
nisse des Gabro mit dem Talk- und Glimmerschiefer zu studiren und 
die Grenzen dieser höchst wandelbaren Gesteine kennen zu lernen. 
Von Dobschau bis Marguan erstreckt sich der Gabro mit seinen Um- 
wandlungen in Talkschiefer und der Schiefer ist nur eine plutonische 
Gebirgsart. Die Beweise dafür wären die Folgenden: Mitten in dem 
Flusse Hnilee bei Marguan befindet sich ein Felsen, der aus krystalli- 
nisch-körnigem Gabro zusammengesetzt ist und in diesem findet sich 
eine Schichtvon talkigem Glimmerschiefer, die kaum mehr als 8’ mäch- 
tig ist. An der Stadtmühle von Gölnitz, dicht am Hnilee, übergeht der 
dichte Gabro in eine Art von feinschuppigem Thonschiefer, der sich ein 
paar Schritte weiter in deutlichen Talkschiefer umwandelt. Am Stork- 
schen Hammer zwischen Jaklowce und Gölnitz finden sich im Gabro 
zwei Talkschiefer imLager, die 10—20' mächtig sind, und eine folgt 
nach der andern; im BergeKliperg, oberhalb Gölnitz, wandeltsich der 
dichte Gabro in einen schieferigen um; dasselbe findet Statt an der 
Hernad, bei dem Zuflusse des Czertowik;; der ganze südliche Abhang vom 
hohen Berge zwischen Folkmar und dem Kaschauer Hamor ist aus Talk- 
schiefer zusammengesetzt, der einen Übergang in dichten Gabro bildet. 

Aber die deutlichste Verbindung des Gabro mit Talkschiefer 
findet sich am rechten Abhange des Grellenseiffner Thales an seiner 
Mündung gegen Zakarowce; hier wechsellagert dreimal dichter 
Gabro mit Talkschiefer, der am Ende Oberhand nimmt. Aus diesen 
Thatsachen ist es klar, dass diese beiden Gebilde einen gleichen 
Ursprung haben; dass Talkschiefer nur eine Modification des Gabro 
ist. Die mächtig entwickelten Talkschiefer zwischen Marguan und 
Krompach, beinahe 2 Meilen lang, sind nichts anderes als eine plu- 
tonische Gebirgsart; es sind nur Glieder des Gabro. Weiter gegen 
Westen von Gölnitz, und besonders vom Thale Zenderling, ist unge- 
mein mächtig grauer und dann grüner Talkschiefer (Talk mit Quarz) 
entwickelt; dieses ganze Gebilde muss eonsequenter Weise als Gabro 
betrachtet werden. An vielen Orten in dieser Gegend erscheinen atlas- 
glänzende schwarze und rothe Schiefer, die ein talkiges Ansehen 
haben, und diese müssen auch als Glieder des Gabro betrachtet werden. 


Russegger. Bericht über das am 30. Sept. stattgefundene Erdbeben. AY79 


. 


bericht über das am 30. September 1855 Abends gegen 9 Uhr 
stattgefundene Erdbeben. 


Von dem ce. M., Herrn Ministerialrath v. Russegger. 


Ungefähr um die neunte Abendstunde hörte Gefertigter und 
seine Familie, im ersten Stocke des Pacherstoliner Handlungshauses 
wohnend, in der zu ebener Erde liegenden, nun leer stehenden 
Wohnung des Kratzenfüllers einen Knall, als wenn die Zimmer- 
thüre etwas stärker wie gewöhnlich zugeschlagen worden wäre, mit 
kaum wahrnehmbarer Erschütterung. 

Um dieselbe Zeit hörte der Seilaufschneider Andreas Jentner 
im Glanzenberger Erbstollen, als er ungefähr 30 Klafter hinter der 
zweiten Wetterthüre war, denselben Knall, als wenn die Thüre sehr 
stark zugeschlagen worden wäre; daher blieb er stehen und wartete, 
ob Jemand nach ihm gehe; aber es kam Niemand. — Beim Aus- 
fahren um 1/4 Uhr früh fand er in zwei Punkten dieses Erbstollens 
am Gestäng frisch herabgefallene Berge. 

Als Gefertigter am 1. October aus der Grube nach Hause kam, 
fand er einen Zettel vom Herrn Bergrathe Landerer: „dass in ver- 
gangener Nacht unter dem Fritz’schen und Scharf’schen Hause 
eine leere Zeche eingegangen sein müsse; es hätten sich mit Getöse, 
Risse in die Erde gemacht: ob man in der Grube nichts gemerkt 
hätte? — und dass in jener Gegend nachgeforscht, das Resultat aber 
demselben berichtet werden soll. —“ 

Sogleich verfügte sich Unterzeichneter mit dem eben auch aus- 
gefahrenen k. k. Bergpraktikanten Porubszky und dem Hutmanne 
Harzer in die Grube. Das durch Jentner gezeigte Gestein auf 
der Sohle wurde wahr gefunden und die Strecke vom Kaufhaus- 
schächtehen bis zur nördlichen Michaelistollner Markstätte mit der 
grössten Aufmerksamkeit befahren, die durch den Stoss am 31. Jänner 
dieses Jahres verursachten Risse genau besichtigt, aber nicht erwei- 
tert gefunden, blos in der 27. Klafter vom Kreutzgestänge (beim 
Kaufhausschächtehen) unbedeutende neue Risse in der Mauer ent- 
deckt und etwas von dem Gewölbe herabgefallener Mörtel gefunden. 


ASO  Russegger. Bericht über das am 30. Sept. stattgefundene Erdbeben. 


Am Dreifaltigkeits-Erbstollen wurde in dieser Gegend auch 
nichts Neues bemerkt und ebenso im Umbruche des neuen Laufes. 

Obiges hat Gefertigter obbenanntem Herrn Bergrathe und sodann 
auch Sr. Hochwohlgeboren dem Herrn k. k. Ministerialrathe mündlich 
berichtet, und sich hierauf im Fritz ’schen Hause beim Buchbinder 
Tomala — vor dessen Wohnung zwei parallele, 1—3 Linien breite 
Risse im Boden und ein dritter in schiefer Riehtung sich befinden — 
dann in dem nordwestlichen Zimmer im Seharf’schen nun Lukäts’- 
schen Hause um die Stunde der Erschütterung erkundigt, die aber 
um neun Uhr Abends bereits schliefen und nichts hörten; die Be- 
wohnerin des letzteren Zimmers aber soll um 11 Uhr ein Getöse 
unter ihrem Zimmer, gleich als wenn Erde herabrolle 1), wahrge- 
nommen haben und deutete auch auf einen Sprung in der Wand, der 
in der Nacht erfolgt sein soll. 

Indem der gehorsamste Berichtleger diese Anzeige an die löb- 
liche k. k.. Bergverwaltung pflichtschuldigst erstattet, bittet derselbe 
diesen Bericht, über ausdrücklichen Auftrag, dem Herrn k. k. Ministe- 
rialrathe zu unterbreiten, um die kais. Akademie der Wissenschaften 
von diesem sich wiederholenden Natur-Phänomen in Kenntniss zu 


setzen. 
Schemnitz, den 2. October 1855. 


Peter Kno pp Mm. P., k. k. Schichtenmeister. 


1) Wahrscheinlich setzten sich in Folge des Erdstosses die Zechenberge eines uralten 
Verhaues, der sich gerade unter diesem Hause befindet, welches man höchst 
leichtsinnig einst an dieser Stelle gebaut hatte. In weiterer Folge der Bewegung 
der Zechenberge , setzte sich auch das brüchige Hangende des Spitaler Ganges 
und endlich stürzte dadurch bedingt ein Theil der Grundmauer des Hauses und damit 
auch ein darüber hinführender Canal ein, und es bildete sich eine Binge von ungefähr 
30 Länge, 2° Breite und 10’ Tiefe. Letzterer Vorgang scheint endlich die Bewohner 
aus ihrem Schlafe aufgerüttelt zu haben. 


Russegger. 


Schauroth. Übersicht der geogn. Verhältnisse der Gegend von Recoaro. AS1 


Eingesendete Abhandlungen. 


Übersicht der geognostischen Verhältnisse der Gegend von 
Recoaro im Vicentinischen. 


Von Dr. Karl Freiherrn v. Schauroth zu Koburg. 


(Mit I Karte und III Tafeln.) 


(Vorgelegt in der Sitzung vom 19. April 1855.) 


EINLEITUNG. 


Recoaro, ein im Vicentinischen am linken Ufer des Agsno- 
baches gelegenes, gegen 500 Einwohner zählendes Dorf, hat durch 
seine Heilquellen und die lehrreiche Entwickelung der in den Alpen 
unter einer etwas abweichenden Facies sich darstellenden triassi- 
schen Gebilde in neuerer Zeit einen weit verbreiteten Ruf erlangt. 

Während eines mehrwöchentlichen Aufenthaltes an den dortigen 
Quellen benützte ich die Gelegenheit, den schon längst gehegten 
Wunsch der Erlangung eines Überblickes der dortigen geognosti- 
schen Verhältnisse zu befriedigen, und unternahm zu diesem Ende 
mehrere Excursionen. Grosse Hilfe gewährten mir hierbei die 
Erfahrungen des dortigen hochgeschätzten Brunnenarztes, Herrn 
Dr. Bologna, dessen freundschaftliche Aufopferung mir es möglich 
gemacht hat, in so kurzer Zeit einen Überblick über ein verhältniss- 
mässig so ausgebreitetes Gebiet zu gewinnen. 

So viel mir bekannt ist, besitzen wir noch keine Karte, welche 
mit nur einiger Genauigkeit in grösserem Massstabe die geognostische 
Constitution der hier zu behandelnden Gegend veranschaulichte; 
mein Freund Bologna forderte mich daher auf, nicht nur im Inter- 
esse der geologischen Wissenschaft im Allgemeinen, sondern beson- 
ders im Interesse der Besucher der Heilquellen von Recoaro, die auf 
unseren meist gemeinschaftlich ausgeführten Exeursionen gemachten 
Beobachtungen durch Schrift und Bild zu weiterer Kenntniss zu 
bringen. Obgleich mir diese Beobachtungen noch nicht genügen 
und selbst lückenhaft erscheinen, so will ich doch versuchen, für 


AS2 Sehauroth. Übersicht der geognostischen Verhältnisse 


beide Theile ein Bild der geologischen Constitution dieses interes- 
santen Terrains zu entwerfen. Zu diesem Zwecke habe ich vorge- 
zogen, den Beobachtungen eine möglichst detaillirte Karte, die des 
k.k. Generalstabes, zu Grunde zu legen, und mich lieber dem Vor- 
wurfe einer gelegentlichen Ungenauigkeit in der Einzeichnung der 
geognostischen Grenzen auszusetzen, als durch Mangelhaftigkeit 
der Situation etwaige Ungenauigkeiten zu verbergen. 

Die detaillirtesten, mit Gewissenhaftigkeit und Sachkenntniss 
gesammelten Nachrichten über unser Terrain verdanken wir dem bei 
Recoaro gelebt habenden Geistlichen, Herrn Maraschini, dessen 
1824 in Padua erschienene Schrift: „Sulle formazioni delle rocce 
del Vicentino“ von allen späteren Schriftstellern, welche sich über 
die Geognosie dieser Gegend ausgesprochen haben, immer benützt 
worden ist. Dass neuere Forschungen in unserem Distriete zur 
Öffentlichkeit gekommen sind, ist mir nicht bekannt, und ich nehme 
daher keinen Anstand, die eigenen Beobachtungen, so weit sie die 
älteren ergänzen oder berichtigen, mitzutheilen. 


I. Umfang des Terrains und dessen allgemeine. Physiognomie, 


Das hier in Betracht zu ziehende Gebiet umfasst die oberen 
Theile der Thäler des Chiampo, Agno, der Leogra und des Timon- 
chio. Im Norden wird es von den hohen Alpen, vom Monte Pasubio 
an bis zum Asticothale bei Caltrano, begrenzt und erstreckt sich bis 
Nogarole, so dass demselben Recoaro, Schio, Bolea, Monte Postale, 
Castelgomberto und andere dem Geognosten wohlbekannte Orte 
zufallen. 

Die Alpen bilden durch Verkettung einzelner Berggruppen ein 
Zackengebirge, dessen Streichlinie wir uns von Nizza ausgehend 
über den Mont-Blane, wo das Gebirge seine Gipfelhöhe von 14.800 
Pariser Fuss erreicht und eine östliche Richtung annimmt, bis nach 
Ungern fortsetzen denken können. Der Kern dieses Gebirges besteht 
aus Gesteinen der primitiven Formationen, des Gneisses, der primi- 
tiven Schiefer und der eruptiven granitischen Bildungen, welche eine 
mächtige, hoch emporragende, bis in die Längenlage von Wien 
reichende mittlere Zone bilden. An diese mittlere Zone schliesst sieh 
eine zweite Zone an, welche gleichsam einen Vorwall jener ersten 
bildet. Dieser Vorwall wird im Allgemeinen von den Ebenen begrenzt 


der Gegend von Recoaro im Vicentinischen. AS3 


und fast durchaus von Gesteinen jüngerer, secundärer und tertiärer 
Formationen constituirt. 

In den bezeichneten Vorwall, in die südlichsten Ausläufer der 
gegen Verona und Vicenza gerichteten Tiroler Bergketten, fällt unser 
Terrain, und zwar nicht weit von der Grenze, an welcher die von 
Osten herkommenden jüngeren Formationen am Lago maggiore ihr 
_ Ende erreichen und den primitiven Gesteinen die alleinige Herrschaft 
überlassen, so dass wir schon in unserem Terrain in den tiefen Thei- 
len oft die Grundlage der Nebenzone entblösst und von dort an west- 
lich die Diluvial-Gebilde unmittelbar die geognostische Mittelzone 
begrenzen sehen. Diese Verhältnisse beruhen auf der ungleichen 
Erhebung der vom Gebirgsbildungs - Processe ergriffen gewesenen 
Theile der Erdkruste, indem ein Theil unseres Terrains im Osten 
bei weitem mehr seiner ursprünglichen Lage entrückt erscheint, als 
gegen Westen hin, wo die neueren Formationen bald einerseits vom 
Diluvium der Ebene bedeckt und anderseits von der primitiven 
‘ Formation begrenzt werden. Dieser Umstand bedingt auch das im 
Allgemeinen südwestliche Einfallen der Schichten oder Formations- 
glieder, welches im Detail der ausserordentlichen Zertrümmerung 
des Gebirges wegen nur selten beobachtet werden kann, und dess- 
halb auch hier keiner weiteren Berücksichtigung würdig erachtet 
worden ist. 

Aus dem Complexe der zahlreichen Längen- und Querthäler 
der Alpen kommen unserem Terrain nur einige Querthäler zu, 
welche von den beiden hohen, vom Monte Pasubio als Knotenpunkt 
östlich und südlich ausstrahlenden Gebirgskämmen in südöstlicher 
Richtung sich in die lombardische Ebene verlieren. 

Hierdurch wird zugleich die Reliefform unseres Terrains 
eharakterisirt. Wir sehen im Norden einen hohen, den Charakter der 
Alpen tragenden, zackig ausgeschnittenen und die Wasserscheide 
gegen das Thal der Posina und des Astico bildenden Gebirgsrücken 
mit den bedeutenden Höhen des Pasubio, Zollota, Volpiana und 
Sumano; ein gleich charakterisirter Rücken mit dem Cengio alto, 
Campo grosso und Cima tre croci erstreckt sich in südlicher Rich- 
tung, bedingt die Wasserscheide gegen das Etschthal und bildet die 
westliche Grenze unseres Terrains. Dieser zweite Gebirgskamm 
entsendet, ziemlich parallel dem ersten, zwei Zweige von geringerer 
Höhe, von welchen der eine vom Campo grosso, der andere von Cima 


ASA Sehauroth. Übersicht der geognostischen Verhältnisse 


tre eroei ausgeht, und welche beide für unser Gebiet die Haupt- 
thäler der Leogra, des Agno und des Chiampo hervorrufen. In 
den oberen Theilen werden diese in üppiger Vegetation prangenden » 
Thäler durch schmale Sohle mit anstossenden, durch Schluchten 
und Schrunden gefurchten steilen Gehängen charakterisirt, in ihren 
unteren Theilen erweitern sie sich jedoch bald, wie die Berge an 
Höhe abnehmen. { 


Il. Geognostische Constitution des Terrains im Allgemeinen. 


Zufolge der gewaltsamen, besonders am Anfange der vuleani- 
schen Periode stattgehabten Zertrümmerung des Gebirges vermissen 
wir im Detail einen stätigen Verlauf der Formationsgrenzen, können 
denselben aber, wie es auf der Karte geschehen ist, im Allgemeinen 
leicht nachweisen. 

Wie bereits angeführt worden ist, bildet hier die primitive 
Schieferformation, und zwar die des Glimmerschiefers, welche, wie 
überhaupt in den südöstlichen Alpen, als Talkschiefer modifieirt 
erscheint, das Grundgebirge, die Basis der folgenden Formationen. 

Da unsere Hauptthäler aus der Gebirgsmasse zum grössten 
Theile ausgeschnitten sind, so finden wir es bei dem südlichen Fallen 
der Schichten natürlich, dass im nördlichen, erhabeneren Theile die 
Basis zu Tage gelegt worden ist. Von der Pilastroschlucht bei Fachini 
im Agnothale und von Torre Belvieino im Leograthale an bis fast an 
die Quellen dieser Bäche, sehen wir daher das Schiefergebirge in 
den Thalsohlen und mehr oder minder hoch an den unteren Gehängen 
Platz nehmen. Ä 

Unmittelbar dem primitiven Gebirge aufgelagert folgen triassi- 
sche Gebilde. Maraschini und andere Geologen berichten zwar 
von paläozoischen Schichten, von Steinkohle führenden Sandsteinen; 
die hier auftretenden, mit Kohle, bisweilen mit deutlichen Pflanzen- 
resten erfüllten Sandsteine müssen aber als dem bunten Sandsteine äqui- 
valent und die Pflanzentheile selbst als triassische bezeichnet werden. 

Die Trias schliesst sich an den mittleren Gehängen des Agno- 
und Leograthales dem Schiefergebirge so an, dass zu unterst der 
bunte Sandstein Platz nimmt, während der Muschelkalk, je nach dem 
Relief des Terrains, schon die oberen Theile der Gehänge und selbst 
die Kammhöhen erreicht. So sehen wir den Muschelkalk von dem 


der Gegend von Recoaro im Vieentinischen. As, 


Auftauchen der Schiefer im Agnothale an, längs der Grenze der 
ihm aufgelagerten hoch emporgethürmten Juraformation unter dem 
Monte Spizze hinweg, an den Gehängen hinziehen, die Schluchten 
von Val diCreme, di Lora, di Rotolone, di Serraggere, das Leograthal 
übersehreiten und über den Monte Alba, an dem Monte Enna vorbei, 
bis in den Tretto nach Quartiere und S. Rocco mit wenigen Unter- 
brechungen sich verbreiten; der Bergrücken, welcher das Leogra- 
thal vom Agnothale trennt und nur in seinem östlichen Theile das 
Niveau des Muschelkalkes erreicht, besteht daher in diesem östlichen, 
dem Jura zunächst liegenden Theile auf den Höhen bei Rovegliana 
aus Muschelkalk, während der übrige Rücken und die oberen Ge- 
hänge dem bunten Sandsteine und Schiefer anheimfallen, so dass 
man von Recoaro durch den gewöhnlich auf dem Wege nach Valle 
dei Signori (Valli) benützt werdenden Pass, Xon genannt, bis Valli 
gehen kann, ohne den Schiefer zu verlassen. 

Die nächst folgende Formation, die des Jura, behauptet alle 
‚ jene zackig geformten, die höchsten Berge bildenden Felsmassen, 
welche unserer Gegend den alpinischen Charakter verleihen. Ohne 
Unterbrechung zieht sich ein schmaler Streifen dieser Formation vom 
südlichen Gehänge des Leograthales, dem Städtchen Torre gegen- 
über, über den Monte Ennaro, setzt über das Agnothal, bildet die 
Berge M. Torrigi, C. dellaFratta, M. Laste, M. Spizze und setzt nun, 
nachdem sich die Grenzen der Formation bedeutend erweitert haben, 
nördlich über Cima tre ceroci, Campo grosso weit über den M. 
Pasubio fort, wendet sich hier östlich bis zum M. Sumano, sendet 
im M. Enna eine Zunge wie ein Vorgebirge fast bis an den Ausgangs- 
punkt bei Torre ab, und bildet so fast einen geschlossenen Kessel, 
welcher die triassischen und Schiefergebilde in sich schliesst. 

So einfach und normal der Verlauf der Formationsgrenzen in 
dem nordwestlichen Theile unseres Terrains, welches durch eine 
vom M. Sumano bis zum M. Spitz gezogene Diagonale abgeschnitten 
wird, sich darstellt, ebey so wenig stossen wir in dem anderen, süd- 
östlichen Theile auf Anomalien. Diese Diagonallinie beschreibt genau 
die Grenze zwischen den eben besprochenen Formationen (vom 
Schiefer bis zum Jura) und den südlich gelegenen, nun in Betracht 
zu ziehenden Formationen. 

Ä Da wir im nördlichen Theile an phantastisch ausgeschnittene 
Bergformen gewöhnt worden sind, so fällt uns im südlichen Theile, 


AS6 Sehauroth. Übersicht der geognostischen Verhältnisse 


diesseits der gegebenen Diagonale, ein viel sanfterer Charakter des 
Reliefs auf: die Berge erreichen nie wieder die frühere Höhe, wir 
haben die Alpen verlassen und treten zum Theil schon in die 
lombardische Ebene. Bei dieser absolut tieferen Lage sollten wir hier 
die Fortsetzung des Jura oder gar älterer Schichten erwarten, aber 
sonderbarer Weise stehen wir auf viel jüngerem Boden: Kreide- 
gesteine, Tertiärgebilde und Diluvium in normaler Folge bilden die 
Ausgehenden der Bergreihen und die Ebene. Diese Anomalie erklärt 
sich einfach aus der Anwesenheit einer weit fortsetzenden Disloca- 
tionsspalte, welehe durch die erwähnte Diagonale repräsentirt wird 
und durch welche allein die jüngeren Formationen in das Niveau der 
schon erwähnten älteren gebracht werden konnten. 

Interessant ist es, zu beobachten, wie in diesem südlichen 
Theile eine ähnliche Wiederholung im Auftauchen der Formationen 
stattfindet. Wie dort der Schiefer zum Grundgebirge diente, so ist 
hier die Kreideformation als Basis zu betrachten. Die Kreideformation 
zeigt sich daher hier, der Verwerfungslinie entlang, vom M. Sumano 
bis ins Chiampothal mehrfach in bedeutenden Bergen und tritt, im 
Chiampothale bis Chiampo die Sohle und unteren Gehänge des 
Thales bildend, unter dem tertiären Gebirge hervor; ebenso, nur 
durch die bedeutendere Weite des Thales einen grösseren Flächen- 
raum in Anspruch nehmend, ist sie im Agnothale bis fast nach Cornedo 
blossgelegt; im Tretto jedoch, jenseits der Leogra, von S. Roceo 
zum M. Sumano, haben vulcanische Eruptionen diese Regelmässig- 
keit gestört. Im südwestlichen Theile, gegen Verona hin fortsetzend, 
taucht das Kreidegebirge wieder auf. 

Auf die Kreide folgen Tertiärgebilde, die Nummulitenformation 
oder das Eocängebirge, welches sich bis in die Ebene verbreitet. Die 
ganze lombardische Ebene besteht aus Diluvium, und nur: wenige 
Berge älterer Gebilde erheben sich aus derselben. Die Grenze 
zwischen Diluvium und Eocän ist daher leicht zu erkennen: sie läuft 
von Carr& über Sant Orso, Schio, Isola di Malo und Costabissara 
dem Fusse des Gebirges entlang. 

Ausserordentliche Wichtigkeit erlangen in unserem Terrain die 
eruptiven Gebilde. So zahlreich auch bisher Arten von eruptiven 
Gesteinen angeführt worden sind, soglaubeich doch, dieselben auf zwei 
Formationen beschränken zu müssen. Alle diese verschieden benannten 
Gesteine stammen entweder aus der Familie des Trachyts, oder der 


der Gegend von Recoaro im Vicentinischen. ASY 


Familie desBasalts; es bleibt daher noch die Verbreitung dieser bei- 
den Formationen zu bezeichnen. 

Obgleich die Gesteine der einen Formation die der andern nicht 
ausschliessen, im Gegentheile in ihrem äusseren Habitus oft einander 
ähnlich werden, so können wir doch zweiRegionen unterscheiden, in 
welchen die basaltischen Gesteine einerseits und die trachytischen 
anderseits die Oberherrschaft behaupten. Als sichere Demarcationslinie 
zwischen diesen beiden Regionen dient uns die oben erwähnte Dis- 
locationsspalte. Nördlich von dieser Linie begegnen wir den vielen 
Varietäten trachytischer Massen, welche vielfach die Erscheinungen 
der verschiedenen Lagerungsformen und Structurverhältnisse, sowie 
der chemischen und gewaltsamen mechanischen Einwirkungen auf das 
Nebengestein, wie sie bei eruptiven Gesteinen vorzukommen pflegen, 
an lehrreichen Beispielen wiederholen. Südlich von der Verwerfungs- 
spalte spielen die Basalte die Rolle der Trachyte; während aber dort 
die Eruptionsepoche nach Vollendung der anwesenden Formations- 
glieder erfolgte und auf diese nur zerstörend einwirkte, so sehen wir 
hier den Basalt periodisch an der Bildung der Tertiärformation den 
thätigsten Antheil nehmen und oft zerstörend auf seine eigenen 
Schöpfungen eingreifen. 

Wenn es schon unmöglich erscheinen dürfte, die in Unzahl in 
unserem Terrain verstreuten trachytischen Massen und die vielen 
Basaltergüsse, mit welchen das Tertiärgebirge übersäet ist, auf eine 
Karte genau aufzutragen, so kann um so weniger erwartet werden, 
dass bei der für eine so umfassende Untersuchung so spärlich zuge- 
messenen Zeit alle Vorkommnisse mit Sicherheit verzeichnet zu finden 
seien. Ich beschränke mich daher auf Angabe der Vertheilung der 
Massen im Allgemeinen. 

Die Trachytformation ist am mächtigsten entwickelt in den 
triassischen Gebilden des sogenannten Tretto, nördlich von Schio, wo 
sie einen mächtigen Berg zwischen Righellini und Paludini zusammen- 
setzt, und weiter nördlich, imSüden von Sant’ Ulderieo ; ein zweites, 
riesenhaftes Depot liegt südlich von M. Spizze bei Recoaro, wo der 
Trachyt in bedeutender Mächtigkeit vom Chempele über Fongara 
fortsetzend den Alpenkalk durchbrochen hat. Erwähnenswerth sind 
auch die beiden im Schiefergebirge gelegenen Trachytberge von Staro 
und Cucco. Alle übrigen Vorkommnisse sind als mehr oder minder 
mächtige Gangmassen zu betrachten. 

Sitzb. d. mathem.-naturw. Cl. XVII. Bd. III. H£t. 32 


ASS Sehauroth. Übersicht der geognostischen Verhältnisse 


Basalteruptionen, gewöhnlich mehr den Charakter reihenförmig 
gestellter Kegelberge tragend, bemerkt man bei Schio; zahlreicher 
werden sie weiter südlich, wo man, vom sogenannten Muchione an, 
eine Reihe von Basaltbergen im Osten des Agno, demselben folgend, 
auf dem Bergrücken entwickelt sieht. Eine zweite, noch regelmässi- 
ger gegliederte Reihe von Basaltbergen erscheint, von Tomba bis 
Nogarole hinab, auf dem Bergrücken, welcher das Agnothal vom 
Chiampothale trennt. Eine dritte solche Hügelkette, parallelden vorigen, 
lässt sich endlich von Durlo aus über Bolca weit gegen Süden ver- 
folgen. Wenn diese Reihen auch keine grosse Regelmässigkeit zu 
erkennen geben, so lässt ihre Stellung doch auf Eruptionen schlies- 
sen, welche mit Spaltenbildung in Verbindung gestanden haben. 
Leider kann ich diese Basaltvorkommnisse aus Mangel an hinreichender 
Beobachtung nieht mit der gewünschten Genauigkeit verzeichnen. 

Die Mineralquellen, mit welchen unser Terrain gesegnet ist, 
scheinen sich alle um Recoaro concentrirt zu haben, und sollen in 
einem besonderen Abschnitte vom geologischen Standpunkte aus 
betrachtet werden. 


IN. Specielle Verhältnisse der Formationen. 
A. Primitive Formation. 

Von den Gesteinen der primitiven Formation , welche den Kern 
oder die mittlere Zone der Alpen bildet, geht der Glimmerschiefer an 
mehren schon bezeichneten Orten zu Tage. 

Der Glimmerschiefer erscheint hier, wie in den südlichen Alpen 
überhaupt, meistens als Talkschiefer ausgebildet, an einigen Locali- 
täten aber auch Übergänge zu Chloritschiefer und selbst zu Thon- 
schiefer bildend. Seine Farbe ist weisslichgrau mit einer Neigung 
ins Grüne. Im Allgemeinen ist er fettig anzufühlen, schimmernd und 
durch die beigemengten Quarztheilchen ziemlich fest. 

Von accessorischen Bestandtheilen erscheinen nicht selten Eisen- 
kies, Kupferkies, Magneteisenerz, Kalkspath und Anthraeit. Ausser 
dem Quarz, welcher als wesentlicher Bestandtheil zu betrachten ist, 
kommen auch Eisenkies und Anthraeit in grösseren Massen vor; erste- 
rer z. B. bei Torre Belvieino, letzterer bei Recoaro gleich hinter der 
Königsquelle gegen le Vallette zu, an der Strasse nach Fonte Franca 
und bei Peserico. Das octaedrische Magneteisenerz scheint vorzüg- 
lich an die grünen, chloritschieferähnlichen Varietäten des Schiefers 


der Gegend von Recoaro im Vicentinischen. A89 


gebunden zu sein, und findet sich häufig bei Fachini und an der neuen 
Strasse von Recoaro nach Rovegliana, welche kürzlich .in Angriff ge- 
nommen worden ist. Als eine dem Talkschiefer angehörige, aus der 
Verwitterung seiner Bestandtheile hervorgegangene Mineralspecies 
muss auch dasBittersalz angeführt werden, welches an mehren Orten, 
z. B. bei Georgetti und an der Strasse nach Valli die Felsen bedeckt. 


B. Sedimentformationen. 
Trias. 

Es mag auffallend erscheinen, dass hier sofort nach dem primitiven 
Schiefergebirge die Trias zur Sprache kommt, während bis auf den 
heutigen Tag aus jenen Gegenden noch ältere Formationen eitirt wer- 
den und italienische Geologen von arenaria antica (Rothliegendem), 
calcare alpino (Zechstein) und anderen geschichteten Gesteinen 
sprechen, welche älter sind als der bunte Sandstein. 

Da Recoaro den Ausgangspunkt sämmtlicher Exeursionen bildete 
und die triassischen Schichten, wie ein Blick auf die Karte lehrt, 
zum grössten Theile im Agnothale blossgelegt erscheinen , so musste 
diesen Gebilden die meiste Aufmerksamkeit zu Tbeil werden. 

Wenn ich hier von Trias spreche, so geschieht es nur des Her- 
kommens wegen; denn hätte man diese Formation zuerst hier in den 
Alpen studirt, so würde man sie sofort als ein petrographisch und 
paläontologisch charakterisirtes Ganze erkannt und als eine Monas 
behandelt haben. 

Am zweckmässigsten dürfte es sein, zuerst, unabhängig von den 
Abtheilungen, in welche man die Trias anderer Länder zerfällt hat, 
die einzelnen Gebirgsglieder rücksichtlich ihrer petrographischen und 
paläontologischen Merkmale, sowie ihrer Lagerungsfolge in Betracht 
zu ziehen, und dann das so erhaltene Resultat den ausseralpinischen 
Bildungen gleicher Periode gegenüber zu stellen und zu versuchen, 
in wie weit ein Synchronismus der einzelnen Gebirgsglieder vermuthet, 
welches Niveau in den Alpen den allgemein angenommenen Abtheilun- 
gen der gleichzeitigen Bildungen in Deutschland entsprechend gedacht 
werden kann. 

An Profilen, welehe wandernden Geognosten allein über den 
innern Bau der Erdkruste Aufschluss zu geben vermögen, fehlt es im 
Agnothale und im Tretto nicht; aber leider lassen sie sich gewöhn- 
lich nicht weit verfolgen, und dann ist es, wenn man das Gesetz der 
Aufeinanderfolge der Schichten erst suchen muss, schwer, bei der 


32° 


A9O Schauroth. Übersicht der geognostischen Verhältnisse 


grossen petrographischen Verwandtschaft, welche vielen der dortigen 
Schichten eigen ist, sich ein Normalprofil zu construiren, und ohne 
ein solches die bathrologische Stellung an den verschiedenen Beob- 
achtungspunkten zu erkennen. 

Die sedimentären oder die triassischen Schichten werden hier, 
wie es beim Eingange einer neuen Periode öfters der Fall ist, mit einer 
Conglomeratbildung eröffnet. Dieses Conglomerat bildet kein vor- 
herrschendes Gebirgsglied, sondern nur eine gegen 1 Meter mächtige 
Lage, dessen unmittelbare Auflagerung auf dem Glimmerschiefer nur 
an wenigen Orten beobachtet werden kann. Am lehrreichsten 
ergibt sich in dieser Hinsicht und für die unteren Schichten über- 
haupt die Schlucht, welche vom Val dell’ Orco, wo neuerlich die 
Quelle Giuliana für das Militär -Etablissement gefasst worden ist, 
hinaufführt. 

Dieses psephitische Gestein ist bis jetzt nicht erwähnt worden, 
und dürfte die Ansicht, welche noch theilweise von italienischen 
Geologen vertreten wird, dass nämlich auch in unserem Terrain 
Repräsentanten paläozoischer Schichten vorhanden seien, noch unter- 
stützen, und für ein Glied des Rothliegenden gehalten werden 
können; allein während die klastischen Gesteine des Rothliegenden 
in der Regel ihr Material zum grösseren Theil von den Porphyren 
oder Melaphyren bezogen haben, und überall, wo die Formation des 
Rothliegenden entwickelt ist, die Betheiligung gleichzeitig erfolgter 
Porphyr-Eruptionen an den Bildungen der Schichten des Rothliegenden 
unverkennbar ausgeprägt ist, so vermissen wir hier durchaus diesen, 
die Formationsglieder des Rothliegenden charakterisirenden Causal- 
‘zusammenhang und begegnen in unserem Conglomerate nur Frag- 
menten, welche dem unterliegenden Schiefergebirge entnommen 
sind. Solche Fragmente von Glimmerschiefer und Quarz, verbunden 
durch das zurBildung der untersten triassischen Schichten bestimmte 
Material, constituiren das nur wenig feste und dunkelgefärbte Con- 
glomerat. | 

Dieser psephitische Charakter macht sich jedoch nur auf eine 
Mächtigkeit von höchstens ?/, Meter geltend, und dieses vielleicht 
nur in ursprünglichen Vertiefungen abgelagerte gröbere Material wird 
von einem gegen 9 Meter mächtigen Gebilde dünnschichtigen Sand- 
steins bedeckt, welches in seiner unteren Hälfte grobkörnig ist und 
die dunkle, rothe Färbung beibehalten hat, während in der oberen 


der Gegend von Recoaro im: Vieentinischen. Ag91 


‚Hälfte feines Korn und gelblichgraue Färbung vorherrscht. Das 
obere Niveau erlangt durch das Vorkommen von Kohlenbrocken und 
meist nicht mehr bestimmbaren Pflanzenresten einiges Interesse, und 
ist dadurch überall leicht zu erkennen. Über diesem Sandsteine 
wird der Thon überwiegend ; auf 2 Meter Mächtigkeit folgen rothe, 
sandige, glimmerreiche Thone, wahrer Röth , mit einer eingeschal- 
teten, wenig glimmerreichen Thonschicht. Von nun an stellt sich 
die kohlensaure Kalkerde und kohlensaure Bittererde ein; man sieht 
zuerst die Thone von einem schiefrigen Sandstein überlagert, in 
welchem die erste, tiefste, fast 1 Meter starke, noch das Ansehen 
eines Sandsteins bewahrende dolomitische Schicht eingebettet ist. 
Schwache Lagen von mehr oder weniger roth gefärbtem Sandsteine 
im Wechsel mit blaulichgrauen mageren Thonen, in welche nur 
selten solche von rother Farbe eingeschaltet sind, folgen in buntem 
Wechsel, ganz wie sie im mittleren und oberen Keuper aufzutreten 
pflegen. Nach oben werden die Schichten des gelben Mergels oder 
Kalkes immer häufiger, behalten aber immer ihren dünnschichtigen 
Charakter bei. 

Den Schluss dieses Profils macht ein grobkörniger, heller, gelb- 
licher Sandstein, welcher von gelben, dichten, meist dünnschich- 
tigen dolomitischen Kalksteinen überlagert wird. 

Die Gesammtmächtigkeit dieser, über dem vorhin erwähn- 
ten rothen Thone lagernden Schichten dürfte wohl 50 Meter 
betragen. 

Gleicher Charakter kommt den Schichten zu, welche am 
rechten Agnoufer in der an der Leliaquelle vorbei zum Monte Spizze 
hinaufsteisenden Prechele-Schlucht und ‚besonders an der rechten, 
westlichen, Le Vallette genannten Seite derselben frei gelegt sind. 
Hier zeigt sich zuerst auf dem Schiefer ein Gang grünlichenDolerits, 
darauf ein fester Sandstein mit verkohlten Pflanzenresten, erst hell 
gelblich, dann roth und in rothe Thonmergel übergehend, welche 
selbst bald — im Wechsel mit grauem, gelblich verwitternden 
Schieferthone, den grünen Keupermergeln ähnlichen Schichten und 
sandigen Schiefern — feste, gelbe, wenig mächtige dolomitische 
Kalklagen aufnehmen, und von einer 2 Meter mächtigen grobkörnigen 
weissen Sandsteinbank überlagert werden. Diese letztere wird nach 
oben schiefrig und steht im Niveau , wo wir das Profil bei Sta. Giu- 
liana geschlossen haben. 


A92 Schauroth. Übersicht der geognostischen Verhältnisse 


Von nun an tritt kein echter Sandstein mehr auf, und die festen. 
gelben Mergel, ähnlich den festen Dolomiten der Lettenkohle, 
nehmen überhand. | 

Diese Mergel oder dolomitischen Kalksteine, welche auch zur 
Cementbereitung tauglich sind, erscheinen an der Oberfläche durch 
die Verwitterung immer gelblich oder gelblichgrau, im Innern oft 
blauliehgrau; sie sind schwer zersprengbar und erhalten auf ihrem 
splittrigen Bruch durch beigemengte Glimmertheilchen bisweilen ein 
schimmerndes Ansehen; nur selten bilden sie mächtige Bänke. 

In Le Vallette tritt dieses Gestein, zuerst über dem Sandsteine in 
dieken und dünnen Lagen wechselnd, gegen 15 Meter hoch auf, wo 
es dann schiefrig wird und in rothe schiefrige, glimmerreiche Thone, 
welche über 1 Meter mächtig abgelagert sind, übergeht. In diesem 
Niveau über dem Sandsteine, wo die dolomitischen Kalke die Ober- 
hand gewinnen, erscheint fast überall eine bisweilen selbst einige 
Meter Mächtigkeit erreichende Schicht, welche sich durch bedeu- 
tende Festigkeit, graulichweisse oder gelblichgraue Farbe und häufig, 
wie z. B. im Val dell’ Erbe, durch oolithische Struetur auszeichnet, 
und in welcher ich die ersten Versteinerungen, Turbonilla gra- 
cilior, Tapes subundata und unkenntliche, wahrscheinlich zu Natica 
turbilina gehörende Steinkerne gefunden habe. 

Auf dem glimmerreichen Thon liegt eine Mergel- oder Kalk- 
steinschicht, welche durch das erste und häufige Erscheinen der 
Posidonomya Clarae und Turbonilla dubia besondere Wichtigkeit 
erlangt und mit den aufliegenden harten, dünnschichtigen Mergeln 
eine Höhe von wenigstens 15 Meter in Anspruch nimmt. Hierauf tritt 
eine Wiederholung des rothen, schiefrigen, sandigen Mergels von 
21/, Meter Mächtigkeit ein, der nun als Basis für die in ihren petro- 
graphischen Merkmalen sich ähnlich bleibenden und dem ganzen 
Schichtenbaue ein so einförmiges Ansehen verleihenden, bald dick-, 
bald dünnschiehtigen mergeligen Kalken dient, und deren Gesammt- 
mächtigkeit von hier an wieder auf 30—40 Meter geschätzt werden 
kann. Hier im Prechele findet man fast gar keine Versteinerungen; 
mehr schiefrig und reicher an Versteinerungen ergibt sich dieses 
Niveau im Val Serraggere, bei Pozzer, Lovati und Rovegliana. 
Myacites Fassaensis, Pleurophorus Goldfussi, Myophoria ovata, 
Natica turbilina und mehre andere Arten sind häufig, aber selten 
gut erhalten; auch in Kalkstein umgewandeltes Coniferenholz habe 


der Gegend von Recoaro im Vicentinischen. A953 


ich hier gefunden. In diesem Niveau stehen, wenn ich auch das 
Gestein nicht anstehend gesehen habe, die Schichten bei Rovegliana, 
welche durch das häufige Vorkommen von Dadoerinus gracilis, 
Gervillia Albertü, Natica gregaria, Schlangenwülste u. s.w. ausge- 
zeichnet sind. So weit kann das Profil in Le Vallette verfolgt werden; 
die Fortsetzung müssen wir im Prechelegraben selbst suchen. Hier 
sehen wir eine oder einige gegen 1 Meter mächtige Bänke eines 
höchst festen hellgrauen oder gelblichgrauen, auf frischem Bruche 
blaulichgrauen Kalksteins ruhen, der durch eingesprengte Kohlen- 
theile und durch seinen Reichthum an Fossilien so bezeichnet ist, dass 
er mit keinem andern verwechselt werden kann. Im Prechele ist dieses 
Gestein nicht gut zugänglich ; bessere Gelegenheit zumSammeln der hier 
in grosser Menge niedergelegten Versteinerungen wird bei Rovegliana 
im Val Serraggere und in der Schlucht von Rotolone geboten. 

Zwischen dem letzten Sandsteine und diesem Muschelkalk 
treten an mehren Orten, z. B. im Val del Rotolone bei Rovegliana, 
Valli und im Tretto mächtige Lager und Stöcke von Gyps auf. 

Im Val dei Rotolone, zwischen Val Lora und Val del Campo grosso, 
folgt auf die mächtig entwickelten Lagen des bunten Sandsteins ein 
fester, dichter Kalkstein mit dünnen Lagen eines dunkelgrauen Thons, 
in welchen sich dünneLagen dichten Gypses einschieben, die wohl auf 
15 Meter Mächtigkeit mit dünnen Lagen eines dichten, festen, hellen 
Kalksteins wechseln, und dann wohl auf eine Höhe von 30 Meter von 
einem Schichtenwechsel von schiefrigem Gyps, grauem Thon und 
Kalkstein bedeckt und von Muschelkalk überlagert werden, in welchem 
Spirigera trigonella, Spirifer fragilis, Chaetetes Recubariensis, 
Lima striata, Terebratula vulgaris und andere, später ausführlicher 
zu erwähnende Arten recht häufig vorkommen. 

Im Prechele erscheint ferner ein gleich mächtiger, fester dolo- 
mitischer Kalkstein mit Barytspath, durch knotige oder knollige 
Struetur dem thyringischen Wellenkalke ähnlich und mit dunkler 
Farbe verwitternd. 

Bemerkenswerth in diesem Niveau sind auch Ausscheidungen 
von Hornstein, welche von feinen Eisenkiestrümehen durchzogen 
sind, und sogleich an die ähnlichen Erscheinungen in den mittleren 
Schichten des deutschen Muschelkalkes erinnern. 

In den nun folgenden Kalkschichten, welche auf wohl 30 Meter 
Höhe sich zuerst als ein ausserordentlich festes, dichtes, gelblich- 


A9A Schauroth. Übersicht der geognostischen Verhältnisse 


weisses Gestein mit undeutlichen Schichtungsfugen, aber verticaler 
und transversaler Zerklüftung zu erkennen geben, konnte ich keine 
Versteinerungen weiter entdecken. Als die am weitesten reichenden 
Arten habe ich Natica turbilina und Terebratula vulgaris erkannt. 
Nach oben wird der genannte Felsen schiefrig, gewinnt mehr ein 
blauliches Ansehen und wird von einer fast 3 Meter mächtigen Bank 
eines massigen, blaulichgrauen, knotigen Kalksteins bedeckt, auf 
welehen sich wieder kalkige Gesteine schiefriger Natur einstellen. 
Die meisten der eben erwähnten Gesteine über dem eigentlichen 
fossilienreichen Musehelkalk sind in ihrem Äussern den versteine- 
rungsarmen, meist auch versteinerungsleeren Schichten des oberen 
Muschelkalks in Deutschland so ähnlich, dass sie in Handstücken 
nicht leicht von ihm unterschieden werden können. Hier im Prechele 
habe ich die kalkigen Gesteine viel fester als an andern Orten getroffen, 
und ich glaube, dass diese Eigenschaft der Einwirkung der mäch- 
tigen, am Chempele und bei Fongara eingekeilten Trachytmassen 
zugeschrieben werden muss, welche durch ihre Hitze eine Caleination 
der mergeligen Kalke eingeleitet und einen der Erhärtung des 
Cements analogen Process bewirkt haben dürften. 

Mit dem oben erwähnten neuesten Auftreten schiefriger. oder 
dünnschichtiger Gesteine macht sich auch ein Wechsel der Farbe 
und petrographischen Constitution geltend. Es erscheint die rothe 
Farbe und mit ihr ein Übergang, oder wenigstens eine Neigung zur 
Sandsteinbildung oder zu rothen Mergeln, gerade so wie sie im tieferen 
Niveau beim bunten Sandstein schon da gewesen ist. Diese schief- 
rigen, rothen, sandsteinähnlichen Gebilde nehmen überall an den 
Gehängen, auf eine Mächtigkeit von etwa 20 Meter, ihre Stelle 
über den gelb gefärbten Schichten des Muschelkalkes ein. 

Den Schluss dieses so vielfach über einander geschichteten, im 
Allgemeinen aber aus so wenig verschiedenartigem Material aufge- 
bauten Schichtensystems macht noch ein heller, gelblicher oder 
blaulichgrauer, bisweilen glimmerreicher, fester mergeliger, dünn- 
schichtiger Kalk von etwa 7 Meter Mächtigkeit. 

Hiermit schliessen die triassischen Gebilde, und überall, wo 
diese zuletzt genannten Schichten vorhanden sind, werden sie von 
gelblichen Dolomiten, weissen oder röthlichweissen Kalken bedeckt, 
deren Reinheit und Durchscheinenheit sie sofort als alpinisch-jurassisch 
bezeichnen. 


der Gegend von Recoaro im Vicentinischen. A95 


Da eine detaillirte Aufzählung der Schichten eines Profils keinen 
bequemen Überblick gewährt, und ein soleher nur durch Autopsie 
richtig erfasst werden kann, so will ich in gedrängter Form den Bau 
dieser Schichtenreihe wiederholen, und dabei auf die Ansichten ein- 
sehen, welche von italienischen Geologen aufgestellt worden sind. 

Wirft man von einem erhabenen Puncte aus — als welcher der 
das Leogra- und Agnothal trennende Bergrücken, als einen voll- 
ständigen Überblick über das ganze triassische Territorium gewäh- 
rend, am geeignetsten erscheint — einen Blick auf die hohen, den 
Horizont begrenzenden Bergketten, so wird man von einer auffallen- 
den regelmässigen Vertheilung der Farben an den Gehängen über- 
rascht. Die Gipfel der Berge erscheinen hellgrau und zackig, dar- 
unter zieht sich horizontal an den Gehängen hin ein rothes Band, 
tiefer ein graues, welches wieder durch einen rothen Streifen von 
dem eultivirten Fusse der Gebirge und der Thalsohle gesondert ist. 
Die oberste Farbe gehört dem Jura-, die unterste dem Schiefer- 
gebirge, und die drei dazwischen liegenden repräsentiren die Trias. 
Durch diese Farbenzeichnung wird der Name Trias auch hier einiger- 
massen gerechtfertigt und eine Analogie mit der ausseralpinischen 
_ Trias vermittelt. Es zeigt sich nun, dass die mittlere, den Muschel- 
kalk repräsentirende Abtheilung an Breite und Mächtigkeit, durch 
die ausserordentliche Entwickelung der gelben Mergel, die beiden 
rothen Streifen oder die den bunten Sandstein und Keuper a 
tirenden Farben um etwas übertrifft. 

Behalten wir diesen Totaleindruck bei einer Betrachtung des 
Profils bei, so werden wir auch hier den Hauptcharakter leichter 
excerpiren können. 

Bei Ausschliessung des Gypses, als eines Gebirgsgliedes von 
untergeordnetem Range, redueiren sich sämmtliche vorkommende 
Gesteinsvarietäten auf Sandstein, keuperähnliche Mergel oder Röth 
und dolomitische Kalke oder feste Mergel von gelber Färbung. Auch 
in Deutschland charakterisirt sich die Trias im Allgemeinen als ein 
soleher Wechsel, und die Keuperformation kann füglich als eine 
Wiederholung des bunten Sandsteins betrachtet werden. 

Im Vicentinischen sehen wir nun die Trias mit echtem bunten 
Sandstein erscheinen; derselbe beginnt mit einer schwachen Con- 
glomeratschicht, auf welche Sandsteine mit triassischen Pflanzen- 
resten folgen, und welche nach Farbe und Korn einem ähnlichen 


A96 Schauroth. Übersicht der geognostischen Verhältnisse 


Wechsel wie in Deutschland unterworfen sind; auch die rothen 
Thone, der thyring’sche Röth, fehlt nieht. Diese untersten Schichten 
hat man für Steinkohlengebirge, auch für Rothliegendes angesprochen, 
und @Gres del carbon fossile, metassite, arenaria antica, arenaria 
rossa antica und primo gres rosso (Maraschini) genannt. 

Über diesen Sandsteinen beginnen die festen Mergel oder 
dolomitischen Kalksteine, oft noch stark mit Sandsteinmasse. oder 
glimmerreichem Röth vermengt. Durch diese Gesteine wird der 
Übergang zu dem folgenden Muschelkalk vermittelt. Die zuerst 
auftretenden mächtigen, festen, mergeligen, bisweilen oolithischen 
Kalkschichten hat man dem Zechsteine äquivalent erachtet und Calca- 
rea alpina, calcare alpino, prima calcarea grigia (Maraschini) 
bezeichnet. Unter dem letzteren Ausdrucke verstand Maraschini 
das untere Niveau dieser Schichten; das obere, in welehem rothe 
sandige Schiefer mit festen mergeligen Kalken wechseln, und der 
Gyps auftritt, nannte er secondo gres rosso, von Andern wird es 
auch als gres screziato und arenaria variegata bezeichnet. 

Wollen wir die drei Hauptabtheilungen der Trias auch für die 
hiesigen Verhältnisse beibehalten, so wären wir jetzt an der oberen 
Grenze des bunten Sandsteins angekommen. 

Mit dem Erscheinen reinerer, versteinerungsreicher Kalksteine 
mit spärlichen mergeligen Thonschichten beginnt nun der Muschel- 
kalk. Diese versteinerungsreichen Kalke mit einigen mächtigen, 
knotigen und dem deutschen Wellenkalke ähnlichen, auch mit 
Schlangenwülsten und Hornsteinausscheidungen versehenen Bänke 
bedeckt noch ein mächtiges System von dünnschichtigen Kalken, 
welche oft in Handstücken von dem oberen Muschelkalke Deutschlands 
nicht zu unterscheiden sind. Bis hieher rechnet Maraschini seine 
seconda calcarea grigia, welche die Italiener auch als calcare 
conchigliare oder als Muschelkalk anführen. 

Wollen wir noch Etwas für den Keuper übrig behalten, so 
müssen wir hier unsern Muschelkalk aufhören lassen. 

Die obersten der genannten Kalkplatten nehmen Sand und rothe 
Mergelmasse auf, werden glimmerreich und schiefrig und wieder- 
holen bald die rothen Gesteine der unteren Abtheilung, ohne jedoch 
reine Sandsteine zu bilden. Maraschini beschreibt diese Schichten 
als terzo gres rosso, und hielt sie für ein Äquivalent des Quadersand- 
steins; allein die ganze oberste Abtheilung, an deren Schluss noch 


der Gegend von Recoaro im Vieentinischen. A9Y 


einmal gelbe oder graue feste Kalkplatten erscheinen, bildet den 
Theil eines abgeschlossenen Ganzen und steht gewissen Schichten 
der unteren Abtheilung so nahe, dass sie zum Theil ihre Stelle 
gegenseitig vertauschen könnten, ohne dass wir dadurch eine wesent- 
liche Änderung im Profile bemerken würden. 

Die Frage, ob wir es hier überhaupt mit Keuper zu thun haben, 
lässt sich leicht beantworten, wenn wir in den rothen, sandigen, 
versteinerungsleeren Mergeln ein Äquivalent der Keuperformation 
finden wollen; allein auf diese Weise haben wir nur vom petrogra- 
phischen Standpunkte aus einen kleinen Theil des Materials der 
Keuperformation nachgewiesen; und berücksichtigen wir, dass von 
Sandsteinen, wie sie über dem Muschelkalke in Deutschland vor- 
kommen, von den so leicht zu erkennenden Sandsteinen der Letten- 
kohle, dem ihnen ähnlichen unteren Keupersandsteine, von dem durch 
seine Neigung zur Thonquarzbildung charakterisirten mittleren 
Keupersandsteine, von dem grobkörnigen oberen Keupersandsteine, 
von Gypsablagerungen und grauen thonigen Mergelschichten, sowie 
endlich von organischen Überresten keine Spur vorhanden ist, und 
die vorhandenen oberen rothen Mergelschichten in ihrem petrogra- 
phischen Habitus den unteren zum Verwechseln ähnlich sind: so 
müssen wir zu dem Schlusse gelangen, dass eben die Trias in den 
Alpen mit einer eigenthümlichen, jedoch keineswegs befremdenden 
Facies ausgebildet ist, an welcher die einzelnen in Deutschland und 
Frankreich hervortretenden Züge um so weniger ausgeprägt sind, 
je weiter wir uns von jenen Gegenden, in welchen die Gebilde 
als normale bezeichnet worden sind, in südlicher Richtung ent- 
fernen. 

Über die bei Recoaro vorkommenden Trias- Versteinerungen 
haben Catullo, v. Buch und Girard einige Nachrichten gegeben; 
allein dieselben beschränken sich theilweise auf die wenigen, an 
einigen bekannten Fundorten gesammelten, kaum ein Dutzend betra- 
genden häufigsten Arten, theils sind sie mit Unsicherheit oder 
falschen Namen aufgeführt, so dass ein Überbliek über den wahren 
paläontologischen Charakter jener Schichten aus ihnen nicht entnom- 
men werden kann. Ich will daher jetzt alle im Gebiete unserer 
Karte von mir gesammelten und sorgfältig untersuchten triassischen 
Versteinerungen mit Berücksichtigung ihres Vorkommens und ihrer 
nothwendigsten Synonymen aufzählen. | 


A9Ss Schauroth. Übersicht der geognostischen Verhältnisse 


A. Pflanzen 


Es ist bereits erwähnt worden, dass sich im bunten Sandsteine 
kohlige Schichten zeigen; allein ich habe diese Pflanzenreste fast 
durchgängig zu undeutlich gefunden, um sie benennen zu können. 
Nur im Val Prak bei Recoaro in einem Sandsteine, welehen die 
Italiener arenarea antica bezeichnen, kommen deutliche Coniferen- 
reste vor, welche ich zu den Abietineen rechne. Dieselben sind, 
so viel ich weiss, noch nieht bekannt, und ich will sie daher hier, zu 
Ehren des Professors Massalongo zu Verona, welcher sich um die 
fossile und lebende Pflanzenwelt des Vicentinischen grosses Verdienst 
erworben hat, als Palissya Massalongi beschreiben. 


1. Palissya Massalongi m., n. sp. 
Taf. I, Fig. 1. 

Die Blätter dieser Art stehen nach zwei Seiten gewendet; sie 
sind schmal linealisch, etwas sichelförmig abwärts gebogen, einnervig, 
am Ende zugerundet, unten mit einer Kante, oben mit einer Furche 
versehen, und sitzen, wie an einigen Exemplaren zu erkennen ist, mit 
ihrer ganzen dreieckigen Basis auf einem etwas erhöhten, den Stängel 
zur Hälfte umfassenden, am Rande etwas erhabenen Polster. 

Diese Form erinnert zuvörderst an die endständigen Blätter der 
Voltzia heterophylla; allein die zweizeilige Anordnung, die meist 
sichelförmige Biegung und die zugerundete Form der Enden der 
schlanken Blätter, sowie die Abwesenheit kürzerer, anders gestalteter, 
die Voltzia heterophylla bezeichnender Blätter an Exemplaren dieser 
Art unterscheidet sie hinreichend von jener. Von der im Lias der 
Theta bei Baireuth vorkommenden Palissya Braunü Endl., der 
einzigen bis jetzt bekannten Art, weicht sie hauptsächlich durch die 
Zurundung der Blattspitzen ab. Noch mehr Ähnlichkeit zeigt diese 
Pflanze mit Chondrites Targionü und Ch. aequalis; allein das Alter 
des Sandsteins und die Dicke, Zeichnung und Form der schmalen 
Blätter, sowie der holzige Stamm sprechen gegen die Vereinigung 
mit den Algen und für die Verwandtschaft mit den Nadelhölzern. 


2. Voltzia heterophylla Brong., var. brevifolia. 


Diese Pflanze habe ich bisweilen in dem knotigen Muschelkalke 
am rechten Gehänge des Agno und im Val del Rotolone angetroffen; 
auch bei Rovegliana kommt sie vor, von welcher Loealität sie Catullo 


der Gegend von Recoaro im Vicentinischen. A99 


als Cistosevritis nutans (?) Sternb. in den Nuovi annali d. sec. 
nat. di Bologna, 1846, Tab. IV, Fig. 6 beschrieb und abbildete. 

Die Exemplare, welche ich gefunden habe, gleichen jenen von 
Schimperu.Mougeot in ihrer Monographie d. plant. fossil. ete. 
auf den Taf. VI bis IX gegebenen Abbildungen, oder den Varietäten 
mit kürzeren, eiförmigen, lanzetförmigen, meist aber konischen, an 
der Spitze eingekrümmten Blättern; die langblättrige Varietät habe 
ich nicht bemerkt. Diagnose und Abbildungen stecken dieser Art 
weite Grenzen, so dass ich mich gezwungen sehe, unsere Pflanzen- 
reste der Trias hier einzureihen; allein ich kann nicht verhehlen, 
dass ich sie ohne Kenntniss der V. heterophylla wohl zu Ullmannia 
gestellt haben würde, da die dicht beisammen stehenden, dicken, wenig 
spitzen, der Länge nach feingestreiften Blätter jenen von Ullmannia 
Bronni sehr nahe stehen. Nur deutliche Exemplare können weite- 
ren Aufschluss über diese muthmassliche Verwandtschaft mit Ul- 
mannia geben. 


B. Thiere 
I. POLYPEN. 


3. Chaetetes Recubariensis m., n. sp. 
Taf. I, Fig. 2. 

Der Stock dieser kleinen Koralle ist unregelmässig knollig, frei 
oder inerustirend. Die Zellen sind polygonal, der Höhe nach durch 
horizontale Scheidewände getheilt und eng beisammenstehend. Die 
Zellenmündungen sind polygonal oder rund, stehen regellos nebenein- 
ander, haben glatte Ränder und zeigen nur gelegentlich kleine Knöt- 
chen in den Winkeln, wo mehre Zellen zusammentreffen; bisweilen 
lassen sie auch kleine dreieckige freie Räume zwischen sich. 

Diese Koralle steht der Calamopora Cnemidium Klipsteins aus 
den St. Cassianschichten sehr nahe, unterscheidet sich von ihr aber 
dadurch, dass sie nie die jener eigene Form von Onemidium annimmt. 
Im äusseren Habitus gleicht sie auch Geinitzens Alveolites 
Producti aus dem Zechsteine. An der Koralle des Muschelkalkes lässt 
sich wegen der festen Beschaffenheit der Gesteinsmasse zwar nicht 
viel von der innern Structur sehen, doch habe ich an einem auf 
Spirifer fragilis sitzenden Exemplare Scheidewände, nie aber 
Sternlamellen oder Durchbohrungen beobachtet. 


5 0 0 Schauroth. Übersicht der geognostischen Verhältnisse 


Diese Koralle kommt ziemlich. häufig bei Recoaro, besonders im 
Val del Rotolone, in der Trigonellenschicht vor. Dieses Vorkom- 
mens wegen habe ich sie als Chaetetes Recubariensis angeführt. 


4. Montlivaltia triasina Dunker. 
Taf. I, Fig. 3. 

Das Vorkommen einer triassischen Sternkoralle erwähnt zuerst 
Dunker aus dem Muschelkalke von Mikulschütz und Gleiwitz in 
Schlesien; später hat auch Emm erich, wie mir derselbe mittheilte, 
in der unteren Terebratelbank des Muschelkalks von Meiningen eine 
echte Sternkoralle gefunden. Von Montlivatia triasina habe ich ein 
einziges Exemplar in der Trigonellenschicht von Rotolone gefunden ; 
obgleich dasselbe nur zur Hälfte blossgelegt ist und keinen weiteren 
Aufschluss äls die schlesischen, gleichfalls nicht vollständig erhal- 
tenen Exemplare gibt, habe ich doch für gut gehalten, dasselbe 
abzubilden. 

II. STACHELHÄUTER. 


5. Meloerinus triasinus m., n. sp. 
Taf. 1, Fig. 4. 

In den Schiehten mit Dadocrinus gracilis und Gervilleia 
Albertii findet man bisweilen kleine eylindrische Formen von etwa 
1 Millimeter Durchmesser, welche an ihrer Peripherie durch hoch 
wellenförmig gebogene Linien der Länge nach in einzelne, an Höhe 
ihren Durchmesser nicht erreichende Glieder getheilt erscheinen. 
Ich war so glücklich, zwei solcher Ärmehen an einem Bruchstücke 
eines aus Täfelehen zusammengesetzt gewesenen sphäroidischen 
Körpers angewachsen zu finden, und dadurch wenigstens so viel Auf- 
schluss zu erhalten, dass diese gegliederten Formen Arme eines 
Krinoidenkörpers sind, welcher seiner Form nach dem Goldfuss’- 
schen Geschlechte Melocrinus beizuzählen sein dürfte. Es bedarf 
übrigens noch vollständigerer Exemplare, um mit Gewissheit behaup- 
ten zu können, dass dieses bisher nur bis in das Kohlengebirge 
reichende Geschlecht auch in der Trias vertreten sei. 


6. Encrinus liliiformis Lam. 
Goldf. Petref. I, pag. 177, Taf. 54. 
Stielglieder dieser weit verbreiteten Art sind hier im Muschel- 
kalke in verschiedenen Höhen nicht selten, aber nicht so häufig wie 
ausser den Alpen. 


der Gegend von Recoaro im Vieentinischen. 501 


7. Pentacrinus (?) dubius Goldf. 


Goldf. Petref. I, pag. 176, Taf. 53, Fig. 6; bei Catullo, 1. e. Pentacrinites 
scalaris, Taf. 3, Fig. 1. 
Einzelne Stielglieder dieser zweifelhaften Art habe ich auch bei 
Recoaro, z. B. im Muschelkalke von Rovegliana, gefunden. 


8. Encrinus pentactinus Bronn. 
Taf. I, Fig. 5. 
Jahrbuch für Mineralogie, 1837, pag. 30, Taf. 2. 

In der Trigonellenschichte im Val del Rotolone bei Recoaro 
habe ich einzelne Stielglieder und Säulenstückcehen von etwas über 
ein Millimeter Durchmesser gefunden. Diese Säulchen zeigen aussen 
fünf gerundete, durch die Gliederung etwas knotig erscheinende 
Stäbe mit etwas flacheren dazwischen liegenden Furchen oder Hohl- 
kehlen. Die einzelnen Glieder sind weniger hoch als breit. Die 
Gelenkflächen sind so geformt, dass in den fünf die äusseren Stäbe 
bildenden Winkeln etwas erhöhte runde Knöpfe stehen, welche sich 
der gleichfalls etwas hervorstehe den Mitte anschliessen; jedes 
Blatt oder jeder Strahl des so enstiehenden Sternes ist auf jeder 
Seite mit etwa fünf Kerben versehen; die Flächen des Raumes 
zwischen den Strahlen liegen ein wenig tiefer. 

Einige mehr fünfseitige Exem lare haben die Erhabenheiten 
auf den Gelenkflächen weniger deutlich und erscheinen selbst oben 
mit undeutlicher Zeichnung der Blätter, so dass Übergänge zur 
vorigen Art oder Form entstehen. 

Obgleich die vorliegenden Exemplare von der Bronn’schen 
Abbildung darin abweichen, dass die Sculptur der Gelenkflächen 
kräftiger hervortritt und ein regelrechter Grössenunterschied unter 
den einzelnen beisammenstehenden Säulengliedern nicht zu bemerken 
ist, so glaube ich doch, dass sie hierher gerechnet werden müssen. 

Die Abbildung gibt das von der Bronn’schen Zeichnung am 
meisten abweichende Exemplar; andere stehen ihr viel näher; alle 
sind übrigens mit einem engen, runden, centralen Canal versehen. 

Im Muschelkalke des Tretto fand ich auch ein vierseitiges 
Säulenstückehen. Solche vierkantige Crinitensäulen bildete Catullo 
in den „Nuovi annali di Bologna, 1846,“ Taf. 3, Fig.5 ab, und 
machte daraus schon im Jahre 182% in seiner Zoologia fossile ein 


502 Schauroth. Übersicht der geognostischen Verhältnisse 


neues Geschlecht, welches er Tefracrinites nannte. Schon früher 
sprach sieh Bronn dahin aus, dass diese vierkantigen Säulen nur 
als Monstrositäten zu betrachten seien, was Catullo widersprach, 
in der neuesten Auflage der Lethäa aber wiederholt wird. Das vor- 
liegende Exemplar zeigt keine Gelenkflächen, sondern den Bruch des 
Kalkspaths mit einem kleinen, runden, dunkelgefärbten Punkte in der 
Mitte (Canal), ganz wie bei Stielgliedern von Enerinus lilüformis; 
der Querschnitt dieses Säulenstückehens ist nicht rein quadratisch 
und die 5—6 Millim. messenden Seiten sind nach aussen etwas 
convex. Ich schliesse mich hier der Bronn’schen Ansicht an, halte 
diese Tetracriniten für Monstrositäten und rechne das vorliegende 
Exemplar seines grossen Durchmessers wegen zu E. liliiformis. 


9. Dadoerinus gracilis Buch, sp. 


Palaeontogr. Bd. I, pag. 267, Taf. 31, Fig. 2; bei Catullo Pentacrinites subteres 
in den Nuovi annali di Bologna 1846, Taf. 3, Fig. 3. 

Solche Stielglieder und schlanke Säulenstücke finden sich in 
grosser Anzahl im Niveau der @Gervslleia Albertü. Diese Reste 
liegen hier meistens dicht in einer Lage angehäuft, so dass man an 
Handstücken gewöhnlich die eine Seite mit Bruchstücken dieser Art, 
die andere Seite mit Gervilleia Albertiü, Pecten discites, Euspira 
gregaria und anderen dieses Niveau bezeichnenden Couchylien, über 
welche sich gelegentlich die bekannten Schlangenwülste hinziehen, 
bedeckt sieht. 

Als die reichste Fundstätte dieser Art habe ich den Muschel- 
kalk bei Rovegliana kennen gelernt. 


10. Cidaris sp.? 


Dass im alpinischen Muschelkalke auch Cidariten vorkommen, 
beweist eine kleine Warze, welche ich in der Trigonellenschichte 
von Rotolone gefunden habe. Diese Warze zeigt in der Mitte ein 
kleines kugelförmiges Gelenkknöpfehen, welches mit einem Kreise 
von Körnchen umgeben ist. Hiermit wird wohl die Anwesenheit. 
dieses Geschlechtes dargethan; über die Art, welcher dieser Schalen- 
rest angehöre, bleiben wir aber in Ungewissheit; doch vermuthe 
ich, dass sie eher der Cidaris transversa als Cidaris grandaevus 
angehören möge. 


der Gegend von Recoaro im Vicentinischen. 503 


III. ANNELIDEN. 


11. Spirorbis Valvata Goldf., sp. 
Goldf. Petref. I, pag. 225, Taf. 67, Fig. 4. 

Individuen dieser Art sitzen häufig auf anderen Conchylien, 
besonders auf Terebratula vulgaris und Spirigera trigonella, in 
den verschiedenen Versteinerungen führenden Schichten des Muschel- 
kalkes, z. B. bei Rovegliana. Von den Thyring'schen Exemplaren 
unterscheiden sich diese durch etwas geringere Grösse. 


IV. MUSCHELTHIERE. 


a. Braehiopoden. 


12. Terebratula vulgaris Schloth. 
Schlotheim’s Petrefaetenkunde, pag. 275, Taf. 37, Fig. 5—9. 


Diese Terebratel geniesst überall in verticaler und horizontaler 
Richtung die weiteste Verbreitung. Sehr häufig und in allen von 
v. Schlotheim gegebenen Formen begegnen wir ihr zuerst in den 
tieferen Muschelkalklagen bis in die höchsten Schichten, welche 
noch Versteinerungen führen. 

Wie so viele in grosser Menge vorkommende Conchylien zeigt 
diese Art eine grosse Veränderlichkeit ihrer Form. Viele dieser 
Varietäten hat Schlotheim in seinen Beiträgen zur Petrefacten- 
kunde gut abgebildet. Auch die beiden folgenden Arten schliessen 
sich durch Übergangsformen der T. vulgaris so eng an, dass man, 
besonders wenn Exemplare von verschiedenen Fundorten zum Ver- 
gleichen zu Gebote stehen, sich leicht davon überzeugen dürfte, dass 
auch diese Formen füglich als Varietäten der 7. vulgaris betrachtet ' 
werden können. Rücksichtlich der Grösse sind dieser Art ebenfalls 
weite Grenzen gesteckt; im Coburg’schen Muschelkalke kommen 
sehr grosse Individuen vor (Dr. Berger daselbst besitzt ein Exem- 
plar von 45 Millim. Breite) und Terebratula macrocephala Catullo's 
aus dem Muschelkalke im Cadorino (nuovi annali di Bologna, 1846, 
Taf. 1, Fig. 5) dürfte nur ein grosses, so wie dessen T. amygdala 
(l.e. Taf. A, Fig. 2) ein verlängertes Individuum von T. vulgaris sein. 
Manche Exemplare sind durch radiale farbige Linien oder flacheKanten 
ausgezeichnet, welche v. Buch als Schlotheim’s Terebratulites 
radiatus erwähnt, aber von Scehlotheim in seiner Petrefaeten- 
kunde p. 285 aus dem Jurakalke eitirt werden. 

Sitzb. d. mathem.-naturw. Cl. XVII. Bd. III. Hft, 33 


504 Schauroth. Übersicht der geognostischen Verhältnisse 


13. Terebratula angusta Schloth. 
v. Schlotheim’s Petrefaetenkunde, pag. 285; Dunker in Palaeontograph. 

Vol. I, pag. 285, Taf. 34, Fig. 1. 

Hierher gehörige Formen findet man nicht selten in der Tri- 
gonellenschicht von Recoaro und Rotolone. Auch im Muschelkalke 
in Coburg finden sich, besonders in der oberen Terebratelschicht, 
Individuen mit schärferem Rücken, mit einer vom Wirbel der kleine- 
ren Schale ausgehenden Furche und einer Bucht in der Linie des 
vorderen Schalenrandes, welche Übergänge zur ausgesprochenen 
Form der T. angusta bilden. 

Wenn Terebratula vulgarıs die mehr flachen und furchen- 
losen Individuen mit ziemlich rundem Umrisse der Schalen ver- 
einigt, so bildet die folgende Form durch ihre Aufgetriebenheit und 
durch die wohlausgeprägten Furchen den Gegensatz zu dieser, und 
T. angusta steht in Bezug auf diese Eigenschaften in der Mitte. 


14. Terebratula suleifera m., n. sp. 
Taf. I, Fig. 6. 

Diese Terebratel hat eine aufgeblasene, der Terebratula 
sufflata des Zechsteines ähnliche, etwas kugelige Gestalt, aus 
welcher der schön gewölbte, mit dem runden Loche versehene 
Schnabel der grossen Schale über die kleine Schale hinabreicht, 
so: dass nur ein geringer Zwischenraum zwischen dem Schnabel 
der ersteren und dem Wirbel der letzteren bleibt. Beide Schalen 
sind, ausser gelegentlichen feinen Zuwachsstreifen, glatt und durch 
_ eine wohlausgeprägte schmale Rinne ausgezeichnet, welche. vom 
Wirbel und vom Schnabelloche an in gleicher Breite über die Mitte 
der Schalen bis an den gegenüberliegenden Rand sich erstrecken. 
Während T. angusta eine weniger gewölbte kleine Schale ' mit 
einer vom Wirbel ausgehenden Furche und eine hohe, fast gekielte 
grosse Schale mit eingekrümmtem Schnabel hat, zeichnet sich diese 
Form durch mehr Aufgetriebenheit und die Rinne auf beiden Scha- 
len aus. 

Das hier abgebildete Exemplar misst 6 Millim. Übrigens gibt 
es auch grössere Individuen, an welchen die Rinne sich verflacht, 
und ein Übergang zu 7. vulgaris vermittelt wird. Auch lässt sich 
an manchen scharfrückigen Exemplaren der T. angusta eine feine 


der Gegend von Recoaro im Vicentinischen. 505 


Rinne auf der Firste wahrnehmen, so dass man alle drei Arten in 
Verwandtschaft treten sieht, und zwar so, dass die letztere der 
T. angusta näher zu stehen kommt, als diese der T. vulgaris. Da diese 
beiden Extreme und 7. angusta als Übergangsform nicht vereinzelt 
stehende, sondern constante Formen bilden, habe ich vorgezogen, sie 
als Arten aufzuführen, und es einem Jeden zu überlassen, die beiden 
letzten Arten als solche oder als Varietäten zu betrachten. 

Über Catullo’s Spirifer integrus, den Girard im Neuen 
Jahrbuche für Mineralogie ete.1843, p. 474 als Terebratula integra 
anführt, kann ich aus Autopsie kein Urtheil fällen, kann aber nicht 
unterlassen, die Vermuthung auszusprechen , dass sie eine Varietät 
der Terebratula vulgaris sei. 


15. Terebratula deeurtata Girard. 
Girard im Jahrb. für Min. 1843, pag. 474, Taf. 2, Fig. A. 
Diese Terebratel beschreibt Girard am bezeichneten Orte 
und erwähnt ihr Vorkommen von Tarnowitz in Schlesien und von 
Rovegliana; allein ich habe sie in unserem Terrain nicht finden können. 


16. Spirigera trigonella Schloth., sp. 
Taf. 1, Fig. 7. 
Terebratulites trigonellus aus der Friedriehsgrube von Tarnowitz in Schlot- 
heim's Petrefactenkunde pag. 271. 
Terebratula aculeata, Catullo, Saggio di Zoologia fossile, pag. 129, Taf. 1, 
Fig. B und b; dessgl. in Nuovi annali delle seienze natur. di Bologna. Fasc. 
di Febraio 1846, Taf. 1, Fig. 6 a, b, e. 
Terebratula trigonella, Catullo am eitirten Orte, Taf. 1, Fig. 7 a, b, e. 
en bicostata, Catullo 1. e. Taf. 1, Fig. A, 1; und Catal. d. sp. org. 
foss. d. alpi venete, 1842. 
= trigonelloides Strombeck; v. Strombeck in der Zeitschrift 
der deutschen geologischen Gesellschaft, Band 2, pag. 186. 

Diese Form und eine sehr ähnliche aus dem Jura hat von 
Schlotheim als Terebratulites trigonellus zusammengeworfen. 
Auf diese Weise sind sie als eine Art betrachtet worden, bis von 
Strombeck an dem bereits angeführten Orte nachgewiesen hat, 
dass sich die Form des Muschelkalks durch verhältnissmässige grös- 
sere Breite und stumpferen Winkel am Schnabel von jener der Jura- 
formation unterscheidet. Wenn schon die äussere Gestalt die Richtig- 
keit der von Strombeck'schen Ansicht verbürgt, so wird dieselbe 
durch die Verschiedenheit der inneren Einrichtung der Schalen noch 


33* 


’ & - . . „ . 
506 Scehauroth. Übersicht der geognostischen Verhältnisse 


bestätigt. Schon von Strombeck führt an, dass an jeder Seite der 
grossen Schale sich ein in die kleine Schale eingreifender Zahn be- 
finde; ausserdem stehen aber auch in der grossen Schale zwei Dental- 
platten, welche, vom Loche anfangend, eine in jede der mittleren 
Furchen, die den äusseren Rippen entsprechen, auf kurze Entfernung 
sich gegen den andern Rand hin erstrecken. Wenn nun von Strom- 
beck nichts von einem Gerüste entdecken konnte, so war ich so 
glücklich, bei Recoaro zwei Exemplare zu finden, an welchen zwei 
von der Mitte nach rechts und links konisch sich verjüngernde, aus 
8 Windungen bestehende Spiralen deutlich zu unterscheiden sind. 
Hierdurch erfahren wir, dass unsere Muschel zu den Spiriferiden und 
zwar zu dem von d’Orbigny aufgestellten Geschlechte Sperigera 
gehört. | 

Der von v. Strombeck gegebenen ausführlichen Beschreibung 
dieser Art babe ich nur noch hinzuzufügen, dass das Loch in der 
Ventralschale durch ein Deltidium von der kleineren oder Dorsal- 
schale getrennt ist, wie es der unter a gegebenen Abbildung ent- 
nommen werden kann. 

Nach v. Strombeck gehört diese Art im nordwestlichen 
Deutschland den mittleren Lagen der mittleren Abtheilung an. Bei 
Tarnowitz liegt sie in den untersten Schichten des Muschelkalkes, 
dem über dem bunten Sandsteine liegenden Sohlensteine, und bei 
Recoaro charakterisirt sie ebenfalls die unteren Muschelkalklagen; 
wesshalb ihr also eine nieht unbedeutende verticale Verbreitung 
zukommt. 


17. Spirifer fragilis Schloth., sp. 


Delthyris fragilis, Zenker im Jahrbuche für Mineral. 1834, Taf. 5, Fig.1—4, 
p- 391. 

Diese Art erscheint fast überall als Begleiter der Spirigera 
trigonella, aber nicht gleich häufig; am häufigsten im Val del Rotolone 
in den schon mehrfach erwähnten Schichten, wo sie gewöhnlich 
auf unebenen Platten zur Hälfte durch die Atmosphärilien frei gelegt, 
in allen Alterstufen von 2—20 Millim. Breite zu beobachten ist. 
Erwachsene Individuen lassen an der Bauchschale oder grösseren 
Klappe 14 Rippen zählen, während jüngere nicht so reich an Rippen 
sind und ihre Zahl sich nur auf 6, 8 oder 10 beläuft. Solche kleinere 
Individuen können, wenn die flachen Flügel noch im Gestein verborgen 


der Gegend von Recoaro im Vicentinischen. 507 


sind, wo dann auch der gerade Schlossrand der Muschel verschwindet, 
leicht mit Terebratula decurtata. Gir. verwechselt werden; diese 
letztere Art habe ich jedoch hier nicht finden können. 


18. Spirifer Mentzeli Dkr. 
Taf. I, Fig. 8. 
Dunker in Palaeontographiea, Bd. 1, pag. 287, Taf. 34, Fig. 17, 18, 19. 


Von dieser Muschel erhielt Dunker fünf nicht wohl erhaltene, 
zum Theil in verkieseltem Zustande befindliche Exemplare aus dem 
Muschelkalke von Tarnowitz. Auch beiRecoaro habe ich in der Trigo- 
nellenbank drei Exemplare dieser Art gefunden, welche zum Theil 
die Dunker’sche Beschreibung vervollständigen können. Das eine 
dieser Exemplare misst 6 Millim., die beiden andern messen 17 Millim. 
in der Breite; die Länge der letzteren beträgt 10 Millim. Am besten 
wird die Form der Muschel durch Fig. 17 der Dunker’schen Abbil- 
dungen veranschaulicht. In Rücksicht auf den inneren Bau der Schale 
lässt sich aus den vorliegenden Exemplaren entnehmen, dass von der 
dreiseitigen Öffnung der grossen Schale aus zu jeder Seite eine Platte 
gegen den Rücken der Schale sich erstreckt, und diese dort mit einer 
von der Spitze des Schnabels anfangenden und bis zur Mitte des 
Rückens fortsetzenden Medianplatte zusammentreffen; eine ähnliche 
aber minder erhabene Verstärkung kommt der kleinen Schale zu, so 
dass, wenn man das Geschlecht dieser Muschel genau bestimmen 
wollte, sie zu Martinia M’ Coy's gerechnet werden müsste. Dieses 
jedoch noch nicht hinreichend präeisirte Geschlecht bildet gleichsam 
einen Übergang von Spirifer zu Atrypa oder Athyris, indem es mit dem 
ersteren Form der Area und Spaltöffoung, mit dem letzteren allgemeine 
Form des Umrisses gemein hat, aber sich von ihm durch den nicht 
durehbohrten Schnabel unterscheidet. 

Ein anderes, noch nicht beachtetes Merkmal, welches diese Art 
vorzugsweise charakterisirt, sehen wir in der äusseren Bekleidung 
der Klappen, welche nämlich mit dicht stehenden, haarfeinen, an den 
grösseren Exemplaren eine Länge von 4 Millimeter erreichenden 
Stacheln, ähnlich dem Productus punctatus des Bergkalks oder der 
Martinia Winchiana des Zechsteins besetzt sind; die Stächelchen 
sind jedoch nur an der Grenze zwischen Schale und Nebengestein, 
hier aber deutlich zu bemerken. 


508 Scehauroth. Übersicht der geognostischen Verhältnisse 


So lange das Geschlecht, welchem diese Art zugehört, noch 
nicht mit Sicherheit angegeben werden kann, dürfte es am besten 
sein, sie bei Spirifer stehen zu lassen. 

Hierher gehört auch Catullo's Terebratula cassideaD alm. in den 
Nuovi annali di Bologna, 1846, Taf. IV, Fig. 4 a—f, zum wenig- 
sten die Figuren «a, b und ec. Über 7. cassidea Dalmann’s konnte 
ich niehts Näheres erfahren; die Catullo’schen, 2 Arten umfassen- 
den Abbildungen sind zu undeutlich, auch ist der Dunker’sche Name 
schon allgemein so bekannt, dass dem Catullo’schen Namen nicht 
wohl die Priorität zukommen kann. 


b. Lamellibranchier. 
19. Pecten diseites Schloth., sp. 
Pleuronecetites diseites, v. Schloth. Petref. p. 218, Taf. 35, Fig. 3. 

Diese an anderen Orten im unteren Muschelkalke häufig erschei- 
nende Art zeigt sich auch im Vicentinischen nicht selten im Niveau 
des Dadocrinus gracilis mit Gervilleia Albertü, Dentalium laeve, 
Terebrateln und andern schon mehrfach angeführten Versteinerungen 
besonders bei Rovegliana. Sie erreicht nie eine bedeutende Grösse. 


20. Lima striata Schloth., sp. 
Chamites striatus, Schloth. Petref. p. 210, Taf. 34, Fig. 1. 


Diese Art habe ich bei Rotolone in Begleitung von Spirifer 
fragilis, Chuaetetes Recubariensis, Terebratula vulgaris ete., also 
in den unteren Lagen gefunden; auch aus dem Tretto habe ich sie 
erhalten. 


21. Spondylus comtus G oldf. 
Ostraeites spondyloides, Schloth.Petref. p. 239, Taf. 36, Fig.1. 
Ostrea comta, Goldf. Petref. II, pag. 4, Taf. 72, Fig. 6. 
Spondylus comtus, Goldf. Petref. II, pag. 93, Taf. 105, Fig. 1. 
Mit voriger Art, aber seltener, findet sie sich bei Rotolone und 
im Tretto. 


22. Ostrea sp.? 


Eine im Tretto gefundene, auf Spondylus comtus aufgewachsene 
kleine Austerschalemit undulirtem, aufrechtstehendem, scharfem Rande, 
das einzige mir vorgekommene Exemplar, beweiset, dass hier auch die 
Austern nicht fehlen. Die Art, welcher diese Schale angehört, lässt 
sich nicht mit Sicherheit angeben. 


0 D .. . 
der Gegend von Recoaro im Viecentinischen. 509 


23. @ervilleia costata Schloth., sp. 

Mytulites costatus, Sehloth. Petref. pag. 298, Taf. 37, Fig. 2. 

Diese Art erscheint bisweilen in den unteren Muschelkalklagen 
mit Schlangenwülsten, Gervilleia Albertü ete. im Tretto und bei 
Rovegliana. Die hier vorkommenden Exemplare habe ich aber nie 
von der Grösse gesehen, welche sie in Thüringen erreichen; während 
dort die enggerippten Varietäten mit 40 und mehr Lamellen vorherr- 
‚schen, gehören diese hier zu den Seltenheiten, indem hier gewöhn- 
lieh 10—12 eoncentrische Lamellen zu zählen sind. Alle Individuen 
haben auch eine mehr in die Länge gezogene Form. 


24. Gervilleia socialis Schloth., sp. 


Mytulites socialis, Sehlo th. Petref. pag. 294. Taf. 32, Fig. 1. 
Cfr. Avicula bipartita Mer. in Eseher v. d. Linth’s geol, Bemerkungen 
über das nördl. Vorarlberg, Taf. 4, Fig. 15—28. 

Diese Art, welehe mehr den höheren Lagen des Muschelkalks 
angehört, habe ich im Vicentinischen nur in wenigen deutlichen Exem- 
plaren gefunden; doch erwähnen sie v. Buch, Catullo und Girard, 
so dass an deren Anwesenheit nicht zu zweifeln sein dürfte. 


25. &ervilleia Albertii Münst., sp. 
Taf. I, Fig. 1. 
Avieula Alberti,Münst. in Goldf. Petref. II, pag. 127, Taf. 116, Fig. 9, und 
Gervillia Albertii, Credner im Jahrbuch für Mineralogie1851, pag. 654, 
Taf. 6, Fig. 7. 

Diese Art kommt häufig in den unteren Lagen des Muschel- 
kalks mit Dadocrinus gracilis vor und erreicht hier eine Länge 
von höchstens 30 Millimeter. In den grössten Exemplaren erscheimt 
sie bisweilen etwas gewunden und wird dadurch der @ervilleia 
socialis ähnlich, so dass ich vermuthe, sie möchte für diese ange- 
sehen worden sein; auch mit Dunker’s, bis jetzt nur dem Namen 
nach bekannter Modiola Credneri entwickelt sie, besonders gegen 
das hintere Ende hin, nicht unbedeutende Ähnlichkeit, und eine 
rechte, die innere Seite zeigende Schale von Rovegliana lässt weder 
Schlosszähne noch Ligamentgruben, sondern nur eine dem geraden 
Schlossrande entlang laufende Rinne erkennen, so dass ich desshalb 
über das Geschlecht dieser Art zweifeln möchte, und auch schon 
glaubte, sie sei mit Modiola Credneri zu verbinden; allein an meh- 
reren mir von Herrn Dr. Berger gefälligst zur Ansicht mitgetheilten 


510 Sehauroth. Übersicht der geognostischen Verhältnisse 


Exemplaren dieser Art konnte ich entnehmen, dass sich Gervilleia 
Albertii äusserlich von ihr besonders am vorderen Flügel, welcher 
hier immer spitzer, flacher und grösser ist, so wie durch die mehr 
ausgebuchte Hinterseite unterscheidet. 


26. Posidonomya Clarae Emmrich. 


Emmrieh im Jahrbuche für Mineral., 1844, pag. 797 und 1849, pag. 441; 
abgebildet nBronn’s Lethaea, Taf. XI, Fig. 9. 

Bei Catullo: Posidonomya Bechert Bronn, in Nuovi annali d. se. n. di 
Bologna, tav. 2, fig. 4; und Posidonomya radiata Goldf., I. c. Taf. 2, 
Fig. 5. 

Diese bald über. dem Sandsteine oder dem eigentlichen bunten 
Sandsteine auftretende Muschel, welche als wahre Leitmuschel von 
der grössten Wichtigkeit ist, behauptet auch im Vicentinischen überall 
ihr festes, die ganzen Alpen durchgreifendes Niveau. Hier habe ich 
sie nicht wohlerhalten gefunden; in Form und Grösse weicht sie von 
den Exemplaren anderer Localitäten nicht ab. 


27. Avicula Albertii Münst., sp. 
Pecten inaeqguistriatus Münst. in Go ldf. Petref. II, pag. 42, Taf. 89, Fig. 9. 


Diese Muschel in Begleitung von Terebratula vulgaris, Lima 
striata, Pecten discites u. s. w. habe ich aus dem Val Serraggere, 
von Rovegliana und dem Tretto. Sie erreicht hier eine bedeutendere 
Grösse, als wie ich sie aus Thüringen, Braunschweig und Baden ° 
kennen gelernt habe; auch lassen diese Exemplare in der Zeichnung 
der Schalen einige Abweichungen von den Beschreibungen erkennen, 
welche jedoch lediglich aus dem besseren Erhaltungszustande zu 
erklären sind. Während nämlich die deutschen Exemplare als mit 
dichtstehenden, abwechselnd stärkeren Rippen und mit concentrischen 
Anwachsstreifen am Rande versehen beschrieben worden sind, tritt 
hier der regelmässige Wechsel von stärkeren und schwächeren Rippen 
ganz zurück und machen sich die concentrischen Zuwachsstreifen 
als zierliche, eng gestellte scharfe Leistchen geltend, welche ohne 
Unterbrechung über die radialen Rippen fortsetzen. Dass die in Rede 
stehende Form mit der deutschen zu identifieiren sei, unterliegt 
keinem Zweifel, da die deutschen Exemplare, wenn sie gut erhalten 
sind, dieselbe Zeichnung erkennen lassen. 


der Gegend von Recoaro im Vicentinischen. 511 


28. Modiola hirudiniformis m., n. sp. 
Taf. II, Fig. 2. 

In Begleitung von @ervilleia Albertii und der folgenden Art 
findet sich häufig eine ähnliche, aber kleinere und weniger constante 
Form. In Rücksicht ihres gemeinschaftlichen Vorkommens glaubte ich 
erst, sie für junge Individuen der @. Albertii halten zu müssen; allein, 
obgleich ich kleine Individuen dieser Art nicht erkannt habe, so 
fehlen die Grössenübergänge von @. Albertii zu unserer Art, indem 
die grössten Individuen dieser kleinen Art immer den Charakter der 
kleinsten Individuen bewahrt haben. 

Die Horizontalprojection dieser Muschel bildet ein Dreieck, 
dessen kleinster Winkel 20—30° misst. Dieses Dreieck ist in der 
Weise modifieirt, dass der am vorderen Ende der geraden Schloss- 
linie liegende Winkel oder die vordere Spitze zugerundet, bei einiger 
Verdeckung der Basis selbst abgestutzt ist und der Winkel, welchen 
der Bauchrand und der hintere Rand machen, in schönem hohen 
‚Bogen zugerundet erscheint. Es erheben sich daher die Klappen von 
der Spitze an sehr schnell in einem dem Bauchrande parallelen, hohen 
und schmalen Rücken, welcher durch einen tiefliegenden, flachen, 
breiten Flügel mit dem Schlossrande in Verbindung tritt und etwa am 
Ende des ersten Drittels, vom Wirbel an, seine grösste Höhe 
erreicht. Die Schale ist aussen glatt, indem feine concentrische 
Linien oder Anwachsstreifen, wie an einigen Stellen der besseren 
Exemplare zu sehen ist, durch die Atmosphärilien verwischt sind; 
stärkere Wachsthumsstufen sind selten. Bei der Verwitterung macht 
sich bisweilen eine radialfaserige Structur der Schale bemerkbar, 
aber nie so charakteristisch, wie bei der folgenden Art. 

Da der flache Flügel meist durch die Gesteinsmasse verdeckt 
ist, so bleibt gewöhnlich nur der gerundete, lange, schmale Rücken 
sichtbar, so dass diese Form wie ein kleiner egelähnlicher, auf dem 
Gesteine liegender Wulst erscheint und daher nicht unpassend als 
hirudiniformis bezeichnet werden dürfte. Manche Individuen sind aber 
wirklien sehr schmal und dann der Modiola Credneri ähnlich, von 
welcher sie sich aber durch gewundeneren und höherenRücken unter- 
scheiden; die folgende Art hingegen ist immer aufgetriebener und 
breiter. 

Da sich an keinem dieser Exemplare der Schlossbau beobachten 
liess, so konnte ich natürlich nur nach der äusseren Form auf das 


5 1 2 Sehauroth. Übersicht der geognostischen Verhältnisse 


Geschlecht dieser Muschel schliessen. Dass ich sie nicht zu den 
ähnlichen Formen von Gervilleia gestellt habe, dazu veranlasste 
mich die am vorderen Rande sich schnell erhebende Schale, die nicht 
ausgebuchtete hintere Seite, welcher zufolge die Zuwachsstreifen 
sich am Schlossrande nicht nach hinten wenden, und die gleiche 
oder doch fast gleiche Form der beiden Klappen. 


29. Modiola substriata m., n. sp. 
Taf. II, Fig. 3. 

Im Trigonellenkalke bei Recoaro habe ich auch noch zwei nicht 
ganz frei liegende Exemplare einer Modiola gefunden. 

Der Umriss dieser Muscheln ist überall zugerundet, in die 
Länge gezogen eiförmig, der Bauchrand ist concav-geschwungen, 
der hintere Rand zugerundet, der Schlossrand wenig gerade und der 
vordere Rand oder die Wirbelgegend ebenso zugerundet wie der 
hintere, aber schmäler. Die Wirbel liegen fast ganz in der Spitze 
und sind wenig bemerkbar. Die ganze Muschel ist etwas gewölbt 
und aufgetrieben. Die Oberfläche ist etwas rauh (vielleicht nur durch 
die Verwitterung), mit wenigen Zuwachsstufen versehen, unter der 
Loupe aber erscheint sie mit feinen concentrischen und feinen radialen 
Linien geziert, welche letztere mit der Struetur der Schale im 
Zusammenhange stehen, bei der Verwitterung, besonders auf dem 
Rücken, deutlich hervortreten und sehr bezeichnend sind. 

Dr. Berger, welcher meine von Recoaro mitgebrachten 
Gegenstände öfters zu sehen Gelegenheit hatte, zeigte mir auch 
einige Exemplare aus dem Muschelkalke von Coburg, welche jeden- 
falls hierher zu rechnen sind. 


30. Pleurophorus 6oldfussi Dkr., sp. 
Taf. IL, Fig. A. 


Modiola Goldfussi, Dunker’s Schulprogramm, Cassel 1849, pag. 11, und 
Palaeontographica, Bd. I, pag. 297. 

Modiola Gastrochaena, Dunker in: Arbeiten der schlesischen Gesellsch. 
für vaterl. Cultur, 1849, pag. 72, und Palaeontographica, Vol. I, pag. 296, 
Taf. 35, Fig. 13. 

Myophoria modiolina, Dunker’s Schulprogramm, 1849, pag. 15. 

Modiola Thilaui, v. Strombeck in der Zeitschrift der deutsch. geol. 
Gesellsch. Vol. II, pag. 90, Taf. 5, Fig. 1 und 2 (z. Th.?). 

Cfr. Cardinia sp.? in Escher v.d. Linth’s geolog. Bemerk. über das nördl. 
Vorarlberg, Taf. 4, Fig. 34—37. 


der Gegend von Recoaro im Vicentinischen. 513 


Durch die Güte Herrn v. Strombeck’s war es mir vergönnt, 
. die Originale, nach welchen derselbe diese Muschel beschrieben hat, 
zu sehen. v. Strombeck führt schon an, dass der starke vordere 
Muskeleindruck und die dicke Schale der Muschel nicht recht in 
die Geschlechts - Diagnose von Modiola passen wollen. Die Dünne 
der Schale und der äusserliche Sitz des Schlossbandes der so nahe 
stehenden Cardiomorpha schliesst auch dieses Geschlecht aus; bringen 
wir aber die hinter dem Muskeleindrucke vom Wirbel rechtwinkelig 
ausgehende — doch einigen Abweichungen unterworfene — Leiste 
im Innern der Schale in Anschlag, und deuten wir die an Hohl- 
drücken sichtbaren kleinen Vertiefungen unter dem Wirbel als 
Schlosszähnchen — von welchen bei Pleurophorus zwei in jeder 
Schale sich befinden, die in einander eingreifen — und betrachten 
wir die längliche Furche am Ende des Schlossrandes als hinteren 
Zahn, so müssen wir diese Art dem King’schen Geschlechte 
Pleurophorus zurechnen. Ja, in der That stimmen diese Hohldrücke, 
wie auch die aus dem Muschelkalke des Coburg’schen, mit jenen 
des Pleurophorus costatus aus dem Zechsteine von Gera, welche 
ich Gelegenheit hatte zu vergleichen, vollkommen überein. Diese 
Zechstein - Form gleicht aber auch im ganzen äusseren Habitus 
und selbst in den Varietäten so sehr der Form des Muschel- 
kalks, dass man versucht sein möchte, beide für eine und dieselbe 
Art zu halten, wenn nicht Pleurophorus des Zechsteins in der 
Regel durch. einige vom Wirbel dem hinteren Rande zulaufende 
Rippen, welcher Charakter bei der Form des Muschelkalks bis jetzt 
noch nicht beobachtet worden ist, und Pleurophorus des Muschelkalks 
durch die meistens kräftig entwickelte vom Wirbel dem unteren 
Theile des hinteren Randes zulaufende Kante hinreichend ausge- 
zeichnet wäre. Desshalb habe ich diese Art zu Pleurophorus ver- 
setzt, und daDunker angibt, dass seine Modiola Gastrochaena 
nur junge Individuen von seiner Modiola Goldfussi und diese letzteren 
mit v. Strombeck’s Modiola Thilaui identisch seien, so habe ich 
sie nach dem Rechte der Priorität als Pleurophorus Goldfussi Dkr. 
sp. angeführt. 

Pleurophorus Goldfussi erscheint im Vicentinischen zuerst im 
Niveau der Posidonomya Clarae, z. B. im Val dell’Erbe und Val 
Serraggere, und geht bis in den eigentlichen Muschelkalk, z. B. bei 
Rovegliana, hinauf. 


51A Scehauroth. Übersicht der geognostischen Verhältnisse 


Die grosse Formenverschiedenheit der Individuen dieser Art, 
mit welcher die verschiedenen Benennungen der Muschel im Zusam- _ 
menhange steht, ist auch im Vicentinischen bemerkbar: es gibt kleinere 
Exemplare von der Form der M. Gastrochaena, grössere, ähnlich der 
Modiola Thilaui, und andere mit mehr parallelen längeren Rändern, 
welche hauptsächlich als Steinkerne im eigentlichen Muschelkalke 
vorkommen und bis 30 Millim. Länge erreichen. 


31. Mytilus eduliformis Schloth., sp. 
Taf. II, Fig. 5. 
Mytilus eduliformis, Sehloth. Petref. pag. 299, Taf. 32, Fig. 4. 
»„  vetustus, Goldf. Petref. II, pag. 169, Taf. 128, Fig. 7. 
Bei Catullo: @Gervillia augusta Münst., in den Nuovi annali d. se.n. d. 
Bologna, 1846, Taf. &, Fig. 1. 

Hierher gehörige Formen finden sich in den unteren, durch 
Posidonomya Clarae ausgezeichneten, und auch noch höheren Lagen 
häufig im Val Serraggere, im Tretto und an anderen Orten. 


32. Myophoria vulgaris Schloth., sp. 
Trigonellites vulgaris, Schloth. Petref. pag. 192, Taf. 36, Fig. 5. 
Diese Art habe ich selten im eigentlichen Muschelkalke bei 
Rovegliana gefunden. 


33. Myophoria simplex Schloth., sp. 

Trigonellites simplex, Schloth. Petref. pag. 192. 
Lyrodon simplex, Goldf. Petref. II, pag. 197, Tab. 135, Fig. 14. 

Ich bleibe hier bei den v. Schlotheim’schen Bestimmungen, 
nach welchen die Individuen mit zwei Rippen zu M. vulgaris und die 
mit einer Rippe zu M. simplex zu rechnen sind. Diese Myophoria 
simplex kommt auch im Coburg’schen im oberen Muschelkalk, wie 
im Braunschweig’schen mit Ceratites nodosus und im unteren Muschel- 
kalke in der Trigonienbank mit Modiola Credneri vor. Übrigens gehen 
beide Arten in einander über. Bei Rovegliana erscheint sie in 
Begleitung der Gervilleia Albertii u. s. w. 


34. Myophoria cardissoides Bronn. 
Lethäa pag. 71, Taf. 13, Fig. 9. 

Diese Art unterscheidet sich von den übrigen Myophorien durch 
grössere Breite oder Verlängerung nach hinten , so dass der Winkel 
am Wirbel gegen 90° beträgt. Die Bronn’sche Abbildung stimmt 
mit den bei Rovegliana selten vorkommenden Exemplaren überein, 


der Gegend von Recoaro im Vicentinischen. 515 


nicht aber mit Lyroadon deltoideum (Goldf. Taf. 135, Fig. 13) und 
Myophoria cardissoides (Alberti, Monogr. p. 55), welche mit 
Myophoria (nachGiebel Neoschizodus) laevigata vereinigt werden 
müssen; diese letztere darf aber nicht mit Nucula gregaria Münst. 
zusammengeworfen werden. 


35. Myophoria (Neoschizodus 6iebel’s) ovata Goldf., sp. 
Lyrodon ovatum, Goldf. Petr. Germ. II, pag. 197, Taf. 135, Fig. 11. 


Findet sich meist in kleinen und undeutlichen Exemplaren, nicht 
selten in und über den Posidonomyen-Schichten. 


86. Nucula (!) gregaria Münst. 


Goldfuss bildet in seinen Petref. Germ. Taf. 124, Fig. 12 
unter diesem Namen eine Muschel ab, welche auch bei Coburg sehr 
häufig im oberen Muschelkalke zu finden, aber keinesfalls zu Nucula, 
sondern wahrscheinlich zu Isocardia gehört. Zu dieser Art rechne 
ich gleichgeformte 2—3 Millim. grosse Muscheln mit eoncentrischen 
Zuwachsstreifen, welche ich über dem Niveau der Posidonomya 
Clarae im Val Serraggere beobachtet habe. 


37. Nucula speciosa Münst. 
Abgebildet in Goldf. Petref. Germ. Taf. 124, Fig. 10. 


Leider begegnen wir im Muschelkalke vielen zwar charakte- 
ristischen, aber doch sehr undeutlichen Formen; hierzu gehört auch 
ein Steinkern, den ich bei Rovegliana im Niveau des Dadocrinus 
gracilis gefunden habe, und der seiner allgemeinen Form und seines 
in der Mitte liegenden Wirbels wegen nur hierher gerechnet werden 
kann. 


88. Myacites Fassaensis Wissm. 
Abgebildet in Münster’s Beiträgen, Heft IV, Taf. 16, Fig. 2. 


Die vielen Myacitenarten, die man unterschieden hat, stehen sich 
alle durch Übergangsformen sehr nahe, so dass von Strombeck 
alle triassischen in eine Art, M. musculoides, vereinigt hat. 

Auch im Vicentinischen kommen, von den Posidonomyen an auf- 
wärts, solehe Formen vor, und da man diesen Formen den Artnamen. 
Fassaensis gegeben hat, so mögen auch die Vicentinischen als solche 
gelten. 


516 Schauroth. Übersicht der geognostischen Verhältnisse 


89. Myacites inaequivalvis Zieten, sp. 
Taf. II, Fig. 6. 
Arca inaequivalvis, Zieten in den Verstein. Würtemb. Taf. 70, Fig. 3. 

Aus dem Muschelkalke der Monti del Tretto habe ich zwei 
18 Millim. grosse Myaciten mit Schale erhalten. Der Umriss dieser 
Muscheln bildet ein stumpfwinkeliges Dreieck, in dessen etwa 120° 
messenden stumpfen Winkel der kleine, eingebogene Wirbel nahe 
an der Mitte liegt und dessen beide spitzen Winkel zugerundet sind. 
Die vordere Seite — aber nicht der Rand — ist etwas ausgebuchtet, 
der hintere Rand ziemlich gerade und der Bauchrand in der Mitte 
ausgebuchtet, welche Bucht sich im Relief bis fast an den Wirbel hin 
bemerkbar macht. Die Schale ist mit concentrischen Wachsthums- 
wellen und nur wenig sichtbaren radialen Linien bedeckt. 

Am nächsten steht diese der Arca inaequivalvis Zietens aus 
den Wellendolomiten des Schwarzwaldes, indem sie sich von dieser 
nur durch mehr ausgebuchteten Bauchrand und weniger deutliche 
Runzeln vor dem Wirbel unterscheidet. Da auch unsere Exemplare, 
wie die des Wellendolomits, verschoben sind, und es daher sehr 
wahrscheinlich ist, dass sie einer und derselben Art angehören, so 
habe ich, um die Namen für diese problematischen Formen nicht 
noch zu vermehren, dieselben als Myacites inaeguivalvis, wohin 
jene Schwarzwälder Form gewiss zu rechnen ist, aufgeführt. 

Ob Tellina Canalensis, welche Catullo in den „Nuovi annali 
d. se. n. di Bologna“, Taf. 4, Fig. 4 abgebildet hat, hierher gehört, 
lässt sich nach den ungenügenden Abbildungen nicht entscheiden. 


40. Tapes subundata m., s. sp. 
Taf. II, Fig. 7. 

Eine ‚kleine, 5 Millim. breite Muschel habe ich im oolithischen 
Kalksteine, welcher zwischen dem bunten Sandsteine und den Posi- 
donomyen lagert, im Val dell’Erbe gefunden. Wie bei den meisten 
Versteinerungen der Trias ist der charakteristischste Theil nicht 
zugänglich, so dass ich in Ermangelung der Kenntniss der Schloss- 
bildung, diese Muschel nur zufolge des äusseren Habitus zu Tapes 
oder Pullastra, mit welchem Geschlechte sie äusserlich viele Ähn- 
liehkeit zeigt, stellen kann. 

Der allgemeine Umriss dieser Muschel ist elliptisch. Der kleine 
Wirbel steht nahe vor der Mitte, und die hintere Seite ist, in einem 


der Gegend von Recoaro im Vicentinischen. 517 


Winkel von etwa 120° mit dem Schlossrande, abgestutzt, so dass 
nur einem Theile des Hinterrandes, dem Bauchrande und Vorderrande 
die unveränderte elliptische Form bleibt. Vom Wirbel an bis an die 
Extremitäten des Bauchrandes treten zwei stumpfe Kanten etwas 
hervor, von welchen jedoch nur die hintere deutlich ist. Die rauh 
erscheinende Oberfläche ist mit einigen dem Bauchrande parallelen 
Wellen, welche auf der hinteren Abdachung in Zuwachsstufen über- 
gehen, bedeckt. 


V. SCHNECKEN. 


41. Dentalium laeve Schloth. 
Dentalites laevis Schloth., Petref. pag. 93, Taf. 32, Fig. 2. 

Von der Grösse der in Thüringen vorkommenden Individuen 
findet man diese Art nicht selten im Muschelkalke bei Rovegliana in 
Begleitung von Pecten discites, Spirifer fragilis, Terebratula 
vulgaris und anderen Arten. 


42. Trochus Albertianus Goldf. 


Trochus Albertinus Goldf., Zieten, Verst. Würtemb., Taf. 68, Fig. 5. 
Hausmanni Goldf., Petref. III, pag. 52, Taf. 178, Fig. 12. 

Zwei Schneckchen, ganz von der Form des Trochus Hausmanni 
mit nur wenig veränderter Zeichnung auf der Schale, von welchen 
das eine die gewöhnliche Grösse des Tr. Albertianus erreicht, habe 
ich im Trigonellenkalke bei Recoaro gefunden und rechne sie zu 
dieser Art. An dem grösseren Exemplare befinden sich über dem 
_ Bande auf der Wölbung des letzten Umganges noch vier verchieden 
kräftige, aus einzelnen Knötchen bestehende Streifen, welche von 
feinen Zuwachslinien durchkreuzt werden, während bei der gewöhn- 
lichen Zeichnung von Tr. Albertianus (Hausmanni) nur zu oberst 
an der Nath eine Reihe von kräftigen, fast kurzen Dornen gleichenden 
Höckern zu sehen ist, und die spiralen Linien oder Längslinien mehr 
zurücktreten. Das kleinere Exemplar ist verhältnissmässig etwas 
niedriger, gleicht aber in der Zeichnung den deutschen Exemplaren. 
Berücksichtigt man, dass diese Art als in ihrer Form manchen 
Abweichungen unterworfen erkannt worden ist, so dürfte auch die 
erwähnte Abweichung an den italienischen Exemplaren nicht auffallen 
und an der Identität beider Formen nicht zu zweifeln sein. 


"» 


5 18 Schauroth. Übersicht der geognostischen Verhältnisse 


45. Natica turbilina Schloth., sp. 
Taf. II, Fig. 8. 

Helieites turbilinus Schl oth., Petref. pag. 107, Taf. 32, Fig. 5. 
Turbo helieites Münst. in Goldf. Petref. Germ. III, pag. 93, Taf. 193, Fig. 2. 

Die kleinen natica- und turboähnlichen Schnecken des Muschel- 
kalks sind unter sich schwer zu unterscheiden und bilden auch Über- 
gänge in grössere kugelige oder gestreckte Formen, wie zu Natica 
Gaillardoti und Turbonilla dubia, so dass v. Strombeek unter 
Natica Gaillardoti alle kurzen, mehr kugeligen Formen (Natica 
oolithica Zenk., N. pulla Ziet.) und unter Turbo helicites die 
Formen mit 3—4 Umgängen (Helicites turbilinus Schloth., Buc- 
cinum turbilinum Geinitz, Turbo socialis Münst.) vereinigt hat. 

In den oberen Lagen des Muschelkalks bei Recoaro und in den 
unteren im Val Serraggere trifft man nicht selten kleine kugelige 
Schnecken von etwa 2 Millim. Durchmesser, welche dem Turbo 
helicites Münst., wie ihn Goldfuss Taf. 193, Fig. 2 abgebildet 
hat, gleichen und an welchen meistens die Zuwachslinien, die an der 
Nath immer am deutlichsten sind, so kräftig hervortreten, -dass sie 
bisweilen wahre Leisten oder Rippen bilden und dann zu Naticella 
costata, die von St. Cassian (ob mit Recht?) und aus dem eigent- 
lichen Muschelkalke der Alpen mehrfach erwähnt wird, führen. 
Solche Formen hat auch der Muschelkalk im Coburg’schen aufzu- 
weisen, und ich habe mehrere Exemplare gefunden, welche nach 
Abwitterung der Schale kräftige, winkelige, von der Nath aus über 
die Wölbung der Umgänge hinweggehende Rinnen zum Vorschein kom- 
men lassen. Bezeichnend für diese Formen mag noch erscheinen, dass 
die ersten Windungen nie eine hohe Spira bilden, oft auch wie ver- 
schmolzen aussehen, die letzte sich aber schnell erweitert, wie es in 
der Goldfuss’schen Zeichnung gut dargestellt ist. Dieselben 
Formen finden sich auch im bunten Sandsteine von Sulzbad und zwar 
in Begleitung derselben Versteinerungen- wie im Vicentinischen, wie 
Gervilleia Albertü, Pleurophorus Goldfussi, so dass man hier mit 
Recht auf einen Synchronismus dieser Ablagerungen schliessen darf. 

Schon v. Sehlotheim führt bei seinem Helicites turbilinus an, 
dass er gut erhalten und dass die ziemlich grosse Mundöffnung mit 
einem saumartigen zurückgebogenen Rande versehen ist. Diese Kenn- 
zeichen charakterisiren aber auch die von verschiedenen Localitäten 


der Gegend von Recoaro im Vicentinischen. 5 19 


angeführten Schneckchen, so dass ich nicht zweifle, dass dieselben 
zu dem v. Schlotheim’schen Helicites turbilinus gehören. Ob 
Naticella costata Münst. und Natica Gaillardoti Lefr. hierher 
zu rechnen sind, kann ich in Ermangelung hinreiehenden Materials 
nicht mit Gewissheit aussprechen, doch glaube ich, dass sämmtliche 
hier erwähnte Formen sich in der Weise ordnen, dass die kugeligen 
als Natica turbilina, die gestreckten, an wohl erhaltenen Exemplaren 
gegen die Spitze hin mit Rippen versehenen Formen dagegen als 
Turbonilla dubia am zweckmässigsten unterschieden werden. Für 
diese Ansicht sprechen mehrere Exemplare von Turbonilla dubia, 
die ich im Muschelkalke von Coburg gesammelt habe, welche in 
Individuen von 3—4 Windungen an (von der Form des Turbo 
gregarius Münst., beiGoldfuss III, pag. 93, Taf. 193, Fig. 3, den 
ich von Buceinites gregarius Sehloth. getrennt halte), Übergänge 
bis zur vollständigen mit 8 aus versehenen Form der Turbo- 
nilla dubia bilden. 


44. Natica (Buspira) gregaria Schloth., sp. 
Taf. II, Fig. 9. 
Buceinites gregarius Schloth. Petref. pag. 127, Taf. 32, Fig. 6. 
Buceinum gregarium Gein. im Jahrb. für Mineral. 1842, Taf. 10, Fig. 8. 
Turbo incertus Catullo, Catal. d. sp. org. foss. d. alpi venete, 1842 und Zoolog 
foss. Taf. 1, Fig. A, A. 

Unter obigen Namen habe ich die am Harze und in Thüringen 
für die untere Abtheilung des Muschelkalks charakteristische Form 
gestellt, welche v. Schlotheim am genannten Orte kenntlich abgebildet 
hat und zu welchem die von Goldfuss als Turbo gregarius Münst. 
Tab. 193, Fig. 3 gegebene Abbildung nicht gezogen werden dürfte. 

Diese Art ist aussen glatt und von den andern ähnlichen durch 
ihre eiförmige Gestalt, sowie dadurch hinreichend unterschieden, 
dass die Umgänge an der Nath eine Kante bilden, welche bis an die 
ovale Mündung fortsetzt und der Spira ein treppenförmiges Ansehen 
verleiht. Schon die bei der vorigen Art angeführten Formen haben 
mehr den Charakter der Natica, und auch diese als Turbo und 
Buccinum aufgeführte Art halte ich für eine Natica, und zwar für 
eine dem Subgenus Euspira angehörige Form. Von den höheren, 
als Turbo helicites bei v.Strombeck vereinigten Individuen habe ich 
welche aus dem Muschelkalke von Coburg, welche Übergänge zu 
Turbonilla dubia bilden und von mir zu dieser gerechnet werden. 

- Sitzb. d. mathem.-naturw. Cl. XVII. Bd. III. H£t. 34 


20 Sehauroth. Übersicht der geognostischen Verhältnisse 


ot 


45. Turbonilla dubia Münst., sp. 
Taf. IT, Fig. 10. 
Turbinites dubius Münst. in litt. 
Turbonilla dubia Bronn in der Lethäa, Taf. XII, Fig. 10. 


Von Turbonilla hat Dunker in den Palaeontograph. Vol. |, 
mehre neue Formen beschrieben; fast alle dieselben finden sich auch 
Im Coburg’schen; allein wenn man viele Exemplare vor sich hat, ist 
es oft schwer, eine Grenze zwischen den einzelnen Arten zu ziehen. 
Ich erwähne hier nur, was sich auf unsere alpinischen Formen bezieht. 


Turbonilla dubia hat durch die Darstellung Bronn’s in . 


der Lethäa p. 76, Taf. XIT, Fig. 10 einige Sicherheit erhalten; 
sie umfasst nur die kleinen, aus 7 — 8 runden, glatten, gegen 
die Spitze hin meistens mit quergerippten Umgängen versehenen 
Individuen. 

Melania Schlotheimi (Quenstedt im Flötzgeb. Würtemb. 
pag. 31), wie sie v. Schlotheim in seinen Beiträgen zur Petre- 
faetenkunde, 2, Taf. 32, Fig. 7 abbildet, gehört nicht hierher; sie ist 
immer grösser, hat weniger aufgetriebene, mehr ansteigende und 
glatte Windungen mit scharfer, aber weniger tiefer Nath. 

Turbonilla dubia in der angegebenen Grenze geht einerseits in 
eine kürzere Form mit weniger, aber schneller anDicke zunehmenden 
Windungen über, anderseits wird dieForm schlanker mil —9 Win- 
dungen. Im ersten Falle gleicht sie Dunker's, in den Palaeont. Vol. I, 
Tab. 35, Fig. 16—18 als Turbonilla gregaria abgebildeten Art 
(Turbo gregarius Münst.), im zweiten Falle der eben dort Fig. 23 
und 24 abgebildeten Turbonilla parvula, oder sie zeigt 8—9 an 
Stärke kaum verschiedene Windungen und kommt in dieser Hinsicht 
(um eineähnliche Form anzuführen), der Turritella Theodorü (welche 
Berger im Leonhard'schen Jahrbuche 1854, S. 413, Tab. VI, 
Fig. 6—8 beschrieben und abgebildet hat), am nächsten, unter- 
scheidet sich von derselben aber hauptsächlich durch vollkommene, 
nicht abgeschnittene Scheitel der Wölbung der Umgänge. 

Turbonilla dubia kommt bei Recoaro ziemlich häufig in dem 
Niveau der Posidonomya Clarae vor. 


46. Turbonilla gracilior m., n. sp. 
Taf. II, Fig. 11. 
In den untersten kalkigen, den Sandstein überlagernden, oft 


oolithisehen Schichten habe ich bei Pozzer im Val dell’ Erbe eine 


a nun - R 


der Gegend von Recoaro im Vicentinischen. 521 


Schnecke gefunden, die ganz glatt und so schlank ist, dass sie die 
Grenzen der Turbonilla dubia überschreiten dürfte. Ich will sie 
desshalb Turbonilla gracilior nennen. 

Das Gehäuse dieser Schnecke ist spitz-thurmförmig, ”—8 Millim. 
hoch, mit 8 gerundeten, glatten, durch eine ziemlich tiefe Nath von 
einander getrennten Umgängen, dessen letzterer etwa 11/, Millim. 
misst. Über die Mündung geben die vorliegenden Exemplare keinen 
Aufschluss. Von der ihr ähnlichen Turritella Theodorii aus dem 
Keuper von Coburg unterscheidet sie sich nur durch den Mangel des 
den Scheitel der Windungen abschärfenden Bandes und durch etwas 
weniger tiefe Nath. 

Sollten sich Exemplare finden, an welchen Rippchen an den 
ersten Umgängen zu erkennen sind, so würde sie nur als Varietät 
der Turbonilla dubia betrachtet werden müssen. 

Kleine Schneckchen von der Form der Turbonilla parvula 
Dunk. zeigen solche Rippchen, wesshalb ich sie zur 7. dubia rechne. 


4%. Turritella Bolognae m., n. sp. 
Taf. II, Fig. 12. 

Im Trigonellenkalke von Recoaro habe ich Bruchstücke einer 
kleinen Schnecke gefunden, von welchen jedoch keines die Mündung 
zeigt, so dass das Geschlecht nieht mit Sicherheit angegeben werden 
kann. 

Die Form dieser Art ist sehr schlank ; sie hat muthmasslich acht 
Windungen, welche der Länge nach mit drei Reihen von Knötchen, 
von denen die mittelste die am stärksten entwickelte ist, so geziert 
sind, dass die drei über einander liegenden Knoten zwischen je zwei 
Näthen auf der Windung eine Art Rippe bilden. 

Obgleich die Exemplare etwas verwittert sind, so kann man trotz 
ihrer Kleinheit diese Anordnung deutlich unterscheiden. Sie ist jeden- 
falls als eine neue Art zu betrachten, wesshalb ich sie zu Ehren 
Dr. Bologna’s als Turritella Bolognae auszeichnen will. 


VI. CEPHALOPODEN. 


48. Ceratites nodosus Brug. sp. 


Ammonites nodosa Br ug. Encykl. I, 43. 
Ceratites nodosus de H.; in der Lethäa, Taf. 11, Fig. 20. 


34% 


522 Schauroth, Übersicht der geognostischen Verhältnisse 


Das Vorkommen dieser Art in der alpinischen Trias wird von 
Catullo, v. Buch, Girard und Bologna erwähnt; ich selbst 
habe sie nicht gefunden. 

Tellina Recoarensis Cat. und Solenites mytiloides Sehloth. 
(Catullo), welche Girard anführt, sind nach dessen Aussage 
so undeutliche Formen, dass sie hier keiner weiteren Erörterung 
würdig sind. 

Rücksichtlich eines Vergleiches des paläontologischen Charak- 
ters der Trias in den Alpen mit jenem anderer Gegenden haben wir 
in dem eben gegebenen Verzeichnisse manche neue Anhaltspunkte 
erlangt. 

Der bunte Sandstein kann sich durch seine petrographischen 
Merkmale und das Vorkommen einiger, wenn auch undeutlicher 


Pflanzenreste hinreichend legitimiren; dasselbe gilt im Allgemeinen 


vom Muschelkalke, welcher überdies den grössten Theil der Fauna 
des deutschen Muschelkalks aufzuweisen hat. 

Mit dem Erscheinen des Muschelkalks werden wir durch eine 
zahlreiche Fauna überrascht; die Arten, welche hier und in Deutsch- 
land am häufigsten vorkommen und daher massgebend erscheinen, 
sind: Spirigera trigonella, Terebratula vulgaris, Gervilleia Albertii 
Pleurophorus Goldfussi, Enerinus llüformis. Diese Arten sind 
aber diejenigen, welche für den unteren Muschelkalk in Deutschland 
bezeichnend sind, während Nucula Goldfussi, Nucula Münsteri, Nau- 
tilus bidorsatus und andere dem oberen Muschelkalk eigenthümliche 
oder doch denselben vorzugsweise bewohnende Arten bis jetzt ganz 
vermisst werden. Abgesehen von den wenigen neuen Formen finden 
wir die Arten von Recoaro sowohl in den oberen Lagen des bunten 
Sandsteins von Sulzbad und Zweibrücken, als auch vorzugsweise oder 
ausschliesslich in der unteren Hälfte des deutschen Muschelkalks, im 
nordwestlichen Deutschland und bei Tarnowitz in Ober-Schlesien, so 
dass wir schliessen müssen, dass die untersten versteinerungsführen- 
den Schichten des Muschelkalks von Recoaro mit den Schichten von 
Sulzbad und Zweibrücken, die höheren (mit Gervilleia Albertü und 
Spirigera trigonella) mit dem Wellenkalke und Mehl- oder Schaum- 
kalke und also auch mit den Schichten von Tarnowitz auf ein Niveau 
zu stellen sind. Die folgenden Schichten in welchen ich nur noch 
Enerinus llüformis, Natica turbilina und Terebratula vulgaris 
gefunden habe, fallen dann der mittleren Abtheilung, und die verstei- 


der Gegend von Recoaro im Vicentinischen. 23 


nerungsleeren oberen, plattenförmigen Kalke der oberen Abtheilung 
des Muschelkalks in Deutschland zu, so dass endlich die versteinerungs- 
leeren sandigen Mergel als Äquivalent des Keupers übrig bleiben. 

Sonach haben wir (wie aus dem Folgenden noch mehr erhellen 
dürfte) durchaus keine Veranlassung mehr, dem Muschelkalk Ober- 
Schlesiens mit den Sehichten von St. Cassian (besonders wenn man 
_ vorurtheilsfrei an die Bestimmung der Versteinerungen von St. Cassian 
geht) zu vergleichen. | 


Der Lias und Jura im Vicentinischen mit besonderer 
Berücksichtigung der geognostischen Verhältnisse 
von St. Cassian. 


In dem vorhin gegebenen Profile habe ich zuletzt von einer festen 
gelben, dünnschichtigen Mergelablagerung gesprochen, welche die 
obersten rothen, sandigen, dem Keuper äquivalenten Gesteine 
bedeckt. Von den unteren ähnlichen Mergeln unterscheidet sie sich 
durch eine Neigung zur Schieferung und durch aufgenommene 
Glimmerschüppchen und kohlige Theilchen. Obgleich ich in diesen 
Schichten hier keine Versteinerungen gefunden habe, so glaube ich 
doch, dass diese obersten Lagen schon dem Lias angehören, und 
da sie in ihren petrographischen Merkmalen mit manchen heller 
gefärbten Varietäten der Wengen-Schichten oder Halobienschiefer 
übereinstimmen, mit diesen in einem Niveau stehen. 

Zur Beobachtung der Grenzgebilde zwischen Trias und Jura 
ist der Monte Spizze überhaupt nicht zu empfehlen, und leider hat es 
meine Zeit nicht erlaubt, dieselben entfernter in den venetianer Alpen 
aufzusuchen. 

Professor Catullo in Padua erwähnt diese oberen Schichten 
‚aus den venetianer Alpen als Keuper und führt an, dass sie häufig 
nicht leicht als Keuper erkannt werden könnten, wenn sie nicht durch 
die fast überall statthabende Überlagerung von liassischen Gebilden 
und durch die Anwesenheit gewisser Petrefacten bezeichnet wären. 
Diese petrefactenführenden Schichten sollen nach ihm einen sehr 
veränderlichen Charakter haben; bei Malgonerra im Agordino, eben 
so bei Pieve di Zoldo sollen sie schieferig und röthliehbraun sein, bei 
 Duram hingegen einen sandigen, grünen Kalkstein bilden, welcher 
allmählich in einen harten, schwarzen, mit Säuren aufbrausenden 
Schiefer übergeht, vom Keuper unterteuft wird und vielleicht zum 


524 Sehauroth. Übersicht der geognostischen Verhältnisse 


Lias gerechnet werden könnte; allein trotz allen petrographischen 
Verschiedenheiten sollen überall dieselben bezeiehnenden Petrefacten, 
nämlich Avicula pectiniformis und Posidonomya minuta vorkommen. 
Ich habe leider diese Gegenden nicht besuchen können; dagegen 
habe ich auf meiner Rückreise Wengen und St. Cassian berührt und 
glaube dadurh in den Stand gesetzt zu sein, den von Catullo eitirten 
Keuper des Agordinischenfür Wengenschichten oder Halobienschiefer, 
und die Abbildungen, welche Catullo von diesen beiden obgenann- 
ten Arten gegeben hat, für Halobia Lommeli und Posidonomya Wen- 
gensis mit Sicherheit ansprechen zu dürfen. Das Vorkommen dieser 
beiden Arten und also der Wengen-Schichten an den genannten Orten 
ist von grossem Interesse; desshalb erscheinen jene Gegenden beson- 
ders zu Untersuchungen geeignet, welche über die Grenzgebilde 
zwischen Trias und Jura Aufschluss geben können. 

Aus diesen Beobachtungen geht bereits hervor, dass an mehreren 
Orten der venetianer Alpen die Halobienschiefer über den rothen, 
sandigen Gebilden (unserem Keuper-Äquivalente) liegen. Dieselben 
Verhältnisse habe ich bei Wengen beobachtet. 

Geht man von Brunnecken nach St. Cassian, so wandelt man 
bis St. Martin auf Glimmerschiefer und stösst hier auf ein Profil, 
welches sich längs dem Bache auf eine weite Strecke verfolgen lässt 
und alle die Verhältnisse wiederholt, wie ich sie von Recoaro vom 
primitiven Schiefer bis zum Muschelkalke beschrieben habe. In der 
Schlucht nach Wengen hinauf stehen im Grunde die untersten Lagen 
des Muschelkalkes an, bei Wengen selbst liegen die Halobienschiefer ; 
von St. Leonhard bis St. Cassian findet man den oberen Muschelkalk, 
oberhalb St. Cassian erscheinen die Wengen-Schiefer wieder, darüber 
graue Thone, pelitische Gesteine von vulcano-neptunischem Ansehen 
mit eingeschalteten oolithischen dunklen Kalken, auf welche ähnliche 
Thone mit zwischengelagerten, wenig mächtigen, schwarzen Kalk- 
schichten und dünnen Lagen von faserigem Kalke, die eigentlichen 
Schiehten von St. Cassian, folgen. 

Die Profile der Seisser-Alp und des Gaderthals, weleheEmmrich 
im Jahrbuche für Mineralogie 1844, p. 791 gegeben hat, stimmen, 
so weit die Schichten von Recoaro repräsentirt sind, vollkommen mit 
diesen überein. Der unter 1. beschriebene bunte Sandstein, die mit 
2. bezeichneten Posidonomyenschiefer, die unter 3. über diesen 
folgenden Mergel mit Kalkschiefer entsprechen bei Recoaro den 


der Gegend von Receoaro im Vicentinischen. 525 


Schichten vom Schiefer bis zum Muschelkalk von Recoaro, und dieser 
selbst findet seinen Repräsentanten in dem unter 4. aufgeführten 
wellenkalk-ähnlichen Gestein, in welehem bereits die an Feuerstein 
reichen Kalke wiedererkannt und gewiss noch Spirigera trigonella, 
Terebratula vulgaris und andere dieses Niveau eharakterisirende 
Versteinerungen entdeckt werden können. Auf diesen Muschelkalk 
sollten nun die rothen, sandigen Gesteine (Keuper) folgen. während 
Emmrich sofort die Halobienschiefer anführt. 

Aus den angeführten Schiehtenfolgen geht hervor, dass die 
Wengenschiefer oder Halobienschiefer über den versteinerungsleeren 
rothen, sandigen Schiefern oder dem Äquivalente des Keupers liegen, 
und aus der Vergleiehung der Trias im Viecentinischen mit der in 
Tirol geht also auch hervor, dass die St. Cassian-Sehichten durchaus 
nieht zum Muschelkalk oder zur Trias überhaupt gehören können, 
sondern sich dem jurassischen Systeme anschliessen müssen. 

Dass die St. Cassian-Schiehten unter dem Jura und über den 
Halobienschiefern liegen, ist jetzt klar; es handelt sich nur noch 
darum, anzugeben, welcher Formation dieselben zugetheilt werden 
müssen. Zuerst muss erwähnt werden, dass Halobienschichten und St. 
Cassian-Schichten bathrologiseh , petregraphisch und paläontologisch 
sich so nahe stehen, dass sie als ein Schichtencomplex betrachtet 
‚werden und auch systematisch vereinigt bleiben müssen. Wenn nun 
sehon die petrographischen Charaktere und die Lagerungsverhält- 
nisse uns auf den der Trias folgenden Lias hinweisen, so werden wir 
durch die völlig neue und nur einen jurassischen Charakter zeigende 
Fauna zu dem Schlusse genöthigt, dass mit dieser Veränderung der 
petrographischen und paläontologischen Verhältnisse überhaupt eine 
neue geologische Periode, und zwar die zunächst folgende Periode 
des Lias beginnen müsse. 

Nur eine solehe Einreihung dieser alpinischen Gebilde halte ich 
für eine natürliche. Wenn in den Alpen überhaupt die triassischen 
Gebilde richtig gedeutet werden, wobei die Posidonomyen-Schichten 
und die eigentlichen Muschelkalklagen — welche auch bei Abwesen- 
heit von Versteinerungen sich meistens durch grössere Schichten- 
mächtigkeit und wellig-knotige Structur oder Hornsteinausscheidun- 
gen auszeichnen — wohl immer als zur Orientirung passende Horizonte 
dienen können, dann wird man auch leicht in den Halobienschiefern 
einen sicheren Horizont für den Lias finden, und manche Schichten, 


5 26 Sehauroth. Übersicht der geognostischen Verhältnisse 


deren bathrologische Stellung noch unsicher ist und die meistens der 
Trias zugerechnet worden sind, werden wir hier sich selbst einreihen 
sehen. Nur wenn wir auf die einfachste Weise die allerdings in mancher 
Hinsicht abweichenden Verhältnisse in den Alpen uns zu erklären 
suchen und uns nicht von den Lehren des Metamorphismus und dem 
Vorurtheile, dass den Alpen eine ausschliessliche, ihnen eigenthümliche 
Constitution zukomme, beirren lassen, werden wir esfür möglich halten, 
einzusehen, dass die alpinischen Gebirgsschichten den ausseralpinischen 
parallelisirt werden können, und werden uns überzeugen, dass wir 
nicht nöthig haben, für die Syntax der Alpen neue Regeln zu entwerfen. 

Dass hiernach der Lias in den Alpen selbst sich unter verschie- 
dener Faecies darstellt, darf uns nicht wundern, da ja auch in anderen 
Ländern, wie in Deutschland, Frankreich und England, die Überein- 
‘stimmung, vorzüglich in der Vertheilung der Petrefacten nicht so 
hervortritt, wie bei anderen Formationen und fast jede Gegend ihr 
eigenthümliches Gepräge hat. Dass bei St. Cassian auch mehrere andere 
und besonders die Muschelkalkformation bezeichnende Arten, wie: 
Enerinus klüformis, Ceratites nodosus, Terebratula vulgaris, Tere- 
bratula sufflata und Naticella costata vorkommen, ist noch gar nicht 
festgestellt. Unter vielen von St.Cassian mitgebrachten Versteinerungen 
habe ich zwar ähnliche, aber durchaus nicht mit jenen identische Arten 
gefunden, so dass ich das Vorkommen von echten Muschelkalk-Petre- 
faeten in den St. Cassian-Schichten geradezu in Abrede stellen zu 
müssen glaube. 

Auf eine detaillirte Besprechung der St. Cassian-Schichten kann 
ich jetzt nicht eingehen; einen interessanten Körper, der bis jetzt 
noch gar nicht beobachtet worden ist, darf ich jedoch nicht uner- 
wähnt lassen. In den Thonen der oberen St. Cassian-Schichten finden 
sich nämlich kleine, flache, sehr dünne, rundliche Scheibehen, welche 
ganz das Ansehen der Orbituliten haben und gleich diesen in 
grösserer Menge eng beisammenliegend vorkommen, so dass ich sie 
trotz ihres befremdenden Vorkommens für Orbituliten halte. Es bleibt 
in der That ein denkwürdiger Umstand, dass wir in den St. Cassian- 
Schichten, wie in einer Modellkammer fast aus allen Perioden der 
Entwiekelungsgeschichte des Thierreiches irgend einen charakteristi- 
schen Typus vertreten sehen, ein Umstand, der wohl nur mit der 
Erweiterung der Kenntniss der Verbreitung der untergegangenen 
und lebenden Thierformen überhaupt seine Aufklärung finden dürfte. 


der Gegend von Recoaro im Vicentinischen. 527 


Orbitulites Cassianicus m., n. sp. 
Taf. I, Fig. 13. 

Diese Form misst 1/, Millim. im Durchmesser, ist dünn wie 
gewöhnliches Schreibpapier, selten regelmässig rund, sondern meist 
etwas eckig, länglich und am Rande selbst stellenweise ausgezackt, 
aber nicht sattelförmig verbogen ; in der Mitte sind sie etwas stärker, 
am Rande an Stärke abnehmend, wie es bei den bekannten Orbituliten 
der Fall ist. Die Oberfläche ist rauh, unter dem Mikroskope mit 
kleinen, dieht beisammenstehenden, blasigen Erhabenheiten besetzt, 
von welchen die meisten geschlossen und gewöhnlich nur die nach 
dem Rande hin gelegenen, wie auch die abgeriebenen mit einem 
kleinen Loche versehen sind. Der Querbruch zeigt faserige Struetur 
und ist wie die Orbituliten scheinbar aus zwei Scheiben zusammen- 


gesetzt. 
Da ich bei einem Vergleiche dieser Körper mit den Orbituliten 


des Vicentinischen in der Structur und Form keine wesentlichen Ver- 
schiedenheiten entdecken konnte, so kann ich — obgleich Orbituliten 
unter der Kreide noch nicht vorgekommen sind — unsere Form nur 
zu den Orbituliten stellen, und da die von Orbitulites getrennten 
Geschlechter noch nieht hinreichend präeisirt sind und ich nicht 
angeben kann, ob unsere Form zu Hymenocyclus gerechnet werden 
muss, so begnüge ich mich, sie unter dem allgemeinen Namen Orbi- 
tulites aufzuführen. 

Hier dürfte auch die passendste Stelle sein, noch einige Ver- 
steinerungen anzuführen, welche im Val del Orco im Tretto in einem 
dunkelrauchgrauen, als Findlinge erscheinenden Gesteine vorkommen - 
und von welchen ich sowohl in Recoaro als auch von Hrn. Pasini 
in Schio einige Exemplare erhalten habe. Diese Gesteinsbrocken 
sind durch eine grosse Menge cylindrischer Bildungen, welche wie 
ein Relief auf denselben durch die Verwitterung heraustreten, aus- 
gezeichnet. Dieselben sind hier unter dem Namen „Eneriniten des 
Tretto* bekannt und gleichen in der That den Enerinitensäulen 
ausserordentlich; noch näher stehen sie aber in ihrer Struetur 
den von Schafhäutl in Leonhard's Jahrbuch 1853, p. 302, 
Taf. VI, Fig. 1 beschriebenen Formen, welche in einem weissen 
Kalksteine der Zugspitze, dessen bathrologische Stellung er jedoch 
nicht mit Gewissheit anzugeben vermag, eine gewöhnliche Erschei- 
nung sind. Ich bin eben so wenig im Stande mit Sicherheit die 


528 Sehauroth. Übersicht der geognostischen Verhältnisse 


Formation anzugeben, aus welcher das Gestein aus dem Tretto her- 
rührt, und kann nur die Vermuthung aussprechen, dass es dem Niveau 
von St. Cassian angehöre. 

Schafhäutl nennt die Versteinerung von der Zugspitze Nulli- 
pora annulata. Es scheint mir, dass beide Arten nicht zu Nullipora, 
sondern vielleicht zu Chaetetes gehören, und da auch das Verhältniss 
derselben zu Ceriopora radieiformis noch nicht festgestellt ist, so 
will ich sie hier zwar ausführlich beschreiben, aber nicht speciell 
benennen. 

Unsere Art bildet einen eylindrischen, innen hohlen, oben 
kuppelartig zugewölbten Zellenstock von 2—4 Millim. Durchmesser. 
Die aus Zellen bestehende Wand des Rohres ist 1 bis höchstens 
2 Millimeter stark, während seine Länge 70 und mehr Millimeter 
erreicht; der innere Raum ist mit der Masse des Muttergesteines 
erfüllt. Die Zellen stehen nicht rechtwinkelig auf der Axe, sondern 
streben aufwärts; ihre Kleinheit und die Festigkeit des Kalksteins 
gestatten keine deutliche Einsicht in das Innere derselben, doch 
lässt sich an abgewitterten Stellen erkennen, dass die röhrenförmige 


Colonie aus einzelnen Zellen gebaut ist, welche im Kreise neben. 


einander und über einander stehen, so dass die Wand der Röhre 
aus strahlenförmig gestellten Zellen zusammengesetzt ist und jeder 
solche Strahl aus mehreren, durch Querböden getrennten Einzel- 
zellen zu bestehen scheint, wie es bei C'haetetes der Fall ist und 
unsere Abbildungen Taf. Il, Fig. 4 d, e, i es veranschaulichen. An 
der inneren Seite erscheinen die Zellenanfänge als viereckige feine 
Löcher; an der Aussenseite bilden die Zellenmündungen entweder 
rundliche Löcher oder halbkugelige Erhöhungen. Diese letztere 
Verschiedenheit ist als ein verschiedenes Entwickelungsstadium zu 
betrachten, indem die Zellenwände der rundlichen Mündung bei 
fortschreitendem Wachsthum sich zuwölben und so den Boden der 
nächsten Zelle bilden. 

In demselben Gesteine habe ich noch ein interessantes Bruch- 
stück einer Versteinerung , welches nur einem Oyrtoceras angehören 
kann, und Cidaritenstacheln gefunden. 

Das Bruchstück von Cyrtoceras (Taf. Ill, Fig. 5) ist das letzte 
Stück der Schale, welches daher auch keinen Sipho und keine 
Scheidewände zeigt. Die Schale ist wohlerhalten, dünn und mit 
feinen eoncentrischen Linien geziert. 


a 


der Gegend von Recoaro im Vicentinischen. 529 


Die Stacheln von Cidaris (Taf. II, Fig. 6) sind sehr klein, der 
Länge nach fein gestreift und mit einem verhältnissmässig grossen 
Gelenkkopf versehen. 

Ziehen wir (nach dieser Einschaltung auf die bathrologische 
Stellung der St. Cassian-Schiehten zurückkommend) auch noch die 
Structurverhältnisse, die manche Schichten bisweilen trefflich cha- 
rakterisiren — in unserem Falle die oolithische Struetur — als emen 
Beweis für die jurassische Natur der St. Cassian-Schichten in Betracht, 
so finden wir, dass dieses Merkmal gerade in denselben Formatio- 
nen, in denen es ausser den Alpen bezeichnend erscheint, auch hier 
ausgebildet ist. Schon in der Trias des Vieentinischen sehen wir die 
oolithische Struetur entwickelt, wenn auch in etwas höherem Niveau 
als dem Rogensteine im bunten Sandsteine des Harzes zusteht. Dann 
erscheint dieselbe wieder ausgezeichnet im mittleren oder braunen 
Jura, vorzugsweise in Franken und Schwaben in dem mehrfach mit 
einander wechselnden Eisensandsteine, Mergelschiefer und Eisen- 

*oolith; ebenso ausgezeichnet finden wir sie bei St. Cassian über den 

Halobien- und Posidonomyenschiefern — in welchen auch der den 
Lias so bezeichnende Ammonites costatus gefunden worden ist. Die 
Halobienschiefer würden dann dem schwarzen Jura (den Monotis- 
kalken Frankens und Schwabens im Besonderen) entsprechen, wäh- 
rend die höheren, oolithischen und Thon-Lagen mit den St. Cassian- 
Versteinerungen in das Niveau des Marlysandsteins und Eisenooliths 
gestellt werden müssten. Endlich zeigt sich die oolithische Struetur 
in Deutschland mit dem weissen Jura wieder, in den Alpen in dem 
die krystallinischen Kalke bedeckenden Kalke, welcher bald von 
dem Ammonitico rosso oder dem Äquivalent des Oxfordgebildes 
bedeckt wird. 

Durch die Güte meines Freundes Emmrich erhielt ich mit 
anderen Sachen Escher v. d. Linth's geologische Bemerkungen 
über das nördliche Vorarlberg mitgetheilt, nach deren Durchsicht ich 
nachträglich darauf aufmerksam mache, dass nach der entwickelten 
Ansicht über die Stellung der Trias zum St. Cassian-Gebilde von den 
von Escher v. d. Linth angeführten Schichten der Trias der 
Lombardei derselben nur folgende zuzurechnen sein dürften: 

Das Kalkgebirge des Mezzoldothales, der Kalk nordwestlich von 
Esino, die Schichten am Wege aus Val Sesina nach Regoledo, der 
Muschelkalk von Dossena und Oneta, der Muschelkalk im Val Brembana 


530 Sehauroth. Übersicht der geognostischen Verhältnisse 


und der Muschelkalk (nördlich von Marcheno) des Val Trompia. 
Die anderen dort angeführten Localitäten und die höheren Schichten 
mancher hier gegebenen Localitäten gehören dann schon dem Lias an. 

Bei Recoaro werden die in unserem Profile zuletzt erwähnten 
schieferigen Kalke, die ich in das Niveau des Lias gestellt habe, von 
einem mächtigen Kalkgebirge überlagert, welches schon längst allge- 
mein dem Jura zugesprochen worden ist. Dieser Kalk dürfte in seinen 
unteren Theilen dem Lias angehören. Seine Beschaffenheit ist nach 
denLocalitäten sehr veränderlich; bisweilen, und so am Monte Spizze, 
erscheint er erst als ein gelblichweisser oder röthlichweisser, auch 
gefleckter, feinkörniger, reiner Kalkstein; an anderen Orten bildet er 
einen grobkörnigen oder krystallinischen weissen Kalkstein oder 
eben solchen gelblichen Dolomit, wie z.B. ausgezeichnet bei Laghetto 
im Norden des M. Enna und am Wege von Recoaro nach Valdagno, 
wo erst im Val del Pilastro die Trias und etwas weiter vor S. Quirico 
der Jura die Thalsohle erreicht und bis Marchesini fortsetzt. 

Es war mir unmöglich, das bisher aufgezeichnete Profil im 
Detail weiter zu verfolgen; ich kann es daher nur mit Benützung 
der Angaben italienischer Geologen fortsetzen. Die gründlichsten 
und gediegensten Arbeiten über den Schichtenbau der venetianer 
Alpen verdanken wir Herrn de Zigno, nach dessen Forschungen 
auf den krystallinischen Kalkbänken in den südöstlichen Alpen überall 
ein Oolith lagert, der oft mit einem dichten grauen Kalk und mit 
Kalkbreecien abwechselt. Diese Kalke führen mehrere Versteine- 
rungen, während die unteren Kalke fast versteinerungsleer zu nennen 
sind. Hierauf folgen nach de Zigno muschelführende Schiehten von 
grauer Farbe, welche er als dem unteren Oolith angehörig und als 
die Lagerstätte der Phytolithen von Rotzo betrachtet. Über dem 
Muschelmarmor erscheint endlich der rothe Ammonitenkalk, die viel- 
besprochene Calcarea ammonitica, ein rother, weisser oder grauer 
Kalkstein, der seinem Reiehthum an Ammoniten seinen Namen ver- 
dankt, ein Äquivalent der Oxfordsehichten ist und überall der Kreide 
zur Basis dient. Dieser Ammonitenmarmor bildet in den südlichen 
Alpen einen festen Horizont; in unserem Terrain habe ich ihn der 
oben erwähnten Verwerfungsspalte entlang, auf der Grenze zwischen 
Jura und Kreide oder jenem und Tertiärgebirge, kennen gelernt, wo 
er (bei Magr& und bei Tomba) in einzelnen kleinen Felsen erscheint, 
welche selbst vielleicht nur als Findlinge und aus der Tiefe mit 


der Gegend von Recoaro im Vicentinischen. 531 


heraufgeförderten Fragmenten zu betrachten sind. Mehrfache Gelegen- 
heit zur Beobachtung dieses Gesteins bietet dem aus Deutschland 
kommenden Reisenden sich dar, wenn er von Roveredo direet über 


die Berge nach Recoaro geht. 


Kreideformation. 


Die Grenze zwischen Jura und Kreide ist in unserem Terrain 
weniger gut blossgelegt, als in den entfernten Thälern der Piave und 
Brenta. Im Süden der Juraberge stösst meistens sofort der Biancone 
oder das Tertiärgebirge an den Jurakalk. 

Über dem rothen Ammonitenkalke erscheint der Biancone der 
Italiener, ein meist fester, dichter, graulicher, gelblicher oder weisser 
dünnschichtiger Kalkstein, der besonders wegen seiner Cephalopoden- 
reste als ein Repräsentant der Neocomformation erkannt worden ist. 
Da ich aus dem Bianeone nur wenige Petrefacten und darunter 
nichts Neues erhalten habe, so ist es zwecklos, ein Verzeichniss der- 
selben zu wiederholen; nur eine sonderbare Bildung muss ich erwäh- 
nen, nämlich ganz regelmässige, wie mit einem Zirkel eingeschnittene 
Kreise auf den Schichtungsfugen, von welchen bisweilen einige con- 
centrisch in einander liegen. Diese Kreislinien sind nur auf der 
Oberfläche sichtbar und haben bisweilen ein kleines Stückchen 
Brauneisenstein oder zu solchem umgewandelten Eisenkies zum 
Mittelpunkte, mit welchem die Erscheinung im Zusammenhange zu 
stehen scheint. 

Der Biancone ist mächtig entwickelt bei Magre, zunächst 
Recoaro, südlich im Agnothale bei Marchesini in dem hohen Berge, 
welcher, wenn man von Recoaro im Agnothale abwärts geht, das 
Thal zu schliessen scheint und auf dessen Gipfel die Kirche Sta. Maria 
liegt, dann indem westlich von Maglio gelegenen spitzen Cucherla. 
Am linken Ufer des Agno sieht man hingegen den Jura in den 
Bergen Scandolara und Castrazzano, und den Basalt im Muchione 
aus dem Tertiärgebirge hervorragen. Thalabwärts erscheint dann 
die Scaglia bei Ponte di Nori. 

Den Forschungen de Zigno's ist es gelungen, in den südöst- 
lichen Alpen auch das Terrain albien oder den Gault und das 
Terrain turonien d’Orbigny's nachzuweisen; es war mir aber 
nicht vergönnt, diese Schichten kennen zu lernen oder über ihre 
Anwesenheit in unserem Terrain Untersuchungen anzustellen: eine 


532 Sehauroth. Übersicht der geognostischen Verhältnisse 


Aufgabe, die nur durch die gründlichsten Untersuchungen gelöst 
werden kann, da es überhaupt schwer und meist unmöglich ist, die 
für eine Gegend gemachten Unterabtheilungen einem gleichalterigen 
Systeme in grosser Entfernung anzupassen. 

Grössere Verbreitung steht den oberen Kreideschiehten zu. 
Rothe und weisse Scaglia, mit welchen Namen die Italiener die mehr 
thonigen und weniger plattenförmig erscheinenden Kreidekalksteine 
bezeichnen, erscheinen an vielen Orten über dem Biancone von 
St. Orso, der Grenze des Jurakalkes entlang, und steigen in den 
Thälern des Agno und Chiampo weit an die Gehänge hinauf. Diese 
Schichten sind dem Terrain senonien oder den oberen Quader- 
mergeln zu parallelisiren. 


Tertiäre Bildungen. 


Am Ende der Kreideperiode stellten sich die Basalt-Eruptionen 
ein und erschienen die die folgenden Schichten charakterisirenden 
Nummuliten. Da die Natur die Abtheilungen, wie sie die Wissen- 
schaft macht, überhaupt nicht scharf bezeichnet, so stossen wir auch 
hier auf Gebilde, welche, mit dem Habitus der oberen Kreide, theils 
durch Aufnahme von Nummuliten in den unteren Nummulitenkalk, 
theils durch Aufnahme basaltischen Materials in die Basalttuffe oder 
Brecciole übergehen. Bis jetzt fehlt es uns noch an einer auf sorg- 
fältige Untersuchungen gegründete Schilderung dieser Gebilde, und 
leider sind auch meine eigenen Beobachtungen in diesem Terrain so 
lückenhaft, dass ich sie weder hier noch auf der Karte berücksichtigt 
haben würde, wenn ich nicht den Zweck im Auge gehabt hätte, den 
Besuchern von Reeoaro eine möglichst vollständige Übersicht der 
dortigen geologischen Verhältnisse und zugleich in der Karte ein 
Hilfsmittel zur Orientirung bei den gewöhnlich bis Bolca sich 
erstreckenden Exeursionen zu geben. Es war mir daher nicht 
möglich, die obere Grenze der Kreide sicher zu bestimmen; ich 
konnte die Grenze zwischen Kreide und Tertiärgebilden nur auf das 
Erscheinen der Nummulitenkalke beziehen und dieselbe nur zum 
geringeren Theile nach Beobachtungen an Ort und Stelle in die . 
Karte einzeichnen; eben so wenig konnte ich mich mit der Frage 
über die Verbreitung miocäner Schichten beschäftigen. 

Die in unserem Distriete verbreiteten tertiären Gebilde sind 
überhaupt als ein Theil der mächtigen Schichtenzone tertiärer 


der Gegend von Recoaro im Vicentinischen. 533 


Gesteine zu betrachten, welche von Spanien und Marocco an bis nach 
China in nicht unbeträchtlicher Breitenerstreckung zu Tag liegt. Die 
Hauptmasse dieser Gebilde gehört zu den älteren, als eocän bezeich- 
neten Schichten oder zur unteren Abtheilung des Molassengebirges 
und entspricht d’Orbigny’s terrain suessonien; diese Gebilde 
schliessen sich der Kreide eng an und sind paläontologisch dadurch 
charakterisirt, dass sie noch eine namhafte Anzahl von Kreide- 
versteinerungen in Gemeinschaft von solchen der folgenden Perioden 
aufzuweisen haben. Die durch ihr beschränktes Vorkommen und 
durch ihre weite Verbreitung wichtigsten Versteinerungen sind die 
Nummuliten, welche der ganzen Formation auch den Namen Nummu- 
litenformation gegeben haben. 

Diese grosse Schichtenzone, als das Resultat einer Bildungs- 
periode, muss natürlich, wenn auch nicht petrographisch, doch 
paläontologisch im Allgemeinen, selbst in den entlegensten Theilen, 
eine Übereinstimmung zu erkennen geben, welche um so mehr in 
die Augen fallen wird, je mehr die vielen organischen Überreste 
gesichtet und identifieirt werden. Die verhältnissmässig ‘wenigen 
Versteinerungen, welche ich erlangen, aber aus Mangel an litera- 
rischen Hilfsmitteln nur zum Theil bestimmen konnte, lassen sehon 
den Charakter der Systeme der Pyrenäen von Biaritz, der Ostalpen 
von Kressenberg und der Karpathen in den Vordergrund treten. 

Unsere Tertiärgebilde zeigen sich als ein Complex von Schichten 
von Kalkstein, Thon und Tuffen oder Breceien mit Lagern von Braun- 
kohle und lassen sich kaum in einem detailirten Normalprofile auf- 
führen, da petrographisch bezeichnete Schichten kein sicheres Niveau 
beibehalten, und die Basalte, welche so vielfach in die Bildungsräume 
dieser Periode eingegriffen, die Schichten selbst vielfach modifieirt 
haben. Die Basalteruptionen haben besonders in unserem Terrain den 
grössten Einfluss auf den Habitus der Gesteine geäussert; fast in 
allen Gesteinen erscheinen basaltische Theile, und wir könnten eine 
Reihe von Stufen herstellen, in welehen die unmerklichsten Über- 
gänge von einem Kalksteine und Thone zum festen Basalte vertreten 
wären. 

Die Basalttuffe oder Breccien bilden einen mehr oder 
minder groben Basaltgrus, welcher mit feinem Basaltschlamm und 
Kalkschlamm ein bisweilen festes, meist aber ziemlich lockeres Gestein 
bildet. Natürlich trägt dieses Gestein in der Nähe grösserer Basalt- 


53% Sehauroth. Übersicht der geognostischen Verhältnisse 


massen auch stets mehr den basaltischen oder breecienartigen 
Charakter, während es in grösseren Entfernungen mehr den Charakter 
kalkiger, thoniger oder tuffartiger Gesteine zeigt. 

Diese neptuno-plutonischen Schichten, welche auch Bruchstücke 
von Gesteinen älterer Formationen enthalten, nennt man hier Tufa, 
Peperite und Brecciola. Bei ihrer gleichzeitigen Entstehung findet 
man in ihnen dieselben Versteinerungen, wie in den anstossenden. 
Kalkschichten. 

Gleich dem Basalte sind die Tuffe und Breeeien in unserem 
Terrain ausserordentlich verbreitet und bilden einen ansehnlichen 
Theil des Tertiärgebirges. Von den vielen Orten ihres Vorkommens 
sind als die bekanntesten anzuführen die Schichten am Muchione, bei 
Tomba, bei Bolea, am Monte Grumi und Monte Castello bei Castel- 
gomberto, Montechio maggiore, la Trinita und St. Pietro bei Monteviale. 

Die Thone und Nummulitenkalke erscheinen schon über 
der Kreide mit Basalttuffen. Auf den Höhen zwischen Schio und 
Valdagno bei Magre, über Castelgomberto und Priabona, zwischen 
dem Agno und Chiampo bei Altissimo, jenseits des Chiampo bis Verona, 
überall sind diese Nummulitenkalke weit verbreitet. Dieselben sind 
meist fest, gelblichweiss, und bestehen oft fast zur Hälfte aus sphä- 
roidischen Nummuliten; sie wechseln in mehreren Lagen oft mit 
Basalttuffen an den eben erwähnten Orten. Nach oben werden sie 
ärmer an Nummuliten und treten auch mit korallenreichen Schichten, 
an anderen Orten mit den fischreichen Schiefern in Mei 
und werden von Braunkohlengebilden überlagert. 

Die Fischschiefer bilden keine besondere Formation, sondern 
sind nur als eigens modifieirte, dem oberen Niveau des Nummuliten- 
kalkes angehörige Kalke zu betrachten; mit ihnen treten schon mehr 
thonige, mergelige, schieferige Gebilde auf. Man kennt solche fisch- 
reiche Schiefer von Bolea, Novale und Saleedo; auch nördlich von 
Breganze sind neuerlich am Chiavon solche Schichten durch das 
Wasser blossgelegt und vom Grafen Piovene mit günstigem Erfolge 
Nachgrabungen unternommen worden. Die Fundstätte der Fische von 
Salcedo und Chiavon, welehe de Zigno für mioeän hält, habe ich 
nicht besucht. 

Am bekanntesten sind die Fische von Bolea Purga. Wenn schon 
die häring- und aalartigen Fische, welche hier vorkommen, als solche 
für tertiär erkannt werden müssen, so spricht noch mehr die Lagerung 


der Gegend von Recoaro im Vicentinischen. 535 


des Gesteins selbst für ihr tertiäres, eocänes Alter. Man sieht hier 
die Fischschiefer in der Nähe grösserer Basaltmassen förmlich im 
Peperite eingelagert. Die Schiefer selbst haben eine geneigte Lage, 
während die Peperite zum Theil horizontal gelagert erscheinen und 
selbst von Basaltgängen durchsetzt werden. Über dem Peperite und 
den nummulitenführenden Schichten werden bei Bolca noch Braun- 
kohlen gefunden. Die Brüche in diesen Fischschiefern werden von 
wenigen Privaten betrieben und zwar nur in der Absicht, diese Fische 
zu erhalten. Desshalb und weil oft lang gearbeitet werden muss, bis 
schöne Exemplare gefunden werden, stehen diese Fische immer noch 
in hohem Preise. Die Steinbrüche liegen theils an dem südlichen 
Gehänge des gegen Osten ins Chiampothal mündenden Val Kerba am 
Monte Bolca, welcher veronesisch ist, theils am nördlichen Gehänge 
desselben, am Monte Postale, welcher ins Vicentinische gehört. Dass 
die Anhäufung dieser Fische mit den Basalt-Eruptionen in Verbindung 
steht, ist klar; der Wechsel von Kalkschichten und Peperit lässt auf 
zeitweise Unterbrechungen der vulcanischen Thätigkeit schliessen, 
wodurch sich auch erklärt, dass geneigte Kalkschichten von horizon- 
talen Peperitschichten überlagert werden können. Der Tod der Fische 
dürfte jedoch weniger der Hitze, welche die Eruption begleitete, als 
den Gasen, vorzüglich dem Schwefelwasserstoffgas, zuzuschreiben 
sein. Diese Gase konnten sowohl dem vuleanischen Herde entströmen, 
als auch sich aus den unten liegenden Peperitmassen entwickeln, denn 
wenn die Eruption selbst den Tod der Fische herbeigeführt hätte, 
könnten diese nicht nur in den feinen, durch vulcanisches Material 
wenig oder gar nicht verunreinigten Kalkschichten vorkommen, 
sondern müssten vielmehr in den Tuffsehichten selbst erwartet werden; 
auch würden wir in ihrer Begleitung mehr andere thierische Über- 
reste finden, wie es in den Tuff- oder Peperitschichten der Fall zu 
sein pflegt, wo vulcanische Asche und Lapilli alle lebende Wesen 
begrub. Die Hitze des sich ergiessenden Basalts kann jedoch die 
schnelle Erhärtung, die Bildung der schieferigen Struetur und die 
gute Erhaltung der organischen Überreste befördert haben. 

Aus dem Gesagten dürfte zu schliessen sein, dass solche Fisch- 
schiefer auch an anderen Orten im Vicentinischen, wo wir gleichen 
stratographischen Verhältnissen begegnen, entdeckt werden. 

Die Braunkohle ist an mehreren Orten aufgeschlossen und 
erscheint da in mehr oder minder bauwürdigen Flötzen. 

Sitzb. d. mathem.-naturw. Cl. XVII. Bd. III. Hft. 35 


536 Scehauroth. Übersicht der geognostischen Verhältnisse 


Ein Beweis, dass die tertiäre Formation der südöstlichen Alpen 
noch wenig durchforscht ist, liegt schon darin, dass die bathro- \ 
logische Stellung der in nationalökonomischer Hinsicht besonders 
für die Lombardei so wichtigen Braunkohle noch nicht festgestellt 
ist. Nur mit Hilfe der Kenntniss der geologischen Verhältnisse in 
den südlichen Ausgängen der Alpen lässt sich die wichtige Frage 
über die Verbreitung der Braunkohle beantworten. Wie ich schon 
bemerkt habe, erlaubte es meine Zeit nicht, die Lagerungsverhältnisse 
der Tertiärbildungen bis ins Detail zu verfolgen; ich konnte daher 
nur die Braunkohlenformation von Bulli bei Valdagno sehen, welche 
Localität aber am wenigsten zur Beurtheilung der Lagerungsverhält- 
nisse der Kohle sich eignet, da sie durch plutonische Kräfte aus 
ihrer natürlichen Lage geworfen worden ist, und gerade dadurch zu 
Fehlschlüssen Veranlassung geben kann. 

Das Vorkommen der Braunkohle istim Vicentinischen an mehreren 
weit von einander entfernten Punkten bekannt; ihr Niveau ist nämlich 
aufgeschlossen bei Monteviale, Boleca, Monte del Pugnello zwischen 
Arzignano und Chiampo, auf der Calvarina, am Monte di Magre, bei 
Salcedo, Novale, Cornedo und Bulli. Hieraus können wir schliessen, 
dass auch das Tertiärgebirge ursprünglich mit einer stätig ausgebrei- 
teten, wenn auch nicht überall bauwürdigen Kohlenablagerung gesegnet 
gewesen sei, welche selbst aber durch die gewaltigen Kräfte, 
denen später die dortigen Schichten preisgegeben waren, aus ihrem 
Zusammenhang und zum Theil aus ihrem ursprünglichen Niveau 
gerissen oder durch Wasserkräfte entführt worden sind. 

Ich zweifle nicht, dass in den südlichen Alpen nur eine Koblen- 
formation bestehe, wenn deren auch von verschiedenem Alter erwähnt 
worden sind. 

Diese Formation nimmt ihre Stelle über den Nummulitenkalken 
und Fischschiefern ein. Die letzteren sowohl als auch die Peperite 
führen schon vegetabilische Überreste und kündigen die Nähe der 
Kohlenlager an. Es erscheinen nun zuerst bituminöse Schiefer mit 
Fischresten, dann thonige und mergelige Gesteine mitBlätterabdrücken 
sowohl im Liegenden als Hangenden der Braunkohle oder zwischen 
derselben, wenn mehrere Flötze vorhanden sind. Überlagert wird 
die Kohle von Basalttuffsehiehten, von muschelreichen, grobkalkähn- 
lichen Schichten, welchen, wie ich vermuthe, die jüngeren Schichten 
von Schio folgen. 


der Gegend von Recoaro im Vicentinischen. 537 


Diese Lagerungsverhältnisse bleiben sich bei allen oben genann- 
ten Orten des Vorkommens gleich. Auch in Bezug auf ihre relative 
Lage stimmen, mit Ausnahme des Kohlenterrains von Bulli, alle 
Localitäten überein. Das Terrain von Bulli bei Valdagno liegt tiefer 
als die anstossenden Tertiärhügel und könnte daher älter als diese 
erscheinen; allein die ganze Tertiärlandschaft von Schio westwärts 
der Grenze des Jura entlang, liegt tiefer als der Jura und hat von 
‚dem Gebirgsbildungsprocesse der nahen Alpen zu leiden gehabt; 
das Terrain von Bulli ist sonach als eine grosse Scholle zu.betrach- 
ten, welche bei der Hebung dieses Tertiärgebietes in einem tieferen 
Niveau geblieben ist. 

Um nun zu entscheiden, ob der Braunkohle in diesem Tertiär- 
gebiete eine weitere Verbreitung als an den oben genannten Orten 
zukomme und dieselbe zu Tage gefördert werden könne, ist. es noth- 
wendig, die Dislocationen, welche das Terrain getroffen haben, ins 
Auge zu fassen. Diese Verhältnisse gründlich zu erörtern, würde 
mehr Zeit in Anspruch nehmen, als mir zu Gebote stand; die Sache 
ist aber zu wichtig, als dass ich nicht meine, wenngleich nur durch 
oberflächliche Beobachtung gewonnene Ansicht als einen Wink für 
weitere Untersuchungen mittheilen sollte. 

Überblicken wir die Reliefform des Landstriches vom Eitsch- 
thale bis zum Golf von Venedig, so können wir in der Architektur 
des Gebirges drei Etagen unterscheiden, welche durch die Ebene, 
die meist tertiären Vorberge und die hohen, meist aus älteren : 
Gebirgsformationen bestehenden Alpen repräsentirt werden. Wäre 
die Erhebung eine gleichförmige in parallelen Linien gewesen, so 
müsste die erste, zunächst der oberen gelegene Stufe oder mittlere 
Etage regelmässig dem Streichen der Erhebungslinie folgen; dies 
ist aber nicht der Fall e Wir sehen vom Monte Pasubio, etwa in der 
Richtung des Etschthales, einen hohen Kamm herablaufen, welcher 
einer besonderen Erhebungslinie entspricht und südlich bis nach 
Verona fortsetzt; gegen Osten erstreckt sich aber die gebirgige 
Physiognomie bis nach Schio und Vicenza, während vom Norden her 
die Berge bis an eine Linie reichen, welche von Schio aus durch 
die Orte Piovene, Caltrano, Breganze, Marostica in nordöstlicher 
Richtung hinzieht. Auffallend wird dadurch die Bucht, in welche 
die lombardische Ebene bis Vicenza, Schio, Piovene und Breganze 
hereintritt. Nördlich von Carre bis Breganze erscheinen dieselben 

35% 


538 Schauroth. Übersicht der geognostischen Verhältnisse 


geognostischen Verhältnisse wieder, wie in dem Terrain westlich 
von der in der Natur scharf begrenzten Linie von Schio über Mald 
in der Richtung nach Vicenza. Wir können .nicht annehmen, dass 
diese beiden Territorien einst in ununterbrochenem Zusammen- 
hange gestanden haben und später die dazwischen gelegenen Berg- 
massen durch Erosion weggeführt worden seien: wir dürfen viel- 
mehr folgern, dass däs ganze dazwischen liegende Terrain, welches 
ich eben als eine Bucht der Ebene bezeichnet habe, in einem tieferen 
Niveau liege und die Linie von Schio über Malö eine Verwerfungs- 
linie repräsentire. Diese Annahme findet namhafte Unterstützung in 
dem Umstande, dass bei Schio sich jüngere tertiäre Schichten 
befinden, welche unter die Ebene fortzusetzen scheinen. Auf diese 
Weise würden wir bei Schio zwei grosse Verwerfungsklüfte sich 
schneiden sehen, was auch dadurch sehr wahrscheinlich gemacht 
wird, dass gerade die Gegend von Schio bis Sant’ Orso vorzugs- 
weise die Spuren gewaltsamer Zertrümmerung aufzuweisen hat. 
Unter dieser Voraussetzung (nach welcher die Schichten der Gegend 
südlich von Schio in einem tieferen Niveau liegen) ist es aber auch 
höchst wahrscheinlich, dass hier die im Hügellande nördlich von 
Vicenza an hoch gelegenen Orten zu Tage gehende Braunkoblen- 
formation in bauwürdiger Tiefe verborgen liege. Gründlichere geolo- 
sische Untersuchungen und bergmännische Versuchsarbeiten mit dem 
Erdbohrer würden diese wichtige Frage bald entscheiden können. 

Obgleich meine literarischen Hilfsmittel mich nieht in den 
Stand setzen, einen vollständigen Bericht über die von mir gesam- 
melten Tertiärversteinerungen zu erstatten, so glaube ich doch, sie 
nicht unerwähnt lassen zu dürfen, und halte es für zweckmässig, 
einige bezeichnende oder von hier noch nieht erwähnte Arten zu 
beschreiben und so weit durch Abbildungen zu veranschaulichen, 
dass sie hiernach leicht erkannt werden können. 

Aus den eocänen Kalken von Torricelle (Torreselle) habe ich 
mehrere Korallen erhalten, die ihres häufigen Vorkommens und guten 
Erhaltungszustandes wegen vorzugsweise erwähnt zu werden verdienen. 


Porites leiophylla Keuss. 

Haidinger’s naturw. Abhandl. Vol. II, Taf. V, Fig. A. 
Diese Art führt Reuss als nur seltenes Vorkommen im Wasch- 
berge bei Stockerau an. Die Structur der Zellen einiger hierher 


der Gegend von Recoaro im Vicentinischen. 539 


gehörigen Formen stimmt mit der Reuss’schen Abbildung und 
Beschreibung überein. Reuss hebt die Ungleichheit und Unregel- 
mässigkeit, welche in der Bildung der Sterne waltet, hervor; ich 
rechne daher zu dieser Art einige mehr Stamm- und Astform nach- 
ahmende Exemplare, welche bei sonst gleich grossem Gewebe in 
der Bildung der Sterne dadurch von der erwähnten Art abweichen, 
dass die Lamellen entweder mehr zackig oder auch mehr körnig 
erscheinen, und nehme an, dass die Structur des Gewebes hier ein 
entscheidenderes Merkmal abgebe, als die Ausbildung der ohnedies 
undeutlichen und bei der geringsten Abnützung eine ganz andere 
Zeichnung annehmenden Zellen oder der Oberfläche überhaupt. 


Phyllocoenia sp. ? 
Taf. II, Fig. 14. 


Diese Art steht der tertiären Cladocora conferta und der Phyl- 
locoenia compressa der Kreide sehr nahe. Dieselben unterscheiden 
sich aber besonders durch die Form des Polypenstockes, welcher 
hier dick, kurz, knollig oder halbkugelig ist, während unsere Art 
nur unregelmässig gestaltete Platten bildet, welche bis zu 150 Millim. 
Durchmesser und 15 Millim. Dicke erreichen und dabei oft auf beiden 
Seiten mit Zellen besetzt sind; auch sind hier keine Pfählehen vor- 
handen, und die an der Aussenseite der etwas hervorstehenden 
Zellen herablaufenden Rippen zeigen in der Regel nur eine Reihe 
von Körnern oder Zäckchen oder sind ausnahmsweise über die ganze 
Rippe mit unregelmässiger Körnung besetzt, wie es bei Cladocora 
conferta angegeben wird. Diese Art wäre also folgendermassen zu 
diagnosiren: | 

Stock unregelmässig plattenförmig; die Kelche stehen sehr 
eng, unregelmässig und fast immer in geneigter Stellung beisammen; 
ihre Form ist ceylindrisch oder etwas konisch, meist mit scharfem, 
rundem oder ovalem, auch dreieckig zusammengedrücktem Rande 
mit mehr oder minder tiefer Kammer. Die Sternleisten sind dünn, 
auf den Seiten und an den etwas bogenförmig erhabenen Kanten 
gekörnt; sie bilden sechs Systeme, erscheinen aber selten vollständig 
entwickelt; die ersten zwölf Lamellen treffen sich in der Mitte, ohne 
eine Säule zu bilden, ausserdem erscheinen noch zwei Kreise von 
Lamellen, welche beide die Axe nicht erreichen. So vollständig sind 
die Zellen selten ausgebildet, indem gegen den Rand hin meistens, 


540 Sehauroth. Übersicht der geognostischen Verhältnisse 


einzelne oder mehrere Lamellen fehlen, was an den feinen, meist 
einreihig gekörnten Rippen der Aussenseite, welche genau den Sep- 
ten entsprechen, zu erkennen ist. Die Rippen vereinigen sich im 
Grunde der zwischen den 2—3 Millim. hohen und durchSch na 
3—4 Millim. breiten Zellen liegenden Thälern. 


Phylloeoenia irradians E. et H. 
Naumann’s Atlas zum Handb. d. Geogn. Taf. 61, Fig. 1 
unterscheidet sich von voriger Art sofort durch kräftigeren Bau, 
mehr knollige Gestalt und entfernter stehende Zellen. 


Stylocoenia Taurinensis Michn., sp. 
Astraea Taurinensis Mich. Icon. p. 62, Taf. 13, Fig. 3 und Reuss in Haid. 
nat. Abh. Vol. II, pag. 27, Taf. 5, Fig. 2 
bildet häufig Krusten auf anderen, grösseren, hier angeführten 
Polypenstöcken. 


Stylina sp.? 
Taf. II, Fig. 18. 

Lange, eylindrische, erst kriechende, dann aufgerichtete Zellen 
stehen ziemlich nahe büschelförmig beisammen und sind durch 
lappige Ausbreitungen der Dissepimente und Rippen mehrfach seitlich 
verbunden; aussen sind sie mit scharfen Rippen versehen, deren 
Zwischenräume durch die Dissepimente in kleine Zellen getheilt 
erscheinen. Auf der ziemlich ebenen oberen Seite der Colonie ragen 
die runden, konischen, dickwandigen, aussen gerippten, 3—4 Millim. 
breiten und unregelmässig gestellten Kelche 2—3 Millim. hoch 
empor. Die Rippen dieser Zellenenden sind scharfkantig und gekörnt. 
Die Zellen stehen isolirt, durch ein gekörntes, ebenes Cönenchym 
von einander getrennt. Die Sternlamellen zählen sechs grössere oder 
ersteren Ranges und eine verhältnissmässige Anzahl zweiten, dritten 
und vierten Ranges. Die Septen selbst sind an der Kante und an den 
Seiten gekörnt. Im Mittelpunkte steht eine einfache oder getheilte 
sriffelförmige Columella. 


Trochoseris distorta Michn., sp. 
a. Bronn’s Lethaea Tab. 35, Fig. 8. 
b. auf unserer Tab. III., Fig. 1. 
Aus den korallenreichen Kalken von Torricelle und Marostieca 
besitze ich mäandrinaähnliche Korallen ‚ die, wie ich vermuthe, 


der Gegend von Recoaro im Vicentinischen. 541 


‚ Catullo in seinem Verzeichnisse der Versteinerungen des Vicen- 
tinischen als Astraea confluens G oldf. aufgeführt hat. Die hier zur 
Sprache kommenden Korallen stehen sich: alle durch gewisse Charak- 
tere sehr nahe und bilden vielleicht nur eine Art, lassen sich aber 
doch auf zwei Formen zurückführen. | ; 

a) Die erste Form erscheint in einfachen oder zusammen- 
gesetzten Stöcken, welche etwas kreiselförmig, pilz- oder büschel- 
ähnlich, selbst walzig und unten mit einem Fusse oder Stiele ange- 
wachsen sind. Die untere Seite ist von der Anheftungsstelle an mit 
einer glatten Epithek überkleidet und mit engstehenden, den Septen 
entsprechenden, kantigen, auf der Kante mit einer Reihe scharfer 
Körner gezierten, abwechselnd stärkeren und sehwächeren Rippen 
versehen, die gegen den Fuss hin unter der Epithek verschwinden. 
Einfache Stöcke zeigen walzige bis enemidiumähnliche Form, zusam- 
mengesetzte hingegen lassen theils noch isolirte Kelche unterscheiden, 
theils sind sie auf der Oberfläche durch Aneinanderreihung mehrerer 
Individuen mit Kämmen und labyrinthischen Furchen bedeckt und 
gehen auf diese Weise in die folgende Form über. Die Septa sind 
zahlreich und stimmen in ihrer Ausbildung mit jenen der folgenden 
Form überein. An den tieferen Theilen verwitterter Exemplare habe 
ich Dissepimente oder schiefe Böden zwischen den Lamellen beob- 
achtet. Die Columella ist rudimentär oder nicht vorhanden. 

b) Die zweite Form kommt nur selten in einfachen Stöcken 
vor und bildet in der Regel plattenförmige Colonien bis zu 40 Millim. 
Höhe und 175 Millim. Durchmesser. Diese Platten tragen oben 
"mäandrisch gewundene Furchen, ähnlich der lebenden Olenophyllia 
maeandrites; unten, meistens ziemlich in der Mitte der Scheibe, 
erkennt man die Bruchfläche der kleinen Basis, mit welcher sie 
angewachsen war. Die ganze untere Seite, welche gleichsam den 
Boden der Colonie bildet, ist uneben, mit unregelmässigen Wachs- 
thumsstufen und radialen, abwechselnd stärkeren und schwächeren, 
kantigen, auf der Kante mit einer Reihe scharfer Körner gezierten, 

durch Interpolation sich mehrenden Rippen versehen. Eine Epithek, 
wie bei voriger Form, ist nicht vorhanden. Die obere Seite ist mit 
tiefen, mäandrisch gewundenen Gängen bedeckt, in welchen eine 
Tendenz zur Individualisation nicht hervortritt. Die Septa sind zahl- 
reich, entsprechen den äusseren Rippen und sind auf der Seite so 
wie auf der Kante gekörnt. Zwei in der Mitte der scharfen Kämme 


5A2 Schauroth. Übersicht der geognostischen Verhältnisse 


sich treffende Reihen sind nur durch die gemeinschaftliche Wand 
getrennt; in diesen Kämmen wechseln dann immer eine grössere, 
unten sich etwas erhebende, und eine kleinere, weniger hervor- 
ragende Lamelle mit einander ab und stehen in der Regel so gegen 
einander, ‚dass die grössere und kleinere Lamelle der einen Reihe 
der grösseren und kleineren Lamelle der anstossenden Reihe ent- 
spricht, und die Lamellen der einen Reihe die Fortsetzungen der 
gleichgestalteten der anderen Reihe zu sein scheinen. 

Diese zweite Form unterscheidet sich demnach von der ersten 
nur durch die Plattenform des Polypenstockes, durch den Mangel 
der Tendenz zur Individualisation und der Epithek am untersten 
Theile, so wie durch etwas zartere Ausbildung der Lamellen und 
Rippen. Beide Formen gehen in einander über und gehören vielleicht 
zu Ctenophyllia. 

Dendraeis &ervillei E. et H. 
abgebildet in Bronn’s Lethäa, Taf. 35, Fig. 4, pag. 285. 

Diese im oberen Parisien von Hauteville häufige Art habe ich 
auch als häufiges Vorkommen bei Torricelle erhalten. 

Einige andere Korallen muss ich unberücksichtigt lassen. 


Nummulina lenticularis F. M., sp. 
Taf. III, Fig. 2. 

Trotz dem ausserordentlichen Reichthume an Nummulinen dürften 
wir es hier nur mit wenigen Arten zu thun haben. Bei der trostlosen 
Verwirrung, welche über die Namen dieser Körper noch herrscht, ist 
es nöthig, dass ich die hier vorkommenden Formen näher bezeichne. 

An gewissen Localitäten, z. B. in den Kalken, welche zwischen 
Malo und Valdagno und südlich von Tomba zwischen dem Chiampo 
und Agno über der Scaglia lagern, sind die aufgetriebenen, mehr 
kugeligen Nummulinen die vorherrschenden. Obgleich sie, von 1 bis 
15 Millim. Durchmesser, nach Form und Zeichnung manche Abwei- 
‘ chungen unter sich zu erkennen geben, so dürften sie doch, da allen 
ein gewisser specieller Charakter zukommt, als Individuen einer Art 
zu betrachten sein. | 

Die kleinsten Individuen dieser Art zeigen schmale, von der 
Seite gesehen nautilusartige S-förmige Mundseite, ziemlich scharfen 
Rücken, auf der Aussenseite etwas gebogen-radiale, den Kammern 
entsprechende, von einem Knötchen als Mittelpunkt ausgehende Falten 


der Gegend von Recoaro im Vicentinischen. Az 


oder Rippen und im Durchschnitte 3—4 rhombische, in einander 
geschachtelte reitende Umgänge, also die Charaktere von Nummulina 
globulus Leym. Mit Zunahme an Grösse und Umgängen verschwinden 
diese Falten, es zeigen sich sichelförmige Linien, welche endlich 
bei weiterem Wachsthume in eine Körnung übergehen, die jedoch an 
losen, abgescheuerten Exemplaren nicht mehr zu bemerken ist. Die 
Durehschnitte, rechtwinkelig auf die Scheibenfläche, lassen oft eine 
Abrundung des Rückens mit zunehmender Grösse bemerken; auch 
erscheinen auf den Durchschnittsflächen bisweilen mehre die Kammer- 
räume durchsetzende Kalkröhrehen der Scheidewände, oder vielmehr : 
die Durehschnitte der Scheidewände’ selbst, so dass sie theils zu 
N. spissa Defr., theils zu N. scabra Lam. gerechnet werden 
müssen. N. perforata von Klagenfurt und N. Biaritzana d’Arch. 
gehören auch hierher. Die Kammern selbst sind sehr kurz, schmal 
und niedrig. Merkwürdig ist der Umstand, dass die inneren Umgänge 
grosser Exemplare, wenn sie durch die Atmosphärilien blossgelegt 
sind, noch vollkommen den kleinen, als N. globulus beschriebenen 
Individuen gleichen. Dieser Typus allein mag Veranlassung zu 
einer grossen Anzahl von Arten gegeben haben. So dürften Lenticu- 
lites rotulata Lam., Rot. radiatus M. F. und Lent. nautiloides 
Scehloth. ebenfalls hierher gehören. 

In Begleitung dieser Art finden sich noch häufig Nummulina 
assilinoides Rüt. oder Assulina depressa d’Orb., auch manche als 
N. laevigata angeführte Formen. 

Assulina depressa bildetflache, ziemlich made Scheiben 
bis zu 25 Millim. Durchmesser und fast 3 Millim. Dicke. Ihre Aussenseite 
erscheint gekörnt, und da die kleinen Erhöhungen in ihrer Lage den 
Durchschnitten der Scheidewände mit der Scheibenfläche entsprechen, 
so lässt sich in ihrer Lage leicht eine spirale Anordnung erkennen. 
Die Kammern sind in ihrem Horizontaldurchschnitte etwas höher als 
breit, im Vertiealdurcehschnitte oben eonvex, unten eonceav und so 
spiral an einander gereiht, wie es die Abbildungen von Assulina 
depressa und Numm. laevigata hinreichend veranschaulichen. 

Über den Bau dieser Art geben die Steinkerne eines porösen, 
durch die Eruption von Basalt wahrscheinlich in diesen Zustand 
versetzten Nummulinengesteins von Novale erwünschten Aufschluss. 
In diesem Gesteine bildet dieselbe die vorherrschende Art, und 
wir sehen hier vortreffliehe Hohldrücke erhalten, welehe die sonst 


5AA Schauroth. Übersicht der geognostischen Verhältnisse 


nirgends unversehrt erhaltene Oberflächenzeichnung treu aufbe- 
wahrt haben und die in den Ausgüssen der Kammern eine deutliche 
Ansicht des Innern derselben gestatten. 

Eine dritte, ebenfalls nicht seltene Art steht dem Nummulites 
assilinoides Rüt. nahe, wird aber noch grösser, bis 50. Millim. im 
Durchmesser. Sie unterscheidet sich von jener durch 'verbogene 
Form, durch schärferen stets verbogenen Rand und ihre, wenn auch 
nicht glatte, doch ungekörnte Oberfläche. Die Kammern sind sitzend, 
nichtsdestoweniger aber überziehen die Umgänge den ganzen Körper, 
jedoch in so dünnen Lagen, dass die Form dünn-scheibenförmig bleibt 
und die Schale bei der Verwitterung sich in dünnen Lamellen 
abblättert. Diese Art dürfte zu N. complanata Lam. oder N. maxıma 
Cat. gerechnet werden. 

Eine andere, aber ihrer Struetur wegen nicht zu Nummulina 
gehörige Art bildet die hier auch vorkommende N. polygyrata Rüt. 

An anderen Orten, z.B. im Val Sangonini und bei S. Orso zeigen 
sich die sogenannten Orbituliten und ersetzen gleichsam die Nummu- 
linen, welche hier nur in geringer Anzahl vorhanden sind. | 

Die Orbituliten bilden dünne, gerade,’ oder sattelförmig gebogene 
Scheiben mit scharfem Rande und rauher. Oberfläche von höchstens 
1 Millim. Dieke und 5—20 Millim. Durchmesser. Die ebenen, oder in 
der Mitte nur wenig verdickten Individuen gehören zu Schlotheim’s 
Lenticulites ephippium, zuBronn’s Hymenocyclus papyraceus, und 
sind von Catullo. Discolites onychomorpha genannt worden; jene 
mit einem Knoten in der Mitte gehören zu Orbitulites submedia 
d’Arch., und eine Art mit einem Knopf in der Mitte und gegen 30 
von demselben ausstrahlenden Rippen dürfte zu Orb. radians d’Ar ch. 
zu stellen sein. 

Der Erhaltungszustand dieser Körper gibt wenig Aufschluss 
über ihre räthselhafte Natur. Geräumige Kammern, wie bei Nummu- 
linen, sind bei ihnen nicht zu erkennen, und auf dem Querbruche 
haben sie das Ansehen, als wenn zwei gleich dicke Scheiben an einan- 
der gefügt wären, welche selbst aus senkrecht auf die Berührungs- 
fläche stehenden Säulchen zusammengesetzt erscheinen. 

Hierher gehört wohl auch die als Num. polygyrata (Taf. II, 
Fig. 3) angeführte Form. Wenn die Atmosphärilien zerstörend auf 
diese Körper eingewirkt haben, tritt die Structur deutlich hervor. 
Man unterscheidet dann deutlich zwei durch eine Fuge getrennte, 


der Gegend von Recoaro im Vicentinischen. 5A5 


gleich dicke Scheiben, welche aus eylindrischen, sich nicht berühren- 
den, senkrecht neben einander stehenden, sich zuspitzenden Säulchen 
bestehen, deren Zwischenräume mit thierisch-kalkiger Masse erfüllt 
sind, so dass die Spitzen der Säulchen die Oberfläche der Scheibe 
_ überragen und im unverletzten Zustand die äusserliche Körnung 
hervorrufen, während die unteren Enden in eine Bäsalplatte eingefügt 
zu sein scheinen, bei weiter vorgeschrittener Verwitterung aber 
auch nach unten oder innen frei stehen und sich auch hier zugespitzt 
zeigen; die Oberfläche dieser Säulchen ist fein quergerunzelt,, und 
sie selbst scheinen in der Richtung der Axe durchbohrt zu sein. 

In dem Nummulitenkalke von Sant’ Orso und Valle Dangonini 
habe ich auch 3 Arten von Operculina bemerkt. 


Operenlina Boissyi d’Arch. 
Tab. III, Fig. 7. 

Der einzigen mir zugänglichen Abbildung in Naumann’s Atlas 
Taf. 61, Fig. 18 nach zu urtheilen, muss eine Form hieher gerechnet 
werden. Sie hat 5 Millim. Durchmesser, hervorstehenden glatten Kiel 
und gleiche, zuleizt etwas rückwärtsgebogen dem Kiele sich an- 
schliessende Rippen, ‚welche beide ebene, tiefer liegende Felder 
zwischen sich fassen. 


Opereulina erenato-costata m., n. sp. 
Taf. IH, Fig. 8. 

So will ich eine der Heterostegina costata d’Orb. im Äusseren 
ähnliche, aber keine Fächer in den Kammen zeigende Art nennen 
welche der vorigen ähnlich, bei etwa 5 Millim. Durchmesser und 
gleicher Lage der Rippen und des Kieles auf den Rippen mit einer 
Reihe zierlicher Kerben oder Perlen versehen ist, und welche letztere 
auch amKiele, aber weniger deutlich, zu bemerken sind. 


Opereulina semicostata m., n. sp. 
Taf. III, Fig. 9. 
bildet, wie ich vermuthe, auch eine neue Art. Die ersten 3 Um- 
gänge sind mit dicht aneinander stehenden, einer Schnur ähnlich 
gewundenen Wülsten versehen, welche wie grobe Rippen auf dem 
letzten Umgange nur die untere Hälfte des Umganges bedecken, 


5A6 Sehauroth. Übersicht der geognostischen Verhältnisse 


während die obere, dem Rücken zu gelegene, etwas rinnenartig 
vertieft und körnig-rauh. erscheint. 

Von eoeänen Stachelhäutern finden sich nicht selten 
Conoclypus conoideus Ag., Conocl. Bouci Münst., Clypeaster 
grandiflorus Bronn, Eupatagus ornatus Ag., Scutella Faujasi 
Defr. und Spatangus Desmaresti Münst. 

Interessant ist das Vorkommen von Krinoidenstielgliedern bei 
Priabona. Sie gehören zu Bourguetocrinus, und ich will sie als 


! Bourguetocrinus elliptieus Schloth., sp. 
Taf. II, Fig. 10 

anführen. Von diesem artenarmen Geschlechte kennt man nur eine 
lebende von den Antillen ; als eocän werden 3 Arten erwähnt, nämlich, 
eine von Biaritz (B. oder Conocerinus Thorenti) eine (B. Lon- 
dinensis) aus dem Londonclay von Copenhagen-House und eine 
(Apioerinus ellipticus cornutus Schafh.) vom Kressenberge. 
Ausserdem hat die Kreide noch 3 und der untere Jura 4 Arten 
aufzuweisen. 

Unsere Exemplare stimmen — so viel ich den Beschreibungen 
entnehmen kann — am meisten mit dem Bourguetocrinus ellipticus 
der oberen Kreide überein. Schafhäutl hat eine Art vom Kressen- 
berge in v. Leonhard’s Jahrbuch 1846, p. 658, 1851, p. 420, 
Taf. VII, Fig. 13, und 1852, p. 151 beschrieben; da man sich aber 
weder aus den Beschreibungen dieser noch der anderen Arten eine 
hinreichend deutliche Vorstellung von der Zeichnung der Gelenk- 
flächen machen kann und ich vermuthe, dass die Art vom Kressenberge 
— wenn auch mehr gehörnt erscheinend — mit unserer identisch 
und mit dem B. ellipticus der oberen Kreide zu vereinigen sei, so 
will ich diese Form nicht unter neuem Namen aufführen, sondern 
lieber zu dem gegebenen Namen ein Fragezeichen stellen. 

Diese Stielglieder erreichen eineHöhe von —6 Millim. und eine 
grösste Breite von 7—11 Millim. Die elliptischen Gelenkflächen sind 
nur wenig concav, so dass die ziemlich spitzen Enden der grossen 
Axe nur wenig in die Höhe streben und sich dadurch von der Form 
des Kressenberges etwas unterscheiden. In der Richtung der grossen 
Axe läuft eine erhöhte Leiste, welche eine feine Längsfurche hat und 
an welche sich an beiden Enden, erst in der Richtung des Umfangs, 
die Anfänge einer vertieften Linie, dann, mehr der Mitte zu, eine 


der Gegend von Recoaro im Vicentinischen. BAY 


zweite, ununterbrochene, elliptische Furche anschliesst. -Die Mitte 
ist fein durehbohrt und so vertieft, dass die Grube durch den beider- 
seitigen Eintritt der in der Richtung der grossen Axe laufenden und in 
der Mitte unterbrochenen Leiste ein didymisches oder gedoppeltes 
Ansehen erhält. Die beiden Gelenkflächen stehen nieht rechtwinkelig auf 
einander, sondern gewöhnlich in einem Winkel von 120° gegen einander. 
Diese Verschiebung der beiden Gelenkflächen ist theils nach rechts, 
theils nach links, so dass an den Säulen die Kanten, welehe durch 
diese Verwendung an den Seiten entstanden, im Ziekzack laufen 
mussten. Die beigefügten Abbildungen werden hinreichen, um Ver- 
gleiche mit den anderen Arten anstellen zu können, und sollte sich 
diese Form als eine selbstständige erweisen, so könnte sie ihrer 
gedoppelten Vertiefung der Gelenkflächen wegen als didymus unter- 
schieden werden. 


VII. BRYOZOEN 


finden sich auch nicht selten in den eocänen Gesteinen des Vicen- 
tinischen. 

Cellepora pustulosa Münst. (Goldf. Petref. I, p. 102, 
Taf. 36, Fig. 15, aus dem Sandmergel von Astrupp, welche mit 
C. tristoma, ib. Fig. 12 und C. oder Escharoides pusilla Hag., Leth. 
p. 106, Taf. 29°, Fig. 16 grosse Verwandtschaft zu erkennen gibt) 
überzieht zuweilen Orbituliten im Kalke von Sant’ Orso. - 

Cellepora hexagonalis Münst. (Goldf. Petref. I, p. 102, 
Taf. 36, Fig. 15, aus dem chloritischen und eisenschüssigen Sand- 
steine der Glaueonie des Grobkalkes von Traunstein, wo sie Über- 
züge auf Austern und Nummuliten bildet) erscheint auch hier auf 
Nummuliten, Orbituliten und in lappenförmigen Colonien, welche letz- 
teren nur aus zwei durch eine Basaltplatte getrennten Zellenschichten 
bestehen. | 

Lunulites bimarginatus m., n. sp. 
Taf. Il, Fig.11 

will ich eine Art nennen, welche dem Zunulites radiatus wohl am 
nächsten steht, sich von diesem aber hauptsächlich durch den doppel- 
ten Mundrand unterscheidet. Sie bildet einen sehr flach-trichter- 
förmigen, 1 Millim. dicken Stock, welcher, nach dem 30 Millim. 
grossen Bruchstücke zu urtheilen, einen Durchmesser von 40 Millim. 


548 Schauroth. Übersicht der geognostischen Verhältnisse 


gehabt haben kann. Die Zellen sind etwas gebogen und münden auf 
der unteren, gewölbten Seite, liegen dachziegelförmig in radialen, 
durch Einschaltung vermehrten Reihen über einander und in eoncen- 
trischen Reihen neben einander. Die Anordnung der letzteren 
Reihen tritt besonders dadurch deutlich hervor, dass der obere 
Theil der einzelnen Zellen etwas überhängt und ringförmige Stufen 
bildet. Die Mündungen der Zellen sind etwas viereckig-elliptisch, 
glatt und mit einem doppelten Rande versehen, so dass es scheint, 


‚als ob zwei Zellen in einander gesteckt wären, deren entsprechende 


concave und convexe Rückenseiten sich berühren. Der innere Ring 
der Mundansicht bildet die ausgehende Zellenwand, der äussere, 
jenen nur am Scheitel berührende und von ihm unten durch eine 
vertiefte halbmondförmige Fläche getrennte Ring ist nur als eine 
von der Zellenwand ausgehende, bis ins Niveau des Mundrandes 
reichende leistenartige Verdiekung zu betrachten. Durch die vom 
Rücken der Zellen in radialen Reihen erfolgende Sprossung kommen 
nun vier Zellen so neben einander zu stehen, dass die die Zellen- 
mündungen umfassenden Ringe ein rhombisches vertieftes Feld 
zwischen sich lassen und der ganzen Oberfläche ein sehr regel- 
mässiges und zierliches Ansehen verleihen. Die innere Seite erscheint, 
den Zellenreihen entsprechend, radial gefurcht, so dass man zwischen 
zwei Furchen die etwas vorstehenden Böden der Zellen bemerken 
kann. 
Stomatopora pachysioma m., n. sp. 
Taf. II, Fig. 12. 

Auf Orbitulites ephippium habe ich eine kleine Stomatopora 
gefunden, welche der Stomatopora divaricata Reuss sp. aus dem 
Leithakalke von Eisenstadt in Ungarn am nächsten steht, sich von 


ihr aber durch eine wulstigere Mündung und durch kürzere, aufgetrie- 


benere Form der Zellen hinreichend unterscheiden dürfte. 

Diese Art bildet aufgewachsene, diehotom-ästige Stämmcechen. 
Die Zellen erscheinen bei bedeutender Vergrösserung fein gerunzelt 
mit gelegentlichen schwachen Einschnürungen und Verengung 
gegen den wulstigen, schief aufgerichteten Mund hin; ihre Länge 
erreicht höchstens ihre dreifache Breite. Die neuen Zellen knospen 
unter der Mündung der Mutterzelle hervor; die seitlich abgehenden, 
diehotomirenden Zellen entspringen auch an der Seite der Zellen, 
von der Mündung entfernt. 


der Gegend von Reeoaro im Vicentinischen. 549 


Cricopora tubiformis m., n. sp. 
Taf. III, Fig. 13. 


Bei einer Tubuliporiden-Art aus der Brecciola vom Valle San- 
gonini wiederholt sich der bei den Eschariden schon ausgesprochene 
Charakter der Aneinanderreihung der Zellen mit hohlen Achsen in 
dem Grade, dass wir hier die einzelnen Zellen zu einem förmlichen 
Rohr oder Schlauch zusammentreten sehen. 

Die Form und die Pullulation dieser Zellen gleicht ganz jenen 
der Stomatopora, und im Systeme kann ich diesen schlauchförmig 
aus einer einzigen Schichte gebauten Bryozoenstock nicht besser als 
bei Cricopora unterbringen. 

Die Zellen sind röhrenförmig, wohl fünfmal so lang als breit, 
ursprünglich rund, gegen die Mündung hin sehr wenig verjüngt; 
ihre Mündung ist rund oder auch etwas quer-eiförmig, mit etwas 
wulstigem Rande versehen. Solcher Zellen stehen 20—80 im Kreise 
in aufrechter Stellung dicht neben einander; im Nacken einer jeden 
Zelle entspringt eine neue, so dass ein neuer Cyklus von Zellen 
entsteht, dessen mehrmalige Wiederholung endlich ein eylindrisches 
Rohr bildet. In der so entstandenen Colonie erscheint die äussere 
Seite in der Weise, dass die Zellen in regelmässigen verticalen 
Reihen und die Zellenmündungen in Quincunx beisammen stehen. 
Die Zellenreihen selbst sind aber durch scharfe feine Leisten von 
einander getrennt, so dass jede Zelle genau umschrieben ist. Die 
Innenseite sieht aus, als ob feine Rundstäbe neben einander lägen, 
an welchen jede neue Zelle durch eine schwache Einschnürung 
angedeutet ist. 

Nun könnte ich noch viele Versteinerungen aus anderen Thier- 
classen anführen; allein da deren Vorkommen im Vicentinischen 
meistens schon bekannt ist und ich manche aus Mangel an literari- 
schen Hülfsmitteln nicht speciell bezeichnen kann und eine blosse 
Anführung von Genus-Namen für zwecklos halte, so will ich mich 
auf das oben Mitgetheilte beschränken. 


Die Diluvialgebilde 


sind durch Schichten von Mergel und Thon ausgezeichnet; ich 
konnte ihnen keine Aufmerksamkeit widmen. 


550 Schauroth. Übersicht der geognostischen Verhältnisse 


Die Alluvialgebilde 


erscheinen in den Thälern durch die verschiedenen primitiven, 
neptunischen und vulcanischen Gebirgsarten vielfach modifieirt, und 
halte ich es für überflüssig, hier auf eine Beschreibung dieser minder 
wichtigen Gebilde einzugehen. 


. Eruptive Formationen. 


In vielfacher Hinsicht muss unsere Aufmerksamkeit durch die 
eruptiven Gebilde in Anspruch genommen werden. Ihre grosse Ver- 
breitung, ihre Mannigfaltigkeit, der Einfluss, welchen sie auf die 


geschichteten Gebirgsglieder ausübten, der Antheil, welchen sie an’ 


der Physiognomie unseres Terrains geltend machen, und die Bezie- 
hungen, welche sie zu den Mineralquellen zu erkennen geben, 
fordern zu mehrfachen Erörterungen auf. 

Die Alpen, zum wenigsten in ihrer gegenwärtigen vollendeten 
Form, gehören zu den jüngsten Gebirgen. Auf die frühesten Wirkungen 
granitischer Massen und auf die durch spätere Eruptionen von Por- 
phyren und Melaphyren vermehrte Erhebung der Alpenkette kann 
und will ich hier nicht eingehen; diese Katastrophen haben unser 
Terrain weniger berührt, indem wohl alle Spuren plutonischer Thätig- 
keit--auf eine spätere Periode hindeuten. Wir sehen nicht nur die 
älteren seeundären Bildungen aus ihrer ursprünglichen Lage gewor- 
fen, sondern auch die jüngeren, tertiären Gebilde einer gleichen 


gewaltsamen Einwirkung erlegen. Schon aus dem Mitgetheilten . 


geht hervor, dass die jüngeren tertiären Schichten von Schio in 
ihrem gegenwärtigen Niveau von jenem der primitiven Schiefer 
und anderen ihr Alter übersteigenden Formationen wenig differiren ; 
bringen wir nun noch die Beobachtung de Zigno’s in Anschlag, 
nach welcher beim Dorfe Galio in den Sette Comuni in 8000 Fuss 
Höhe Nummulitengesteine sich zeigen, so müssen wir daraus schlies- 
sen, dass diese Verwerfungen alle erst nach dem Absatze dieser 
tertiären Gebilde erfolgt sein musste. 

In vielleicht nur seltenen Fällen sehen wir die jüngeren Eruptiv- 
formationen in das Bereich der älteren, welche dem Gebirge. einen 


Kern gegeben und die frühere Wunde der Erdrinde gleichsam fest 


vernarbt haben, eingreifen. Es erscheint daher schon unwahr- 


’ 


der Gegend von Recoaro im Vicentinischen. 551 


scheinlich, wenn wir in unserem Terrain eine Menge von eruptiven 
Gesteinen aus verschiedenen, weit von einander entfernten Perioden, 
wie Porphyre, Melaphyre, Metassite, Pechstein, Trapp und andere 
Gesteinsarten, eitirt finden, während T ‚achyt und Basalt am wenig- 
sten genannt werden, und ich gerade glaube, dass wir es hier nur 
mit Gliedern aus den Familien des Trachyts und Basalts zu thun 
haben. Welchen anderen Formationen sollten wir auch diese in die 
Tertiärperiode fallenden grossartigen Wirkungen zuschreiben ? Es 
kann nicht auffallend erscheinen, eine solche Mannigfaltigkeit erup- 
tiver Gesteine, wie sie bei Recoaro die Gebirgsglieder durchsetzen, 
als das Resultat einer einzigen Periode zu bezeichnen, wenn wir 
bedenken, dass es gerade die Trachyte und Basalte sind, bei welchen 
man die meisten Varietäten — die oft anderen, älteren Gesteinen 
ähnlich sind — unterschieden hat. 

Trachyt, Basalt und Phonolith stehen sich in vieler Hinsicht 
sehr nahe, und noch sehen wir in unseren Vulcanen trachytische 
und basaltische Laven sich bilden. Es dürfte daher auch in unserem 
Gebiete oft schwer zu entscheiden sein, welche von beiden Forma- 
tionen die andere an Alter überbiete. Die Basalte haben schon an 
der Bildung der älteren tertiären Schichten Theil genommen, so dass 
ich glaube, dass die basaltische Eruption der trachytischen voraus- 
gegangen sei oder diese eingeleitet habe. 


Basaltformation. 


Basaltische Gesteine treffen wir ohne Rücksicht auf das Alter 
der geschichteten Gebirgsglieder. Da diese Gesteine, wesentlich aus 
Labrador, Augit und titanhaltigem Magneteisen bestehend, in ihrem 
ursprünglichen Zustande als identische oder homogene Massen zu 
betrachten und erst beim Übergange in ihren gegenwärtigen Aggre- 
gatzustand je nach den Verhältnissen verschieden modifieirt worden 
sind, so können wir erwarten, dass sie auch in unserem Terrain an 
verschiedenen Localitäten mit gleichem Habitus und an einer und 
derselben Localität mit verschiedenem Habitus auftreten. Unsere 
Gesteine sind nun Dolerit, Anamesit, eigentlicher Basalt und Wacke, 
und so vertheilt, dass der eigentliche Basalt vorzugsweise dem Ter- 
tiärgebirge zukommt, während anamesitische und doleritische Varie- 
täten mehr den älteren Formationen eigen sind. 

Sitzb. d. mathem.-naturw. C). XVII. Bd. III. Hft. 36 


5 52 Schauroth. Übersicht der geognostischen Verhältnisse 


Ich habe nicht nöthig, die verschiedenen Varietäten des Basalts, 
welche hier vorkommen, anzuführen oder auf deren Mitwirkung am 
Bau des Tertiärgebirges zurückzukommen, und erwähne nur, dass 
unsere Basalte überhaupt meistens eigentlicher Basalt sind und sel- 
tener anamesitisch oder doleritisch sich zeigen. 

Die Dolerite bilden meistens kleinkörnige Aggregate der Ele- 
mentarbestandtheile. Erhalten sie durch viele eingesprengte Augit- 
krystalle ein porphyrartiges Ansehen, so erscheinen sie zugleich 
durch die Atmosphärilien mehr oder minder in ihren physicalischen 
und chemischen Eigenschaften verändert oder zersetzt. Solche Ge- 
steine hat man auch mit dem Namen Wacke (vachia) — ein Ausdruck 
der wegen der Inconsequenz in seinem Gebrauche mit Recht immer 
weniger in Anwendung gebracht wird — bezeichnet; man findet sie 
in Form von Gängen, z. B. zwischen der Brücke am Agno bei Recoaro 
und Rovegliana, so wie jenseits Rovegliana. Grössere Verbreitung 
kommt schon dem körnigen Dolerit zu. Dieser zeigt mehr dunkle, 
schwarzgrüne, selten helle, schmutziggrüne oder graugrüne Färbung 
und findet sich in der Nähe von Recoaro, im Prechele, im Agnobette, 
am Wege nach der Quelle Franco, im Val Zuecante, Val Calda, Val 
dell’ Erbe und an vielen anderen Orten. Gleiche Verbreitung haben 
jene Gesteinsvarietäten, in welchen die Dimensionsverhältnisse der 
mineralischen Bestandtheile des Dolerits so herabgesunken sind, dass 
sie durch das blosse Auge nicht mehr unterschieden werden können 
und dann als Anamesite bezeichnet werden müssen. Verliert sich 
endlich der krystallinisch-körnige Habitus, so werden wir in die 
eigentlichen Basalte übergeführt und begegnen selbst Varietäten, 
welchen eine Ähnlichkeit oder Verwandtschaft mit Phonolith nicht 
abgesprochen werden kann, wie ich es z. B. bei Valle dei Signori 
am Wege nach Recoaro beobachtet habe. 

Selbstverständlich dürfte wohl sein, dass alle diese basaltischen 
Gesteine häufig auch die bei ihnen gewöhnliche amygdaloidische 
Strucetur und die gleichen Arten der die ursprünglichen Cavitäten 
erfüllt habenden Mineralspecies aufzuweisen haben. 

Bemerkenswerth ist endlich noch das Vorkommen kugeliger 
oder sphäroidischer Coneretionsformen hinter der östlich von Sant’ 
Orso gelegenen Kirche (S. Vito), und ein ausgezeichnetes Beispiel 
der säulenförmigen Absonderung bei Stanghellini. Am ersteren Orte 
liegen in einem dem Trachyte sich anschliessenden, schon ziemlich 


der Gegend von Recoaro im Vieentinischen. 553 


aufgelösten Basalt, der den Grohbkalk gangförmig durchbrochen und 
in seiner Masse viele, meist durch die Hitze des Basalts geröthete 
Fragmente aufgenommen hat, faust- bis kopfgrosse Kugeln und 
Sphäroide von Basalt, welche beim Zerschlagen in mehrere con- 
centrische Schalen zerfallen. Die Basaltsäulen von Stanghellini habe 
ich nicht selbst gesehen. 


Trachytformation. 


Die trachytischen Gebilde zeigen viel Analogie mit den Basalten. 
Noch in bei Weitem höheren Grade tritt hier die Mannigfaltigkeit 
in Bezug auf Structur und Färbung hervor. Die meisten Varietäten 
machen auf den ersten Anblick den Eindruck von Melaphyr und 
Porphyr, für welche sie auch häufig gehalten worden sind. 

Während die basaltischen Gesteine im Tertiärgebirge die 
Oberhand behaupten, haben in den secundären und primitiven 
Gebilden die trachytischen Gesteine ihren eigentlichen Sitz. 

Die alle Widerstände überwältigenden abyssodynamischen 
Kräfte haben besonders beim Erscheinen der Trachyte die Erd- 
kruste nach allen Richtungen aufgeschlitzt und zertrümmert, und 
die aufquellenden Massen haben diese Trümmer verkittet, so dass 
wir jetzt vorzugsweise den Trachyt in verschieden geformten 
Gebirgsgliedern den nördlichen Theil unseres Terrains durch- 
setzen sehen. Obgleich nun allen Vorkommnissen unseres Trachyts 
die Natur gangförmiger Gebirgsglieder zusteht, so können wir doch 
einige für unsere Verhältnisse grössere Massen als sphenoidische 
oder tryphonische Stöcke und Kuppen bezeichnen. Zu diesen gehören 
dann die Trachytmassen von Chempele bis Fongara, jene von Roccolo 
(Vogelherd) di Treitenero, am Stocheehe bei Cuceo, bei Staro, im 
Tretto bei Righellini und S. Ulderico. Es würde zu weit führen, 
noch viele kleinere Massen und Gänge zu bezeichnen; im Agnothale, 
im Val Calda, im Val di Creme, kurz überall bietet sich Gelegenheit, 
die Natur der Trachyte und massigen Gebirgsglieder überhaupt zu 
studiren. Nach diesen Vorkommnissen dürfte aber auch anzunehmen 
sein, dass die Trachyte und die vuleanischen Formationen überhaupt 
noch weit in den Alpen verbreitet und vielleicht nicht als solche 
erkannt worden seien. 


554 Schauroth. Übersicht der geognostischen Verhältnisse 


Für Besucher von Reeoaro ist es höchst belohnend , einen Aus- 
flug über die Rasta, den Chempele und Fongara zur Spaccata und 
S. Quirico zu machen, von wo man dann auf der Hauptstrasse leicht 
wieder nach Recoaro gelangt. Auf diesem Wege kann man sich eine 
Einsicht in die geschichteten Formationen verschaffen, in dem mäch- 
tigen Trachytstocke, welcher, mit südwestlichem Streichen, im Süd- 
osten vom M. Spizze keilförmig eingeschoben ist, die verschiedenen 
Varietäten des Trachyts kennen lernen und dabei auch die merk- 
würdige Spaccata besuchen, welche als ein Trachytgang betrachtet 
werden darf, aus welchem durch spätere Ereignisse das Trachyt- 
gestein entfernt worden ist. Diese mächtige Bergspalte vergegen- 
wärtigt uns einen Theil des Bildes, welches die Erdkruste erhielt, 
als die Trachyte sich ihren Weg zum Tageslichte bahnten. 

Unser Trachyt gehört meistens zum quarzfreien Trachytporphyr. 
Vom Chempele bis Fongara begegnen wir fast allen Varietäten, wie 
sie sich an verschiedenen anderen Localitäten finden. Die verbrei- 
tetste Varietät charakterisirt sich als ein rauhes, selbst poröses Ge- 
stein, mit feldspathiger röthlicher, graulicher oder blaulicher Grund- 
masse, welche meist mit vielen schwarzen Glimmertafeln und Sanidin- 
körnern übermengt ist und nur selten titanhaltiges Magneteisen, 
Hornblende und grössere Sanidinkrystalle erkennen lässt. Ist unser 
Trachyt auch arm an accessorischen Bestandtheilen, so bietet er um 
so mehr Interesse durch seinen Wechsel in Farbe und Structur. 
Wir finden hier auch schwarze email- oder obsidianähnliche Partien, 
die man Pechstein genannt hat, Übergänge bis zum erdigen, thon- 
steinähnlichen Habitus und ganz aufgelöste, in Thon umgewandelte 
und zu technischen Zwecken verwendbare Massen. Plattenförmig 
abgesondert erscheint ein ziemlich aufgelöster, fast geschichtet 
erscheinender Trachyt am Monte Spizze in der Nähe der Rasta. 
Zwischen Fantoni und Fongara, auf der Grenze zwischen Trachyt 
und Jurakalk, trifft man auch schöne Reibungsbreeeien, aus Trümmern 
von Jurakalk bestehend, welche durch trachytisches Material zu 
einem festen Gesteine verbunden sind. Bei Nogare im Tretto habe 
ich den Glimmer ganz zurücktreten sehen, wo dann der Trachyt ein 
gelblichweisses krystallinisches Gemenge eines verwitterten Feld- 
spathes mit viel Sanidin darstellt. 

Ich halte es für überflüssig, noch mehr Varietäten zu charakte- 
risiren und gehe nun über zu Recoaro’s 


der Gegend von Reeoaro im Vicentinischen. 555 


Mineralquellen. 


Ich habe bereits anfangs erwähnt, dass der Distriet von Recoaro 
reichlich mit Mineralquellen gesegnet sei. Mein Freund Dr. Bologna, 
der gründlichste Kenner derselben, hat mich mit allen bekannt 
gemacht. Es sind folgende: 

1. Die am längsten bekannte, gehaltreichste und ergiebigste 
ist die Königsquelle oder Fonte Lelia im Prechele-Thale. Sie liefert 
in der Stunde 960 Medieinalpfund Wasser , ist mit einem Brunnen- 
hause überbaut und wird vorzugsweise zum Trinken an Ort und 
Stelle und zum Versenden benützt. 

Gleich unter dieser laufen 2. die Fonte Lorgna und 3. Fonte 
amara. Neben diesen unter der Brücke, welehe neben dem Brunnen- 
hause über den Prechele-Bach führt, wo dieser mit dem Valette- 
Bach zusammentrifft, sprudelt eine 4., und wenige Schritte davon im 
Valette-Bach selbst eine 5. und 6. Quelle. 

An demselben Gehänge, am rechten Agno-Ufer, befindet sich 
thalabwärts, nicht weit von der Fonte Lelia entfernt, die 7., Giausse- 
Quelle genannt, und eine 8. soll oben im Valle del Pilastro zwischen 
Trachyt und Schiefer in der Nähe der Juragrenze entspringen. Die 
9. Quelle liegt thalaufwärts, oberhalb Asnicher, und ist unter dem 
Namen Asnicher-Quelle bekannt. Im Agno selbst sprudeln aber 10. 
mehrere Quellen an einer Stelle unterhalb der Brücke, über welche 
die Chaussee nach Valdagno führt. 

Am linken Gehänge liegen noch 11. die neue, von Dr. Bologna 
entdeckte und für das Militär-Etablissement benützte Orco-Quelle oder 
Fonte Giuliana im Val del’ Orco; 12. die Fonte Mariana oder del 
Capitello, und in geringer Entfernung davon gegen Osten 13. eine 
gleich kräftige Quelle; 14. die Quelle Prato di Crovole (die ich 
jedoch nicht gesehen habe); 15. die Fonte Franca ; 16. die Quellen 
bei Clochera und Spanevello; 17. die Quelle bei Staro; 18. die 
Catullo-Quelle und 19. die Fonte Felsinea bei Vegri, westlich von 
Valdagno. Die beiden letzteren Quellen sind anderer Natur als die 
übrigen, wesshalb die folgenden Betrachtungen auf sie keine Anwen- 
dung finden. 

Aus den mit vielen dieser (Quellen schon angestellten chemischen 
Analysen geht hervor, dass sie sämmtlich durch ihren Gehalt an 


556 Scehauroth. Übersicht der geognostischen Verhältnisse 


Kohlensäure und Eisen zu den Eisensäuerlingen oder kohlensauren 
Eisenwässern gerechnet werden müssen. Wie es aber die Entstehungs- 
weise der Mineralwässer bedingt, so finden wir auch in den dasigen 
Wässern den Hauptbestandtheilen in höherem oder geringerem Grade 
noch andere Substanzen beigemischt, welehe in medieinischer und 
geologischer Hinsicht, gleich den wesentlichen Bestandtheilen, nicht 
unberücksichtigt bleiben dürfen. Dieselben sind ausser den kohlen- 
sauren Verbindungen schwefelsaure Verbindungen der Kalkerde, 
des Natrons und der Talkerde, so wie freie oder an Eisen gebundene 
Kieselsäure. 

Über die Heilwirkungen und den Gebrauch der Quellen haben 
Dr. Bologna und neuerlich Dr. Hofmann vortreffliche Arbeiten 
geliefert; weniger gründlich und umfassend sind die chemischen 
und geologischen Untersuchungen. 

Wenn schon die Beschreibung der geologischen Verhältnisse 
eines an Mineralquellen reichen Distriets auch diese nicht unberück- 
siehtigt lassen darf, so sehe ich mich um so mehr aufgefordert, hier 
einige Bemerkungen über die Natur unserer Mineralquellen beizufügen, 
als man Grund hat, sich über die Unzulänglichkeit der Königsquelle 
zu beklagen, welche nicht so viel Wasser liefert, um bei starkem 
Besuch des Brunnens das Bedürfniss der anwesenden Curgäste 
während der Morgenstunden zu befriedigen. Man wagt nun nicht, an 
der Quelle selbst eine Veränderung vorzunehmen, in der Furcht, es 
möchte hierdurch das Wasser in seinen Bestandtheilen oder Wirkun- 
gen eine Veränderung erleiden, oder die Quelle vielleicht gar ver- 
' loren gehen und Recoaro dadurch aller Nahrung verlustig werden. 

Schon die grosse Anzahl der angeführten Quellen beweiset, wie 
ungegründet solche Befürchtungen sind, und noch weniger zulässig 
erscheinen sie, wenn wir uns die Entstehung der ÜbRuBE und der 
Mineralquellen überhaupt vergegenwärtigen. 

Unsere Eisensäuerlinge haben mit den gewöhnlichen Quellen 
gemein, dass sie ihr Wasser gleich jenen fördern und auf gleiche 
Weise wieder zugeführt erhalten. Das Wasser der Mineralquellen 
ist als ursprünglich reines, sogenanntes süsses Wasser zu betrachten, 
welches auf seinem in der Erdrinde zurückgelegten Wege mit den 
Stoffen geschwängert worden ist, welche die chemische Analyse in 
ihnen nachweist. Je nach den Stoffen, mit welehen das Wasser nun 
in Berührung gekommen ist, werden die dem Wasser beigemischten 


ä . ” . - we 
der Gegend von Recoaro im Vicentinischen. 55 fi 


Bestandtheile auch verschieden sein. Ein Hauptagens bei der Berei- 
tung natürlicher Mineralwässer bildet die Kohlensäure. Die Exhala- 
tionen von Kohlensäure, welche an so vielen Punkten der Erde und 
als stete Begleiter vuleanischer Eruptionen bekannt sind, machen sich 
auch in unserem Terrain als Gasquellen geltend; sie entströmen dem 
Innern der Erde und sind also auch für unseren Distriet als der letzte 
Nachhall vuleanischer Thätigkeit zu betrachten. Schon in beträcht- 
lichen Tiefen, allseitlich einem bedeutenden Drucke ausgesetzt, stossen 
die Gas- und Wasserquellen zusammen und bilden, indem das Wasser 
mit Kohlensäure überschwängert wird, reine Sauerquellen, welche als 
solche viel geeigneter sind, die Mineralien der Gesteine, mit welchen 
sie in Berührung kommen, anzugreifen, mit ihren Kräften zu ver- 
arbeiten und die aufgenommenen Stoffe als weitere eigenthümliche 
Bestandtheile zu Tage fördern. Wie aber die atmosphärischen Nie- 
derschläge von Wasser die Erdkruste von oben weit hinab durch- 
nässen, ebenso imprägnirt auch das mit grossem Drucke aus dem 
Innern der Erde aufsteigende Gas die Gebirgsmasse gerade an den 
Theilen, welche dem entgegenkommenden Wasser am zugänglichsten 
sind und befördert die Aufnahme fremder Substanzen. 

Bei Recoaro kommen wohl alle Mineralquellen aus Spalten, 
welche als Sahlbänder der vulcanischen Gesteine mit primitivem 
Schiefer oder triassischen Schichten zu betrachten sind. Diese 
Association der Mineralquellen mit den vulcanischen Gebilden hat 
sich bereits an allen Quellen, an welchen geschürft worden ist, 
ergeben. 

Diese Ansicht dürfte auch in einem Vergleiche der mineralischen 
Bestandtheile der Wässer mit jenen der von den Wässern durchwan- 
derten Gesteine oder Mineral-Aggregate ihre Aufklärung und Bestä- 
tigung finden. 

Im Wasser haben wir die Kohlensäure, das kohlensaure Eisen- 
oxydul, die Carbonate der Kalkerde und Talkerde, die schwefelsauren 
Salze von Kalkerde, Thonerde und Natron, sowie endlich Kieselsäure 
und Extraetivstoff. Die Kohlensäure ist uns in den Gasquellen, wie 
sie um Recoaro schon mehrfach, z. B. bei der Orco-Quelle und im 
Agno unterhalb der Brücke beobachtet worden sind, gegeben; in den 
basaltischen und trachytischen Gesteinen werden wir also die primitive 
Lagerstätte der übrigen im Mineralwasser befindlichen Substanzen 
suchen und finden müssen. Ich habe schon oben als bekannt ange- 


558 Sehauroth. Übersicht der geognostischen Verhältnisse 


führt, dass Labrador, Augit und Magneteisenerz die wesentlichen 
Bestandtheile der basaltischen, glasiger Feldspath, Augit und Magnet- 
eisenerz jene der trachytischen Gesteine seien. In diesen Mineral- 
species, so wie auch in den der Grundmasse ja erst entnommenen 
aceessorischen meist zeolitischen Bestandtheilen finden wir nicht nur 
alle bis jetzt in den Wässern von Recoaro ausgeschiedenen Substanzen 
wieder, sondern sie geben auch der Vermuthung Raum, dass 
dureh scharfe chemische Analysen in denselben noch die Anwesenheit 
mancher in anderen ähnlichen Wässern vorkommenden Elemente, 
besonders Kali, Mangan, Fluor (des Glimmers und der Hornblende), 
Phosphors (welcher in der Asnicher-Quelle, sowie Jod in der Orco- 
Quelle bereits von Dr. Bologna erkannt worden ist), nachgewiesen 
werden können. 

Nach obigen Voraussetzungen und zufolge der Temperatur, 
welche bei diesen Mineralquellen sich nicht weit von 9° R. entfernt, 
können wir zwar nicht annehmen, dass wir es mit Wasser zu thun 
haben, welches aus einer aussergewöhnlichen Tiefe heraufkomme, 
können jedoch versichert sein, dass die Mineralisation in einer Tiefe 
stattgefunden habe, die hinreichende Sicherheit bietet, dass Beun- 
ruhigungen der Quellen an ihren Ausflusspunkten durchaus keinen 
nachtheiligen Einfluss auf die Constitution und Ergiebigkeit der- 
selben zur Folge haben. Will man auch die Königsquelle unange- 
tastet lassen, und fürchtet man, durch Nachgraben und Fassen der 
zunächst liegenden Quellen jener einen Abbruch zu thun (oder 
eigentlich nur einen andern Ausweg zu verschaffen), so dürfte die 
Quelle zunächst dem Capitello im Val d’Orco und die Asnicher-Quelle 
zu weiteren Nachforschungen als die geeignetsten erscheinen ; 
Säuerlinge (wie die Orco-Quelle) aber in Röhren zu leiten, ist 
durchaus unzulässig. 

Was endlich die Catullo-Quelle und die Fonte Felsinea bei 
Vegri betrifft, so verdanken diese ihre Mineralisation der Zersetzung 
von Eisenkiesen und sind als Sinterquellen zu betrachten. 


der Gegend von Recoaro im Vicentinischen. 559 


Erklärung der Abbildungen. 
TAFEL 1. 


Fig. 1. Palissya Massalongi m., n.sp., aus dem bunten Sandsteine vomValPrak. 


2” 


a ein Zweig in doppelter natürlicher Grösse; 

b ein anderer Zweig in natürlicher Grösse; 

e ein stärkeres Aststückehen in natürlicher Grösse; 

d ein Zweigstückehen, bei « die Gliederung der Blätter mit dem 
Stämmehen und bei ß den Durchschnitt der Blätter zeigend 


vergrössert. 


. Chaetetes Recubariensis m., n. sp.,ausdem Trigonellenkalke (Muschel- 


kalke) von Val del Rotolone bei Recoaro. 
a in natürlicher Grösse; 
b Zellenmündungen, stark vergrössert ; 
e Längsdurchschnitt der stark vergrösserten Zellen. 


. Montlivaltia triasina Dkr., aus dem Trigonellenkalke (Muschelkalke) 


von Val del Rotolone. 
a von oben, in natürlicher Grösse ; 
b von der Seite, vergrössert. 


. Meloerinus triasinus m., n. sp., aus dem unteren Muschelkalke von 


Rovegliana bei Recoaro. 
a in natürlicher Grösse ; 
b Theil eines Armes vergrössert. 


. Enerinus pentactinus Bronn, aus dem Trigonellenkalke und unteren 


Muschelkalke im Val del Rotolone. 
a vergrössertes Säulenstück ; 
b vergrösserte Gelenkfläche. 


. Terebratula suleifera m., n. sp., aus dem Trigonellenkalke im Val 


del Rotolone. 
a von der Seite, etwas vergrössert; 
b von oben, etwas vergrössert ; 
ce von der Rückseite in fast natürlicher Grösse. 


. Spirigera trigonella Schloth. sp., aus dem Trigonellenkalke von 


Recoaro, in natürlicher Grösse. 

a von der Schnabelseite ; 

b Ansicht der grossen Schale von oben, an der ausgebrochenen Stelle 
die Spiralen zeigend ; 

e Ansicht der inneren Seite der grossen Schale. 


. Spirifer (Martinia) Mentzeli Dkr., aus dem Trigonellenkalke von 


Recoaro, in natürlicher Grösse. 

a Ansicht der zum grössten Theile weggebrochenen grossen Schale 
von oben, die Medianleiste und die äussere stachelige Bekleidung 
zeigend ; 


Biest. 


ya 


„7 
» 8 
” $) 
„10 


„ 11. 


Mal 


„ 13. 


Sehauroth. Übersicht der geognostischen Verhältnisse 


b Ansicht von der Rückseite ; 
e Ansicht der kleinen Schale von unten; 
d verkieselte Oberfläche der Sehale. 


TAFEL II. 


Gervilleia Albertii Münst. sp., aus dem unteren Muschelkalke von 
Rovegliana, in natürlicher Grösse. 
a linke Klappe von oben; 
b rechte Klappe von der Innenseite. 
? Modiola hirudiniformis m., n. sp., aus dem unteren Muschelkalke 
von Rovegliana, in natürlicher Grösse. 
a rechte Klappe, gewöhnliche Form ; 
b linke Klappe, ” I 
ce linke Klappe mit etwas mehr gewundenem und vom Rande 
entfernter liegendem Rücken; 
d schmälere Formen, auf dem Gesteine aufsitzend. 


. Modiola substriata m., n. sp., aus dem Trigonellenkalke von Recoaro. 


a in natürlicher Grösse; 
b ein vergrösserter Theil, die Zeichnung der Schale zeigend. 


. Pleurophorus Goldfussi Dkr., in natürlicher Grösse. 


a Steinkerne aus dem Muschelkalke von Rovegliana ; 
b ein jüngeres Exemplar aus den untersten Muschelkalkschichten 
im Val dell’ Erbe. 
Mytilus eduliformis Schloth., aus den untersten Kalkschichten 
im Val Serraggere, in natürlicher Grösse. 


. Myaeites inaequivalvis Zieten sp., aus dem Muscheikalke im 


Tretto, in natürlicher Grösse. 


. Tapes subundata m., n. sp., aus den untersten oolithischen Kalk- 


schichten im Val dell’ Erbe, vergrössert. 


. Natica turbilina Schloth. sp., aus dem unteren Muschelkalke von 


Rovegliana. 


. Natica (Euspira) gregaria Schloth.sp., Normalform vom Harze. 
. Turbonilla dubia Bronn, doppelt vergrössert. 


a Normalform aus dem Muschelkalke von Coburg; 
b eine kurze Form, ebendaher. 
Turbonilla gracilior m., n. sp., aus dem untersten Muschelkalke im 
Val dell’Erbe, in natürlicher Grösse. 
Turritella Bolognae m.,n. sp., aus dem Trigonellenkalke vonRecoaro. 
a in natürlicher Grösse; 
b stark vergrössert. 
Orbitulites Cassianicus m., n. sp., aus den Thonen des oberen 
St. Cassiangebildes. 
a in natürlicher Grösse, auf dem Gestein liegend; 
b vergrössert, von beiden Seiten; 
ce die stark vergrösserte Oberfläche. 


der Gegend von Recoaro im Vicentinischen. 561 


Fig. 14. Phyllocoenia sp.? aus dem Nummulitengebirge von Torrieelle, in 
natürlicher Grösse. 
„ 15. Stylina sp.? ebendaher und in natürlicher Grösse. 
a von oben; 
b von der Seite. 


TAFEL IM. 


Fig. 1. Trochoseris distorta Miehn. sp.? (Ctenophyllia sp. ?) aus dem 
Nummulitengebirge von Torricelle. 
a in natürlicher Grösse ; 
b und ce etwas vergrösserter Theil, den Wechsel der grösseren und 
kleineren gekörnten Lamellen zeigend. 
» 2. Nummulina lentieularis F. M. sp., aus dem Nummulitenkalke des 
Vieentinischen. 
a, b Ansicht junger Individuen, vergrössert; 
e älteres Individuum, in natürlicher Grösse ; 
d dessgleichen mit körniger Oberfläche, an der aufgebrochenen 
Stelle die früheren Umgänge zeigend. 
» 3. Orbitulites? (Nummulina polygyrata Rüt.?), aus dem Nummuliten- 
kalke des Vicentinischen. 
a Quersehnitt, in natürlicher Grösse, verwittert; 
b Theil desselben, stark vergrössert; 
e Ansicht der unversehrten Oberfläche ; 
d Durchsehnitt eines verwitterten jüngeren Individuums. 
» %. Chaetetes? in Findlingen, welche wahrscheinlich einem Kalksteine des 
Niveau von St. Cassian angehören. 
a ein Theil aus der Mitte, in natürlicher Grösse; 
b ein geschlossenes Ende, in natürlicher Grösse; 
ce Theile der Aussenseite, vergrössert; 
d, e, f Horizontaldurehschnitte, vergrössert ; 
g9 Ansieht der inneren Seite, vergrössert; 
h ein Horizontaldurehsehnitt (°/,); 
i Durchschnitt eines vergrösserten Zellenstrahls ; 
% Vertiealdurehsehnitt, in natürlieher Grösse; 
l vergrösserte Zellenstrahlen. 
» 9. Cyrtoceras sp.? ebendaher. 
a in natürlicher Grösse ; 
b ein Stückchen Schale, vergrössert. 
» 6. Cidaris sp.? ebendaher. 
a ın natürlicher Grösse; 
b stark vergrössert. 
» 7. Operceulina Boissyi d’Ar ch., von Sant’ Orso. 
a in natürlicher Grösse, von der Seite; 
b ein stark vergrösserter Theil des letzten Umganges, 


562 Schauroth. Übersicht der geogn. Verhältnisse der Gegend von Recoaro. 


Fig. 8. Opereulina erenato-costata m, N. sp., von Sant’ Orso. 
«a Ansicht in natürlicher Grösse; 

b ein stark vergrösserter Theil des letzten Umganges. 

» 9. Operculina semicostata m., n. sp., von Sant’ Orso. 
a in natürlicher Grösse, von der Seite; 
b ein Theil des letzten Umganges, stark vergrössert. 

„ 10. Bourguetocrinus ellipticus Sehloth. sp.? aus dem Eoeän 

Priabona, in natürlicher Grösse. 
a Stielglied, die Gelenkfläche zeigend; 
b dasselbe von der Seite; 
ce dasselbe von einer andern Seite; 
d ein anderes Glied mit entgegengesetzter Verschiebung 
Gelenkflächen. 

„» 11. Lunulites bimarginatus m., n. sp., von Sant’ Orso. 
a ein Bruchstück, in natürlicher Grösse von aussen; 
b die Zellenmündungen, stark vergrössert; 
e perspectivische Ansicht der Zellen; 
d Durchsehnitt vertieal dureh die Zellen. 

„ 12. Stomatopora pachystoma m., n. sp., von Sant’ Orso. 
a auf Orbitulites ephippium, in natürlicher Grösse; 
b stark vergrösserte Zellen. 


von 


der 


„ 13. ? Cricopora tubiformis m., n. sp., aus der Breceiola von Sangonini. 


a in natürlicher Grösse; 


b ein Theil der äusseren Seite mit den Zellenmündungen, stark 


vergrössert; 


c ein Theil der inneren Seite, die Rücken der Zellen zeigend, 


. 
! " en n——panneg m —— 
4 Meloerimus Irrasınus m. s. Surtter Mentzelt Dir. 


Sitzunash. d.k.Akad.d W. math. naturw. CI. XVIE. Bdö.lteft 1855. 


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v.Schauroth. Recoaro, 


(jeognostis C 


Abersichts Karte 


der Gegend von Recoaro 


„unter Altwirkung DZ Bolognasentworfen 
von 


D" Carl Freih.. v.Schauroth. 


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Erktlärungder Karben. 


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Idealer Durchschnitt von bolca Purga durch dasChiampothalnach Valdagno im Agnothal und von hier über Reevaro zum Cengto alto. 


Aus Ik kHofır Staatsdruckerer, 
Sitzunssb.ik.Akad. N-math.naturw. CINVILBd.3.Heft. 1855. j 


M.Ee.f 
v. Schauroth: Recoaro. lafıl 


Inermus pentachnus Dronn 


1. Lahssya Massalong m. ER 

2. Ahactews RBeenbariensis m. : 6. Terebratuln  suledera m. 

d. Wontlroalha trtasına Dkr. 7. Suerigera  trigonella Schloth. 
4. Meloerums trrasınus m. I. Surder Mentzelt Dir. 


._ 


Nitzunosb. d.k.Akad.d W. math. naturw. CI.XVIL. Bdö.Heft. 1855. 


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v.Schauroth. Recoaro. 


7a. 


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5-1.X. X. NOTE SE RAtsarlıeKReret 


Pr4. 1. Gerulleia Albertir Müinst. F1g6 Uyaeites rmaegutvalmsLieten, 19.41, Turbonilla gracklvor m. 


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2." Hodidla hirndiniformism. 


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Abbdiola substrriala m. > 
Fleurophorus Goldfijsı Dhr.  » 


. Mytdhus eduliformis Schloth, 


7 Tapes subundata m. 
8. Tatrea turbılina Schloth. 


I. Jatıca gregarın Schloth. 


/0Iurbonlla dubra Bronn, 


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72. Turritella Bolognae m, 
73. DPrbitulttesCafsrartens m. 
74 Phyllocoenta ‚spec. 
13. Stylina spee ! 


Sitzungsb.d.k.Akad «N. matlı ‚naturw.C] AND. Bd.3. Heft. 1855. 


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Kae 


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v.Schauroth. Recoaro.  7z. era 


ver lit] Aus d.k.k Hof. Staatsarucckeret 
Fig. Trochoserts distorta Nhchn. Frgö. Cyrtoceras. Frg.9$Operculina serntcostata m. 
, 2. Iummultina lentieularıs „ 6.Gdarıs. „IM Bourgueto ertnus elljptcus Schlolh. 
» 3 Orbitultes ? , Lopereulina Boißyi dArch. „MW. Lsunulites bimarginatus m. 
» 4. (haetetes ! » 8. Operculina crenato.costatam., 12.Stomatopora pachystoma m. 


Frg.13.Crteopora tubiformts m. 


Sitzungsb. d.k.Akad.d.W.math.naturw. (1.XVI.Bd.d. Heft. 1855. 


Czermak. Physiologische Studien. 563 


Physıologiısche Stadıen. 


Von Prof. Joh. Czermak in Gratz. 
(Mit I Tafel.) 


III. ABTHEILUNG t), 


1. Weitere Beiträge zur Physiologie des Gesicentssinnes. 


$. 15. Zur Chromasie des Auges. 


Es ist bekannt, dass, wenn man einen leuchtenden Punkt, von 
dem weisses Licht ausstrahlt, nicht genau auf die Retina einstellt, 
sondern im Zerstreuungskreise ansieht, sein Bild farbig gesäumt 
erscheint, und zwar erscheint ein gelbrother Saum, wenn der 
Leuchtpunkt diesseits, ein bläulicher, wenn er jenseits des Accom- 
modationspunktes sich befindet. 

Diese Farbensäume sind jedoch für normale Augen so zart, 
dass sie der Aufmerksamkeit meist ganz entgehen und es dürfte 
daher nicht überflüssig erscheinen, dass ich hier einen Versuch 
angebe, welcher das fragliche Phänomen Jedermann leicht zugäng- 
lich macht, indem sich unter den durch ihn gesetzten Bedingungen 
die chromatische Abweichung mehrerer Leuchtpunkte summirt und 
eine in die Augen springende Wirkung hervorbringt. 

Mein Versuch empfiehlt sich namentlich den Lehrern der 
Physiologie und besteht in Folgendem: 

Ich steche einen 1'" bis 2”’ im Durchmesser haltenden Kreis 
von etwa 20 Löchelchen mit einer feinen Nadel in ein Kartenblatt 
und halte dasselbe gegen einen weiss erleuchteten Hintergrund, in 
einer solchen Entfernung vom Auge, dass sich die gelben oder 
blauen Säume der Zerstreuungskreise, welche die im Kreise stehen- 
den Löchelchen auf die Netzhaut werfen, im Mittelpunkte jenes 
Kreises decken und somit in ihrer Färbung verstärken. 

Es erscheint unter diesen Umständen an der angegebenen 
Stelle — je nachdem das Kartenblatt diesseits oder jenseits des 


1) Vergl. diese Sitzungsberichte Bd. XII, 1854, pag. 322 und Bd. XV, 1855, pag. 425. 


564 Czermak. 


Accommodationspunktes steht — ein Fleck von intensiver gelber 
bis orangerother oder blauer Färbung t). Fig. 1 erläutert den ganzen 
Vorgang. 

Dass Fernsichtige schwerer die blaue Färbung, welche 
überhaupt weniger leicht zu beobachten ist, weil der Löchelchen- 
kreis jenseits des Aceommodationspunktes für die meisten Augen in 
mehrfache störende Nebenbilder auseinandertritt, als die gelbe 
Färbung des Mittelpunktes des Löchelchenkreises sehen werden, im 
schlimmsten Falle sich aber durch eine Sammellinse zur Wahr- 
nehmung der blauen Färbung doch verhelfen können, versteht sich 
von selbst; so wie dass der Durchmesser des Löchelchenkreises 
und der Löchelehen selbst in einem bestimmten, tentando leicht zu 
ermittelnden Verhältniss zum Accommodationsvermögen des Beob- 
achters stehen muss. 

Noch will ich darauf aufmerksam machen, dass die farbigen 
Säume, welche bei falscher Accommodation entstehen, sowohl hin- 
sichtlich ihrer Breite und Intensität, als hinsichtlich ihrer Farben- 
nuancen (namentlich der rothen) nicht unbedeutend von jenen sich 
unterscheiden, welche bei Verdeckung der einen Pupillenhälfte auf- 
treten. Diese letzteren sind im Allgemeinen breiter, intensiver und 
lassen die rothen Töne deutlicher erkennen, als die ersteren. — 
Diese Differenzen dürften wohl in einer Complieation der chromati- 
schen Abweichung mit Beugungserscheinungen ihren Grund haben. 

Dass aber in beiden Fällen die rein rothen und namentlich die 
rein violetten Grenzen der Farbensäume gar keinen oder nur einen 
kaum wahrnehmbaren Eindruck machen, kann nieht befremden, wenn 
man erwägt, von welch’ geringer Breite und Intensität die einzelnen 
Speetren sind, in welche die weissen Lichtstrahlen zerlegt werden. 

Was übrigens die Färbung der Säume im Allgemeinen betrifft, 
so ist klar, dass, da die Spectren nach allen Richtungen stetig 
über einander hinausgreifen, gegen den freien Rand des Netzhaut- 
bildchens hin, aus der Mischung sämmtlicher Farbenstrahlen, welche 
Weiss oder neutrales Grau gibt, entweder zuerst die violetten, 
dann die blauen, die grünen, die gelben, die orangen Strahlen 


1) Manchmal wollte es mir scheinen, dass die gelbe Färbung einen Stich ins Bräunliche, 
die blaue hingegen einen Stich ins Graue hatte. Vgl. Bruecke: Über das Wesen der 
braunen Farbe. Pogg. Ann. 1848, p. 461. 


Physiologische Studien. 565 


allmählich herausfallen und die rothen den Rand begrenzen, — oder 
aber in entgegengesetzter Ordnung, zuerst die rothen, dann die 
orangen, die gelben ete. Strahlen ausgeschieden werden und die 
violetten die Grenze bilden müssen, — wie es die beiden folgen- 
den Schemen (A und B) deutlich erkennen lassen, in welchen die 
Farben der Kürze wegen nur mit Anfangsbuchstaben bezeichnet sind 
und die senkrechten Striche die Netzhaut im Durchschnitt bedeuten. 


A. B. 

roth | r violett | v 

or ah: iv 
orange Eur indig Do 
gelb | grgor blau | grbiv 
en Hassblau U 
ibgrgor oggrbiv 
weiss | vibgrgor weis | roggrbiv 


Diese Schemen veranschaulichen die Ordnung, in welcher 
die Farben in den Säumen auftreten, um sich zu mischen, ohne dass 
dabei auf die verschiedene Breite der Farbenstreifen des Speetrums 
Rücksicht genommen wäre; und man kann mit Hilfe der bekannten 
Helmholtz’schen Tabelle, nach welcher Gelb und Blau Weiss, 
Grün und Roth Mattgeib, Grün und Violett Blassblau, Violett und 
Blau Indigo ete. geben, nun leicht einsehen, dass sich dieselben 
in der That zu der durch die Erfahrung gegebenen Tinten mischen 
müssen. 


$. 16. Zur Theorie der zusammengesetzten Farben. 


Ich erlaube mir hier eine Reihe von Versuchen über zusammen- 
gesetzte Farben, zu deren Realisirung mir bisher Zeit und Gele- 
genheit mangelten, in Vorschlag zu bringen, welche meines Wissens 
nur in sehr unvollkommener Weise (von Volkmann) und zu einer 
Zeit ausgeführt wurden, wo durch die wichtigen Untersuchungen von 
Helmholtz !) über die „Theorie der zusammengesetzten Farben“ 
der Unterschied zwischen dem Vorgange bei der Mischung von 
Farbstoffen und dem bei der Zusammensetzung der reinen 
Farben noch nicht festgestellt war. 

Diese Versuche würden die Mischfarben zu vergleichen haben, 
welche durch unmittelbare Vermengung von Farbstoffen und durch 


1) Müll. Arch. 1852, pag- 461. 


566 Czermak. 


Mischung des von denselben ungemengten Farbstoffen kommen- 
den Lichtes entstehen. | i 

Zu diesem Zwecke wäre z. B. zuerst ein kleines Rähmchen mit 
verschiedenfarbigen feinen Fäden dicht, aber in einfacher Lage zu 
bespannen und ein Gemenge aus denselben nun fein zerschnittenen 
Fäden zu bereiten, und aus einer passenden grösseren Entfernung 
zu betrachten ; oder män könnte vermittelst Farbendruck eine Unzahl 
feiner dichtstehender Farbenpunkte auf weisses, farbiges oder matt- 
schwarzes Papier auftragen lassen und dann wieder die angewen- 
deten Farbstoffe direct mengen u. dgl. 


$. 17. Über das sogenannte Problem des „Aufrechtsehens“, 


Zur Zusammenstellung der folgenden Bemerkungen, welche ich 
im Wesentlichen bereits im Jahre 1850 in der würzburger Aula als 
quaestio promovendi öffentlich vorgetragen habe, bin ich durch eine 
kurze Notiz von Ludwig Fiek (Müll. Arch. 1854, pag. 220) veran- 
lasst worden; indem dieselbe den vorliegenden Gegenstand, anstatt 
ihn seiner endlichen Erledigung näher zu bringen, wieder in jene 
heillose Verwirrung zurückzuwerfen droht, welche die Bemühungen 
Volkmann’sundLotze’sfür alle Zukunft beseitigt zu haben scheinen. 

Fick begnügt sich nämlich nicht nur die alte Ansicht von 
der umgekehrten Einpflanzung der Retinalelemente in jenen Leibes- 
theil, in welchem die Seele wohnt, — allerdings mit anerkennens- 
werther Entschiedenheit und Schärfe — einfach aufzuwärmen; — 
und das ist doch kein Fortschritt! sondern er meint damit .(wofern 
ich ihn richtig verstanden habe), sogar auch den thatsächlichen 
Parallelismus des Gesichtssinnes und des Tastsinnes im Urtheil über 
die Lage der Objecte erschöpfend erklärt zu haben, was eben 
als ein gefährlicher Rückschritt bezeichnet werden muss und um so 
überraschender ist, als eine Erneuerung dieses Irrthums nach dem, 
was Volkmann) von der „Richtung der Gesichtsobjeete“ gelehrt 
hat, in der That unbegreiflich erscheint. 

Fiek ignorirt ganz und gar, dass die Vorstellung von der 
Richtung der Gesichtsobjeete erwiesenermassen wesentlich aus 
dem Bewusstsein der Muskelbewegung resultirt, welche die Augen 


1) Handwörterbuch d. Phys. Art. „Sehen“ pag. 340— 346. 


Physiologische Studien. 567 


auf das fixirte Objeet einstellt, und, dass wir dem Oben und Unten 
erst, nachdem wir die veränderlichen Lagen unseres eigenen Körpers 
beurtheilen gelernt haben, eine von unserer momentanen wirklichen 
Stellung unabhängige Bedeutung geben können, indem wir es auf 
die vorgestellte aufrechte Körperstellung redueiren ! — Übrigens ist 
es durchaus nicht meine Absicht im Folgenden die ganze Angelegen- 
heit von A bis @ noch einmal zu erörtern und das, was bereits an 
andern Orten und viel besser, als ich es vermöchte, gesagt ist, zu 
reprodueiren. Es genüge in diesem Bezug die Hinweisung auf 
Volkmann und Lotzet). Ich will hier nur einen dunklen Punkt, 
den Einzigen, der, wie ich glaube, noch immer nicht als erledigt 
betrachtet werden kann, aufzuhellen versuchen. 

Dieser Punkt bezieht sich auf den „Grund aller Irrthümer, “ 
als welchen Lotze das bekannte Vorurtheil bezeichnet „als läge 
in der wirklichen Stellung des Netzhautbildes für sich allein schon 
ein Motiv für die Seele, es in gleicher Richtung wahrzunehmen, * — 
in Folge dessen man sich einbildet „weil auf der Retina das Bild des 
Fusspunktes der Objeete der Stirn näher liege, müsse es auch im 
empfundenen Sehfeld ihr näher also oben erscheinen“ — und 
davon spricht, „dass das Netzhautbild umgekehrt ?) werden müsse, 
gleich als wäre seine wirkliche Lage durch ihr blosses Dasein 
schon für die Seele nicht nur von Bedeutung überhaupt, sondern 
als bildete sie sogar eine Art von Hinderniss für das Aufrechtsehen, 
das durch eine besondere Anstrengung der Seele hinweggeräumt 
werden müsse.“ | 

Lotze fertigt dieses Vorurtheil durch einige Bemerkungen, 
die sich aus seinen Grundprineipien ergeben, sehr kurz ab, während 
es Volkmann ganz umgeht; allein diese Behandlung eines Punktes, 


1) Med. Psychologie 1852, pag. 362—369. 

. 2) Bei dieser Gelegenheit kann ich es nicht unterlassen, wie schon früher einmal, an 
die Bedeutung der „Vorstudien zur Topologie von J. B. Listing (abgedruckt aus 
den Göttinger Studien , 1847; Göttingen bei Vandenhoeck und Ruprecht 1848) für 
die naturwissenschaftliche Terminologie aufmerksam zu machen, indem sie wahrhaft 
unentbehrlich sind, um den Sinn gewisser topologischer Ausdrücke, wie „umge- 
kehrt,“ „verkehrt,“ „verkehrt und umgekehrt zugleich“ .. . ete., die in der Sprache 
des gemeinen Lebens der Präeision entbehren, und manchmal selbst von den Männern 
der Wissenschaft, wie z. B. von Fick a.a.0., und selbst von Lotze a. a. O., 


pag. 369, unrichtig angewendet werden, für den wissenschaftlichen Gebrauch fest- 
zustellen. 


Sitzb. d. mathem.-naturw. Cl. XVII. Bd, III. Hit. 37 


568 Czermak. 


welcher als „Grund aller Irrthümer“ bezeichnet worden ist, rächt 
sich an den Erklärungsversuchen der beiden berühmten Forscher. 

Ich bin wenigstens überzeugt, dass es der oberflächlichen 
Behandlung dieses Punktes allein zuzuschreiben ist, dass die übrigens 
eben so klaren und scharfsinnigen,, als erschöpfenden und gründlichen 
Auseinandersetzungen Volkmann’s und Lotze's die Leser doch 
nicht ganz befriedigt haben und nicht befriedigen konnten, da 
es sich hier um ein allerdings nur halbverstandenes und unexact 
ausgedrücktes, aber vollkommen berechtigtes Moment handelt, das 
sich nicht bei Seite schieben, sondern nur durch ausdrückliche 
Anerkennung erledigen lässt. 

Diese dunkle Lücke in den von Volkmann und Lotze 
versuchten Lösungen des Problems will ich nun in den folgenden 
Zeilen ausfüllen, indem ich mich bemühen werde jenes Vorurtheil 
sammt seinen Consequenzen zu erklären und zu erledigen, 
d. h. aufzudecken, welches berechtigte Moment ihm 
versteckt zu Grunde liegt, zu zeigen wie es entsteht 
und endlich den Theil Wahrheit, den es enthält, in 
den Erklärungsversuchen für immer zur Geltung zu 
bringen. — 

Nach einem hinreichend allgemeinen von allen Physiologen 
„aller Farben“ zugegebenen Ausgangspunkt mich umsehend, fällt 
mir die folgende Stelle der vortreffichen Med. Psychologie von 
Lotze (pag. 362) in die Augen: „Man könnte behaupten, jede 
Netzhautfaser übe vermöge der Lage!) ihrer centralen Endigungs- 
stelle im Gehirn einen ihr ganz allein eigenthümlichen Einfluss auf 
die Seele aus, und erzwinge demgemäss auch die bestiinmte Locali- 
sirung ihrer Empfindung“. 

An diesen Satz, gegen den hoffentlich Niemand etwas einzu- 
_ wenden haben wird, will ich meine weiteren Bemerkungen anknüpfen 
und sogleich hervorheben, dass er mit gleicher Berechtigung und 
Sicherheit hinsichtlich der Nerven des Tastorgans und der durch 
diese vermittelten Empfindungen gilt. 


1) Es ist kaum nöthig, um Missverständnisse zu verhüten, daran zu erinnern, dass hier 
unter „Lage“ ganz allgemein irgendwelche bestimmte organisch begründete 
Beziehungen und nicht etwa ausschliesslich nur einfach topologische (posi- 
torische) Beziehungen zu verstehen seien! 


Physiologische Studien. 569 


Auch die centralen Endigungsstellen der Tastnerven müssen 
im Gehirn solche Lagen haben, dass sie vermöge derselben einen 
jeder von ihnen eigenthümlichen Einfluss auf die Seele ausüben und 
demgemäss auch die bestimmte Localisirung ihrer Empfindung 
erzwingen können. 

Da nun aber durch einen bekannten sehr einfachen Versuch 1) 
erwiesen werden kann, dass ein diametraler Gegensatz zwischen 
der Loecalisirung der durch die Retina und der durch das Tastorgan 
vermittelten Empfindungen existirt; so ergibt sich mit Nothwendig- 
keit die allgemeine Forderung, dass auch die „Lage“ 
der centralen Endigungsstellen der Seh- und der 
Tastnervenfasern einein dieser Beziehung entgegen- 
gesetzte sein müsse. 

Diese allgemeine und unbestreitbare Forderung ist es, welche 
nach meiner Meinung jenes vollkommen berechtigte, von Lotze und 
Volkmann nicht hinreichend gewürdigte Moment darstellt, welches 
in dem oben gerügten Vorurtheil enthalten ist. 

Wie nun diese Forderung in dem immer wiederkehrenden 
Gedanken an die Nothwendigkeit einer Umkehrung des Netzhautbildes 
ihren unexacten Ausdruck finden konnte, leuchtet sofort ein, wenn man 
bedenkt, dass wir gewohnt sind von den Wahrnehmungen des Tast- 
und Muskelgefühls anzunehmen, dass sie uns bei natürlicher 
Stellung der peripherischen Eindrücke, auch eine vollkommen rich- 
tige und entsprechende Auskunft über die wirklichen Lagenverhält- 
nisse der Dinge geben. Denn es muss uns, da wir das Gleichevon 
den Wahrnehmungen des Gesichtssinnes stillschwei- 


1) Der Versuch, auf welchen ich mich hier beziehe, ist neuerlich in einem dickleibigen 
Werke von Serres d’Uzes (Sur les phosphenes, Paris, 1853) mit grosser Weitschwei- 
figkeit behandelt worden und besteht wesentlich darin, dass man mit einem festen 
Körper, einer stumpfen Bieistiftspitze z. B. durch die geschlossenen Lider hindurch 
einen mässigen und umschriebenen Druck auf das Auge ausübt, welcher sowohl die 
Lider als die Retina an gleicher Stelle trifft und demgemäss auch gleichzeitig 
zwei Empfindungen, eine Tastempfindung (Druckbild) und eine Lichtempfindung 
(Phosphen) erregt, welche eine Vergleichung ihrer gegenseitigen Position gestatten. 
Vergleicht man nun wirklich die Localisirung dieser Empfindungen, so überzeugt 
man sich leicht, dass beiderlei Bilder auf entgegengesetzten Seiten der Sehaxe liegen. 
Drückt man nämlich mit dem Bleistift im Dunkeln, das geschlossene Auge von oben, 
so fühlt man den Druck oben, während das Lichtbild unten erscheint , drückt man 
hingegen den unteren Theil der Lider und der Netzhaut, so fühlt man den Druck 
unten, das Lichtbild erscheint oben u. s. w. 


37* 


570 Czermak. 


send voraussetzen, zugleich aber mit Sicherheit wissen, dass 
die Netzhautbilder eineumgekehrte Lage haben, natürlicher Weise 
die umgekehrte Lage der Netzhautbilder in dieser Beziehung, als ein 
Hinderniss für das Aufrechtsehen erscheinen und zu dem Gedan- 
ken verleiten, dass in dem Bewusstsein eine „unmittelbare Nöthigung * 
liege, welche die Umkehrung der umgekehrten Netzhautbilder voll- 
bringt. 

Hiermit dürfte die Entstehung des gerügten Vorurtheiles hinrei- 
chend erklärt sein und — um die Aufgabe, welche ich mir gestellt 
habe, vollständig zu lösen — bleibt nur noch übrig der von mir for- 
mulirten und oben ausgesprochenen allgemeinen und berechtigten 
Forderung, welche jenem Vorurtheil versteckt zu Grunde liegt, in den 
Erklärungsversuchen des Problems Genüge zu leisten. 

Um diese Angelegenheit zu erledigen, bin ich gezwungen auf 
die beiden, schroff sich gegenüber stehenden Grundanschauungen 
über das Wesen der Seele einzugehen, da es mir nicht einfallen 
kann, die grosse Streitfrage der Zeit, welche von beiden Anschauun- 
gen die alleinseligmachende, einzig richtige sei? hier entscheiden 
zu wollen. 

1. Ist man, wie Fick, überzeugt, dass die Seele, wenigstens in 
Beziehung auf ihre Empfindungsfähigkeit ein Raum sei, in welchen 
hinein sich die räumlichen Bilder begeben, um da Platz zu nehmen, 
und setzt man — (nicht stillschweigend wie bisher, sondern aus- 
drücklich) — voraus, dass die Bilder des Tastorgans in derselben 
Lage von der tastenden Fläche bis zur Seele fortrücken; so wird man 
auch, in Folge unserer allgemeinen Forderung, anzunehmen sich 
gezwungen sehen, dass das Netzhautbild im Verlauf des Sehnerven 
um 180° um seine Axe gedreht werden müsse, d. h. dass die 
Einpflanzung der Retinalelemente in den Leibestheil, 
in welchem die Seele wohnt, die umgekehrte als in 
der Retina sein müsse. 

Denn es ist nichts als wohlfeiler Spott, es plausibler oder „geist- 
reicher“ und durch seine „Ungewöhnlichkeit“ anziehender finden zu 
wollen, wenn man das Netzhautbild parallel mit sich zum Gehirn fort- 
schreiten liesse, dafür aber der Seele eine umgekehrte Stellung im 
Sehhirn gäbe oder wenn man das Tastbild statt des Retinabildes auf. 
dem Wege von der Peripherie zum Centrum eine Umkehrung erleiden 
liesse ! 


Physiologische Studien. 571 


Unter den gemachten Voraussetzungen ist also Das, was oben 
(nach Lotze) als ein Vorurtheil bezeichnet wurde, gar kein Vor- 
urtheil, sondern eine nothwendige Consequenz, und ist man 
offenbar gezwungen die alte von Fick neuerdings vertretene Erklä- 
rung des „Aufrechtsehens“ der umgekehrten Netzhautbilder anzu- 
nehmen— ohne nochdesshalb, wieFick (vgl. den Eingang des $.), 
in jenen, ebenfalls alten Irrthum verfallen zu müssen, dass damit 
zugleich auch schon Das erklärt sei, was Einige „die Richtung des 
Sehens“ nennen. 

2. Wenn man aber glaubt, dass es hinreicht „an die bodenlose 
Ungereimtheit erinnert zu haben, die noch immer ohne die mindeste 
Vorstellung von dem, was Empfinden oder Wahrnehmen heisst, sich 
in der Erklärung der psychischen Erscheinungen ergeht“, um die 
eben erörterten Vorstellungen über das Wesen der Seele zu besei- 
tigen; wenn man annimmt, dass, um überhaupt wahrgenommen 
werden zu können, jedes räumliche Bild, welches in den äusseren 
Sinnen ist, in eine Summe „intensiver Erregungszustände der Seele“ 
übergehen muss, „die weder relative Lagenverhältnisse unter einander 
mehr haben, noch zusammengenommen eine Lage gegen aussen ;“ 
dann kann man freilich auch von einer Umkehrung des Netzhautbildes, 
buchstäblich genommen, wie vorhin sub 1, nicht mehr sprechen, 
obschon diesen Worten nichts destoweniger ein gewisser Sinn 
bleibt, denn es gilt auch hier die Frage: Welche Beziehung existirt 
zwischen der objectiven Räumlichkeit der Retinafläche und der wahr- 
genommenen Räumlichkeit des Sehfeldes, oder anders ausgedrückt, 
welche Position nimmt das gesehene Bild zu dem objeetiven Bild 
oder Reiz auf der Netzhaut ein? 

Diese Frage darf gestellt werden, weil wir unsere Vorstel- 
lung von der wirklichen Lage der gereizten Netzhautpunkte, über 
welche uns sowohl das Tast- und Muskelgefühl, als gewisse physica- 
lische Betrachtungen sicheren Aufschluss geben, mit der Localisirung 
der durch. dieselben vermittelten Lichtempfindungen vergleichen 
können; und sie muss gestellt werden, weil wir zwischen zwei an 
sieh möglichen Beantwortungen zu entscheiden haben. 

Es kann nämlich jede Erregung eines diesseits der Sehaxe gele- 
genen Netzhautpunktes einen Einfluss auf die Seele ausüben, ver- 
möge dessen das durch sie erlangte Bild sich mit einem Raumpunkte 
assoeiirt, der im Raumbilde entweder jenseits oder ebenfalls 


572 Czermak. 


diesseits der Scehaxe, deren Richtung uns immer genau bekannt 
ist, liegt. | 

Die Gelegenheit zur exacten Ermittelung dieser so zu sagen 
topologischen Beziehungen findet sich in jenem, oben eitirten bekann- 
ten Versuche, wo die unmittelbare Vergleichung der Localisation eines 
Drueck- und eines Lichtbildes, welehe dureh einen und denselben Ein- 
druck an Orten des Tastorgans und der Retina, die, gegenseitig sich 
deckend, beide auf derselben Seite der Sehaxe liegen, erregt werden, 
und ferner in dem folgenden ebenfalls bekannten Versuche. 

Man steche mit einer Nadel ein feines Löchelchen in ein Karten- 
blatt und halte dasselbe gegen einen hellen Hintergrund in solcher 
Entfernung vom Auge, dass es diesseits des Accommodationspunktes 
zu stehen kommt, so fällt die Vereinigungsweite der durch das Lö- 
chelehen hindurchtretenden Strahlen hinter die Netzhaut, auf die 
Netzhaut aber ein Zerstreuungskreis. (Vgl. Fig. 2.) Schiebt man nun 
ein zweites Kartenblatt ganz nahe am Auge von einer beliebigen Seite 
gegen die Mitte der Pupille vor, so wird der Zerstreuungskreis auf 
der Retina von derselben Seite her verdunkelt (vgl. Fig. 2), 
während der gesehene Zerstreuungskreis von der diametral 
entgegengesetzten Seite her sich verdunkelt. 

Befindet sich das Löchelchen jenseits des Accommodationspunk- 
tes, so fällt abermals ein Zerstreuungskreis auf die Netzhaut, in diesem 
Falle jedoch nicht weil die Lichtstrahlen hinter, sondern vor der 
Retina im Punkte 0 (Fig. 3) ihre Vereinigung finden. Schiebt man jetzt 
das zweite Kartenblatt wieder gegen die Pupille vor, so wird der 
Zerstreuungskreis auf der Retina, wie Fig. 3 lehrt, von der entge- 
gengesetzten Seite verdunkelt werden, während man nichts destowe- 
niger den Zerstreuungskreis im Sehfelde sich von derselben 
Seite her verdunkeln sieht, von welcher das zweite Kartenblatt gegen 
die Mitte der Pupille vorgeschoben wird. | 

Es unterliegt somit nicht dem leisesten Zweifel, dass von den 
beiden oben aufgestellten Möglichkeiten die erste wirklich rea- 
lisirt ist. Abgesehen von dieser experimentellen Beantwortung der 
Frage, kann man auch durch eine sehr einfache Überlegung, a priori 
zu der festen Überzeugung gelangen, dass bei der bestehenden 
Organisation unseres Auges und bei der beabsichtigten 
Harmonie der Localisation durch das Sehen mit der 
durchMuskel- undTastsinn die Herstellung der eben erörterten 


Physiologische Studien. 573 


Beziehungen eben so nothwendig gewesen sei, als die te 
kehrte Lage des Netzhautbildes. Ä 

Was den letzten Punkt betrifft, so hat bereits Lotze (a. a. ©. | 
pag. 368) schlagend nachgewiesen, dass gewisse sinnlose’ Wider- 
sprüche und optische Zweckwidrigkeiten für unser Auge, in welchem 
sich die Bilder auf dem eoncaven Hintergrunde projieiren und dessen 
Drehpunkt vor dem Bilde, zwischen ihm und dem Objecte liegt, 
nur durch ein umgekehrtes Netzhautbild zu vermeiden waren. 

Was nun aber den ersten Punkt angeht, so hat Lotze's Dar- 
stellung eine Lücke, welche ich eben auszufüllen suche. 2 

Setzen wir den Fall, dass die umgekehrten Bilder in dersel- 
ben Lage, welche sie auf der Netzhaut einnehmen, auch im Raume 
wahrgenommen oder localisirt würden; so ergäben sich trotz des um- 
gekehrten Netzhautbildes, sogleich wieder „sinnlose Widersprüche“. 
Denn dann würde nicht nur die Augenaxe sich heben müssen, um 
das Bild eines von uns unten gesehenen Objeetpunktes auf die Stelle 
des deutlichsten Sehens zu rücken, sondern auch die tastende Hand 
müsste eine Bewegung ausführen, die nach oben gerichtet wäre, um 
von dem Orte des Auges ausgehend denselben unten gesehenen 
Punkt zu erreichen. Ähnliche Disharmonien würden dann auch hin- 
siehtlich des Rechts und des Links unvermeidlich sein. 

Kurz also: die umgekehrte Lage des Netzhautbildes würde unter 
diesen Umständen, trotz ihrer sonstigen Nothwendigkeit, in der 
That ein Hinderniss sein, für das Aufreehtsehen, d. h. für die Har- 
monie unserer räumlichen Weltauffassung, — wenn die erregten 
Netzhautpunkte nicht zugleich die Fähigkeit besässen, 
die umgekehrte Localisation der dureh sie vermittel- 
ten Bilder zu erzwingen. 

Dass und in welehem Sinne wir daher auch bei den hier 
gemachten Voraussetzungen über das Wesen der Seele, von der 
Nothwendigkeit einer abermaligen Umkehrung des Netzhautbildes 
sprechen können, leuchtet wohl von selbst ein ! 

Was endlich das „Mechanische“ behufs der Herstellung und 
Erklärung der factischen und als nothwendig erkannten Bezie- 
hungen zwischen Gesichtssinn, Tast- und Muskelgefühk betrifft, so 
werden wir, wenn wir mit Lotze festhalten, dass „jede dieser Bezie- 
hungen nur durch eine bestimmt geordnete Verflechtung und Wechsel- 
wirkung einer sensiblen Netzhautfaser mit motorischen Nervenfäden 


7A Czermak. 


hervorgebracht werden kann“, auch annehmen müssen, dass die 
unteren Punkte der Retina durch ihre Nervenfasern so mit jenen 
motorischen Elementen verbunden sind, dass sie im Raumbilde des 
Muskelgefühls oben, die oberen so, dass sie unten ete.... 
erscheinen, während bezüglich der Nervenfasern des Tastorgans, 
entsprechend unserer oben ausgesprochenen allgemeinen Forderung, 
nothwendig das Entgegengesetzte gelten wird. — Hiermit ist 
unsere Aufgabe gelöst. — 

Beiläufig will ich zuletzt noch an meine Versuche über das 
„Verkehrtfühlen“ (vgl. dieser Studien II. Abth. a. a. O. pag. 513) 
erinnern, und kann dabei die Bemerkung nicht unterdrücken, dass 
sich auf Grund dieser Versuche für den von Lotze verketzerien 
Gedanken an eine Drehung der Fasern um 180° im Verlaufe des 
Optieus auch hier ein Ausdruck finden lässt, der ihn über das 
Niveau einer „bodenlosen Ungereimtheit“ erhebt. Denn, da die ange- 
zogenen Versuche, welche freilich immer nur an einem schon 
geübten Tastorgan anzustellen sind, lehren, dass durch Verschie- 
bung oder eigentlich Verkehrung (Perversion) der Lage der sensiblen 
Hautpunkte auch die Objeete verkehrt wahrgenommen werden, 
so würden die durch die Erregung der sensiblen Hautpunkte wahr- 
genommenen Tastbilder umgekehrt erscheinen müssen, wie die 
Bilder auf der Retina, wenn, caeteris paribus, das Hautstück um 
180° um seinen Mittelpunkt gedreht werden könnte oder wenn die 
betreffenden Nerven eine totale Kreuzung erfahren könnten, so dass 
die unteren sensiblen Punkte die oberen , die oberen die unteren 
.... ete. würden. 

Warum sollte es nun, selbst unter den Lotze’schen Voraus- 
setzungen, gar so ungereimt sein, einen dem Verlaufe dieser Tast- 
nerven ähnliehen Verlauf der Netzhautfasern anzunehmen ? — wir 
brauchen ja mit dieser Hypothese keine einzige der wesentlichen 
Forderungen , die sich aus Lotze’s Prineipien ergeben , über Bord 
zu werfen ! 

Man könnte höchstens einwenden , dass diese Annahme über- 
flüssig sei, obschon man, wenn man einmal darauf ausgeht die 
psychischen Erscheinungen physiologisch zu erklären und sich über die 
im Seelenorgan getroffenen Einriehtungen bestimmtere Vorstellungen 
zu bilden, keinen Gedanken, falls er nur an sich brauchbar ist, von der 
Hand weisen sollte, den spätere Erfahrungen leicht bestätigen könnten, 


Physiologische Studien. 575 


8.18. Zu Volkmann's Lehre von der „Richtung der Gesichtsobjeete*, 


1. Volkmann nennt (a. a. O. pag. 342) die an dem von Franz 
operirten Blinden gewonnene Erfahrung , dass der Blinde, der mit 
schielendem linken Auge sehen gelernt hatte, nachdem er durch 
eine zweite glückliche Operation vom Strabismus befreit worden war, 
Alles zu weit nach rechts sah !), eine kostbare. Die aus- 
drückliche Anerkennung des Werthes dieser Erfahrung hat mich 
endlich bestimmt einen längst (1848) von mir ersonnenen Versuch zu 
veröffentlichen, der Jeden in den Stand setzt, jene „kost- 
bare“ Erfahrung an sich selbst zu machen. 

Der Versuch ist so überaus einfach, dass ich nur desshalb und 
weil man in der Ophihalmiatrik seit Jahren prismatische Brillen ver- 
wendet und das Folgende ohne Zweifel schon bemerkt, wenn auch 
vielleicht nicht physiologisch gewürdiget hat, mit der Publication 
gezögert habe; und besteht darin, dass man ein Prisma, am besten 
ein achromatisches,, vor das eine geöffnete Auge nimmt und durch 
dieses hindurch die Objecte betrachtet, während man mit der Hand 
nach ihnen langt. 

Die Wirkung des Prisma ist nun genau dieselbe, welche bei 
dem Blinden die glücklich ausgeführte Schieloperation hervorbrachte, 
indem die Gesichtsobjecte , je nach der Lage des berechnenden 
Winkels des Prisma, weiter nach rechts, links, oben oder unten 
gesehen werden, als ohne Prisma und vor der Schiel- 
operation. 

Der hierbei eintretende Widerspruch zwischen der Locali- 
sation durch den Gesichtssinn und der durch Tast- und Muskelgefühl 
versetzt den Beobachter in eine eigenthümliche Verwirrung, welche 
sieh nieht beschreiben, sondern nur erfahren lässt, und welehe nament- 
lich dem Anfänger gewissermassen als ein argumentum ad homi- 
nem, besser zum Verständniss dessen verhilft, um was es sich hier 
handelt, als die klarsten theoretischen Auseinandersetzungen; wess- 
halb ich denn auch den simplen Versuch mit dem Prisma den Lehrern 
der Physiologie nicht dringend genug empfehlen kann. 


1) „Vielleicht könnte man fragen, was das heissen solle? Offenbar dies: Der Operirte 
suchte die Gegenstände, welche er bei ruhendem Auge am deutlichsten sah, statt 
gerade vor sich, rechts neben sich. Natürlich fand er sie nun nicht, und es bestand also 
eine zeitlang ein Widerspruch zwischen den Raumvorstellungen (nicht Anschauungen!) 
des Auges und des Getastes“. 


576 Czermak. 


Die Erklärungen der beiden Erfahrungen, der mit dem 
Prisma und der an dem operirten Blinden, stimmen mutatis mutandis 
vollkommen überein. Eine Disharmonie der Raumvorstellungen muss 
nämlich eintreten, sobald aus irgend einem Grunde die Lage 
der Bilder auf der Netzhaut eine andere ist, als sie sein würde, 
wenn unser Auge wirklich auf jenen Raumpunkt gerichtet wäre, auf 
welchen wir es erfahrungsgemäss gerichtet meinen, da das Mus- 
kelgefühl , welches die Vorstellung von der Richtung der Gesichts- 
objecete bedingt, nach wie vor dasselbe bleibt. Die Wirkung ist 
daher auch ganz gleich, mag man nun durch das Prisma oder, wie 
bei der Schieloperation, durch eine unbewusste Veränderung der 
Stellung des Auges bewerkstelligen, dass das Bild eines Objeetes auf 
die Netzhautstelle fällt, auf welche bei der zum Bewusstsein kom- 
menden Stellung des Auges erfahrungsgemäss dasBild eines in 
bestimmter Entfernung neben, unter oder über jenem liegendes Object 
fallen müsste; denn in beiden Fällen werden die durch die Erregung 
derselben Netzhautpunkte vermittelten Bilder, mögen sie auch ganz 
verschieden gelegenen Objeeten entsprechen, an demselben Punkte 
im Raume gesehen, weil eben das Muskelgefühl wesentlich die Vor- 
stellung der Richtung bedingt und nach wie vor dasselbe bleibt. 

2. Die Harmonie unseres Urtheils über die Richtung der Gesichts- 
und der Tastobjeete kann nicht wohl eine absolute, unbegrenzte, ich 
möchte sagen atomistis.che sein. Und in der That wird diese Ver- 
muthung unter anderm auch durch die folgende Erfahrung beim 
Sticken (Tapisseriearbeit) bestätigt. Es ist leicht, an sich und an 
anderen die Beobachtung zu machen , dass die Nadel beim Zurück- 
stechen des Fadens unter 100 Fällen 99 Mal den gewünschten, vom 
Auge fixirten Punkt verfehlt; doch irrt die unter dem Canefass 
befindliche Hand, , welehe die Nadel führt, nie um mehr als ein 
bestimmtes Maximum und trifft auch sicher den einmal getroffenen 
Punkt mehrmal hinter einander , wenn sie dazwischen nicht etwa 
durch andere Bewegungen wieder desorientirt wurde. Ebenso ver- 
hält es sich natürlich auch, wenn wir versuchen die Augenaxen auf 
‘einen ungesehenen, nur durch die stiekende Hand von unten fixirten 
Punkt einzustellen. 

Auf diese Erfahrungen liesse sich ein Verfahren gründen , die 
Breite der möglichen Schwankungen der Localisation durch das 
Muskelgefühl zu messen. 


Physiologische Studien. 577 


2. Weitere Beiträge zur Physiologie des Tastsinnes. 


Das Folgende enthält die angezeigte 1) Fortsetzung jener Unter- 
suchungen, welche im 3. Abschnitt der II. Abtheilung der vorliegenden 
„Studien“ niedergelegt sind. 

Diese Fortsetzung ist das Resultat des Bestrebens das Gebäude 
meiner, die Ansichten Weber’s und Lotze’s vermittelnden Lehre 
zu befestigen und weiter auszubauen. 

Um das Folgende leichter anknüpfen zu können, sei mir hier eine 
kurze Revision jener Sätze gestattet, auf welche ich meine Hypothese 
gegründet habe. 

1. Jede einzelne Nervenfaser hat ein gewisses Ver- 
ästelungsgebietin der Haut, d.h. geht in eine bestimmte 
Zaun (1, 2,9....2) sensibler Punkte aus. 

Dies können wir mit Sicherheit annehmen, müssen uns dagegen 
vorläufig jedes Ausspruchs über die Beschaffenheit und Anord- 
nung dieser sensiblen Punkte, so wie über das gegenseitige Verhält- 
niss der Verästelungsbezirke benachbarter Nervenfasern enthalten, 
da wir trotz aller Bemühungen der Mikroskopiker die eigentliche 
Endigungsweise der Nervenfasern in der Haut noch immer nicht genau 
genug kennen. E. H. Weber’s Annahme, nach welcher die Ver- 
breitungsbezirke der einzelnen Fibrillen scharf begrenzt neben 
einander liegen sollen, ist nicht hinreichend begründet. 

Eben so unbegründet und vielleicht noch unwahrscheinlicher 
war meine 1349 ausgesprochene Idee einer totalen Interferenz dieser 
Verbreitungsbezirke, zu welcher ich durch theoretische Gründe und 
durch die Existenz der Nervenplexus in der Froschhaut verleitet 
wurde. Ja selbst dieNegationder berührten W eber’schen Annahme, 
welche ich noch in meinen letzten Mittheilungen festhalten zu müssen 
glaubte, lasse ich hiermit als nicht hinreichend begründet und als 
unwesentlich für meine Theorie fallen ?). 


1) Wiener med. Wochenschrift, 1855, pag. 471. 

2) Durch das Gesagte und indem ich noch hinzufüge, dass ich den gereizten Ton, zu dem 
ich mich hinreissen liess, lebhaft bedaure, glaube ich ein in der II. Abtheilung dieser 
„Studien“ (pag. 509, Anmerkung), an dem grossen Physiologen begangenes Unrecht 
wieder gut gemacht zu haben. 


578 Czermak. 


2. Jeder sensible Punkt, welcherin Erregung ver- 
setzt wird, theilt derselben eine eigenthümliche Fär- 
bung — ein „Localzeichen“ mit, welches ein bestimmtes 
Glied eines stätig abgestuften Systems von Local- 
zeichen ist. 

Hierbei müssen wir es nun wieder völlig unentschieden lassen, 
worin diese Localzeichen eigentlich bestehen (vgl. Lotze, Med. Psy- 
chologie, Cap. 4, pag. 325) und halten nur fest, dass jeder sensible 
Punkt mit seinem Localzeichen ein einfaches Element unseres 
inneren Raumbildes repräsentirt. 

Es wäre freilich auch noch denkbar, dass selbst ein einzelner 
sensibler Punkt 


als ob er gleichsam aus mehreren zusammen- 
geschmolzen wäre — je nach der Richtung etwa, in welcher der 
Tastreiz auf ihn einwirkt, verschiedene Localzeichen vermitteln 
und demgemäss auch mehrere einfache Raumelemente repräsentiren 
könnte, oder dass im Gegentheile zur Herstellung eines Localzeichens 
die Erregung mehrerer Punkte nothwendig sei. Dies bleibe jedoch 
bei unserer gegenwärtigen Unkenntniss der Nervenprocesse völlig 
dahingestellt — so wie auch die Frage, ob die zu einer Stamm- 
faser gehörigen sensiblen Punkte ihrer Erregung nur absolut gleiche 
oder verschiedene Localzeichen mitzutheilen im Stande sind? 

8. Die Feinheit der Abstufung des Systems der 
Localzeichen scheint mit der relativen Anzahl der sen- 
siblen Punkte und Nervenfibrillen in den verschiedenen 
Regionen der Haut correspondirend zu fallen und zu 
steigen; doch können wir jene mit dieser vorläufig in keine 
andere Beziehung bringen, als dass eben Beide (die Feinheit der 
Abstufung der Localzeichen, wie die relative Anzahl der sensiblen 
Punkte) wesentlich durch die nun einmal bestehenden, aber noch 
nicht näher erkennbaren und zu bezeichnenden, correspondirenden 
Verhältnisse des centralen und des peripherischen Nervensystems 
begründet sind. 

Denn die grössere Zahl der sensiblen Punkte an sich bedingt 
offenbar nicht nothwendig auch einen grösseren Unterschied zwi- 
schen den Localzeichen der einzelnen sensiblen Punkte et vice versa. 

Ja nicht einmal die Annahme erscheint hinreichend gerecht- 
fertigt, dass der Unterschied der Localzeichen unmittelbar benach- 
barter Punkte überall derselbe sei, obschon dann allerdings die 


Physiologische Studien. 579 


Feinheit der Abstufung der Localzeichen mit der relativen Anzahl der 
sensiblen Punkte in direete Beziehung gebracht wäre. 

Damit soll jedoch die fragliche Beziehung, zu deren genaueren 
Constatirung zunächst noch direete Zählungen der sensiblen Elemente 
in den verschiedenen Hautregionen erforderlich wären, eben so 
wenig geleugnet, als angenommen werden — wenn sie auch im 
Allgemeinen schon nach den bereits vorliegenden Erfahrungen 
in gewissen Regionen zu existiren scheint. 

A. Je weiter zwei sensible Punkte einer Hautregion 
aus einander liegen, desto differenter müssen auch 
dieihnen eigenthümlichen Localzeichen sein, — wobei 
wir, wie gesagt, die Frage offen lassen, ob dies nur dann gilt, wenn 
die sensiblen Punkte mit verschiedenen Stammfasern zusammenhängen 
oder auch dann, wenn sie derselben Stammfaser angehören. 

5. Bei der Einwirkung jedes Druckes, jedes Tast- 
reizes wird gewöhnlich ein Complex von sensiblen 
Punkten erregt (Meissner). | 

Allein trotz der Erregung mehrerer sensibler Punkte (so zu 
sagen eines Zerstreuungskreises) durch ein einfaches und 
punktförmig beschränktes Tastobjeet entsteht doch erfahrungsge- 
mäss auf keiner Hautstelle eine vielfache Empfindung, — ja selbst 
mehrere zeitlich und räumlich getrennte Tastreize fliessen inner- 
halb bestimmter und für die verschiedenen Hautregionen verschie- 
dener Grenzen zu einer räumlich einheitlichen, räumlich untrenn- 
baren Wahrnehmung zusammen. 

6. Es existiren daher in der Haut Bezirke von be- 
stimmter Grösse und Gestalt, welehe eine Anzahl 
Bee) von!siensiblen .,imehrs oder smeniger 
gedrängt stehenden Punkten umfassen, deren Local- 
zeichen sich nur unmerklich von einander unter- 
scheiden, und innerhalb welcher somit eine Wahr- 
nehmung jedweder räumlichen Beziehungen der Ein- 
drücke nicht mehr möglich ist. 

Diese Bezirke nannte ich „Empfindungskreise“. Sie 
müssen als Raumeinheiten oder Raumelemente höherer Ordnung 
bezeichnet werden, wenn man jeden sensiblen Punkt mit seinem 
Localzeichen als ein einfaches Raumelement betrachtet. Ihr Durch- 


580 Czermak. 


messer bedingt wesentlich die Schärfe des räumlichen Wahrneh- 
mungsvermögens. | 

In gewisser Beziehung hängt jedoch die Feinheit desselben 
auch von den so zu sagen mechanischen Verhältnissen der 
sensiblen Punkte an der Peripherie ab (s. unten über die „Irradia- 
tionskreise“ $&. 19, ad 2). 

7. Die Anordnung der Empfindungskreise, welche, wie gesagt, 
je nach der Hautregion eine bestimmte Anzahl von mehr oder weniger 
gedrängt stehenden sensiblen Punkten umfassen, muss man sich 
erfahrungsgemäss unter dem Bilde von unendlich vielen Kreisen 
oder Ellipsen !) denken, welche sich so interferiren, dass ihre 
Mittelpunkte die ganze Hautoberfläche stätig erfüllen ?). Ich übersehe 
hierbei nicht, dass die sensiblen Punkte — soweit unsere histologi- 
schen Daten reichen — durch unempfindliches Gewebe getrennt sind. 

8. Die durch die Empfindungskreise repräsentir- 
ten Raumeinheiten höherer Ordnung fallen insoweit 
zusammen, als sich die Empfindungskreise inter- 
feriren. 

Die Elemente unseres subjectiven Raumbildes eorrespondiren 
eben genau—-auf eine vorläufig unerklärbare Weise — mit den 
fixen, geometrischen Verhältnissen der sensiblen Punkte an der 
Peripherie: 

9. Auf der Mosaik der sensiblen Hautpunkte und 
der Empfinäungskreise können sich die Gestalten, 
Entfernungen und Bewegungen der wahrzunehmen- 
den Tastobjecte gleichsam abbilden; und die Seele wird 
vermöge dieser bestehenden Einrichtung in den Stand gesetzt, 
die räumlichen Beziehungen der die Haut treffenden Reize 
aus einander zu halten und anzuschauen. 

10. Concentration der Aufmerksamkeit und Übung 
des Tastorgans endlich können das Wahrnehmungs- 
vermögen für die Unterschiede der den sensiblen 
Punkten eigenthümlichen Localzeichen ansehnlieh 
sehärfen. Auch von der (durch Narcotica u. s.w.) variablen 
Disposition der Centralorgane ist die Feinheit der Abstufung des 


1) Vielleicht auch unregelmässig begrenzten Flächen ? 
2) Jeder sensible Punkt gehört daher vielen Empfindungskreisen an, nimmt aber in jeden 


derselben eine andere relative Lage zum Mittelpunkte ein. 


Physiologische Studien. 58i 


Systems der Localzeichen und somit die Grösse der Durchmesser der 
Empfindungskreise abhängig. 

Zum Beleg dafür lassen sich mancherlei Erfahrungen anführen. 

Bei vorurtheilsfreier Erwägung der mitgetheilten zehn Thesen 
wird man, wie ich glaube, bald zu der festen Überzeugung gelan- 
gen, dass meine Theorie des Raumsinnes der Haut auf einer siche- 
ren, unserem gegenwärtigen geringen Wissen allein vollkom- 
men entsprechenden und jede voreilige oder nicht hinreichend 
begründete Annahme streng ausschliessenden Basis ruhe, und sowohl 
Jenen, welehe die Wahrnehmung der räumlichen Beziehungen der 
äusseren Objecte auf dem Wege der „Auffassung,“ als Jenen, 
welche dieselbe nur auf dem Wege der „Wiedererzeugung 
der Räumlichkeit“ erklären zu können meinen, wesentlich 
genügen dürfte. Auch kenne ich keine Thatsache, welche sich nieht 
auf die ungezwungenste Weise mit meiner Theorie in Zusammen- 
hang bringen und deuten liesse. 

Wollte man aber einwerfen, dass meine Theorie Nichts 
eigentlich erkläre, indem sie gewissermassen nur eine Um- 
schreibung der Thatsachen sei, so könnte ich darauf hinweisen, 
dass Weber’s, Lotze's und Meissner’s Hypothesen durchaus 
Nichts besser erklären, dagegen aber zum Theil unbegründete 
Annahmen herbeiziehen, zum Theil mit gewissen Thatsachen nicht 
in Einklang zu bringen sind. 

Der von mir eingeschlagene Weg erscheint mir als der vor- 
läufig einzig mögliche und der besonnenen empirischen For- 
schung allein entsprechende. 

Übrigens halte ich meine Darstellung durchaus nicht für abge- 
schlossen, und es ist mir überhaupt nur um die Sache, nicht um 
das Rechthaben zu thun, wesshalb mir jeder fördernde Wider- 
spruch, jede freundliche Zurechtweisung willkommen sein wird. 

Die Fortbildung der Theorie und die Erforschung der That- 
sachen in anderen Richtungen auf eine spätere Zeit verschiebend, 
beschränke ich mich hier nur darauf, Einiges auszuführen und 
mitzutheilen, was sich hauptsächlich auf die Messung der Empfin- 
dungskreise, auf die Würdigung der von Lotze zusammengestellten 
Einwürfe gegen die Existenz der festen Empfindungskreise über- 
haupt, und auf die experimentelle Begründung dieser Annahme gegen- 
über der Lotze-Meissner’schen Hypothese bezieht. 


582 Czermak. 


$. 19, Über Messung der Empfindungskreise. 


Es ist Lotze, welcher zuerst darauf aufmerksam gemacht hat, 
dass der nach Weber’s alter Methode als Einheit empfundene 
Raum, für ungleichzeitige Erregungen die Möglichkeit differen- 
ter Raum empfindung birgt. 

Aus dieser Thatsache ergibt sich, nach den voransgeschickten 
Begriffsbestimmungen, zunächst der Schluss, dass die wahren Em- 
pfindungskreise einen kleineren Durchmesser haben müssen, als jene 
Bezirke, innerhalb welcher zwei gleichzeitige Eindrücke nicht 
mehr räumlich unterschieden werden, und dann die doppelte 
Aufgabe: 1. den Grund der verschiedenen Feinheit des Wahrneh- 
mungsvermögens für Raumbeziehungen gleichzeitiger und ungleich- 
zeitiger Erregungen zu ermitteln, und 2. eine Methode aufzufinden, 
welche die Durchmesser der Empfindungskreise, wo möglich, 
direet und genau misst. 

Ad 1. Vor Allem haben wir uns zu erinnern, dass die Erre- 
gung der zu einem Empfindungskreise gehörigen sensiblen Punkte 
die Möglichkeit aller und jeder differenten Raum empfindung aus- 
schliesst, dass somit Empfindungen nicht eher irgend welche räum- 
liche Beziehungen zu einander erhalten können, als bis nicht der 
Abstand der erregten Punkte wenigstens etwas grösser ist, als 
der Durchmesser eines Empfindungskreises. 

Um einfach die Lage zweier auf einander folgender, zeitlich 
aus einander gehaltener Eindrücke zu beurtheilen, wird es daher — 
für den ersten Moment der späteren Berührung — im Allgemeinen 
genügen, dass der Abstand der erregten sensiblen Punkte den Durch- 
messer eines Empfindungskreises übersteigt (Fig. 4 a, b), während 
zwei gleichzeitige Erregungen bei demselben Abstande 
in eine (vielleicht etwas längliche, aber jedenfalls) räumlich untrenn- 
bare Empfindung unaufhaltsam zusammenfliessen müssen; da eine 
deutliche, totale, räumliche Unterscheidung und Tren- 
nung des gleichen oder verschiedenen qualitativen Inhalts gleich- 
zeitig erregter Empfindungen offenbar nur möglich ist, wenn wir 
eine Vorstellung von dem dieselben trennenden Zwischenraum 
bekommen. 

Diese Vorstellung beginnt, nach meiner Lehre von der Inter- 
ferenz der Empfindungskreise, zu enistehen, nachdem einmal der 


Physiologische Studien. 583 


Abstand der gleichzeitig erregten sensiblen Punkte so gross gewor- 
den ist, dass sich keine der betreffenden Empfindungskreise mehr 
interferiren !) (Fig.4a, c), kann aber erst dann vollkommen deut- 
lich werden, wenn der fragliche Zwischenraum durch ein ganzes 
Raumelement höherer Ordnung repräsentirt wird, d.h. wenn zwischen 
die einander zugekehrten Grenzen der betreffenden Empfindungs- 
kreise ein ganzer Empfindungskreis zu liegen kommt (Fig. 4 a, d). 

Mit diesen Consequenzen, welche sich aus keiner der anderen 
Theorien so klar ableiten lassen, stimmt es nun auf eine erfreuliche 
und überraschende Weise zusammen, dass (wie mein der Wissen- 
schaft zu früh entrissener, ehemaliger Mitschüler R. Liehtenfels 
mit feiner Beobachtungsgabe hervorgehoben hat), „die Überschrei- 
tung jener Distanz, für welche zwei (gleichzeitige) Eindrücke als 
unzweifelhafte Einheit erscheinen, nicht sogleich mit dem vollen 
Bewusstsein einer Doppelempfindung sich verknüpft und ebenso 
umgekehrt.“ 

Ausser jenem Raume, in welchem ein Verschmelzen gleichzei- 
tiger Eindrücke stattfindet, und jenem an dessen Grenzen die bei- 
den Eindrücke völlig getrennt bleiben, existirt also wirklich 
noch ein mittlerer Raum, in dem die erzielten Empfindungen noch 
nicht entschieden getrennt, aber auch nicht mehr verschmolzen 
erscheinen. 

Die Breite dieses mittleren Raumes entspricht, beiläufig bemerkt, 
dem Durehmesser eines Empfindungskreises (Fig. 4 c, d) und 
beträgt immer weniger als den dritten Theil der Distanz 
zwischen a und d. 

Hiermit scheint nun der bisher kaum geahnte Grund des Wider- 
spruches der Beobachtungen über die Feinheit des Wahrnehmungs- 
vermögens für die räumlichen Beziehungen gleichzeitiger und 
ungleichzeitiger Eindrücke auf eine sehr einfache, naturgemässe, 
aus meiner Theorie von selbst sich ergebende Weise genügend 
erklärt zu sein. 

Schliesslich muss ich noch eines interessanten Umstandes 
gedenken, welcher uns auf ein bisher unberührtes, hier in Betracht 


- 


1) Vgl. oben pag. 580 Anmerkung und Thesis Nr. 8. 
2) Vgl. diese Sitzungsber. 1851, Bd. VI, pag. 341. 


Sitzb. d. mathem.-naturw. Cl. XVIT. Bd. III. Hft. 35 


584 Czermak.: 


kommendes Moment hinweist. Ich meine die Bemerkung Lotze's!): 
„dass man oft, auch wenn die Zirkelspitzen gleichzeitig aufgesetzt 
werden, deutlich zwei Empfindungen erhält, die erst später zu einer 
einzigen verschmelzen“. Es dürfte nämlich, falls die Lotze’sche 
Beobachtung nicht etwa doch auf einer Täuschung in Folge ungleich- 
 zeitigen Aufsetzens der Zirkelspitzen beruht, hieraus mit Nothwendig- 
keit auf eine analoge Erlahmung?) der sensiblen Elemente der Haut 
und auf eine Abstumpfung des Unterscheidungsvermögens des Raum- 
sinnes, wie eine solehe im Gebiete anderer Sinne in Folge andauern- 
der Erregung der Nervensubstanz längst eonstatirt ist, zu schliessen 
sein. 

Ad 2. Die alte Weber’sche Messungsmethode wird, nach den 
vorausgeschiekten Auseinandersetzungen, zwar neben ihrem histori- 
schen, immer noch auch einen praktischen Werth zur Bestimmung 
der Feinheitsverhältnisse des Raumsinnes der Haut und zur etwaigen 
Berechnung des Durchmessers der Empfindungskreise, welcher, 
wie oben beiläufig bemerkt wurde, stets weniger als den dritten 
Theil der nach Weber gemessenen Abstände betragen muss, behal- 
ten; allein sie taugt nur in jener sinnreichen Form, in welcher sie 
von R. Lichtenfels angewendet wurde, zu einer genaueren 
indireeten Messung dieser Diameter, und macht die neue Methode, 
welche ich auf die Beobachtung der, zur Unterscheidung räumlicher 
Beziehungen ungleichzeitiger Eindrücke, erforderlichen Distan- 
zen zu gründen gedenke, durchaus nicht überflüssig. \ 

R. Lichtenfels hat nämlich in Folge der oben eitirten Beob- 
achtung für nöthig erachtet, nicht nur den Abstand zu messen, bei 
welchem zwei gleichzeitige Eindrücke eine deutliche Doppel- 
empfindung zu veranlassen beginnen, sondern auch jenen, bei 
welchem die Verschmelzung der Eindrücke zu einer einfachen, 
räumlich untrennbaren Wahrnehmung ihre Grenze hat. 

Leider hat Lichtenfels seine Messungen nur an einer einzigen 
Stelle (an der Dorsalfläche des rechten Unterarmes), bei longitu- 
dinalem Ansetzen der Zirkelspitzen in der Mittellinie, ausgeführt 
und sechs derartige Versuchsreihen in der folgenden Tabelle 
zusammengestellt: 


1) A. a. 0. pag. A403. 
2) Vgl. Hoppe'sMed. Briefe XII. Heft, 1854. 47. Brief. Hop pe geht jedoch entschieden 
zu weit! 


Physiologische Studien. ; 5 8 5 


Ereehniss d Grenze der einfachen Beginn der deutlichen 
ort Empfindung Doppelempfindung 


Versuchsreihe 25  Millim. 29  Millim. 
28 34 
26-5 325 


26 


de 

2 

3. 

A. 27 33 
3 

6 26 


Mittel 26°4 Millim. Millim. 
Grösse d. Schwankung 3  Millim. Millim. 


Aus dieser Tabelle ergibt sich, dass, während die Grenze der 
einfachen Empfindung kaum variabel ist, indem die Schwankung von 
3 Millim. auf Rechnung der Beobachtungsfehler kommt, das Urtheil 
über den Beginn der vollen Doppelempfindung um die kleine Grösse 
von 6 Millim. schwankt, und — was schon Lichtenfels nicht für 
zufällig ansieht — der Raum, in welchem das Urtheil sich zweifelhaft 
verhält: 32—26, dieselbe Grösse, nämlich 6 Millim. hat. 

Erscheint es schon an und für sich wünschenswerth, alle 
Regionen des Tastorgans nach dem Lichtenfels’schen Verfahren, 
soweit dasselbe anwendbar ist, zu prüfen, so dürfte doch die 
Wichtigkeit dieser Aufgabe erst in Erwägung der Deutung und 
Bedeutung, welche die, durch die angezogenen Messungen, ermittel- 
ten Thatsachen nach meiner Lehre von den Empfindungskreisen 
erhalten, recht deutlich in die Augen springen. 

Im Sinne dieser Lehre stellt es sich nämlich heraus, dass die 
von Lichtenfels gemessenen Abstände den Punkten «a, e und d 
meiner Schemen Fig.5, 6, 7 — und somit auch die Differenz 32—26 
—= 6 Millim. der Differenz ad — ac= cd entsprechen. 

Nun ist aber cd (= 6 Millim. ) nahezu = dem Durchmesser eines 
Empfindungskreises; es diente also das Lichtenfels’sche 
Verfahren zur indireeten Messung der Empfindungs- 
kreise. In Übereinstimmung damit wäre es denn auch, dass der 
gefundene Durchmesser des Empfindungskreises, nämlich 6 Millim., 
in der That auch weniger als den dritten Theil von 32 Millim., 
d. i. vom Abstand ad, und weniger als die Hälfte von 26 Millim., 
d. i. vom Abstand ac beträgt. 

35* 


586 Czermak. 


Ich darf es hier beiläufg wohl als eine sprechende Bestätigung 
meiner Deutung anführen, dass unter den 32 von Lichtenfels 
a. a. Ö. mitgetheilten Messungen, welche zum Theil unter normalen 
Verhältnissen, zum Theil nach der Einnahme von Atropin, Daturin, 
Morphin, Strychnin, Alkohol u. s. w. angestellt wurden, nur zwei 
(überdies verdächtige) Fälle vorkommen, in welchen die Grösse ed 
mehr als den dritten Theil von ad und mehr als die Hälfte von ac 
beträgt. 

Aus meiner Deutung der Thatsachen ergibt sich ferner, dass: 


2cd + x =ac, (12 Millim. + x = 26 Millim.) 
und dcd + x2=.ad, (18 Millim. + «= 32 Millim.). 


Dieses x wäre aber der doppelte Halbmesser jenes Zerstreuungs- 
kreises, welcher jeden auch noch so beschränkten Tastreiz umgibt; 
es diente also das Lichtenfels’sche Verfahren auch 
zur Bestimmung der Zerstreuungskreise. 

Ich habe schon oben in der 5. These darauf hingewiesen, „dass 
„bei der Einwirkung jedes Druckes, jedes Tastreizes ein Complex 
„von sensiblen Punkten erregt wird“. Hier ist es endlich am Orte, 
auf dieses wichtige Verhältniss näher — wenn auch nur andeutungs- 
weise — einzugehen. 

Schon Meissner sagt in seinen vortrefflichen Beiträgen zur 
Anatomie und Physiologie der Haut, Leipzig, 1853, pag. 44: „Ein 
„jeder Reiz, welcher die Haut an irgend einer Stelle trifft, wird 
„nothwendig, mag er noch so beschränkt und fein sein, mehr als 
„einen sensiblen Punkt treffen, da einerseits an vielen Hautstellen 
„die sensiblen Punkte so nahe an einander gerückt sind, dass schon 
„die Wirkung des Reizes in gerader, senkrechter Richtung ihrer 
„mehrere treffen muss, und da andererseits neben dieser Wirkung 
„auch eine in seitlicher Richtung, im Umkreise jener, stattfinden 
„muss, gewissermassen ein Zerstreuungskreis des Reizes gebildet 
WIE eds „und so ist es denkbar, dass vielleicht die 
„Erregung der Punkte, welehe dem Zerstreuungs - oder Irradiations- 
„kreise eines Reizes angehören, in irgend welcher Weise für die 
„Seele das Localzeichen des Reizes ausmacht, dessen eigener 
„qualitativer Inhalt dann durch die Wirkung in gerader Richtung, 
„durch die Erregung der Punkte, welche das Centrum des Irra- 
„diationskreises bilden, wahrgenommen würde“. 


Physiologische Studien. 587 


Man kann in der That annehmen, dass die einzelnen Local- 
zeichen der sämmtlichen, durch die volle Wirkung des Tast- 
reizes erregien sensiblen Punkte für die erzielte Empfindung ein 
Localzeichen höherer Ordnung zusammensetzen würden, 
welches, gegenüber demrein physicalischen, als der physiolo- 
gische Irradiationskreis zu betrachten wäre, während der eigene 
qualitative Inhalt des Reizes durch die Erregung der Punkte im 
Centrum des Irradiationskreises zur Wahrnehmung käme. 

Von der Grösse des rein physicalischen Irradiationskreises, 
welehe vom Druck, von der Elastieität der Haut, von der Beschaffen- 
heit der Umgebung u. dgl. abhängt, bekommt man näherungsweise 
eine Vorstellung, wenn man darauf achtet, in welchem Umkreise um 
den Berührungspunkt herum die Haut, durch eine senkrecht auf- 
gesetzte stumpfe Bleistiftspitze z. B., in Bewegung geräth. 
Schon bei mässigem Drucke entsteht eine trichterförmige Vertiefung, 
nach deren Mittelpunkt hin die Haut gezerrt und angespannt wird. 
Eine momentane Berührung mag eine ähnliche kreisförmige Erregungs- 
welle zur Folge haben, wie eiwa ein ins Wasser geworfener Stein. 
Man überzeugt sich so, durch Beobachtung der Haut, leicht, dass der 
physicalische Irradiationskreis einen Durchmesser von einigen Linien 
bis zu mehreren Zollen haben kann! 

Es ist jedoch nicht anzunehmen, dass der rein physicalische 
Zerstreuungskreis, ‚dessen Wirkung gegen die Peripherie hin all- 
mählich erstirbt, in seiner ganzen Ausdehnung für den physiolo- 
gischen, d. h. für das Localzeichen höherer Ordnung, in der Art 
verwerthet werde, dass er gewissermassen ein Hinderniss für die 
räumliche Unterscheidung mehrerer Tastreize abgeben könnte. In 
welcher (möglicherweise sehr variablen) Ausdehnung er aber 
wirklich in dieser Beziehung als Hinderniss in Betracht kommt, 
ergibt sich eben durch das Liehtenfels’'sche Verfahren. 

So findet man aus den obigen Gleichungen x — 14 Millim., 
während der rein physicalische Zerstreuungskreis gewöhnlich 
einen weit grösseren Durchmesser besitzt. 

Dies Alles sind Andeutungen, welche in der Zukunft genau 
verfolgt und bestimmt formulirt werden müssen, und welche ich 
überhaupt nur vorbringe, um merken zu lassen, dass ich gewisse 
Consequenzen und Bedenken nicht übersehen habe, die man viel- 
leicht aus der Existenz der Irradiationskreise gegen meine Deutung 


588 Czermak. 


der Thatsachen wird ziehen und dagegen wird erheben wollen, dass 
ich das, was oben ad 1 über die nothwendigen Abstände der erregten 
Punkte a, d, ce und d, sofern die durch dieselben vermittelten 
Empfindungen räumliche Beziehungen erhalten sollten, sich ergab, 
hier auch von den Abständen der (schattirten) Irradiationskreise 
aaa, Bbß, ycy und Odo (vergl. die Schemen Fig. 5, 6 und 7, 
welche die drei möglichen Fälle erläutern, wo der Durchmesser der 
Irradiationskreise kleiner, gleich und grösser ist als der Durchmesser 


der Empfindungskreise) behaupten möchte. 

In den, Schemen Fig. 5, 6 und 7 ist aa=bß =y-d-5, 
aa—=ßß=yy=6°—=r, und daher auch aa + cy=aa+ de= x, 
ac=?abI x, ada=3ab+ x, ab—=cd u. s. w. — 

Was nun die neue Messungsmethode betrifft, welche ich, wie 
gesagt, auf die Beobachtung ungleichzeitiger Eindrücke zu 
gründen gedenke, so besteht sie einfach darin, dass man die Spitzen 
eines Zirkels nach einander und in bestimmter Distanz von einan- 
der, mit der Haut in Berührung bringt und darauf achtet, bei welcher 
Distanz der Beobachter mit Sicherheit angeben kann, wo sich der 
spätere Eindruck, ob oben oder unten, rechts oder links von dem 
früheren, befindet. 

So lange der Beobachter über die Lage des späteren Eindruckes 
sich irren kann, so lange sind wir berechtigt anzunehmen, dass der 


gemessene Abstand nieht grösser ist, als der Durchmesser eines 
Empfindungskreises. Erst wenn der Beobachter die Lage des zweiten 
Eindruckes mit voller Sicherheit zu bestimmen beginnt, beträgt der 
gemessene Abstand wenigstens den Durchmesser eines Empfin- 
dungskreises, welcher somit den unteren Grenzwertli oder vielmehr 
den Nullpunkt der Scale darstellt. 

Dies gilt wahrscheinlich selbst dann, wenn die Irradiationskreise 
bedeutend grösser sind als die Empfindungskreise, weil sich die 
Localzeichen höherer Ordnung auch unter diesen Umständen nicht 
früher, als es dem Zweck der Messung entspricht, aus hinreiehend 
differenten Raumelementen zusammensetzen können; obschon hier 
die Möglichkeit einer beiläufigen Bestimmung der Richtung, 
in weleher der zweite Eindruck stattfindet, vielleicht auch schon 
dann gegeben sein könnte, wenn ab noch kleiner als der Durch- 
messer eines Empfindungskreises ist, da die äussersten der, durch 


Physiologische Studien. 589 


beide Irradiationskreise erregten Punkte (x und ß, Fig. 8) jeden- 
falls bereits verschiedenen weit aus einander liegenden Empfindungs- 
kreisen angehören. | 

Nach dieser Methode würde also näherungsweise der Abstand 
ab gemessen, welcher —=.cd ist und somit ebenfalls stets weniger als 
den dritten Theil von «d und weniger als die Hälfte von ac betragen 
muss. (Fig. 5, 6, 7.) 

Man sieht leieht ein, wie die neue Methode und das Lichten- 
fels’sche Verfahren gegenseitig sich ergänzen und controliren können 
und müssen ). | 

Einige vorläufige Versuche, meine Methode praktisch in Anwen- 
dung zu bringen, haben mich gelehrt, dass ein gewöhnlicher Zirkel 
kein passendes Instrument dazu ist, indem die zu messenden Abstände 
meist so klein sind, dass man das Nacheinander der Berührungen 
durch Neigen des Zirkels nur sehr unbequem und unvollkommen 
bewerkstelligen kann. 

Ich habe mir daher zu meinen Messungen einen eigenen Stan- 
genzirkel machen lassen, dessen ein Schenkel kürzer und in verti- 
ealer Richtung beweglich ist, so dass er bei noch so geringem Ab- 
stande von dem andern horizontal verschiebbaren Schenkel beliebig 
wann mit dem Finger bis auf die Haut herabgedrückt werden kann. 
(Vergl. Fig. 9 und die Erklärung der Abbildungen.) 

Die folgenden Tabellen enthalten eine Anzahl von Bestimmungen 
der Grössen ab, ac und ad, aus welchen sich &, d.h. der in Betracht 
kommende Durchmesser desIrradiationskreises, leicht berechnen lässt. 

Die Spitzen des zu diesen Messungen gebrauchten Stangenzir- 
kels (Fig. 9) hatten einen Durchmesser von je 0°4”. Zur Unter- 
suchung sehr feinfühlender Hautstellen dürften feinere Spitzen nöthig 
sein. 


1) Dem wahren Durchmesser der Empfindungskreise kann man sich offenbar oft noch 
mehr nähern, wenn man nicht nur die Differenz ad— ae, und die Distanz berück- 
sichtigt, welche nöthig ist, um ungleichzeitige Eindrücke hinsichtlich ihrer Lage 
zu beurtheilen, sondern auch noch die Grenzen jener Bezirke, innerhalb welcher 
die Lage ungleichzeitiger Eindrücke nicht mehr wahrgenommen werden kann. 


590 Czermak. 


A. Versuche an einem weiblichen Individuum von 26 Jahren. 


Abstand der gleichzeiti- 
gen Eindrücke 


Abstand der 
Theil der Haut ungleichzei- 
tigen Ein- 
drücke =ab 


Beginn der 


5 ad—ac=cd 
deutlichen 


Grenze der 
einfachen 
Empfindung 
==tte 


Doppel- 
Empfindung 
— ad 


Handrücken 2-3W.L.|6:0OW.L. 
a zit 5 s 0’ 


“By 4.3" 
Mittel. % de 722 He 


Vorderarm, Mitte d. Rücken- |? 

fläche le 12-0" 135204 
y-yr 5.231 9.7" 
1-9"! 10:0" BIER 
2 
2 


Bin! 


d _—— — 


Su 7.0”. ..)10-0% 


3.09" | EZ IKERRS 


Mittel. 
Deus Mitte d. Rücken- 


Mittel. . 
Oberarm, Mitte der Rücken- 


17-6" 


Die Resultate dieser Messungen, welche auf alle Hautregionen 
ausgedehnt und mit grösster Sorgfalt geprüft werden sollten, stimmen 
zwar mit den Forderungen meiner Lehre überraschend genau zusam- 
men, allein schliesslich muss ich doch hervorheben, dass es in der 
Natur derSache, d.h.unserer Empfindungen liegt, dass alle, durch 
derartige verhältnissmässig grobe Messungen gewonnenen Zahlen, 
nur mit der grössten Vorsicht und Zurückhaltung für oder gegen 


Physiologische Studien. 591 


theoretische Forderungen und Hypothesen zu benutzen sind; indem 
mancherlei Beobachtungsfehler mit unterlaufen können, die sich zum 
Theil vielleicht nicht einmal durch Berechnung von Mittelwerthen, aus 
sehr zahlreichen Beobachtungen, ganz eliminiren lassen; wodurch in 
diesem Bezug die Möglichkeit, d. h. der wissenschaftliche Werth 
der Messungen freilich ganz in Frage gestellt würde. 

Dieses Bedenken erhebe ich nun natürlich auch gegen meine 
eigenen, in der zweiten Abtheilung dieser „Studien“ ($. 8, 9 und 10) 
mitgetheilten Messungen, welche ich überdies noch insofern als un- 
vollkommen bezeichnen muss, als sie nur nach einer (der alten 
Weber'schen) Methode ausgeführt wurden. 


$. 20. Beleuchtung der von Lotze!) zusammengestellten Einwürfe 
| segen die Existenz „fester‘‘ Empfindungskreise, 


Obsehon Lotze’s Einwürfe nur gegen die ältere, in der That 
„ingeniös gedachte Deutung der Thatsachen“ von Weber gerichtet 
sindund weder Weber’s neuere Fassung, welche gewisse allgemein 
getheilte Missverständnisse berichtigt hat, noch auch meine eigene 
Lehre von den Empfindungskreisen wesentlich berühren; so bringe ich 
dieselben doch noch einmal hier zur Sprache, erstens um zu zeigen, 
wie wenig Lotze berechtigt war am Schlusse seiner Auseinander- 
setzung den Satz: „die festen Empfindungskreise existiren 
daher nicht,“ ganz allgemein hinzustellen; und zweitens um 
eine passende Gelegenheit zu haben, einige auf diesen Gegenstand 
bezügliche Bemerkungen von allgemeiner Wichtigkeit anbringen zu 
können. 

Was zunächst den ersten Punkt betrifft, so konnte Lotze, nach 
meinem Dafürhalten, in Erwägung der von ihm zusammengestellten 
Bedenken, nur die Existenz solcher festen Empfindungskreise 
leugnen, wie sie im Sinne der älteren Weber’schen Lehre gewöhn- 
lich (aber irrthümlich) aufgefasst wurden, denn die Annahme gewis- 
ser Bezirke von bestimmter Gestalt und Grösse, welehe in der Haut 
die nächsten Elemente unseres Raumbildes repräsentirten und als 
„feste Empfindungskreise“ zu bezeichnen wären, ist im Allgemeinen 
durch jene Bedenken durchaus nicht widerlegt. 


1) A. a. 0. pag. 204. 


592 Czermak. 


Wenn wir auf die einzelnen Einwürfe Lotze’s näher eingehen, 
so erkennen wir nämlich bald, dass sie dem Wesen der festen Empfin- 
dungskreise gar nicht widersprechen. 

So sagt Lotze a. a. O. pag. 402: „Denken wir uns einen dieser 
Empfindungskreise, z. B. am Oberarm, wo er ja eine Ausdehnung von 
mehr als einem Zolle haben kann, aus den Raumpunkten a, db, c, d 
u. s. w. zusammengesetzt, so würde es eine Consequenz der Ansicht 
von Weber sein, dass nicht nur die gleichzeitige Berührung der 
Punkte a und d als eine Empfindung wahrgenommen würde, sondern 
die Empfindung würde auch dieselbe bleiben müssen, ob wir nun mit 
einer einzigen Zirkelspitze d oder a berühren. Wenn wir daher die 
Zirkelspitze nach mannigfachen Richtungen auf der Haut herumfüh- 
ren, ohne doch die Grenzen dieses Empfindungskreises zu verlassen, 
so könnten wir dadurch keine Wahrnehmung einer Bewegung erhal- 
ten, sondern Alles würde sich verhalten als würde beständig 
derselbe Punkt erregt“. 

Hieraus ist aber im besten Falle offenbar nichts weiter zu 
schliessen, als dass die festen und wahren Empfindungskreise eben 
einen kleineren Durchmesser haben müssen, als jene Bezirke, inner- 
halb welcher gleichzeitige Eindrücke zu einer räumlich untrenn- 
baren Wahrnehmung verschmelzen, nicht aber etwa, dass über- 
haupt keine festen Empündungskreise existiren. 

Denn mit dem wahren Begriff eines festen Empfindungskreises 
ist es gar nicht unvereinbar, dass Empfindungen, die durch Erregung 
der zu einem Empfindungskreise gehörigen sensiblen Punkte ent- 
stehen, qualitativ verschieden seien und von der Seele in inten- 
siver Weise auseinander gehalten und unterschieden werden könnten. 
Die Ununterscheidbarkeit der innerhalb eines Empfindungs- 
kreises erzielbaren Empfindungen bezieht sich nämlich lediglich 
auf ihre räumlichen Beziehungen, und so ist es denn so lange kein 
' Widerspruch, dass wir es erlernen, eine ruhende Berührung von 
einer bewegten Berührung selbst innerhalb eines wahren Empfin- 
dungskreises wohl zu unterscheiden, so lange, sage ich, als dies 
nicht durch Wahrnehmung der Verschiedenheit irgend welcher 
räumlichen Beziehungen geschieht und wir nicht zugleich etwa 
eine Vorstellung von der Richtung dieser Bewegung bekommen. 

Dass es aber wirklich Bezirke in der Haut gibt, innerhalb 
welcher durch eine leise Berührung mit einem in bestimmter Rich- 


Physiologische Studien. 593 


tung bewegten Körper — wenn sie ohne alle Hautverschie- 
bung erfolgt — die Vorstellung einer Bewegung ohne angeb- 
bare Richtung erweckt werden kann, ist eine Thatsache !). 

Man muss sich wohl hüten, die Vorstellungen, welche wir dem 
Raumsinn des Tastorgans verdanken, mit jenen Wahrnehmungen 
zu eonfundiren, welche der Tastsinn der Haut vermittelt. 

Ähnlich verhält es sich mit einem andern Bedenken, das Lotze 
pag. 404 vorbringt. Lotze findet es unvereinbar mit der Existenz 
fester Empfindungskreise, wenn man im Stande sein sollte, innerhalb 
eines solchen einen Kreis von einer Kreisfläche, einen Ring von 
einem gleichgrossen Petschaft zu unterscheiden; allein er hätte nur 
dann Recht, wenn er beweisen könnte, dass die Unterscheidung der 
beiden Eindrücke durch den Raumsinn in Folge der wirklich 
wahrgenommenen, verschiedenen Gestalt und räum- 
lichen Ausdehnung der gereizten Hautstelle geschieht, und 
wenn nicht überdies factisch Bezirke in der Haut existirten, innerhalb 
welcher eine solehe Unterscheidung ganz unmöglich ist. 

Hinsichtlich der durch die alte Weber’sche Methode direct 
gemessenen Bezirke, die aber freilich nicht für die wahren Empfin- 
dungskreise gelten können, mag Lotze in gewisser Beziehung nicht 
Unrecht haben, obschon selbst innerhalb dieser Bezirke die Wahr- 
nehmung der räumlichen Beziehungen der durch den Querschnitt 
eines soliden Stabes und einer gleichgestalteten Röhre erregten Em- 
pfindungen eine so vage ist, dass wir den Umriss und die verschie- 
dene Gestalt jener beiden Tastobjeete nicht zu erkennen im Stande 
sind, ihre etwaige Unterscheidbarkeit daher wesentlich nur auf 
unräumlichen Kennzeichen beruhen muss. 


1) So fühlt man z. B. auch sehr deutlich, dass ein Haar irgend eines unterstützten Kör- 
pertheiles leise bewegt und hin und her gebogen wird, ohne eine Ahnung davon zu 
haben, in welcher Richtung dies geschieht. Beiläufig mache ich darauf noch auf- 
merksam, dass unser Wahrnehmungsvermögen, unter allen räumlichen Bezie- 
hungen, für die Richtung bewegter Eindrücke am schärfsten (an manchen Orten 
sogar fast unbegrenzt) zu sein scheint, indem wir dieselbe meist schon vor Über- 
schreitung eines jener Bezirke angeben können, innerhalb welcher uns noch nicht 
einmal die gegenseitige Lage ungleichzeitiger Eindrücke deutlich ist. Dies findet aber 
seine genügende Erklärung wesentlich darin, dass der rein physicalische Zerstreu- 
ungskreis eines bewegten Eindruckes keiner Kreiswelle vergleichbar ist, sondern etwa 
jener Welle, welche ein bewegter Kahn auf dem Wasserspiegel zieht, und überdies 
caeteris paribus (in Folge der Hautverschiebung) stets grösser ausfallen mag, als der 
eines unbewegten Eindruckes, 


59A Czermak. 


Ein drittes Bedenken Lotze’s bezieht sich lediglich auf die, aus 
der alten, missverstandenen Weber’schen Ansicht fliessende Con- 
sequenz, dass die Empfindungskreise „von einer ganz schmalen Linie 
schärfster Unterscheidungsfähigkeit“ umzogen sein müssten. Damit 
hat es nun freilich seine volle Richtigkeit, allein dieser Einwurf ist 
nur gegen die alten Weber’schen, nicht gegen die Empfindungs- 
kreise überhaupt gerichtet. 

Viertens endlich weiss Lotze „der sonderbaren Folgerung 
nicht zu begegnen, welcheKölliker aus Weber’s Annahmen zieht. Es 
seien a, b. c, d, e auf einander folgende Punkte des Oberarms. Zwei 
Spitzen in a und Ö werden als eine empfunden, a und 5 mithin von 
derselben Primitivfaser versorgt; aber d und c gleichzeitig erregt, 
geben auch nur eine Empfindung; die Nervenfaser für c ist also die- 
selbe wie für 5, folglich auch wie für a; zwei Spitzen in ce und d, in 
d und e geben wieder nur eine Empfindung, also reichte dieselbe 
Faser auch bis e, und sofort über die ganze Körperoberfläche. Gleich- 
wohl ist es nach Weber’s vollkommen bestätigten Versuchen That- 
sache, dass wenn a und d, und dann D und c zusammengereizt nur 
eine Empfindung geben, doch die gleichzeitige Berührung von a und e 
deren zwei geben kann“. 

Auch dieser letzte Einwurf beweist nichts gegen die Existenz 
der „festen“ Empfindungskreise überhaupt, an welcher wir daher 
 unbeirrt festhalten können; ob auch müssen, wird der.folgende 
Paragraph beleuchten. 

Hier will ich nur noch einen scheinbar gewichtigen, speciell 
gegen meine Lehre von den Empfindungskreisen gerichteten Einwurf, 
welcher einige Ähnlichkeit mit der zuletzt erwähnten „sonderbaren 
Folgerung“ Kölliker’s hat, im Voraus begegnen und damit vielleicht 
wesentlich zum richtigen Verständnisse meiner Auffassung der Empfin- 
dungskreise beitragen. 

Es seien a, b, c,d, e, f.... auf einander folgende sensible Haut- 
punkte. Je drei derselben mögen zu einem Empfindungskreise 
gehören; a, d, c fallen mithin in eine Raumeinheit höherer Ordnung 
zusammen; aberd, cundd gehören ebenfalls zu einem Empfindungs- 
kreise; d fällt also mit 5 und c, folglich auch mit « zusammen u.s.f. 

Auf diesem Wege würde man dazu kommen, dass sämmtliche 
sensiblen Punkte der Haut nur eine einzige, ungegliederte Raumein- 
heit repräsentirten, dass somit meine Annahme einer Interferenz der 


Physiologische Studien. 595 


Empfindungskreise ad absurdum führe, und aus diesem Grunde 
unstatthaft sei. 

Zu demselben Endresultate würde man gelangen, wenn man jene 
Argumentation gewissermassen umkehrte; weil d einem andern 
Empfindungskreise angehört als a, so kann es nicht mit « zusammen- 
fallen, ce gehört aber zu einem Empfindungskreise mit d, also kann e 
(wie d) wiederum nicht mit « zusammenfallen, obschon es mit « 
ebenfalls zueinem Empfindungskreise gehört... quod est absurdum. 

Allein diese widerspruchsvollen Folgerungen, welche übrigens 
nicht exacter gedacht sind, als wenn man etwa beweisen wollte, dass 
1000 Woaizenkörner keinen Haufen bilden können, weil ein Korn 
und noch eines keinen bilden, oder aber, dass schon ein Korn 
einen Haufen repräsentiren muss, weil 999 (d. h. 1000—1) Körner 
auch noch einen Haufen ausmachen, beruhen nur auf einem Missver- 
ständniss meiner Auffassung der Empfindungskreise und ihrer Inter- 
ferenz, und sind nicht zulässig. Denn die Localzeichen, «, ß, y... 
der sensiblen Punkte a, d, c..., welche einem Empfindungskreise 
angehören, sind durchaus nicht identisch an sich, sondern nur in 
so fern nahezü identisch für uns, als sie eben ein Raumelement 
höherer Ordnung repräsentiren. | 

Wir haben es hier mit verschwindend kleinen Differenzen 
zu thun, die aber darum noch nicht Null sind. 

Die Empfindungskreise sind nach meiner Auffassung eben nur 
ein, ich möchte sagen, graphischer Ausdruck der Feinheit 
der „fixen“ Gliederung des, an die sensiblen Punkte 
der Haut geknüpften Systems der Localzeichen. 


$, 21. Experimentum erucis. 


Lotze und Meissner leugnen zwar auf der einen Seite die Exi- 
stenz der „festen“ Empfindungskreise ganz und gar, und glauben alle 
Thatsachen, welche die Physiologie des Tastorgans festgestellt hat, 
befriedigend nach dem Satze deuten zu können, „dass zwei Empfin- 
dungen um so deutlicher geschieden werden je differenter, um so 
undeutlicher, je identischer ihr qualitativer Inhalt sammt den Local- 
gefühlen ist, die sich an ihn knüpfen“; allein auf der andern Seite 
sagen sie selbst: „es genügt nicht, dass jede Stelle der Haut dem 
sie treffenden Reiz ein besonderes ihr eigenthümliches Localzeichen 
verleiht, sondern alle dieseLocalzeichen müssenGlieder 


596 Czermak. 


einer geordneten Reihe, eines abgestuften Systems 
vergleichbarer Elemente sein“, und geben also eigentlich 
denn doch zu, dass die Seele gewissermassen ein Bild von den geome- 
trischen Verhältnissen in der Anordnung der sensiblen Hautpunkte 
— eben durch jenes abgestufte System von Localzeichen — erhalte 
und im Stande sei, vermöge dieser bestehenden Einrichtung die 
die Haut treffenden Reize, hinsichtlich ihres Ortes, zu bestimmen. 
Damit ist aber zugleich auch wieder die Existenz der „festen“ 
Empfindungskreise wenigstens nach meiner Auffassung, nach welcher 
sie, so zu sagen, nichts anderes sind, als der graphische Ausdruck 
der Feinheit der fixen Gliederung jenes Systems der Localzeichen, 
zugestanden! | 

In der That, behufs einer allseitig befriedigenden Deutung der 
Thatsachen ist es nicht nur (vergl. $. 20) erlaubt, sondern, so 
weit ich sehe, unumgänglich nothwendig, an diesen „festen“ 
Empfindungskreisen festzuhalten. 

Denn wie wollte man sonst die folgenden Erfahrungen erklären ? 

1. Vergrössert man stetig den Abstand zweier gleichzeitiger 
Eindrücke, die bereits so weit von einander entfernt sind, dass sie 
eine deutliche Doppelempfindung geben, so wächst auch stetig der 
zwischen den beiden erzielten Empfindungen wahrgenommene 
Zwischenraum. Meissner sagt: „Ist die Erregung von a sensiblen 
Punkten erforderlich, um einen in obigem (Meissner’s) Sinne als 
physiologische Einheit functionirenden Irradiationskreis zu bilden, so 
werden die Irradiationskreise zweier Reize, welche innerhalb einer 
Hautstrecke erfolgen, wo nur a sensible Punkte sind, aus denselben 
sensiblen Punkten sich zusammensetzen, und somit ein und dasselbe 
Localzeichen für beide Reize vermitteln, welche also nicht gesondert 
empfunden werden; sie werden erst gesondert wahrgenommen wer- 
den, wenn sie so weit von einander gerückt sind, dass ihre Irradia- 
tionskreise sich jeder aus a verschiedenen Punkten zusammensetzt, 
oder vielleicht einen Theil der sie bildenden sensiblen Punkte ver- 
schieden haben“. 

Allein es ist nicht einzusehen, wie damit die, mit der wach- 
senden Entfernung der Tastreize correspondirende Vergrösserung 
des wahrgenommenen Zwischenraumes, welcher die beiden Empfin- 
dungen trennt, erklärt werden soll, da ja schon vom Beginn der 
deutlichen Doppelempfindung an, die „Irradiationskreise sich jeder 


Physiologische Studien. 597 


aus a verschiedenen Punkten zusammensetzt“, ausser man nimmt an, 
dass eben die Localzeichen der sensiblen Punkte, in Folge der beste- 
henden Einrichtung des Tastorgans, einem stetig abgestuften, mit 
den geometrischen Verhältnissen correspondirenden Systeme von 
fixer Gliederung angehören. 

2. Nehmen wir an, es seien zwei Zirkelspitzen in solcher Ent- 
fernung von einander und gleichzeitig auf eine beliebige dehnbare 
Hautstelle (z. B. die Lippe) aufgesetzt worden, dass sie als zwei 
räumlich gesonderte Eindrücke wahrgenommen werden, so erklärt 
sich dies nach Meissner, dass bei diesem Abstande jede der beiden 
Zirkelspitzen „a“ verschiedene sensible Punkte, deren Erregung eben 
erforderlich ist, um „einen als physiologische Einheit funetionirenden 
Irradiationskreis zu bilden“, erregen kann und wirklich erregt, wäh- 
rend wir nach unserem Prineipe der festen Empfindungskreise den 
Grund der Erscheinung darin finden werden ,® dass die Zirkelspitzen 
sensible Punkte treffen, welehe wahrscheinlich um mehr als das 
Dreifache des Durchmessers eines Empfindungskreises von einander 
abstehen. 

Dehnen wir nun das betreffende Hautstück aus (wodurch die 
sensiblen Punkte desselben auf eine grössere Fläche zerstreut wer- 
den), und setzen die Zirkelspitzen in derselben Entfernung, 
wie vor der Dehnung wieder auf, so werden dieselben, wie der 
Versuch lehrt, entweder gar nicht mehr oder doch, durch einen 
geringeren Zwischenraum getrennt, wahrgenommen. 

Auch diese Erfahrung erklärt sich noch fast gleich gut nach 
beiden Hypothesen; nach Meissner, indem sich die relative Zahl der 
sensiblen Punkte, in Folge der Dehnung, dermassen verringert hat, 
dass die Zirkelspitzen nun nicht mehr die erforderliche Anzahl von 
je „a“ sensiblen Punkten erregen können; nach meiner Auffassung, 
indem die Zirkelspitzen, in Folge der ein- oder allseitigen Vergrös- 
serung des Durchmessers der festen Empfindungskreise , sensible 
Punkte treffen, welche Empfindungskreisen angehören, die um 
weniger Durchmesserweiten von einander entfernt liegen als jene 
Empfindungskreise, welchen die vor der Dehnung erregten Punkte 
angehörten. 

Der Versuch lehrt aber weiter, dass, wenn man unter den 
angeführten Umständen den Abstand der beiden Zirkelspitzen um 
ein Bestimmtes, das ein gewisses Minimum überschreiten muss, 


= 


598 Czermak. 


vergrössert, dieselbe räumliche Unterscheidung der Eindrücke, 
wie vor der Dehnung der Haut, auch wieder eintritt, trotz der Zer- 
streuung der sensiblen Punkte und trotz der durch die Spannung 
etwas veränderten Färbung der Tastempfindung. 

Dieses leicht zu constatirende Faetum lässt sich, wie mir 
scheint, nur durch die Annahme „fester“ Empfindungskreise in der 
Haut auf ungezwungene Weise erklären, indem es dann von selbst 
einleuchtet, wie durch die Vergrösserung des Abstandes der Zirkel- 
spitzen von einander wieder die Berührung jener Emptindungskreise, 
zwischen denen die erforderliche Anzahl unberührter Raumelemente 
liegt und mithin die frühere räumliche Trennung der Eindrücke ermög- 
licht wird; während man nach Meissner’s Hypothese durchaus nicht 
begreift, was das Auseinanderrücken der Zirkelspitzen nützen soll 
und kann, da ja die Zirkelspitzen bei der durch die Hautausdehnung 
gesetzten Zerstreuung.der sensiblen Punkte, trotz der Vergrösserung 
ihres gegenseitigen Abstandes, doch niemals wieder, wie vor der 
Dehnung, die erforderlichen „a“ sensiblen Punkte zu erregen im 
Stande sein werden, man möchte denn der Annahme der festen 
Empfindungskreise, nach welcher Alles so einfach sich deuten lässt, 
die Ausflucht vorzuziehen geneigt sein, dass unter den durch die 
Dehnungeintretenden Verhältnissen entweder eine geringere Anzahl 
von sensiblen Punkten als „a“ schon hinreichend sei, „um einen als 
physiologische Einheit funetionirenden Irradiationskreis zu bilden“, 
oder die Zirkelspitzen sich mit grösseren Irradiationskreisen umgeben 
würden, durch welche abermals jene früher „erforderlichen“ „a“ 
sensiblen Punkte erregt werden könnten. 

Meines Erachtens jedoch scheitert an der Erklärung dieser ein- 
fachen Versuche und der sub 1 angeführten Erfahrungen, welche uns 
zur Annahme „fester“ Empfindungskreise in der Haut zu zwingen 
scheinen, die von Meissner gegebene, sonst eben so sinnreiche, als 
elegante Ausführung der Lotze’schen Prineipien. 

Ich schliesse mit dem Satze: die festen Empfindungs- 
kreise existiren daher gewiss, und mit der kurzen Erklä- 
rung: Die sensiblen Punkte bilden in der Haut eine Art 
von Mosaik, von der die Seele durch das, mit der 
Erregung der sensiblen Punkte verknüpfte, stetig, 
aber mit verschiedener Feinheit abgestufte System 
von Localzeichen, gewissermassen ein Bild erhält, 


Physiologische Studien. . 599 


zusammengesetzt aus einer Vielheit von einfachen 
Raumelementen, welche in verschiedener, aber be- 


stimmter Anzahl zu Raumeinheiten höherer Ordnung, 
den sogenannten festen Empfindungskreisen, zusam- 


menfliessen, so dass die Seele im Standeist, vermöge 
dieser bestehenden Einrichtung die die Haut tref- 
fenden Reize hinsichtlich ihres Ortes zu bestimmen. 


Erklärung der Abbildungen. 


_ Fig. 1 erläutert den in $. 15 angegebenen neuen Versuch zur Demonstration 


Fig. 


fr 
0) 


e 
e} 


der Chromasie des Auges, welche sich bei falscher Aeeommodation geltend 
macht. Kist der Durehschnitt des Kartenblattes, in das der Löcherchenkreis 
gestochen ist; « und b sind zwei vom Schnitte getroffene Löchelchen, 
ade und bed die durch dieselben ins Auge fallenden Lichtkegel; ev, dv 
die violette er, dr die rothe Grenze der chromatischen Abweichung. 
Die erstere bildet nach, die letztere vor der Durchkreuzung der 
Strahlen im zusammengebrochenen Lichtkegel den äusseren Mantel des 
Kegels und ist, so weit dies der Fall, durch volle Linien angedeutet, 
übrigens nur punktirt. Die sechs Ovale repräsentiren die, je nach dem 
Stande des Aceommodationspunktes aufdie Netzhaut (R, R’, R'’) fallenden 
Zerstreuungskreise der Leuchtpunkte @ und b. Steht der Aecommodations- 
punkt jenseits des Kartenblattes (R’), so bilden die rothen Strahlen die 
äusserste Grenze der Zerstreuungskreise, steht er diesseits desselben 
(.R’')— die blauen. Ist das Auge für die Entfernung von « und 5b accom- 
modirt (R), so ist auch die chromatische Abweichung fast Null. Es 
versteht sich von selbst dass sich dort, wo sich die Zerstreuungskreise 
(auf der Linie AX) berühren, die Intensität der Farbensäume erheblich 
verstärken muss. 

und 3 zeigen, dass und warum der Zerstreuungskreis eines Leuchtpunktes, 
a, durch ein von beliebiger Seite her gegen die Mitte der Pupille vor- 
geschobenes Kartenblatt (X) von derselben oder von der ent- 
gegengesetzten Seite her auf der Netzhaut verdunkelt werde, je 
nachdem in Folge des Accommodationszustandes der Vereinigungspunkt 
der Strahlen o, hinter (Fig. 2) oder vor (Fig. 3) die Netzhaut fällt. 


. %, 5, 6, 7 und 8. Schematische Darstellungen der Empfindungskreise in 


der Haut, welehe die Erörterungen des $. 19 erläutern. Fig. 4 ist ein 
idealer Grenzfall. 


is. 9. Neuer Stangenzirkel zu Tastversuchen in natürlicher Grösse. Der kürzere 


Schenkel (A) kann, durch Druck des Fingers auf die Platte d, nach 
unten verschoben werden und kehrt dureh die Wirkung der Feder e, von 


Sitzb. d. mathem.-naturw. Cl. XVII. Bd, III, Hft. 39 


600 


en 


Czermak. Physiologische Studien. 


selbst in seine frühere Lage zurück. Der längere Schenkel () ist an der 
Hülse (H) befestigt, welche an der Stange (S) läuft und ein viereckiges 
Fenster hat, dessen zugeschärfter unterer Rand mit einem Nonius ver- 
sehen ist, so dass man an der Stangentheilung den Abstand der Zirkel- 
spitzen bis auf Zehntel einer Wiener Linie genau ablesen kann. Da der 
senkrecht bewegliche kürzere Schenkel (A) durch die Schraube e in 
beliebiger Höhe festgestellt werden kann, so dient der Stangenzirkel 
eben so gut zur Erzielung gleichzeitiger als ungleichzeitiger Eindrücke. 
Vgl. $. 19, ad 2. 


Czermak. Physiolosische 
d 


? der. 
IT J it 

Re 

& Et, 4 


a 


D 
Me j EM 


REN AN: nie in 


Hornstein. Opposition der Calliope vom Jahre 1856. 601 


Vorträge. 


Opposition der Calliope im Jahre 1856. 


Von Dr. Karl Hornstein, 
Adjunct der k. k. Sternwarte in Wien. 

Ich habe schon bei einer früheren Gelegenheit (siehe Sitzungs- 
berichte der math.-naturw. Classe, Jännerheft und Märzheft 1855) 
die Bahnbestimmung des Planeten Calliope aus den sämmtlichen 
Beobachtungen der zwei ersten Erscheinungen (1852 bis 1854) 
mitgetheilt, und zugleich die Mittel beigefügt, die gefundene Bahn 
mit Hilfe der Beobachtungen während der dritten Erscheinung ohne 
bedeutende Mühe und ohne erheblichen Zeitaufwand verbessern zu 
können. Diese Verbesserung durchzuführen und die Ephemeride für 
die nächste Opposition im August 1856 zu liefern, ist der Zweck der 
folgenden Blätter. Die Vergleichung der während der dritten Er- 
scheinung im Mai und Juni dieses Jahres angestellten Beobachtungen 
mit der im Jännerhefte mitgetheilten Ephemeride hat folgende Ab- 
weichungen der Ephemeride von den Beobachtungen gegeben: 


Beob. — Rechnung 
Anmerkungen 
da | 


do 


Beobachtungsort 


ME tye lese ce 5: —25'0 
RT ER RO A: 25-1 
nn 2remberlin. . ..... . 5.17 314 
akıı Wiens. 2...” 5-33 268 
abe Berlin. : W305: % 5:00 307 
LT RE er lee Ra 4:76 30-3 
„2 SRBUIRELTET 534 272 
Juni 5 | Göttingen 5:95 16-9 | Ist im Mittel ausge- 
BD. WIEN. ua. ers 5-01 29-4 schlossen. 
» 6 | Göttingen 5:02 335 
A | a 526 23.0 
de Berlin u.“ nut 5.10 335 
„13 a 478 36°8 
„ 14 | Göttingen 5:75 2A? 
ehe Dberhn. „= 2%. A:59 31-1 


Der Fehler der Ephemeride ist sonach im Mittel: 
1855. Juni 30 de—=135:09, di — 2914. 
39* 


602 : Hornstein 


Man hat also nach Sitzungsberichte Jännerheft, wenn man den 
Grössen x und y die dort gegebene Bedeutung lässt, folgende zwei 
Gleichungen : 

0352 —- 19 y—= + 5:09 

+45 © --665 y—= — 29:14, (*) 
aus denen x und y zu bestimmen wären. Man überzeugt sich aber 
sehr leicht, dass die zweite Gleichung mit der ersten nahezu identisch 
ist, sonach beide zusammen nicht genügen, um « und y mit Sicherheit 
zu finden, sondern nur eine Unbekannte bestimmen. Ich habe daher 
die eine Unbekannte gleich Null gesetzt, und day nicht Null sein 
kann, weil sonst aus den vorhergehenden Gleichungen ein zu grosser 
Werth von x foigen würde, durch den die XII Normalorte der eben 
erwähnten Abhandlung nicht mehr gut darstellbar wären, so habe 
ich = 0 gesetzt. Es folgt dann aus den beiden Gleichungen (*) 

y—= — 0.4513 

und y= — 0'433. 

Berücksichtigt man aber den Umstand, dass der Fehler der 
Ephemeride in Rectascension nahe °/, des Fehlers in Deelination 
beträgt, und nimmt aus den beiden Werthen von y das Mittel, indem 
man ihnen respective die Gewichte 5 und 2 gibt, so findet man endlich 


y— — 04476, 
und damit die Verbesserungen der Elemente: 


IM—— 16,14Ay—=- 74° 


OR — er Or 

gt "ıly=— 041 

Do u, so NUR 
olga)—=+ 33 y—= — 370 


dee ey nt Einheiten d. 7. Deeim. 


Diese Verbesserungen, an die wahrscheinlichsten Elemente der | 
erwähnten Abhandlung angebracht, geben dann folgendes neue Ele- 


mentensysiem: 


Wahrscheinlichste Elemente aus den Beobachtungen von 1852 bis 1855. 


1853 Jänner 0, 0" mittlere Berliner Zeit. 
M = 18° 48 23'6 

© — 58.11 19-41 
2=66 36 55°5 

i—=13 44 51°3 


mittl. Äquin. 1853-0 


605 


Opposition der Calliope im Jahre 1856. 


log « — 04638004 

.e —= 0:1035895 
log u. = 28543060 

o — 5° 56’ 45'327. 


(». = 7150000) 


Die Normalorte, den 3. Juni 1855 mit eingeschlossen, zeigen 
nach diesen folgende Unterschiede zwischen Beobachtung und 


Rechnung: 


Beob.—Rechnung. 


Datum, Normalort. a 
1852. Nov. 25 T. 0'0 0'0 
Dee. 10 1. — 0'3 + 1:9 

Ss 18 11. — 1:3 == 0.25 

1853. Jänner 0 IV. — 11 + 1:2 
| v% + 12 — 10 

Febr. 14 v1. + 37 + 0:3 

März 26 vn. + 31 + 16 

1854. Febr. 5 vn. — 0°5 — 24 
März 5 IX. — 29 — 23 

Mu. 2ı X. — 1°5 — 2:3 

April 18 XI. — 68 — 5°9 

Mai 20 XI. 0:0 0-0 

1855. Juni 3 XII. + 0:7 + 0:6. 


Mit diesen Elementen wurden die Störungen durch Jupiter und 
Saturn bis zur Erscheinung 1856 fortgeführt, und dafür folgende 
Werthe gefunden, welche die Variationen der rechtwinkeligen Coor- 
dinaten der Calliope vom 0. Jänner 1855 bis zum beigesetzten Datum, 
in Einheiten der siebenten Decimale, vorstellen. 


1853. 


1856. 


Nov, 
Dee. 
Jänner 
Febr. 
März 
April 
Mai 
Juni 
Juli 
Aug. 
Sept. 
Oct. 
Nov. 


1 
1 
0 
30 
29 
30 
29 
29 
28 


I++++4+++4+++++ 


| 


l 
Sr 


+++++4+++ 


l 


++++ 


öy 
34124 
38898 
44193 
49999 
56290 
63020 
70116 
77479 
84979 
92453 
99704 
106508 
112612 
117748 


++ t+4+4++4+H+H+H+H+H4 


0% 
11667 
13984 
16701 
19846 
23440 
27497 
32014 
36978 
42355 
48089 
54102 
60286 
66510 
72612 


604 Hornstein. 


Unter Berücksichtigung dieser Störungen entstand nach obigen 
Elementen die folgende genäherte Jahres- und die’ genaue Oppo- 
sitions - Ephemeride. 


Jahres - Ephemeride der Calliope für 1856. 


Oh 
mittl. Berl. 
Zeit 


Logar. d. Entfernung Calliope 
im 
Meridian 


Seheinbare Scheinbare 
AR. Deelination 


von der 
Sonne 


von der 
Erde 


-6090 
6082 


4907 
4896 
"4885 
"4874 
486% 


4849 
4837 
4824 
4811 
4797 


A784 
-ATTO 
4756 
4741 
AT2T 


4712 
4697 
468% 
4667 
4651 


4636 
4620 
4604 
4589 
4573 


4557 
4541 
4525 
4509 
"4493 
AUT 
4462 
"AAAG 
‚4431 
4416 


4400 
4386 
4571 


0: 2174 
23 57° 
23 34° 
23 12° 
2% 50° 


22 27° 
22 4 
21 40° 
21 16° 
20 52° 


20 26° 
208.08 
19 33° 
19:98 
18 36° 


18, 67 
17 34° 
17. 5:0: 
16 24° 
15 46° 


415 WB 


Jänner 1 
ne! 
21 
Aa 

Febr. 10 
20 

März 1 
Na 
2 
ot 


April 10 
»..20 
„30 

Maı 10 
». 20 
830 

Juni 9 
N) 

29 


19%, 2. 31%) 2299146 
1977197729 29 nl 

19 37 6 28 AR: 
19 54 15 28 19: 
20 11 2 2 ai. 


20 27 32 27 20° 
20 4 9 26 46° 
23:0: 00 26 11° 
21 15 20 23 36° 
21730 55 ZEN 


21 44 10 24 30° 
21 57 30 2A 3 
22 20:90:58 23 Al’ 
22.2 2 23 26° 
22 31 48 23 20° 


22 AU 52 23 25° 
22 AB 26 23 AR 
22 54 16 24 12° 
BROT 24 56° 
22 59 43 25 54° 


22 58 56 Zr 5 
22 55 38 28, 18, 
22. : 50:70 29 33° 
22 A2 28 30 42° 
22 33 48 31 35° 


22 24 59 ag 


BR EDS DH Dr BAU TWADO BFUQHm wonw 
00 ©0000 so000 soo00 So00090 soo0o0 ooo00 soooo 
00 0909009 9090098 © 909909 so0o00 © oo00090 o90900090 oo000 
BOO ROMAN LATS Bomaır SGammOo Faunman SJmum WAS 


FG EIS RX OD 
Se) 
w 


Opposition der Calliope im Jahre 1856. 


Oppositions-Ephemeride der Calliope für 1856. 


605 


oO" 
mittl. Berl. 
Zeit 


„41 
2112 
on .19 
„ 14 


ae in) 
= 16 
re 
>31:18 
19 


20 
et 
» 22 
»„ 23 
» 24 


»„ 28 
» 26 


ae 


Scheinbare 
AR. 


41 54 
47 11: 
46 26° 
45 40° 


AA 53° 
4A 6 
43 17° 
42 28° 
41 38 


40 48: 
39 57- 
39 5 
35 13° 
37 21 


36 28° 
35 35° 
34 AR: 
33 48° 
32 54° 


32 41 
Sb 7. 
30 
29 
28 
27 
26 
23 
24 
24 8 


23 
22 
Ze 97 
20751 
205 3: 


19 
18 31 
17 
14.3; 
16 21 


15 39: 
14 
14 
13 43° 


2329 26: 


. 10 |22° 48m 37:72 


89 
02 
17 
38 
70 
17 
82 
73 
95 


50 
A6 


89 


85 


38 


56 
44 
11 
60 
99 


"34 


713 


"22 
89 
78) 


00 
58 
59 
-10 


16 


83 
17 


24 


08 


75 


3 
80 
"26 


75 


31 


98 


81 
"82 


08 
60 


Scheinbare 
Declination 


—290 48 
—29 55 
—30 2 
) 

16 


22 
29 
35 
4% 
A8 


54 
—30 59 
—31 5 
10 
16 


21 
26 
30 
35 
39 


43 
AT 
50 
53 
57 


— 31 
—32 2 


—32 7 


194 
26° 
26° 
21° 

8° 
49- 
21- 
A5° 


9m SS o© 


[>14 
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Do. oO TC 90 IIOoTD >-V,’vDVvr er SI OT DUIUTSOo VTRVDX m 9 m 


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0 
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0 
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0 
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0 
0 
0 
0 
0 
0 
0 


0 
0 
0 
0 
0 
0 
0 
0 
0 
0 
0 
0 
0 
0 
0: 
0 
0 
0 
0 
0 
0 
0 
0 
0 
0 
0 
0 
0 
0 
0 


Logar. d. Entfernung 


von der 
Erde 


"2850377 
2842026 
"2834245 
2827009 
2820334 


"2814224 
28508684 
2803719 
2799332 
"2799328 


2792308 
2789676 
2787633 
2786183 
"2783325 


2785061 
2785389 
2786311 
2787826 
2789933 


2792629 
2795910 
2799770 
2804204 
2509204 


2814768 
2820889 
2827560 
2834772 
2842516 


2850785 
2559571 
2868365 
"2878655 
2888935 


2399693 
2910919 
2922603 
2934737 
2947310 


2960312 
2973732 
2987560 
-3001788 
-3016405 


oOoOOO0O090 SOoOo90!909 © S0009 ©©°-90090 ©0099 9090909 990909 Soo9o9H OOOO0O 


von der 
Sonne 


"4601298 
"4599716 
"4598133 
"4596551 
"4594968 


"4593384 
4591799 
4590215 
"4588630 
4587044 


"4585457 
"4583871 
"4582284 
4580695 || 
4579106 


4577517 
4575928 
4574338 
"ASTaT747 
4571157 


4569566 
4567975 
"4566384 
4564793 
"4563202 || 


"4561609 
4560016 
"4558423 
"4556830 
"4595237 


4553644 || 
-4552051 | 
-4550458 

-A548865 
-4557272 


"45535679 
"4544086 
"4542493 
4540900 


4539306 


"4537712 
4536119 
"4534526 
4532933 
4531340 


606 Hornstein. 


Opposition am 21. August um 20" 16”6. 

Ich werde nun noch das Nöthige vorbereiten, um aus der Oppo- 
sition 1856 die Unbekannte x finden zu können. Multiplieirt man 
von den zwei Gleichungen für & und y, so wie sie oben angeführt sind, 
die erste mit 15, um alles in Bogen umzusetzen, so hat man dann: 

— 11'25 x — 169'35 y= + 76"42 
+ 4+5 2 + 665 y= — 29:14. 

Sucht man aus diesen den wahrscheinlichsten Werth für y, 

indem man & als unbestimmt betrachtet, so findet man 


y= — 0:4495 — 0:0666 «. 


Mit diesem Werthe von y wären die übrigbleibenden Fehler am 

3. Juni 1855: 
da = + 0'3 — 0'011 x 
de —= + 0:7 10:08 x, 

woraus man sehr deutlich sieht, welch geringen Einfluss das x auf 
die Beobachtungen in der letzten Opposition hat, und wie wenig 
Sicherheit es bieten würde, den Werth dieser Unbekannten aus 
obigen Gleichungen zu suchen. Man kann daher einstweilen 2 = 0 
annehmen, woraus „= —0'4495 folgt. Substituirt man diese Werthe 
in den Schlussformeln meiner ersten Arbeit über Calliope (Sitzungs- 
berichte 1855, Jännerheft), so erhält man dadurch die Correctionen 
der dort gegebenen wahrscheinlichsten Elemente. Die so erhaltenen 
Elemente, so wie das eben gefundene y stimmen aber fast vollkommen 
mit den oben gefundenen Werthen derselben Grössen überein, und 
dasselbe müsste auch mit den Ephemeriden der Fall sein, die nach 
beiden Systemen von Elementen gerechnet würden. In der That 
könnte das Argument der Breite für die Opposition 1856 nur etwa 
1/, Secunde verschieden sein, und da auch die Länge des auf- 
steigenden Knotens und die Neigung der Bahn in beiden Fällen 
nahe gleichen Werth haben, so könnten auch die heliocentrischen, 
rechtwinkeligen Coordinaten, so wie der geocentrische Ort des Pla- 
neten kaum beträchtlich grössere Abweichungen zeigen. Da nun die 
oben gegebene Ephemeride bereits;gerechnet war, ehe.ich die Ablei- 
tung des y bei unbestimmt gelassenem x vorgenommen, so habe ich 
es dem eben Gesagten zufolge, für überflüssig erachtet, eine zweite 
Ephemeride zu rechnen, und ich lasse die erste ohne weiters für 
y= — 04495 gelten. 


Opposition der Calliope im Jahre 1856. 607 


Sollte nun diese Ephemeride (1856) noch eine Abweichung von 
einigen Bogenseceunden zeigen (eine grössere Abweichung möchte 
ich kaum für möglich halten), so wird dieser Fehler geeignet sein, 
die Grösse x zu bestimmen. Um dies zu leisten, und so die Elemente 
im Jännerhefte 1855 noch an die vierte Opposition anzuschliessen, 
folgen hier die Correetionen der Ephemeride, wenn & von Null ver- 
schieden wäre. 


Tafel zur Correction der Ephemeride. 


1856 in AR. in Decl. 
August 8 — 11:47 x — 51'5 
18, — 11:91 & — 489 x 
28 — 12:01 x — 42x 
Sept. 7 — 1185 & — 39 2 x 
17 — 1147 — 352 2 
27 — 10:9 & — 321. 


Hat man durch Vergleichung mit den Beobachtungen die Fehler 
der Ephemeride gefunden, die in dem Sinne „Beobachtung weniger 
Rechnung“ genommen d« und dö heissen sollen, und nennt man die 
Coefficienten von x aus dieser Tafel für das entsprechende Datum 
A und „, so hat man zur Auffindung von x die beiden Gleichungen 


Node, ne 000. 
Mit dem hieraus resultirenden & erhält man dann y aus 
y= — 0:4495 — 0:0666 & 
und mit beiden dann die Verbesserungen der Elemente aus: 
oM—= — 22065 x — 166"14y 
ou — 1 272-237 2 + 178.09, 
= + 06%za + 0%y 
i—=— (1er + 0:56 y 
ö (log a) = + 574 = + 828 „ Einheiten der 
de = — 398 x + 1564 y) 7. Deeimale 


welche Correctionen an die folgenden Elemente anzubringen sind: 


1853 Jänner 0, 0® mittlere Berl. Zeit. 
M = 18° 47' 9'2 


G —- 58 1127 38-8 | mittl. Aquin. 
2% =66 36 55°6 1853-0 
ve — 13 AD 
log a —= 0:'4638374 
e —= 0'1036595 
BR 5 


714'9083. (S. Sitzungsb. 1855, Jännerh.) 


608 Hornstein. 


Man sieht aus dem Vorhergehenden, dass ich es versuchte, die 
bisher bei Calliope in Anwendung gebrachte Methode, die Verbesse- 
rung nur zweier Unbekannten, nämlich zweier schicklich gewählter 
Distanzen von der Erde, zur Correetion der Elemente zu benützen, 
noch auf die vierte Opposition auszudehnen. Sollte sich dieses Ver- 
fahren durch die gute Übereinstimmung der Ephemeride und durch 
eine entsprechende Sicherheit, mit der die Unbekannte & aus 
dieser vierten Opposition resultiren wird, als zweckmässig her- 
ausstellen, so werde ich es noch weiter gebrauchen, indem 
dadurch die für diesen Planeten nöthige Mühe auf ein Kleinstes 
gebracht ist. | 

Dieselbe Methode könnte nach meiner Meinung auch in anderen 
Fällen grossen Nutzen stiften und insbesondere sehr häufig zur Be- 
quemlichkeit der Beobachter beitragen, was bei einem Andrange von 
neuentdeckten Himmelskörpern ein sehr schätzenswerther Vortheil 
ist. Zugleich würde sich dadurch nicht selten die lästige Wieder- 
holung erster genäherter Bahnbestimmungen vermeiden lassen, die 
doch meistens nothwendig ist, indem die erste Ephemeride, sowohl 
bei Planeten als bei Cometen, in der Regel in kürzester Zeit schon 
beträchtliche Abweichungen zu erkennen gibt. Wäre nun dieser 
ersten Ephemeride sogleich ein Täfelchen beigegeben, 
wodurch eineVerbesserung derselben ermöglicht wird, 
wie die oben gegebene Tafel für Calliope, so könnte jeder Beobachter 
mit einem Zeitaufwande von nur wenigen Minuten sich die Ephemeride 
auf längere Zeit im Vorhinein selbst eorrigiren, sobald er nur Eine 
Beobachtung zu Gebote stehen hat, die ihm die Abweichung der 
Ephemeride für irgend einen Beobachtungstag liefert. Vielleicht 
könnte in vielen Fällen das erste Elementensystem, bei welchem die 
zu Grunde liegenden Beobachtungen kaum ein Zeitintervall von einigen 
Wochen umfassen, genügen, um einen Planeten, während seiner 
ganzen ersten Erscheinung zu verfolgen, indem für den Beobachter 
ein mässiger Grad von Genauigkeit hinreicht den Planeten zu finden. 
Und gerade dieser letzte Umstand wird die Anwendung der Methode 
selbst dann erlauben, wenn der von dem Himmelskörper zurück- 
gelegte Bogen noch klein ist, was nicht mehr gut anginge, wenn die 
grösste Schärfe verlangt würde. Ich werde dies an dem zweiten 
Cometen von 1854 (dem grossen Cometen vom April) zeigen. Aus 
den vier Wiener Beobachtungen vom 1., 2., 4. und 5. April, die also 


Opposition der Calliope im Jahre 1836. 609 


ein Intervall von nur vier Tagen umschliessen, fand ich die 
folgenden parabolischen Elemente (Astron. Nachr., 38. Band): 


T = 1854 März 24°06022 mittlere Berliner Zeit. 
ww — 2130 47 53'4 scheinb. Äquin. 


2315 26 49:8) 1854, 3. April 
U — 82 22. 240°9 () 
log g = 94425344 


Helioe. Bew. retrograd. 


Zugleich fand sich während der Rechnung, dass eine gewisse 
Änderung des Verhältnisses der Distanzen des Cometen von der Erde 
am 1. und 5. April folgende Änderungen in den Elementen hervorbringt: 

oT = — 002551 


own + 10 7027927 

ö6%= +0 29 4861 

üi= +3 13 39 
ö(logg) = — 37340. (Einheiten der 7. Deeim.) 


Ändert man also dieses Verhältniss um das zfache, so hat man 
folgende gleichzeitige Variationen der Elemente: 


oT = — 0:02551 x 
ow — + 4047'27 x 
6 —= + 178861 x (1) 
Gt = + 1158391 x 
6 (log y) = — 37340 x. (Einheiten der 7. Deeim.) 


Berechnet man nun mit den Elementen (1) die Ephemeride und 
sucht zugleich die Änderungen, welche die geocentrische Reect- 
ascension und Declination durch die unter (II) angeführten Variationen 
der Elemente erfährt, so erhält die Ephemeride die folgende Form: 


Scheinbare Correction Scheinbare Correetion 
1854 ” WR Bun der 
£ der AR. eelination Deeiaatan 


31 44m 30:0 | + 23:2 2] + 12038’ 10” 
24 412-7 | + 3482| +11 37 44 
33 17-1 | 46-92) +10 37 32 
4 45:9 | + 59:6%|-+ 9 39 14 
49 42:0 | + 7272| + 842 20 

3 57.830| 1 86-Aa| ı 7a7 32 

A 4% 6:3 | 4410002) + 65545 
10 39-0 | t113-42| 16 Aus 
16 48-7 | 1126-3=| + 5 16 20 
22 36-9 | +139-3x| + 4 29 57 
23 6-3 |+151-72| t 345 36 
33 18-4 | 41163 52| + 3 34 
38 13-3 | 1174. 52| + 2 22 40 


610 Hornstein. 


Alles ist nur mit fünfstelligen Tafeln gerechnet, und die Epheme- 
ride liesse sich in dieser Weise noch weiter fortsetzen. Vergleicht man 
diese Ephemeride mit den auf der Wiener Sternwarte gemachten 
Beobachtungen (Astr. Nachr., 38. Band), so erhält man (ohne 
Berücksichtigung der Aberration und Parallaxe, da die Elemente auch 


in derselben Weise abgeleitet sind): 
Beob.—Rechnung. 


1854 da dö 
April 8324 14:2 Er 
9-326 SE 1199 8 
10:325 Aula — 146 
11-332 + 2-0 As 
13-342 1 2-8 — 8 
14-333 + 3-5 2,38 
15340 + 42 2 
18-344 + 5-0 2 
19-338 SMS ONE BEL 


Aus jeder dieser Beobachtungen, besonders dort wo die Abwei- 
chungen schon grösser werden, geht hervor, dass x nahe = + Ya; 
gesetzt, die Fehler sowohl in Reetaseension als in Deelination 
ziemlich entfernt !). Aus allen Beobachtungen findet sich der 
wahrscheinlichste Werth von x 


2 = + 0:'0373. 
Mit diesem ‚werden die verbesserten Elemente: 
T —= 1854 März 2405926 mittlere Berl. Zeit 


@ —= 213% 507 24° 2 
= 315 27 36-5 scheinbares Aquin. 1854, 3. April 
2. 4,82 2995350 


log g = 9:4423952 
Helioc. Bew. retrograd, 


wobei noch folgende Abweichungen von den Beobachtungen bleiben: 


1854 de do 
April 8 + 0:2 + 6° 
9 +01 — 1 

10 — 0.1 — 6 

11 — 0:3 — 3 


1) Vielleieht ist es etwas zu weit gegangen, immerhin aber möglich, in dem Umstande 
dass die Rectascensionsfehler das © nahezu — t/,, , die Declinationsfehler aber nahe 
— 1/,, verlangen, eine schwache Andeutung einer Abweichung von der Parabel 
zu erkennen. 


Opposition der Calliope im Jahre 1856. 611 


13 — 0:5 — 5 
14 — 0°3 — 14 
15 — 0°2 — 14 
18 — 08 — 13 
us, TION 


Nimmt man anf den Umstand Rücksicht, dass die Elemente (I) 

nur aus einem Intervalle von 4 Tagen abgeleitet sind, so kann man 

‘mit diesen Abweichungen wohl zufrieden sein. Vergleicht man die 

letzten Elemente mit denen von Ch. Mathieu (Astr. Nachr., 38. Bd., 

S. 347), die aus 42 Beobachtungen (6 Normalorten) abgeleitet sind, 
so findet man folgende höchst geringe Unterschiede: 


ST —= + 0:00768 
mir wm 
= +0 30 
kn N Lane 
ö (log q) = — 00001599, 


welche anMathieu’sElemente angebracht, die meinigen geben. Mehr 
dürfte man von einer ersten Bahnbestimmung kaum verlangen können. 
Bedenkt man, wie wenig Zeit es kostet, bei Planetenbahnen mit einer 
Hypothese über zwei Distanzen von der Erde, Elemente zu erhalten, 
— eine Rechnung die nicht viel mehr als eine Octavseite in Anspruch 
nimmt — so wird man kein Bedenken tragen, auch bei den Asteroiden 
den ersten genäherten Ephemeriden die betreffenden Mittel zur 
Verbesserung derselben und der Elemente beizufügen, und so häufig 
einer wiederholten Rechnung der Elemente auszuweichen. 


612 Hörnes. Über einige neue Gastropoden aus den östlichen Alpen. 


Über einige neue Gastropoden aus den östlichen Alpen. 
Von Dr. M. Hörnes. 


(Eine für die Denkschriften bestimmte Abhandlung.) 


Diese Abhandlung schliesst sich an die im IX. Bande der 
Denkschriften enthaltene Mittheilung von Dr. Hörnes „Über die 
Molluskenfauna der Hallstätter Schichten“ an, und 
enthält die Beschreibung und Abbildung mehrerer neuer sehr 
charakteristischer Formen, nämlich erstens aus dem dolomitischen 
Kalkstein vom Wildanger im Issthal bei Hall in Tirol, ferner aus 
dem erzführenden Kalke des Bergbaues bei Unterpetzen nächst 
Schwarzenbach in Kärnten, endlich anhangsweise zweier neuer 
bemerkenswerther Gastropoden aus der Gosauformation. 


Über Auftreibung und Bersten der Haare, eine eigenthümliche 
Erkrankung des Haarschaftes. 


Von Hermann Beigel, 
Mitglied der kais,. kön. Leopoldinisch-Carolinischen Akademie der Naturforscher, 


(Mit I Tafel.) 


(Vorgetragen in der Sitzung vom A. October 1855.) 


Es gibt gewiss eine grosse Anzahl von Erkrankungen, besonders 
der Haut, Nägel und Haare des menschlichen Körpers, welche gar 
nicht zur Beobachtung kommen, weil sie entweder keine, oder nur 
äusserst geringe Unbequemlichkeiten oder Schmerzen mit sich führen, 
so dass es sich in der That kaum lohnt, dieserhalb ärztliche Hilfe in 
Anspruch zu nehmen. Daher kann nur der Zufall derlei Erkrankungen 
der wissenschaftlichen Beobachtung und Untersuchung überliefern, 
und dieser muss dann um so freudiger begrüsst werden. Es sei mir 
darum gestattet, einige Notizen über eine ganz eigenthümliche, 
meines Wissens noch nicht beobachtete, wenigstens noch nicht 
beschriebene, Erkrankung des Haarschaftes mitzutheilen, die mir der 
Zufall zunächst dadurch in die Hände spielte, dass er sie an meinem 
eigenen Barte hat vor sich gehen lassen. 


Über Auftreibung und Bersten der Haare. 613 


Es handelt sich um eine selbstständige Erkrankung des Haar- 
schaftes, während die Haarzwiebel sowohl als die Umgebung derselben 
vollkommen intaet geblieben sind. — Selbstständige Erkrankungen 
des Haarschaftes sind bisher noch nicht eonstatirt. Die von Willan 
als Porrigo decalvans, von Gruby als Phyto-Alopecia, von anderen 
Autoren als Alopecia circumscripta beschriebene Krankheit kann 
hier nicht mitzählen , weil dabei das Ausfallen und Abbrechen der 
Haare, nach Gruby, auf eine Entwickelung von kryptogamischen 
Gewächsen, welche sich scheidenartig um das Haar über der Haut- 
oberfläche bilden, beruht. 

Auch der Weichselzopf kann nicht in Betracht kommen, denn 
dieser ist eine durchaus constitutionelle Krankheit; alle anderen 
Erkrankungen der Haare aber haben entweder in der Erkrankung der 
Haarzwiebel oder ihrer Umgegend ihren Grund. 

Was nun das Objeet meiner vorliegenden Untersuchung betrifft, 
so stellt sich dasselbe in folgender Weise dar. Ich habe die Erkran- 
kung zweimal, einmal, wie bereits bemerkt, bei mir selbst und dann 
bei einem jungen Italiener beobachtet, beide Male beschränkte sie 
sich auf die Haare des Bartes, und hier war wieder vorzugsweise der 
Schnurr- und Kinnbart am stärksten ergriffen. Die Haare des Kopfes, 
des Regio pubis und der anderen Körperstellen sind durchaus ver- 
schont geblieben. Der Bart sieht an den befallenen Stellen glanzlos, 
matt, struppig aus; ist trocken auzufühlen, erscheint wie gerupft, 
_ oder so wie Hebra das Aussehen der Haare beim Herpes tonsurans 
beschreibt, als wenn sie ein des Haarschneidens unkundiges Individuum 
geschnitten und sogenannte Stufen gemacht hätte. Betrachtet man 
eines dieser Haare mit blossem Auge, dann bemerkt man an ihm Nichts 
weiter, als dass sich der Haarschaft durch einige weisse Punkte, die 
. perlschnurartig an einander gereiht sind, auszeichnet. Das Ausreissen 
der Haare mittelst einer Pinzette geht nicht leichter als bei gesunden. 
Bringt man ein so punktirtes Haar unter das Mikroskop, dann präsen- 
tirt sich das durch Fig. 1 dargestellte Bild. Hat man nämlich ein 
günstiges Object gefasst, was bei dem reichen Materiale nicht schwer 
hält, so kann man die verschiedenen Entwickelungsstufen der Erkran- 
kung genau sehen. Sie beginnt damit, dass das Pigment der Mark- 
zellen an vielen Stellen des Haares schwindet und die Marksubstanz 
selber nur durch schwache, blasse Contouren erkenntlich ist, welehe 
auf Einwirkung von Kalilösung ganz schwinden. Wo ein solcher, mit 


614 Beigel. 


blossem Auge sichtbarer Punkt vorhanden ist, erscheint das Haar unter 
dem Mikroskope bald mehr, bald minder stark aufgetrieben, so dass 
die Stelle das Ansehen einer Zwiebel gewinnt, die nach beiden Rich- 
tungen hin Fortsätze hat. Die aufgetriebene Stelle erscheint dunkel, 
undurchsichtig, wird aber auf Einwirkung von Kalilösung durch- 
sichtiger. Im Verfolge drängt sich die Ansicht auf, dass innerhalb des 
Haares Etwas vorhanden sein müsse, welches einen allseitigen Druck 
nach aussen hin ausübt und die Corticalsubstanz der Haare allseitig 
auseinandertreibt. In geringem Grade, so dass sie kaum bemerkbar, 
ist die Auftreibung nur selten anzutreffen. 

Meist ist dieselbe sehr beträchtlich und erreicht die Spannung 
einen sehr hohen Grad, dann beginnen sich einzelne Fasern an der 
Peripherie des Haares, welche die Spannung nicht aushalien können, 
abzulösen (Fig. 1 c), bis endlich der Druck von innen so stark 
wird, dass das Haar an der aufgetriebenen Stelle in seinem ganzen 
Umfange berstet (Fig. 1 d), dann steckten die einzelnen Haar- 
elemente borstenartig nach allen Seiten heraus; ihre Contouren sind 
rauh, uneben und in ihrem Innern sieht man kleine, dunkle Körnchen, 
die meist aus Fett bestehen und durch Alkalien oder Äther verschwin- 
den. Eine solche geberstete Stelle hat das charakteristische Ansehen 
von zwei Besen, die mit ihren dicken Enden in einander gestellt sind. 

Manche dieser Stellen sind ganz zerrissen, an den Rändern defecet 
und lassen auf eine relativ bedeutende Gewalt schliessen, welche das 
Bersten zu Stande gebracht hat. An vielen Haaren habe ich bis zehn 
soleher Punkte von der verschiedensten Entwiekelung gezählt. Dieselben 
befinden sich aber niemals am unteren Theile des Haares, in der Nähe 
der Haarzwiebel, sondern meist, und wenn nur wenige vorhanden 
sind immer, am oberen Drittel, höchstens an der oberen Hälfte des 
Haares. Erwähnenswerth ist, dass sich nur äusserst selten eine auf- 
getriebene Stelle unter einer ganz gebersteten findet, meist umge- 
kehrt. Jedes affieirte Haar ist an einem solchen Punkte abgebrochen, 
so dass das Ende besenartig erscheint (Fig. 1 «). | 

Übt man an einem erkrankten Haare einen gelinden Zug aus, 
dann reisst es leicht und immer an einem affıcirten Punkte ab. Wie 
bereits bemerkt, ist der untere Theil des Haares stets intact, auch am 
Bulbus habe ich niemals etwas Krankhaftes entdecken können. 

Die Entwiekelung des Processes beginnt unbedingt im Innern 
des Haares und zwar in der Marksubstanz, die zuerst aufgetrieben 


Über Auftreibung und Bersten der Haare. 615 


wird, berstet und zu zerfallen scheint. Manchmal findet man, dass 
nur die Marksubstanz an verschiedenen Stellen und in verschiedenen 
Graden spindelförmig aufgetrieben ist, ohne dass hierzu eine entspre- 
chende Auftreibung auch der umgebenden Cortiealsubstanz vorhanden 
wäre, in vielen Fällen hingegen correspondirt die Auftreibung des 
Markes mit der der Rindensubstanz des Haares (Fig. 2). Das ist aber 
der seltenere Fall, denn in der überwiegenden Mehrzahl ist, wo 
bereits eine Auftreibung des Haares vorhanden, die Marksubstanz schon 
verloren gegangen, und nur hin und wieder sind noch einzelne Über- 
reste derselben anzutreffen. 

Was nun die Ursache dieser Erkrankung sein mag, hat 
bisher nicht mit Bestimmtheit festgestellt werden können. Man könnte 
leicht geneigt sein zu glauben, dass man es auch hier mit einer 
Pilzbildung zu thun habe, allein selbst mit den stärksten Vergrösse- 
rungen habe ich nichts Pilzartiges, weder innerhalb noch in der 
Umgebung der Haare, oder im Haarbalge entdecken können. Wenn 
Hypothesen überhaupt bei derartigen Untersuchungen zulässig 
sind, dann dürfte vielleicht die Annahme einer im Innern, in Folge 
Zersetzung der Marksubstanz , stattfindenden Gasentwickelung die 
meiste Wahrscheinlichkeit für sich haben. Wenigstens machen die 
angeführten Erscheinungen die Ansicht nicht geradezu verwerflich. 
Aber noch ein anderes Moment tritt dieser Hypothese zur Seite. 
Behandelt man nämlich gesunde Haare und solche, die von der 
Erkrankung ergriffen sind, unter dem Mikroskope mit concentrirter 
Säure, namentlich mit Salzsäure oder mit Salpetersäure, dann 
erscheinen unter dem Deckgläschen beim gesunden Haare eine 
Menge kleiner Luftbläschen, während aus dem kranken eine weit 
grössere Zahl sehr grosser Blasen aufsteigen. Dies scheint nicht 
allein davon herzukommen, dass beim erkrankten Haare aus den 
gebersteten Haarelementen durch die Säure mehr Luft ausgetrieben 
wird als beim gesunden, denn die Erscheinung tritt auch dann noch 
in einer 'auffallenden Weise ein, wenn man das erkrankte Haar, 
vor der Behandlung mit Säure, unter die Luftpumpe gebracht hat. 
Da wir indessen keine Mittel besitzen, um Gasarten unter dem 
Mikroskope zu erkennen, so lege ich auf diese Erscheinung, die 
ich anführen zu müssen glaubte, auch keinen besonderen Werth. 

Wenngleich die Erkrankung in dem an mir selbst beobachteten 
Falle so unbedeutend war, dass sie weder irgend eine Unannehm- 

Sitzb. d. mathem.-naturw. Cl. XVII. Bd. II. Hft. 40 


616 Beigel. 


lichkeit, noch Unbequemlichkeit mit sich führte, so scheint es mir 
doch als könnte sie durch ihre Ausbreitung einen Grad erreichen, 
der allerdings unangenehm und dann Gegenstand der Praxis werden 
kann. So hatte z. B. schon in dem zweiten von mir beobachteten 
Falle der Bart ein so unangenehmes Aussehen, dass Mancher die 
vielen weissen Punkte für sogenannte Nisse hielt, was dem jungen 
Manne in der That nicht gerade angenehm sein konnte. 

Mit diesen Nissen könnte, bei der Erkennung der Krankheit 
noch der Herpes tonsurans coneurriren, der mit derselben aller- 
dings in der äusseren Erscheinung eine grosse Ähnlichkeit dar- 
bietet. — An behaarten Hautstellen, sagt Hebra, äussert sich 
der Herpes tonsurans hauptsächlich dadurch, dass einzelne um- 
schriebene Stellen mit glanzlosen, trocken anzufühlenden, strup- 
pigen Haaren von ungleicher Länge als ob sie ein des Haar- 
schneidens unkundiges Individuum geschnitten und sogenannte 
Treppen gemacht hätte — bedeckt erscheinen, welche öfters auch 
theilweise schon ausgefallen sind und dann die die Epidermis 
bedeckende, weissgelb bis braungelben, papierdünnen, trockenen, 
kleienförmigen Schüppchen zeigen, die oft an derlei Stellen ein 
bis mehrere Linien hoch angehäuft, fest auf einander sitzend vor- 
kommen und dann, wenn man will, eine Ähnlichkeit mit einem 
Schildchen (scufulum) haben , woher der Name Porrigo scutellata 
Willani seine Erklärung findet. Beim Vorkommen des Herpes 
tonsurans am behaarten Kopfe oder an anderen behaarten Theilen 
des Körpers geben also diese Erscheinungen, die Beschaffenheit der 
Haare, die an umschriebenen Stellen von verschiedener Länge, 
glanzlos, weniger pigmentreich erscheinen, so wie die angesammel- 
ten Schuppen, Schuppengrinde und Schörfehen den gewünschten 
Aufschluss. Innerhalb der Haare und zwischen den Epidermis- 
Schuppen findet constant eine Entwickelung von Pilzen Statt. 

Dieses constante Vorkommen von Pilzen beim Herpes tonsurans 
einerseits, die Auftreibungen, die gebersteten Stellen und die gänz- 
liche Abwesenheit von Pilzen bei der von mir beobachteten Krankheit 
andererseits würde die Diagnose sichern. Alle anderen Symptome 
können auf beide Zustände passen. Denn auch die kleienförmigen 
Schüppchen waren, bei mir wenigstens, vorhanden, aber schon seit 
Jahren, während die Erkrankung der Haare seit etwa vier Monaten 
datirt, und kleine Schörfehen könnten ja auch leicht aus andern 


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Sitzungsb.ik Akad dlWnath natur. CLNVIE BES Meßt 1855. 


Über Auftreibung und Bersten der Haare. 617 


Gründen vorhanden sein. Unbedingte Gewissheit gibt also in beiden 
Fällen nur das Mikroskop. 

Auch über die Therapie kann ich schon einige Worte anfüh- 
ren. In dem zweiten von mir beobachteten Falle sind nämlich, bevor 
er zu meiner Beobachtung kam, kaustische Waschungen und andere 
Mittel, natürlich ohne Erfolg, angewendet worden, und da dem jungen 
Mann später das Aussehen seines Bartes wirklich genirte, so musste 
er sich dazu entschliessen, ihn zu rasiren und vertrauensvoll dem 
Wachsthume eines neuen Bartes entgegenzusehen. Der Erfolg war 
ein günstiger, denn an dem neuen Barte, dessen Wuchs stark und 
voll ist, hat sich bisher keine krankhafte Erscheinung weiter einge- 
stellt und die Haare sind wieder geschmeidig und glanzvoll wie sie 
im weiland Barte vor der Erkrankung gewesen sind. 


10* 


6 1 8 Gesammmt-Sitzung. 


AUS DER GESAMMT-SITZUNG VOM 26. MAI 1855. 


In der Gesammt-Sitzung der kaiserl. Akademie am 26. Mai d. J. 
zu welcher auch die auswärtigen wirklichen Mitglieder einberufen 
worden waren, hat dieselbe die zur Wiederbesetzung der erledigten 
Stellen nöthigen Wahlen vorgenommen, und durch ihren hohen 
Curator Sr. k. k. Apost. Majestät zur Genehmigung allerunterthänigst 
unterbreitet. | 

Mit allerhöchster Entschliessung vom 18. October d. J. erfolgten 
sonach die Ernennungen: 


I. in der mathematisch-naturwissenschaftlichen Classe 

des correspondirenden Mitgliedes, Herrn Professors Franz Leydolt, 
zum wirklichen; 

des Direetors der kaiserl. russischen Haupt- Sternwarte zu Pulkawa, 
Herrn F. G. W.v. Struve, zum ausländischen Ehrenmit- 
gliede; 

des Herrn Professors J. Gottlieb in Gratz, zum inländischen und 

des Herrn Professors Joh. Hausmann in Göttingen, zum ausländi- 
schen correspondirenden Mitgliede. 


II. In der philosophisch-historischen Classe 

des correspondirenden Mitgliedes, Herrn Gottlieb Freiherrn von 
Ankershofen zu Klagenfurt, zum wirklichen Mitgliede; 

des Herrn Professors August Boeckh in Berlin, zum ausländischen 
Ehrenmitgliede; 

des Herrn Professors Joseph Aschbach in Wien, zum inländischen 
correspondirenden Mitgliede; dann 

der Herren Wilhelm Wattenbach in Berlin und Ede&lestand du 
Meril in Paris, zu ausländischen correspondirenden Mit- 
gliedern. 


Verzeichniss der eingegangenen Druckschriften. 619 


VERZEICHNISS 


EINGEGANGENEN DRUCKSCHRIFTEN. 
(AUGUST, SEPTEMBER, OCTOBER.) 


Acade&mie d’Archeologie de Belgique. Annales, Vol. XI, livr. 1, 2. 

Acade&mie nationale de Medecine. Memoires, T. 18, 19. Bulletin, 
Vol. 1—4A, 6—9, 14—16. 

Academie des sciences ete. de Lyon. Memoires. Classe des scien- 
ces, Vol. III; elasse des lettres, Vol. II. 

Aichhorn, Sigmund, das Mineralien - Cabinet am steiermärkisch- 
ständischen Joanneum zu Gratz. Gratz 1855; 8° 

— Einleitung in das Studium der Naturgeschichte. Gratz 1855; 8% 

— Anleitung zur Flächenzeichnung einfacher Krystallgestalten. 
Wien 1855; 8% 

Akademie der Wissenschaften zu Berlin. Abhandlungen. 1854. 
Monatsberichte, Juli, August. 

Akademie, kön. bayerische. Almanach 1855. Gelehrte Anzeigen. 
Vol. 39. 

Almanacco Reale del regno delle due Sicilie per I’ anno 1854. 
Napoli; 8% 

Altertbums-DBerein in Lüneburg, Die Alterthümer der Stadt Line- 
burg und des Klofters Lüne. Lief. 1, 2. Lüneburg 1892 —54. Fol. 

Annalen der Chemie und Pharmaeie. Bd. 95, Hft. 1—3. 

Annales des mines. 1854. livr. 6. 

Annales de l’Observatoire physique centrale de Russie 1852. 
St. Petersbourg 1854; 4% 

Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit. 1855. Nr. 7, 8, 9. 

Archiv der Mathematik und Physik von Grunert. Bd. XXIV, Hft. 4. 


6 2 0 Verzeichniss 


Archives des missions seientifiques et litt6raires ete. Vol.IV, cah. 3. 

Ateneo veneto, Vol. I—V, VI, fase. 2; VII, fase. 1. 

Balling, KUlI.N., Die Gährungschemie, wiffenfchaftlich begründet 
und in ihrer Anwendung auf die Bierbrauerei.2 Bde. Prag 1854; 80 

Beders, Hubert, Denfrede auf Friede. Wilh. Sof. v. Schelling. 

ünchen 1855, 4% 

Beigel, Hermann, Untersuchungen über Harn- und Harnstoff- 
mengen, welche von Gesunden ausgeschieden werden etc. 
Gekrönte Preisschrift. Breslau 1854; 4% 

Beobadtungen, magnetifche und meteorologifche, zu Prag. Heraus- 
gegeben von Böhm und Kunes. 13. Sahrgang, 

Bericht der Direction der Gentral= Gefellfchaft für Flah3- und Hanf- 
Cultur. 1855; 8% 

Bizio, B., Circa il modo onde sono da vedersi i fenomeni capillari 
in rispetto alla costituzione dinamica de’ liquidi. Venezia 
1852; 8% 

Brunius, C.G., Nordens äldsta Metropolitankyrka eller historik 
och arkitektonisk Beskrifning om Lunds Domkyrka. Lund 
1854; 8% 

Brünnow, S., Tafeln der Flora, mit Berücksichtigung der Störungen 
durch Jupiter und Saturn. Berlin 1855; 4% 

Bulletin du eomite de la langue de I!’ histoire et des arts de la 
France. T. HM, No. 4,5. 

Bulletin des societes savants, missions, scientifiques et litteraires. 
T. I, Nr. 4,5. ; 

Buys-Ballot, C. H. D., Meteorologische Waarnemingen in Neder- 
land ete. Jahrg. 1853 und 54. Utrecht; 4% 

Cimento, il nuovo, Juni — August. 

Cittadella-Vigodarzere (Grafv.), Rapporto sulle memorie pre- 
sentate al concorso per la soluzione di un quesito di letteratura 
proposto dall’I. R. Istituto Veneto. Venezia 1855; 8% 

Cooke, Josiah, On new cerystalline compounds of Zine and Anti- 
mony. Cambridge 1855; 4°. 

Cosmos, Vol. VI, No. 7—18. 

Droßbah, M., Das Wefen der Naturdinge und die Naturgefeße der 
individuellen Unfterblichfeit. Olmit 1855, 8% 

Elvert, Ehriftian d’, Gefchichte der Verfehrs-Anftalten in Mähren und 
Ofterreihifh-Schlefien. Brünn 1855; 8% 


der eingegangenen Druckschriften. 621 


D’Escayrae de Lauture, Memoire sur le Ragle. Paris 1855; 8% 

— Memoire sur le Soudan. Cah. I. Paris 1855; 8% 

— De l’influence que le canal des 2 mers exercera sur le com- 
merce en generale et sur celui de la mer rouge en particulier. 
Paris 1855; 8% | 

Faraday, One some points of magnetic philosophy. London 1852; 8°- 
Förftemann, E., Altdeutfche3 namenbuh. Bd. I, Lief. 6, 7. 
Frapporti, Giuseppi, Sugli intendimenti di Nicolö Macchiavelli 
nello serivere il Prineipe. Vicenza 1855; 8% (A Exemplare.) 
Geinitz, H. B., Darstellung der Flora des Hainischen, Ebersdorfer 
u. Floehaer Kohlenbassins. Gekrönte Preisschrift. Leipz. 1854; 8% 
Gesellschaft, k. k., der Ärzte. Zeitschrift, Jahrg. XI, Hft. 7 —10. 
Gesellschaft, deutsche morgenländische, Zeitschrift der. Bd. IX, 
Hft. 3, 4. 
Gesellschaft für Beförderung der Naturwissenschaften zu Freiburg 
i. B., Berichte über die Verhandlungen derselben, Nr. 1—11. 
Gefellfägaft, gefhihts- und altertbumsforfhende, des Ofterlandez zu 
Altenburg. Mittheilungen, Bd. I, I. 

Gesellschaft, k. k. mähr.-schles., des Ackerbaues, der Natur- 
und Landeskunde. Schriften der historisch-statist. Seetion, Hft. 8. 

Gesellschaft, k. böhmische, der Wissenschaften. Abhandlungen, 
V. Feige. Bd. 8. | 

Gesellschaft, physiealisch - medieinische, in Würzburg. Ver- 
handlungen. Bd. VI. 

Gesellschaft, naturforschende, in Zürich. Mittheilungen. Hft. 8, 9. 

Giesen, Universitätsschriften aus dem Jahre 1854. 

Gruber, Wenzel, Anatomie der Eingeweide des Leoparden, 
mit vergleichenden Bemerkungen über andere Felis - Arten. 
St. Petersburg 1855; 4% 

Hanus, Ignaz Jan, Zivot a püsobeni Frantiska L. Celakowskeho. 
Prag 1855; 4% 

— Über die alterthümliche Sitte der Angebinde bei den Deutschen, 
Slaven und Litauern. Prag 1855; 8% 

— Bibliotheka slovansk&ho prislovnietvi. Svaz. 1. Prag 1853; 80 

Hummel, Karl, Phyfifhe Geographie. Grab 1855; 8% 

Istituto di correspondenza archeologicea. Bullettino 1848, 1849. 

—. Annali. Vol. 5» 6. 

— Monumenti inediti. 1354. 


6 ) 2 Verzeichniss 


u 


Istituto I. R. Lombardo di scienze. Giornale. Fase. 39, 40, 41. 

Istituto Veneto I. R. di scienze, atti delle Adunanze. T. Ill, punt. 5, 
IV, 1-4; V. 1.2; VL 1—7. 

Jahresbericht über die wissenschaftlichen Leistungen des Doe- 
toren -Collegiums der medieinischen Facultät in Wien. Jahrg. 
V. (5 Exemplare.) 

Fena, Univerfitätsfchriften aus dem Sahre 1854. 

Jiredek, Hermenegild, Über Eigenthumsverletzungen und deren 
Rechtfolge nach dem altböhmischen Reehte. Wien 1855; 8% 

Journal, The astronomieal. Vol. IV, No. 12, 13. 

Kiel, Univerfitätsfchriften aus dem Sahre 1855. 

Kopebfy, Benedikt, Überficht der Mineralwäffer und einfachen Mine- 
ralien Steiermarfd. Grab 1855; 4% 

Kopp, Gefhichtsblätter au der Schweiz. Bd. 1, Hft. 6. (2 Eremplare,) 

Kraus, Soh., Sahrbuh für den Berg: und Hüttenmann des dvfter- 
reichifchen KRaiferftaates. Sahrgang 1855. 

Lamont, Denfrede auf die Akademiker Siber und Ohm. München 
1855; 4% 

Leonhardi, Freih. H. v., Einige Nachrichten über Dr. Karl Fried- 
rich Schimper. (Lotos 1855, Juli.) 3 Exemplare. 

Louvain, Univerfitätsfchriften aus dem Sahre 1855. 

Lund, Univerfitätsfchriften aus dem Sahre 1854. 

Maury, M.F., Letter concerning lanes for the steamers erossing 
the atlantie. New-York 1855; 4% * 

Melloni, Macedonio, Blettroscopio di. (3. Expl.) Napoli 1854; 40 

Mittheilungen aus dem Gebiete der Statistik. Jahrg. IV, Hft. 2. 

M one, Fridegarius, C. Plinii Secundi, naturae histor. Lib.1, 11—15; 
fragmenta e codice rescripto biblioth. monasterii ad S. Paulum 
in Carinthia. Gothae 1855; 8% 

Münfter, Akademifhe Schriften aus den Sahren 1854 und 1855. 

Nachrichten, astronomische, 973—984, 986, 988—992. 

National-Museum, germanisches. Jahresbericht II. Nürnberg 
1855; Ar 

Nobile, Ant., Elogio storieo di Melloni Maced. Napoli 1855; 4% 

Patellani, Luigi, sullo stato attuale dello studio ed istruzione 
veterinaria in Italia. Milano 1855; 8% 

Paucker, M. G., Die Gestalt der Erde. s. ]l. et d.; 8% 

Programm des Ef. Gymnaftums zu Brunn für das Sahr 1855. 


der eingegangenen Druckschriften. 623 


Pullich, Giorg., Propedeutica ülosofica ad uso dei Ginnasi. Trieste 
1855; 8% 

Rafn, Charles Christ., Antiquit&s americaines d’apres des monu- 
ments hist. des Islandais et des anciens Sceandinaves. Copenhague 
1845; 40% 

— Bemerkninger om en Steenöxe med Runeindskrift, tilhörende 
Hs. Majest@t Kongen. Kjöbenhavn 1854; 8% 

— Remarks on a Danish Runie stone from the eleventh century 
found in the central Part of London. Copenh. 1855; 8% 

Hau, Karl Heinr., Orundfage der Volkswirthfchaftsiehre. 6. Aufl., 
Leipzig 1855; 8% 

Regesta, sive rerum Boicarum autographa e Regni scriniis fideliter 
in summas eontraeta. Vol. XIII. Monae. 1854; 4% 

Reichardt, E., Über die chemischen Bestandtheile der Chinarinden. 
Gekrönte Preisschrift. Braunschweig 1855; 8% 

Keihenbah, Karl Freiherr, Köhlerglaube und Afterweisheit. Dem 
9. &. Vogt in Senf zur Aniwort. Wien 1855; 8% 

— Dpdifd-magnetifche Briefe. Stuttgart 1852; 8% 

— Bhyfifal.phyfiolog. Unterfuhungen über die Dynamide de3 Magne- 
tiömus, der Eleftricität, der Wärme, des Lichtes, der Kryftallifation, 
des Chemismus in ihren Beziehungen zur Lebenskraft. 2. Aufl., 
2. Theil. Braunfhweig 1849; 8% 

— Der jenfitive Menfh und’ fein Verhalten zum Ode. 2 Bde. Stutt- 
gart 1854; 80 

— Physico-physiolog. researches on the dynamies of Magnetism, 
Blectrieity Heat ete. in their relations to vital force. With a 
preface and crit. notes by John Ashburner. London 1851; 8% 

— Researches on Magnetism, Electrieity ete.in their relations to the 
vital force. TranslatedbyGregory Will. 2 Vol. London 1850; 8% 

Reichsanstalt, k.k. geologische. Jahrbuch, Jahrgang VI, V. 1. 

Abhandlungen. Bd. I. 

Resume des observations recueilldes en 1852 et 1853 dans le 
bassin de la Saöne par les soins de la Commission hydrometrique 
de Lyon. 

Kitter, Karl, Die Erdfunde im Verhaltniß zur Natur und zur Gefchichte 
des Menfchen. Thl. 17, Abth. 1, 2. Berlin 1854; 8% 

— Über die wiffenfhaftliche Reife der drei Gebrüder Schlagintweit 
in Indien. (Zeitfchrift für Erdfunde, Bd.V, ©. 2.) (3 Exemplare.) 


40° * 


624 Verzeichniss 


Ritter, Karl, Abhandlung über einige verschiedenartige charakteri- 
stische Denkmale des nördlichen Syriens. Berlin 1855; 4% 

Romanin, S., Storia documentata di Venezia. T. Ill, p. 3. 

Roneoni, G. B., Osservazioni sopra la concelusione della relazione 
16 febbrajo 1855 intorno alla malattia. dell’uva nell’ anno 1854. 
Milano 1855; 8% 

Sachse, Karl, Zur Pflanzengeographie des Erzgebirges. Dresden 
1855; 8% 

Sacken, Ed. Freih. v., Die k. k. Ambraser Sammlung. Th. II. 
Wien 1855; 8% 

Saga Jätvardar Konüngshins Helga, udgiven efter islandske Oldböger. 
Kjöbenhavn 1852; 8% 

Scheerer, Th., Über eine auf metallurgifhem Wege gebildete, eigen- 
thbumliche Art von Magneteifen-Kryftallen und über dad VBorfommen 
ahnlicher Kryftallgebilde in der Natur. (Nachrichten v. d. Univerf. 
Göttingen 1855. Nr. A.) 

— Nachtrag über polymeren Isomorphismus. s. 1. etd.; 8° 

Schwellengrebel, J. G. H., Analytisch - geometrische Untersu- 
chungen über allgemeine Verwandtschafts - Verhältnisse von 
Coordinaten-Systemen. Bonn 1855; 4% 

Selskabs k. danske Videnskabernes, Oversigt over det Forhand- 
linger. 1854. 

Smith, Archib, Supplement to the practical rules for ascertaining 
the deviations of the compass which are caused by the ships 
iron ete. London 1855; 8% 

Societä R. Borboniea. Rendiconto delle adunanze, 1854. Fogl. 
11—26; Anno II, Fogl. 1—10. 

Soeiete des Antiquaires du Nord. Memoires, 1848/49. 

— Antiquarisk Tidskrift. 1849—51. 
— Annaler for Nordisk Oldkyndighed ete. 1851—53. 

Societe R. d’Agrieulture de Lyon. Annales, Serie II, T. 1,2, 4,5. 

Societe geologique de France, Bulletin, 1854, Nr. 19—50. 

Societe Imp. des Naturalistes de Moscou. Bulletins, 1855, Nr. 2. 

Society chemical. Quarterly journal, Nr. 30, 

Society Royal of London. Transaction, Vol. 145, part. 1. Procee- 
dings, Vol. VII, No. 8, 9, 10, 14. 

Society of Antiquaries of London. Miscellaneous Tracts. Vol. 36. 
Proceedings Vol. 41, 43. 


der eingegangenen Druckschriften. 625 


Society Asiatie of Bengal. Journal, 1855, No. 2. 

Society R. of Edinburgh. Proceedings Vol. 44, 45. Transactions 
Vol. XXI, p. 2. 

Society Royal geographieal. Journal. Vol. 24. 

Society, R., Geographical, Adress, by the Earl of Ellesmere. 
London 1855; 8% 

Steiner, Codex inseriptionum romanorum Danubii et Rheni. Theil 
III. Seligenstadt 1854; 8% 

Thierarznei-Institut, k. k. Vierteljahrsschrift, Bd. VI, 2. 

Berein, allgemeiner deutfher Apothefer-. Jahrbuch für Pharmacte. 
Bd. IN, Hft. 6; IV, 1,2. . 

Berein für Kunft und Altertum in Mm. 9., 10. Veröffentlichung. 

Verein für nassauische Alterthumskunde ete. Annalen, Hft. 3. 

Verein für vaterländische Naturkunde in Würtemberg. Jahreshefte. 
Bd. VII, Hft. 2, 3. 

Berein, biftorifcher, für Krain. Mittheilungen, Sahrgang 9. 

Vereeniging natuurkund. in Nederlandsch Indie. Tijdschrift. 
Deel VI, Afler. 1, 2; VII. 1, 2. 

Vestiges d’Assembo et de Söborg d&couverts par S. M. Frederie VII. 
Copenhague 1855; 8% 

Weber, Albr., Indische Studien. Bd. II, Hft. 2, 3. 

MWolny, Gregor, Kichlihe Topographie von Mähren. Bd. I. Brünn 
1855; 8% (2 Eremplare.) 

Zurich, Univerfitätsfchriften aus dem Sahre 1854. 


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Gang der Wärme und des Luftdruckes im Mai 1655. 


| Die punetirten Linien stellen die Wärme, die ausgezogenen den Luftdruck dar. 
Die beigeschriebenen ‚Zahlen sind Monatmittel, denen die stärkeren Horizontallinien entsprechen. 
Ein Netztheil entspricht bei der Wärme einem Grad Reaumur, beim Luftdrucke einer Pariser Linie. 


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Gang der Feuchtigkeit und des Ozongehaltes der Luft im Mai 1855. 


Die punktirten Linien stellen die Feuchtigkeit, die ausgezogenen den Ozongehalt dar. 
Die am Rande befindlichen Zahlen sind die Monatmittel der Feuchtigkeit, jene zwischen 
den Curven die Monatmittel des Ozongehaltes. 

Den Monatmitteln eutsprechen die stärkeren Horizentallinien. 
Fin Netztheil beträgt für die Feuchtigkeit 5Procente, für den Ozongehalt einen Theil der Far, 
benscala,welehe vom völligen Weis bis zum tiefsten Blau zehn Abtheilungen enthält. 


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Beobachtwkungen. 


Valona. . \-Wind u. +24°. 
Curzola . , am 18. aus NW. 
Semlin . 
Ragusa !). ı 19. Blitze, am 18. Erdstoss. 
Szegedin.. ,a. NW. 

Triest . 
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Gran . . 17.18.19. Hagel. 
Parma?) . 'auf19. Blitze, am 9. 13.14.16. 
Fünfkirchen h 28.29. mitHagel. [Wetterl. 
Wallendorf 34.19.28.29.30.Gew.,a. 6.12.27. 
Venedig*) ],am5.u.26.Gew.,18.19.Blitze. 
Czernowitz 5, Wetterl., am 10. Sturm a.N. 
Udine . . },18. 31. Gewitter. 

Debreezin [Stürme am 17. u.18.a.S. 
Kronstadt°)], am 6. 18.26.29, Hagel am 14, 
Mailand . |2. u. 4. mit Hagel. 

Meran . . Jagel u. Gussregen bis 8" Ab. 
Jolsva . . yitter, am 10. Sturm. 

Zavalje. . _31. stürmisch a. SW. 

Gilli . 

Lemberg ®) ım1.Nachts Regen mit Schnee. 
Wien‘) . am 12.12" Sturm a. NW. 
Rsnau 2. .| [n.0. u. SO., am 31. n.S. 
Olmütz. . 'NW., am 16. n.N., am26. u. 27. 
Korneuburg | 8. u. 10. Reif. 

Rzeszow . Sturm mit Gewitter a. SW. 
Jaslo: .ı. ', am 12. Blitze, am 6. Hagel. 
Brünn . . 49. Sturm a. NW. 
StPaul=..], 

Krakau. . 46. Blitze im SO. 

Klagenfurt ®,.N. [a. SSW. 
Prag. . . im 5. mit Hagel, am 22. Sturm 
Czaslau?) 7. 31. Gewitter. 

j Neusohl !0}4, Ab. Wetterleuchten. 
Laibach . | 
Lienz im Tirt Hagel, am 27. Wetterl., am 
Innsbruck . [18. 28. Sturm. 
Agordo. . +w., am 31. mit Sturm u. Hagel, 
Adelsberg . lam 16. Schnee. 


1) Ragusa,nds bis 14. 9h Morgens. Bei dem 
Gewitter hlagsmenge 145.00' war aber nur 
auf den IErdstoss von NO. nach SO. durch 
2 bis 3° 1 

2) Parma. \jnen Sturm aus NW. Am 13. 15. 
19. 26. w 

3) Wallen 

4) Venedil,ch im Laufe des Vormittags fiel 
noch Reg; 

5) Kronst 

6) Lember 


?) Wien. Alpen fast durchwegs am 31. den 


höchsten (yon einem &ewissen Punete (Pol) 
nach vers 


8) Klagen 
9) Czaslau 


10) Neusoh 
11) Lienz. 
und um 


r) In Neusoterm 4804447” nördl. Breite 
und 36°: 


Sitzb. d. 


guebruche, um Sh folgte ein zweites 


um Minimum 


uftdr.| Tag | Luftd 
3788 13:9 310% 
26-38 | 16°6 |321°3 
2697| 16-3 1319-2 
15:67| 16-3 |310-3 
14:96| 15°9 |309-2 
24-71| 15:9 |315 € 
2651| 16°3 |319°: 
32.415116 2132628 
1584| 16:6 1309-8 
2296| 16-5 |315 7 
10-17| 16-3 |305° 
1416| 16-6 [307-1 
2646| 16-3 1318: 


1493| 16° 1301 


-50| 16° 300°‘ 
21116283105 


296°: 


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304-985] 10:6 |294* 
315°99| 10:8 |305° 


Übersicht der Witterung in Österreich im Mai 1855. 
Entworfen von A. U. Burkhardt, Assistenten an der k. k. Central-Anstalt. 


> Maximum Minimum en Maximum Minimum Dunst- |Nieder-| perr- 
Beobachtungsort. eat irach. dbuLIs dSchlgen unkng Anmerkungen. 
Reaumur | lag | Temp. | Tag Par.Lin.| Tag | Luftdr. | Tag | Luftdr. | Par. Lin. | Par. Lin. 
Valonaı. = sr. a. | 3452681 81-6) | -+22°5| 4379) +10°0) — — En _ — | 6"61 | 29”83) NW. | Am 17. Mittags starker S0.-Wind u. +24°. 
Curzola . 0. 1#+15-33| 31-6 | +22°411 3-37) +11r0 = _ —_ — — 5-63 | 46°90|nw.so.| Am 17. stürmisch aus SO,, am 18. aus NW. 
Semlin. =» 2... |+14:59| 31-6 | +25-4| 10-3 | + 6-01332°76| 21-3 |335”17| 15-9 |329”"53| — | 6-20) NO. | Am 6. u. 27. Gewitter. 
Ragusat). 2. . |+14°47| 31:6 | +21°7| 2-3) +10:0/334°99| 22:6 133783] 9-6 1331-18) 4-98 |145-00| SO. | Am 1. 13.14. Gewitter, am 19. Blitze, am 18. Erdstoss. 
Szegedin. . . .. |+13°98| 31:6 | +26°4| 25:3 | + 6°0/332-48| 22-9 1335-69) 9:9 1330-701 — 25:20) N.SO. | Am 5. Sturm a. W., am 25. a. NW. 
Triest 2 2 2 2... |+413°75| 31:6 | +23-5| 10-3 | + 8-51334-41) 22-3 1339-29) 15-9 |331-65| — 61-00) so. oxo. : 
Tara 2... 0. [+13-61| 31:6 1 +21>°0| 14-9 | + 9:21336°22| 21°9 1338-45) 9-6 1332-62] 5-65 | 36-82) S. | Am 31. stürmisch am Meere. 
Gran = 2... 1+43°29) 31-6 | #220) 1-3) + 20| — — _ — — — 37.18) sw. sw. | Am 13. 16. 27. Gewitter. [17. 18.19. Hagel. 
Parma?) . . .. . |+13:27| 26° +22:0| 15° |-+ 6°11332:22| 22: 1334:97| 15° 1328°21\76- 15:66] 0.x0.s0.| Am5.12.stürm., am 12.18. auf 19. Blitze, am 9, 13. 14.16. 
Fünfkirchen. - . . |+13:01| 31:6 | +27-1| 10-3 | + 6°0/330-06| 22:3 1332-64) 16-3 |327:08| — 43-01] NW. | Am 6.9.19.25.29. Sturm. am 28.29. mitHagel. |Wetterl. 
Wallendorf®) . . . 1 +12:93| 31:6 | +25°0| 20:9 |+ 5 -6/321-84| 31-3 [32472] 9-9 |319-01| 4-57 9-23] SW. Am 10.19.28.Stürme, am 6.14.19.28.29.30.Gew., a. 6.12.27. 
Venedige®) . . . . |+12-80| 27:6 | +22°4| 10:3 |+ 7:3|335°69| 21:9 1338-82] 15°9 33134) 4-44 | 4369| SSO. | Am5.8t.,am 12.14.15. Hagel, am 5.u.26.Gew., 13.19.Blitze. 
Czernowitz ». » » „. |+12:78| 31:6 | +24-2| 1-3 |+ 3-0/325-93| 31:3 1328-78] 12-3 |323-51| — 10:15] NW. | Am 2.24.Gew., am 12. 14.15. Wetterl., am 10. Sturm a.N. 
Udine . . 2... | +12:77| 27.6 | +21°2| 16-3 | + 6:3) — —_ — —_ — —_ —_ 0. Am 30. +21°1, am 3. 6. 12. 18. 31. Gewitter. 
Debreezin . . . . |+12°56| 31:6 | +24°0) 20-3 |+ 5°21331:27| 31:3 1334-06) 16:3 1328-7111 — 5594| °S. Am 3. 5. 6. Gewitter. [Stürme am 17. u. 18. a. S. 
Kronstadt5). . . . |+12:38| 31:5 | +22:6| 8:3 |+ 5°0,314-34| 31:3 |317:24) 9-9 [31119 6649| — Am 14.25.26. Gew., Wetterl. am 6. 18. 26. 29, Hagel um 14, 
Mailand . . . . . |+11:98| 27- +21:6| 12: |+ 4'3|330-02|) 23: |332-50| 15:9 |326-32| 3-83 | 35-30| NO. Am 2.3.4.5. Gewitter, am 2. u. 4. mit Hagel. 
Meran. 2 2...... /+11:92| 28-6 | +22-5| 15:3 |+ 6°0|323°83| 24-6 1328°27| 15-9 1320-13) — | 26:89) S. | Am 31. Mitt. Gewitter mit Hagel u. Gussregen bis 8" Ab. 
Jolsva -. » 2... !+11:67| 31:6 | +26-0) 21:3 |+ 3:0) — _ _ _ _ = — W. Am 3. 5. 16. 27. 23. 29. Gewitter, am 10. Sturm. 
Zavalje- » » .. . |+11-61| 31-6 |+23:0| 1:34 5.2) — _ W. Am 16. Gewitter, vom 28.— 31. stürmisch a. SW. 
Cili 22 22.20. 0. |#+41-30| 31-6 | +23-0| 11-3 | + 1:81326°73| 25:3 |329-47| 16-3 |323-24) 3-77 | 22-95] NW. | Am 28. 22°3. 
Lemberg®) . . . . [+11:30| 31 :6| +23-4| 1:3 |+ 1:5|324-96| 25:6 132740] 19-6 |321-97| 3-81 | 42-711 W. Am 3. 6.14. 15.18.30.Gew.. um1. Nachts Regen mit Schnee. 
Wien?) 2... 1+14:28| 31° 1424-01 1-3 |+ 2-5/328-23| 23-4 |331-43| 16-3 |323-99) — | 4172| 050. | Am 5.16.26. 28. Gewitter, am 12. 12° Sturm a. NW. 
Tirmau. 2» 2... |+14:09| 31:6 | +20-4| 2-4 |+ 2:6 33013] 254 1333-08] 16-4 |326-65| 4:58 | 22-09) NW. [n.0. u. SO,, am 31. n.8. 
Olmütz. : 2 2... .|#+10:91| 31:6 | +24°2| 3-3 |+ 2-01327-38| 25-3 |330-57| 16-3 |323-64| — = W. Am 3.29.30, Wetterl. nach NW., am 16. n.N., am26. u. 27. 
Korneuburg. . . . |+10-70| 31:6 | +21-°3| 2:3 25) — — _ _ = _ = W. Am 5. starkes Gewitter, am 8. u. 10. Reif. 
Rzeszow . » » . . |+10-60| 31-6 |+23-4| 1:3 |+ 4:0|328-17| 24:9 [33143] 16-6 |324°65| 3:72 | 33-33] SW. | Am 5. Ab. 8" Wetterl., 10" Sturm mit Gewitter a. SW. 
Jaslo. » 22... )+10:57| 31-6 | +24°0, 1-3 |+ 3-0,327:12| 25-3 [330-17| 15-6 [324°03| 3:90 | 35-86] SO. | Am 3.5.6. 29. 30. Gewitter, am 12. Blitze, am 6. Hagel. 
Brünn»... 2... 1+40-442| 31- |+22-1) 6- |— 0:3/327:49 25°3 1330-57) 16-3 |323-92| 3-50 | 2497| NW. | Am. 23. Gewitter, am 11.19. Sturm a. NW. 
St.Paul . . . . . |+10-42| 31-6 | +22-0| 10-3 |+ 1-4|319-13! 25-3 1322-23) — |315°33| 3-43 | 14-90| SO. Am 31. Gewitter mit Hagel. 
Krakau. >... 1+10-36| 31: \+25-7| 3° |-+ 1°51327°89| 25-4 \331 26) 16-6 |324-47| 3:64 | 25:07) 0. Am 5.29. 30. Gewitter, am 16. Blitze im SO. 
Klagenfurt 8) . . . /+10-32| 31- |+25°7| 10- |— 0-31318°59| 25-3 |321:46| 16-3 |314-80| 3-41 | 24:23] SW. | Am 5. Gewitter mit Sturm u. N. [a. SSW. 
Praa. 2» 2 22.2. |+10:26| 31° )+23°3) 3° | + 1:91327°37) 18° |330°58) 16° [323-01| 3:28 | 30-14) SW. | Am 5.17. 22.28. 31. Gew., am 5. mit llagel, am 22. Sturm 
Czaslaud) .... /+10-03| 31-6 | +22°4| 10-3 | + 1 6325.54 25:3 1328-53] 16°3 |321°40| 3-54 | 41:95) SW. | Am 12. (um 6" Morg.) 14. 27. 31. Gewitter. 
-+Neusohl 10) . . » |+10-00| 31-6 | +20:8| 2:3 |+ 2-9|321:87| 25:4 |325°66| 16-7 |313:84| 3:47 ' 67:99| NW. | Am5. Gewitter, am 26. u. 31. Ab. Wetterleuchten. 
Laibach . . . . . | +10-00| 31-6 | +20°%| 10:3 |+ 32132476) 24:9 |327-37| 16-3 |321:06| 3:81 | 87:90| SO, Am 5. 20. 25. Gewitter. 
Lienz im Tirol *!) . |+ 9:86 27:6 | + 19-6) 10-3 | + 3-0/310-46| 25-3 [31354] 16°6 |306°68| 2-91 | 34-981 W. Am 5. Gewitter, am 31. mit Hagel, am 27. Wetterl., am 
Innsbruck . : « . |+ 9-83) 31:6 )+20°6| 15:5 |+ 4°1/312-62 (91:6 1316-61) 16-9 |308:65| — 1726| SW.S. 18. 28. Sturm. 
Agordo. . I+ 9751| 27:6 | +20°7| 16-3 | + 1:6/312-58| 22-5 131538) 16:3 1308-67) — 4922| SO. Am 5. 9. Ab. u. 31. Nachts Gew., am 31. mit Sturm u. Hagel, 
Adelsberg + 9-74| 31-6 |+21°2| 9-9 | + 2-2|314-95| 22-9 |317:39| 16-3 |310-85| — _ _ Am 9. stürmisch a. NO. [am 16. Schnee.) 
. [} 1 | 
| | | | | 


1) Ragusa. Bei dem Gewitter am 1. um 3 Uhr Morg. fiel auch Hagel. Der Niederschlag an Regen betrug bei dem Gewilter am 13. Ab. 6" 48°, und »war vom 13. 8" Ahends bis 14. 0b Morgens. Bei dem 
Gewitter am 14 fiel ebenfalls Hagel, am 16. den ganzen Tag Regen (20"%). am 17. 29”, am 19. regnete es von 3%sh bis 11h Morgens wieder 27”. Die grosse Niederschlagsmenge 145.00 war aber nur 
auf den 1. Mai mit 14 und vom 13. bis 19. mit 131.0“ vertheilt, an den übrigen Tagen im Monate fiel kein Regen. Am 18. um 3%31' Morg. wurde ein wellenförmiger Erdstoss von NO. nach 50. durch 
2 bis 3” wahrgenommen, welchem nach ö' ein zweiter schwächerer folgte. Auch in Ragusa vechia wurde der Erdstoss verspürt. 

2) Parma. Den genauen Aufzeichnungen an der Sternwarte entnehmen wir noch die Sichtbarkeit eines Lichtmeteores am 7. Abends, von der Grösse der Venus. Am 12, einen Siurm aus NW. Am 13. 15. 
19. 26. waren die Alpen wegen grosser Reinheit der Athmosphäre sichtbar. Die Beobachtung der Mondesfinsterniss am 2. Morgens war durch heiteren Himme] begünstigt, 

3) Wallendorf. Am 31. um 2630‘ die höchste bis jetzt daselbst beobachtete Temperatur : 25-40. 

4) Venedig. Am 5. war ein schr stürmischer Tag, um öl Morgens schon Gewitter mit starkem SO., später fiel durch 20' Hagel, in ®; Stunden firlen 9:44“ Wasser, auch im Lanfe des Vormitlags fiel 
noch Regen bei Blitz und Donner und starkem SO.-Winde; das Canalwasser war sehr hoch. — Bei der Mondesfinsterniss am 2. Morgens war heiterer Himmel. 

5) Kronstadt. Der Niederschlag vom 10. um 12" bis 11. um 125 betrug 32:06"'. 

6) Lemberg. Bei dem Gewitter am 14. fand in der Nähe eine verheerende Windhose und ein Wolkenbruch Stalt. 

7) Wien. Am 21. Morgens ungewöhnlich dichter und tiefziehender Höhennehel. Die ungewöhnlich warmen Tage in den letzten Tagen des Monats erreichten diesseits der Alpen fast durchwegs am 31. den 
höchsten Grad, während die Orte jenseits der Alpen in Italien und Dalmatien das Maximum der Wärme schon früher (am 27.) hatten, wodurch die Verbreitung der Wärme von #inem gewissen Puncte (Pol) 
nach verschiedenen Richtungen wahrscheinlich wird. 

8) Klagenfurt. Am 9. Abends stürmisch a. N. mit etwas Schnee, am 10. und 11. starker Reif; der Schnee liegt bis 2200' herab. 

9) Czaslau. Vom 18. bis 20. häufige Regen und Überschwemmungen. 

10) Neusohl. Um den 7. d. M. fiel auf dem Liptauer Gebirge neuer Schnee, der ers! zu Ende des Monats ganz aufgelöst wurde. : 

1) Lienz. Am 9. fiel Schnee bis auf 3700' herab, am 10. nach Aufheiterung starker Reif im Thale. Das Gewitter am 31. kam hier um 5" Abends zuerst mit Hagel zum Aushruche, um &% folgle ein „weites 
und um 9b ein drittes gegen das Möllthal zu. (Vergl. Gastein.) 

+) In Neusohl beobachtet Herr Professor W. Zenger. Die Vegetations-Beobachtungen werden von Herrn Dr. Varecka ausgeführt. Neusohl liext unterm 4804417" nördl. Breite 


und 3604850” östl. Länge. 
Sitzb. d. mathem.-naturw. Ol. XVII. Bd. I. Heft. 


Dunst- |Nieder- 


druck | schlag |schender Anmerkungen. 


Herr- 


n Wind 
U. | Par.Lin. | Par. Lin. 


0| 3"28 | 51"90| W. Am5 12.16.29. ferne Gew., am 25.27.Wetterl., am 8. 10.14. 
2 — 39:65| SW. | Am5.6.16.Gew., 21.Reif, am 9. Sturm a.NNW. [21.Reif. 
— 3405| NW. | Am 17. Gewitter a. W. 

2 — 29:03) W. | Am 14.22. 31. Ab. Gewitter, am 22. stürmisch. 

9° — 77:36) NW. | Am5. u. 27. Gewitter, am 27. mit starkem Hagel. 

I SERSIN ;S. Am 5. um 8" Ab. heftiges Gewitter. 

I — 36:77 S. Am 29. 31. Gewitter. [10. Reif. 

\ en 42:37| SW. | Am5. 12.14. 22. 28. Gew., am 22. mit starkem Hagel, am 

3 = 36°20| sw. xo.|*Am 19-6 332”13, am 12.14.17. 22.28. 29. 31. Gewitter. 

>8| 3:19 | 63:10) SW. | Am 31. Gewitter mit Hagel. 

, = 7046| W. | Am 15. 23. 28. 31. Gewitter, am 15. stark. 

1) 2:67 | 18:00) W. 

)3| 2:92 | 27:70| SW. Inoch Reif, am 22. Wetterl. 

381 3:73 | 2547| W. |*Am 25-3 325”91, am. 12. 16. 28. 31. Gewitter, am 21. 

| —_ 16-58| w a 5.11.12.22.23. Gew., dann v. 31. auf 1. Nachts, am 10. 
! Frost und Eis. [SO., am 23. a. SW. 


— 1486| SO. Am 5.11. 12. 14. 23. 25. 27.28. Gew., am 5. mit Sturm a. 

15| 3:09 108°97| SW. |*Bei Schneefall am 20. Gewitter, am 12. 14.17. 18. kleiner 
- — [Hagel. 

24\| 3-33 | 2511| SW. Am 18. Sturm a. NO., am 22. Ab. Wetterl., am 2. 3.10.Reif. 


301 2:86 | 33:49] SW 
— 15-55) SW. | Am9. u. 13. Regen mit Schnee, am 31. Gew. mit Hagel, am 
3 — — — Am 31. starker Hagel mit Gewitter. [14. Weiterl. im S. 
1022. |2[$Am 1. u. 46. noch 0°, am 15—1°, Schnee am 9.13.14.15. 
\ 16, am31. Gew. mit Sturm, am 9. 18. 19. stürmisch. 
GA — 60-56] NW. |*Am 31°6 nur +64, am 31. Gew. mit Hagel u. Sturm a. 
— — | N. |*Am 27. +10, am 1. A. 12. Schneefälle. INW. 
| 60 99 2? Am 5. 11. 31. Stürme, am 31. Gewitter mit Hagel. 


schlug der Blitz ohne zu zünden ein. In den kalten Tagen um den 9. waren die Vorberge frisch 
h dem letzten Reife am 21. begann eine höhere Temperatur vorzuherrschen. Alle Gewitter waren 


m 19. und 27. wurden (im Cirrus) grosse Sonnenhöfe beobachtet. 
llerfluss oft und anhaltend aus. Die Anwohner der nördlichen Gebirgskoppen haben den Anbau 
yerzeugt und den Schnee noch 4 Ellen tief auf den Feldern und in einer Gebirgsschlucht sogar bis 


)00 Fuss hohe Wetterwand zum ersten Male ganz rein sichtbar, am 22. häufige Lawinen im Nass- 
he in Folge Schneethauens stark angeschwollen. Am 31.61 30' Gewitter mit erbsengrossem Hagel, 
sgrossem Hagel und Gussregen, worauf grosses Anschwellen der Ache erfolgte. 

ı 8h Ab. heftiger Sturm aus NW.; so ein stürmisches Wetter ist in den letzten sieben Jahren auf 


'aximum —- 11%, Morgens 7% waren 6°, 2 Abends -+ 7°. 
ıauer (Hagel?) bis 75h Abends; die Temperatur war während des Tages zwischen + 1° und 2-6". 


ngen. 


'en Monaten. 


01| 2-46 | 12-29] NW. | Stürme am 22. a. NO.,spätera. SW..am 25.a.W., am 28.a.N. 
16| 2-10 | 83:35] W. | Am 17. + 11°2. 
00) — 4459| W. 


Beoba Anmerkungen. 


LU PRESSE ER PARSE 1ENBEBISE N RNBBRNENNE REDEN N ANANERRER LESE MEERE. 
Curzola m 20. starker Hagel. [8. Donner allein. 
Ragusa m 4. 5. 7. 18. 20. 21. Blitze, am 4. u. 5. mit Donner, am 
Szegediim 17. Nachts Sturm aus N. Am 19. heftiger Sturm. 
Valona i 
Debreezim 13. 19. Gewitter. 

Semlin m 8. 19. 20. 30. Gewitter. 

Udine . m 8. u. 13. Gewitter. 

Fünfkirdn 11. 18. Gewitter, 6. Blitze, 18. 24. 26. Stürme. 

Gran . m 4. 19. 21. Gewitter. [Donner. 
Venedigm 1. 8. 10. 12. 20. 22. 23. 25. u, am 3. 8. 12. mit 
Parma ®n 2. 8. 9.11.12. 13. 22. 23. 24. 23. 30. Blitze, *Die 
Pressbum 4. 21. fewitter. [m. Feuchtigkeit ist 76 Proc. 
Lemberin 1. 2. 11. 14. 20. 22. Gewitter. 

Czernown 1. 12. 17. 18. Gewitter, am 12. Hagel, am 20. Blitze. 
Tirnau®n 20. 21. 25. Gewitter. Am 25. Sturm. 

Olmütz m 4. 14. 19. Gewitter. 

Triest n 8. u. 24. Gewitter. 

Mailandn 2. Ab. Gewitter. [25. u. 26. Sturm a. NW. 
Brünn n 1.4.10. 11.14. Gewitter, am 5. 9. 14. Ab. Blitze, am 
Hermanm 12.18. 20. ‚Gewitter, a. 12.mit Hagel, a.19. Sturm a. S. 
Meran ®]m 30.+23°8. Am 8. Gewitter mit Hagel. 

Jaslo . n 4. 10. 12. 14. 19. 24. Gewitter, am 20. Ab. Wetterl. 
Rzeszowm 4. 14. 19. Gewitter, am &. mit Sturm a. NW. 

Nenn 12.2.024..22..29: Gewitter, 9. 10. 13. Wetterleuchten. 
Kronstah 11. 18. 20. 25. Gewitter, 6. 11. 20. Wetterl. am 18. 
-Jolsvan 19. starkes Gewitter. [30. Hagel. 
Cilli 8) |ch am 9. 12.13. über + 22°6. Am 3. u. 6. Gewitter. 
Krakau 11.4.10.12.13.14.19. 21. @ewitt., am 16. heis. Wind a.S. 
Laibachyn 2. Ab. starkes Gew. mit Hagel. [16. Stürme a. S W. 
Zavalje n 4. 5. 6. 18. 21. Gewitter, am 8. u. 9. Blitze, am 15. 
Korneuhı 1. a 9. 10.14.19. 21. Gew., 20. Sturm a. W. 

Prag . 19.13. 14. 15. Gewitter, am 13. 13. mit Hagel, am 11. 
Lets 4.410. 14. 22. Gewitter. [Wetterl. 


Leutschh 10. 11. 12. 13. 18. 19. 20. 22. Gewitter, am 10. u. 19. 
Czaslaun 1.2. 13. 16. Gewitter. [Hagel, a. 25. Sturm a..N. 


Klagenfh 7. Wetterleuchten im S., am 15. Ab. Sturm a. SW. 
Naklebel 


Kesmarh 16. heft. Sturm, am 19. Ab. starkes Gewitter. 


1) Ciltend sich gestaltete wie in höheren Breiten, gleiches gilt 


F 
Pıhme (Wettersturz) vom 1.—2., dann vom 15. bis 22.; am 
ı Mercur und Venus, letztere bei Tage mit unbewafinetem 


6) Nitter. 
7) des Observatoriums (Vorstadt Wieden) wurden mehrere 


8) drage vertheilt und oft nur um Zehntheile eines Grades 


9) Iesek,, schlug der Blitz 3mal, jedoch ohne zu zünden, ein, 


+ Die Br 
Si 


Mittlere c Sr Mittlerer n 
onlioatangsandn Mem- Maximum Minimum Luft- Maximum Minimum Dunst- |Nieder- Here 
peratur r = druck. druck | schlag | schender Anmerkungen 
Reaumur Temp. Tag | Temp. |Par.Lin.| Tag | Luftdr. Tag Luftdr.| Par.Lin. | Par. Lin. Wind Dr 
Kremsmünster). +9°269 |31:6 | +24°1 14-2 ° "o3| 7: ag" Ä w " m DARK: 
en )- ae aka ii Es u N De 18 a3 Be a Am35 12.16.29. ferne Gew., am 25.27.Wetterl., am 8.10.14, 
Oderberg. . . . . | +9-64 |30-6 |+20-6 20-6 |+ 7-3| — |. Sie Am 5.6.16.Gew., 21.Reif, am9. Sturm a.NNW. [21.Reif, 
Pilsen... ...... | +9:02 31-6 [421-0] 3-3 |+ 4-9/323-33)19 3 |326:07| 16:3 310722] — | 29.08] w. | am az aewikter a W. ärmi 
Schemnitz 4.9258. 131.62 [3 2053121°3; | + 2r2)313-011la5-3 315.67] 16-2) arme) mrcscl mw. | Ans er dena lter, um D2. Stürmiseh, 
Kesmarkh .. | +9-430131:6 |+21-8| 3-3 |+ 1-81312-06125-3 |314-96| 13-9 [309-351 —_ leere . md.u. 27. Gewitter, am 27. mit starkem Hagel. 
Bregenz 0 0 0. | 39222131461 19:0l47°9. |. 2.91920-03| 7-4 s2eeral ano laser = Den si Am 5. um 8 Ab. heftiges Gewitter. 
Schössl2) . . . . | +9-15 131-6 |+21-2140-3 |+ 1-4|323-22|19-3 |326-B1| 16-3 1319-338 —_ | 28.37 sw. | 129.31 Gewitter. : Rat 
Bodenbach . . . . | 19-13 |31-6 |+22-5| 7-3 |+ 0-6[330-31\25-3° 332-153 16- |326-39| —_ 36:20 nes nn ee 22. 28. Gew., am 22. mit starkem Hagel, am 
Tröpelach +9-11 |26: |4+419-010:3 |4 4:0[313-47|25-3 |315-84| 16-6 .1369-88| 3-19 | 63.101 SW. | Am a1, Genitte ne 14.17. 22.28. 29.31. Gewitter. 
Trautenau +9:00 | 31:3. |+16°0|) 9-4 |+ 2-2/319-42|25-5 1322-96) 16-5 |315:26| — 70-46| W. An 15. aaner a ” 
Althofen . ... » . | +8:99 [31:6 |+20-440-3 |+ 1-0|308-00125-3 |310-47| 16-3 [308-351] 2.07 | d8-00| w 31. Gewitter, um 15. stark. 
Öbervellach. . . . | +8:67 127-6 |+20-6|10-3 |+ 0:21311:40125-3 |314-16! 16-6 |307-93| 2:92 | 27:70| sw. [noch Reif, am 22. Wetterl 
Pureliz )- +8:63 |31:6 |+21-3 3 + 0:4|322:57|19-3° \326-46| 16-3 1318-28] 3:73 | 25:47) W. |"Am 25-3 325”91, am 5. 12. 16. 28. 31. Gewitter, am 21. 
Reichenau) . . 18-49 131-6 |+18-0| 3:3 0:0) — 125-3 |314-93| 16- |so1 77 — 16:55) W. a ns ne Gew., dann v. 31. auf1. Nachts, am10. 
Deutschbrod . . . | +8:39 [31-6 |+20-6| 2:3 |+ 0-2 Aanee| 50% | Ansı LIND IE 23vas amnal RS 
St. Magdalena®). . | +8:21 |31:6 |+19-0| 9-9°|+ 0-11304:06 22-3 |306-50) 16- 1300-15] 3:09 |108:97| sw. |»Rei Schneefall am 20. Gewitter, auıa. 14 Im 10 Ka 
Weissbriach. . « . | +8-14 [31-6 |+18-8110-3 | 0:0 Be =R 3 I 
06), ., 18: 31: A . . AL R “1 BP . oo ‚9n| 2. 9% = [Hagel. 
a 2; Ba abs ie + 1) 319.19 25:3 192221] 16-3 [315°24| 3-33 | 25-11] SW. | Am 18. Sturm a. NO., am22. Ab. Wetterl., am2.3.10.Reif. 
St. Jakob (Gurk) +7:95 131-6 |+18°0|) 9:9 | + 0.8) — —_ —_ — — = ea Rp 
St. Jakob. . . - . | +7:84 |31:6 |+14°7\10:3 + 2:0/300-33 [23-3 |302-38| 16-6 |296:80| 2-86 | 33:49| SW. 
Saifnitz . . ....)+759| — +18-6/10:3 |+ 1:0 = - 
Bad Gastein‘). . . | -#7:32 27:6 |+18:6|10-4 |+ 2:8/296-35|18-8 |298°89| 16-6 1292-95) — 15-55] SW Am 9. u. 13. Regen mit Schnee, am 31. Gew. mit Hagel. am 
Ne Ken ns 12 3r a al U 26-3 1289-91 | 16-6 1283-55) — — — Am 31. starker Hagel mit Gewitter. 11%. Wetterlins. 
Mallnitz +5:68 27:6 |+18:0/10:3 |+ 0:5 — er ir 
Alkus +3-6% |97:6* | +16-5 10-3 |+ 3-8 Bi Ar 3 a (Am 11. u. 16. noch 0°, am 15—1°, Schnee am 9.13.14.15. 
* las 0e a \ 16, am 31. Gew. mit Sturm, am 9. 18. 19. stürmisch. 
Plan®).. "DS +4:63 27-6° | +13°4 10-3 | + 2:0 276-17|22-9 |279-27| 16-3 127164 — 60-56| NW. |” Am 31:6 nur +6°4, am 31. Gew. mit Hagel u. Sturm a. 
Stilfserjoch ?) B +1:65 | 35:5 | +41-0/10-3 |+ 6:0) — ii = R | N. |*Am 27. +10, am 1. &. 12. Schneefälle. [INW. 
St. Maria 10) —1:50 127-6 |+ 5.0] 18:3 |-+ 70247-261259 |250-35| 16:3 1243-19) — 60 99 2 Am 5. 11. 31. Stürme, am 31. Gewitter mit Hagel. 


1) Kremsmünster. Bei dem Gewitter am 12. um 2145’ Abends fiel bei Wels 
beschneit. 

2) Schössl. In dieser Gegend dauerte die kalte rauhe Witterung bis 21. 

3) Pürglitz. Auch hier, besonders am 2. 3. 14. kalte Witterung, an diesen Tagen auch Fröste. Erst nach dem letzten Reife am 21. begann eine höhere Temperatur vorzuherrschen. Alle Gewitter waren 
zwischen 1" und 8" Abends, nur das Gewitter am 27. war um 1145‘ Morgens, 

4) Reichenau. Bis 21. stieg die Temperatur nicht über + 12 und fiel noch einige Male auf 0. 

5) St. Magdalena. Am 17. war der Hagel besonders dicht, so dass der Boden davon bed«ckt wurde, Am 19. und 27. wurden (im Cirrus) grosse Sonnenhöfe beobachtet. 

6) Senftenberg. In Folge des Schmelzens der bedentenden Schneemassen im Riesengebirge trat der Adlerfluss oft und anhaltend aus. Die Anwohner der nördlichen Gebirgskoppen haben den Anbau 
ihrer Felder des noch (am 20.) liegenden Schnees wegen aufgegeben. Eine Commission hat sich hievon überzeugt und den Schnee noch 4 Ellen tief auf den Feldern und in einer Gebirgsschlucht sogar bis 
18 Ellen tief gefunden. 

7) Gastein. Am 9. und 13. reichte der neu gefallene Schnee ganz an den Bergen herab, am 20. war die 9000 Fuss hohe Wetterwand zum ersten Male ganz rein sichtbar, am 22. häufige Lawinen im Nass- 
felde, am 24. war der Schnee his 6000/ auf der Westseite, am 29. bis 7800° angegriffen, am 27. sind die Bäche in Folge Schneelhauens stark angeschwollen. Am 31. bl 30' Gewitter mit erbsengrossem Hagel, 
bis 2 Morgens waren 4 Gewitter, das letzte war das stärkste, von ungewöhnlicher Intensität mit haselnussgrossem Hagel und Gussregen, worauf grosses Anschwellen der Ache erfolgte. 

8) Plan. Am 31, 12: Mittags das erste Gewitter, um 1%, das zweite, um 3\ das dritte, beide mit Hagel, um 8\ Ab. heftiger Sturm aus NW.; so ein stürmisches Wetter ist in den letzten sieben Jahren auf 
dieser Höhe nicht beobachtet worden. a 

9) Stilfserjoch. Am 31., dem Gewittertage, erreichte in dieser Höhe die Temperatur erst Abends das Maximum -+ 11%, Morgens 7" waren + 60, 2 Abends +70. £ a A 

10) St. Maria. Am 31. war auch hier Mittags und Nachmittags Gewitter mit Sturm, Regen, Schnee und Schauer (Hagel?) bis 7/sh Abends; die Temperatur war während des Tages zwischen + 10 und 2’6). 


und Linz Hagel; in Wels schlug der Blitz ohne zu zünden ein. In den kalten Tagen um den 9. waren die Vorberge frisch 


Magnetische Störungen. 
15. 28. 


Nachträge zu den früheren Monaten. 


Admont, März . . | +1:90 125-6 |+ 9-2|12:3 |--10-7|508-68|31:3 313-93| 22:9 30201] 2:46 | 12:29] NW. | Stürme am 22, a. NO, spätera. SW..am 25:a.W., am 2B.a.N- 
Alt-Aussee. April 2 | -+2:79 |14°6 +41:8123-8 |— 3:81300-84|16°6 1504-98] 10:6 [294716 2-10 | 83:35| W. Am 17. + 1192. 
Markt Aussee . 3:61 120-6 | +16:0|23-8 |— 2-0|311:76|16°6 |315°99]| 10-3 305.00] — 44.59 W. 


Übersicht der Witterung in Österreich im Juni 1855. 
Entworfen von A. U. Burkhardt, Assistenten an der k. k. Central-Anstalt. 


ler 
> Maximum Minimum | Mittlerer| Maximum Minimum | Dunst- |Nieder- 
nz Luft- Herr- 
Beobachtungsort. er En druck | schlag |schender A 
Reaumur | Tag | Temp. | Tag Ban in Tag | Luftdr.| Tag | Luftdr. | Par. Lin.| Par. Lin, nmerkungen. 

Curzolat).. ....... |+18°89| 3-6 |+24°3| 24-3 | 1125| — et nl Ir nase 

Ragusa » . . 2. |+18-83| 18-6 | +22-0| 26:3 |+13-61338”50| 22-6 [387°85| 28-3 [as2tos| 2-96 a0-eo| SE lan Aal [8. Donner allein, 
Szegedin Be +18-31| 16:6 | +27:0| 26:3 |+ 7-6|334-41| 28-9 1336-54) 19-6 |331-89| — 50-10 N. Al et am A. u. 5, mit Donner, am 
Valona in Albanien . |+18-11| 18-6 | +26-4| 26-9 | +13-3 6:01 | 16-39) W. ; urm aus N. Am 19. heftiger Sturm. 
Debreezin . ... . . |+18:40| 16-6 | +-26:6| 26:9 | + 9-6)332-92| 10-3 |335-05| 25-3 [329-801 — | 30-34 N. [An13. 19, Gewitt 

Semlin ... ..» ... |+418:08| 16:6 | +a002| 28-3 | + 7.0 | = | —_ | | 22 | 7.001 SO. [Ame.ı9,20.80 Es ht 

Udine. © 2.2... |H1277| 8-6 |+423-0| 18-9 | 412-6 zer Se] Sale ee 

Fünfkirchen®) . . . \+17-74| 15-6 | +26-1| 25:9 | +10-3|331-42| 10-3 1333-79] 24:6 |a28-71| — | 22-54] % lAmti. 18. Gewitter 6. Blitze 18.24.06. st5 

Gran. 2.2.0. #172 08 |+27-0| 25-3 + 9,5) — — [82:80] &, Ama 20 a Gewitten s Suärmeı 
Venedig. - . . . . |+17-10| 8-5 | +23-8| 19:9 | +10-6|337:17| 29-3 |339-64| 20-3 |334-02| 5:9 | 38:04) SSO. |Am 1. 8. 10. 12, 20, 22, 29.23 Biitzeerant (Donner. 
Parma®) . ......|+17-07| 8 |+28-3/20- |+ 9-0|333-77|27- |336-47| 20- 1330-69) —» | 35:38] W. |Am2.8.0. 11,12, 18.000090 Da ano um 88. 12, mit 
Pressburg . . . . » |+16-63| 14:6 |4+24:3| 25-9 | + 9-0/331-75| 10-3 |335-24| 19-3 1328-201 — | 2-822| ©; lAma.21. Gewitter Tu kenne Blitze. “Die 
Lemberg . » . . . |+46:52| 16-6 | +26-6| 26:3 | + 7-2]326:60| 10-3 1328-78] 24-6 [323-09| 5-24 | 37-14] 3%: lAm1.2. 11.14, 20:22, Gewitter tigkeit ist 76 Proc, 
Czernowitz®) . . . |+16:50| 18-6 | 425-8 26-9 |+ 8-81327-42| 10-3 329-69| 24:6 [323-39| — | 62:55] NW. |Aml. 12.47. 18. Gewitter an 12. Hagel. am 20. Bl 
Timaus) „0. |+16-32| 14-6 |+24-8| 25:4 | + 9-41331-78| 10-4 |334-18| 24-6 1329-40, 6:40 | 16:58) N. [Am 20.21.25. Gewitter Amps. anne» 1m 20: Blitze, 
Olmätz . . . 0... |+16-29| 9-6|+25-6| 23 |+ 8-41329-48| 28-3 [332-22| 16-6 1325-401 — | — | sw. |Am4.14.19, Gewitter, en 

Triest 2.2.2... |+16:26| 9-6 |+24-6| 23-3 |+12-3)336:82| 28-3 |339-56| 20-3 1332-00) — | 64-50| SSO. |Ans.u. 24. Gewitter 

Mailand... .... |+16-45| 8 |+25-1119- |+ 8:01331-34| 28-0 |334-76| 16:6 |327-79| 5-03 | 56-73] SW. |Am2. Ab, Gewitter [25. u. 26. St NW 
Brünn 2.2... |#15-98| 9: |+24:0| 25: |+ 6:0/329-47| 28-3 |332-46| 16-6 |324-72| 4-97 | 20-301 N. |Ami.a. 10, 11.14. Gewitter am 8, 9, 1A. Al Blitz: \ 
Hermannstadt . . . | +15-85| 16-6 | 4273| 3 | + 7°21321:34| 10-3 [323-81| 33 |317-16| 4:57 | 47-25) NW. |Am12.18.20. Gewitter, a. 12. mitHagel, a.19. Stunma.S- 
Meran®) . 2... |+18-83| 13:6*| +24-0| 48-3 | +10-4[325-32| 27-3 |328-26| 16:6 1321°64| — | 48-92] mw. |*Am30.423°8. Am 8. Gewitter nt Hagel nd. S. 
Jaslo . ........... |415-69| 3-6 |+26-2| 26-3 | + 8-01328:72| 28-6 1331-01| 24-6 |325-50| 6:09 | 29-80! SO. |AmA. 10. 12. 14. 19, 24, Gewitter, am 20. Ab. Wetter] 
Rzeszow. 2 0... |+18-66| 16:6 | +24-9| 28-9 |+ 6-2)329-65| 11-6 [8333-80] 17:6 |323-82| 5-42 | 20-60|WNW. |Am4. 14. 19. Gewitter, am 4 mit Stumm u. my ol 
Wien?) . . ....... |+18:26| 14° |+26:9|25: |+ 7-5|330-01| 28-4 1333-43] 16:2 |325-31| 4-82 | 45-59| 90. Am. 4.21.22. 29. Gewitter, 9. 10. 18. Wetterleucht 
Kronstadt . . . . . |+18:24| 17:5 |+28-1| &, |+ 8-8[815-57| 10° [317.94] 20-25 [311-17| — | 75:43) "Amt. 18.20. 25. Gewitter, 6. 41. 20. Wette] nenn: 
Holsva. 000. (1828| 28 |+2802127.3 14 6:0) a) W. |Am 19, starkes Gewitter, [30. Hagel. 
GN)... . |+18:20| 16:6° 423-3] 26-3 + 8-0[328-35| 28-3 |331-51| 20-3 [325-68| 5-49 | 32-591 SW. |Auch am 9. 12, 13, über + 22°6. Am 3, u. 6. Gwittee 
Krakau. 0.2.00. |+15-48| 3 [426-4] 28- |+ 7-11329-63| 28-5 |332-51| 16-7 |325-62! 5-31 | 72-19) 80 |Amt.4.10.12.13.14.19.21.Gewitt, an16.heis Wink S 
Laibach. . ..... . |+18-13| 12:6 |-22-1| 20° |+ 8-3/326:25| 29-3 |328-73| 20-3 [322-57| 5-06 |132-72! NW. |Am2. Ab. sturkos Gew. mit Hagel. " [16. Stürme u SW. 
Zavalje . © 2... |+14:94| 16:6 |+24-6| 26-3 |+ 8-8!321-82| 27-3 1323-75 20- [318-142 — | — | mw. [Am4.5.6.18. 21. Gewitter, am 8. u. 9, Blitze am IK 
Korneuburg . . . . \+14-67| 16:6 \+23-1| 2 |+ 8-5 4148| N. |Aml. 4.9. 10. 14.19, 21. Gew., 20. Sturm a. W. s 
Prag. 02.00. . |+14:02| 3: |+24-3|25- |+ 7-01329-40] 28: 1332-08] 16- |324-86) 4-87 | 33-291WSW. |Am0.13. 14. 15. Gewitter, um 13. 15. mit Hagel, am t1. 
Oderberge .. ... |+44-54| 1-6 | +26-4| 28-3 |-+ 6-3 30:79| SW. | Am4.10. 14. 22. Gewitter, [Wetterl. 
Leutschau®) . . . . |+14'40| 3-6 | +23-8| 25:9 |+ 6-8/325.56) 11-9 |327-76| 24-6 1322-47) — 47:09) So. |Am410.11. 12. 13. 18. 19. 20. 22. Gewitter, am 10, u. 19 
Caaslau.. 2.2.2... |+#14:26| 9-6 | +28-6| 25-3 |4 7:0)327:34| 28-3 |330-90| 16-6 |322-93| 4-66 | 29-47| © |Amt.2. 13. 16. Gewitter. [Hagel,a. 25. Sturma. N. 
Klagenfurt. . . . . |+44-24| 1- |+26-9|26- |-+ 3-81320-40| 28- 1323:04|16- 1317-413, 5-16 | 39-87| SW. |Am7. Wetterleuchten im S., am 13. Ab. Sturm a. SW. 
Adelsberg . . . . . |+14:14| 12-6 | +24:4| 19-9 |+ 7-0 1316-66] 28-3 \318-99| 20-3 1313-29) — Be 

Kesmark . 2... |+14:09| 3-6 | +24-6| 25-9 |-+ 6-6 314-85| 11-3 1316-06 | 24-6 310-501 — | 29-92] N. |Am6. heft. Sturm, am 19, Ab. starkes Gewitter. 


1) Curzola. Am 19. erfolgte hier erst eine bedeutende Wärmeabnahme (Wettersturz) bei WNW. Wind, welche aber nicht so anhallend sich gestaltete wie in höheren Breiten, gleiches gilt 
von Ragusa, Szegedin, Valona. 

2) Fünfkirchen. Bei dem Gewittersturm a. SO. am 18. Ab. fiel in der Nähe starker Hagel. 

3) Parma. Am 12. Morg. Erdbeben, vom 1.—2. und 3., dann am 8. stürmisch, am 19. und 20. Hagel. Starke Wärmeabnahme (Wettersturz) vom 1.—2., dann vom 15. bis 22,; aın 
11. Magnetische Störung. Grosse Reinheit der Luft (Sichtbarkeit der Alpen) am 5. 20. 26., auch am %. waren die Planeten Mereur und Venus, letztere bei Tage mit unbewaflnetem 
Auge sichtbar. 

4) Czernowitz. In dem nahen Dorfe Horecza wurden am 6. die Wanderheuschrecken bemerkt. 

5) Tirnau. Wetterleuchten (Blitze) wurde beobachtet am 3. 4. 5. 6. 9. 10, 11. 12. 13. 14. 15. 20. 30. 

6) Meran. Vom 2. auf den 3. regnete es 27" 26, die ausgetretenen Wildbäche richteten grossen Schaden an, am 9. Ah. heftiges Gewitter. 

7) Wien. Am 10, von 2" 8° — 3% 07 20" 45 Niederschlag während eines Gewitters und wolkenbruchartigen Gussregens, im Bereiche des Observatoriums (Vorstadt Wieden) wurden mehrere 
Erdgeschosse der Häuser unter Wasser gesetzt. 

8) Cilli. Hier wie an den meisten Stationen waren die Temperatur-Maxima in der ersten Hälfte des Monats auf mehrere Tage vertheilt und oft nur um Zebntheile eines Grades 
verschieden. 

9) Leutschau. Das Gewitter am 19. um 3" 15/ Ab. war das heftigste; in der Nähe der Wohnung des Herrn Beobachters, Dr. Hlavacsek, schlug der Blitz 3mal, jedoch ohne zu zünden, ein, 
Der Sturm am 25. Morgens aus Nord war sehr stark. 


Die Beobachtungen in Jolsva hören wegen Ableben des Herrn Beobachters, Predigers Dr. Ferientsik, auf. 


Sitzb. d. mathem.-naturw. Cl. XVII. Bd. Il. Hit. 


der- Herr- 


ılag | schender Anm FR sen. 
> | Wind Inge 


. Lin. 


"41! NW. |Am 4. 10. 12. 13. 19. Gewitier, am 19. mit Hagel. 
-18| SW. |Am 2. Gewitter mit Hagel. 

-72| NW. |Am 1.10. 16. Gewitter, v. 19.—20. grosser Sturm a. NNO. 
"2535| W. |Am1.Morg.,9.10.12.13.14. Gew., a.7.9.11.15. Ab. Wetterl. 
-60/| %.  |Am 12.13. 15. Gewitter, am 8. Blitze, am 3. stürmisch. 
051 NW. |Am 9. 12. 14. Gewitter. 

-13| NW. |Am 1.3.9. 12. 14. Gew., 13. Ab. Blitze, 20. 24. stürm. 
1-68) W. |Am 1.9.14. 15. Gewitter, am 1. mit Hagel, am 13. Blitze, 
-44| S. |Am 3.u. 11. Gewitter. [am 3. Sturm a. SW. 
44! NW. |Am 8. 9. 13. Gew., 1. 24. Wetterl., 18. 19. 20. 25. Sturm) 
— | WSW. | Am 1. 8. 9. Gew., am 15. stürm.aus S. [im Hochgebirge. 
65! NW. |Am 1.9. 10. 14. 16. Gewitter. 
)-60| NW. 

04| W. |Am 13. 15. Stürme. 

361 NO. |Am 12. Ab. Wetterleuchten, am 13. u. 17. Morg. Gewitter. 
SO cn 

'.70| ©. |Am 16. starkes Gewitter mit Hagel u. Sturm a. SW. 
04 NO. | Am1.2.10.12 13.14. Gew.,a. 9. Weiterl., a. 19. Sturm a. NO. 
-87| °%%.  |Am 4.9. 10. 11. 12. Gew., 14. Wetterleuchten. 


56! 0. 
-50| SO. 


S. |Am 8.9. 12. 13. 25. Gewitter, am 8. mit Hagel. 
8381| NO. |Am1.u.8. Gew., am 25. Schneegestöb., am 26. Sturm a. N. 


2 —  |Am 3. Morg. Gewitter. 
An Am $. Gewitter m. Sturm a. NW., am 16. Sturm a. NO. 


-93| — |Am 17. Ab. Gewitter mit Hagel, am 23. Schnee. 

‚30 IN. 

Er os N [am 9. 15. Gew., am 3. Hagel. 
611 — |*Am 25. Morg. — 2°5, am 3. 13. 14. 15. 16. Stürme, 
Honaten. 


-s£| NW. |*Am 31.—17°1, am 1. Orkan, am 25. stürmisch a. NW. 

-37| 0. |*Am 17.—20°1, am 15. stürm. a. NW. 

00 | ONO. |*Am 23.+3°7, a. 11. v.5’—7"M. Gew. m. Regen u. Schnee 
bei Sturm a. NO., am 23. Ab. w. Schnee. 


97. bedeutende Wärmeabnahme mit Schneefall in den Hoch- und Vorbergen 


8. und 10. geschah dies wiederholt im grösseren Masstabe, so dass (am 10.) 


nahezu die Gesammtmenge (139"93) des ganzen Monats. Zu Ende dieses 
er ersten Hälfte des Juni zu geschehen pflegt. Der Gletscher (Oetschthaler 


welehe auf die Besehirmung der Thermometer zur Zeit der Beobachtung 


AL, 


Sr], WEL uw SOSETUDSADPOIN SOp Ua 9SS018 ap WUupTazag Ualyez uapuayajs Ss] 


y99I IDUEy me arı 


— 


Biol +13-53| 3-6 |+22- 
Bregenz. . . . . . |»r13-50| 13-6 | +23- 


16-4 \318-:66| — /107-44| S. |Am3.u. 11. Gewitter. [am 3. Sturm a. SW. 
Lienz. ...... |+#13-19] 8-6 |-+21- =» 1309-20| 4:44 | 56-14) NW. |Am 8. 9. 13. Gew., 1.24. Wetterl., 18.19. 20. 25. Sturm 


re Maximum Minimum erg Maximum Minimum Dunst- |Nieder-| perr- 
Beobachtungsort. Borat druck. SE ER | Kara Anmerkungen, 
Reannur Tag Temp. Tag | Temp. [Par. Lin.| Tag | Luftdr.| Tag | Luftdr. | Par, Lin. | Par. Lin, Y 
Schemnitz = 2. I 414204] 3-6 | zer°glag-8 314”83| 10-3 |317"22| 24-6 1312”04| — | 57”41| NW. |Am 4. 10. 12. 13. 19. Gewitter, am 19. mit Hagel. 
St. Paul... .. ... |+13:99| 8-6 | +22-4|26-3 321-14| 28° 1323.91) 16° 1318-01) 4°84 | 56-18) SW. Am 2. Gewitter mit Hagel. 
Trautenau. » 2... + 13:89 3:5 |+23:4125 4 _ — — ee — 39:72 NW. Am 1.10. 16. Gewitter, v. 19.—20. grosser Sturm a. NNO. 
Kremsmünster 1) . . [+13:59| 14-6 | +23-3|18-2 -3 16-5 |318-87| 4-40 52:25 W. |Am1. Morg.,9.10.12.13.14. Gew.. a.7.9.11.15. Ab. Wetterl. 
Bilsens 4.20. 2. (6 13:59 12-6 | -+22-8|28-3 3: 16-3 321 301 — 51:60 Yo. Am 12.13. 15. Gewitter, am 8. Blitze, am 3. stürmisch. 
Bodenbach. . . . . |-++13°57| 13:6 | +23-8|23-3 3 16-6 |1327:79| — 26-05) NW. |Am 9. 12. 14. Gewitter, 
Schössl®) ... . . . |+13:57) 13-6 | +22-6|125-3 -9 16* > 321 ‚10 Fe 23-13) NW. |Am 1. 3.9.12. 14. Gew., 13. Ab. Blitze, 20. 24. stürm. 
25°3 ir : 16-5 1320-05) 5-26 | 2968| W. |Am 1.9.14. 15. Gewitter, am 1. mit Hagel, am 13. Blitze, 
ale 
318 


Wilten®) ..... [+13:04| 7.6 | +23- 16-3 |310-63 — | WSW. |Am 1. 8. 9. Gew., am 15. stürm.aus S [im Hochgebirge. 


Deutschbrod . . . . |+12:92| 13:6 | +21 34-65| NW. |Am 1.9. 10. 14. 16. Gewitter. 


PrReoon 
iv 
S 
= 


+ 6° 

+ 8-3 

eh 

+ 6-1|32 

+ 7'2|8 

+ 6-3|3 

+ 63132 

+ 7.4 |& 

+ 5013 

Fr 6:0: 

+ 60 

+ 
Althofen . » » . . | +12-91| 8-6 | +21-4126 Ir 6-81 312-81| 16- |307:31| 4:06 | 39:60) NW 
Innsbruck © ©... |+12:80| 8:6 |+24-9| ma | 3-41: 319-35| 16-3 |312-45| — | 30:04| W. |Am 43. 15. Stürme. 
St. Magdalena . . . |+12:69| 2-6 | +19-7119-3 |+ 721: 308.16) 20-3 1302.67| 4:27 | 58°36| NO. |Am 12. Ab. Wetterleuchten, am 13. u. 17. More. Gewitter 
Saifnitz.. . . . . . |+12:59| 8: |+20-7|25- TE — == - — — 72-.04| — \ = N 
Tröpelach. ©... . | +12:39| 7:6 |+21-1/26- |+ 7-21314-94| 28: [317-348] 16: [311-25| 4-56 | 97:70| 0. |Am 16. starkes Gewitter mit Hagel u. Sturm a. SW. 
Senftenberg) . . . |+12°44| 3: |+21:3)18: + 4:0,321:22| 28:5 132435 | 16-7 |316°35| 4:72 | 31-04) NO. | Am1.2.10.12 13.14. Gew.,a.9. Wetterl., a. 19. Sturm a.NO. 
Reichenau, . . » „| +12-20| 14-6 | +20-0|25-3 | + 6-0|314°76| 28:3 1318-17| 16-6 1309-76) — | 21-87) %,. |Am 4.9. 10. 11. 12. Gew., 14. Wetterleuchten. 
St. Jakob (bei Gurk). |+12:01|) 8: |+19-0/19 +61 — —_ _ = — — &- > 2 
Obervellach . |) +11:93| 9-6 | +20-4126- + 7:3[312°65| 28: |315°29) 16: |309:64| 4-14 | 61:56) O0. 
Steinbüchel . . . . |+411:89| 9-8 | +19-0/20° |+ 6-0 — — Am er 
St. Jakob... . . | +11:84| 8-9 |+17-0/24- |+ 7:7302:35| 28- |304-68| 16: |299-41| 4-20 | 75-50| SO. 
Weissbriach . . . . |+10:74| 8° |+21°:5120- |+ 7:0) — — — —_ _ — 2_ 4 
Gastein®) ... .. |+10°44| sa |+21-0/19-6 |+ 2:7|298°46| 27:3 )301°56| 16- |294:86| — 55:60 S. |Am8.9. 12. 13.25. Gewitter, am 8. mit Hagel. 
Sipboteri ner... +10:29| 7:9 | +17:4|22- |+ 4:01292-00|28- |294:18| 20- |289:29| 3-44 | 78-811 NO. |Am1.u.8. Gew., am 25. Schneegestöb. am 26. Sturm a. N. 
Malnitz ©... . .. |+10°:05| 9- | +18-0|20 ol) - — — E $: s 
Obrl 2 2... 0.014 9:86 11- |+23-0|20- 2 elle — = zw 
Heiligenblut . . ... |+ 9765| 8 |+18-7125-  |+ 4-11290-61128- |291-85| 20. 288-101 — | — | — [Am 3. More. Gewitter. 
Alkus) . .... |+ 9:64) 8-6 |+19-0| 35 |+ 3:0) — =S = == — = — — [Am 8. Gewitter m. Sturm a. NW., am 16. Sturm a. NO 
Plan?) „2. ...|-+ 8:00) 8 |+18-4119:3 |+ 4:1/278-00| 25:9 |280-46| 16:9 |275-80| — |139-93| — |Am 17. Ab. Gewitter mit Hagel, am 23. Schnee, 
Luschariberg . + 7751 8: |-++415-2)19-  |+ 1:6 N 
Stilfserjoch - . . . |+ 5:72) 35 |-++13°0/18-3 0:0| — —_ = — — — 72:30 N : 
Obril ».. 2. (+ 5.34] 12 -+16°0,26° — 1:5 = — F— = = — _ [am 9. 15. Gew., am 3. Hagel. 
S. Maria®) . . |+ 3:37) 8-6 |-+ 9-3117-9°/— 2:9|249-98| 9-3 25212) 17-3 246-411) — [202-61)| — |*Am 25. Morg. — 2°5, am 3. 13. 14. 15. 16. Stürme, 


Magnetische Störungen, 
Am 6., 30. 
Nachträge und Verbesserungen zu den früheren Monaten. 
16° °—17°2]321:16| 7-5 |327°29| 2-3 |312-06] 1-44 | 42-84 | NW. |*Am 31.—17°1, am 1. Orkan, am 25. stürmisch a. NW. 
3:3°/—20.3[318-08| 2-9 |323°48| 14-7 1309-19] 1-14 | 28-37 0. |"Am 17.—20°1, am 15. stürm. a. NW. 
11:3°| + 3°6|335°09| 17:3 1339-40] 11:3 1328-58] — 16-00 | ONO. |°Am23.+3°7, a. 11. v.5°—7"M. Gew. m. Regen u. Schnee 
bei Sturm a. NO.,am 23. Ab. w. Schnee. 


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5:76) 44. |-+ 5- 

0:00| 18-6 | +17: 
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Senftenberg, Januar. |— 
Februar | — 
Triest, April ... [+1 


17 
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1) Kremsmünster, Bei dem Gewitter am 1. Morg, wurde ein schöner Mondregenbogen beobachtet, Vom 15.—27, bedeutende Wärmeabnahme mit Schneefall in den Hoch- und Vorbergen 
vom 19.—20., und Graupenhagel am 25. 

2) Schössl. Bei dem Gewitter am 1. Ab. zwischen 2" — 3" fiel in der Nähe verderblicher Hagel. 

3) Wilten. Häufige Regengüsse, besonders am 16. u. 17., daher Ueberschwemmungen. 

4) Senftenberg, Bei dem Gewitter am 14. wurden in der Nähe Bäume und Menschen vom Blitze getroffen. 

5) Gastein. Durch die vielen Regengüsse Ende Mai häufige Ueberschwemmungen der Wildbäche (siehe Mai). Am 8. und 10. geschah dies wiederholt im grösseren Masstabe, so dass (am 10.) 
Brücken und Häuser zerstört wurden, 

6) Alkus. Auch hier häufige Regengüsse, besonders am 2, 3. 10. 12. 15. 16. 19. 20. 21. 23. 

7) Plan. Vom 15. Ab. bis 16. Ab, vegnete es 42°62. Vom 2,— 18. 7" früh betrug der Niederschlag 130”82, nahezu die Gesammtmenge (139"93) des ganzen Monats. Zu Ende dieses 
Monats (Juni) konnten die höheren Alpen noch nicht bezogen werden, welches in andern Jahren schon in der ersten Hälfte des Juni zu geschehen pilegt, Der Gletscher (Oetschthaler 

Ferner) hatte über Winter an Umfang und Höhe bedeutend zugenommen, 


8) S. Maria, Oft Schnee, besonders vom 17.— 20. 
Anmerkung: Die hohen Extreme der Temperatur scheinen bei manchen Stationen unter dem Einflusse der Sonne, welche auf die Besehirmung der Thermometer zur Zeit der Beobachtung 


schien, entstanden zu sein. 


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Gang der Wärme und des Luftdruckes im Juni 1855. 


Die punetirten Linien stellen die Wärme, die ausgezogenen den Luftdruck dar. 
Die beigeschriebenen Zahlen sind Monatmittel, denen die stärkeren Horizontallinien entsprechen. 
Ein Netztheil entsprieht bei der Wärme einem Grad Reaumur, beim Luftdrucke’einer Pariser Linie. 


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Sitzungsb. d. k. Akad. d. W. malh. naturw. OXVI.Bd. %. Heft. 1855. 


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Gang der Feuchtigkeit und des: Ozongehaltes der Luft im Juni 1855. 


Die punktirten Linien stellen die Feuchtigkeit, die ausgezogenen den Ozongehalt dar. 
Die am Rande befindlichen Zahlen sind die Monatmittel der Feuchtigkeit, jene zwischen 
den Curven die Monatmittel des Ozongehaltes. N 
Den Monatmitteln entsprechen die stärkeren Horizontallinien. 
Ein Netztheil beträgt für die Feuchtigkeit 5Procente, für den Ozongehalt einen Theil der Far, 
benscala, welche- vom völligen Weis bis zum tiefsten Blau zehn Abtheilungen enthält. 


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Die am Rande rechts stehenden Zahlen bezeichnen die grösste Menge des Niederschlages an einem Tage. 


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Entw: vA.U. Burkhardt. 


Aus d k.k. Hof-tr. Staatsdruckerei 


Sitzungsb. d. k. Akad. d. W. math. naturw. CLXVILBA 2. Heft. 1855. 


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Beobachtungsort. Ma ie 
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C am 31. Erdstösse. 

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Valna ..:» - +8,16. 17. u. 27. Gewitter. [Proe. 

Mriesb ia 0... Tisch. *Die m. Feuchtigkeit ist 71 
| Parma !) - | Fir, am 3. 45.16. 17. 21. 29. Blitze. 

Venedig?) iu [Sturm a. N. 

Udneni..- - + 7 \m 17. 21. sehr stark, am 18. Morg. 

Senlin ... - - +7, am 17. Sturm, später Hagel. 

Mailand?) . - +» - +47. 20. 24. Gewitter. 

Era ce Se +76. 11. 18. 20. Stürme, 9. u. 17. 

Fünfkirchen®) - - | *ih Gewitter. [Blitze. 

Debreezin . » » » | #NO.,am 12. Ab.a.N. 

Szegedin +1 47. Morg. v. 2'—3" 30’ starkes 

Tirnau®) . tt: am 7. 17. 20. [Gewitter. 

Olmütz . - - 7.u.25. Hagel, am 8. Mittags Sturm. 

Czernowitz +). ) Gew.,am12.stürm.a.S., am 26. 

Zavalje » -» +» Ze, am 11.9°30’Ab. Lichtm.i.SSO. 

Dale...» +, Am 11.12. Blitze, am 26.Höhenr. 

Lemberg . » -» - | + [17. 24. 26. Blitze. 

Wen. Heike‘. "Gewitter, am 26. mit Hagel, am 7. 

Hermannstadi . - ),2.2.3.4.7.17.18.20.26.6.,2.4.17. 

Laibach . . + - 4.47.m.Hgl., a.17.$t.a.NW. [m.$t. 

Klagenfurt®). - - 7. 17. Gewitter, am 16. Blitze. 

Brünnssl 1.0... & +ewitter, am 4. mit Hagel. 

Adelsberg . - - - m 12. u. 31. 


= EEE 


Korneuburg - - - 11. Mittags Sturm, am 16. Nachts 
+ Kaltenleutgeben ı am 26. stürmisch. 


bei Wien ) Gewitter, am 8. mit Sturm. 
Rzeszow ”). 


- Am 6.10.11.12.15.16.17.20.28. @. 
Lienz. . -» -» » » | 1.20.26.m.8t.,a.12.81,a.17.23.27.B. 
Krakau -. . - -» « | $,17.25. stürm., am 25. 30. Blitze. 
Bun... ® 4.26.27.28. Gew.,am 7. 9.22. 25. 
Kronstadt . . . - | W. [26. 27. Wetterl. 
Bi a Gewitter. 
Baslo. » |). - - 6.27. Gew., am 12. m. St.,am 20.m. 
Neusohl . . . . - r,am 4.18. stürmisch. [Hagel. 
Bilsen;,.. . 0%. [Blitze. 


Czaslau . . . . » 7.21.%3.28. Gew., am 4.5.6.7.Ab. 
Kremsmünster sy. | 


ht. Am 25. schwache Erdstösse von 
1) Parma. Am 1 
N.—S., am 28 lief einen Raum von 30 Klaftern. 
2) Venedig. Am), um 22% 12’ 40’ (10" Vormittags) 
3) Mailand. Am %. durch 11/,". Alle in der Richtung 
ein etwas schw 


von 0.—W,, d 
4) Fünfkirchen. 
5) Tirnau. Am3 
6) Klagenfurt. 
7) Rzeszow. Amlorüberzog, wurden in einer Länge 
8) Kremsmünstdnit wolkenbruchartigem Regen und 
von 4 Stunden|. Wolken berührten fast den Boden, 


starkem Hagelfe, Hagel war am zweiten Tage nach 
zweimal entlu 


dem Gewitter 


Liesingbache, von starkbewaldeten 
+ In Kaltenleutgeben be 


bis 2000’ hohen 


Sitzb. d. mathem.-nat 


mum Minin 


Luftdr,| Tag |1 


324°72| 10-7 
31897141029 
327-70| 11°9 
324-01| 17-6 
334'86| 11°3 
327:82| 11-3 
317-10| 11-3 


SITZT 


31627 
31742 
32850 
08:34 
31713 


[ERST ERGESERGETER GENE, 
(Sb) SO SD 


31552 


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Als 


304:92 
31312 


16:89 


Pr - fe 
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801:38| 11:3 |2€ 
294.52) 11-3 128 


Magnetische Stöı 
Am 19., 20 


erbesserungen zı 


325°25| 12-6 
32633] 11°9 
322-935] 9-9 
326:23| 24-7 
328°05| 159 


m DC CH 


ı 11° 15’ M. von S.- 
mit Hagel. Am 13. 


‚ch, Senftenberg, ( 


‚eigte es sich, dass | 
'n Übersichten die 
» Übersicht für Juli 


Übersicht der Witterung in Österreich im Juli 1855. 


Entworfen von A. U. Burkhardt, Assistenten an der k. k. Central-Anstalt. 


Mittlere M "- i } Er 
Maximum Minimum Mittlerer| Maximum Minimum | Dunst- |Nieder- 
Tem- Luft- Herr- 
Beobachtungsort. orEAIS ürdck BEE druck | schlag |sohender Anmerkungen. 
Reaumur | Tag | Temp. | Tag | Temp. |Par. Lin.) Tag | Luftdr. ee 
re N 246 m‘ = +18°0 Am 6. Blitze aus ONO., am 31. Erdstösse. 
SE "92 | 2:5 |+23°7| 4-3 | +16-8 |335° 2:3 |338"7 °20 Tage wa yolkenlos. 
Aloe 042000 +20.56 | 11:6 |+30:0| 4:9 | +15-9 2 — —_ 5 Nur ERS u. 25, bewölkt, 
ERST 6 +20°41 | 17:6 | +24:6 20:9 +16-4 133632] 2°6 |339-43 : |Am 7.9. Gewitter, am 15. 16. 17. u. 27. Gewitter. [Proe. 
Par 2. )) +19-82 | 15 +26°5| 50: +16-0 |333-35| 2° [33635 -| Am 3. 8. 19. 26. 29. stürmisch. °Die m, Feuchtigkeit ist 71 
Venedig*). - en 2 2 I Ye ER 336:73| 2°3 1339-78 Am 3. A. 6.8.9. Gewitter, am 3. 15. 16. 17. 21. 29. Blitze. 
Doro lomazan = ">| 15°3 | +15: — = _ Am 1. 6. 20. Gewitter. [Sturm a. N. 
San St el 16 +30:5| 1:3 | +11-9[336-43| 2-3 1338-15 Am 7. 22. 28. Gewitter, am 17. 21. sehr stark, am 18. Morg. 
Haan No ao on Den a Im + u 331:18| 2-4 1334-42 Am 3. 6. 12. 17. 26. &ew., am 17. Sturm, später Hagel. 
ae - . +10: Per ni er D 94° 20. 24, j \ 
Fünfkirchen®) . . | +18:33 | 11-6 | +27-2| 18-3 | 412-1 [331-06| 2-6 [333-735 Am a 018. 20.28 dew, B, Ah, 18, 80, Stürme, OA 
Debreezin . . . . | +18-23 | 11-6. |+25-0| 1-3 | 412-4 [332-04| 15-3 [332.98 Am 7. 12. %6., am 10. früh Gewitter. — '[Blitze. 
Szegedin . . . . | +18-14| 11-6 |+27-0| 18-3 | 412-0 |383-77| 12-9 1336-05 Am 5. Mittags Sturm a. NO, am 12. Ab. a. N. | 
a) Tr eh A Ba Er + ne sn 2:4 334-32 °Um 6° früh +8°0. Am 17. Morg. v. 2"—3" 30’ starkes 
Er wall = a + an 2acıl 2:3 al 69 Gewitter sind angemerkt: am 7. 17. 20. „[Gewitter. 
en ee IE J 326.57) 14:9 32900 Am 13.22. 24. Gew., am 9.u.25. Hagel, am 8. Mittags Sturm. 
ee He Me 
Arosa oe „a b Bau - "5 . "24 . 25: 5 e m5.9.30.Gew. itze, am 11.9"30’Ab. Lichtm. i.SSO. 
Bmeie a: Fi 0 Kt a a an 2 Dr a gen: a 44-72 | N. |Amb. 11.17.25. 26.Gew. Am ADS, Ama BOnRE, 
HER T. 2 9- . : 3 1325- . = = 7. 24. 26. | 
Hermannstadt . . | +15°64 | 11:6 | +26-0| 1:3 | + 9-0 |321-08| 15-3 |323-30| 11:9 |318-89| 5-00 | 38-56 | NW. |Am 9.17. 22. 26. 27. 28. Gewitter, am 26. mit Hagel, Se 
Laibach . . . » » | +15:63 | 16:6 | +24°0| 19-3 | +10-2 1326-36] 2-3 1329-16| 14-3 |323-51| 5-19 | 66-92 | NO. AALYA.Lm.(vel.Zavalje),a.2.3.4.7.17.18.20.26.6.,0.4.17. 
Klagenfurt®). . . | +15°52 | 15° |+28:0| 25° + 5:3 |320:07| 2:3 1323-16] 17-6 |316-74| 5:36 | 59-51 | SW. |Am2.5.7:9.12.17.18. G,, 0.4.17. m.Hgl., a.17.St.a.NW. [m.St. 
Brünn. . 2... | +45:50| 3% |-+26°0| 21: + 6:3 1328-76) 1-9 \331-61| 411-3 \324:66| 4-90 | 20-45 | NW. |Am 11. stürmisch, am 6. 7. 17. Gewitter, am 16. Blitze. 
Adelsberg Er: I ni a 1:3 ei 316:39| 2-3 |319-32) 17-9 |313-45| — == — | Am 6. 7. 8. 12. 17.21. Gewitter, am 4. mit Hagel. 
orneuburg . . . ; :6+22:5| 135 | +10: _ _ — — _ — [20:66 | W. |Gewitter sind bemerkt am 12. u. 31. 
a a sehen \ 1415-24 | 15-6 | 25:0 Fe 140-0 | — ei W Am 7. Morg. Has am 11. Mittags Sturm, am 16. Nachts 
ei Wien ö ni Gewitter, am 26. stürmisch. 
Rzeszow”). . . . | +15:21 24-6 |+25-1| 2:3 | 410-0 |328-68| 183 1331-88] 11:6 |325-32| 5-71 | 46-31 w  |Am 7. 8. 11. 24. (Morg.) Gewitter, am 8, mit Sturm. 
Lienz... 2.0.0) +15:16 | 15:6 | 4225| 33 | + 9:0*|311-99| 2-3 1315-08| 11:3 1308-64] 4-96 | 41-30 | NW. |*Am 27. 4" Morg. +7°0. Am 6.10.11.12.15.16.17. 20.28. @. 
un Erd En er ar A on 328-81| 14-5 1331-99] 11:7 |324:52| 5-38 | 27:59 W. ee a 
ya 5. 606 ® 0 71 27: o —_ _ _ _ — |. — [28-21 | W. |Am 6.10.21. Gew., am 15.17.25. stürm,, am 25. 30. Blitze. 
Kronstadt +15-09 | 24-5 | +23:5| 1:3 | + 9-8 1315-16| 14-9 1317-15| 31:3 |313-06| — 54:87 —  |Am5.6.9.12. 17.18.22. 24.26.27.28. Gew. am?.d 22.25. 
Braga. +15:08 | 15 +23-2| 18- -+40:0 |328-60| 2: 1331:97| 14: |322-39| 5-13 | 18-40 | SW. |Am 11. 15. Gewitter a. W. [26. 27. Wetterl. 
Jaslo +15-01 | 26:6) +24°8| 53 | + 9-8 1328-01) 14-9 |330-88| 11-6 |324-33| 5-75 | 65:58 | SW. |Am. 8. 11. 16. 24. 26. Gewitter. 
Neusohl. . . . . +14:79 | 25:6 | +21:7) 23-3 | +10-4 |323-48| 14-5 |32590| 11-3 1320.77) — 52:84 | NW. |Am6.7.9.11.12. 17.20. 26.27. Gew., am12.m. St.,am20.m. 
Pilsen. . 2»... +14:74 | 15:6 | +23°1| 9-3 | + 9-1 |325.69| 2-3 |328-07| 10-9 1321-80) — 34:60 W. |Am3. 15.16. 17. Gewitter, am 4. 18. stürmisch. [Hagel. 
Ozaslau .... » +14:63 | 25:6 | +22:7| 18:3 | + 9-5 1326-83] 2-3 |330-80) 11-3 |322-42| 4-91 | 38-38 | NW. |Am 11. 20. Gewitter. [Blitze. 
Kremsmünster8) . | +14:61 | 10:6 | +22:5| 27:2 | + 8:2 1322-69] 2-9 |325-97| 10-9 |318-54| 4-62 | 97-45 W. |Am3.6.7.10. 12.15.16. 17.21.23.28. Gew., am 4.5.6.7.Ab. 


1) Parma. Am 11. Lichtmeteor so hell wie Venus. Am 28. Nebenmond. Blitze am 3. %., 5. auf 6., 6 auf 7., 8. 9. 10, 11., vom 15, bis 22, jede Nacht. Am 25. schwache Erdstösse von 
N.—S,, am 28. ein sehr schwacher. , 

2) Venedig. Am 6. um 5"Ab. beobachtete man eine Erdtrombe (Windhose) gegen N., sie lief mit Schnelligkeit gegen Osten, dauerte 10 Minuten und durchlief einen Raum von 30 Klaftern, 

3) Mailand. Am 25. Juli um 0" 56’ 20” W. Z., 1" Mittags wurde durch 5’ ein Erdstoss wahrgenommen in der Richtung von 0. nach W. Auch am 26. war um 22" 12’ 40" (10" Vormittags) 
ein etwas schwächerer Erdstoss verspürt, ebenso um 2" 25’ 40” (Ab.) durch 3” etwas stärker, und am 27. um 23" 0’ 31’”’ (11 Uhr M.) ein wellenförmiger durch 11/,''. Alle in der Richtung 
von 0.—W., der letztere von N.—O. 

4) Fünfkirchen. Bei dem Gewitter am 26. Ab. fiel in der Nähe Hagel, gegen 11" Ab, Sturm. 

5) Tirnau. Am3. 8.9.12. 24. 25. Wetterleuchten. Vom 17. auf 18. heftiger Sturm a. SW. mit Regen und häufigem Blitzen. 

6) Klagenfurt. Der bei dem Gewitter am 17. Morg, 3" gefallene Hagel lag noch um 8", 

7)Rzeszow. Am 12. und 22. Nachm, 3° wurden hier an den Telegrafen-Apparaten heftige elektrische Entladungen bemerkt. 

8) Kremsmünster. Am 12. Juli waren die Hochgebirge bis auf die Schluchten schneefrei. Bei dem Gewitter am 10. um 5: 30’, welches im SW. u. S. vorüberzog, wurden in einer Länge 
von 4 Stunden viermal Gebäude vom Blitz getroffen und eingeäschert. Am 16. um 7" 15’ Ab. brach aus SW. und W. eines der heftigsten Gewitter los, mit wolkenbruchartigem Regen und 
starkem Hagel, welcher sich 3 Meilen in die Länge und 2% Meile in die Breite erstreckte, die Dunkelheit während dem Gewitter hinderte das Lesen, die Wolken berührten fast den Boden, 
zweimal entlud sich der Blitz in der Nähe des Observatoriums, es fielen 48:00” (P. M.); der nahe Bach stieg in einer halben Stunde um 6 Fuss; der Hagel war am zweiten Tage nach 
dem Gewitter noch nicht vollends geschmolzen. 


+ InKaltenleutgeben beobachtet Herr Michael Götz. Dasselbe liegt 21/, Meilen südwestlich von Wien in einem von W. nach O. ausmündendem Thale am dürren Liesingbache, von starkbewaldeten 
bis 2000’ hohen Kalk-Bergen gegen S. umgeben. Wein wird hier nicht mehr gebaut. 


Sitzb. d. mathem,-naturw. Cl. XVII. Bd. II. Hft. 


ıum Dunst- |Nieder- 


Herr- 


druck | schlag | schender Anmerkungen. 


suftdr. | Par. Lin. | Par. Lin. RR 

1720) — 1115”97|) S. |Am 2. 6. 16. 17. Gewitter, am 11. 17. Stürme. 

1123| — 23:79| NW. |Am 9. 15. 17. Gewitter, am 17. heftiger Sturm. 

2190| — 55-02! NW. |Am3.4.6.8.12.20.25.26.. Gewitt. am 8. heftig m. Hagel. 
17-41) #°85 | 43-43] SO. |Am 18. mehrere Gewitter mit Sturm, am 12. 26. mit Hagel. 
27:16 48-59) NW. |Am 3. 15. 27. 28. Gewitter. [am 17. stürmisch. 
20:74) 4:69 | 57:57| SW. |Am2.3.10.11.15.16.17.23.27. 28.29. 30. Gew., a. 25. Blitze, 
11:62] 4:94 | 69-40| SO. |Viele Gewitter, am 7. waren 5, am 11.7. 


6 
9 
-- -- 68:90| SW. 
er — 21:90) W. |*Vom 4.—11. mangeln die Beobachtungen. 
9-97 — 3591| N. |Am 11. Morg. Gewitter. 
10.57) — 44-96) SW. |Am 9. 12. 15. 17. (Nachts) Gewitter. 
20-60] 5°34 | 48-83] W. |!Am 15. 16. 20. Gewitter, am 18. stürmisch. 
)2:85) 4:74 | 67:68) NO. |Am2.3.6.7.9.11.12,18. 20.26. Gew., am 5. u. 17. m. Hagel. 
11:68] — 36-001 W. 1|A.8.9.17.20.25. 26.6. ‚am®.Bl.,a.17. fr.sehr heft.,a.15.16.17. 
— [104-94| W. |*Am 9.6" Fr. +5°4. Am 4.20.26. Gew., am 4.17. st. [st.Wtl. 
62 | 61:64| ©. |Viele Gewitter, am 11. u. 16. mit Sturm. 
Ü 
3 
) 


)863| 4: 


-70 | 38-95] SW. |Viele Gewitter, am 7. mit Hagel. 

-38 | 53-70) NW. |Am 6. u. 30. Gewitter mit Hagel, am 17. Sturm. 
4087| WNW. | Am 3. &. 16. 20. 27. Gewitter, am 17. Ab. Sturm a. W. 
17:86) W. |Am 7”. 16. 25. 27. 30. 31. Gewitter, am 3. Wetterl. 


wi S. |Am 9. 11. 15. 20. 26. 28. Gewitter, am 15. mit Hagel, am 
er — [9. Alpenglühen. 
:91 | 8134| SO. |Viele Gewitter mit heftigem Platzregen. 
un == jam 18. Alpenglühen. 
Am 10.11. 15. stürm., am 2. 6.15.16. 17. 20. 26. 28. Gew., 


Eu en I, N. 

6.14 — E— SW. [Viele Gewitter, am 17. früh mit Hagel. 
515) — | 4197| — |Am 1b. heftiges Gewitter. 

7-27) — 1235-01) W. |Am 15. +9°8, am 23. +10°1. 
rungen. 


), 


ı den früheren Monaten. 


12°46| 1:98 | 17-49] "VW [Am 4. Sturm a. SO., am 23. a. SW., am 25. 26. a. S. 
12-49| 2-23 | 45-83| ©. |Am8S.u.18.@w.,a.1.u.2.$t.a.S.,a.10.a.NW.,a. 24.Schnee. 
17-23) 3-81 | 29:37| „&. |Am 18.28.29. 31.Gew., am 29. 31. m. Hagel, am5. Weiter!. 
20:19). — 26:74) NW. |Am 4. 5. 10. 11. 21. Gewitter, am 25. Sturm. 

20, Aa BZ Inn BE Anand 16. 22. Gew.,am 412. m. Hagel, am 29. kurzer $t. 
— —_ 18-27) 3%: |*Am 2.6.+23°2. Am 1. 9.10. Gew., am 1. starker Sturm. 


—N. (s. Mailand) wahrgenommen. 
Nachts Schnee, vom 25. auf 26. ebenfalls, weicher bis 26. Mittags liegen blieb. 


)bir I, Alkus, Plan, Stilfserjoch und S. Maria bei den Temperatur-Minimis die Zeichen — 
in Plan seit Juli 1854 und in $. Maria seit August 1854 die Temperatur an einem hundert- 


auf Reaumur-Grade redueirten Stände angegeben. — In Stilfserjoch ist die Temperatur 
ist dies bereits geschehen. 


Schössl 


324.49” 


Tirnau 
331.33” 


Klagenfurt 
320.07" 


St.Magdalena 


205.76” 


Bregenz 
32190” 


Valona 


Eaz 
BZUE 
HER 
IE 
BRISIE 
EEE 
GER 


FRE 


ETF 


357 


ee 


| 


ya 


Mittlere Maximum Minimum Mittlerer) Maximum Minimum | Dunst- |Nieder-| yerr- 
Yon 4, | Tom- a druck | schlag | schender Anmerkungen. 
Beobnchtungsort, | peratur |7., Temp. | mas | Temp. Isar tz] Tas [tutar.| wog [horn |oar.ti.|pwr.nie |" 

ü 1 «5 |+24°7| 26- 922 2-3 |324°72| 10-7 |317”20| — 1|115”97| S. |Am 2. 6. 16. 17. Gewitter, am 11. 17. Stürme. 
De ea 10:6 Bo ai 185 2-3 \318-97| 10-9 [311-283] — | 23:79| NW. |Am 9. 15. 17. Gewitter, am 17. heftiger Sturm. 
Leutschau - . - - | +14:13 | 25-6 |+21'8| 18°3 | + 9-3 15-3 |327°70| 11:9 |321-90 — 55-02| NW. |Am3.4.6.8.12.20. 25. 26.. Gewitt. am 8. heftig m. Hagel. 

EEE 10:6 | +22°9| 28-3 | + 9:3 2-3 [324-01| 17:6 1317-41) 4”85 | 43-43| SO. |Am 18. mehrere Gewitter mit Sturm, am 12. 26. mit Hagel. 
Bodenbach Eh ; . | +414-09 | 15-6 )+22-4| 1°3| + 87 2-3 |334-86| 11-3 1327.16| — 48-59| NW. |Am 3. 15. 27. 28. Gewitter. [am 17. stürmisch. 
Sen +44:03 | 15-6 | +22-0| 18-3 | + 9-2 2.3 [327:82| 11-3 |320-74| 4-69 | 37:57| SW. |Am2.3.10.11.15.16.17.23.27. 28.29. 30. Gew., a. 25. Blitze, 
Tröpelach. . . . | +13:87 |10-6 \+21-5) 26° | + 5'4 1-3 |317-10) 11-3 |311:62| 4-92 | 69-40) SO. |Viele Gewitter, am 7. waren 5, am 11. 7. 
SITE +13-85 | 16-6 | +20-8| 31:3 | +10-4 _ — — == — 63-90] SW. £ 
Oderberg . . . . | +13:82°| 23-6 | +24°9| 21:3 | + 9-5 — — —_ = _ 21:90) W. |*Vom 4.—11. mangeln die Beobachtungen, 
Kesmark . . . . | +13-81 | 11-6 |+21-9| 22-3 | + 8-4 14-9 \316-27| 11-6 |309-97) — | 35-91] N. |Am 11. More. Gewitter. | 
Willen m 143:81 | 0 |+23-0| 18:3 | + 8:0 2-3 [317-42| 10-9 |310-57| — | 44:96] SW. |Am 9. 12. 15. 17. (Nachts) Gewitter. _ 
Pürglitz. ... . +13-80 | 15-6 | +22:6| 24:3 | + 9-6 2:3 1328-50) 10:8 |320-60| 5-32 | 48-83] W. |Am 15. 16. 20. Gewitter, am 18. stürmisch. 
St. Magdalena . . | +13:78 | 16°6 |+20:8| 21:6 | + 3:6 2:3 |308-34) 17-9 [302-85| 4:74 | 67:68) NO. |Am2.3.6.7.9.11.12,18. 20.26. Gew., am5. u. 17. m. Hagel, 
Schemnitz.. . . . | +13-71.|11:6 | +20-0| 18:3 | + 8:2 14:6 |317-13) 11-6 |311-68) — 36-00) W. A.8.9.17.20.25.26.6.,am9.Bl., a.17. fr.sehr heft.,a.15.16.17. 
Trautenau . . . . | +13:70 | 14:5 | +23-8| 22-4°| + 9-8 — — — — — |104-92| W. |*Am 9.6" Fr. +5°4. Am 4.20.26. Gew., am 4.17. St. [st.Wtl. 
Obervellach . . . | +13-65 | 14-6 |+21:8| 21:3 | + 6-0 2-3 1315-52] 11-3 [30863 4:62 | 61:64| ©. |Viele Gewitter, am 11. u. 16. mit Sturm. 
Weissbriach . . . | +13:59 | 2:6 |+20-:8| 22:3 | + 7-7 — _ — == = _ — 
Steinbüchel . . . | +13-52 |15°6 | +19-8|) 7:9 | + 8:6 — = — gi = = == 
St. Jakob. . . . | +13-48 | 10:6 | +19-8| 26-3 | + 7:6 |302:27 | 1:3 |302-92| 11-3 |299-29| 4:70 | 38-95) SW. |Viele Gewitter, am 7. mit Hagel. 
Althofen . ... | +13-46 | 10-6 | +22-0| 31:3 | + 8-2 |310-14 | 2-3 |313-12| 17-6 |307:15| 4-38 | 53-70) NW. |Am 6. u. 30. Gewitter mit Hagel, am 17. Sturm. 
Deutschbrod . . . | +13-13 |10-6 |+21:0| 13) + 77 —_ — —_ —_ — —_ 40-87| WNW. | Am 3. 4. 16. 20. 27. Gewitter, am 17. Ab. Sturm a. W. 
b. Reichenau. . . | +12:66 | 10-6 | +22-0| 24-3 | + 7:0 1314-77 | 2:3 |316-89| 11-3 [310-12| — 17:86| W. |Am 7. 16. 25. 27. 30. 31. Gewitter, am 3. Wetterl. 
St. Jakob (beiGurk) | +12:30 | 10:6 | +18-8| 12-3 | + 8:0 —_ —_— _ 
Bad Gastein ... . | +11:69 | 10-6 | +22-7| 18-3 | + 6-2 |300-10 | 2-3 1301-38) 11:3 1296-63] — —_ S. Am 9. 11. 15. 20. 26. 28. Gewitter, am 15. mit Hagel, am 

INTRO EN; 19-6 |+22-5|118:3| + 45) — —_ —_ [9. Alpenglühen. 
St. Peter . . . . | +11:36 |16°6 | +18-6| 21:3 | + 6:4 |291-93 | 1-3 1294-52) 11:3 |289-11| 3-91 | 81-82] SO. |Viele Gewitter mit heftigem Platzregen. 

Mahitz ..... +11-35 | 14-6 |+19-0| 24-3 | + 6°5 — — — — — [am 18. Alpenglühen. 
an +11 2:6 |+19-0| 33 | + 40 2 — |Am 10.11. 15. stürm., am 2. 6.15. 16.17. 20. 26. 28. Gew., 

Stifserjoch . . . | +10-70.| 8-6. |+17:0| 23 | + 5-0 N. 

Heiligenblut . . . | +10-63 |) 15:6 | #187 30-3 | + 4:8 411-3 |286-.14| — — SW. |Viele Gewitter, am 17. früh mit Hagel. 

HEN oo. ara +10-04 | 1:6 | +15°2| 26:9 | + 5°6 11:6 275.15) — 41:97) — |Am 1b. heftiges Gewitter. 

Luschariberg . . | + 9-82 | 14-6 | +16:0| 29:0 70 — —_ — 

Obir II. . ... | + 8-19 [16:6 | +19-0| 18-3 0-0 = — _ = — 

S. Maria?). . . . | + 4:93 | 29-6 | +10'2 26°3 0:2 11-3 1247-47) — 1235-01) W. |Am 15. -19°8, am 23. 10°. 


Magnetische Störungen. 
Am 19., 20. 


Nachträge und Verbesserungen zu den früheren Monaten. 


Hermannstadt, März | + #19 | 26-5 |-+162| 13-3 | — 6-7 [318-60| 31-9 1325-25] 12-6 |312-46| 1-98 | 17-49] N” |[Am4. Sturm a. SO., am 23. a. SW., am 25. 26. a. S. 
April | + 6:39 | 6:6 |+15°6| 1-3 | — 0-4 |319-72| 1-6 |326-33) 11-9 |312-49| 2-23 | 45-83 xw. |Am8.u. 18. @w.,a.1.u.2. $t.a.S.,a.10.a.NW.,a.24.Schnee. 
Mai. | +12:36 | 5-6 |+22-6| 2-3 | + 3-6 |320-15| 22-3 1322-93| 9-9 |317-23| 3-81 | 29-37 sit. |Am 18.28.29. 31.Gew., am 29. 31. m.Hagel, am5. Wetterl. 
Neusohl, Juni . . | +14:83 | 3-6 | +23-6) 29:3 | + 6-4 1323-72] 10-4 |326-23| 24-7 |320-19| — 26:74| NW. |Am 4. 5. 10. 11. 21. Gewitter, am 25. Sturm. 
Linz, Mai - 2.2.1 +10:69 | 31-3 | +23-6| 10-3 | + 2-6 |325-46| 25-3 |328-05| 15-9 1320-43) — 31-47 % |Am5.11.12.16.22. Gew., an 12. m. Hagel, am 29. kurzer $t. 
Juni. . ... | +15-80 | 9:6* | +23-6) 19-9) + 90| — 18:27) 2; |*Am 2.6.+23°2. Am 1.9.10. Gew., am1. starker Sturm, 


1) Bregenz, Am 25. um 1" Ab. wurde auch hier ein Erdstoss und am 26. um 11® 15’ M. von $.—N. (s. Mailand) wahrgenommen. 
2)S. Maria. Am 8. 11, 15. Gewitter. Am 9. 10. 11. Stürme. Am 9. und 11. mit Hagel. Am 13. Nachts Schnee, vom 25. auf 26. ebenfalls, welcher bis 26. Mittags liegen blieb. 


Verbesserung: In der Übersicht für Mai 1855 sind bei den Stationen Obervellach, Senftenberg, Obir I, Alkus, Plan, Stilfserjoch und S. Maria bei den Temperatur-Minimis die Zeichen — 
statt + zu setzen. 
= Bei Gelegenheit der Bereisung einiger meteorologischen Stationen zeigte es sich, dass in Plan seit Juli 1854 und in S. Maria seit August 185% die Temperatur an einem hundert- 
heiligen Thermometer beobachtet wird. — Vom Juli 1853 an werden in den Übersichten die auf Reaumur-Grade redueirten Stände angegeben. — In Stilfserjoch ist die Temperatur 
um 1°) zu vermehren, ebenso der Luftdruck in Gastein um +2”. — In der Übersicht für Juli ist dies bereits geschehen. 


Schössl 
324.49” 


Tirnau 
337.33” 


Wien 


329.63” 


Rlagenturt 


Mm 


320.07" 


StMagdalena 


305.76” 


Bregenz 
321.90 


Valona 


Die beigeschriebenen Zahlen sind Monatmittel, denen die stärkeren Hor 
Ein Netztheil entspricht bei der Wärme einem Grad Reaumur, 


Gang der Wärme und des Luftdruckes im Juli 
Die punetirten Linien stellen die Wärme, die ausgezogenen den Luftdruck dar. 


1855. 


izontallinien entsprechen. 
beim Luftdrucke einer Pariser Linie, 


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Eintw; v AU. Bur&hardt. 


Sitzungsb. d. k. Akad. d. W. math. naturw. O.XVILB3.Helt, 1855. 


Aus d’kk. Holle Staatsdruckerei. 


Raeszow 
328.68" 


Lemb erg 


325.78" 


Debreezin. 
332.04 


Venedig 
26.73 


Parma 
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333.35 


Mailand 
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250.00 


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Gang der Feuchtigkeit und des Ozongehaltes der Luft im Juli 1855. 


Die punktirten Linien stellen die Feuchtigkeit, die ausgezogenen den Ozongehalt dar. 
Die am Rande befindlichen Zahlen sind die Monatmittel der Feuchtigkeit, jene zwischen 
den €urven die Monatmittel des Ozengehaltes. 

Den Menatmitieln entsprechen die stärkeren Horizentallinien. 

Ein Netztheil beträgt für die Feuchtigkeit 5Procente, für den Ozongehalt einen Theil der Far, 
benscala, welche vom völligen Weis bis zum tiefsten Blau zehn Abtheilungen enthält. 


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Eintw. v. A. U. Burkhardt, 


Ausd &.k. Hok-ır staatsdruckeren. 


Nitzungsb, d. k. Akad. d. W. math. naturw. OLXVI.Bd 3. Heft. 1855. 


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Oderberg . 


Mrautenau.'...". 


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Krakau)... .. 


1) Ragusa. 
2) Parma. 
3) Venedig. 


4) Laibach. 
5) Lemberg. 


6) Lienz, 


9) Krakau. 


7) In Mauer bei Wien beobacht iegt 1Y/, 


Mittlere 
Tem- 
peratur herkungen. 


Reaumur 


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+20: 


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14.75 pm 5. Gewitterstiurm. 

+18-31 

+18:24[" 

+17-65 

+ 17.317 

en ewitter, am 13. Ab. sehr stark. 
16-61 31. Gewitter. 


2 
10°» am 26. mit Sturm u. Hagel. 
+45- 07" 330’ Sturm, am10. 11. Blitze. 
+15:03 
+15°02 
+14°96 
nr 24. Blitze. 
144-8 ‚30. Gewitter. 
1414-81 tter, am 9. 12. 13. 25. Wetterl. 
+14:75|° 

NM.» | 
Tn.05 Sturm, 25. Blitze. 
rn gyait Hagel (sonst wie in Wien). 


.y43% 6. Morg. stürmisch a. NW. 
.9g,M 4. 26. Wetterl.,am 4.5.Sturm. 
.oyetterl., vom 26—27. Gewitter. 
s.gj ewitter, am 5. mit Sturm. 
‚75,27. Weitrl., am 31. Gewst. a. N. 
70 26, vom 10.—14. täglich + 26°, 
sed 27. stürmisch. 
‚59, 'n 5. mit zündendem Blitze. 
ie! 9. mit Hagel. 
„oo Nit $t., am 14. $t., am 26. Wetl. 
.3g 0, am 5. 27. 8t., am 9.11. Blitz. 
.ag'" 13. 28. Weiterl. 


Jon Gewitter, am 6. u. 9. Wetterl. 
am 5. Blitze. 
ou; Blitze. 

go| (Saussüre). 


[3737 


s.) Gew., am 3. 12.13. Wetterl. 
| 


Am 6. Ab. hi 
Am 8. Ab. und 


14 


Bei dem Ge, _.. 
der Sättigung, der Dur 
Bei dem Ge 
Gewitter 
auch die Extreme des 
In Folge des h 
oder weniger Lagersch 
7) Korneuburg, 
8) Klagenfurt, 


i stieg von 27.3 auf 89-9 Proc., 


‚nen in der Zeit abweichen, sind 
ungewöhnliche Kühle herrschte. 
00’, die in anderen Jahren mehr 


Das 6 


Das Ge 


In der Nach 


Meile südwestlich von 


Wien, auf den östlichen 


Sitzb. d. mathem.-naturw. 


Maximum N 


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-3131792]| At 

«A 1325-61) 4-1 

3 1317°.03| Art 

:3 1315°46| 9° 

9 1331 .55| 5% 

‚9 1328-74| 5°; 

‚3 1308:24| 51 
)-3.1334-171 22% 
3-3.:314-13 | 52 
J:6 13283 -15| 5-1 
9-3 1317-30| 9-1 
1:3 1304-74| 9-! 
9-3 |317-:18| 5 
9-3 1316 -76| 5° 
8:8 1328-00| 4° 
8:9 1316-62| 5° 
18-6 1305°35| 8 
18:6 1314: 76| 4A: 
21:9 1291 -75| 5 
21:3 1293 -74| 5 
18-4 |304-50| 5° 
3:3 |280:72| 9» 

19:3 |1252-88| 9- 
Magnetisch: 

Am 

lachträge zu den 
25:4 1314 -48| 15 
27:3 1315-74! 16 
1:8 |315-65| 10 

25-4 |302-60| 15 
285 °4 1305 °09| 16 
1:8 |304-52] 10 

28-6 1340-551 24 
1:9 |339-84| 17 

10°A 1326 °23| 24 
14-5 |325.90| 11 


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» bis in die Schlucht 
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jewitter um 11" Aben 
‚® Abends). 


monstratenser Stifte 
e eine Darstellung de 


Entworfen 


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Maximum Minimum 2 Maxi une er 
Beobachtungsort. | yeratı ee ua 
Tuck. s ‚de: 
Reaumur | Tag Temp Tag Temp. Par.Lin.| Tag | Luftar, Tag | Luftdr. | Par.Lin. | Par.Lin. Man Anmerkungen. 
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Ran) en Be 1 +16" Sail 2036 33809 5-9 33363] 615 NO. |Am 11. 12. 13. 14. 28. 29. Gewitter, am 6. u. 9. Wetterl. 
a H15"5[336-92| 19:9 1339-15 | 5-9 1332-09 6-71 NW. [Am 9. und 12, Gewi i Br 
Valona (inAlbanien) | +20-11| 5°6|+26-5 | 17:9 |+16-01336-90| 20-3 |338:72| 3:9 1335-43] 7-47 | nal BowittongananBiliee: 
sten. +20-07| 27:6 | 225-0 | 12-9 | +15-3[337:05| 19-3 1238-90 5-6 Baar &; er . Am T. u. 8. stürmisch. 5 
Parma?) . .... )+19-90| 3: |+27-5 |11- |+43.2/334-418|19- |336-21| 5- 13 r » Se ERTL, an 5. 9. Gewitter, am 21, Blitze. 
HE a engl = ES A|: 31-19| —* | 13:43 | SW. |°Mittlere Feuchtigkeit 70° (Saussüre). 
OTD e 18-97| 3:6° Y: ‚ A 5 ® SR: ER Ti a am 24. diehter Nebel, 
Venedig?). . . . 48180 En en A +14'2 Sal 80 dem) 339.93 53, 30728 8:34 29-74 NW. "Am 28. +23°8. Am 3.9. hett, Gew [um 6 Sturm. NNOn 
Mletland Kaas) 3: | ara lao- Ir 5 En sr 15 3 aan % : s = ss ER 31:65 | SSO. |Am 9. 16. 27. 31. Blitze, am 5. Gewittersturm. 
land. 8:7) 3: | 427-4 :91331:94| 19-5 |334:24| 4-3 [328-85| 5-88 | 6-51 | NO. -|Am 8. Ab. Gewitter. 
an I: wo N In .uel 33515) 19:6 1338-69) 5:6 [331-566 — | 9-40 | NW. |Am 5.9. 10. 12. Gewitter. 
Fünfkirchen . >. | +17-65| 8-6 428-0 | 18-9 | +11-0/331:03! 10:6 |332:07| 5-6 32804] — | 3244| sw. jam 8.0.1236. Gewitt 
Debreezin ..... . |+47-31| 4-6 | 424-6 |47-3.|+ 8-81333-05| 19-6 1333-73] 8:9 1328.29 — |33.70| N. lAmB! Ab. stürmischa 8. 
Szegedin . ... +17:06| 5:6|+27-8 | 16-6 |+10:0[334-57| 19:3 1337-48| 3-9 1331-59) .— |74:56| N. lAm 12. More, und Mitt. Gewitt 13. A 
0 2 en I, 3 |+11:0[332-30| 19-3 1334-90) 4-9 [328:40| — |13:832| NW. |Am 5. Sturm a. NW., am willen elle 
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Olmütz.. .. 2. 1 +16:43| 25-6 |+29-22| 20-3 | + 8-61328-62| 19-3 |332-07| 2-6 326.15) — nn a an en An "sin 
ee +16-28| 3-6.|426-2 | 16-9 |410-8[332:34| 18:9 [33432] 3-6 1329-19| — | 32-56 | mW. |Am 4.9. 10.13. 20. 21. Wetterl, vo ann 
Daibacht)  . [4416-40 4-6 |424:8 | #5 |x 9,2 1320:00| 10-3 [320.85 8:0) 99.50) sro» | 68:87 NO: [AmB9 17.20 ar. ai Beaitten am mi tue 
Wen +4B-81| 3- |+427-8 |48-3 |+ 7-41330-33| 48-9 [392:98| 5-8 1327.70] 3-35 | 81-57 |NW. 0.|Vom 4.5. Gew., am 8.26. 27. Wettrl, am 31. Gewst. a. N 
Lemberg®) . . . |+18+75| 11:6°| 427-2 | 48-3 |+ 7-0[326-74! 30-6 1320-51, 14:8 [323-48| 5:74 | 11-75 | W. |*Am 5. +26°9, am 26. +26, vom 10,14, tüglieh 426° 
Adelsberg.. . . . |+13-70| 3:6 | 420-42| 9-9 |411-31317-13| 19:3 1319.31) 8:0 |3la-31| = | — | — |Amd. Gewitter, am 26. und 27. stürmisch. | 
NM 5 So ae |+15-58| .33 |-+24-4 | 16-3 |+ 9-81328-60| 19-3 |331-37| 5-6 [325-10| 5:80 | 92-29 | NO. |Am 5. 30. 31 Gewitter, am 3. mit zündendem Blitze 
Bann \+15:58| 3° |427:0 |18- |+ 6-0[329-50| 19-3 1331-53) 5:6 |3253-80| 5-84 | 36-16 | N. ; i 
er | +15-44| 4-6 | 426-0 | 16-3 |+ 8-6|322-09| 19-3 1384-69) 5-6 |318:58| — | — | NW. [Am 5. 9.29. Gewitter, am 9. mit Hagel 
TkenzÖ). u. | +15-40| 24:6. |+23:2 | 15-3 |+ 8-2|312-88| 21-3 |314-82| 5-3 1310-241 4-62 | 16-37 | NW. |Am 3. (Morg.) 27. Gew. mit St., am 14. St., am 26. Wetl 
Neusohl. . ... » +15:33| 4:6 |+23-8 | 19-3 |+ 8-4[324-51| 20-3 1327-02) 57 320:601 — |24-63 | NW. |Am 5.10.12.27. (heft.) Gew., am 5. 27. St., am 9.11. Blitz. 
Hermannstadt . . +15-30| 27:6 |+24:9 | 20:3 |+ 6-7321-94| 20-3 1324-41) 5:9 [319:07| 4-83 | 27-67 | NW. |Am 6. 13. Gew., am 10. 12. 13. 28. Wetterl. 
ne ı+15:29| 3° |+27:3 |19- |+ 7-0)329-73| 18- 1331-98] 5° 1327-03) 5:38 |30-9%| W. |Am4. (Morg.) 25. 26. Gew., am 26. mit Sturm u. Hagel. 
Czernowitz . . . +15:10| 24:6 |+24:5 | 19-3 |+ 6-8/327:88| 31-3 [329-42| 14-9 1322-59) — | 8:03) NW. |Am16. Gewsturm., am6. um 3"30'Sturm, am10. 11. Blitze. 
Be ae et 38 +25-3 | 19-3 7:0 _ —  |46-11 | NW. |Am 5. 20. 26. Gewitter. 
--Mauer bei Wien. | +15: 3:6|+26-5 118-9 | + 77 — — — — = = — —  |Gewitter wie in Wien, 
Rzeszow 2... +48:02| 5-6 |+25-7 | 19-9 |4 9-7[329-70| 19-5 |332-90| 5-8 [3253-81 — |a7-88| W. |Am 1A. 26. Gewitter. 
Klagenfurt ®). . . | +14:96| 4 |+29-4 |15- |+ 5-71320-86| 18-9 |323-02) 5-3 1317-82| 5-41 | 52:99 | SO. |Am 5.27. Gewitter: 
Czaslau. 0... 1+14:94| 3-6 |+26°2 | 19-3 |+ 8-01327-87) 18:9 |330-42| 5-3 1325-17| 5-14 | 32-50 | ww. so. |Am 4. 8. 9. 27. Gewitter, am 24. Blitze. 
Bregenz. - . .. +14-93| 24-5 |+23-0 | 9-2 |+ 9-6 — [38-32 | S. |Am 4. 5. Sturm, am A. 26. 30. Gewitter. 
Kronstadt . . ... | +14:83| 13-5 | +22-2 | 20-3 |+ 7-31315-99| 30-9 |318-32| 6-5 1313-02) — |16-32| — |Am 6.10.13.25. 28. Gewitter, am 9. 12. 13. 25. Wetterl. 
St.Paul. .... '+14-81| 4-6 |+24-0 | 15-3 | 8-01321-90) 18-9 |323-23| 3-3 |318-13| 5-39 |42-95 | SO. |Am 27. Gewitter mit Hagel. 
Oderberg . .. . +1475| 3-6 426-2 | 83 |+ 7.6 — _ [35-55 | SO. |Am 5. Gewitter. 
Trautenau. . . . !+14:72| 25-5 | +24°6 | 16-4 | + 9-8 — — [77:26 | W. |Am3. 26. Gewitter, 3. 26. Sturm, 25. Blitze. 
Kaltenleutgeben . +14:68| 2:6 | +26°5 73|+ 9:0 Am 26. Mittags Gewitter mit Hagel (sonst wie in Wien). 
Krakau®) 0... +1a6z| % [426-8 | 31° |+ 77133004] 19-3 |332-70| 5:7 |826-01| 5:36 |38-69 | W. Am 5. 10.11.26. 27. (Morg.) Gew., am 3. 12.13. Wetterl. 


1) Ragusa. Am 6. Ab. häufige Blitze, Sturm in Spalato, 

2) Parma, Am 8. Ab. und in der Nacht vom 9. auf den 10. viele Sternschnuppen, am 3. 4. 7. 8. 10. 16. 30. 31. Blitz; die Alpen waren sichtbar am 6, 7. 13. 14, 

3) Venedig. Bei dem Gewittersturme a. NNW. am 5. fiel die Temperatur von 11" 30/ Morgens bis 1" Ab, von +25°0 auf +14°4, die Feuchtigkeit der Lult stieg von 27:3 auf 89:9 Proc., 
der Sättigung, der Dunstdruck von 5”59 auf 6”10, die Schwankung des Luftdruckes betrug 1’. 

4) Laibach, Bei dem Gewitter am 5. Ab. war ein Wolkenbruch in der Nähe. 

5) Lemberg. Gewitter am 14. Ab. Wetterleuchten am 4. 5. 10. 14. 24. 26. Den Temperatur-Extremen entsprechend, welche hier von allen übrigen Stationen in der Zeit abweichen, sind 
auch die Extreme des Luftdruckes. Die Tage vom 8.—14. zeichnen sich durch grosse Hitze aus, während in allen westlichen Orten (Linz, Kremsmünster) ungewöhnliche Kühle herrschte, 

6) Lienz. In Folge des heissen August sind Firn und Gletscher sehr angegriflen worden, wie der hohe Wasserstand der Isel zeigt. Die Berge von 8000—9000', die in anderen Jahren mehr 
oder weniger Lagerschnee in ihren Schluchten zeigten, sind fast ganz schneefrei, so z. B. die Schleinitz bei Lienz mit 9176’ Höhe. 

7) Korneuburg. Das Gewitter am 26. Ab. war von einem Wolkenbruche mit Hagel begleitet. 

8) Klagenfurt. Das Gewitter am 5. Mittags war von einem Sturme aus NW. begleitet, und wurde an allen Stationen in Kärnten beobachtet, 

9) Krakau. Inder Nacht vom 26.— 27. Sturm aus NW. Am 5. grosse Hagelkörner, Sternsohnuppen. Am 2. 3. grosser Mondhof. 


++) In Mauer bei Wien beobachteten in den Sommermonaten die Herren Car] und Emil Haecker; seit Oetober d. J. aber Herr Jakob Fischer. Mauer liegt 1'/, Meile südwestlich von 
Wien, auf den östlichen Ausläufern des Wienerwaldes in einer vegetationsreichen Gegend (Weinbau). 


Sitzb. d. mathem.-naturw. Cl. XVII. Bd. III. Heft. 


linimum Dunst- |Nieder- 


Herr- 


druck | schlag |schender Anmerkungen. 
Wind 
Par. Lin. | Par. Lin. 


g | Luftdr. 


Er 94”10| W. |Am 3. 21. 25. 26. Gewitter, am 26. mit Hagel. 

> |314-02| — 12:842| W. |Gewitter sind angemerkt am 4. 7. 26. 

) 1320-94| 5"00 | 6515| W. |Am 4.5. 20. 26. 31. Gewitter, 3. 8. 28. 30. Blitze. 

; 1312 71| — 62:68) WSW.| Am 4. 7. 20. 26. heftiges Gewitter, am 28. 30. Wetterl. 

3 3810-31) 4:56 | 41:08! NO. 

3 1325°74| 5°36 | 22:86) W. |Am 5. um 7" Ab. Gewitter mit Sturm. 

3 1323-53] 5:00 | 4253| ww. sw.| Am 2. 3. 4. 10. 25. 29. Gew., am 2. 7. 20. Blitze, am 15. 
_ — _ —  |Am 5. Gewitter. [16. 17. 21. stürmisch. 

3 1303-62] 5:04 | 33-51) NO. |Am 26. 6+22°1. Am 5. 27.31. Gew., am 9.16. 26. Wetterl. 

3 1330.93] — 20°49| NW. |Am 3. 4. (Morg.) 20. 24. 25. Gewitter. 

3 13807-51| 4-42 | 31:50) NO. |Am 27. Gewitter mit Hagel. 

er 2 u —  |Am 5. Gewitter. 

5 1323-211] — 43:85) NW. |Am 5. 11. 12. 13. 27. Gewitter, am 11. u. 31. Wetterl. 

5 1313-11| 5-02 | 39-40) SO. |Amb. Gewitter, am 27. mit Sturm aus NW. und Hagel. 

5 1299-92] 4:79 | 1770| SO. |Am 5. Gewitter, am 27. Gewitter mit Hagel. 

— — 61-101 — |Am 5. Gewitter. 

u — | 40:07) W. |Am3.4. 8. 20. 26. Gewitter. 

3 1312-35| — | 36°95| W. |Am 10. 11. 12. 27. (Morg.) Gewitter, am 9. 26. Wetterl. 

5 1313-85] — | 51:66) N. |Am 27. Gewitter. 

3 1323:37| 5-51 | 4515| W. |Am 4. (Morg.) 25. 26. Gewitter, am 15. 21. Sturm. 

. — _ — |Am5. Orkan, am 27. Hagel. 

3 1312.35] — 2723| W. |Am25. +22°. Am4&.(Morg.) 8. 26. Gew., am 26. m. Sturm. 

j ee au au —  |Am 5. Gewitter. 

_ u —_ —  |Am 5. 27. Gew., am 5. 9. 15. Sturm, am 6. 10. Schnee. 

6 1301.62) — — S. |Am4.5.9. Gewitter, am 5. mit Hagel, am 3. u. 25 +24°, 

8 1311.60| — 56°:27| SW. |Am 4. 5. 26. Gewitter. jam 20. 26. 28. Blitze. 

3 1286-641) — -- — |AmB. Gewitter. 

6 |290-05| 3:7% | 36-82] NO. |Am 5. Gewitter. 

- — = — —  |Am 5. Gewitter. | 

4 1300-4) — | %:70| 0. |Am 26. (heftig) 28. 29. Wetterleuchten. 

- — — 47-00) W 

21270750 7 | 27:32| ©. Am 2.26.2776. 

6 |248:46| — 146.24) 0. |Am8. Gewitter, am 5. Sturm, am 9. Regen und Schnee. 


» Störungen. 


10. 

. früheren Monaten. 

:6 |306-98]| — 59-45| W. |Am 5. 11. 28. 29. 31. Gewitter. 

4 1308:68| — 153-72| W. |Am 8. Gewitter. 

:8 1309-27| — 18:71| SW. |Am 3. 6. 7.9.10. 15. 16. 28. Gewitter. 

7129799) 2:58 | 90-66) W. |Am 9. 13.18. 19. Regen mit Schnee, am 28. Nachts Gew. 
:6 1298-51] 3:79 | 72-26) SW. |Vom 17.—27. täglich Regen. 

8 1299-29| 4-11 | 83-76) O0. W. |Am 3. um 5" Ab. aus SO. starkes Gew., im Sarstein-Gebirge 
6 1335-15| 7:20 | 26-47) N. |Am 20. Gewitter. [Wolkenbruch. 
:9 1334 :46| 8:26 6:15I| NW. |Am 6. Wetterli. 

:71320:19| — 126°74| NW. |Am 4. 10. 11. 21. Gewitter, am 25. Sturm. 

3 1320.77| — 52-84| NW. |Am 6.7. 9.11.12. 17. 20.26. 27. Gew., am 12. mit Sturm, 


== —  |Gewitter wie in Wien. [am 20. mit Hagel. 


‚en mit ewigem Schnee, schneefrei, auch hier waren die Tage vom 22—26. sehr heiss, am 23. noch 
ınte ununterbrochen zu blitzen, die Intervalle zwischen je zwei Blitzen betrugen kaum 1 Sec., die 
ds in SW. berührte Kremsmünster nicht. Dieses Gewitter war das blitzreichste im Jahre. 


. Wilten liegt 1890 P. F. über dem Meere, !/, Meile südlich von Innsbruck. 
r geographischen Lage der Stationen wird der Jahresübersieht der Witterung beigegeben werden. 


Tirnan. 
332.34 


Wien || 
330.55 


Cıllı. 
328.60 


IE 


Venedig 


33251 


Mikulore Maximum Minimum en Maximum Minimum Dunst- |Nieder- re 
Beobachtungsont-n ensn, er ee -| druck | schlag | schender Anmerkungen, 
ns Tag Temp. | Tag | Temp. |Par.Lin.) Tag | Luftdr.| Tag | Luftar.| par.nin. Par. Din, 
Bilsen. Kt. ce zn. +14°57) 25:6 | +24°6 | 19:3 | +6°1 1325”26| 18-9 |327"74| 9-3 |323"97| — | 9210 ww. |Am3.21. 25. 26. Gewitter, am 26. mit Hagel. 
Innsbruck . . . » | +14:538| 3-6 | +24-2 | 9-3 | +8-0 |315-93| 17:3 |317-92| 4-6 |312:02) — 12:84?) W. |Gewitter sind angemerkt am 4. 7. 26. 
Kremsmünster 2) . | +-14-51| 3:7 | +24: |19-2 | +7-1 |323-60| 18-4 |325-61) 4-9 |320-92| 5”00 | 65-15] W. |Am&. 5.20.26. 31. Gewitter, 3. 8.28. 30. Blitze, 
De +14:51| 3:6) +25:0 | 7°3 | +8-1 [315.25] 17°3 |317-03) 4-6 |312-71| — | 62-68] WSW.| Am 4.7. 20. 26. heitiges Gewitter, am 28. 30. Wetter]. 
Obervellach . . . | +14-46| 4:6 | +23:2 | 30:3 | +8°5 [312:39| 19-3 [315-46| 9-3 |310-31| 4-56 | #1-08| NO. 
I aSIOmeaEgEE +14:41| 5:6 | +24°9 | 31-3 | +46 |329:20| 30-9 1331-55| 55 |325-7&| 5-36 | 22-861 W. |Am 5. um 7% Ab. Gewitter mit Sturm. 
SCHOSS IgSgE RE +14°29| 3:6 | +25:0| 7:3 | +92 |325°80| 18-9 |328:74| 5-3 1323-53) 5-00 | 42-53) sw. sw.| Am 2, 3. 4. 10. 25. 29. Gew., am 2.7. 20. Blitze, am 15, 
Weissbriach . . . |+14:25| 4:6 | +23:0| 63 | +8:8| — —_ —_ — _ — _ — |Am 5. Gewitter. 16. 17. 21. stürmisch, 
St.Magdalenan.taria | +14-17| 3:6 | +22-2 | 16-3 | +94 |306°57| 19-3 \308-24| 5:6 |303-62| 3-04 | 33-51 NO. | Am 26. 6-+22°1. Am 5. 27.31. Gew-., am 9.16. 26. Wetterl. 
Bodenbach. . . . |+14-15| 3:6 | +25-8 | 19-3 | +7-4 |332-70| 19:3 1334-17) 4-3 |330-93| — 20-49| NW. |Am 3. 4. (More.) 20. 24. 25. Gewitter. 
Althofen. ..». . +14-10| 4:6 | +23°4 [15-3 | +8:1 [310:12) 3-3 1314-413] 5-3 1307-81) 4-42 | 31-50) NO. |Am 27. Gewitter mit Hagel. 
Steinbüchel . . . | +14-04| 24:6 | +21:2 | 10:3 | 49-4 — — —_ _ — — — — [Am 5. Gewitter, 
Leutschau.. . . . |+13:99| 3-6 | +23-2 | 18:3 | +7-4 \325-99| 19-6 |328-15) 5-6 |323-21| — 43:85] NW. |Am 5. 11. 12. 13. 27. Gewitter, am 11. u. 31. Wetterl. 
Tröpelach . . . . 1 +13-91| 4-6 | +23°2 | 15-3 | +7:7 \315-39| 19-3 |317-30| 9-6 |313-14| 5-02 | 39-401 SO. Am, Gewitter, am 27. mit Sturm aus NW. und Hagel. 
St. Jakob . . . . |+413:87| 4:6 | +22-6 [18-3 | +92 |303-09| 21-3 |302-72| 9-6 |299-92| 4-79 | 17-70| SO. Am 5. Gewitter, am 27. Gewitter mit Hagel. 
Salnıtze I 2: +13-78| 4:6 | +23:8 [16-3 | +9-8| — —_ — _ —_ _ 61:10) — |Am5. Gewitter. 
Deutsehbrod . . . | +13:58| 3:6 | +24-4 19:3 | +49 = —_ 40:07| W. |Am 3. 4. 8. 20. 26. Gewitter. 
Schemnitz . . . . | +13-57| 25:6 | +22-5 118-3 | +6-5 |315-33| 19-3 |317-18| 3-8 |312-35| — 36:98| W. |Am 10. 11. 12. 27. (Morg.) Gewitter, am 9. 26. Wetterl. 
Kesmark. . . . . |+13-48| 26:6 | +24:5 119-3 | 46-0 |314-36| 19-3 |316-76| 5-6 |313-35| — 51:66| N. |Am 27. Gewitter. 
Pürelitza, ı 2. +13-42| 3:6 | +24°2 | 19-3 | +72 |325-66| 18-8 |328.00| 4-8 1323-37| 3-51 | 25-15 'W. |Am 4. (More.) 25. 26. Gewitter, am 15. 21. Sturm. 
St. Jakob (b. Gurk) | +13-38| 24:6 | +21-5 | 10-3 | +8:0| — _ —_ _ — _ —_ — |Am 5. Orkan, am 27. Hagel. 
b. Reichenau. . . |+42:98| 3:6 | +24-0 | 19-3 | +50 1314-77| 18-9 |316-62| 3-3 |s12-38| — 2723| W. |Am25. +22°. AmA. (Morg.) 8.26. Gew., am 26. m. Sturm, 
Obi rneene +12-91) 46 | +21°5 [15-3 | +50 = _ —_ —_ _ —_ — —  |Am 5. Gewitter. 
Alkus. . . . .. |+42-32| 25-6 | +21:0%| „Ei, | 46:01 — _ _ _ — _ — Am 5. 27. Gew., am 5. 9. 15. Sturm, am 6. 10. Schnee. 
Bad Gastein?) . . | +42-18| 23:6 | +24-0 | 5- + 6:7 |303-05| 18-6 |305-35| 8-6 1301-62) — — S. [Am A. 5.9. Gewitter, am 5. mit Hagel, am 3. u. 25 + 240, 
Markt Ausee . . . | +412-10| 25:6 | +22-6 | 5-8 | +8-0 |312-89| 18-6 |314:76| 4-8 |311-60| — 56:27) SW. |Am 4. 5. 26. Gewitter. [am 20. 26. 28. Blitze. 
Heiligenblut . . . |-+11-83| 4:6 | +19-5 | 21-3 | +7:2 1289-85] 21-9 1291-75) 5-3 loge-61| — —_ — |Am 5. Gewitter. 
St. Peter . . . . [+11:79| 24-6 | +20-4 | 21-3 | +82 |292-77| 21-3 1293-72) 5:6 |290-05| 3-74 | 36-82 NO. | Am 5. Gewitter. 
Mallnitz. . . » . -+11-73| 24:6 | +23 1 | 10-3 | +94 — —_ — — — —_ — — Am 5. Gewitter. 
Alt Aussee. . . . |+11:60) 3:6 | +23-6 | 5-6 | +72 [303-01| 18-4 |304-50| 5-4 |300-4% 9-70) 0 Am 26. (heftig) 28. 29. Wetterleuchten. 
Stilfserjoch . . . |+11:33) 19-6 | +19-0 | 11-3 | +6:0| — — —_ — —_ u 47.001 W 
An 020.0 8- mo +10.57| 25:6 | +17:8 | 9-3 | +4:0 |279-07| 3-3 |280-72| 9-3 \277-50| — 27:32) — |Am2. 6. +17°6. 
Luschariberg. . . | +10:01| 4-6 | +26-3 [10-3 | +4:0| — _ _ —_ _ _ _ _ 
U DI Der: + 9:67) #6 | +24:0 | 15-3 | +2-0 — —_ = — _ — — — 
St. Maria . . ... + 5°44| 3-6 | +11:8 | 9-3 | —0-3 |251:03| 19-3 1252-88) 9-6 218-161 — 146:24| 0. |Am8. Gewitter, am 5. Sturm, am 9. Regen und Schnee. 
Magnetische Störungen. 
Am 3. 10. 
Nachträge zu den früheren Monaten. 
Markt Aussee Mai |+ 7:67| 31°6| +21-4 | 10-4 |+ 2-41310-70| 25-4 |314-48| 15-6 |306-98| — |59-45) W. |Am 5.41.28. 29. 31. Gewitter. 
Juni | +11-81| 14:6 | +22:6 | 21-8 )+ 5-8|312-68! 27-8 [315-724] 16-2 |308-68| — |53-72| W. |Am 8. Gewitter. 
Juli | +12-21| 10-6 | +22:4 | 26-8 | + 7-2[312-63| 1-8 |315-65| 10-8 [1309-27 | — 18:71) SW. |Am 3. 6. 7. 9. 10. 15. 16. 28. Gewitter. 
Alt-Aussee Mai |-+ 5°99| 31:6 | +20:6) 9-4 |+ 0-1/300-15| 25-4 |302-60| 15:7 |297-99| 2-58 | 90-66 W. |Am 9. 13.18. 19. Regen mit Schnee, am 28. Nachts Gew. 
Juni | +10-20) 14:6 | +21-1 | 24-8 | + 2-8/302-20| 28-4 |305:09| 16-6 |298-51| 3-79 | 72-26 SW. |Vom 17.27. täglich Regen. 
Juli | +11:02| 10:6 | +21-6 | 22:4 | + 7:2|302-06) 1:8 |304-52| 10-8 |299-29| 4-14 | 83-76 0. W. [Am 3. um 5" Ab. aus SO. starkes Gew., im Sarstein-Gebirge 
Zara Juni | +17-63| 8:6 | +22:1 | 20:3 | +12:6|337-59| 28-6 1340-55] 24-6 [1335-15 7-20 | 26-47 N. Am 20. Gewitter. [Wolkenbruch. 
Juli | +20:17| 20:6 | +23:8 | 1-3 |+17-0|337-19) 1-9:1339-84| 17-9 |332-16| 8-26 | 6-15 NW. |Am 6. Wetterl. 
Neusohl Juni | +15°26) 3-6 | +23°6 | 29-3 |+ 6:41323-72| 10-4 |326-23| 24-7 1220-19| — | 26:74 NW. |Am 4. 10. 11. 21. Gewitter, am 25. Sturm. 
Juli | +14-96| 25-6 | +21:7 | 23:3 | +10-4|323-48| 14-5 |325-90| 11-3 |320-77| — |52 84| NW. |Am 6.7. 9.11. 12.17. 20.26. 27. Gew., am 12, mit Sturm, 
Mauer Juli | +15-28) 15-6 | +25°2 18-3 | 410-0) — — = = Gewitter wie in Wien. [am 20. mit Hagel. 
Meran Juli |+18-80) — _ = — —_ _ — 


1) Kremsm ünster. Anfangs August waren die nahen Hochgebirge bis in die Schluchten mit ewigem Schnee, schneefrei, auch hier waren die Tage vom 22—26. sehr heiss, am 23. noch 
+23°1, am 26. +22°5. An diesem Tage Abends 7" 307 begann es rings im Horizonte ununterbrochen zu blitzen, die Intervalle zwischen je zwei Blitzen betrugen kaum 1 Sec., die 
elektrischen Entladungen waren jedoch nicht heftig, ein zweites Gewitter um 11" Abends in SW. berührte Kremsmünster nicht. Dieses Gewitter war das blitzreichste im Jahre. 

2) Gastein. Das Gewitter am 5. war schr heftig (von Morgens bis 5! Abends). 


1) In Wilten beobachtet Herr Stephanus Prantner, Subprior im Prämonstratenser Stifte, Wilten liegt 1890 P. F. über dem Meere, %, Meile südlich von Innsbruck. 
Anmerkung. Ein vollständiges Verzeichniss der Herren Beobachter, sowie eine Darstellung der geographischen Lage der Stationen wird der Jahresübersicht der Witterung beigegeben werden. 


} Die pu 
Die beigeschrieh 
Ein Netztheil 


6ang der Wärme und des Luftdruckes im August 1855. 


netirten Linien stellen die Wärme, die ausgezogenen den Luftdruck dar. 
enen Zahlen sind Monatmittel, denen die stärkeren Horizontalli 
Wärme einem Grad Reaumur, beim Luftdrucke ein 


entspricht bei der 


nien entsprechen. 
er. Pariser Linie. 


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Sitzungsb. d. k. Akad. d. W. math. naturw. OL.XVITBA3 Heft. 1855. 


Audkk Hokı Staatsdruckerei 


Hermanstadt 
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Debreezin 
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Laibach 


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Klagenfurt 
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Lienz 


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Gang der Feuchtigkeit und des Ozongehaltes der Luft im August 1855. 


Die punklirten Linien stellen die Feuchtigkeit, die ausgezogenen den Ozongehalt dar. 
Die am Rande befindlichen Zahlen sind die Monatmittel der Feuchtigkeit, jene zwischen 
den Curven die Monatmittel des Ozongehaltes. 

Den Monatmitteln entsprechen die stärkeren Horizontallinien. 

Ein Netztheil beträgt für die Feuchtigkeit 5Procente, für den Ozongehalt einen Theil der Far,, 

. benscala, welche vom völligen Weis bis zum tiefsten Blau zehn Abtheilungen enthält. 


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Die am Rande rechts stehenden Zahlen bezeichnen die grösste Menge des Niederschlages an einem Tage. 


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Sitzungsb. d. k. Akad. d. W. math. naturw. CI. XVIEBA.5. Heft. 1855 


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Im XVII. Bande, I. Heft soll es heissen : 


Seite 170, Zeile 13 von oben: Hippocastanum. 


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